[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Vermeidung von schußfehlerbedingten Gewebemarkierungen,
die durch einen Webblattanschlag beim Zurückweben entstehen, wonach bei einem Schußfadenbruch
ein Webstop ausgelöst wird und der fehlerhafte Schußfaden von den Kettfäden eingebunden
und mittels des Webblattes an der Anschlagkante des Gewebes angeschlagen vorliegt,
und dabei die motorgetrieben Hauptwelle der Webmaschine, die Webblattwelle und die
mit der Hauptwelle über ein getriebliches Mittel gekuppelte Antriebswelle der Schaftmaschine
bei einem Drehwinkel von etwa 60 Grad nach dem Webblattanschlag stillsteht, daraufhin
vorzugsweise bei gleichzeitigem gesteuertem Zurückdrehen von Kett- und Warenbaum um
eine Anzahl von Drehwinkelgraden Herbeiführen einer Fachoffenstellung und Entfernen
des fehlerhaften Schußfadens, und schließlich Zurückführen der Webblattwelle und der
Schaftmaschinenantriebswelle in die für den Neustart der Webmaschine notwendige Drehwinkelposition.
[0002] Eine Unterbrechung des Webprozesses und damit ein Webmaschinenstop ist auf die unterschiedlichsten
Ursachen zurückzuführen. So wird eine Unterbrechung des Webprozesses u.a. dann erfolgen,
wenn ein fehlerhafter Schußfaden in das Webfach eingetragen und ein Webfachwechsel
den Schußfaden in die Kettfäden nach dem Detektieren des Webmaschinenstop einbindet.
Nach einer schußfehlerbedingten Unterbrechung des Webprozesses bleibt die Hauptantriebswelle
der Webmaschine bei einem Drehwinkel von ca. 60 Grad nach dem Anschlagen des Schußfadens
durch das Webblatt stehen. Der defekte Schußfaden ist an das fertige Gewebe angeschlagen
und abgebunden.
[0003] Zur Behebung des sogenannten Schußfehlers wird - wie an sich bekannt - das Webfach
durch Zurückdrehen von mehr als 60 Drehwinkelgraden der Webmaschinenhauptwelle und
durch Zurückdrehen des Schaftantriebes geöffnet. Ist das zuvor geschlossene Webfach
wieder geöffnet, wird der angeschlagene defekte Schußfaden vom Gewebe in bekannter
Weise entfernt.
[0004] Nachdem der defekte Schußfaden entnommen wurde, muß die Schaftmaschine bzw. deren
Antrieb vor dem erneuten Starten der Webmaschine die Bindung des entnommenen defekten
Schußfadens noch einmal Einlesen. Das bedeutet, daß die den Bewegungsablauf der Schaftmaschine
steuernden elektronischen und mechanischen Mittel in die Position zurückversetzt werden
müssen, die jener vor dem Anschlagen des defekten Schußfadens entspricht.
Bei Webmaschinen, in denen die Webmaschinenhauptwelle gleichzeitig der Antrieb für
die Schaftmaschine ist, Webmaschine und Schaftmaschine sind also starr über getriebliche
Mittel miteinander gekoppelt, führt das Webblatt beim Auflösen der Bindung daher zwangsläufig
ein nochmaliges Anschlagen des an der Gewebekante anliegenden defekten Schußfaden
aus, bevor das Webblatt in seine rückwärtige Position schwenkt. Das Webblatt schlägt
also zwangsläufig an die Gewebeanschlaglinie an. Dieses Anschlagen führt insbesondere
bei Geweben mit "Vortuch" zu unerwünschten und meist erst nach dem Ausrüsten (z.B.
Färben, Mercerisieren) des Gewebes, zu sichtbaren Markierungen oder sogenannten Schußstreifen.
Es wurden bisher Bemühungen unternommen, diese Fehlerstellen durch ein Verschieben
der Webware bzw. der Gewebeanschlaglinie in Richtung des Warenabzugs zu unterbinden.
Ein diesbezüglicher Lösungsvorschlag ist der DE-OS 41 37 681 zu entnehmen.
