[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Reinigung von Gegenständen in einem Druckbehälter
mit verflüssigten oder überkritischen Gasen als Reinigungsfluide.
[0002] Ein entsprechendes Verfahren ist beispielsweise aus der PCT-Anmeldung PCT/EP/92/00322
bekannt. Dort werden Werkstücke (Metallrohre) mit organischen Rückständen wie Öle,
Fette und dergleichen, mittels verflüssigtem Kohlendioxid in einem Druckbehälter gereinigt.
Hierzu wird das Reinigungsfluid in einen mit den Werkstücken beladenen zylindrischen
Druckbehälter geleitet und dort mittels eines Laufrades umgewälzt. Nach Beendigung
des Reinigungsvorganges wird ein Teil des mit den organischen Rückständen beladenen
Fluids aus dem Druckbehälter zusammen mit frischem Reinigungsfluid in einen weiteren
Druckbehälter geleitet. Der andere Teil des mit den organischen Rückständen beladenen
Fluids wird über eine Turbine entspannt, wodurch die Verunreinigungen in flüssiger
Phase ausfallen. Aus dem entleerten Druckbehälter werden nun die gereinigten Werkstücke
entnommen, während weitere Werkstücke in dem zweiten Druckbehälter gereinigt werden
können.
[0003] Die Umwälzung bewirkt durch höhere Strömungskräfte eine bessere Benetzung der Gegenstände
und einen größeren Stoffaustausch, das Lösungsvermögen des Reinigungsfluids wird durch
die Umwälzung des Fluids jedoch nur geringfügig erhöht.
[0004] Aufgabe vorliegender Erfindung ist es, das Lösungsvermögen von verflüssigten oder
überkritischen Gasen zu erhöhen und Reinigungsprozesse der obengenannten Art zu beschleunigen,
ohne den apparativen Aufwand beträchtlich zu vergrößern.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß dem Reinigungsfluid chemische
Lösungsmittel und/oder mechanische Scheuermittel zugegeben werden.
[0006] Bei derartigen Reinigungsverfahren wie auch bei Verfahren auf dem Gebiet der Extraktion
bedarf es eines hohen Lösungsvermögens des eingesetzten Fluids. Allgemein läßt sich
feststellen, daß das Vorhandensein einer gewissen Dichte des Fluids Voraussetzung
und bestimmender Faktor für sein Lösungsvermögen ist, das dann mit wachsender Dichte
weiter zunimmt. Bei konstanter Dichte des Fluids nimmt die Löslichkeit im allgemeinen
mit steigender Temperatur des Fluids zu.
[0007] Neben dem Dampfdruck der zu lösenden Substanz und der Dichte und Temperatur des Reinigungsfluids
spielen außerdem Polarität und Molmasse der zu lösenden Substanz, sowie Viskosität,
Diffusionskoeffizient, kritischer Punkt und Dipolmoment des Reinigungsfluids als auch
die molekularen Wechselwirkungen des Fluids mit der Substanz eine Rolle für die Löslichkeit
der Substanz in diesem Fluid. Einfache, allgemein gültige Regeln lassen sich für verschiedene
Substanzen und Fluide nicht aufstellen.
[0008] Geeignete Fluide zur Entfernung organischer Rückstände sind beispielsweise (halogenierte)
Kohlenwasserstoffe sowie Trifluormethan, Kohlendioxid, Distickstoffmonoxid und Schwefelhexafluorid.
Unter Normalbedingungen gasförmige Fluide werden zur Erhöhung des Lösungsvermögens
bis zur flüssigen oder überkritischen Phase verdichtet und die Temperatur entsprechend
eingestellt.
[0009] Es hat sich gezeigt, daß durch die erfindungsgemäße Zugabe chemischer Lösungsmittel
entweder das Lösungsvermögen des Fluids sich gezielt erhöhen läßt, so daß sich eine
vorgegebene Substanz schneller löst, oder aber das Lösungsvermögen des Fluids sich
auf mehrere Arten von zu lösenden Substanzen ausdehnen läßt (z.B. verschiedene Fette).
