[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Steuerung für das Verschwenken eines mit einer
Hubvorrichtung um eine horizontale Achse aufrichtbaren, in seiner effektiven Länge
veränderlichen Auslegers, mit einem ein Kraftsignal abgebenden Kraftmesser für die
auf die Hubvorrichtung einwirkende Kraft, mit einem ein Winkelsignal abgebenden Aufrichtwinkelgeber
zur Berücksichtigung des Wirkhebels zwischen der Hubvorrichtung und dem Ausleger und
mit einer elektronischen Steuereinheit, die aus dem Kraftsignal und dem Winkelsignal
ein Lastmoment des Auslegers um die horizontale Achse ermittelt. Hierbei entspricht
die effektive Länge des Auslegers bsw. bei einer Hubarbeitsbühne dem Abstand zwischen
der horizontalen Achse und einem Arbeitskorb am freien Ende des Auslegers, das heißt
dem Radius der Kreisbahn auf dem der Arbeitskorb um die horizontale Achse verschwenkt
wird, oder bei einem Kran dem Abstand zwischen der horizontalen Achse und dem Aufpunkt
einer Last. Derartige Steuerungen werden normalerweise dazu verwendet, ein Überschreiten
des maximal zulässigen Lastmoments des Auslegers um die horizontale Achse und damit
ein Umkippen eines für den Ausleger vorgesehenen Gerüsts, Fahrgestells o. dgl. zu
verhindern.
[0002] Eine Steuerung der eingangs beschriebenen Art ist aus der DE-OS 38 07 966 bekannt.
Eine Hubarbeitsbühne weist einen um eine gestellfeste, horizontale Achse verschwenkbaren,
aus zumindest zwei teleskopierbaren Abschnitten bestehenden Ausleger auf. An dem Ausleger
greift ein gestellfest gegengelagerter, doppelt wirkender Hubzylinder als Hubvorrichtung
im Abstand von der Achse an. Die Bodenseite und die Ringseite des Hubzylinders sind
über ein Wegeventil mit einer Pumpe und einem Rücklauf für eine Hydraulikflüssigkeit
verbindbar. Hierbei ist zwischen der Bodenseite des Hubzylinders und dem Wegeventil
ein Rückschlagventil angeordnet. Die Betätigung des Wegeventils erfolgt durch eine
elektronische Steuereinheit in erfolgt durch eine elektronische Steuereinheit in Abhängigkeit
von einem manuell einstellbaren Ansteuersignal. Weiterhin ist die Steuereinheit mit
einem ein Winkelsignal abgebenden Aufrichtgeber und mit einem ein Kraftsignal abgebenden
Kraftmesser verbunden. Aus dem Kraftsignal als Maß für die auf den Hubzylinder einwirkende
Kraft berechnet die Steuereinheit den jeweils zulässigen Aufrichtwinkel und blockiert
bei dessen Unterschreitung die Steuerung. Dies ist der Ermittlung des aktuellen Lastmoments
des Auslegers aus dem Kraftsignal und dem Winkelsignal äquivalent. Die bekannte Steuerung
verhindert zwar ein Überschreiten des maximal zulässigen Lastmoments des Auslegers,
wirkt aber nicht auf dessen Verfahrgeschwindigkeit ein.
[0003] Aus der DE-PS 35 08 691 ist eine Steuerung für eine mit zwei doppeltwirkenden Hydraulikzylindern
um eine vertikale Achse verschwenkbare Drehbühne bekannt, an der ein längenveränderlicher
Ausleger gelagert ist. Die zwei Hydraulikzylinder sind, damit ihre Totpunkte nicht
zusammenfallen, unter Einschluß eines Winkels gegeneinander versetzt angeordnet. Mit
der Schwenkbühne sind zwei Steuerscheiben drehfest verbunden, die auf zwei einstellbare
Drosselventile einwirken. Die beiden Drosselventile sind jeweils in der Versorgungsleitung
eines der Hydraulikzylinder angeordnet. Die Steuerscheiben sind so ausgelegt, daß
die Drosselventile den über den Verschwenkbereich der Drehbühne variierenden Wirkungsgrad
der Hydraulikzylinder ausgleichen. So kann über den gesamten Verschwenkbereich die
maximal zulässige Winkelgeschwindigkeit der Drehbühne ausgenutzt werden. Darüberhinaus
bewirken die Steuerscheiben, wenn sich die Drehbühne einer ihrer Extremlagen nähert,
über die Drosselventile eine Reduktion der maximal möglichen Winkelgeschwindigkeit.