[0005] In der genannten DE-Offenlegungsschrift wird vorgeschlagen, daß beim Zurückweben,
also bei einer Langsam-Rückwärtsdrehung der Webmaschinenhauptwelle bzw. des mit der
Hauptwelle verbundenen Webmaschinenmotors, Einrichtungen betrieben werden, die vor
dem erneuten Anschlagen des Webblattes den Warenrand des Gewebes und damit die Gewebeanschlagkante
um eine bestimmte Wegstrecke in Richtung Warenabzug aus der Normalposition verlagern.
Damit soll die Gewebeanschlagkante gegen ein Anschlagen des Webblattes beim Zurückweben
geschützt werden.
Nach Beenden des Zurückwebens führen diese Einrichtungen das Gewebe und damit die
Gewebeanschlagkante in die Normalposition zurück. Als nachteilig wird bei dieser Verfahrensweise
erkannt, daß hierzu ein erheblicher Steuerungstechnischer Aufwand erforderlich ist.
[0006] Bekannt ist ferner, die Schaftmaschine auf der Antriebsseite von der Webmaschinenhauptwelle
nach dem schußfehlerbedingten Webmaschinenstop abzukoppeln. Ein separater, mit der
Antriebswelle der Schaftmaschine in Wirkverbindung stehender Antrieb sorgt dann für
das Zurückdrehen der Schaftmaschinenantriebswelle und folglich über die Webschäfte
für das Auflösen der Bindung des von den Kettfäden eingebundenen defekten Schußfadens,
ohne das das Webblatt mitbewegt wird. Es wird also damit das Webfach reproduziert,
in welches der defekte Schußfaden eingetragen ist.
[0007] Nachdem der defekte Schußfaden entfernt ist, wird mittels eines erneuten Webmaschinenstarts
der vorangegangene Schußeintrag wiederholt ohne daß zunächst der Schußfaden von dem
Webblatt anschlagen wird.
[0008] Aus der DE-OS 25 09 665 ist eine Webmaschine mit einer Fachbildeeinrichtung, insbesondere
Schaftmaschine oder Jacquardmaschine bekannt, bei der die Fachbildeeinrichtung sowie
ggf. eine Schußfadenwahleinrichtung bei Webstörungen von der Webmaschinenhauptwelle
über eine Hauptwellenkupplung aus- und mit einer Rücklaufeinrichtung einkuppelbar
ist, wobei letztere aus einem Rücklaufmotor und einer Rücklaufschaltkupplung besteht.
Bei einer derartigen Webmaschine soll die Rücklaufeinrichtung so gestaltet sein, daß
die Behebung einer Webstörung wesentlich weniger Zeit in Anspruch nimmt.
Dazu wird vorgeschlagen, daß die Rücklaufeinrichtung zwischen der Rücklaufschaltkupplung
und dem Rücklaufmotor ein an sich bekanntes Schrittgetriebe mit einem im Bereich von
Schrittanfang bzw. Schrittende stark erhöhtem Untersetzungsverhältnis aufweist.
Die bekannte Lösung erwähnt nicht, daß das Zurückweben in der Regel mit einem erneuten
Anschlagen des Webblattes an die Gewebekante verbunden ist, was zu einer Verdichtung
des Gewebes und zu einer sogenannten Streifenbildung im Gewebe führt. Außerdem weist
die bekannte Webmaschine für das Zurückweben eine Rücklaufeinrichtung auf, die einen
separaten Rücklaufmotor erfordert.
[0009] Bekannt ist gemäß DE-OS 27 06 646 eine technische Lösung für Webmaschinen, welche
vorsieht, daß im Falle einer Webstörung die Betriebsbewegung der Weblade in einer
Vorhaltestellung beendet wird, aus der heraus die Weblade mit einer gegenüber der
Betriebsbewegung langsameren Positionierbewegung in eine gewünschte Stillstandsposition
gebracht wird.
Die bekannte Lösung sieht ferner vor, den Langsamantrieb der Weblade durch den Webmaschinen-Antriebsmotor,
der als drehzahlveränderlicher Elektromotor ausgebildet sein kann, selbst zu realisieren.
Es wird die Möglichkeit erwähnt, daß als Langsamantrieb ein zum Webmaschinen-Antriebsmotor
zusätzlicher Motor vorgesehen sein kann, der auch zum Zurückbewegen einer Schaftmaschine,
also zum Zurückweben, dient.
