[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Lackierung und mechanischen Bearbeitung
von Werkstücken aus chromatierbaren Metallen, wie Aluminium, Magnesium und deren Legierungen,
das insbesondere für die Herstellung von Kraftfahrzeugteilen, beispielsweise Felgen,
geeignet ist. Bei den Lackierungen liegen durch pigmenthaltige Lacke abgedeckte neben
frei sichtbaren, durch Klarlacke beschichtete Metalloberflächen vor.
[0002] In der Automobil-Industrie werden in zunehmendem Maße Nichteisen-Metalle als Substrate
eingesetzt, z.B. Aluminium oder Magnesium. Um einen ausreichenden Korrosionsschutz
und gleichzeitig ein gutes, optisch einwandfreies Aussehen zu erzeugen, werden die
Teile im allgemeinen mit einem Überzug versehen. Um allen Anforderungen gerecht zu
werden und gleichzeitig noch eine nachträgliche Bearbeitung, beispielsweise von Aluminiumfelgen
zu ermöglichen, werden bisher Mehrschichtlackierungen verwendet. Dabei wird im allgemeinen
zuerst das Metallteil einer Chromatierung unterworfen, dann eine Grundierung aufgetragen
und danach eine farb- oder effektgebende Basislackschicht aufgebracht. Um eine weitere
mechanische Bearbeitung z.B. durch Coupieren, zu ermöglichen, ist es notwendig, auf
den Basislack einen Klarlack aufzutragen. Nach dem Aufbringen und Einbrennen der beiden
Lackschichten kann das Werkstück mechanisch bearbeitet werden. Nach der mechanischen
Bearbeitung wird zur Erhaltung des Korrosionsschutzes und der Lackhaftung noch einmal
chromatiert und danach ein weiterer Klarlacküberzug aufgetragen. Wird ein entsprechender
Klarlackschutz vor dem mechanischen Bearbeiten nicht aufgetragen, so wird diesen Bearbeitungsvorgängen
die Basislackschicht örtlich zerstört und es entsteht ein nicht einheitliches optisches
Aussehen.
[0003] Dieses bekannte Verfahren weist den Nachteil auf, daß für eine notwendige mechanische
Bearbeitung der Teile eine zusätzliche Klarlackschicht aufgetragen werden muß. Um
danach den notwendigen Korrosions- und optischen Anforderungen zu entsprechen, müssen
zusätzliche Verfahrensschritte durchgeführt werden. Für diese Arbeitsvorgänge sind
die entsprechenden Applikationseinrichtungen notwendig. Das macht diese Vorgehensweise
sehr aufwendig und störanfällig. Beispielsweise sind häufig Haftungsprobleme zwischen
den Schichten zu bemerken.
[0004] Überzugsmittel zur Herstellung von Mehrschichtüberzügen, z.B. Metallic-Lacken, sind
schon in der Literatur beschrieben. So werden beispielsweise in der DE-A-19 49 372
sowie der EP-B-0 052 776 Verfahren zur Herstellung von Mehrschichtlackierungen beschrieben,
die aus einem Metallic-Basislack und einem Klarlack-Überzugsmittel bestehen, wobei
die Metallic-Basislacke aus Polyacrylaten oder Polyestern sowie Vernetzungsmitteln
bestehen. Diese Basislacküberzugsmittel haben jedoch den Nachteil, daß sie erhebliche
Mengen an organischen Lösungsmitteln enthalten. Ebenso ist eine nachträgliche Bearbeitung
von Teilen, z.B. durch Coupieren, nicht beschrieben.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist daher die Bereitstellung eines Verfahrens zur mechanischen
Bearbeitung von lackierten metallischen Werkstücken, das in vereinfachter Weise durchgeführt
werden kann, bei dem Bearbeitungsschäden an der Lackierung vermieden werden und ein
einheitliches optisches Aussehen erzielt wird. Das Verfahren soll die Herstellung
von lackierten Metalloberflächen ermöglichen, die Teilbereiche mit frei sichtbaren
Metalloberflächen neben mit pigmenthaltigen Lacken abgedeckten Oberflächenbereichen
aufweisen.
