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EP 0 592 948 A1 |
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EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG |
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Veröffentlichungstag: |
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20.04.1994 Patentblatt 1994/16 |
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Anmeldetag: 07.10.1993 |
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Internationale Patentklassifikation (IPC)5: F41G 7/00 |
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Benannte Vertragsstaaten: |
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FR GB IT NL SE |
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Priorität: |
16.10.1992 DE 4234878
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Anmelder: Daimler-Benz Aerospace
Aktiengesellschaft |
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D-81663 München (DE) |
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Erfinder: |
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- Strentz, Wilfried
D-85716 Unterschleissheim (DE)
- Bittner, Günther
D-85635 Siegertsbrunn (DE)
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Entgegenhaltungen: :
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Verfahren zur autonomen Lagesteuerung von Lenkflugkörpern |
(57) Verfahren zur autonomen Lagesteuerung von Lenkflugkörpern, welche von einem Trägerflugzeug
- jedoch ohne dessen Mitwirkung - gestartet werden sollen, wobei in einen Rechner
des Lenkflugkörpers bereits am Boden Informationen über seine augenblickliche Lage
und über Flug- und Zieldaten eingegeben werden, und daß die in den Rechner eingegebenen
Anfangsdaten durch Änderungswerte von der Trägheitsnavigation und weiteren Navigationshilfsmitteln
laufend ergänzt und zur Durchführung einer autonomen Flugführung und Selbstlenkung
des Flugkörpers weitergerechnet werden und daß vom Augenblick der Datenübernahme an
eine unterbrechungsfreie Stromversorgung des Lenkflugkörpers aufrechterhalten wird.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur autonomen Lagesteuerung von Lenkflugkörpern.
[0002] Bekannte Lenkflugkörper benötigen für ihre Flugführung und Selbstlenkung sogenannte
Trägheitsplattformen, die in der Lage sind, elektrisch verarbeitbare Werte von Änderungen
des Roll-, Nick- und Gierwinkels im Raum zu bestimmen. Außerdem ermittelt die Trägheitsplattform
im allgemeinen auch Beschleunlgungswerte in den drei Körperachsen, aus denen der Bordrechner
mittels Integration auf Änderungen der Fluggeschwindigkeit schließen kann. Der Bordrechner
erhält jedoch keine Information über die absolute Lage im Raum und über die drei Geschwindigkeitsvektoren.
[0003] Auch die Polaris-Raketen gemäß US-Patent 4,470,562 enthalten eine solche Trägheitsplattform,
siond jedoch nur für Unterwasserstart geeignet.
[0004] Bei bisher bekannten Luft-Boden-Systemen erhält der Flugkörper die fehlenden Informationen
während des Tragefluges vom Trägerflugzeug mittels Datentibertragung über eine elektrische
Schnittstelle. Flugzeuge, die mit einer solchen Schnittstelle nicht ausgerüstet sind,
konnten daher für den Start von Lenkflugkörpern nicht eingesetzt werden.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur autonomen Lagesteuerung
von Lenkflugkörpern so auszubilden, daß der Lenkflugkörper auch von einem Trägerflugzeug,
welches keine Einrichtungen zur Übermittlung von Daten an den Lenkflugkörper aufweist
- also ohne Mitwirkung oder Hilfe von Flugzeugen gestartet werden kann.
[0006] Diese Aufgabe wird durch die im Anspruch 1 enthaltenen Merkmale gelöst. Vorteilhafte
Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen gekennzeichnet.
[0007] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren besteht also die Möglichkeit, Lenkflugkörper
auch von einem Trägerflugzeug zu starten, das infolge seiner begrenzten technischen
Möglichkeiten nicht in der Lage ist, Daten über die augenblickliche Lage des Lenkflugkörpers
sowie über weitere Flug- und Zieldaten an den Lenkflugkörper zu melden. Aufgrund des
Verfahrens werden diese Daten bereits am Boden in den Rechner des Lenkflugkörpers
eingegeben, so daß dieser mit Hilfe seiner Trägheitsnavigation und andere Navigationshilfen
bereits vom Boden aus navigieren kann. Dabei wird erfindungsgemäß ein Vorstartgerät
zu Hilfe genommen, das die für die Navigation benötigten Daten in den Rechner des
Lenkflugkörpers eingibt, der die Änderungswerte von der Trägheitsnavigation und der
weiteren Navigationshilfen laufend welterrechnet. Auch nach längerem Tragflug weiß
somit das Navigationsgerät, in welcher Lage es sich befindet, ohne daß weitere Informationen
vom Flugzeug nötig sind.