Hiermit wird sichergestellt, daß die Drehbühne nur mit veringerter Winkelgeschwindigkeit
an ihre Anschläge herangefahren werden kann. Mit dem Einhalten einer Weiterhin ist
eine Steuerung für eine Hubarbeitsbühne bekannt, bei der das Einhalten einer maximalen
Verfahrgeschwindigkeit eines Arbeitskorbs an einem freien Ende eines Auslegers mit
zwei gegeneinander geschalteten Drosselventilenerreicht wird. Die Drosselventile sind
in einer einen Hydraulikzylinder zum Verschwenken des Auslegers bodenseitig mit Hydraulikmittel
beaufschlagenden Leitung angeordnet. Eine Berücksichtigung des aktuellen Wirkhebels
zwischen dem Hubzylinder und dem Ausleger sowie der Länge des Auslegers findet dabei
nicht statt. Hieraus resultiert der Nachteil, daß die maximal zulässige Verfahrgeschwindigkeit
tatsächlich nur in einer bestimmten Stellung, d. h. bei einem bestimmten Aufrichtwinkel
und bei maximaler Länge des Auslegers erreichbar ist, während in allen anderen Stellungen
des Auslegers nur geringere Geschwindigkeiten realisiert werden. Hinzu kommt, daß
die bestimmte Stellung, in der die maximale Verfahrgeschwindigkeit erreicht wird,
gerade mit dem oberen Anschlag des Auslegers zusammenfällt.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Steuerung der eingangs beschriebenen
Art mit möglichst geringem apparativen Aufwand derart weiterzubilden, daß trotz grundsätzlicher
Begrenzung der Verfahrgeschwindigkeit in allen Stellungen des Auslegers die Ausnutzung
einer maximal zulässigen Verfahrgeschwindigkeit an dem durch die effektive Länge bestimmten
Punkt des Auslegers möglich ist.
[0005] Erfindungsgemäß wird dies dadurch erreicht, daß die Steuereinheit aus dem Lastmoment
und dem Winkelsignal sowie einem Referenzwert die effektive Länge des Auslegers ermittelt
und daß die Steuereinheit beim Verschwenken des Auslegers dessen effektive Länge und
das Winkelsignal derart berücksichtigt, daß der Ausleger an seinem durch die effektive
Länge bestimmten Punkt eine maximale Verfahrgeschwindigkeit nicht überschreitet. Bei
der neuen Steuerung wird also in jeder Stellung des Auslegers dessen effektive Länge
und dessen Aufrichtwinkel individuell in die Ansteuerung der Hubvorrichtung einbezogen.
Die dann durchgeführte Beschränkung der Verfahrgeschwindigkeit auf einen maximal zulässigen
Höchstwert erlaubt somit zugleich die volle Ausnutzung dieses Höchstwerts. Dies gilt
selbst in solchen Stellungen des Auslegers, in denen der Ausleger selbst oder eine
Last am Ausleger auf minimale effektive Länge des Auslegers eingefahren ist. Für die
neue Steuerung sind dabei keine Meßwertgeber notwendig, die nicht bereits zur Begrenzung
des maximalen Lastmoments vorhanden wären. Aus dem Lastmoment ist nämlich unter Berücksichtigung
eines Referenzwertes ohne Probleme die effektive Länge des Auslegers ermittelbar.
[0006] Beim Verschwenken des Auslegers mit der Hubvorrichtung um die horizontale Achse berücksichtigt
die Steuerung das Winkelsignal als Maß für den Wirkhebel zwischen Hubvorrichtung und
Ausleger. Die Steuerung kann aber auch zum Verschwenken des Auslegers mit einer Schwenkvorrichtung
um eine vertikale Achse vorgesehen sein, wobei die Steuerung beim Verschwenken des
Auslegers nur den horizontalen Anteil der effektiven Länge des Auslegers berücksichtigt,
der über die vertikale Achse hinaussteht. In diesem Fall dient das Winkelsignal als
unmittelbares Maß für den Aufrichtwinkel des Auslegers, dessen Cosinus den horizontalen
Anteil der effektiven Länge angibt.