[0006] Es hat sich gezeigt, daß diese Aufgabe gelöst werden kann durch das den Gegenstand
der Erfindung bildende Verfahren zur Herstellung von Lackierungen auf chromatierbaren
Metallen, bei denen durch pigmentierte Lacke abgedeckte, sowie sichtbare, nur mit
Klarlack beschichtete Teilbereiche der Metallobefläche nebeneinander vorliegen, wobei
zunächst eine Lackierung der gegebenenfalls vorbehandelten gesamten Metalloberfläche
mit einem Basislack mit einem Festkörpergehalt von 15 bis 45 Gew.-%, einem Bindemittel
auf der Basis von einem oder mehreren Polyestern und/oder Polymerisaten aus radikalisch
polymerisierbaren Monomeren, Vernetzern, Pigmenten und/oder Füllstoffen, einem oder
mehreren Rheologie-Additiven, organischen Lösemitteln, sowie gegebenenfalls weiteren
lacktechnischen Additiven, aufgebracht und in der Wärme vernetzt wird, worauf ohne
vorherigen Auftrag einer Klarlackschicht eine mechanische Bearbeitung unter Freilegung
eines Teils der Metalloberfläche durchgeführt, die freigelegte Metalloberfläche chromatiert
und anschließend auf die gesamte Oberfläche eine Klarlackschicht unter Verwendung
eines Pulverlacks aufgebracht wird.
[0007] Beim erfindungsgemäßen Verfahren erfolgt die weitere Lackierung nach der mechanischen
Behandlung mit einem Pulverkarlack. Der Festkörpergehalt des erfindungsgemäß aufgetragenen
Basislacküberzugsmittels beträgt, da es keiner Lackierung mit einem Klarlack vor der
mechanischen Bearbeitung bedarf, 15 - 45 Gew.-%. Der Pulverlack haftet direkt, ohne
Haftungsvermittler auf dem festkörperreichen Basislack.
[0008] Bei den Metallsubstraten zur Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens handelt es
sich um übliche chromatierbare Metalle. Es sind dies bevorzugt Leichtmetalle, wie
beispielsweise Aluminium, Magnesium oder Legierungen davon. Es sind jedoch auch andere
Metalle geeignet, wie beispielsweise Zink, Cadmium bzw. Legierungen, die derartige
Metalle enthalten.
[0009] Die Werkstücke besitzen vor der Beschichtung schon im wesentlichen die endgültige
Form. Es ist jedoch zur Erzielung von hohen technischen Anforderungen oder von bestimmten
optischen Eigenschaften später noch notwendig, einen weiteren mechanischen Bearbeitungsschritt,
insbesondere eine spanabhebende Bearbeitung, wie beispielsweise ein Coupieren, durchzuführen
[0010] Zur Vorbehandlung können übliche Schichten auf das Werkstück (Substrat) aufgebracht
werden. Beispielsweise kann das Substrat einer Chromatierung unterzogen werden. Ebenso
ist es möglich, eine Grundierungsschicht aufzubringen. Weiterhin können Schichten
zur Haftverbesserung aufgebracht werden.
[0011] Bevorzugt wird eine Pulvergrundierung verwendet. Diese Grundierungsschicht kann auf
Basis bekannter Polymerpulverbindemittel bestehen, z.B. Polyepoxide, Polyester, Polyurethane
oder Polyamid. Dieser Überzug enthält die bekannten Additive, Katalysatoren und Pigmente,
insbesondere auch Korrosionsschutzpigmente. Dieses Überzugsmittel wird nach üblichen
Verfahren, wie elektrostatischem Pulverspritzen, aufgetragen. Danach wird die Pulvergrundierung
durch Erwärmen zum Verfließen und zum chemischen Vernetzen gebracht. Besonders bevorzugt
wird vor der Grundierung eine Chromatierung durchgeführt. Die Chromatierung kann unter
üblichen, dem Fachmann geläufigen Bedingungen erfolgen.
[0012] Nach der durchgeführten Vorbehandlung wird der erfindungsgemäß einsetzbare Basislack,
beispielsweise auf die vernetze Grundierungsschicht, aufgetragen. Der Auftrag kann
nach üblichen Spritzverfahren erfolgen, beispielsweise durch elektrostatische Spritzverfahren
oder durch Druckluftspritzverfahren. Die so aufgetragene Basislackschicht wird gegebenenfalls
nach einer Ruhepause, die gegebenenfalls bei erhöhter Temperatur durchgeführt werden
kann, in der das Überzugsmittel verfließen kann, durch Erhitzen vernetzt. Die Einbrenntemperatur
beträgt beispielsweise 80 - 200°C, bevorzugt 90 - 160°C. Die Schichtdicke der Basislackschicht
beträgt bevorzugt 5 - 40 µm, besonders bevorzugt 5 - 25 µm.
