[0001] Die Erfindung betrifft eine Pressenpartie für eine Papiermaschine mit Wenigstens
einer Presseneinheit, sowie eine der Pressenpartie nachgeschaltete Partie. Auf den
Oberbegriff von Anspruch 1 wird verwiesen.
[0002] Als "nachgeschaltete Partie" kommt in erster Linie eine weitere Preßeinheit in Betracht.
Diese kann eine einfache Walzenpresse mit zwei drehbar gelagerten Preßwalzen sein.
Weiterhin kommt eine sogenannte Schuhpresse in Betracht, die eine drehbar gelagerte
Walze aufweist, ferner einen gegen diese Walze anstellbaren Preßschuh und ein Gleitband,
das durch den Preßspalt zwischen Preßschuh und Walze hindurchgeführt ist. Schließlich
kann die "nachgeschaltete Partie" auch die Trockenpartie der Papiermaschine sein.
[0003] Eine Pressenpartie gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1 ist aus US-A-4 561 939 bekanntgeworden.
Diese bekannte Einrichtung umfaßt eine erste Preßeinheit mit zwei Preßwalzen, ferner
eine dieser nachgeschaltete Schuhpresse. Beide Preßeinheiten haben je einen Oberfilz
und einen Unterfilz.
[0004] WO 88/08051 beschreibt ebenfalls zwei Preßeinheiten, welche beide Schuhpressen sind.
Als Überführungseinrichtung zwischen den beiden Preßeinheiten dient eine Saugwalze.
Im Überführbereich hat die Papierbahn einen S-förmigen Verlauf. Auch hier sind die
beiden Preßeinheiten doppeltbefilzt.
[0005] Allgemein ist der Übergabebereich zwischen der Preßeinheit (die die einzige Preßeinheit
oder eine von mehreren Preßeinheiten sein kann) mit Problemen behaftet. Einerseits
soll nämlich der Übergabebereich derart gestaltet sein, daß die Papierbahn in der
vorgeschalteten Preßeinheit in optimaler Weise entwässert wird. Dies ist natürlich
die wichtigste Funktion einer Pressenpartie. Andererseits soll aber auch beim Anfahren
der Papiermaschine nach deren Stillstand der Überführstreifen leicht und zuverlässig
von der ersten Preßeinheit auf die nachgeschaltete Partie überführt werden. Diese
beiden Forderungen konnten bis heute nicht gleichzeitig in befriedigender Weise erfüllt
werden. Bei einer doppeltbefilzten Preßeinheit läuft ja die Papierbahn gemeinsam mit
dem Oberfilz und dem Unterfilz durch den Preßspalt der Preßeinheit. Hierbei ist die
Papierbahn sandwichartig zwischen diesen beiden Filzen eingehüllt. Die beiden Filzbänder
nehmen im Preßspalt Wasser aus der Papierbahn auf. Beim Austreten aus dem Preßspalt
hört der Preßdruck natürlich auf. An dieser Stelle besteht die Gefahr, daß Wasser
aus den beiden Filzbändern wieder zur Papierbahn zurückströmt, so daß diese rückbefeuchtet
wird. Um dies zu vermeiden, sollten die beiden Filzbänder nach dem Durchlaufen des
Preßspaltes möglichst sofort von der Papierbahn getrennt werden. Demgemäß müßte wenigstens
das eine Filztrum nach dem Verlassen des Preßspaltes derart geführt werden, daß ein
Divergenzwinkel zwischen Papierbahn und Filzband entsteht. Andererseits erfordert
jedoch das sogenannte Aufführen, d.h. das Hindurchführen eines schmalen Papierstreifens
oder der gesamten Papierbahn nach dem Stillsetzen der Papiermaschine oder nach einem
Abriß eine möglichst geradlinige Führung des Bahnanfanges im Überführbereich. Eine
divergente Führung zwischen dem Bahnanfang einerseits und dem Filzband andererseits
ist daher unerwünscht.
