[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Umwälzung von Grundwasser in Bodenbereichen
mit einem Gefälle des Grundwasserspiegels.
[0002] Es ist bereits bekannt, Entnahme- und Schluckbrunnen in grundwasserdurchströmtes
Erdreich einzubringen, um anschließend aus dem Entnahmebrunnen Grundwasser abzupumpen
und dem Schluckbrunnen wieder zuzuführen. Dadurch entsteht ein Einzugsbereich in der
Umgebung des Entnahmebrunnens, aus dem Grundwasser diesem Brunnen zufließt, was sich
durch eine Absenkung des Grundwasserspiegels in der Umgebung des Entnahmebrunnens
bemerkbar macht. Andererseits entsteht ein Grundwasserausstoßbereich mit einem erhöhten
Grundwasserspiegel in der Umgebung des Schluckbrunnens, so daß sich insgesamt eine
erwünschte Umwälzung des Grundwassers durch des Erdreich ergibt. Durch diese Umwälzung
kann das Grundwasser nach aufgetretenen Kontaminationen gereinigt und/oder zur Trinkwassergewinnung
aufbereitet werden.
[0003] Das bekannte Verfahren hat jedoch den Nachteil, daß für das Abpumpen des Grundwassers
aus dem Entnahmebrunnen bis über die Erdoberfläche ein hoher Energieaufwand notwendig
ist. Außerdem erleidet das Grundwasser durch die Dichteänderung beim Pumpen eine Erwärmung.
Dies führt zu Problemen beim Wiedereinleiten des Wassers in die Schluckbrunnen. Die
warme Wasserschicht verbleibt an der Oberfläche der grundwasserführenden Schicht,
so daß sich nur eine geringe Durchmischung und Umwälzung des Grundwassers und damit
verbunden nur eine geringe Effizienz bei der Reinigung des Grundwassers ergibt. Außerdem
führt das Abpumpen des Grundwassers zu einer Änderung der Isobare und Isotherme im
Grundwasser, was bei einer Phasensättigung beispielsweise mit Eisen oder Kalk stets
zu kristallinen Ausfällungen und damit zu Verockerungen von Brunnen und Boden führt.
[0004] Demgegenüber weist ein Verfahren zur Umwälzung von Grundwasser in Bodenbereichen
mit einem Gefälle des Grundwasserspiegels, bei dem erfindungsgemäß zunächst ein erster
Brunnenschacht mit wasserdurchlässiger Schachtwandung in das grundwasserdurchströmte
Erdreich und anschließend mindestens ein zweiter Brunnenschacht mit wasserdurchlässiger
Schachtwandung im Abstand vom ersten Brunnenschacht in einen Bodenbereich mit geringerem
Grundwasserspiegel eingebracht wird, bevor eine Querverbindung zwischen dem ersten
Brunnenschacht und dem oder den zweiten Brunnenschächten derart geschaffen wird, daß
Grundwasser vom ersten Brunnenschacht unter Ausnutzung des Grundwasserspiegel-Gefälles
in den oder die zweiten Brunnenschächten fließen kann, den Vorteil auf, daß die Energie
des natürlichen Grundwassergefälles im Erdreich zum Wassertransport von dem als Entnahmebrunnen
dienenden ersten Brunnen zu dem oder den zweiten, als Schluckbrunnen dienenden Brunnen
ausgenutzt wird. Ein Grundwassergefälle ist fast überall vorhanden, insbesondere in
Quellgebieten und in der Nähe von Flüssen. Das erfindungsgemäße Verfahren ist daher
nahezu überall einsetzbar. Wenn die Querverbindungen zu den jeweils durch Rohre oder
Schläuche vom unteren Schachtende des ersten Brunnens zu dem oder den Schächten der
zweiten Brunnen dicht unterhalb des dort herrschenden Grundwasserspiegels gebildet
werden, wird kühleres Wasser vom unteren Schachtende des ersten Brunnens in wärmere
Wasserbereiche des oder der zweiten Brunnen eingeleitet, das anschließend aufgrund
seiner größeren Dichte in den zweiten Brunnen nach unten strömt und somit dort eine
vertikale Strömung verbunden mit einer guten Durchmischung des Grundwassers bewirkt.