Auch diese Lösung erfordert für das Zurückweben der Schaftmaschine neben getrieblichen
Mitteln und einer Kupplungseinrichtung zum Trennen und Wiederverbinden des Webmaschinenantriebes
von bzw. mit der Schaftmaschine zumindest einen zusätzlichen Rücklaufmotor.
[0010] Aufgabe der Erfindung ist es, beim sogenannten Zurückweben, d.h. Auflösen der Bindung
eines defekten von den Kettfäden eingebundenen Schußfadens, ein erneutes Anschlagen
des Webblattes zu unterbinden und eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens
anzugeben, die auf einen vom Webmaschinen-Hauptantrieb zusätzlichen motorischen Rücklaufantrieb
für die Schaftmaschine verzichtet.
[0011] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, daß die Webmaschinenhauptwelle und
damit die Webblattwelle und die Antriebswelle der Schaftmaschine nach einem schußfehlerbedingten
Webmaschinenstop gemeinsam um eine Anzahl Drehwinkelgrade, die geringer als 360 Drehwinkelgrade
der Webmaschinenhauptwelle ist, in der vor dem Webmaschinenstop vorliegenden Drehrichtung
weiter gedreht werden. Daraufhin erfolgt ein Entkuppeln des Antriebes der Webmaschinenhauptwelle
von der Antriebswelle der Schaftmaschine. Nachfolgend gleichzeitiges Zurückdrehen
der Webmaschinenhauptwelle, der Webblattwelle und der Schaftmaschinenantriebswelle,
wobei die Webmaschinenhauptwelle um eine Anzahl Drehwinkelgrade, die geringer als
360 Drehwinkelgrade ist, und die Schaftmaschinenantriebswelle über den mechanischen
und elektronischen Einlesepunkt, der den Punkt repräsentiert, an welchen die Bindung
des vorhergenden Schusses vollzogen wurde, um eine Anzahl Drehwinkelgrade gleich oder
größer als 360 zurückgedreht wird.
[0012] Ein derartiger Verfahrensablauf wird vorrichtungsseitig durch ein Getriebe, z.B.
ein Schaltgetriebe, möglich das zwischen einem eine Antriebs- und eine Abtriebswelle
aufweisenden getrieblichen Mittel für das rechte Greifergetriebe und der Antriebswelle
der Schaftmaschine angeordnet ist.
[0013] Die Abtriebswelle des getrieblichen Mittels ist dabei mit einem auf ihr axial verschiebbar
und drehfest angeordneten Kupplungsteil des Schaltgetriebes ausgerüstet. Das Schaltgetriebe
ist so ausgelegt, daß es ein Übersetzungsverhälntis von etwa i = 1:2 bis i = 1:3 ins
Schnelle gestattet.
Das bedeutet, daß beim Zurückweben die Schaftmaschinenantriebswelle in der gleichen
Zeiteinheit mit einer höheren Winkelgeschwindigkeit zurückgedreht wird als die Webmaschinenhauptwelle.
Aufgrund dessen bewegt sich das Webblatt in einem vorgegebenen Bereich zwischen den
Blattanschlägen zurück wärend die das Webfach bildenden Webschäfte bzw. die Antriebswelle
der Schaftmaschine zu dem Einlesepunkt zurückbewegt werden.
Unter Einlesepunkt ist hier die Drehwinkelstellung zu verstehen, die die Antriebswelle
der Schaftmaschine zum Zeitpunkt der Detektierung des Schußfadenbruches einnahm.
[0014] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahrensablauf und der Vorrichtung zu dessen Durchführung
wird erreicht, daß ein Anschlagen des Webblattes während eines schußfehlerbedingten
"Zurückwebens" vermieden wird. Markierungen im Gewebe, die auf das Webblattanschlagen
beim Zurückweben zurückzuführen sind, werden damit ausgeschlossen.
[0015] Die Erfindung soll nachstehend an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert werden.