[0013] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung enthält das für die Herstellung
des Basislacküberzugs verwendete Überzugsmittel insbesondere:
10 - 35 Gew.-% eines oder mehrerer OH-Gruppen enthaltender Bindemittel auf der Basis
von einem oder mehreren radikalischen Polymerisaten von einem oder mehreren ungesättigten
Monomeren oder von Polyestern, jeweils mit einer zahlenmittleren Molmasse von 2000
- 100000 und einer OH-Zahl von 20 - 300,
2 - 20 Gew.-% eines oder mehrerer Vernetzer auf der Basis von einem oder mehreren
blockierten Polyisocyanaten und/oder Melaminharzen,
0,5 bis 10 Gew.-% eines oder mehrerer Pigmente und/oder Füllstoffe,
1 - 12 Gew.-% eines oder mehrerer Rheologie-Additive, (bei denen es sich beispielsweise
um Weichmacherharze handeln kann),
0,1 - 5 Gew.-% eines oder mehrerer weiterer lacktechnischer Additive, sowie
55 - 85 Gew.-% eines oder mehrerer organischer Lösemittel.
[0014] Der Festkörpergehalt des Überzugsmittels beträgt 15 - 45 Gew.-%. Allgemein können
die erfindungsgemäß einsetzbaren Überzugsmittel, falls gewünscht, vor der Applikation
mit Lösemittel auf eine geeignete Applikationsviskosität eingestellt werden.
[0015] Das erfindungsgemäß eingesetzte Basislacküberzugsmittel enthält ein oder mehrere
Polymerisate von polyfinisch ungesättigten Monomeren. Es kann sich hierbei um Homo-
und Copolymerisate handeln; der Ausdruck "Polymerisat" wird zur Vereinfachung verwendet
und soll beides umfassen.
[0016] Beispiele für erfindungsgemäß verwendbare OH-Gruppen enthaltende Bindemittel sind
in der EP-A-0 358 979 beschrieben. Es handelt sich um Polyolkomponenten auf Basis
von olefinisch ungesättigten Verbindungen. Die reaktiven OH-Gruppen können über die
Polymerisation von entsprechend funktionisierten ungesättigten Monomeren in das Bindemittelmolekül
eingeführt werden. Das Bindemittel soll reaktive Hydroxylgruppen enthalten mit einer
OH-Zahl zwischen 20 bis 300, bevorzugt 40 bis 200 mg KOH/g Festharz. Die Säurezahl
liegt unter 20, bevorzugt unter 10 mg KOH/g Festharz. Das Molekulargewicht beträgt
von 500 bis 100000, bevorzugt von 2000 bis 20000 (Gelpermeationschromatographie, GPC,
mit Polystyrolstandard). Die Anzahl der reaktiven Hydroxylgruppen muß so groß sein,
daß eine ausreichende Vernetzung sichergestellt ist. Sind zu wenig OH-Gruppen vorhanden,
so vernetzt der Film nicht ausreichend und seine mechanische Stabilität ist schlecht.
Ist der Anteil zu hoch, so entstehen spröde Filme, die keine ausreichende Flexibilität
und Haftung mehr aufweisen.
[0017] Die Herstellung der hydroxylgruppenhaltigen Polymerisate aus olefinisch ungesättigten
Monomeren ist im Prinzip bekannt. Es können die üblichen ungesättigten Monomeren eingesetzt
werden. Beispiele für solche Monomere sind Styrol, Vinylacetat, (Meth)acrylnitril,
(der hier und im folgenden gebrauchte Ausdruck (Meth)acryl bezeichnet acryl und/oder
Methacryl), Ester der Acrylsäure oder Methacrylsäure mit 1 - 12 C-Atomen im Alkoholrest,
wie z.B. Methylacrylat, Isopropylacrylat, Butylacrylat. Es können auch Gemische derartiger
Monomere eingesetzt werden. Monomere mit funktionellen Gruppen sind beispielsweise
Hydroxyalkylester der Acrylsäure oder der Methacrylsäure mit 2 bis 4 Kohlenstoffatomen
im Alkylrest, wie z.B. 2-Hydroxyethylacrylat oder Hydroxybutylacrylat, sowie Allylalkohol.
Weitere geeignete Monomere sind solche, die Epoxygruppen in der Seitenkette aufweisen.
wie z.B. Glycidyl(meth)acrylat. Weitere funktionalisierte Monomere sind z.B. N-Methoxymethyl(meth)acrylamid.
Über difunktionellen Gruppen solcher Monomere können nach dem Polymeraufbau gegebenenfalls
polymeranaloge Reaktionen durchgeführt werden, d.h. es können weitere Modifizierungen
des Bindemittelmoleküls vorgenommen werden.