[0007] Der Referenzwert kann von der Steuereinheit in einer Grundstellung des Auslegers
aus dem Kraftsignal ermittelt werden. Auf diese Weise wird z.B. die aktuell an dem
Ausleger eines Krans angehängte Last bei der Ermittlung der effektiven Länge des Auslegers
berücksichtigt. Bei Hubarbeitsbühnen reicht es allerdings meistens aus, einen beladungsunabhängigen
Referenzwert zu verwenden. Dies gilt genauergesagt immer dann, wenn die Beladung bzw.
eine Belastung nur zu geringen Teilen das gesamte Lastmoment des Auslegers um die
horizontale Achse ausmacht. In diesem Fall täuscht die zusätzliche, in dem Referenzwert
nicht berücksichtigte Beladung bzw. Belastung in ungefährlicher Weise größere Längen
des Auslegers vor, als tatsächlich vorliegen, wodurch die von der Steuerung zugelassene
maximale Geschwindigkeit geringfügig reduziert wird. Wenn ein beladungs- bzw. belastungsabhängiger
Referenzwert Verwendung findet, was bei Kränen eigentlich immer der Fall sein muß,
so kann dieser in einer weitgehend beliebigen Grundstellung des Auslegers ermittelt
werden. Voraussetzung ist nur, daß für diese Grundstellung der tatsächliche Aufrichtwinkel
und die tatsächliche Länge des Auslegers sowie ein beladungs- bzw. belastungsunabhängiger
Grundwert, der dem Referenzwert ohne Berücksichtigung der aktuellen Beladung bzw.
Belastung entspricht, bekannt sind. Bei einer Hubarbeitsbühne bietet es sich an, die
Ermittlung des spezifischen Referenzwerts in der Grundstellung vor Ausfahren und Aufrichten
des Auslegers durchzuführen. Bei einem Kran mit einer Vorrichtung zur Lastbestimmung
ist es demgegenüber nicht notwendig, für die Ermittlung eines exakten Referenzwertes
eine Grundstellung mit bekannter effektiver Länge des Auslegers einzustellen. Vielmehr
läßt sich der Referenzwert vorteilhaft aus dem oben erläuterten Grundwert und einem
unmittelbar lastabhängigen Term zusammensetzen.
[0008] Die maximale Verfahrgeschwindigkeit, die von der Steuerung in jeder Stellung des
Auslegers eingehalten wird, kann eine im wesentlichen konstante, aber auf Extremlagen
des Auslegers zu abnehmende Funktion sein. Ein solcher Verlauf der maximalen Verfahrgeschwindigkeit
stellt ein vorsichtiges Annähern des Auslegers an seine Anschläge sicher.
[0009] In der Steuereinheit kann sowohl die Ermittlung des Lastmoments und der Länge, als
auch die Berücksichtigung der Länge und des Winkelsignals bei der Ansteuerung des
In der Steuereinheit kann sowohl die Ermittlung des Lastmoments und der Länge, als
auch die Berücksichtigung der Länge und des Winkelsignals bei der Ansteuerung des
Hubzylinders anhand einer Werte zwischen null und eins annehmenden Funktion erfolgen,
wobei die Funktion als ein Faktor auf ein Ansteuersignal einwirkt. Ein derartiges
Ansteuersignal wird üblicherweise mit Hilfe eines Geschwindigkeits- und Richtungswahlhebels
aus einer vorgegebenen, konstanten Spannung erzeugt. Wenn dieses Ansteuersignal in
Abhängigkeit von der Stellung des Auslegers mit einem Korrekturwert zwischen 0 und
1 multipliziert wird, ist stets der gesamte Wählbereich des Geschwindigkeits- und
Richtungswahlhebels voll nutzbar. Insbesondere wird die maximale Verfahrgeschwindigkeit
des durch die effektive Länge bestimmten Punkts des Auslegers nicht bereits vor der
maximalen Auslenkung des Geschwindigkeits- und Richtungswahlhebels erreicht. Für die
Ermittlung des Korrekturfaktors, der in der jeweiligen Stellung des Auslegers mit
dem Ansteuersignal zu überlagern ist, spielen die absoluten Werte des Lastmoments
und der effektiven Länge sowie des Aufrichtwinkels des Auslegers keine Rolle. Es reicht
daher in der Regel aus, wenn die Steuereinheit aus dem Winkelsignal und dem Krafsignal
unter Berücksichtigung des Referenzwerts unmittelbar den aktuellen Wert der Funktion,
d. h. den entsprechenden Korrekturfaktor für das Ansteuersignal ermittelt. Die Funktion
kann dabei abschnittweise definiert sein, da es häufig nicht sinnvoll ist, die Funktion
in mathematisch geschlossener Form darzustellen. Eine bessere Anpassung an die tatsächlichen
Gegebenheiten läßt sich mit geringerem Aufwand durch eine abschnittweise Definition
der Funktion erreichen. Unter Verzicht auf die vollständige Ausnutzung der maximal
zulässigen Verfahrgeschwindigkeit des Auslegers ist es häufig aber auch möglich, eine
einfache geschlossene Form für die Funktion aufzufinden. Ansonsten bietet sich bei
abschnittweiser Definition die Darstellung der Funktion als Spline an, dessen Grad
auf die für die Steuereinheit zur Verfügung stehende Rechnerkapazität abzustimmen
ist.
