[0001] Die Erfindung betrifft ein elektromagnetisch betätigbares Ventil für die getaktete
Einspeisung flüchtiger Kraftstoffbestandteile aus dem Freiraum eines Kraftstoffbehälters
in das Ansaugrohr einer Verbrennungskraftmaschine, wobei das Ventil mit zumindest
einer Einlaßöffnung und zumindest einer Auslaßöffnung versehen ist, wobei zwischen
der Einlaß- und der Auslaßöffnung ein Hauptventilsitz und ein dazu parallel geschalteter
Hilfsventilsitz mit einem entsprechenden Hauptschließglied und einem Hilfsschließglied
vorgesehen sind, wobei das Hauptschließglied eine bewegbare Masse m
I und das Hilfsschließglied eine bewegbare Masse m
II aufweist und wobei die Schließglieder die entsprechenden Ventilsitze im spannungsfreien
Zustand durch die Kraft von zumindest jeweils einer Ventilfeder dichtend berühren
und wobei das Hauptschließglied bei Betätigung von einer resultierenden Kraft F
resI und das Hilfsschließglied von einer resultierenden Kraft F
resII jeweils in Offenstellung überführbar sind.
[0002] Ein derartiges Ventil ist aus der DE-PS 40 03 036 bekannt. Das Hilfsschließglied
ist, bezogen auf das Hauptschließglied von geringerer Größe und Masse, so daß es schneller
in Offenstellung überführbar ist und das Hauptschließglied daher hydraulisch entlastet
werden kann, so daß auch das Hauptschließglied eine größere Öffnungsgeschwindigkeit
aufweist. Dabei ist allerdings zu beachten, daß alleine durch eine geringere Masse
des Hilfsschließgliedes eine kostengünstige Herstellung nicht erzielt werden kann.
Für eine Optimierung des Ventils bezüglich seiner Gebrauchseigenschaften, des Herstellungsaufwandes
und der Montage müssen eine Vielzahl von Parametern berücksichtigt werden, die als
Gesamteinheit zu einer günstigen Lösung führen.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein elektromagnetisch betätigbares Ventil
der eingangs genannten Art derart weiterzuentwickeln, daß sich bei guten Gebrauchseigenschaften
eine vereinfachte und wirtschaftlichere Herstellbarkeit ergibt und die zur Anwendung
gelangenden Bauteile einander günstig beeinflussen und in optimaler Weise aufeinander
abgestimmt sind.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit den kennzeichnenden Merkmalen von Anspruch
1 gelöst. Auf vorteilhafte Ausgestaltungen nehmen die Unteransprüche Bezug.
[0005] Eine Optimierung des Ventils erfolgt dadurch, daß das Verhältnis aus F
resI/m
I kleiner ist als das Verhältnis aus F
resII/m
II. Um diese Vorgaben zu erzielen hat der Magnetkreis des Hilfsventils eine schnellere
oder vergleichbare Kraftaufbaugeschwindigkeit als das Hauptventil und/oder die Federvorspannung
der Ventilfeder des Hilfsventils ist bezogen auf die Kraftaufbaugeschwindigkeit geringer
als die des Hauptventils. Ferner kann der Ventilquerschnitt und damit der Durchsatz
bei gleichem Druckverhältnis des Hauptventils größer sein als der Ventilquerschnitt
und damit der Durchsatz des Hilfsventils. Das Hilfsventil weist einen geringeren oder
im Grenzfall gleichen Öffnungsquerschnitt auf, wie das Hauptventil, öffnet aber früher.
Unterstützend kann eine geringere Ankermasse, ein geringerer Ankerhub und eine dynamische
Auslegung des Magnetkreises durch geringe Induktivität und geringerer magnetische
Widerstände gewählt werden. Das Hauptventil weist einen gleichen oder größeren Öffnungsquerschnitt
gegenüber dem Hilfsventil auf. Durch eine geringere Kraftaufbaugeschwindigkeit und/oder
eine betragsmäßig höhere Federvorspannung öffnet es später als das Hilfsventil. Dies
kann unterstützt werden durch eine dynamische Auslegung des Magnetkreises, einen größeren
Öffnungsquerschnitt, eine größere Ankermasse und einen großeren Ankerhub.
[0006] Mit einer Erhöhung der Ankermasse alleine ist eine kostengünstige Herstellung im
Vergleich zu den oben angegebenen Maßnahmen nicht zu erzielen. Die oben genannten
Maßnahmen bezüglich der Auslegung von Federvorspannung, Magnetkreisauslegung und Öffnungsquerschnitt
führen insgesamt zu einer kostengünstigen Lösung.
[0007] Die resultierenden Kräfte F
resI, F
resII, die auf die Schließglieder wirken, sind aus der Magnetkraft F
MI,
II, der Federkraft F
FI,
II und der Gewichtskraft F
GI,
II des entsprechenden Schließgliedes zusammengesetzt, die nach Betrag und Richtung addiert
sind. Ein einfaches und wirtschaftlich günstiges Ventil kann gemäß einer vorteilhaften
Ausgestaltung ein Hilfsschließglied aufweisen, das eine geringere Trägheitsmasse hat
als das Hauptschließglied und/oder der Hilfsventilsitz kann einen geringeren Öffnungsquerschnitt
aufweisen als der Hauptventilsitz. Eingriffe in den Betätigungsmechanismus des Ventils
sind dadurch entbehrlich.