Das in die Schluckbrunnen wieder eingeleitete Wasser entströmt damit nicht mehr nur
an der Oberfläche des Grundwasserleiters dem Schluckbrunnen sondern auch in tieferen
Schichten, so daß sich insgesamt eine breitere Strömungszone im Erdreich und damit
ein besserer Reinigungseffekt ergibt. Der Grundwasserfluß in den Querverbindungen
kann dabei durch eine Pumpe unterstützt werden. Zur Erzielung eines möglichst großen
Einzugsbereiches für die Grundwasserumwälzung können auch mindestens drei Brunnenschächte
in einer sich in Richtung abnehmenden Grundwasserspiegels erstreckenden Reihe hintereinanderliegend
angeordnet werden, wobei aufeinanderfolgende Brunnen jeweils durch eine Querverbindung
hydraulisch miteinander verbunden werden. Hierbei können die mittleren Brunnen jeweils
durch eine Querwandung in zwei gegeneinander abgedichtete Schachtbereiche aufgeteilt
werden, von denen einer der Abgabe von Grundwasser ins umliegende Erdreich und der
andere der Aufnahme von Grundwasser aus dem Erdreich dienen kann. Durch die Aufteilung
der mittleren Brunnen in zwei vertikale Bereiche wird die obenbeschriebene vertikale
Strömung in den Schluckbrunnen auf das umliegende Erdreich verlagert, so daß sich
in der Umgebung der mittleren Brunnen eine verstärkte vertikale Fließbewegung des
Grundwassers im Erdreich ergibt, wodurch der Reinigungseffekt noch zusätzlich erhöht
werden kann. Die Abstände der Brunnen untereinander können dabei vorteilhafterweise
größer gewählt werden als die Höhe der Wassersäule in den Brunnenschächten, da der
Radius eines Einzugsgebietes eines Brunnens stets größer als die Grundwasserhöhe im
Brunnenschacht ist. Ein zu dichtes Anordnen der einzelnen Brunnen zueinander würde
den insgesamt erzielbaren Einzugsbereich für die Grundwasserumwälzung unnötig einschränken.
[0005] Weiterhin ist es möglich, in die Brunnen von außen Zusätze zur Wasserbehandung zuzugeben
oder die Brunnen mindestens teilweise mit Filtereinrichtungen zu versehen. Auf diese
Weise kann beispielsweise eine pH-Wert-Regulierung des Grundwassers oder eine Neutralisierung
einer zu hohen Belastung mit Nitraten oder Chlorkohlenwasserstoffen durchgeführt werden.
Bei entsprechenden Grundwassergefällehöhen und entsprechenden Drücken können in den
Brunnenschächten über entsprechende Filterkörnungen auch wirkungsvoll Strahlungsträger,
beispielsweise Plutonium, ausgefiltert werden.
[0006] Nachfolgend wird das erfindungsgemäße Verfahren anhand zweier Realisierungsbeispiele
näher erläutert.
[0007] Es zeigen:
- Fig. 1
- einen schematischen Längsschnitt durch zwei hintereinander in Richtung des Grundwassergefälles
angeordnete Brunnen;
- Fig. 2
- einen schematischen Längsschnitt durch drei in Richtung des Grundwassergefälles hintereinander
angeordnete Brunnen.
[0008] In Fig. 1 sind in ein grundwasserdurchströmtes Erdreich 10 ein erster Brunnenschacht
11 und ein zweiter Brunnenschacht 12 bis zu einer Sohle 13, die eine grundwasserführende
Bodenschicht 14 nach unten hin begrenzt, eingebracht. Der Grundwasserspiegel weist
in dem dargestellten Bodenbereich 10 das strichpunktiert eingezeichnete Gefälle 15
auf. Auf diese Weise differieren die Grundwasserspiegel im ersten Brunnen 11 und im
zweiten Brunnen 12 um einen Betrag H1. Beide Brunnenschächte 11 und 12 weisen wasserdurchlässige
Schachtwandungen 16 und 17 auf. Die Brunnen 11 und 12 sind außerdem durch ein in Grundwasserfließrichtung
18 von unten nach oben schräg verlaufendes Rohr 19 hydraulisch miteinander verbunden.