[0010] Die Steuereinheit kann beim Ansteuern der Hubvorrichtung bzw. der Schwenkvorrichtung
die Länge des Auslegers und das Winkelsignal derart berücksichtigen, daß der Ausleger
an seinem durch die effektive Länge bestimmten Punkt eine maximale Verfahrbeschleunigung
nicht überschreitet. Mit geringem zusätzlichen Aufwand ist die neue Steuerung nicht
nur zur Beschränkung der maximalen Verfahrgeschwindigkeit sondern auch der maximalen
Verfahrbeschleunigung geeignet. Auf diese Weise läßt sich eine Reduktion der dynamischen
Belastung des Auslegers erreichen.
[0011] In einer bevorzugten Ausführungsform der Steuerung verbindet die Steuereinheit zum
Verschwenken des Auslegers eine Bodenseite und eine Ringseite des Hubzylinders als
Hubvorrichtung über ein 3/4-Wege-Proportionalventil mit einer Pumpe und einem Rücklauf
für eine Hydraulikflüssigkeit, wobei zwischen der Bodenseite und dem 3/4-Wege-Proportionalventil
ein Senkbremssperrventil mit einem Regelkolben angeordnet ist, den die Steuereinheit
über ein Proportionalventil beaufschlagt. Bei dieser Anordnung sind keine zusätzlichen
Drosselventile zur Begrenzung der maximalen Verfahrgeschwindigkeit des Auslegers notwendig.
Vielmehr wirkt die Steuereinheit ausschl. auf das 3/4-Wege-Proportionalventil und
das Proportionalventil für den Regelkolben des Senkbremssperrventils ein. Natürlich
wäre es auch möglich, die Begrenzung der maximalen Verfahrgeschwindigkeit des Auslegers
mit Hilfe von separaten, durch die Steuerung ansteuerbaren Drosselventilen durchzuführen.
Hiermit würde jedoch der apparative Aufwand in unnötiger Weise in die Höhe getrieben.
[0012] Der Kraftmesser kann ein der Bodenseite des Hydraulikzylinders zugeordneter Druckaufnehmer
sein, wobei die Ringseite von einem konstanten Druck beaufschlagt wird. Es ist bekannt,
daß die auf einen Hydraulikzylinder einwirkende Kraft aus dem bodenseitigen und dem
ringseitigen Druck ermittelt werden kann. Sofern der ringseitige Druck gewisse Grenzen
nicht überschreitet, reicht in erster Nährung auch die alleinige Berücksichtigung
des bodenseitigen Drucks aus. Ohne Fehler ist die alleinige Berücksichtigung des bodenseitigen
Drucks aber, wenn wie hier die Ringseite mit einem konstanten Druck beaufschlagt wird,
dessen Einfluß sich als konstanter Korrekturentherm berücksichtigen läßt. Darüberhinaus
stellt der konstante Druck auf der Ringseite auch ein Rückführen des aufgerichteten
Auslegers sicher. Grundsätzlich sind Druckaufnehmer zur Bestimmung der auf den Hubzylinder
einwirkenden Kraft wegen ihrer problemlosen Anordnung und ihrer hohen Meßgenauigkeit
im Vergleich zu beispielsweise Meßstreifen von Vorteil.