[0018] Vorzugsweise erfolgt die Herstellung in organischer Lösung mit kontinuierlichen oder
diskontinuierlichen Polymerisationsverfahren. Als Lösemittel kommen beispielsweise
Aromaten wie Toluol oder Xylol, Ester wie Butylacetat oder Methoxypropylacetat, Ester
wie Butylglykol, Tetrahydrofuran oder Ethylglykolether, Ketone wie Aceton oder Methylethylketon,
in Betracht. Der Gehalt an Lösemitteln kann durch Destillation bevorzugt im Vakuum
vor der Weiterverarbeitung vermindert werden. Bevorzugt sind Lösemittel, die bei der
späteren Verwendung der Bindemittel im Überzugsmittel nicht zu Störungen führen.
[0019] Die Copolymerisation erfolgt in bekannter Weise unter Zusatz von radikalischen Initiatoren,
gegebenenfalls auch Reglern, bei Temperaturen von z.B. 50 bis 160°C. Sie erfolgt in
einer Flüssigkeit, in der sich Monomere und Polymere gemeinsam lösen. Als Initiatoren,
die in organischen Lösemitteln löslich sind, werden z.B. 0,1 bis 5 Gew.-% bezogen
auf die eingesetzte Monomerenmenge an Peroxiden und/oder Azoverbindungen eingesetzt.
Als Initiatoren können z.B. Peroxide, Perester oder thermisch in Radikale zerfallende
Azoverbindungen eingesetzt werden. Die Zugabe der Additive kann kontinuierlich oder
stufenweise erfolgen.
[0020] Durch den Einsatz von Reglern kann die Molmasse in bekannter Weise herabgesetzt werden.
Bevorzugt werden hierzu Mercaptane, halogenhaltige Verbindungen und andere radikalübertragende
Substanzen eingesetzt. Besonders bevorzugt sind n- oder tertiär Dodecylmercaptan,
Tetrakismercaptoacetylpentaerythrit. Sie werden in Mengen von höchstens 3 Gew.-% bezogen
auf das Monomerengemisch zugegeben.
[0021] Als weitere Polyolkomponente können Bindemittel auf Basis von Polyestern eingesetzt
werden. Es handelt sich um linear oder verzweigte, ölfreie Polyester auf Basis von
zwei- oder mehrwertigen aliphatischen und/oder cycloaliphatischen gesättigten Polyalkoholen,
sowie aliphatischen, cycloaliphatischen oder aromatischen zwei- oder mehrbasischen
Carbonsäuren, die gegebenenfalls mit linearen oder verzweigten Monoalkoholen polykondensiert
werden können. Polyester mit einer entsprechenden Zusammensetzung sind beispielsweise
in den DE-A-26 29 930 oder DE-A-22 53 300 beschrieben.
[0022] Die Alkohole enthalten vorzugsweise 2 bis 21 C-Atome, die Dicarbonsäuren vorzugsweise
5 bis 10 C-Atome. Beispiele für Alkohole sind Hexandiol-2,5, Neopentylglykol, Heptandiol-1,7,
2,2,4-Trimethyl-pentandiol-1,3 oder 1,4-Bis-(hydroxymethyl)-cyclohexan. Beispiele
für Carbonsäuren sind Isophthalsäure, Terephthalsäure, 1,3-Cyclo-hexandicarbonsäure,
Bernsteinsäure, Adipinsäure, Azelainsäure, Decandicarbonsäure oder Butylisophthalsäure.
Es können auch geringe Mengen an Tricarbonsäuren oder Tri- oder Polyalkoholen zur
Erzielung von Verzweigungen im Molekülgerüst eingesetzt werden.
[0023] Diese Polyester können auch durch Reaktion mit Diisocyanaten im Molekulargewicht
vergrößert werden. Gegebenenfalls können über reaktive Gruppen, z.B. OH-Gruppen oder
COOH-Gruppen, weitere Modifizierungen durchgeführt werden. Ebenso ist es möglich,
durch Einreagieren von ionische Gruppen enthaltenden Diolen polare Gruppen in das
Molekülgerüst einzuführen. Diese können Haftungseigenschaften beeinflussen. Beispiele
für solche Verbindungen sind z.B. Dihydroxypropionsäure.
[0024] Die erfindungsgemäß einsetzbaren Polyester haben eine Molmasse (Zahlenmittel, Mn)
von 500 - 15000, bevorzugt von 1500 - 5000. Die OH-Zahl beträgt zwischen 20 und 300,
bevorzugt zwischen 40 und 200. Die Säurezahl beträgt bevorzugt unter 15.