Aufgrund des Grundwassergefälles H1 zwischen den beiden Brunnen ist die sich im ersten
Brunnen 11 ausbildende Wassersäule höher als im zweiten Brunnen 12. Der daraus resultierende
Druckunterschied bewirkt ein Fließen von Wasser aus dem ersten Brunnen 11 durch das
Rohr 19 in den zweiten Brunnen 12, was in Fig. 1 durch Pfeile 20 angedeutet ist. Durch
die Rohrverbindung 19 kommt es daher nahezu zu einer Angleichung der in den Schächten
herrschenden Grundwasserspiegel 21 und 22. Der Grundwasserspiegel 21 im ersten Schacht
11 sinkt um den Betrag H3 ab, während der Grundwasserspiegel 22 im zweiten Brunnenschacht
12 um nahezu den gleichen Betrag H4 ansteigt. Der auch nach Schaffung der Querverbindung
zwischen den beiden Brunnenschächten 11 und 12 durch das Rohr 19 festzustellende Unterschied
H5 in den Grundwasserspiegeln 21 und 22 der Brunnenschächte 11 und 12 ist auf Verluste
durch Wasserwiderstände in den Brunnen und im Rohr 19 zurückzuführen. Nach Schaffung
der hydraulischen Querverbindung 19 zwischen den beiden Brunnen 11 und 12 wird das
durch das Rohr 19 aus dem Brunnen 11 abfließende Wasser durch aus dem umgebenden Erdreich
14 zustömendes Wasser wieder ersetzt. In der Umgebung des Brunnenschachtes 11 ergibt
sich dabei eine trichterförmige Absenkung des Grundwasserspiegels 15, was durch die
strichpunktierte Linie 23 angedeutet ist. Im Gegensatz dazu bildet sich in der Umgebung
des zweiten Brunnenschachtes 12 eine Anhöhung des Grundwasserspiegels 15 aus, angedeutet
durch die strichpunktierte Linie 24, und es fließt Wasser durch die seitlichen Schachtwände
17 des Brunnens 12 in das umgebende Erdreich 14 ab. Da das Grundwasser in größeren
Tiefen kälter ist und somit über das Rohr 19 relativ kaltes Wasser am Boden des Brunnenschachtes
11 entnommen und in vergleichsweise wärmere Wasserschichten in Brunnen 12 zugeführt
wird, sinkt dort dieses Wasser aufgrund seiner höheren Dichte im Schacht nach unten,
bevor es durch die Öffnungen in der Schachtwandung 17 nach außen tritt. Auf diese
Weise tritt eine gute Vermischung des Wassers im Brunnenschacht 12 und ein gleichmäßiges
Ausströmen in das umgebende Erdreich 14. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kann
also ohne motorischen Antrieb Grundwasser einem Brunnen zu- und von einem zweiten
Brunnen abgeführt werden, um Grundwasser zu mischen oder zu behandeln.
[0009] Im Beispiel in Fig. 2 sind in ein Erdreich 30 mit einer wasserleitenden Schicht 31
drei Brunnenschächte 32, 33 und 34 bis zu einer die grundwasserleitende Schicht nach
unten hin begrenzenden Sohle 35 eingebracht. Die Brunnen 32 - 34 liegen dabei in einer
Reihe in Richtung der Fließrichtung 36 und damit in Richtung des fallenden Grundwasserspiegels
37 im Erdreich 30 hintereinander. Der Brunnenschacht 32 und der Brunnenschacht 33
sind mit einem dem Rohr 19 in Fig. 1 entsprechenden Rohr 38 und die Brunnenschächte
33 und 34 mit einem weiteren Rohr 39 hydraulisch miteinander verbunden. Die Rohre
38 und 39 transportieren dabei wieder jeweils Wasser vom unteren Bereich des vorhergehenden
Brunnenschachtes bis dicht unterhalb des Grundwasserspiegels im nachfolgenden Brunnenschacht.