[0013] Die Steuereinheit kann beim Ansteuern des Hubzylinders zusätzlich die Kennlinien
des 3/4-Wege-Proportionalventils und/oder des Senkbremssperrventils und/oder des Proportionalventils
berücksichtigen. Insbesondere ist dabei an die Abhängigkeit der Kennlinie des Senkbremssperrventils
von dem bodenseitigen Druck des Hubzylinders zu denken. Die Kennlinien des 3/4-Wege-Proportionalventils
und des Proportionalventils für den Steuerkolben des Senkbremssperrventils sind demgegenüber
nur dann berücksichtigenswert, wenn sie stark von einem linearen Verlauf abweichen
oder unter allen Bedingungen der Absolutwert der maximalen Verfahrgeschwindigkeit
ausgenutzt werden soll.
[0014] Die Erfindung wird im Folgenden anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert
und beschrieben. Es zeigt:
- Figur 1
- eine schematische Schaltung der Steuerung bei einer Hubarbeitsbühne mit einem durch
einen Hubzylinder aufrichtbaren Ausleger und
- Figur 2
- eine Auftragung eines Wirkhebels des Hubzylinders der Hubarbeitsbühne gemäß Figur
1.
[0015] Figur 1 zeigt eine Hubarbeitsbühne 1 mit einem teleskopierbaren Ausleger 2 und einem
Arbeitskorb 3, der an einem Schwenkarm 4 an dem freien Ende des Auslegers 2 gelagert
ist. Der Ausleger 2 ist um eine horizontale Achse 5 aufricht- und verschwenkbar an
einem Untergestell 6 gelagert. Zum Aufrichten und Verschwenken des Auslegers 2 gegenüber
dem Untergestell 6 ist ein Hubzylinder 7 vorgesehen. Der Hubzylinder 7 greift mit
Abstand zu der horizontalen Achse 5 einerseits an dem Untergestell 6 und andererseits
an dem Ausleger 2 an. Beim Verschwenken des Auslegers 2 mit dem Hubzylinder 7 ergibt
sich, wenn sich der Hubzylinder 7 mit einer konstanten Geschwindigkeit ausdehnt, eine
nicht konstante Verfahrgeschwindigkeit des Arbeitskorbs 3. Die Verfahrgeschwindigkeit
zeigt die in Figur 2 reziprok wiedergegebene Abhängigkeit von einem Aufrichtwinkel
α 8 des Auslegers 2. Unmittelbar zeigt Figur 2 einen Auftrag des Wirkhebels WH des
Hubzylinders 7 über dem Aufrichtwinkel α 8. Der Wirkhebel ist dabei ein Maß für den
Anteil der vom Hubzylinder 7 ausgehenden Kraft, der zum Verschwenken des Auslegers
2 nutzbar ist. Hieraus folgt auch unmittelbar, daß der Wirkhebel WH der Verfahrgeschwindigkeit
v des Auslegers 2 umgekehrt proportional ist. Bei dem dargestellten Verlauf des Wirkhebels
heißt das: Die Verfahrgeschwindigkeit des Auslegers 2 nimmt bei Ausdehnung des Hubzylinders
7 mit konstanter Geschwindigkeit zu größeren Werten des Aufrichtwinkels α 8 hin beträchtlich
zu. Hinzu kommt, daß die Verfahrgeschwindigkeit des Arbeitskorbs 3 an dem freien Ende
des Auslegers 2 natürlich auch von der diesem Punkt zugeordneten effektiven Länge
9 des Auslegers 2 abhängt. Die effektive Länge 9 ist sowohl durch Teleskopieren des
Auslegers 2 als auch durch Verschwenken des Schwenkarms 4 veränderbar. Die gesetzliche
Vorgabe verlangt nun eine Beschränkung der maximalen Verfahrgeschwindigkeit des Arbeitskorbs
3 der Hubarbeitsbühne 1 auf 0,4 m/sek. Um diese maximale Verfahrgeschwindigkeit einerseits
einzuhalten, aber andererseits auch voll ausnutzen zu können, ist eine Steuerung 10
vorgesehen.
