[0001] Die Erfindung betrifft ein Mittel und dessen Anwendung für die Entschwefelung, Entphosphorung,
Entsilicierung und Entstickung von Roheisen-, Gußeisen-, Ferrochrom- und Ferromanganschmelzen.
[0002] In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche Vorschläge für Mittel zur Entschwefelung
von Eisenschmelzen bekannt. Von diesen konnten sich insbesondere Mittel auf Basis
von Calciumcarbid (CaC₂) durchsetzen, die mit Zusätzen versehen sind, welche bei Einsatz
in der Eisenschmelze Gas abspalten.
[0003] Diese beispielsweise in der DE-PS 17 58 250 beschriebenen Mittel erlauben in Verbindung
mit geeigneten Einbring-Verfahren die Behandlung großer Durchsatzmengen von Eisenschmelzen,
wobei Calciumcarbonat als gasabspaltendes Mittel verwendet wird. In der DE-OS 22 52
795 ist Calciumhydroxid als gasabspaltende Komponente beschrieben. Aus der EP-A 0
138 417 ist ein Gemenge aus gebranntem Kalk sowie Kalkstein-Kohlenstoff, welchem Flußspat
zugesetzt worden ist, bekannt.
[0004] Diese Mittel haben sich nicht allgemein durchsetzen können, weil sie insbesondere
ein ausgeprägt schlechtes Fließverhalten aufweisen und folglich nur mit Schwierigkeiten
durch Rohrleitungssysteme förderbar sind. Außerdem steht der Verwendung dieser bekannten
Mittel entgegen, daß sie zu hohen Schlackenmengen und hohen Eisenverlusten in Form
von fein- und mittelgroßen Granalien führen, deren Gehalt an Eisen bis auf 70 Gew.-%
in der Schlacke ansteigen kann.
[0005] Unabhängig davon sind diese bekannten Zusätze, deren Zweck neben der Gasabspaltung
darin liegt, das verwendete Basisentschwefelungsmittel zu verdünnen, um dieses fördertechnisch
besser handhaben zu können. Zu diesem Zweck werden Fließhilfsmittel zugesetzt, um
den mehligen Charakter der Basisentschwefelungsmittel zu verändern, was z.B. in EP
0 226 994 beschrieben wird.
[0006] Einige dieser Verdünnungsmittel setzen ein Gas frei, welches das Durchmischen des
Entschwefelungsmittels mit der Schmelze verbessern soll. Der Rückstand aus dieser
Zersetzung ist immer - ob nun Kalkhydrat oder Kalkstein verwendet wird - Kalk, welcher
bei den Temperaturen der behandelten Schmelzen in festem Zustand vorliegt. Da Diffusionsvorgänge
die Entschwefelung mit festen Phasen steuern und hierfür die verfügbare Zeit maßgeblich
ist, können die im festen Zustand vorliegenden Kalk-Partikel kaum oder nur in geringem
Umfange an der Entschwefelung teilnehmen, weshalb sie als metallurgisch passiv bezeichnet
werden.
[0007] Schlacken aus Gemischen von Calciumcarbid, Kalkstein und Fließhilfsmittel neigen
zur Bildung von Ansätzen und Krusten in der Pfanne, die Schlackendecke wird steif
und ist schwierig zu handhaben. Es sind mechanische Hilfsmittel erforderlich, um diese
Krusten und Ansätze zu entfernen. Vielfach muß nach der Entschwefelung mit solchen
Gemischen ein Flußmittel, beispielsweise Flußspat oder Soda, aufgegeben werden, um
die gebildeten Krusten zu lösen.
[0008] In der DE-OS 30 08 950 sind Vorschläge beschrieben, um den Wirkungsgrad des Entschwefelungsmittels
zu verbessern und gleichzeitig das Schlackenproblem zu beherrschen. Diese Vorschläge
waren jedoch alle nicht geeignet, um die Probleme zu lösen, die die Entmischung der
Komponenten infolge unterschiedlicher Oberflächeneigenschaften hervorruft und deren
Handhabung erleichtert.