[0025] Die Herstellung der Polyester erfolgt nach bekannten Verfahren. Bevorzugt wird eine
stufenweise Reaktion. Sie können beispielsweise azeotrop hergestellt werden oder in
der Schmelze. Die Reaktionstemperatur liegt z.B. bei 150 bis 240°C. Nach Erreichen
der Endwerte kann der Polyester zur Erzielung einer guten Verarbeitungsviskosität
gegebenenfalls mit Lösemitteln verdünnt werden.
[0026] Über die einsetzbaren Dicarbonsäuren oder Polyalkohole können die Polyester in ihren
Eigenschaften beeinflußt werden. So erhöhen höherkettige aliphatische Alkohole die
Flexibilität der Polyester, aromatische Dicarbonsäuren vermindern die Elastizität.
Der Verzweigungsgrad ist über die Menge von Tri- oder Polycarbonsäuren oder Tri- oder
Polyalkoholen zu beeinflussen. Die Anzahl von polaren Gruppen, z.B. OH-Gruppen, Ethergruppen,
Urethangruppen erhöhte die Polarität der vernetzten Lackschicht und beeinflußt die
Haftung.
[0027] Im erfindungsgemäß verwendeten Überzugsmittel können Rheologie-Additive mitverwendet
werden. Beispielsweise geeignet sind Weichmacher oder zusätzliche Bindemittel, wie
sie üblich und in der Literatur beschrieben sind. Bei den zusätzlich vorhandenen Bindemitteln
handelt es sich beispielsweise um nicht reaktive Bindemittel oder um solche, die funktionelle
Gruppen enthalten. z.B. OH-Gruppen. Beispiele dafür sind OH-haltige Polyurethanharze,
Polyharnstoffharze oder Celluloseester. Beispiele für nicht-reaktive Zusatzharze sind
Polyurethanharze, Caramidharze oder niedermolekulare Polyester. Diese Bindemittel
sollen eine OH-Zahl bis zu 150 mg KOH/g Festharz aufweisen und eine Molmasse von 500
bis 100000.
[0028] Die eingesetzten Harze müssen mit dem Bindemittel verträglich sein und dürfen auch
nach dem Vernetzen nicht aus dem Überzugsmittel migrieren. Das kann anderenfalls zu
Film- und Haftungsstörungen der benachbarten Schichten führen. Über Art und Menge
dieser zusätzlichen Bindemittel können die Eigenschaften des Überzugsmittels beeinflußt
werden, z.B. Rheologie, Elastizität, Haftung oder die Glasübergangstemperatur. Es
ist darauf zu achten, daß durch die Zusatzharze die Vernetzungsdichte nicht zu sehr
vermindert wird, da sonst zu weiche Überzüge entstehen, die keine mechanisch stabile
Mehrschichtlackierung ergeben.
[0029] Bei den in den erfindungsgemäß verwendeten Überzugsmitteln einsetzbaren Vernetzern
handelt es sich um Vernetzer auf Basis von Melaminharzen oder auf Basis von blockierten
Polyisocyanaten. Diese Vernetzer sind handelsüblich und schon in der Literatur beschrieben.
Zu geeigneten Aminharzen zählen beispielsweise alkylierte Kondensate, die durch Umsetzung
vom Aminotriazinen und Amidotriazinen mit Aldehyden hergestellt werden. Nach bekannten
technischen Verfahren werden Amine oder Aminogruppen tragende Verbindungen wie Melamin,
Guanamin, Acetoguanamin, Benzoguanamin, Dicyandiamid oder Harnstoff in Gegenwart von
Alkoholen, wie Methanol, Ethanol, Propanol, Butanol oder Hexanol mit Aldehyden, insbesondere
Formaldehyd, kondensiert. Die Reaktivität derartiger Aminharze wird bestimmt durch
den Kondensationsgrad, das Verhältnis der Amin- bzw. Amidkomponenten zu Formaldehyd
und durch die Art des verwendeten Veretherungsalkohols. Beispiele für derartige Harze
und ihre Herstellung werden in "Houben-Weyl, Methoden der organischen Chemie", 1963,
Seite 357, beschrieben.
[0030] Beispiele für Polyisocyanat-Vernetzer sind übliche Lackpolyisocyanate wie beispielsweise
aliphatische, cycloaliphatische und aromatische Polyisocyanate, z.B. hexamethylendiisocyanat,
Isophorondiisocyanat, Toluylen-2,4-diisocyanat, 4-Diisocyanatodiphenylmethan. Diese
Diisocyanate können durch Reaktion polymerisiert werden und weisen dann Biuret-, Allophanat-,
Urethan- oder Isocyanuratgruppen auf. Ebenso ist es möglich, durch Umsetzung mit Polyolen,
z.B. Trimethylolpropan, NCO-haltige Oligomere herzustellen. Die Isocyanatgruppen werden
mit üblichen Verkappungsmitteln verkappt. Beispiele dafür sind Ketoxime, cyclische
Lactame, niedermolekulare aliphatische Alkohole oder niedermolekulare aliphatische
Amine. Verfahren zur Verkappung und Oligomerisierung der Isocyanate sind dem Fachmann
geläufig.
