[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur kontinuierlichen Verarbeitung bildmäßig
belichteter, farbfotografischer Materialien auf der Basis hochchloridhaltiger Silberhalogenidemulsionen
mit wenigstens den Verarbeitungsschritten (a) Farbentwickeln, (b) Bleichen und Fixieren
oder Bleichfixieren, (c) Wässern oder Stabilisieren und (d) Trocknen, wobei der Farbentwickler
mit einer Regenerierquote von weniger als 160 ml/m² regeneriert wird.
[0002] Es ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll, daß zur kontinuierlichen Entwicklung von
Fotomaterialien immer geringere Regeneriermengen angewendet werden, die die chemische
Aktivität von Entwicklern, Bleichbädern, Bleichfixierbädern und Fixierbädern im Dauerbetrieb
aufrechterhalten.
[0003] So wurden beispielsweise beim Kodak EP-2-Prozess Regenerierquoten von 325 ml/m² angewendet.
[0004] Für den 1986 eingeführten Kodak RA 4-Prozess wurden 160 ml/m² vorgeschrieben. Für
diesen Prozess bestehen seit 1991 Prozessvarianten, die eine Regenerierung von nur
90 bis 100 ml/m² vorsehen.
[0005] Je geringer die Regenerierquote ist, desto höher ist aber die Gleichgewichts-Konzentration
von Reaktionsprodukten, die bei der fotografischen Verarbeitung entstehen, z.B. die
Konzentrationen der Halogenidionen, die aus den Emulsionen freigesetzt werden.
[0006] Während der EP-2-Prozess bei einer Regenerierquote von 325 ml/m² eine Gleichgewichtskonzentration
von 0,7 g KBr aufwies, stieg die Konzentration von KBr bei 160 ml/m² auf 1,4 g/l an
und erforderte bereits eine Entwicklertemperatur von 38°C statt 33°C, um den Aktivitätsverlust
auszugleichen.
[0007] Eine Regenerierquote von 80 ml/m² ist in diesem System nicht realisiert worden und
hätte zu einer KBr-Konzentration von etwa 2,8 g/l geführt.
[0008] Die Konzentration an KCl im RA 4-Prozess beträgt bei einer Regenerierquote von 160
ml/m² meist zwischen etwa 0,8 und 2 g/l, bei einer Regenerierquote von 80 ml/m² zwischen
etwa 1,6 und 4 g/l, wobei der niedrigere Wert aus dem fotografischen Prozeß der Reduktion
von Silberchlorid durch die Entwicklungssubstanz resultiert.
[0009] Will man die Regenerierquote nochmals senken, z.B. auf weniger als 40 ml/m², so ist
mit noch höheren KCl-Konzentrationen zu rechnen, was sich sehr nachteilig auf die
Entwicklungskinetik z.B. der Gelbschicht auswirkt, so daß die Maximaldichten Gelb
nicht mehr erreicht werden und die Gamma 2-Werte für Gelb stark abnehmen.
[0010] Ein Ausgleich des Aktivitätsverlustes durch Temperaturerhöhung ist unzureichend,
so daß weitere chemische Maßnahmen wie pH-Erhöhung und Konzentrationserhöhung an Entwicklersubstanz
erforderlich werden.
[0011] Das aber widerspricht dem angestrebten Ziel, den Prozess ökologisch zu führen.
[0012] Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es, trotz verminderter Regenerierquoten und
damit erhöhter Halogenidkonzentrationen die Aktivität der Entwicklung aufrechtzuerhalten
und damit in der vorgegebenen Sollzeit typgemäße sensitometrische Ergebnisse zu erhalten.
[0013] Es wurde nun überraschenderweise gefunden, daß sich diese Aufgabe, obwohl der Entwickler
wenigstens 2 g KCl/l, oder gar 4 bis 10 g KCl/l, das aus der Reduktion von AgCl stammt,
enthält, durch wenigstens einmalige, vorzugsweise zwei- bis zwanzigmalige Beseitigung
oder deutliche Verringerung der an der Grenzfläche des Materials adhärierenden Diffusionsschicht
des Entwicklers lösen läßt.
[0014] Unter hochchloridhaltigen Silberhalogenidemulsionen sind solche zu verstehen, deren
Silberhalogenide zu wenigstens 90 Mol-% aus AgCl, vorzugsweise zu 95 Mol-% aus AgCl
bestehen. Die Differenz zu 100 Mol-% können AgBr und/oder AgI sein.
[0015] Zur Beseitigung oder deutlichen Verringerung der an der Grenzfläche des Materials
adhärierenden Diffusionsschicht stehen eine Reihe von Methoden zur Verfügung, z.B.
das Führen des Materials über Abstreiflippen, durch Abquetschwalzen, über rotierende,
vorzugsweise gegenläufig zum Materialtransport rotierende Schaumstoffwalzen oder das
vielfache Umlenken des Materials über eine große Zahl von Transportwellen, wobei der
Auslenkwinkel von der Laufrichtung insbesondere 5 bis 85° beträgt.