In den dazugehörigen Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1
- eine graphische Darstellung des Webblatt-Bewegungsablaufes und der Webfachbildung
im Vergleich mit und ohne der erfindungsgemäßen Lösung,
- Fig. 2
- die Vorrichtung gemäß Prior Art,
- Fig. 3
- das Schaltgetriebe, eingeordnet zwischen Schaftmaschine und getrieblichem Mittel,
- Fig. 4
- das Schaltgetriebe bei Normalbetrieb der Webmaschine,
- Fig. 5
- das Schaltgetriebe beim Zurückweben.
[0016] Es sei zunächst vorausgeschickt, daß im Ausführungsbeispiel die Bewegung der Fachbildeorgane,
also der Webmaschinenschäfte, zum Einbinden der Schußfäden in die Kettfäden durch
eine Schaftmaschine erfolgt.
Die Bewegung des Webblattes zum Zwecke des Anschlagens des von den Kettfäden eingebundenen
Schußfadens erfolgt über die sogenannte Webblattwelle, deren Antrieb von der Webmaschinenhauptwelle
abgeleitet ist.
Der Bewegungsablauf der Webschäfte und des Webblattes ist in dem Diagramm gemäß Fig.
1 dargestellt.
[0017] Im Diagramm sind auf der Abszisse die Drehwinkelgrade der Webmaschinenhauptwelle
aufgetragen. Danach ist nach jeweils einer vollen Umdrehung der Hauptwelle ein Fachschluß
herbeigeführt, d.h. ein in das Webfach eingetragener Schußfaden ist von den die Kettfäden
bewegenden Webschäfte eingebunden.
Der Bewegungsablauf der Fachbildeorgane ist mit dem sinusförmigen Verlauf der Linien
1 und 2 über mehrere Schußfadeneinträge dargestellt. Der Schnittpunkt 3 der Linien
1 und 2 ist der Punkt innerhalb eines Webzyklus, in welchem der Fachschluß erfolgt.
[0018] Die unter den Linien 1 und 2 verlaufende Linie 4 zeigt den Bewegungsablauf des Webblattes
ebenfalls über mehrere Schußfadeneinträge. Auch hier erfolgt nach jeweils einer vollen
Umdrehung der Webmaschinenhauptwelle bzw. der Webblattwelle ein Anschlagen des zuvor
eingebundenen Schußfadens durch das Webblatt.
Wenn der Punkt 5 im Bewegungsablauf des Webblattes erreicht ist, ist der bei Schnittpunkt
3 eingebundene Schußfaden an das Tuch angeschlagen.
Es sei noch daraufhingewiesen, daß - wie aus den beiden Bewegungsabläufen zu erkennen
- selbstverständlich der Fachschluß in Schnittpunkt 3 einige Hauptwellen-Drehwinkelgrade
vor dem Webblattanschlag im Punkt 5 erfolgt.
Bei einem sogenannten Schußfadenbruch wird bekanntlich die Webmaschine automatisch
abgestellt. So sei z.B. in Punkt 6 der sinusförmig verlaufenden Linie 1 und 2 ein
Schußfadenbruch detektiert. Die Detektierung führt zum Stop des Webprozesses.
Die Massenträgheitsmomente des Webmaschinenantriebes und die mit dem Antrieb in Verbindung
stehenden Fachbildeorgane führen jedoch dazu, daß die Webmaschinenhauptwelle erst
im Punkt 7, also ca. 60 Winkelgrade nach dem Webblattanschlag zum Stillstand kommen.
Der defekte Schußfaden ist also von den Fachbildeorganen abgebunden und mittels des
Webblattes an das Tuch angeschlagen.
[0019] Um den defekten Schußfaden automatisch von dem Tuch zu entfernen, ist ein sogenanntes
Zurückweben notwendig. Ein Zurückweben bedeutet, daß die Webmaschinenhauptwelle und
damit die Webblattwelle und die Schaftmaschinenantriebswelle langsam von dem Punkt
7 über Punkt 5 bis zu Punkt 6 zurückbewegt werden. Das Zurückweben erfolgt gemäß dem
vereinfacht durch die Pfeile 8,9 für die Schaftmaschinenantriebswelle und für die
Webblattwelle dargestellten Bewegungsablauf.
