[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Mischen von Medien durch Rotation, wobei
die Medien ein unterschiedliches spezifisches Gewicht aufweisen und in einem länglichen,
geschlossenen Gefäß (Röhrchen) so abgefüllt sind, daß ein genügend großer Leerraum
zum Mischen der Probe verbleibt.
[0002] Das Durchmischen von leichte und schwere Teile enthaltenden Proben, wie das Durchmischen
von Suspensionen, die Resuspendierung von Blutzellen oder das Mischen von Blut und
Antikoagulantien nach der Blutentnahme, die in geringer Menge in länglichen Gefäßen
wie Reagenzröhren und -flaschen mit einem kleinen Durchmesser oder Küvetten abgefüllt
sind, ist besonders problematisch. Eine schonende und ausreichend gründliche Durchmischung
ist mit bekannten Mischern, wie solchen, die das Gefäß um eine Querachse kippen oder
bei denen das Gefäß um eine horizontal gelegte Längsachse rotiert, häufig nur schwer
zu erreichen. Das liegt daran, daß immer geringere Flüssigkeitsmengen benötigt und
damit entsprechend engere Gefäße eingesetzt werden. Die Schwerkraft reicht daher bei
Kippmischern nicht mehr aus, um ein Vorbeifließen der Luft an der Flüssigkeit zu gewährleisten.
Je nach dem Durchmesser und dem Material des Gefäßes sowie der Oberflächenspannung
der Flüssigkeit, wird das oft nicht einmal beim Überkopfstehen des Gefäßes erreicht.
Es werden daher Mischer eingesetzt, die eine kontinuierliche Kippbewegung bei gleichzeitiger
Rotationsbewegung der Proben ermöglichen, so daß sich höhere Kräfte als das Eigengewicht
der Flüssigkeit einstellen, die das Vorbeifließen der Luft an der Flüssigkeit und
damit die Mischung der Medien erlauben. Nachteilig ist bei den bekannten Mischern
der ungesteuerte Vorgang, d.h. die Probenröhrchen können zu jeder Zeit aus dem bzw.
vom Mischer entnommen werden, so daß eine kontrollierte Mischung nicht möglich ist.
[0003] Für Gefäße anderer Art, nämlich einseitig offene Mischküvetten, die zudem nur eine
sehr geringe, begrenzte Füllhöhe besitzen, ist es aus DE 27 10 889 B2 bekannt, das
Mischen mittels einer schrittweise fortlaufenden Drehbewegung der Mischküvette um
ihre Längsachse durchzuführen. Die sich aufgrund des schrittweisen Betriebs ergebenden
Impulse sollen den Inhalt der Mischküvette zur Mischung in Bewegung bringen und die
eingebrachten Komponenten an den Innenwandteilen der Küvette unterschiedlich beschleunigen.
Der Nachteil der Mischküvette sind eine besondere Formgebung und/oder zusätzliche,
das Mischen fördernd beeinflussende Einbauten, um das Mischungsergebnis der sich um
ihre Längsachse drehenden Mischküvette zu verbessern. Zur guten Durchmischung werden
zusätzliche konstruktive Maßnahmen somit als unumgänglich angesehen, und akzeptiert.
Dabei können unkontrollierte Strömungen entstehen, die eine homogene Mischung nicht
gewährleisten.
[0004] Bei einer aus der US 3 778 033 A bekannten Vorrichtung zum Mischen von im Dentalbereich
benötigten Stoffen ist eine auf einer vertikalen Haupt-Drehachse rotierend angeordnete
Halterung für ein die zu mischenden Stoffe aufnehmendes Gefäß vorgesehen. Das Gefäß
lagert auf einer in der Halterung vorgesehenen Neben-Drehachse, die unter einem die
Haupt-Drehachse schneidenden Winkel verläuft, so daß sich das Gefäß in einer Schräglage
befindet und mit seinem oberen Ende der Haupt-Drehachse zugewandt ist. Um ein gutes
Durchmischen zu erreichen, werden sowohl die Haupt-Drehachse als auch die Neben-Drehachse
angetrieben, und zwar in entgegengesetzter Drehrichtung. Diese Ausführung ist mit
einem großen antriebstechnischen Aufwand verbunden und erfordert zudem einen hohen
Energieeinsatz.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zu schaffen, das es ohne
die genannten Nachteile erlaubt, in den eingangs genannten, länglichen Probengefäßen
enthaltene, verschieden schwere Medien schnell, schonend und gründlich zu mischen.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß ein oder mehrere Gefäße mit
ihren unteren Gefäßenden auf einem kleineren Radius als mit ihren oberen Gefäßenden
um eine Drehachse in Intervallen rotieren, wobei das Gefäß so abgefüllt ist, daß eine
genügend großer Leerraum zum Mischen der Probe verbleibt. Der Erfindung liegt die
durch zahlreiche Versuche bestätigte Erkenntnis zugrunde, daß sich aufgrund der Schräglage
des Gefäßes bzw. der Gefäße und des Drehens in Intervallen ein synergetischer Effekt
von Zentrifugalbeschleunigung und Schwerkraft einstellt, der es ohne die genannten
Nachteile der bekannten Mischer erlaubt, die Medien bzw. Substanzen homogen, ohne
Schaumbildung schonend und gründlich zu mischen. Das bzw. die Gefäße drehen sich dabei
nicht um ihre Längsachse, sondern sind in mit der Drehachse verbundenen Aufnahmen
angeordnet und rotieren zusammen mit der zentralen, angetriebenen Drehachse.