[0031] Das Mengenverhältnis von vernetzungsfähigen Bindemitteln zu Vernetzern beträgt bevorzugt
80 : 20 bis 50 : 50, jeweils bezogen auf das Festharz-Gewicht. Die Reaktivität der
Vernetzer kann gegebenenfalls durch Zugabe von Katalysatoren gesteigert werden.
[0032] Die erfindungsgemäß einsetzbaren Pigmente und Füllstoffe umfassen organische sowie
anorganische Effekt- und Farbpigmente und Füllstoffe. Beispiele dafür sind transparente
oder deckende Farbpigmente, z.B. Titandioxid, Eisenoxid sowie organische Farbpigmente;
Effektpigmente, wie z.B. fein verteilte Metallpigmente oder Perlglanzpigmente; Füllstoffe
wie Aluminiumsilikat, Bariumsulfat oder Glimmer. Ebenfalls ist die Verwendung von
transparenten anorganischen oder organischen Pigmenten möglich, z.B. hochdisperse
Kieselsäure, hochdisperses Titandioxid. Gegebenenfalls können fein verteilte vernetzte
Polymer-Mikroteilchen eingesetzt werden. Bevorzugt werden fein verteilte Aluminiumpigmente
eingesetzt.
[0033] Weiterhin kann das Überzugsmittel lacktechnische Additive enthalten, beispielsweise
weitere die Rheologie beeinflussende Mittel, wie hochdisperse Kieselsäure, Schichtsilikate
oder polymere Harnstoffverbindungen; Antiabsetzmittel, Verlaufsmittel, Antischaummittel,
wie beispielsweise silikonhaltige Verbindungen; Netzmittel sowie Substanzen zur Beeinflussung
der Leitfähigkeit. Unter Netzmitteln werden auch bekannte Pastenharze verstanden,
wie sie z.B. in der EP-A-0 260 447 beschrieben sind, die zum besseren Dispergieren
und Vermahlen der Pigmente eingesetzt werden können. Zum Beschleunigen der Reaktion
können Katalysatoren wie beispielsweise Amine oder Schwermetallsalze eingesetzt werden,
es ist jedoch auch möglich, durch thermische Energie ohne Einsatz eines Katalysators
zu härten.
[0034] Als Lösemittel sind übliche lacktechnische Lösemittel geeinget, diese können von
der Herstellung der Bindemittel stammen. Beispiele für solche Lösemittel sind Glykolether,
z.B. Diethylenglykoldimethylether, Ethoxypropanol, Butylglykol; Alkohle z.B. Isopropanol
oder n-Butanol, Glykole z.B. Ethylenglykol; N-Methylpyrrolidon sowie Ketone wie Methylethylketon;
aromatische oder aliphatische Kohlenwasserstofe, z.B. Xylol oder C₆ - C₁₂ lineare
oder verzweigte aliphatische Kohlenwasserstoffe. Über die Auswahl der Lösemittel kann
der Verlauf sowie die Viskosität des Überzugsmittels beeinflußt werden. Über den Siedepunkt
der eingesetzten Lösemittelmischung kann das Abdunstverfahren beeinflußt werden.
[0035] Die Methoden zur Herstellung des Überzugsmittels sind bekannt. Beispielsweise können
die Pigmente und/oder Füllstoffe in einem Teil der Bindemittel dispergiert und vermahlen
werden. Dabei können auch spezielle Pastenharze eingesetzt werden. Die Viskosität
kann durch Zugabe von Lösungsmittelanteilen auf einen geeigneten Wert eingestellt
werden. Nach dem Vermahlen können die weiteren Lackbestandteile, beispielsweise weitere
Bindemittel, Vernetzer, Rheologie beeinflussende Mittel, Entschäumer, Antikratermittel,
Verlaufsmittel, Katalysatoren oder Lösemittel zugesetzt werden. Es ist darauf zu achten,
daß die verwendeten Bestandteile miteinander verträglich sind und eine lagerstabile
Überzugsmittelzusammensetzung ergeben.