[0009] Hinzu kommt, daß bei den bekannten gasabspaltenden Stoffen ein Teil des Calciumcarbids
für chemische Umsetzungen mit dem Kohlendioxid des zugesetzten Carbonats bzw. dem
Wasser aus den Hydroxiden verbraucht wird. Gemäß der DE-PS 22 52 796 werden den Behandlungsmitteln
wasserstoff- oder stickstoffabspaltende Substanzen zugegeben. Der Zusatz solcher Substanzen
kann, falls Wasserstoffgas gebildet wird, desoxidierend wirken, sofern diese Wirkung
nicht durch große Fördergasmengen eingeschränkt wird. Das Problem der Feststoff-Reaktion
erfährt durch diese Zusätze keine Lösung.
[0010] Ferner wurde vorgeschlagen, Flußspat als verdünnende Komponente zu wählen, um eine
Verflüssigung der Schlacke zu begünstigen. Abgesehen von den ökologischen Problemen
bei der Lagerung flußspathaltiger Schlacken, kann aber dem Flußspat keine grundsätzliche
entschwefelnde Wirkung zugeschrieben werden.
[0011] Bei den sogenannten Rührer-Entschwefelungsverfahren besteht immer die Gefahr einer
Krustenbildung. Im Bereich der Schmelzbadoberfläche wird durch die Rotation des Rührbalkens
die Schlacke mehr oder weniger an die Wand des Gefäßes gedrückt. In den sich bildenden
Krusten in Form von Anbackungen bleibt das Calciumcarbid bevorzugt hängen, so daß
es nicht über die Trombe in die Schmelze eingezogen wird. Auf diese Weise verbrennt
das Calciumcarbid wirkungslos oder verbleibt ungenutzt in der Schlacke. Als Folge
einer solchen Krustenbildung treten Beschädigungen am Rührbalken auf und es wird dessen
Lebensdauer herabgesetzt, so daß die praktische Nutzung des theoretisch sehr effektiven
Rührverfahrens häufig eingeschränkt wird. Diese Krustenbildung ist eine unmittelbare
Folge der Fest-Flüssig-Reaktion, die zur Folge hat, daß Eisen-Granalien zurückgehalten
werden und daß eine vor Beginn der Behandlung gegebenenfalls dünnflüssige Schlacke
mit fortschreitendem Verfahrensablauf immer mehr absteift. Der Gehalt an Eisen-Granalien
in solchen Schlacken kann bis zu 70 Gew.-% betragen.
[0012] Der Vorschlag, Calciumcarbid mit einer etwa dem Eutektikum CaO-CaC₂ entsprechenden
Zusammensetzung anstelle des technischen Calciumcarbid mit einem CaC₂-Gehalt von etwa
80 Gew.-% einzusetzen, konnte ebenfalls nicht befriedigen, da auch bei einem solchen
Calciumcarbid eutektischer Zusammensetzung die gebildeten Schlacken zäh bis steif
waren und folglich beträchtliche Eisenmengen in Form von Eisen-Granalien zurückhielten.
Ferner wurden unerwünschte Anbackungen oder Krusten beobachtet.
[0013] Die Verwendung der bekannten Mittel, die eine Fest-Flüssig-Reaktion bedingen, erfordert
stets optimale Arbeitsbedingungen, die im betrieblichen Umfange meist nicht realisierbar
sind. So ist es im betrieblichen Ablauf kaum möglich, die beste Rührerstellung in
der Pfanne zu finden.
[0014] Bei den Einblas-Verfahren spielt die Tauchtiefe der Lanzen bzw. die Füllhöhe in der
Pfanne eine beträchtliche Rolle, insbesondere bei Torpedopfannen, da bei diesen langgestreckten
Transportgefäßen eine Akkumulation der Schlacke einen gravierenden Nachteil darstellt.
