[0001] Die Erfindung betrifft eine Treibladungshülse nach dem Oberbegriff des Anspruchs
1 und ein Verfahren zu ihrer Herstellung nach dem Oberbegriff des Anspruchs 3.
[0002] Treibladungshülsen sowohl aus Stahl als auch aus Aluminium sind bekannt, wobei letzteres
der Gewichtsersparnis dient. Jedoch wird auch die Wandstärke von Treibladungshülsen
aus Stahl möglichst gering gehalten, und zwar insbesondere für Munition, die in der
Luft befördert werden soll.
[0003] Es ist beispielsweise aus der US-PS 2 915 424 bekannt, Treibladungshülsen aus Stahl
aus scheibenförmigen Rohlingen durch anfängliches Prägen, Schmieden, Tiefziehen des
durch Schmieden hergestellten napfförmigen Formstücks und Ausbilden des Bodenbereichs
und des Hülsenhalses herzustellen. Im Bereich des zylindrischen Hülsenkörpers bis
zum vorderen Ende des Hülsenhalses ergibt sich abgesehen vom Bereich benachbart zum
Boden eine gleichbleibende Wandstärke.
[0004] Aus der CH-PS 503 966 ist es bekannt, Treibladungshülsen aus Aluminium aus einem
zylindrischen Rohling herzustellen, wobei der Rohling zunächst zu einem napfförmigen
Formstück umgeformt und anschließend tiefgezogen wird. Danach wird der Hülsenboden
ausgeformt und der Hülsenhals, der mit dem zylindrischen Hülsenkörper über den Schulterkonus
verbunden ist, ausgebildet. Auch hier ergibt sich zunächst eine vom Hülsenboden bis
in den vorderen Bereich gleichbleibende oder kontinuierlich abnehmende Wandstärke,
wobei die Wandstärke im Bereich des Schulterkonus und des Hülsenhalses durch das bei
deren Ausbildung vorgenommene Stauchen gegenüber der Wandstärke des benachbarten Bereichs
des Hülsenkörpers vergrössert wird.
[0005] Ferner ist es aus der EP-PS 0 096 186 bekannt, bei einer Treibladungshülse aus Stahl
die vom Hülsenboden nach vorne kontinuierlich abnehmende Wandstärke im Bereich des
Schulterkonus schon vor der Ausbildung des letzteren zu verdicken, wobei die Wandstärke
im Bereich des Schulterkonus bei der fertigen Treibladungshülse gleichbleibend ist.
Dies soll dazu dienen, beim Zuführen der Patrone zur Waffe Stauchungen im Schulterkonusbereich
zu vermeiden.
[0006] Beim Verschießen von übliche Treibladungshülsen aus Stahl aufweisender Munition etwa
mittels Maschinenkanonen mit Drehverschluß, wie sie beispielsweise aus der US-PS 4
418 607 bekannt sind, wurde festgestellt, daß häufiger Verschlußklemmer und Funktionsstörungen
bei der Entladebewegung der Waffe verursacht werden.
[0007] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Treibladungshülse nach dem Oberbegriff des Anspruchs
1 zu schaffen, mit der Verschlußklemmer und Funktionsstörungen bei der Entladebwegung
der Waffe vermieden werden.
[0008] Diese Aufgabe wird entsprechend dem kennzeichnenden Teil des Anspruchs 1 gelöst.
[0009] Dadurch, daß die Wandstärke des Schulterkonus gegenüber derjenigen des Hülsenkörpers
zumindest im zum Schulterkonus benachbarten Bereich im Zehntelmillimeterbereich verringert
ist, wobei dies beim Ziehen des Hülsenkörpers durch Verwendung eines eine Wulst aufweisenden
Stempels im Bereich des späteren Schulterkonus erzeugt wird, werden die genannten
Funktionsstörungen überraschenderweise nicht mehr beobachtet. Vermutlich sind die
aufgetretenen Funktionsstörungen darauf zurückzuführen, daß durch den Gasdruck bei
Schußabgabe die Treibladungshülse sich nicht nur radial, sondern auch axial im Ladungsraum
aufweitet, mit der axialen Aufweitung der axialen Verschlußbewegung von ca. 0,15 mm
folgt und dabei - wenn auch nur geringfügig - plastisch verformt wird, wodurch eine
vollkommene Rückfederung verhindert wird. Der hierdurch erzeugte Reibeingriff zwischen
Verschluß und Hülsenboden könnte dann die Verschlußklemmer verursachen. Die vorgesehene
Verjüngung des den Übergangsbereich der Treibladungshülse bildenden Schulterkonus
könnte in diesem Zusammenhang eine ausreichende elastische Rückfederung der Treibladungshülse
bei der Schußabgabe bewirken, so daß der Verschluß seine axiale Rückfederung ausführen
kann und eine Verklemmung durch die zwischen Verschluß und Hülsenboden während der
Verschlußöffnungsbewegung entstandenen Reibung auf ein Minimum reduziert wird, so
daß sich der Verschluß leicht öffnen läßt.