[0006] Statt der genannten Preßfilze werden gelegentlich auch Siebe verwendet.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Pressenpartie für eine Papiermaschine
mit einer nachgeschalteten Einheit derart zu gestalten, daß die Probleme des Überführbereiches
vermieden werden. Die Maschine soll demgemäß derart gestaltet werden, daß sowohl eine
optimale Preßarbeit während des Normalbetriebes gewährleistet ist, mit möglichst geringer
Rückbefeuchtung der Papierbahn, als auch eine einwandfreie Überführung des Überführstreifens
bei dessen Aufführen nach einem Maschinenstillstand.
[0008] Diese Aufgabe wird durch die kennzeichnenden Merkmale von Anspruch 1 gelöst. Demgemäß
werden die beiden Umlenkwalzen, die das obere und das untere Filzband der ersten (und
möglicherweise einzigen) Preßeinheit nach dem Preßspalt umlenken, derart verschiebbar
oder verfahrbar gelagert, daß sie aus der Ebene entfernt werden können, in der die
Papierbahn während des Normalbetriebes verläuft.
[0009] Im einzelnen ergeben sich hieraus die folgenden Vorteile:
Nach einem Stillstand der Papiermaschine oder nach einem Bahnabriß können die beiden
Einheiten, nämlich die erste Presseneinheit sowie die nachgeschaltete Einheit, völlig
unabhängig voneinander laufen. So kann beispielsweise die erste Presseneinheit (gegebenenfalls
die einzige Presseneinheit) angefahren und auf Normalgeschwindigkeit gebracht werden,
während die nachgeschaltete Einheit zunächst stillsteht. Dies kann in einer Anfangsphase
zweckmäßig sein, z. B. zum Einlaufen der Filze. Die Papierbahn läuft während einer
Anfangsphase noch durch die erste Presseneinheit hindurch, und gegebenenfalls durch
die zweite Presseneinheit, und wird sodann in eine unterhalb der Presse im Maschinenkeller
befindliche Bütte geleitet. Dieses Ableiten nach unten wird erleichtert oder erst
ermöglicht durch die erfindungsgemäße Verfahrbarkeit der beiden Umlenkwalzen.
[0010] Aufgrund der erfindungsgemäßen Verfahrbarkeit der Umlenkwalzen läßt sich eine im
wesentlichen geradlinige Bahnführung erzielen. Dies ermöglicht eine einwandfreie und
unproblematische Führung sowohl des Überführstreifens als auch der kompletten Bahn.
Außerdem ist hierdurch sichergestellt, daß die Papierbahn während des Überführvorganges,
aber auch später bei kompletter Bahn, am Übergabefilz (Oberfilz) bleibt.
[0011] Sobald sich stabiler Betrieb eingestellt hat, wird die eine der beiden Umlenkwalzen
derart verfahren, daß sich ein Divergenzwinkel zwischen der Papierbahn und dem betreffenden
Filzband bildet.
[0012] Die drei Figuren der Zeichnung zeigen eine Pressenpartie einer Papiermaschine in
einer Seitenansicht gesehen. Dabei ist die Pressenpartie in den drei Figuren in drei
verschiedenen Betriebsphasen gezeigt.
[0013] Die Pressenpartie umfaßt zwei Preßeinheiten, die jeweils als Schuhpressen ausgebildet
sind. Die in Laufrichtung der Papierbahn (siehe Pfeil A) erste Presse umfaßt eine
Preßwalze 1. Dieses arbeitet mit einem Preßelement zusammen, welches im wesentlichen
aus einem Preßschuh 2 und einem diesen umschlingenden, undurchlässigen Preßband 3
besteht. Diese beiden bilden einen Preßspalt miteinander, der in Laufrichtung der
Papierbahn eine erhebliche Erstreckung hat. Durch den Preßspalt sind zwei Filzbänder
4 und 5 hindurchgeführt. Die beiden Preßbänder umschlingen außer den Preßelementen
1, 2 und 3 eine Reihe von Einbauten. So umschlingt das untere Filzband 4 Leitwalzen
6, 7, und das obere Filzband 5 eine Saugabnahmewalze 8, einen Rohrsauger 9 sowie eine
Leitwalze 10. Weitere Leitwalzen sind vorhanden, aber hier nicht dargestellt. Die
Saugleitwalze 8 nimmt von der Siebpartie, nämlich von Sieb 11, herangeführte Papierbahn
ab.