Insgesamt gilt, daß alle Faktoren, welche die Verweilzeit eines Entschwefelungsmittels
in der Schmelze verkürzen, dessen Effizienz beträchtlich beeinflussen.
[0015] Der Vorschlag, metallisches Aluminium in Gehalten von 0,02 bis 0,04 Gew.-% Al
sol einzusetzen, kann die Effizienz des Mittels verbessern, beseitigt aber nicht die
Probleme mit der dann eher trockenen Schlacke.
[0016] Unabhängig davon ist ein solcher Aluminiumzusatz unvorteilhaft, weil die Ausbeute
des eingebrachten metallischen Aluminiums nur gering ist. Das Einbringen des Aluminiums
in Torpedopfannen ist schwierig und unsicher und erhöht die Kosten der Entschwefelungsbehandlung
beträchtlich.
[0017] Die übliche Einblas-Technik und analog auch die Rührer-Technik sind bei der Verwendung
von Calciumcarbid als Entschwefelungsmittel durch das Phänomen der Inkubationszeit
benachteiligt, da während einer Zeitdauer von etwa 20 bis 30 % der gesamten Behandlungsdauer
so lange keine nennenswerte Umsetzung in der Schmelze erfolgt, bis die Schlacke auf
der Schmelze durch die Rühr- und Einblasbewegung wieder aufgeheizt und zumindest teilweise
verflüssigt worden ist. Dieses gilt auch für den Fall, wenn zusätzlich Schlacke aufgegeben
wird, da auch diese erst in den Stand versetzt werden muß, die Reaktionsprodukte aufzunehmen.
[0018] Die bisher bekanntgewordenen Zuschlagstoffe zu Basisentschwefelungsmitteln haben
nicht oder nur sehr begrenzt mitgeholfen, die inhärenten Probleme der Fest-Flüssig-Reaktion
zu umgehen. Vor allem aber haben diese Zusätze nur in einem begrenzten Umfange daran
mitgewirkt, Einflüsse aus betriebsbedingten Variablen der Verfahren - Einblasen oder
Einrühren - zu überwinden.
[0019] Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, ein Mittel zur Entschwefelung,
Entphosphorung, Entsilicierung und Entstickung von Roheisen- und Gußeisenschmelzen
aufzufinden, welches die Vorteile des Calciumcarbids oder des Kalks zu bewahren imstande
ist und durch geeignete Zusätze zudem in der Lage ist, die negativen Einflüsse der
Fest-Flüssig-Reaktion und der stets schwankenden Betriebsbedingungen zu beseitigen
oder zumindest zu vermindern. Das Mittel soll auch geeignet sein, in Ferrochrom- und
Ferromanganschmelzen entschwefelnd bzw. entphosphorend zu wirken.
[0020] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Mittel zur Entschwefelung, Entphosphorung,
Entsilicierung und Entstickung von Roheisen-, Gußeisen-, Ferrochrom- und Ferromanganschmelzen,
enthaltend wenigstens eines der folgenden mineralischen Rohstoffe:
- alkalihaltige Plagioklase, z.B. Na-Feldspat (Albit),
- alkalihaltige Orthoklase, z.B. Kali-Feldspate, Nepheline, Nephelin-Syenite,
- Montmorillonite, z.B. Perlit,
- Bentonite,
- Vermiculite,
- Muskovite,
- Zeolithe,
sowie 10 bis 90 Gew.-% Calciumcarbid bzw. Calciumoxid.
[0021] Die genannten mineralischen Rohstoffe zeichnen sich durch folgende und für die Gesamtreaktion
wesentliche Merkmale aus: Sie sind bei den Temperaturen des Roheisens, des Gußeisens
bzw. der Chrom- und Manganschmelzen im wesentlichen flüssig; sie scheiden im Verlaufe
des Aufheizens auf die Temperatur der umgebenden Schmelze gasförmige Phasen aus, welche
die Durchmischung erheblich begünstigen. So setzen z.B. die alkalihaltigen Plagioklase
und Orthoklase in der Schmelze Natrium und Kalium frei, wobei diese verdampfen. Die
genannten mineralischen Rohstoffe bzw. deren Bestandteile Natrium und Kalium führen
zu einer Verbesserung der Aufnahmefähigkeit der Schlacke für Schwefel, so daß der
Verteilungsfaktor Schlacke/Schmelze positiv beeinflußt wird. Überdies vermögen sie
die unerwünschten Stahlbegleit-Elemente Schwefel und Phosphor zu binden.