[0016] Bevorzugt wird das Material zur Beseitung oder Verringerung der adhärierenden Diffusionsschicht
im Entwickler durch ein oder mehrere Walzenpaare geführt, die jeweils einen Druck
von 50 bis 250 p/cm² auf das Material ausüben oder nach dem Entwicklerbad aber vor
dem nächsten Bad durch ein oder mehrere Walzenpaare geführt, die jeweils einen Druck
von 50 bis 250 p/cm² auf das Material ausüben und die mit Wasser beaufschlagt werden.
Vorzugsweise beträgt im zweiten Fall die Zahl der Walzenpaare 1 bis 5; es werden insbesondere
20 bis 100 ml Wasser/m² Material aufgebracht. Beide Maßnahmen können auch gemeinsam
angewendet werden.
Beispiel 1
[0017] Ein handelsübliches Colorpapier zur Verarbeitung im RA-4-Prozess, dessen Silberhalogenidemulsionen
AgCl
0,995Br
0,005 enthalten, wurde wie folgt verarbeitet:
Entwickler: 45 s, 35°C
Bleichfixieren: 45 s, 35°C
Wässern: 4 x 22,5 s, 30 bis 35°C
Trocknen
Entwicklerbad:
[0018]
| Entwicklersubstanz CD 3 |
5 g |
| Diethylhydroxylamin |
5 g |
| Kaliumcarbonat |
30 g |
| Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA) |
2 g |
| Diethylenglykol |
30 ml |
| pH |
10,2 |
Bleichfixierbad:
[0019]
| Ammoniumeisen-EDTA |
35 g |
| (NH₄)₂S₂O₃ |
70 g |
| Kaliumsulfit |
5 g |
| pH |
6,5 |
[0020] Die Regenerierquote des Entwicklers betrug 160 ml/m². Es wurden Schleier, Gamma 1,
Gamma 2 und Maximaldichte bestimmt. Die Ergebnisse sind in Tabelle 1 aufgeführt.
Beispiel 2
[0021] Es wurde wie in Beispiel 1 verfahren, jedoch wurden dem Entwickler 10 g KCl/l zugesetzt.
Beispiel 3
[0022] Es wurde wie in Beispiel 2 verfahren, aber die Temperatur des Entwicklers wurde auf
38°C erhöht.
Beispiel 4
[0023] Es wurde wie in Beispiel 2 verfahren, jedoch wurde das Material nach dem Verlassen
des Entwicklerbades durch zwei Rollenpaare geführt, deren Rollen Vorder- und Rückseite
des Materials berührten und auf das Material einen Druck von 150 p/cm² ausübten. Auf
das Material zwischen den beiden Rollenpaaren wurden 50 ml Wasser/m² Material aufgebracht.
Beispiel 5
[0024] Es wurde wie in Beispiel 2 verfahren, jedoch durchlief das Material im Entwicklerbad
5 Rollenpaare, die alle einen Druck von 150 p/cm² auf das Material ausübten.
Beispiel 6
[0025] Es wurde wie in Beispiel 5 verfahren, jedoch durchlief das Material nach Verlassen
des Entwicklerbades zusätzlich 2 Rollenpaare gemäß Beispiel 4, wobei auf das Material
zwischen den beiden Rollenpaaren 50 ml Wasser/m² Material aufgebracht wurden.
[0026] Die Ergebnisse der Beispiele 2 bis 6 sind ebenfalls in Tabelle 1 aufgeführt.

1. Verfahren zur kontinuierlichen Verarbeitung bildmäßig belichteter farbfotografischer
Materialien auf der Basis hochchloridhaltiger Silberhalogenidemulsionen mit wenigstens
den Schritten (a) Farbentwickeln, (b) Bleichen und Fixieren oder Bleichfixieren, (c)
Wässern oder Stabilisieren und (d) Trocknen, wobei der Farbentwickler mit einer Regenerierquote
von weniger als 160 ml/m² regeneriert wird, dadurch gekennzeichnet, daß der Entwickler
wenigstens 2 g KCl/l aus der chemischen Reduktion der AgCl-Emulsionen enthält und
die aus der chemischen Reduktion der AgCl-Emulsionen an der Grenzfläche des Materials
adhärierende Diffusionsschicht des Entwicklers wenigstens einmal, vorzugsweise zwei-
bis zwanzigmal deutlich verringert oder gänzlich entfernt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Regenerierquote weniger
als 80 ml/m² beträgt und der Entwickler 4 bis 10 g KCl/l enthält.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Regenerierquote weniger
als 40 ml/m² beträgt.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zur Beseitigung oder Verringerung
der adhärierenden Diffusionsschicht des Entwicklers das Material im Entwickler durch
ein oder mehrere Walzenpaare geführt wird, die jeweils einen Druck von 50 bis 250
p/cm² auf das Material ausüben.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Material nach dem Entwicklerbad
aber vor dem nächsten Bad durch ein oder mehrere Walzenpaare geführt wird, die jeweils
einen Druck von 50 bis 250 p/cm² auf das Material ausüben und die mit Wasser beaufschlagt
werden.