[0036] Nach dem Auftragen der Basisschicht wird das Werkstück erhitzt. Dabei vernetzt der
aufgetragene Basislacküberzug zu einem dichten, zähelastischen Film. nach dem Vernetzen
kann das Werkstück ohne weitere Zwischenschicht (insbesondere ohne Klarlackschicht)
bearbeitet werden. Es können mechanische Bearbeitungen durchgeführt werden, insbesondere
spanabhebende Behandlungen, z.B. Coupieren. Durch die dabei entstehenden Späne wird
die Oberfläche nicht mehr beschädigt und die Oberflächengüte wird nicht beeinträchtigt.
Nach Abschluß der Bearbeitungsvorgänge wird die Oberfläche von Verunreinigungen, z.B.
Partikeln, gereinigt.
[0037] Nach der mechanischen Bearbeitung des lackierten Werkstücks erfolgt eine Chromatierung,
worauf eine weitere Lackierung durchgeführt werden kann, z.B. durch Auftrag einer
Klarlackschcht. Die Chromatierung verbessert die Eigenschaften des Mehrschichtaufbaus,
z.B. das Haftungs- oder Korrosionsverhalten. Im allgemeinen wird die Chromatierung
vor Auftrag der weiteren Lackschicht getrocknet. Bei der Chromatierung handelt es
sich insbesondere um eine klare bzw. farblose Chromatierung.
[0038] Zur Herstellung der Klarlackschicht können übliche Pulverlacke eingesetzt werden.
Diese können als Bindemittelbasis z.B. Polyurethanpulver oder Polyesterpulver enthalten,
sowie die üblichen Pigmente und/oder Additive.
[0039] Sie werden nach bekannten Verfahren, wie elektrostatisches Pulverspritzen, appliziert.
Nach dem Auftragen wird das Klarlacküberzugsmittel durch Erwärmen zum Verfließen gebracht
und vernetzt. Die entstehende Klarlackschichtdicke beträgt bevorzugt 10 bis 100 µm.
[0040] Gegenstand der Erfindung ist weiterhin eine Mehrschichtlackierung, hergestellt durch
Auftragen einer farb- oder effektgebenden Basisschicht auf ein gegebenenfalls chromatiertes
und grundiertes Substrat, Vernetzen des Überzugs durch Erhitzen, nachfolgender mechanischer
Bearbeitung, Chromatieren und anschließendem Auftragen eines Pulverklarlacküberzugs.
Bei der erfindungsgemäßen Mehrschichtlackierung wird das Substrat gegebenenfalls einer
Vorbehandlung aus Chromatierung und/oder nachfolgender Grundierung unterworfen.
[0041] Die erfindungsgemäß erhaltene Mehrschichtlackierung weist eine gute Oberfläche auf
und zeigt einen guten Korrosionsschutz. Die Haftung zwischen den Schichten ist gut
und zeigt auch bei Belastung im Feuchtraumklime keine Enthaftungsstörungen. Das erfindungsgemäße
Verfahren ist besonders geeignet zum Beschichten von Teilen für die Kraftfahrzeugindustrie.
Als Teile bzw. Werkstücke kommen insbesondere Felgen, beispielsweise Aluminiumfelgen,
in Betracht. Das erfindungsgemäße Verfahren vereinfacht die Arbeitsweise durch die
Einsparung eines zusätzlichen Beschichtungsvorgangs, nämlich einer Klarlackbeschichtung,
wie sie im Stand der Technik vor der mechanischen Bearbeitung des lackierten Werkstücks
erforderlich ist. Weiterhin zeigen die erfindungsgemäß bearbeiteten Teile eine verminderte
Fehlerquote, insbesondere verminderte Haftungsstörungen der beschichteten Teile. Die
Oberfläche der erfindungsgemäß bearbeiteten Werkstücke zeigt ein gutes optisches Aussehen
und gute Korrosionseigenschaften.
[0042] Die folgenden Beispiele dienen zur Erläuterung der Erfindung. Prozentangaben beziehen
sich jeweils auf das Gewicht.
Beispiel 1
Herstellung eines Basisüberzugsmittels
[0044] 32 % eines handelsüblichen Polyesters (OH-Zahl 80, Säurezahl 10; 50 % Festkörper)
werden mit 12 % eines hochmethanolveretherten Melaminharzes (55 % Festkörper), 6 %
eines Weichmachers auf Carbamidsäurebasis vermischt. Dazu werden 18 % Xylol sowie
3,5 % Isobutanol gegeben und 2 % eines Celluloseacetobutyrats sowie 1 % eines Magnesiumsilikats
untergemischt. Es werden 6 % einer handelsüblichen Aluminiumbronze untergemischt und
0,5 % eines handelsüblichen Verdickers (Acrylsäurebasis) zugegeben und gründlich homogenisiert.
