[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Herstellen einer Walze mit elastischem
Bezug, bei dem auf einem Kern Ringscheiben aus einem blattförmigen Fasermaterial aufgeschoben
und axial zusammengepreßt werden und bei dem das Fasermaterial mit einem Kunststoff
versehen und dieser ausgehärtet wird, wobei ein Teil der bis zur Aushärtung erforderlichen
Vernetzung während einer nach dem Beginn des Zusammenpressens liegenden Reifezeit
erfolgt.
[0002] Ein solches Verfahren ist aus DE-PS 10 71 036 bekannt. Man will besonders gute Walzenbeläge
dadurch erhalten, daß die einzeln aufgebrachten Scheiben vor Ingebrauchnahme zu einem
einheitlichen Block miteinander verschweißt werden. Zu diesem Zweck verwendet man
Vliesstoffscheiben, in denen das Bindemittel, beispielsweise Latex, noch nicht völlig
ausvulkanisiert ist. Diese Scheiben werden auf den Walzenkern aufgeschichtet und stark
zusammengedrückt. In diesem Zustand wird die Walze längere Zeit der Einwirkung von
Wärme ausgesetzt, wobei das bereits teilweise vulkanisierte Bindemittel zu Ende vulkanisiert
wird. Die Wärmebehandlung läuft bei Temperaturen ab, die gemäß Ausführungsbeispielen
120°C und 115°C betragen und laut Patentanspruch vorzugsweise über 100°C liegen sollen.
Die Dauer der län-geren Behandlung liegt im Stundenbereich, nämlich laut Ausführungsbeispiel
bei 8 oder 5 Stunden. Auf diese Weise erhält man einen Walzenbezug, der Härte von
90, 96 oder 97° Shore A hat. Ein solcher Bezug ist für das Abquetschen von Flüssigkeiten
aus Textilien, Leder u. dgl. oder als Gegenwalze für Prägezwecke, geeignet.
[0003] Mit einem Bezug versehene Walzen werden auch in Superkalandern und Kompaktkalandern
eingesetzt und dienen dem Glätten von bahnförmigem Material, wie Papier, Vlies, Magnetband,
Textilgewebe u.dgl. Als Kern dient ein Schaft oder ein Hohlzylinder, der insbesondere
aus Grauguß oder Stahl besteht. Bei diesem Anwendungszweck müssen die Bezüge aber
höher belastbar sein.
[0004] Aus EP 0 131 083 B1 ist es bekannt, daß das Fasermaterial vornehmlich aus Zellstoffasern
besteht. Beispielsweise weist der europäische Standardbezug für elastische Kalanderwalzen
80 % Baumwolle und 20 % Wolle auf. Es gibt auch Walzenbezüge, die bis zu 50 % Asbestfasern
oder bis zu 15 % Kohlenstoffasern enthalten. Die Eigenschaften der Walze hängen vom
Mischungsverhältnis ab. Wenn beispielsweise durch Erhöhung des Anteils an tierischer
Wolle die Resistenz gegen Markierungen durch Falten u.dgl. im durchlaufenden Bahnmaterial
verbessert werden soll, verringert sich aufgrund der durch diese Faserart bedingte
höhere Hysterese und der mit ihr verbundenen starken Aufheizung gleichzeitig die mechanische
Belastbarkeit, so daß ein Betrieb bei hoher Belastung, also höheren Maschinengeschwindigkeiten
und höheren Streckenlasten, nicht mehr möglich ist.
[0005] Auch die Temperaturbeständigkeit spielt eine Rolle, weil sich im Bezug durch Hysterese
Wärme entwickelt und in manchen Fällen die elastischen Walzen mit beheizten Walzen
zusammenwirken. In diesem Zusammenhang ist aus US 2 987 802 A ein eingangs erwähntes
Verfahren bekannt, bei dem der Faserbrei, aus dem das Fasermaterial in einer Papiermaschine
hergestellt wird, mit einem warmhärtenden Kunststoff versetzt wird, der vor dem Ausschneiden
der Ringscheiben während sechs bis zehn Minuten bei 290 bis 300 °C ausgehärtet wird.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen elastischen Bezug zu schaffen, der
hochbelastbar und trotzdem markierungsresistent ist.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß bei dem eingangs beschriebenen Verfahren dadurch
gelöst, daß der Kunststoff im wesentlichen ohne Beheizung vernetzt wird und dabei
eine so geringe Vernetzungsgeschwindigkeit besitzt, daß die Reifezeit mindestens zwei
Tage beträgt.
[0008] Wesentlich ist hierbei, daß die Vernetzung im wesentlichen bei Umgebungstemperatur
abläuft, also keine erheblichen Vernetzungsreaktionen aufgrund einer Beheizung erfolgen.
Während des Vernetzens treten daher keine nennenswerten Temperaturunterschiede auf,
die zu unterschiedlichen Reaktionen und daher unterschiedlichen Materialeigenschaften
führen, was später den Ausgangspunkt von Rissen und anderen Schäden bilden kann. Ein
weiterer Vorteil besteht darin, daß zum Aushärten keine Heizvorrichtung erforderlich
ist, sondern daß bei der im übrigen fertiggestellten Walze lediglich die Reifezeit
abgewartet werden muß.
