Stand der Technik
[0001] Die Erfindung betrifft einen Kolben mit umlaufender Dichtung, welcher in einer zylindrischen
Aufnahmebohrung eines Bauteils, beispielsweise eines Gehäuseblockes, gleitbar sitzt
und zumindest einseitig mit Druck beaufschlagbar ist.
[0002] Derartige Kolben finden in vielfältiger Form und Ausführung Anwendung. Gedacht ist
bei der vorliegenden Erfindung vor allem an eine Verwendung dieses Kolbens in einem
Bauteil wie Gehäuseblock für ein hydraulisches Bremssystem. Beispielsweise wird hier
auf die WO 91/16220 verwiesen, wo in einem Gehäuseblock für ein hydraulisches Bremssystem
mehrere Kolben in entsprechenden Aufnahmebohrungen gleitbar lagern und einseitig mit
Druck beaufschlagbar sind, wodurch ein Gleiten dieser Kolben in der Aufnahmebohrung
gegen den Druck einer Feder erfolgt.
[0003] Derartige Kolben stützen sich in der Regel über einen Dichtring gegen eine Innenwandung
der Aufnahmebohrung ab, wodurch ein Druckraum von einem in der Regel nicht mit Druck
beaufschlagten Raum getrennt wird. In dem letztgenannten Raum ist beispielsweise gem.
der WO 91/16220 eine Feder angeordnet, welche den Kolben bei nachlassendem Druck in
seine Ausgangslage zurückführt.
[0004] Für die Dichtung ist es wesentlich, daß diese auf dem Außenumfang des Kolbens gehalten
und gegen Beschädigungen gesichert wird. Die Halterung kann beispielsweise durch einen
Ringkanal in dem Kolben erfolgen, wodurch jedoch die Herstellung des Kolbens, beispielsweise
im Spritzgießverfahren, erschwert wird. Vor allem gestaltet sich das Entformen schwierig,
und es entstehen auf der eigentlichen Lauffläche des Kolbens und der Auflagefläche
für die Dichtung Grate, welche eine Nacharbeit erforderlich machen. Auch ist die Dichtung
nicht gegen Schmutz und Späne beispielsweise aus einem Anschlußkanal an eine Druckspeicherkammer
gesichert, wodurch Beschädigungen der Dichtungen und damit Undichtheiten entstehen
können.
Vorteile der Erfindung
[0005] Ein Kolben der vorliegenden Art gemäß dem kennzeichnenden Teil von Anspruch 1 hat
den wesentlichen Vorteil, daß der Ring, welcher die Dichtung übergreift, sowohl als
Montagesicherung als auch als Abstreifring dienen kann. Letzteres gilt vor allem dann,
wenn der Ring einen Außendurchmesser aufweist, der in etwa dem Innendurchmesser der
Aufnahmebohrung entspricht, so daß er in Gebrauchslage einer Innenfläche der Aufnahmebohrung
ebenfalls gleitend anliegt. Damit kann er Schmutz und Späne von der Dichtung fernhalten.
[0006] Durch die vorliegende Erfindung ist ein rotationssymetrisch abgestufter Kolben hergestellt,
der in seinen Außenkonturen aus zwei Abschnitten besteht. Der erste Abschnitt ist
die zylindrische Lauffläche, welche der Innenfläche der zylindrischen Aufnahmebohrung
im Bauteil gleitend anliegt. Sie weist einen Durchmesser auf, welcher größer ist als
ein Durchmesser des zweiten Abschnittes, wodurch eine Schulter ausgebildet ist, in
welcher die oben erwähnte Dichtung sitzt. Diese Schulter bildet gleichzeitig bevorzugt
eine zylindrische Mantelfläche, könnte jedoch auch geringfügig konisch ausgebildet
sein. In diese Mantelfläche ist die o.g. Nut zur Aufnahme des Ringes eingeformt.
[0007] Ein erfindungsgemäßes Werkzeug zur Herstellung dieses Kolbens besteht im wesentlichen
aus einem Grundkörper und relativ zu diesem bewegbaren Formkörpern, durch die insbesondere
die Lauffläche, die Schulter und Teile der Mantelfläche hergestellt werden. In der
Regel wird sich im Innern des Grundkörpers noch ein Kern befinden, der eine gewünschte
Innenkontur des Kolbens, beispielsweise ein Sackloch zur Aufnahme einer Feder, ausformt.