[0014] Die zweite Preßeinheit weist wiederum eine Preßwalze 1.1 auf, sowie ein mit dieser
zusammenarbeitendes Preßelement, umfassend einen Preßschuh 2.1 und ein den Preßschuh
umschlingendes, umlaufendes Preßband 3.1. Im Gegensatz zur ersten Preßeinheit, die
doppelt befilzt ist, weist die zweite Preßeinheit nur ein einziges Filzband auf, nämlich
den Unterfilz 12.
[0015] An die zweite Preßeinheit schließt sich die Trockenpartie an, von welcher man hier
nur eine Leitwalze 20 und ein Trockensieb 21 sieht. Die Papierbahn wird von der Preßwalze
1.1 auf das Trockensieb 21 überführt.
[0016] Besonders wichtig für die Durchführung der Erfindung ist die Tatsache, daß wenigstens
die beiden - in Laufrichtung der Papierbahn gesehen - letzten Leitwalzen 7 und 10,
in dieser Anmeldung "Überführwalzen" genannt, in Richtung der Pfeile B und C verfahrbar
sind. Die Verfahrbarkeit kann in der Praxis ausgeführt sein in Gestalt von Führungsschienen,
die in Richtung der Pfeile B und C verlaufen, und auf welchen Lagerungen der beiden
Überführwalzen verschiebbar sind, oder mittels Schwenkhebeln. Zur Erleichterung der
Überführung ist an der Preßwalze 1.1 ein Überführschaber 1.5 vorgesehen.
[0017] Die drei Figuren stellen im einzelnen folgende Betriebszustände dar:
- Fig. 1
- veranschaulicht die Phase vor dem Anfahren der Papiermaschine, z. B. die erste Phase
nach dem Abstellen der Papiermaschine, beispielsweise nach einer vorausgegangenen
Wartung, nach einem Siebwechsel, oder nach einem Filzwechsel.
[0018] Die eine der beiden Umlenkwalzen dieser ersten Preßeinheit, nämlich die Umlenkwalze
10, ist jetzt in Pfeilrichtung C abgefahren, so daß keine Verbindung zwischen den
beiden Preßeinheiten über die Filze besteht. Rohrsauger 9 hat eine ablaufende Kante,
die gerundet ist. Deshalb kann Umlenkwalze 10 derart weit nach oben verfahren werden,
daß Oberfilz 5 dort einen kleinen Knick macht. Beide Preßeinheiten können nunmehr
unabhängig voneinander laufen. Nach dem Einzug neuer Filze kann dies für eine gewisse
Zeitspanne erforderlich sein, aber auch zum Reinigen der Filze.
[0019] Ab einem bestimmten Zeitpunkt wird Papierstoffsuspension auf das Sieb 11 durch einen
hier nicht gezeigten Stoffauflauf aufgegeben. Dann erfolgt das Weiterführen der Bahn.
Hierbei wird entweder nur ein schmaler Überführstreifen aufgeführt, oder die gesamte
Papierbahn. Dann laufen die Überführstreifen oder die Papierbahn automatisch zu der
der ersten Preßeinheit nachgeschalteten Einheit, also z. B. einer weiteren Preßeinheit.
[0020] Vor Überführen des Überführstreifens oder der Bahn von der ersten Preßeinheit auf
die zweite Preßeinheit werden die beiden Umlenkwalzen 7 und 10 in solche Positionen
verbracht, daß die beiden Filzbänder 4 und 5 so lange wie möglich parallel laufen.
Dies ist jene Ebene, in welcher später die Papierbahn bei Normalbetrieb läuft. Diese
Phase ist in Fig. 2 dargestellt. Wie man sieht, befindet sich Walze 7 in ihrer oberen
Position (so wie bereits in Fig. 1 gezeigt), während Walze 10 abgesenkt ist, und zwar
so weit, daß Filzband 5 nunmehr Unterfilz 12 der zweiten Preßeinheit berührt. Dies
ist im Bereich einer Leitwalze 13 des Unterfilzes 12. Leitwalze 13 hat eine Saugzone
14. In dieser Phase ist das Rohrsaugervakuum offen, so daß der Rohrsauger 9 arbeitet
und den Überführstreifen bzw. die Bahn am Oberfilz 5 hält.