Die sich dadurch in den einzelnen Brunnenschächten 32 - 34 ausbildenden Grundwasserspiegel
40, 41 und 42 erreichen dadurch wieder ein weitgehend gleiches Niveau. Die Brunnen
32 und 34 entsprechen dabei den Brunnen 11 und 12 in Fig. 1. Brunnen 32 dient als
Entnahmebrunnen und der Brunnen 34 als Schluckbrunnen. Der mittlere Brunnen 33 hingegen
weist eine nur bereichsweise wasserdurchlässige Schachtwandung 43 auf und ist dazwischen
durch eine Dichtung 44 in zwei vertikale Schachtbereiche 45 und 46 aufgeteilt. Das
vom Rohr 38 geförderte Grundwasser kann dadurch nicht im Brunnenschacht 33 selbst
nach unten strömen sondern wird nach außen in das umgebende Erdreich 31 gedrückt und
sinkt dort aufgrund seiner höheren Dichte nach unten, von wo es mindestens teilweise
in den unteren Schachtbereich 46 des mittleren Brunnens 33 wieder angesaugt wird,
so daß sich eine vertikale Strömung im Erdreich 31 in der Umgebung des Brunnens 33
ausbildet. Die Durchmischung und Umwälzung des Grundwassers wird dadurch noch verbessert
und damit der Wirkungsgrad der Anordung erhöht.
[0010] Der Brunnenschacht 32 sowie der untere Schachtbereich 46 des mittleren Brunnens 33
sind mit Filterschüttungen 47 angefüllt. Der Brunnen 33 ist außerdem auf der Außenseite
der Schachtwandung 43 von Filterkies umgeben. Durch diese Filter können weitere Kontaminationen
aus dem Grundwasser entfernt werden.
[0011] Selbstverständlich könnten auch mehr als drei Brunnen hintereinander angeordnet werden,
um das Einzugsgebiet für die Grundwasserumwälzung zu erhöhen. Auch ein gleichzeitiges
Vorsehen solcher Brunnenketten in mehreren Geländerichtungen mit fallendem Grundwasserspiegel
ist denkbar.
1. Verfahren zur Umwälzung von Grundwasser in Bodenbereichen mit einem Gefälle des Grundwasserspiegels,
gekennzeichnet durch folgende Schritte:
- Einbringen eines ersten Brunnenschachtes (11, 32) mit wasserdurchlässiger Schachtwandung
(16) in das grundwasserdurchströmte Erdreich (14, 31),
- Einbringen mindestens eines zweiten Brunnenschachtes (12, 33, 34) mit wasserdurchlässigen
Schachtwandungen (17, 43) im Abstand (L) vom ersten Brunnenschacht (11, 32) in einen
Bodenbereich mit geringerem Grundwasserspiegel (15, 37) als im ersten Brunnenschacht
(16, 32),
- Schaffung einer Querverbindung (19) zwischen dem ersten Brunnenschacht (11) und
dem oder den zweiten Brunnenschächten (12) derart, daß Grundwasser vom ersten Brunnenschacht
(11) unter Ausnutzung des Grundwasserspiegelgefälles in den oder die zweiten Brunnenschächte
(12) fließen kann.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Querverbindungen (19) jeweils
durch Rohre oder Schläuche vom unteren Schachtende des ersten Brunnens (11) zu dem
oder den Schächten der zweiten Brunnen (12) dicht unterhalb des dort herrschenden
Grundwasserspiegels (22) gebildet werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Grundwasserfluß
in den Querverbindungen (19) durch eine Pumpe unterstützt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 3, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens drei
Brunnenschächte (32, 33, 34) in einer sich in Richtung abnehmenden Grundwasserspiegels
(37) erstreckenden Reihe hintereinander angeordnet werden, wobei aufeinanderfolgende
Brunnen (32, 33; 33, 34) jeweils durch eine Querverbindung (36, 39) hydraulisch miteinander
verbunden werden.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der oder die mittleren Brunnen
(32) jeweils durch eine Querwandung (44) in zwei gegeneinander abgedichtete Schachtbereiche
(45, 46) aufgeteilt werden, von denen einer (45) der Abgabe von Grundwasser ins umliegende
Erdreich (31) und der andere (46) der Aufnahme von Grundwasser aus dem Erdreich (31)
dient.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Abstände
(L) der Brunnen untereinander größer gewählt werden als die Höhe der Wassersäule in
den Brunnenschächten (11, 12; 32, 33, 34).
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 6, dadurch gekennzeichnet, daß in die Brunnen
(11, 12; 32, 33, 34) von außen Zusätze zur Wasserbehandlung zugegeben werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Brunnen
(11, 12; 32, 33, 34) mindestens teilweise mit Filtereinrichtungen (47, 48) versehen
werden.