[0016] Die Steuerung 10 weist eine elektronische Steuereinheit 11 auf. Die Steuereinheit
11 ist eingangsseitig mit einem Aufrichtwinkelgeber 12 für den Aufrichtwinkel α 8
des Auslegers 2, mit einem Druckaufnehmer 13 und mit einem Geschwindigkeits- und Richtungswählhebel
14 verbunden. Ausgangsseitig wirkt die Steuereinheit 11 auf ein 3/4-Wege-Proportionalventil
15 und ein Proportionalventil 16 ein. Über das 3/4-Wege-Proportionalventil 15 sind
eine Bodenseite 17 und eine Ringseite 18 des Hubzylinders 7 mit einer Pumpe 19 und
einem Rücklauf 20 für Hydraulikmittel verbindbar. Das Proportionalventil 16 dient
zum Ansteuern eines Steuerkolbens eines Senkbremssperrventils 21, das zwischen dem
3/4-Wege-Proportionalventil 15 und der Bodenseite 17 des Hydraulikzylinders 7 angeordnet
ist. Der Druck auf der Bodenseite 17 des Hubzylinders 7 ist ein Maß für die von dem
Hubzylinder 7 ausgeübte bzw. die auf den Hubzylinder 7 einwirkende Kraft. Dem Fachmann
ist natürlich bekannt, daß eigentlich nicht der Druck auf der Bodenseite 17 des Hubzylinders
7 das Maß für die auf den Hubzylinder 7 einwirkende Kraft ist, sondern daß streng
genommen die Druckdifferenz zwischen der Bodenseite 17 und der Ringseite 18 bei Berücksichtigung
der jeweiligen Wirkflächen entscheidend ist. Mit der Steuerung 10 wird hier jedoch
ein konstanter Druck auf die Ringseite 18 des Hubzylinders 7 gegeben, so daß die aktuell
auf den Hubzylinder 7 einwirkende Kraft allein aus dem Druck auf der Bodenseite 17
ermittelt werden kann. Auch sonst wäre aber der durch die Vernachlässigung des Drucks
auf der Ringseite verursachte Fehler nur gering. So gibt der Druckaufnehmer 13 an
die Steuereinheit 11 ein Kraftsignal 22 ab. Aus dem Kraftsignal 22 und einem von dem
Aufrichtwinkelgeber 12 abgegebenen Winkelsignal 23 ermittelt die Steuereinheit 11
zunächst ein Lastmoment des Auslegers 2 um die horizontale Achse 5, um das Überschreiten
eines maximalen Lastmoments und eine damit verbundene Kippgefahr für das Grundgestell
6 zu vermeiden. Aus dem Lastmoment des Auslegers 2 und dem Winkelsignal 23 ermittelt
die Steuereinheit außerdem die effektive Länge 9 des Auslegers 2. Hierbei legt die
Steuereinheit 11 einen in einer Grundstellung des Auslegers 2 aufgenommenen Referenzwert
zugrunde. Die Ermittlung der effektiven Länge 9 aus dem Winkelsignal 23 bzw. dem Aufrichtwinkel
α 8 und dem Lastmoment ist möglich, da bei festem Aufrichtwinkel α 8 und konstanter,
durch den Referenzwert berücksichtigter Beladung des Arbeitskorbs 3 das Lastmoment
bzw. der damit proportionale Druck auf der Bodenseite 17 des Hubzylinders 7 eine eindeutige,
streng monoton steigende Funktion der effektiven Länge 9 ist. Die Steuereinheit 11
berücksichtigt nun die effektive Länge 9 des Auslegers 2 und den Aufrichtwinkel α
8 als Maß für den Wirkhebel WH des Hubzylinders 7 beim Ansteuern des Hubzylinders
7 über das 3/4-Wege-Proportionalventil 15 und das Proportionalventil 16 derart, daß
in jeder Stellung des Auslegers 2 der Arbeitskorb 3 an dem freien Ende des Auslegers
2 höchstens die maximal zulässige Verfahrgeschwindigkeit erreicht. Damit stellt die
Steuereinheit 11 andererseits auch sicher, daß diese maximal zulässige Verfahrgeschwindigkeit
in jeder Stellung des Auslegers 2 voll ausgenutzt werden kann.