[0008] Das Hauptschließglied und das Hilfsschließglied können dann durch parallel geschaltete
Magnetspulen betätigbar sein. Durch die Verwendung von ähnlichen oder gleichen Bauteilen
kann durch einen modularen Aufbau eine erhebliche Kostenreduzierung erzielt werden.
[0009] Davon abweichend ist eine elektrisch getrennte Ansteuerung von Hauptschließglied
und Hilfsschließglied ebenfalls möglich.
[0010] Der Gegenstand der vorliegenden Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnung weiter
verdeutlicht. Diese zeigt die zur Anwendung gelangenden Komponenten teilweise in schematischer
Darstellung.
[0011] Die Verbrennungskraftmaschine 6 ist durch ein Ansaugrohr 5, das eine Drosselklappe
17 enthält mit dem Luftfilter 18 verbunden. Der Auspuffkrümmer 19 ist ebenfalls an
der Verbrennungskraftmaschine 6 angeflanscht.
[0012] Im Ansaugrohr 5 ist oberhalb der Drosselklappe 17 eine Kraftstoffversorgungseinrichtung
20 vorgesehen, in der das durch den Luftfilter 18 zugeführte Frischluftvolumen im
erforderlichen Maße mit Kraftstoff versetzt wird. Die dazu erforderlichen Signale
werden durch das Steuergerät 21 bereitgestellt, beispielsweise auf der Grundlage der
Abgastemperatur und Zusammensetzung, der Betriebsdrehzahl der Verbrennungskraftmaschine
6 und der Umgebungstemperatur. Die entsprechenden Eingangssignale werden unter Verwendung
entsprechender Sensoren erfaßt und sind durch die Pfeile 22, 23, 24, 25 angedeutet.
Sie können bei Bedarf in erwünschtem Maße ergänzt werden.
[0013] Der Kraftstoffbehälter 4 ist nur teilweise mit flüssigem Kraftstoff gefüllt und weist
oberhalb des Kraftstoffspiegels einen Freiraum 3 auf, der mit flüchtigen Kraftstoffbestandteilen
2 gefüllt ist. Der Verschluß 26 des Kraftstoffbehälters 4 schließt denselben gegenüber
der Umgebung hermetisch ab. Der Freiraum 3 des Kraftstoffbehälters 4 ist durch die
Entlüftungsleitung 27 mit der Atmosphäre 28 verbunden. Die Entlüftungsleitung 27 enthält
die Speicherkammer 29, die mit einem Granulat aus Aktivkohle gefüllt ist. Die Dimensionierung
der Speicherkammer 29 ist dabei so vorgenommen, daß unter normalen Betriebsbedingungen
flüchtige Kraftstoffbestandteile die Mündung der Entlüftungsleitung 27 nicht passieren
können.
[0014] Auf der der Mündung der Entlüftungsleitung 27 gegenüberliegenden Seite der Speicherkammer
29 ist die Leitung 30 angeschlossen, die die Speicherkammer 29 mit dem Ansaugrohr
5 der Verbrennungskraftmaschine 6 verbindet. In der Leitung 30 ist das elektromagnetisch
betätigbare Ventil 1 angeordnet, das bei Außerbetriebsetzung der Verbrennungskraftmaschine
6 geschlossen und durch das Steuergerät 21 betätigbar ist, welches durch eine elektrische
Verbindungsleitung 31 an die Magnetspulen 15, 16 des Hauptschließglieds 11 und HilfsschließgliedS
12 angeschlossen ist. Das Hauptschließglied 11 ist mit dem Hauptventilsitz 9 in Eingriff
bringbar und wird im spannungsfreien Zustand, bei nichtbetätigtem Ventil 1 durch die
Ventilfeder 13 federkraftbeaufschlagt auf dem Ventilsitz aufgelegt. Entsprechendes
gilt für das Hilfsschließglied 12 mit dem Hilfsventilsitz 10 und der entsprechenden
Ventilfeder 14. Die Ventilfedern 13, 14 sind jeweils derart ausgelegt, daß eine dichtende
Anpressung der Ventilschließglieder 11, 12 an die entsprechenden Ventilsitze 9, 10
gerade noch gewährleistet ist. Unter Zugrundelegung der Bedingung, daß die auf das
jeweilige Schließglied wirkende resultierende Kraft bezogen auf die Masse des jeweiligen
Schließgliedes bei dem Hilfsschließglied 12 größer ist als bei dem Hauptschließglied
11 ergibt sich bei einer gemeinsamen Ansteuerung beider Magnetspulen 15, 16 eine frühere
Öffnung des Hilfsschließglieds 12.