[0009] In der Praxis vergeht zwischen dem Aufbringen des Kunststoffes auf das Fasermaterial
und dem Beginn der Walzenherstellung eine gewisse Zeit. Wegen der geringen Vernetzungsgeschwindigkeit
ist zum Zeitpunkt des Zusammenpressens der Ringscheiben erst ein Bruchteil der gesamten
Vernetzungsreaktionen abgelaufen. Der weitere Vernetzungsvorgang findet nicht nur
innerhalb der Ringscheiben, sondern auch zwischen den unter hohem Druck aufeinander
gepreßten Oberflächen benachbarter Ringscheiben statt. Nach der vorgesehenen Reifezeit
ergibt sich ein homogener Bezugskörper, der die für hohe Beanspruchungen ausreichende
Härte und Elastizität besitzt und aufgrund seiner Homogenität in der Lage ist, auch
die hohen betriebsbedingten Überbelastungen elastisch aufzunehmen, d.h. ohne die bei
herkömmlichen Walzenbezügen hierbei verursachten partiellen Stauchungen, Knickungen
und Ringscheibenverschiebungen. Dadurch wird eine sehr gute Markierungsresistenz erzielt.
[0010] Es ist bekannt, daß man bei kalthärtenden Kunststoffen die Vernetzungsgeschwindigkeit
durch Wahl von Art und Menge des Härter-Zusatzes einstellen kann. Erfindungsgemäß
ist die Wahl so zu treffen, daß für die Herstellung des mit Kunststoff versetzten
Fasermaterials, für das Ausstanzen der Ringscheiben und für das Aufeinanderschichten
und Zusammenpressen ausreichend Zeit bleibt, ohne daß der Vernetzungsvorgang schon
soweit fortgeschritten ist, daß die angestrebte Vernetzung zwischen benachbarten Ringscheiben
nur noch unvollständig erfolgt. Aus diesem Grund muß man eine entsprechend lange Reifezeit
ansetzen. Insbesondere sollte während der Reifezeit der überwiegende Teil der Vernetzung
oder sogar mindestens 75 % der gesamten Vernetzung erfolgen.
[0011] Gemäß bevorzugten Einstellungen der Vernetzungsgeschwindigkeit sollte die Reifezeit
mindestens eine Woche betragen.
[0012] Da sich die besten Ergebnisse bei einer äußerst geringen Vernetzungsgeschwindigkeit
zeigten, kann die gesamte Vernetzung vorzugsweise nach etwa zwei bis vier Wochen abgeschlossen
sein.
[0013] Die einfachste Art der Herstellung besteht darin, daß das Fasermaterial in einer
Papiermaschine aus Faserbrei hergestellt und diesem Faserbrei der Kunststoff beigemischt
wird. Daß hierbei der Kunststoff schon im Faserbrei zu vernetzen beginnt, ist wegen
der geringen Vernetzungsgeschwindigkeit zulässig.
[0014] Eine andere Möglichkeit besteht darin, daß das blattförmige Fasermaterial mit dem
Kunststoff imprägniert wird. Hierdurch vermindert sich der vor dem Zusammenpressen
liegende Abschnitt der Vernetzungszeit.
[0015] Vorzugsweise beträgt die Kunststoffmenge etwa 5 bis 40 % der Fasermenge, insbesondere
etwa 20 bis 30 % der Fasermenge.
[0016] Als Kunststoff empfiehlt sich insbesondere ein wasserdispergierbares Epoxy-System
mit einem Langsam-Härter. Als Langsam-Härter kommt insbesondere ein Polyaminoamin
in Betracht.
[0017] Eine nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Walze besitzt einen elastischen
Bezug, der durch einen homogenen Körper gebildet ist, der aus Fasern und einem gleichmäßig
ausgehärtetem Kunststoff besteht.
[0018] Dieser Kunststoff sollte insbesondere ein mit Polyaminoamin gehärtetes Epoxy-System
sein.
[0019] Die Erfindung wird nachstehend anhand in der Zeichnung dargestellter Ausführungsbeispiele
näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- einen Längsschnitt durch eine erfindungsgemäße hergestellte elastische Walze,
- Fig. 2
- die Draufsicht auf eine Ringscheibe und
- Fig. 3
- einen Teillängsschnitt durch eine andere Ausführungsform.
[0020] Die Walze 1 der Fig. 1 besitzt einen Kern 2 aus Stahl, der an seinen äußeren Enden
3 und 4 gelagert werden kann. Ein elastischer Bezug 5 besteht aus einer Vielzahl von
Ringscheiben 6 aus Fasermaterial. Diese befinden sich zwischen zwei Druckringen 7
und 8, welche mit Hilfe von Spannmuttern 9 und 10 gegeneinander bewegt werden können.