[0017] Zur willkürlichen Betätigung der Steuerung 10 dient der Geschwindigkeits- und Richtungswahlhebel
14. Mit dem Geschwindigkeits- und Richtungswahlhebel 14 ist ein Potentiometer 24 gekoppelt,
das aus einer Ausgangsspannung 25 ein Ansteuersignal 26 generiert. Die Ausgangsspannung
25 wird von der Steuereinheit 11 bereitgestellt. Ebenso geht das Ansteuersignal 26
an die Steuereinheit 11 zurück. Auf die Ausgangsspannung 25 oder das Ansteuersignal
26 wirkt die Steuereinheit 11 in Form eines abschwächenden Faktors ein, den die Steuereinheit
unmittelbar aus einer Funktion ermitteln, deren Argumente das Kraftsignal 22, das
Winkelsignal 23 und der Referenzwert sind. Eine explizite Berechnung der effektiven
Länge 9 des Auslegers 2 ist dabei in der Regel entbehrlich. Das Lastmoment des Auslegers
2 muß von der Steuereinheit 11 jedoch stets überwacht werden, damit ein Verfahren
des Auslegers in eine das maximal zulässige Lastenmoment überschreitende Stellung
verhindert wird.
[0018] Es versteht sich, daß bei der Steuerung 10 das 3/4-Wege-Proportionalventil im wesentlichen
für das Aufrichten des Auslegers 2 und das Proportionalventil 16 im wesentlichen für
das Absenken des Auslegers 2 vorgesehen sind. Bekanntermaßen weist das mit dem Proportionalventil
16 angesteuerte Senkbremssperrventil 21 eine Kennlinie mit ausgeprägter Druckabhängigkeit
auf. Diese wird von der Steuereinheit 11 beim Absenken des Auslegers 2 über das Drucksignal
22 ebenfalls berücksichtigt, um die maximal zulässige Verfahrgeschwindigkeit des Arbeitskorbs
3 einzuhalten bzw. auszunutzen. Darüberhinaus wäre auch eine Berücksichtigung der
Kennlinien des 3/4-Wege-Proportionalventils 15 und des Proportionalventils 16 möglich.
Dies ist jedoch normalerweise entbehrlich, da hier in der Regel lineare Kennlinien
vorliegen.
[0019] Vorteilhaft ist die Steuerung 10 auch dafür vorgesehen, die maximal mögliche Verfahrgeschwindigkeit
des Arbeitskorbs 3 beim Erreichen von Extremlagen, d. h. Anschlägen des Auslegers
2 herabzusetzen und die maximalen Verfahrbeschleunigungen des Arbeitskorbs 3 zu begrenzen.
Auf diese Weise werden die dynamischen Belastungen der Hubarbeitsbühne 1 deutlich
verringert und damit ihre Funktionssicherheit erhöht.
[0020] Neben der horizontalen Achse 5 ist der Ausleger 2 zusammen mit dem Untergestell 6
auch um eine vertikale Achse 27 verschwenkbar. Hierfür ist eine zeichnerisch nicht
wiedergegebene Schwenkvorrichtung vorgesehen, die ebenfalls von der elektronischen
Steuereinheit 11 der Steuerung 10 in Abhängigkeit von dem Kraftsignal 22 und dem Winkelsignal
23 angesteuert wird. Zum Erreichen und Einhalten der maximalen Verfahrgeschwindigkeit
des Arbeitskorbs 3 wird dabei faktisch nur ein horizontaler, über die vertikale Achse
hinausstehender Anteil 28 der effektiven Länge 9 des Auslegers 2 berücksichtigt. Dieser
ergibt sich als Produkt der effektiven Länge 9 und dem Cosinus des Aufrichtwinkels
α 8, von dem noch der Abstand zwischen der horizontalen Achse 5 und der vertikalen
Achse 27 abzuziehen ist.