[0020] Es ist erkennbar, daß hierbei der Bewegungsablauf 4 des Webblattes ein erneutes Anschlagen
des defekten Schußfadens in Punkt 5 einschließt bevor das Webfach zum Entfernen des
defekten Schußfadens geöffnet ist. Dieses erneute Anschlagen des defekten Schußfadens
führt, wie eingangs schon erwähnt, zu einem unerwünschten Verdichten des Gewebes in
Bezug auf die nachfolgende Gewebebildung und zu einer sichtbaren Streifenbildung,
vornehmlich nach dem Ausrüsten des Gewebes.
[0021] Der erfindungsgemäße Bewegungsablauf der Webmaschinenhauptwelle und der von der Hauptwelle
abgeleitete Bewegungsablauf der Webblattwelle und des Schaftmaschinenantriebs erfolgt
gemäß der Pfeile 10 und 11 in Fig.1. Hier wird ein erneutes Anschlagen des defekten
Schußfadens beim Zurückweben durch das Webblatt dadurch vermieden, indem die Webmaschinenhauptwelle
bzw. die von der Hauptwelle abgeleiteten Antriebe der Schaftmaschine und des Webblattes
nach dem Webstop um eine Anzahl Drehwinkelgrade, die kleiner als 360 ist, in eine
Drehrichtung z.B. bis Punkt 12 - siehe auch Richtungspfeile 10,11 - langsam weitergedreht
wird, die sie vor dem Webstop inne hatten.
Bei Punkt 12 erfolgt ein Entkuppeln der Verbindung zwischen der Schaftmaschinenantriebswelle
und der Webmaschinenhauptwelle bei gleichzeitigem Übergang in eine Zahnradübersetzung
für die Antriebswelle der Schaftmaschine und Drehen der Webblatt- und Schaftmaschinenantriebswellen
in die der vorangegangenen Drehrichtung entgegengesetzte Drehrichtung. Dabei ist die
Anzahl der Drehwinkelgrade der Webmaschinenhauptwelle kleiner als 360 und die Anzahl
der Drehwinkelgrade der Schaftmaschinenantriebswelle größer als 360. Aufgrund des
Übersetzungsverhältnisses von etwa i = 1:2 bis i = 1:3 kann die Schaftmaschinenantriebswelle
mit einer höheren Winkelgeschwindigkeit pro Zeiteinheit zurückgedreht werden als die
Webmaschinenhauptwelle. Vor dem Neustart der Webmaschine wird dann wieder die zuvor
bestandene Wirkverbindung zwischen dem Schaftmaschinenantrieb und der Webmaschinenhauptwelle
winkelgenau hergestellt.
[0022] Mit dem erfindungsgemäßen Arbeitsablauf wird erreicht, daß in der gleichen Zeiteinheit
sich die Schaftmaschine bzw. deren Antriebswelle auf dem sogenannten Einlesepunkt
und sich das Webblatt in einem festgelegten Bereich zwischen zwei Webblattanschlägen
zurückbewegen.
Ein erneutes Anschlagen des Webblattes beim Zurückweben ist damit ausgeschlossen.
[0023] Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrensablaufes ist ein Schaltgetriebe
13 vorgesehen, das zwischen dem getrieblichen Mittel 14 und der Antriebswelle 16 der
Schaftmaschine 15 eingebunden ist. (Fig. 3).
Fig. 2 zeigt den bekannten Stand der Technik für den Schaftmaschinenantrieb. Danach
wird der Antrieb für die Schaftmaschine 15 von der Webmaschinenhauptwelle - mit Pfeilrichtung
17 dargestellt - unter Zwischenschaltung des getrieblichen Mittels 14 abgeleitet.
Als getriebliches Mittel kommt im vorliegenden Falle beispielsweise ein Riementrieb
zur Anwendung.
[0024] Der Aufbau des Schaltgetriebes 13 und deren Zahnradschaltstellung für den normalen
Webmaschinenbetrieb und für das Zurückweben sollen nachstehend kurz erläutert werden.
[0025] Das Schaltgetriebe beim normalen Webmaschinenbetrieb zeigt die Fig. 4. Die Ableitung
des Antriebes von der Webmaschinenhauptwelle 17 erfolgt hier über den Riemen 18, der
auf der Riemenscheibe 19 aufliegt. Auf der Antriebswelle 20, die auf ihrem freien
Ende die Riemenscheibe 19 des getrieblichen Mittels 14 aufnimmt, ist ein Antriebszahnrad
21 drehend gelagert. Auf der gleichen Antriebswelle 20 ist ein axial verschiebbares
Kupplungsteil 22 drehfest angeordnet.