[0022] Montmorillonite, z.B. in Form des bekannten Perlits, bilden kurzzeitig eine Schaumphase
aus, sobald sie in die Metallschmelze gelangen. In vergleichbarer Weise führt Na-Bentonit
infolge Abspaltung von Natrium zur Verbesserung der Entschwefelung.
[0023] Die genannten mineralischen Rohstoffe stehen reichlich und preiswert zur Verfügung,
sind leicht aufzubereiten und uneingeschränkt zu handhaben. Ökologische Probleme sind
mit der Verwendung dieser mineralischen Rohstoffe nicht verbunden. Gegebenenfalls
können sie in ihrer Zusammensetzung durch Sintermaßnahmen oder Verschmelzen mit anderen
Materialien, wie Natrium-, Lithium- oder Kaliumcarbonat u.a., in ihrer Wirkung optimiert
werden. Durch Zugabe von Alkalikarbonat kann der Alkalioxidgehalt durch einen Sinter-
oder Schmelzprozeß bis auf 50 Gew.-% angehoben werden. Bevorzugt wird Natriumkarbonat
verwendet, um den Na₂O-Gehalt auf etwa 30 Gew.-% einzustellen.
[0024] In dem Mittel gemäß der Erfindung beträgt der Gehalt an Calciumcarbid und/oder Kalk
10 bis 90 Gew.-%, ein Calciumcarbid-Anteil, insbesondere von 30 bis 60 Gew.-% ist
bevorzugt. Das Calciumcarbid kann in eutektischer Zusammensetzung (etwa 67 Gew.-%
CaC₂) sein oder als technisches Carbid (78 bis 81 Gew.-% CaC₂, Rest CaO, SiO₂ und
Al₂O₃) verwendet werden. Ein Kalk-Anteil im erfindungsgemäßen Mittel von 10 bis 80
Gew.-%, vorzugsweise von 10 bis 30 Gew.-%, hat sich als vorteilhaft herausgestellt.
[0025] Ferner hat sich gezeigt, daß das erfindungsgemäße Mittel neben der Anwendung als
Entschwefelungsmittel zur Entphosphorung, zur Entsilicierung sowie zur Entstickung
von Eisenschmelzen sowie in Ferrochrom- und Ferromanganschmelzen verwendet werden
kann. Für solche Verwendungszwecke enthält das erfindungsgemäße Mittel vorzugsweise
wenigstens ein weiteres Additiv in Form von Eisenoxiden, Eisenerzen, Zunder, Chrom-
oder Manganerz, gegebenenfalls ergänzt durch Kalk und/oder einen Tonerdeträger wie
z.B. Kaolinit ([Al(OH)₄]₂[Si₂O₅]), Muskovit ([K Al₂(OH)₂][Si₃O₁₀]) oder Montmorillonit
([Al₂(OH)₂][Si₄O₁₀]) in einer Menge von 5 bis 20 Gew.-% als Schlackenbildner. Besonders
bevorzugt beträgt der Gehalt an Eisenoxiden 5 bis 50 Gew.-%, wobei ein Eisenoxidgehalt
von 30 bis 40 Gew.-% sich als am besten geeignet gezeigt hat.