BEZUGSZEICHENLISTE:
[0021]
- 1
- Hubarbeitsbühne
- 2
- Ausleger
- 3
- Arbeitskorb
- 4
- Schwenkarm
- 5
- horizontale Achse
- 6
- Untergestell
- 7
- Hubzylinder
- 8
- Aufrichtwinkel α
- 9
- Länge
- 10
- Steuerung
- 11
- Steuereinheit
- 12
- Aufrichtwinkelgeber
- 13
- Druckaufnehmer
- 14
- Geschwindigkeits- und Richtungswählhebel
- 15
- 3/4-Wege-Proportionalventil
- 16
- Proportionalventil
- 17
- Bodenseite
- 18
- Ringseite
- 19
- Pumpe
- 20
- Rücklauf
- 21
- Senkbremssperrventil
- 22
- Kraftsignal
- 23
- Winkelsignal
- 24
- Potentiometer
- 25
- Ausgangsspannung
- 26
- Ansteuersignal
- 27
- vertikale Achse
- 28
- Anteil
1. Steuerung für das Verschwenken eines in seiner effektiven Länge veränderlichen, mit
einer Hubvorrichtung um eine horizontale Achse aufrichtbaren Auslegers, mit einem
ein Kraftsignal abgebenden Kraftmesser für die auf die Hubvorrichtung einwirkende
Kraft, mit einem ein Winkelsignal abgebenden Aufrichtwinkelgeber zur Berücksichtigung
des Wirkhebels zwischen der Hubvorrichtung und dem Ausleger und mit einer elektronischen
Steuereinheit, die aus dem Kraftsignal und dem Winkelsignal ein Lastmoment des Auslegers
um die horizontale Achse ermittelt, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuereinheit
(11) aus dem Lastmoment und dem Winkelsignal (23) sowie einem Referenzwert die effektive
Länge (9) des Auslegers (2) ermittelt und daß die Steuereinheit (11) beim Verschwenken
des Auslegers (2) dessen effektive Länge und das Winkelsignal (23) derart berücksichtigt,
daß der Ausleger (2) an seinem durch die effektive Länge (9) bestimmten Punkt eine
maximale Verfahrgeschwindigkeit nicht überschreitet.
2. Steuerung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuerung (10) zum Verschwenken
des Auslegers (2) mit der Hubvorrichtung um die horizontale Achse (5) vorgesehen ist.
3. Steuerung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuerung (10) zum Verschwenken
des Auslegers (2) mit einer Schwenkvorrichtung um eine vertikale Achse (27) vorgesehen
ist.
4. Steuerung nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Referenzwert
von der Steuereinheit (11) in einer Grundstellung des Auslegers (2) aus dem Kraftsignal
(22) ermittelt wird.
5. Steuerung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die maximale
Verfahrgeschwindigkeit eine im wesentlichen konstante, aber auf Extremlagen des Auslegers
(2) zu abnehmende Funktion ist.
6. Steuerung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß in der Steuereinheit
(11) sowohl die Ermittlung des Lastmoments und der effektiven Länge (9), als auch
die Berücksichtigung der effektive Länge (9) und des Winkelsignals (23) beim Verschwenken
des Auslegers (2) anhand einer Werte zwischen null und eins annehmenden Funktion des
Kraftsignals (22), des Winkelsignals (23) und des Referenzwerts erfolgt, wobei die
Funktion in Form eines Faktors auf ein Ansteuersignal (26) einwirkt.
7. Steuerung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuereinheit
(11) beim Verschwenken des Auslegers (2) dessen effektive Länge (9) und das Winkelsignal
(23) derart berücksichtigt, daß der Ausleger (2) an seinem durch die effektive Länge
bestimmten Punkt eine maximale Verfahrbeschleunigung nicht überschreitet.
8. Steuerung nach einem der Ansprüche 1, 2 und 4 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daS die
Steuereinheit (11) zum Verschwenken des Auslegers (2) eine Bodenseite (17) und eine
Ringseite (18) eines als Hubvorrichtung dienenden Hubzylinders (7) über ein 3/4-Wege-Proportionalventil
(15) mit einer Pumpe (19) und einem Rücklauf (20) für eine Hydraulikflüssigkeit verbindet,
wobei zwischen der Bodenseite (17) und dem 3/4-Wege-Proportionalventil (15) ein Senkbremssperrventil
(21) mit einem Regelkolben angeordnet ist, den die Steuereinheit (11) über ein Proportionalventil
(16) beaufschlagt.
9. Steuerung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Kraftmesser ein der Bodenseite
(17) des Hydraulikzylinders (7) zugeordneter Druckaufnehmer (13) ist, wobei die Ringseite
(18) mit einem konstanten Druck beaufschlagt wird.
10. Steuerung nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuereinheit (11)
beim Ansteuern des Hubzylinders (7) die Kennlinien des 3/4-Wege-Proportionalventils
(15) und/oder des Senkbremssperrventils (21) und/oder des Proportionalventils (16)
berücksichtigt.