Die Ringscheiben 6 weisen je einen Ausschnitt 11 auf, der mit einer axial verlaufenden
Leiste am Kern 2 zusammenwirkt und auf diese Weise eine Rotation des Bezuges 5 verhindert.
[0021] Die Ringscheiben 6 sind aus einem Bahnmaterial ausgestanzt, das auf einer herkömmlichen
Papiermaschine hergestellt worden ist. Sie bestehen überwiegen aus Fasern, wobei in
erster Linie Baumwollfasern in Betracht kommen. Diese können aber auch mit anderen
Fasern, wie Kunststoffasern, Mineralfasern, Kohlefasern oder tierischen Wollfasern
versetzt sein. Durch die Mischung der Baumwollfasern mit Kunststoff- oder Mineralfasern
wird der elastische Verformungsbereich vergrößert und damit das Rückstellvermögen
beim Durchlaufen von Falten und Papierbatzen gesteigert. Die Ringscheiben können aber
auch aus einem Kunststoffvlies oder Kunststoffpapier ohne Baumwollfasern bestehen.
[0022] Außerdem enthalten die Ringscheiben 5 bis 40 % der Fasermenge an Kunststoff. Dieser
Kunststoff ist dem Faserbrei in der Papiermaschine beigemischt worden. Es handelt
sich um einen kalthärtenden Kunststoff, dessen Härter-Komponente so gewählt ist, daß
sich eine so geringe Vernetzungsgeschwindigkeit ergibt, daß die vollständige Aushärtung
erst nach einigen Tagen oder Wochen erfolgt. Daher befindet sich der in den Ringscheiben
6 enthaltene Kunststoff, wenn die Ringscheiben auf dem Kern 2 geschichtet und anschließend
zusammengepreßt werden, noch im Anfangsstudium der Vernetzung. Ein hierfür geeigneter
Kunststoff ist ein mit Polyaminoamin als Langsam-Härter versetztes wasserdispergierbares
Epoxy-System.
[0023] Um den gewünschten Endzustand der Walze zu erhalten, ist nach dem Zusammenpressen
der Ringscheiben 6 auf dem Kern 2 nichts anderes erforderlich als die Reifezeit, die
sich nach Tagen oder Wochen bemessen läßt, abzuwarten. Als dann besitzt die Walze
einen homogenen elastischen Bezug, der für hohe Geschwindigkeiten und Drücke geeignet
ist und eine hohe Markierungsresistenz besitzt.
[0024] Bei dem Ausführungsbeispiel der Fig. 3 ist der elastische Bezug 105 auf einem als
Hohlwalze ausgebildeten Kern 102 aufgesetzt. Er wird wieder durch Druckringe 107 mittels
Spannmuttern 109 axial zusammengepreßt. Der Kern 102 ist über Lager 112 auf einem
Träger 113 gelagert und kann zusätzlich durch hydrostatische Stützelemente 114, die
an der Innenumfangsfläche des Walzenmantels angreifen, abgestützt werden. Der Träger
113 ist in ständerfesten Lagern 115 gehalten.
[0025] Der Bereich der Umgebungstemperatur deckt in erster Linie die Raumtemperatur, wie
sie in Innenräumen herrscht, soll aber nicht ausschließen, daß die Walze auch Außentemperaturen
ausgesetzt sein kann.
1. Verfahren zum Herstellen einer Walze mit elastischem Bezug, bei dem auf einem Kern
Ringscheiben aus einem blattförmigen Fasermaterial aufgeschoben und axial zusammengepreßt
werden und bei dem das Fasermaterial mit einem Kunststoff versehen und dieser ausgehärtet
wird, wobei ein Teil der bis zur Aushärtung erforderlichen Vernetzung während einer
nach dem Beginn des Zusammenpressens liegenden Reifezeit erfolgt, dadurch gekennzeichnet,
daß der Kunststoff im wesentlichen ohne Beheizung vernetzt wird und dabei eine so
geringe Vernetzungsgeschwindigkeit besitzt, daß die Reifezeit mindestens Zwei Tage
beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß während der Reifezeit der überwiegende
Teil der Vernetzung erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß während der Reifezeit
mindestens 75 % der gesamten Vernetzung erfolgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Reifezeit
mindestens eine Woche beträgt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Vernetzung
nach etwa zwei bis vier Wochen abgeschlossen ist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Fasermaterial
in einer Papiermaschine aus Faserbrei hergestellt und diesem Faserbrei der Kunststoff
beigemischt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß aus dem Faserbrei eine Bahn
erzeugt und diese durch kurzzeitige Erwärmung auf etwa 100° C bis auf eine die weitere
Verarbeitung ermöglichende Restfeuchte getrocknet wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das blattförmige
Fasermaterial mit dem Kunststoff imprägniert wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Kunststoffmenge
etwa 5 bis 40 % der Fasermenge beträgt.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Kunststoffmenge
etwa 20 bis 30 % der Fasermenge beträgt.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß als Kunststoff
ein wasserdispergierbares Epoxy-System mit einem Langsam-Härter verwendet wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß der Langsam-Härter ein Polyaminoamin
ist.