[0010] Mechanische Scheuermittel beschleunigen erfindungsgemäß den Lösungsvorgang dadurch,
daß sie die Oberflächenschichten der zu lösenden Substanz mechanisch vom Werkstück
abtragen und somit zu einem rascheren Übergang in die Lösung beitragen.
[0011] Für die Reinigung von Werkstücken mit organischen Rückständen ist die Verwendung
von HCl, Alkoholen wie Methanol, wasserfreie Seifen oder Tensiden als zugegebene chemische
Lösungsmittel besonders geeignet.
[0012] Als mechanische Scheuermittel haben sich für die verschiedensten Arten von zu lösenden
Substanzen Plastikgranulat, Stahlschrot oder Schlackensand als vorteilhaft erwiesen.
[0013] Außerdem kann es zur Beschleunigung des Reinigungsverfahrens sinnvoll sein, in das
flüssige oder überkritische Reinigungsfluid ein Gas niedrigerer Dichte im Vergleich
zum Reinigungsfluid einzudüsen. Dieses Gas entfaltet einerseits eine mechanische Wirkung,
indem es blasenförmig die zu reinigenden Werkstücke umströmt, andrerseits kann es
zusätzlich das Lösungsvermögen des Reinigungsfluids erhöhen.
[0014] Beispielsweise läßt sich gasförmiges HCl an einem unteren Punkt des Reinigungsbehälters
in diesen eindüsen, während darin Werkstücke beispielsweise mit verflüssigtem Kohlendioxid
gereinigt werden.
[0015] Im folgenden soll ein Ausführungsbeispiel das erfindungsgemäße Verfahren näher erläutern.
[0016] Eine zur erfindungsgemäßen Reinigung von Gegenständen geeignete Vorrichtung besteht
aus einem druckfesten Behälter, der mit dem Reinigungsfluid gefüllt wird, wobei sich
in dem Behälter eine drehbare Trommel befindet. Diese Trommel wird von einer Antriebseinrichtung
in Rotation versetzt. In der Trommel befindliche Gegenstände sowie das Reinigungsfluid
werden dadurch miteinander bewegt.
[0017] Schneidplatten die mit Ölspuren verunreinigt sind, müssen vor ihrer Beschichtung
mit Titannitrid gesäubert werden. Erfindungsgemäß werden diese Schneidplatten in die
Trommel des druckfesten Behälters eingebracht und Schlackensand mit einem durchschnittlichen
Korndurchmesser von etwa 2 mm zugegeben. Daraufhin wird der druckfeste Behälter geschlossen
und bei Raumtemperatur mit 65 bar verflüssigtes Kohlendioxid in das vorgespannte Behälterinnere
eingeleitet. Die Trommel wird nun in Rotation versetzt, wobei die Rotationsgeschwindigkeit
etwa 10 Umdrehungen pro Minute beträgt.
[0018] Der Reinigungsvorgang wird zusätzlich noch beschleunigt, wenn erfindungsgemäß ein
Alkohol wie Methanol dem Reinigungsfluid zugegeben wird. Der Alkohol erhöht das Lösungsvermögen
des Kohlendioxids für organische Rückstände (öl), der Schlackensand trägt die Oberfläche
der Ölschichten mechanisch ab.
[0019] Das erfindungsgemäße Verfahren beschleunigt den Reinigungsvorgang bei der Säuberung
der Schneidplatten und senkt gleichzeitig die benötigte Menge an verflüssigtem Kohlendioxid
als Reinigungsfluid.
1. Verfahren zur Reinigung von Gegenständen in einem Druckbehälter mit verflüssigten
oder überkritischen Gasen als Reinigungsfluiden, dadurch gekennzeichnet, daß dem Reinigungsfluid chemische Lösungsmittel und/oder mechanische Scheuermittel
zugegeben werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als chemische Lösungsmittel
HCl, Alkohole, wasserfreie Seifen oder Tenside dem Reinigungsfluid zugegeben werden.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß als mechanische
Scheuermittel Plastikgranulat, Stahlschrot oder Schlackensand dem Reinigungsfluid
zugegeben werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß in das Reinigungsfluid
ein Gas niedrigerer Dichte im Vergleich zum Reinigungsfluid eingedüst wird.