Koaxial zur Antriebswelle 20 ist eine Abtriebswelle 23 im Getriebegehäuse 24 gelagert.
Auf der Abtriebswelle 23 ist ein Abtriebszahnrad 25 drehfest verbunden. Die in das
innere des Getriebes 13 gerichteten Seitenflächen des Antriebs- und Abtriebszahnrades
21,25 weisen Mitnahmelemente 21a,25a auf, die mit den Mitnahmelementen 22a des Kupplungsteils
22 in Eingriff gebracht werden können.
Achsparallel zur Antriebs- bzw. Abtriebswelle 20,23 ist im Gehäuse 24 eine weitere
Welle 26 drehend gelagert. Die Welle 26 trägt an ihren freien Enden jeweils ein Zahnrad
27,28, das mit dem entsprechenden Antrieb- bzw. Abtriebszahnrad 21,25 in Eingriff
steht. Bei entsprechender Stellung des Kupplungsteils 22 sorgen die Zahnräder für
die notwendige Übersetzung der mit der Schaftmaschinenantriebswelle 16 verbundenen
Abtriebswelle 23 des Schaltgetriebes 13.
Der Kraftfluß vom Webmaschinenantrieb zum Schaftmaschinenantrieb ist hier durch die
unterbrochene Linienführung 29 dargestellt. Das Kupplungsteil 22 überträgt das Drehmoment
der Antriebswelle 20 direkt auf die Abtriebswelle 23 des Schaltgetriebes 13.
[0026] In Fig. 5 greift das Kupplungsteil 22 in das Antriebszahnrad 21 ein. Der Kraftfluß
ist hier ebenfalls durch eine gestrichelte Linienführung 30 dargestellt.
Entsprechend dem gewählten Übersetzungsverhältnis erfolgt daher das Zurückdrehen der
Schaftmaschinenantriebswelle 16 mit einer höheren Drehzahl als die Webblattwelle.
ZEICHNUNGS-LEGENDE
[0027]
- 1
- Linie - Webfachbewegung
- 2
- Linie - Webfachbewegung
- 3
- Schnittpunkt
- 4
- Linie - Webblattbewegung
- 5
- Punkt - Webblattanschlag
- 6
- Punkt - Schußfadenbruch u. Einlesepunkt
- 7
- Punkt - Webmaschinenstop
- 8
- Pfeilrichtung - Drehbewegung Webblattwelle Prior Art
- 9
- Pfeilrichtung - Drehbewegung Antriebswelle Schaftmaschine Prior Art
- 10
- Pfeil - Drehbewegung Webblattwelle
- 11
- Pfeil - Drehbewegung Antriebswelle Schaftmaschine
- 12
- Punkt - Stop der Langsamdrehbewegung
- 13
- Schaltgetriebe
- 14
- getriebliches Mittel
- 15
- Schaftmaschine
- 16
- Antriebswelle
- 17
- Pfeilrichtung - symbolische Darstellung Webmaschinen-Hauptwelle
- 18
- Riemen
- 19
- Riebenscheibe
- 20
- Antriebswelle - Schaltgetriebe
- 21
- Antriebszahnrad
- 21a
- Mitnahmeelement
- 22
- Kupplungsteil
- 22a
- Mitnahmeelement
- 23
- Abtriebswelle - Schaltgetriebe
- 24
- Getriebegehäuse
- 25
- Abtriebszahnrad
- 25a
- Mitnahmeelement
- 26
- Welle
- 27
- Zahnrad
- 28
- Zahnrad
- 29
- Linienführung
- 30
- Linienführung
1. Verfahren zum Vermeiden von schußfehlerbedingten Gewebemarkierungen, die durch einen
Webblattanschlag beim Zurückweben entstehen, wonach bei einem Schußfadenbruch ein
Webstop ausgelöst wird und der fehlerhafte Schußfaden von den Kettfäden eingebunden
und mittels des Webblattes an der Anschlagkante des Gewebes angeschlagen vorliegt,
und dabei die motorgetriebene Hauptwelle der Webmaschine, die Webblattwelle und die
mit der Hauptwelle über ein getriebliches Mittel gekuppelte Antriebswelle der Schaftmaschine
bei einem Drehwinkel von etwa 60 Grad nach dem Webblattanschlag stillsteht, daraufhin
vorzugsweise bei gleichzeitigem gesteuertem Zurückdrehen von Kett- und Warenbaum um
eine Anzahl von Drehwinkelgraden eine Fachoffenstellung herbeigeführt und der fehlerhafte