[0010] Weitere Ausgestaltungen der Erfindung sind der nachfolgenden Beschreibung und den
Unteransprüchen zu entnehmen.
[0011] Die Erfindung wird nachstehend anhand eines in den beigefügten Abbildungen dargestellten
Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Fig. 1 zeigt eine Treibladungshülse im Schnitt.
Fig. 2 zeigt vergrößert einen Ausschnitt der Treibladungshülse von Fig. 1
Fig. 3 zeigt ausschnittweise einen Herstellungsschritt für die Treibladungshülse von
Fig. 1.
[0012] Die in Fig. 1 dargestellte einstückige Treibladungshülse aus Stahl umfaßt einen zylindrischen
Hülsenkörper 1, der an einem Ende einen Hülsenboden 2 und am anderen Ende einen Hülsenhals
3 mit gegenüber dem Hülsenkörper 1 verringerten Durchmesser aufweist, wobei der Hülsenhals
3 über einen Schulterkonus 4 mit dem Hülsenkörper 1 verbunden ist. Der Hülsenboden
2 besitzt eine zentrale Öffnung 5 zur Aufnahme eines Zünders und eine umlaufende Ausnehmung
6. Der Hülsenkörper 1 ist mit einer umlaufenden Sicke 7 in einem bestimmten Abstand
zum Schulterkonus 4 versehen. Die Wandstärke des Hülsenkörpers 1 nimmt vom Bereich
des Hülsenbodens 2 bis zum Schulterkonus 4 kontinuierlich von beispielsweise 1,4 mm
auf 0,9 mm ab. Derartige Treibladungshülsen werden beispielsweise für Kaliber von
25 mm bis 35 mm oder darüber verwendet.
[0013] Der Bereich des Schulterkonus 4 ist in seiner Wandstärke d gegenüber der Wandstärke
d' des benachbarten Bereichs des Hülsenkörpers 1, die beispielsweise 0,9 mm beträgt,
im Zehntelmillimeterbereich vorzugsweise um 0,05 mm bis 0,4 mm, insbesondere 0,01
bis 0,2 mm, verringert, wodurch diesem Bereich eine größere Elastizität verliehen
wird.
[0014] Dieser Schulterkonus 4 mit verringerter Wandstärke wird dadurch erzeugt, daß beim
Ziehen eines entsprechenden bereits hülsenförmigen Formstücks 8 ein Stempel 9 mit
einer Wulst 10, die gegenüber dem Außendurchmesser des Stempels 9 radial um eine Distanz
d'' vorsteht und eine Länge entsprechend der für die Ausbildung des späteren Schulterkonus
4 benötigten Länge aufweist, verwendet wird, der im Bereich des späteren Schulterkonus
4 eine entsprechende im Zehntelmillimeterbereich liegende Wandstärkenverjüngung erzeugt,
so daß beim anschließenden Ausformen des Schulterkonus 4 dieser trotz des dabei auftretenden
Stauchens eine gleichbleibende, gegenüber dem Hülsenkörper 1 verringerte Wandstärke
aufweist.
[0015] Die Treibladungshülse kann aus einem zylindrischen Rohling gefertigt werden, der
zunächst durch Stauchvorgänge und anschließend durch Ziehvorgänge hülsenförmig ausgeformt
werden kann.
1. Treibladungshülse aus Stahl mit einem zylindrischen Hülsenkörper (1), der an einem
Ende einen Hülsenboden (2) und am anderen Ende einen Hülsenhals (3) aufweist, wobei
der Hülsenhals (3) über einen Schulterkonus (4) von im wesentlichen gleichbleibender
Wandstärke mit dem Hülsenkörper (1) verbunden ist, dadurch gekennzeichnet, daß die Wandstärke (d) des Schulterkonus (4) gegenüber der Wandstärke (d'') des
Hülsenkörpers (1) im zum Schulterkonus (4) benachbarten Bereich im Zehntelmillimeterbereich
verringert ist.
2. Treibladungshülse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Wandstärke des
Schulterkonus (4) gegenüber derjenigen des Hülsenkörpers (1) im Bereich von etwa 0,05
bis 0,4 mm verringert ist.
3. Verfahren zur Herstellung einer Treibladungshülse aus Stahl nach Anspruch 1 oder 2
aus einem vorzugsweise zylindrischen Rohling unter Ziehen eines zylindrischen Hülsenkörpers
mit damit verbundenem Hülsenboden, Ausbilden des Hülsenbodens und Einsenken des Schulterkonus-
und Halsbereichs, dadurch gekennzeichnet, daß beim Ziehen des Hülsenkörpers durch Verwendung eines eine Wulst aufweisenden
Stempels im Bereich des späteren Schulterkonus eine im Zehntelmillimeterbereich liegende
Wandstärkenverjüngung erzeugt wird.