[0007] Von besonderem Vorteil ist die Erfindung für das Mischen von Blut, das sich in länglichen
Röhrchen befindet. Die beim Mischen entstehende Fliehkraft bewirkt in Kombination
mit der Schräglage des Röhrchens hier ein Hochwandern der schweren Bestandteile des
Blutes (z.B. Erythrocyten) bis zum oberen Gefäßende. In den intervallmäßigen Rotationspausen
gleitet das Medium (Blut) an den Innenwandteilen des Gefäßes herab. Dabei fallen die
schweren Erythrocyten aufgrund ihrer größeren Dichte schneller in Richtung unteres
Gefäßende als die flüssigen Substanzen und führen somit in kurzer Zeit zu einer homogenen
Mischung.
[0008] Die in dem zum Durchführen des erfindungsgemäßen Verfahren verwendeten Mischer eingesetzten
Gefäße - von denen aus Symmetriegründen vorzugsweise mindestens zwei bzw. eine gerade
Anzahl vorhanden sein sollte, die dann um die bezogen auf die Gefäße gemeinsame, zentrische
Drehachse, d.h. mit dieser zusammen rotierend angeordnet sind - lassen sich sogleich
in der gewünschten Schräglage in die entsprechenden Aufnahmen des Mischers einbringen.
Alternativ läßt sich die Aufnahme so ausbilden, daß die Röhrchen senkrecht in den
Mischer eingestellt werden und erst mit dem Drehbeginn aufgrund der Zentrifugalkräfte
in die Schräglage kippen. Die Aufnahme kann weiterhin so beschaffen sein, daß die
Röhrchen bei geringer oder nicht vorhandener Zentrifugalkraft eine senkrechte Position
einnehmen, z.B. mittels einer in der Aufnahme angeordneten, das obere Gefäßende beaufschlagenden
Druckfeder.
[0009] Welches das obere und welches das untere Gefäßende ist, ergibt sich hierbei unter
Bezugnahme auf den Mischer, wobei dem Mischerfuß selbstverständlich stets das untere
Gefäßende zugewandt ist.
[0010] Wie sich herausgestellt hat, läßt sich mit einem nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
betriebenen Mischer, der gegebenenfalls auch mit einem Analysegerät kombiniert werden
kann, eine befriedigende Durchmischung schon nach drei oder vier Zyklen mit einer
Gesamt-Mischdauer von nicht mehr als etwa 12 sek. erreichen. Bei jedem Zyklus wird
der Mischer mit z.B. einer Beschleunigungsphase von 1 sek., einer Laufzeit mit der
Höchstdrehzahl von 1 sek. und einer Pause von 1 sek. betrieben; die Auslaufzeit beträgt
etwa 1 sek.
[0011] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung,
in der ein Ausführungsbeispiel des Gegenstandes der Erfindung näher erläutert ist.
Der in der Zeichnung in Vorderansicht dargestellte Intervallmischer 1 besitzt einen
Standfuß 2 mit einer Rückwand 3. Im Standfuß 2 ist ein Motor 4 angeordnet, der eine
einerseits in dem Fuß 2 und andererseits in einem abgewinkelten Steg 5 des Rückenteiles
3 gelagerte Drehachse 6 in Intervallen antreibt.
[0012] Die Drehachse 6 weist an ihrem oberen Ende eine Drehscheibe 7 und an ihrem unteren
Ende, oberhalb des Standfußes 2 einen Aufnahmerotor 8 auf. In den mit der Drehachse
6 fest verbundenen und zusammen mit dieser rotierenden Aufnahmerotor 8 ist mit einer
Schräglage ein an seinem oberen Ende durch einen Verschluß 10 verschlossenes, längliches
Probengefäß 11 eingesetzt, und zwar so, daß das obere Gefäßende in der Drehscheibe
7 anliegt. Der Winkel 9 zwischen der Gefäßachse und der Drehachse beträgt etwa 7,5°.
Soll der Inhalt lediglich eines Probengefäßes 11 durchmischt werden, empfiehlt es
sich, zur Symmetrie ein Ausgleichsgewicht, z.B. in Form eines Gefäßes, vorzusehen
oder den Standfuß 2 des Intevallmischers 1 entsprechend zu dimensionieren.
[0013] Es liegt im Rahmen der Erfindung, die mit der Drehachse 6 fest verbundenen Aufnahmen
(Drehscheibe 7 und Rotor 8) für das bzw. die Probengefäße 11 so auszubilden, daß sich
die unteren Gefäßenden zeitweilig auf einem kleineren und zeitweilig auf einem größeren
Radius als die oberen Gefäßenden (vgl. den Verschluß 10) befinden. Damit wird begünstigt,
daß auch bei der umgekehrten Wanderung der Medien - z.B. Blut von oben nach unten
und Luft von unten nach oben - eine höhere Kraft als die Schwerkraft ausgeübt, was
die Mischung insbesondere auch in sehr engen Gefäßen gewährleistet.
[0014] In jedem Fall wird die in kürzester Zeit durchzuführende gründliche, schonende Durchmischung
der Medien bzw. Substanzen stets dadurch erreicht, daß einerseits die sich während
des Drehens einstellende Zentrifugalbeschleunigung ein durch die herausgefundene besondere
Schräglage des Gefäßes, dessen unteres Ende weniger weit von der Drehachse 6 entfernt
ist als das obere Ende, begünstigtes Hochwandern der schweren, im unteren Gefäßende
angesammelten Substanz an den Innenwandteilen bis zum oberen Ende (Verschluß 10) des
Probengefäßes 11 hin bewirkt. Andererseits sorgt die Schwerkraft in den intervallmäßigen
Rotationspausen und bei sich verringernder Drehzahl für ein Herabgleiten der schweren
Substanz an den Innenwandteilen des Probengefäßes in Richtung zum Gefäßboden hin,
so daß die leichten und schweren Substanzen stetig, von Beginn des Mischvorgangs an
gut durchgemischt werden.