[0015] Die Masse des je Zeiteinheit durchgesetzten Volumenstroms läßt sich bei einer getakteten
Ansteuerung durch eine Modifizierung der Zeitdauer, in der das Haupt- bzw. das Hilfsschließglied
11, 12 pro Ansteuerung geöffnet sind, bedarfsweise verändern. Die Zeitdauer der Ansteuerung
nimmt ebenfalls Einfluß auf das Betriebsverhalten des Ventils 1. Sie schließt bei
sehr hohen Frequenzen den Fall mit ein, daß das die elektrische Ansteuerung bewirkende
Signal in der Verbindungsleitung bereits vor dem Ansprechen des Hauptschließglieds
12 abgeklungen ist, so daß nur das Hilfsschließglied 12 während einer besonders kurzen
Zeitspanne in Offenstellung gelangt. Das Volumen der durchgesetzten Kraftstoffdämpfe
ist dementsprechend ganz besonders gering, so daß eine Entsorgung der flüchtigen Kraftstoffbestandteile
2 aus der Speicherkammer 29 in die Verbrennungskraftmaschine 6 auch bei niedrigen
Drehzahlen, beispielsweise im Leerlauf erfolgen kann, ohne daß eine Überfettung des
Kraftstoff-Luftgemischs und damit Betriebsstörungen der Verbrennungskraftmaschine
6 zu befürchten sind.
[0016] Einer solchen Betriebssituation steht gegenüber, daß das Hauptschließglied 11 und
das Hilfsschließglied 12 während einer besonders langen Zeitspanne überwiegend parallel
zueinander in Offenstellung befindlich sind. In diesem Falle ist das Volumen der je
Zeiteinheit durchgesetzten, flüchtigen Kraftstoffbestandteile 2 ganz besonders groß.
Dies ist dann der Fall, wenn die Verbrennungskraftmaschine 6 im Teillastbetrieb oder
im Vollastbetrieb gefahren wird.
[0017] Die Durchlässigkeit des erfindungsgemäßen Ventils 1 läßt sich stufenlos verändern,
ohne daß es hierzu eines besonderen, elektrischen Steueraufwandes bedarf. Neben einem
besonders guten Betriebsverhalten lassen sich dadurch in den unterschiedlichen Betriebszuständen
der Verbrennungskraftmaschine 6 ausgezeichnete Abgaswerte gewährleisten. Das erfindungsgemäße
Ventil 1 weist gute Gebrauchseigenschaften auf und ist in wirtschaftlicher und fertigungstechnischer
Hinsicht besonders günstig.
1. Elektromagnetisch betätigbares Ventil für die getaktete Einspeisung flüchtiger Kraftstoffbestandteile
aus dem Freiraum eines Kraftstoffbehälters in das Ansaugrohr einer Verbrennungskraftmaschine,
wobei das Ventil mit zumindest einer Einlaßöffnung und zumindest einer Auslaßöffnung
versehen ist, wobei zwischen der Einlaß- und der Auslaßöffnung ein Hauptventilsitz
und ein dazu parallel geschalteter Hilfsventilsitz mit einem entsprechenden Hauptschließglied
und einem Hilfsschließglied vorgesehen sind, wobei das Hauptschließglied eine bewegbare
Masse m
I und das Hilfsschließglied eine bewegbare Masse m
II aufweist und wobei die Schließglieder die entsprechenden Ventilsitze im spannungsfreien
Zustand durch die Kraft von zumindest jeweils einer Ventilfeder dichtend berühren
und wobei das Hauptschließglied bei Betätigung von einer resultierenden Kraft F
resI und das Hilfsschließglied von einer resultierenden Kraft F
resII jeweils in Offenstellung überführbar sind, dadurch gekennzeichnet, daß das Verhältnis
aus

kleiner ist als das Verhältnis aus
2. Ventil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die resultierenden Kräfte FresI, FresII die auf die Schließglieder (11, 12) wirken, aus der Magnetkraft FMI, FMII, der Federkraft FFI, FFII und der Gewichtskraft FGI, FGII des entsprechenden Schließgliedes (11, 12) zusammengesetzt sind, die nach Betrag
und Richtung addiert sind.
3. Ventil nach Anspruch 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Hilfsglied (12) eine
geringere Trägheitsmasse aufweist als das Hauptschließglied (11) und/oder daß der
Hilfsventilsitz (10) einen geringeren Öffnungsquerschnitt aufweist als der Hauptventilsitz
(9).
4. Ventil nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Hauptschließglied (11)
und das Hilfsschließglied (12) durch parallel geschaltete Magnetspulen (15, 16) betätigbar
sind.
5. Ventil nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Magnetspule (16) des
Hilfsschließgliedes (12) eine größere Kraftaufbaugeschwindigkeit dFMII/dt aufweist, als die Magnetspule (15) des Hauptschließgliedes (11) dFMI/dt.
6. Ventil nach Anspruch 2 und 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Verhältnis aus Federkraft
und Kraftaufbaugeschwindigkeit des Hilfsschließgliedes (12) kleiner ist, als das gleiche
Verhältnis bezogen auf das Hauptschließglied (11).