[0008] Um die bei längeren Tragflügen auftretenden Fehler infolge Erddrehung kompensieren
zu können, wird dem Navigationsgerät vor dem Start außerdem die Nordrichtung über
einen mit dem Vorstartgerät gekoppelten Kompaß eingegeben. Auch dieser Wert wird mittels
der Trägheitsnavigation und des Bordrechners bis zum Ende der Mission weitergerechnet.
Dabei kann der Kompaß entweder zum Flugkörper gehören oder auch Bestandteil des Vorstartgerätes
sein. Die horizontale Lage des Lenkflugkörpers ermittelt der Bordrechner aus den Ruhewerten
der Beschleunlgungsaufnehmer, d.h. aus den Komponenten der Erdbeschleunigung. Der
Lenkflugkörper muß zu diesem Zweck nicht horizontal ausgerichtet werden, da es reicht,
die Ausgangslage zu speichern.
[0009] Die autonome Flugführung und Selbstlenkung des Lenkflugkörpers beginnt sofort nach
der Datenübernahme vom Vorstartgerät. Daher muß von diesem Augenblick an für eine
ständige und unterbrechungsfreie Stromversorgung der Trägheitsplattform und des Bordrechners
gesorgt sein. Dieses erfolgt durch eine elektrische Batterie, die vom Zeitpunkt der
Übergabe der Anfangsdaten an eingeschaltet bleibt und auch bei länger dauernden Flügen,
wenn die Stromversorgung durch das Bordnetz des Trägerflugzeuges erfolgen sollte,
ständig zur Verhinderung von Datenverlusten als Pufferbatterie betrieben wird.
[0010] Zur Erfüllung der Mission des Lenkflugkörpers können in den Rechner außer den Daten
für die Trägheitsnavigation noch Daten für nachfolgende Navigationshilfen eingegeben
werden: Radarhöhenmesser, Doppler-Geschwindigkeitsmesser, Satelliten-Navigation (GPS),
Laser-Entfernungsmesser, Infrarot-Suchkopf, Triebwerkssteuerung und Sicherheitssystem.
1. Verfahren zur autonomen Lagesteuerung von Lenkflugkörpern, welche von einem Trägerflugzeug
- jedoch ohne dessen Mitwirkung - gestartet werden sollen, dadurch gekennzeichnet, daß in einen Rechner des Lenkflugkörpers bereits am Boden Informationen über seine
augenblickliche Lage und über Flug- und Zieldaten eingegeben werden, und daß die in
den Rechner eingegebenen Anfangsdaten durch Änderungswerte von der Trägheitsnavigation
und weiteren Navigationshilfsmitteln laufend ergänzt und zur Durchführung einer autonomen
Flugführung und Selbstlenkung des Flugkörpers weltergerechnet werden und daß vom Augenblick
der Datenübernahme an eine unterbrechungsfreie Stromversorgung des Lenkflugkörpers
aufrechterhalten wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß durch ein Vorstartgerät die Anfangsdaten in den Rechner des Lenkflugkörpers
eingegeben werden.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß vom Bordrechner die Anfangslage des Lenkflugkörpers in Bezug auf Nord gespeichert
wird, wobei diese aus den elektrischen Werten eines zur Längsachse ausgerichteten
Kompasses gewonnen wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß ein im Lenkflugkörper vorhandener Kompaß genutzt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß ein mit dem Vorstartgerät gekoppelter Kompaß verwendet wird.
6. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß am Boden vom Bordrechner die horizontale Lage des Lenkflugkörpers aus den Rechenwerten
von Beschleunigungsaufnehmern ermittelt wird.
7. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß in den Rechner des Lenkflugkörpers außer den Daten für die Trägheitnavigation
noch Daten für nachfolgende Navigationshilfen eingegeben werden können: Radarhöhenmesser,
Doppler-Geschwindigkeitsmesser, Satelliten-Navigation (GPS), Laser-Entfernungsmesser,
Infrarot-Suchkopf, Triebwerkssteuerung und Sicherheitssystem.