[0026] Es hat sich als vorteilhaft herausgestellt, daß das erfindungsgemäße Mittel zu 5
bis 50 Gew.-% aus wenigstens einem der Rohstoffe Zeolith, Bentonit, Vermiculit, und/oder
Muskovit, Rest Calciumcarbid und/oder Kalk besteht. Ein Anteil dieser mineralischen
Rohstoffe in Höhe von 10 bis 30 Gew.-% im erfindungsgemäßen Mittel ist ganz besonders
bevorzugt. Die Bestandteile des erfindungsgemäßen Mittels besitzen im wesentlichen
gleiche Körnungsgröße ≦ 9 mm, wobei für das Einblas-Verfahren eine Körnung von ≦ 0,5
mm und für das Rührer-Verfahren eine Korngröße von ≦ 2 mm vorgesehen ist. Für die
Zugabe des erfindungsgemäßen Mittels zur Abstichrinne bzw. Abstichpfanne liegt die
Körnung des Mittels im Bereich von ≦ 5 mm.
[0027] Das erfindungsgemäße Mittel wird entweder über eine Tauchlanze in die Schmelze eingebracht
oder mit geeigneten Vorrichtungen aufgegeben. Durch Anwendung von zwei oder mehr Dosiersystemen
können die Komponenten des Mittels in der Lanze vereinigt bzw. bei der Aufgabe gemischt
werden. Um die Zusammensetzung des Mittels während der Behandlung der Schmelze verändern
zu können, werden die Bestandteile des Mittels getrennt dosiert und in die Schmelze
gefördert.
[0028] Der mit der Erfindung erzielbare technische Fortschritt ist außer den bereits genannten
Vorteilen darin zu sehen, daß auf eine besonders feine Aufmahlung des Mittels bzw.
seiner Bestandteile verzichtet werden kann, da das erfindungsgemäße Mittel bei den
Temperaturen der Metallschmelzen teilweise flüssig ist. Dadurch werden Förderungsprobleme
gegenstandslos, die sich bei schlecht fließenden Materialien ergeben. Besondere Fließhilfsmittel
sind deshalb bei dem erfindungs- gemäßen Mittel in der Regel nicht erforderlich. In
ver- gleichbarer Weise kann auch auf eine extrem feine Aufmahlung des Calciumcarbids
bzw. des Kalks verzichtet werden. Bei Verwendung des erfindungsgemäßen Mittels ist
kein stoßweises Fördern zu beobachten, welches bei im Stand der Technik gebräuchlichen
Entschwefelungsmitteln störend auftritt. In weiterer Folge bleibt bei der Verwendung
des erfindungsgemäßen Mittels auch der gefürchtete Auswurf bzw. ein Spritzen weitgehend
aus. Die nachfolgenden Beispiele sollen diese Erfindung näher erläutern.
Beispiele
[0029] In Rührer-Entschwefelungsanlagen hat sich bei den Pfannen mit einem Inhalt von 1
bis 6 t Gußeisen ein Gemisch zur Entschwefelung der Schmelze, bestehend aus 75 bis
95 Gew.-% techn. Calciumcarbid und 5 bis 25 Gew.-% Perlit, bewährt. Die üblichen Ansätze
an den Rührkörpern und Pfannenwänden konnten weitgehend unterdrückt werden. Obwohl
die Aufgabemenge von 1,3 bis 1,7 Gew.-% auf 1,0 Gew.-% verringert wurde, konnte der
End-Schwefelgehalt ohne Ausnahme unter 0,001 Gew.-% herabgesetzt werden, obwohl der
Ausgangs-Schwefelgehalt in einem weiten Bereich von 0,09 bis 0,145 Gew.-% schwankte.
Die Lebensdauer der Rührkörper wurde um 30 bis 50 % verlängert. Der Carbidgehalt der
Schlacke war erheblich kleiner als bei der Verwendung herkömmlicher Gemische. Es konnte
bestätigt werden, daß die unvermeidbar geringfügig schwankende Eintauchtiefe des Rührerkörpers
keine nachteiligen Auswirkungen auf den Entschwefelungsvorgang hatte.