[0008] Zu den bewegbaren Teilen gehören zumindest zwei Schieber, welche der Herstellung
des restlichen Teils der Mantelfläche mit der Nut zur Aufnahme des Ringes und zur
Herstellung eines Übergangs zum Kolbenboden dienen. Die Öffnungsbewegung dieser Schieber
verläuft in etwa senkrecht zu einer Kolbenachse.
[0009] Es läßt sich nicht vermeiden, daß zwischen den Schiebern und dem Formkörpern Spritzgrate
entstehen. Allerdings befinden sich diese Spritzgrate nunmehr an Stellen, an denen
sie keinerlei störenden Einfluß haben. Deshalb ist auch eine Nachbearbeitung des Kolbens
nicht notwendig. Sie befinden sich weder auf der Lauffläche noch im Dichtflächenbereich.
[0010] Nach der Herstellung des Kolbens erfolgt das Aufbringen der Dichtung, wobei diese
in der Schulter liegt. Danach kann in einfacher Art und Weise der Ring durch Einschnappen
auf den Kolben aufgesetzt werden. Er verhindert ein Verrutschen der in der Regel als
O-Ring ausgebildeten Dichtung und auch eine Beschädigung.
[0011] Diese erfindungsgemäßen Kolben bestehen bevorzugt aus Polyphenylensulfid (PPS), welches
als Füllstoffe Glasfaser und mineralische Füllstoffe enthält oder aus Duroplasten.
Der Abstreifring sollte relativ verschleißfest sein, weshalb er aus Polypropylen oder
aus Polyamid mit oder ohne Verstärkungsstoff bestehen kann.
Zeichnung
[0012] Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele sowie anhand der Zeichnung; diese zeigt
in
Fig. 1 einen Querschnitt durch einen erfindungsgemäßen Kolben in einer Aufnahmebohrung
eines Bauteils wie Gehäuseblock;
Fig. 2 einen teilweise dargestellten Querschnitt durch Formkörper zur Herstellung
des erfindungsgemäßen Kolbens gem. Fig. 1.
[0013] Ein erfindungsgemäßer Kolben 1 ist gemäß Fig. 1 in einer zylindrischen Aufnahmebohrung
2 eines Bauteils wie Gehäuseblockes 3 angeordnet und kann in dieser Aufnahmebohrung
2 gegen die Kraft einer vorgespannten Feder 4 gleiten, die den Kolben 1 bei nachlassendem
Druck wieder in die in Fig. 1 gezeigte Ausgangslage zurückstellt.
[0014] Der Kolben 1 wird von einer Seite her mit Druck beaufschlagt, wobei ein sich vergrößernder
Druckraum 5 ausgebildet wird. Dagegen verkleinert sich ein Raum 6 gegenüber dem Druckraum
5.
[0015] Zur Abdichtung von Druckraum 5 gegenüber Raum 6 ist eine Dichtung 7 vorgesehen, welche
in einer Schulter 8 des Kolbens 1 sitzt. Durch die Schulter 8 ist der Kolben 1 rotationssymmetrisch
gestuft ausgebildet, wobei eine zylindrischer Lauffläche 9 einen Durchmesser d aufweist,
welcher in etwa dem Durchmesser der Aufnahmebohrung 2 entspricht, während nach der
Schulter 8 ein zylindrischer Abschnitt 10 mit einem Durchmesser d1 folgt. Der Durchmesser
d1 ist kleiner als der Durchmesser d. Auf den Durchmesser d1 folgt dann ein Kolbenboden
11.
[0016] Der verjüngte zylindrische Abschnitt 10 bildet eine Mantelfläche 12, in welche über
der Dichtung 7 eine Nut 13 eingeformt ist. Die Nut 13 dient der Aufnahme eines Ringes
14, welcher die Dichtung 7 gegen ein Herausfallen bzw. Verrutschen sichert. Ferner
schützt dieser Ring 14 die Dichtung auch gegen Schmutz und Späne aus dem Anschlußkanal
einer Speicherkammer od. dgl., welche die Dichtung beschädigen könnten. Hierdurch
werden auf Beschädigungen zurückzuführende Undichtheiten vermieden.
[0017] In den Kolben 1 ist ferner ein Sackloch 15 mit beispielsweise drei in Umfangsrichtung
verteilten Federzentriernasen 15a eingeformt, welches der Aufnahme der Feder 4 dient.
Andererseits stützt sich die Feder 4 gegen ein Widerlager 16 ab, welches durch einen
Sprengring 17 in der Aufnahmebohrung 2 des Gehäuseblockes 3 gehalten wird. Hierbei
untergreift der Sprengring 17 einen Flansch 18 an dem Widerlager 16 und sitzt in einem
Einstich 19 in der Aufnahmebohrung 2.