Es wird mit ca. 19 % Butylacetat auf einen geeigneten Festkörper verdünnt.
Beispiel 2
Herstellung einer Lackierung
[0045] Ein Aluminiumsubstrat wird gelbchromatiert und mit einer handelsüblichen Pulvergrundierung
(Basis Polyesterharz) versehen. Die Vernetzungstemperatur beträgt 215°C für 25 min.
Danach wird ein Basislack nach Beispiel 1 mittels Spritzapplikation aufgetragen. Die
Vernetzungstemperatur beträgt 170°C für 25 min. Das so beschichtete Substrat wird
coupiert. Dabei treten keine Beschädigungen auf. Das coupierte und danach gereinigte
Substrat wird einer Klar-Chromatierung unterzogen und dann mit einem handelsüblichen
Pulverklarlack (Basis Polyurethanharz) beschichtet. Das Substrat wird 25 min. bei
215°C eingebrannt.
- Lackaufbau:
- gelb-Chromatierung
60 µm handelsübliche Pulvergrundierung (Fa. Herberts Nr. 4803 2204)
15 µm Basislack von Beispiel 1 Klar-Chromatierung
70 µm handelsüblicher Pulverklarlack (Fa. Herberts Nr. 4800 5177).
[0046] Die Prüfung auf Feuchtraumbeständigkeit (DIN 50 017 Kondenswasserprüfklimate; Zwischenschichthaftung
Cass-Test DIN 50 021) zeigt ein gutes Ergebnis. Der Aufbau ist kratzfest und zeigt
ein gutes optisches Verhalten.
1. Verfahren zur Herstellung von Lackierungen auf Werkstücken aus chromatierbaren Metallen,
bei denen durch pigmentierte Lacke abgedeckte, sowie sichtbare, nur mit Klarlack beschichteten
Teilbereiche der Metallobefläche nebeneinander vorliegen, wobei zunächst eine Lackierung
der gegebenenfalls vorbehandelten gesamten Metalloberfläche mit einem Basislack mit
einem Festkörpergehalt von 15 bis 45 Gew.-%, einem Bindemittel auf der Basis von einem
oder mehreren Polyestern und/oder Polymerisaten aus radikalisch polymerisierbaren
Monomeren, Vernetzern, Pigmenten und/oder Füllstoffen, einem oder mehreren Rheologie-Additiven,
organischen Lösemitteln, sowie gegebenenfalls weiteren lacktechnischen Additiven,
aufgebracht und in der Wärme vernetzt wird, worauf ohne vorherigen Auftrag einer Klarlackschicht
eine mechanische Bearbeitung unter Freilegung eines Teils der Metalloberfläche durchgeführt,
die freigelegte Metalloberfläche chromatiert und anschließend auf die gesamte Oberfläche
eine Klarlackschicht unter Verwendung eines Pulverlacks aufgebracht wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man das Werkstück einer Vorbehandlung
durch Chromatieren unterzieht.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man das Werkstück einer Vorbehandlung
durch Aufbringen eines Grundierungsüberzugs und gegebenenfalls einer oder mehrerer
Schichten zur Haftverbesserung unterzieht.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man das Werkstück zur Vorbehandlung
zunächst einer Chromatierung und anschließend einer Grundierung unterzieht.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man
zum Auftrag der Basislackschicht ein Basislacküberzugsmittel verwendet, das enthält:
10 - 35 Gew.-% eines oder mehrerer OH-Gruppen enthaltender Bindemittel auf der Basis
von radikalischen Polymerisaten von einem oder mehreren ungesättigten Monomeren oder
von Polyestern, jeweils mit einer zahlenmittleren Molmasse von 2000 - 100000 und einer
OH-Zahl von 20 - 300,
2 - 20 Gew.-% eines oder mehrerer Vernetzer auf der Basis von einem oder mehreren
blockierten Polyisocyanaten und/oder Melaminharzen,
0,5 bis 10 Gew.-% eines oder mehrerer Pigmente und/oder Füllstoffe,
1 - 12 Gew.-% eines oder mehrerer Rheologie-Additive,
0,1 - 5 Gew.-% eines oder mehrerer weiterer lacktechnischer Additive, sowie
55 - 85 Gew.-% eines oder mehrerer organischer Lösemittel.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man
die Basislackschicht in einer Trockenfilmstärke von 5 - 40 µm aufbringt.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man
als Werkstücke solche auf der Basis von Aluminium, Magnesium und/oder deren Legierungen
behandelt.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man
als Werkstücke Teile von Kraftfahrzeugen, insbesondere Felgen, behandelt.