Schußfaden entfernt wird, und schließlich die Webmaschinenhauptwelle, die Webblattwelle
und die Schaftantriebswelle in die für den Neustart der Webmaschine notwendige Drehwinkelposition
zurückgeführt wird, dadurch gekennzeichnet, daß das Anschlagen des Webblattes beim Zurückweben vermieden wird, indem die Hauptwelle,
die Webblattwelle und die Antriebswelle der Schaftmaschine nach dem Webstop gemeinsam
um eine Anzahl Drehwinkelgrade, die kleiner als 360 Drehwinkelgrade ist, in eine Drehrichtung
weitergedreht werden, die sie vor dem Webstop inne hatten, daraufhin ein Entkuppeln
der Schaftmaschinenantriebswelle von der Webmaschinenhauptwelle und ein gleichzeitiges
Drehen der Webblatt- und Schaftmaschinenantriebswelle in die der vorangegangenen Drehrichtung
entgegengesetzte Drehrichtung erfolgt, wobei die Anzahl der Drehwinkelgrade der Webmaschinenhauptwelle
und der Webblattwelle kleiner als 360 Drehwinkelgrade und die Anzahl der Drehwinkelgrade
der Schaftantriebswelle größer als 360 ist, und nachfolgend die Schaftantriebswelle
mit der Webmaschinenhauptwelle wieder gekuppelt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Schaftmaschinenantriebswelle mit einer höheren Winkelgeschwindigkeit pro
Zeiteinheit zurückgedreht wird, als die Webmaschinenhauptwelle.
3. Webmaschine zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, mit einer Schaftmaschine,
deren Antriebswelle mit der Webmaschinenhauptwelle unter Zwischenschaltung eines getrieblichen
Mittels, beispielsweise eines Riementriebes, in Wirkverbindung steht, und wobei das
getriebliche Mittel eine mit der Webmaschinenhauptwelle direkt oder indirekt verbundene
Antriebswelle und eine Abtriebswelle aufweist und beide Wellen untereinander verbunden
sind, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen der Abtriebswelle (14a) des getrieblichen Mittels (14) und der Antriebswelle
(16) der Schaftmaschine (15) ein Getriebe (13) mit einem Kupplungsteil (22) zwischengeschaltet
ist, das ein Übersetzungsverhältnis von etwa i = 1:2 bis i = 1:3 ins Schnelle realisiert.
4. Webmaschine nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Kupplungsteil (22) des Getriebes (13) zwischen einem auf der Antriebswelle
(20) drehend gelagerten Antriebszahnrad (21) und einem mit der Abtriebswelle (23)
drehfest verbundenen Abtriebszahnrad (25) axial verschiebbar angeordnet ist.
5. Webmaschine nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Abtriebswelle (23) mit der Antriebswelle (16) der Schaftmaschine (15) verbunden
ist.
6. Webmaschine nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Kupplungsteil (22) wahlweise durch pneumatische, mechanische oder elektromechanische
Mittel verschiebbar ist.
7. Webmaschine nach den Ansprüchen 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das drehend gelagerte Antriebszahnrad (21) mit einem Zahnrad (27), das ein Übersetzungsverhältnis
von etwa i = 1:2 oder i = 1:3 realisiert in Eingriff steht, und das Zahnrad (27) drehfest
auf einer im Gehäuse (24) achsparallel zu der Antriebswelle (20) gelagerten Welle
(26) angeordnet ist und die Welle (26) beabstandet vom Zahnrad (27) ein Zahnrad (28)
trägt, das mit dem Abtriebszahnrad (25) in Eingriff steht.