[0018] Auf das Widerlager 16 ist eine Schutzkappe 20 aus Kunststoff aufgesetzt, zu deren
Befestigung Schnappzungen 21 in ein Loch 22 des Widerlagers 16 eingreifen. Diese Schutzkappe
20 deckt die Aufnahmebohrung 2 ab.
[0019] Der erfindungsgemäße Kolben 1 wird gemäß Fig. 2 in einem Werkzeug 23 durch Spritzen
hergestellt. Dabei weist das Werkzeug 23 einen Grundkörper 24 und weitere Formkörper
24a, 24b, 25 und 26 auf, durch die vor allem die zylindrische Lauffläche 9 und die
Schulter 8 sowie Teile des zylindrischen Abschnittes 10 hergestellt werden. Zur Herstellung
insbesondere der Nut 13 und des restlichen Teils der Außenkontur des Kolbens 1 sind
Schieber 25 und 26 als Formkörper vorgesehen, welche beim Öffnen des Werkzeuges 23
sich in Richtung der Pfeile 27 in jeweils einer schachtartigen Ausnehmung zwischen
Formkörper 24a und 24b bewegen. Die Schieber 25 und 26 besitzen im übrigen eine wulstartige
Anformung 30 zur Herstellung der Nut 13. Durch diese Anordnung ist eine Herstellung
der Nut 13 möglich, wobei weder auf der zylindrischen Lauffläche 9 des Kolbens noch
im Dichtflächenbereich Spritzgrate entstehen. Dementsprechend ist auch keine Nacharbeit
erforderlich.
[0020] Den Formkörper 24b durchsetzt ein Spritzformteil 31 mit einem Spritzkanal 32 für
den Thermoplasten. Auf das Spritzformteil 31 treffen von der Seite her die Schieber
25 und 26, so daß ein auch hier möglicherweise entstehender Grat auf dem Kolbenboden
11 sich nicht störend auswirken kann.
[0021] Das Sackloch 15 wird durch einen Kern 28 erzeugt.
[0022] Nach Herstellung des Kolbens werden die Formkörper von Grundkörper entlang einer
Trennebene 33 getrennt. Der Kolben wird dann in Richtung des Pfeiles 29 aus dem Grundkörper
24 entfernt.
[0023] Sobald der Kolben 1 aus dem Werkzeug 23 entnommen ist, kann die Dichtung 7 über die
Mantelfläche 12 und bis an die Schulter 8 geschoben werden. Danach erfolgt als Montagesicherung
das Einsetzen des Ringes 14 in die Nut 13, wobei der Ring 14 so ausgebildet ist, daß
er in die Nut 13 einschnappen und auch noch im Bereich seines äußeren Umfanges als
Abstreifring wirken kann.
1. Kolben mit umlaufender Dichtung, welcher in einer zylindrischen Aufnahmebohrung eines
Bauteils, beispielsweise eines Gehäuseblockes, gleitbar sitzt und zumindest einseitig
mit Druck beaufschlagbar ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Kolben (1) eine Schulter (8) zur Aufnahme der Dichtung (7) aufweist, welche
eine zylindrische Lauffläche (9) von einem Abschnitt (10) mit einer Mantelfläche (12)
trennt, wobei in die Mantelfläche (12) eine Nut (13) zur Aufnahme eines Ringes (14)
eingeformt ist, welcher die Dichtung (7) in axialer Richtung sichert.
2. Kolben nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Ring (14) in Gebrauchslage
einer Innenfläche der Aufnahmebohrung (2) gleitend anliegt.
3. Kolben nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß ein Durchmesser (d) der
Lauffläche (9) größer ist als ein Durchmesser (d1) der Mantelfläche (12).
4. Kolben nach einem der Ansprüche 1 - 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Ring (14) aus
Polypropylen oder Polyamid besteht.
5. Werkzeug zur Herstellung eines Kolbens nach einem der Ansprüche 1 - 3, dadurch gekennzeichnet,
daß relativ zu einem Formkörper (24a) zum Herstellen der Lauffläche (9), der Schulter
(8) und Teilen der Mantelfläche (12) zumindest zwei Schieber (25, 26) zum Herstellen
des restlichen Teiles der Mantelfläche (12) mit der Nut (13) beweglich angeordnet
sind, deren Öffnungsbewegung senkrecht zu einer Kolbenachse (A) verläuft.
6. Werkzeug nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Schieber (25, 26) wulstartige
Anformungen (30) zur Herstellung der Nut (13) aufweisen.