[0021] Wie man sieht, erfolgt die Überführung des Überführstreifens- und der Papierbahn
- praktisch ohne Umlenkungen. Jedenfalls werden scharfe Umlenkungen mit kleinen Krümmungsradien
vermieden. Auf gar keinen Fall ist eine S-förmige Umlenkung vorhanden. Die Überführung
verläuft eher geradlinig.
[0022] Fig. 3 veranschaulicht den normalen Betriebszustand. Der Überführstreifen wird zu
irgendeinem Zeitpunkt auf die volle Breite der Bahn erweitert, so daß die Bahn in
voller Breite durch die erste Preßeinheit, über die Überführstelle hinweg sowie durch
die zweite Preßeinheit hindurchläuft. Nunmehr wird bei weiterhin angeschlossenem Rohrsaugervakuum
die Walze 7 in Richtung des Pfeiles B abgesenkt. Der Rohrsauger verringert einerseits
die Rückbefeuchtung der Papierbahn nach dem Durchlaufen des ersten Preßspaltes, andererseits
verhindert er, daß die Bahn am Unterfilz 4 haften bleibt und mit diesem weiterläuft.
Oberfilz 5 und Bahn laufen somit aus dem ersten Preßspalt aus.
[0023] Im Normalbetrieb wird sodann das Vakuum am Rohrsauger 9 abgestellt, damit sich die
Bahn nach der doppelt befilzten, ersten Preßeinheit längen kann.
1. Pressenpartie für eine Papiermaschine mit wenigstens einer Preßeinheit, sowie der
Pressenpartie nachgeschaltete Partie, z. B. eine zweite Preßeinheit oder eine Trockenpartie;
1.1 die Preßeinheit umfaßt zwei Preßorgane, z. B. zwei Walzen, oder eine Walze (1)
und einen Preßschuh (2) mit zugehörendem Preßband (3), die jeweils einen Preßspalt
miteinander bilden;
1.2 beide Preßorgane (1; 2,3) sind jeweils von einem Siebband oder Filzband (Band)
umschlungen (oberes Filzband 5 und unteres Filzband 4);
1.3 die Bänder (4, 5) sind von Leitwalzen (6, 7, 8, 10) geführt;
1.4 eine der Leitwalzen eines jeden Bandes (4, 5) ist eine dem Preßspalt nachgeschaltete
Umlenkwalze (7, 10), die das betreffende Band (4, 5) von der Papierbahn hinwegführt,
und von denen die eine Umlenkwalze (erste Umlenkwalze 10) einen größeren Abstand vom
Preßspalt hat als die andere Umlenkwalze (zweite Umlenkwalze 7);
1.5 das Band (Übergabeband 5) der ersten Umlenkwalze (10) übergibt die Papierbahn
an die nachgeschaltete Partie;
1.6 zwischen den Preßspalt der ersten Preßeinheit und der ersten Umlenkwalze (10)
ist innerhalb des Übergabebandes (5) ein Rohrsauger (9) vorgesehen;
1.7 die nachgeschaltete Partie weist ebenfalls ein Siebband oder ein Filzband (12)
auf (zweites Band);
1.8 in Draufsicht gesehen überlappen sich Übergabeband (5) und zweites Band (12);
gekennzeichnet durch die folgenden Merkmale:
1.9 die beiden Umlenkwalzen (10, 7) sind derart verfahrbar, daß sie sich - in Seitenansicht
gesehen - von der Papierbahn entfernen oder dieser annähern können;
1.10 die Ablaufkante des Rohrsaugers (9) ist gerundet;
1.11 der Rohrsauger (9) ist in eine nicht-operative Position verfahrbar.
2. Pressenpartie sowie nachgeschaltete Partie gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Bahnführung zwischen der Preßeinheit sowie der nachgeschalteten Partie - in
Seitenansicht gesehen - im wesentlichen geradlinig verläuft.
3. Pressenpartie sowie nachgeschaltete Partie nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß die Umlenkwalzen (7, 10) mittels Schwenkhebeln oder Führungsschienen verfahrbar
sind (Pfeile B und C).
4. Pressenpartie nach einem der Ansprüche 1 und 3, dadurch gekennzeichnet, daß wenigstens
eine der Umlenkwalzen (7, 10) Umfangsrillen aufweist.