[0030] In Schüttelpfannen mit einem Inhalt von 10 bis 17 t Roheisen wurde anstelle von technischem
Calciumcarbid ein Gemisch aus 85 Gew.-% techn. Calciumcarbid und 15 Gew.-% Perlit
bzw. 15 Gew.-% Albit, beides in einer Körnung von 0,2 bis 1 mm, eingesetzt. Mit um
15 bis 20 Gew.-% geringerem Mitteleinsatz konnten die gleichen Ergebnisse erzielt
werden wie bei Einsatz bekannter Mittel; das Streuband der Entschwefelungsergebnisse
war enger, und die Schlacke beweglich und leichter abzuziehen. Sie enthielt kaum nennenswerte
Gehalte an unverbrauchtem Carbid, der Granaliengehalt war gering.
[0031] In einer weiteren Versuchsserie wurden in Rührerpfannen ca. 17 t Ferrochrom- und
Ferromanganschmelzen entschwefelt, wobei ein Gemisch aus Calciumcarbid und 15 Gew.-%
Kaolinit als Schlackenkonditionierer zusammen mit 10 Gew.-% Perlit bzw. Albit eingesetzt
wurden. Die Schicht auf der Schmelze war sehr beweglich und ließ sich durch die Rührbewegung
vorzüglich in das Bad einziehen. Auch bei diesen Versuchen wurde das Streuband der
Endschwefelgehalte merklich verbessert. Die Schlacke war praktisch frei von nicht
reagiertem Calciumcarbid. Die Entschwefelung mit dem erfindungsgemäßen Mittel war
um 30-40 % besser als bei konventioneller Arbeitsweise.
[0032] Mit einem Gemisch aus 65 Gew.-% Calciumcarbid, 25 Gew.-% Albit und 10 Gew.-% Vermiculit
wurde ebenfalls in einer Schüttelpfanne eine Serie von Schmelzen von je ca. 50 t behandelt.
Die Entschwefelung zeigte ein sehr geringes Streuband und wurde um 15 bis 25 %, im
Vergleich zum Calciumcarbid ohne Zusätze, verbessert. Der Eisen-Granaliengehalt war
geringer als bei herkömmlichen Einsatz von Calciumcarbid.
[0033] In einer Versuchsreihe wurde bei Stahlschmelzen, deren Abstichgewicht 125 t betrug,
beim schlackenfreien Abstich ein Gemisch aus gebranntem Kalk, 10 Gew.-% Kaolinit und
20 Gew.-% Albit zugesetzt. Die Entschwefelung war um 20 bis 40 %, je nach Abstichverlauf,
besser als bei normaler Arbeitsweise mit der gleichen Menge Weichbranntkalk. In einer
weiteren Versuchsserie wurde beim Abstich ein Gemisch aus gebranntem Kalk und 30 Gew.-%
Albit mit auf 30 % erhöhtem Na₂O-Gehalt zugegeben. Der Schwefelgehalt konnte um 50
bis 65 %, bezogen auf einen Abstichgehalt von 0,018 Gew.-%, gesenkt werden.
[0034] In mehreren betrieblichen Versuchsserien wurde die Wirkung des neuen Gemischkonzeptes
beim Einblasen überprüft. Die Komponenten wurden sowohl im vorgemischten Zustand (Mono-Injektion)
als auch getrennt mit zwei bis drei Blasgeräten (Co-Injektion) eingetragen, wobei
die Mischung in der Leitung zur Lanze erfolgte.
- 1. Gemisch:
- 60 Gew.-% Calciumcarbid (technisch) +
20 Gew.-% Kalk, Rest Albit
- 2. Gemisch:
- 60 Gew.-% Calciumcarbid (eutektisch) +
20 Gew.-% Albit + 10 Gew.-% Perlit +
10 Gew.-% Kalk
- 3. Gemisch:
- 60 Gew.-% Calciumcarbid (eutektisch) +
25 Gew.-% Nephelin-Syenit + 15 Gew.-% Kalk
- 4. Gemisch:
- 50 Gew.-% Calciumcarbid (technisch) +
30 Gew.-% Kalk bzw. 20 Gew.-% Zeolith
- 5. Gemisch:
- 60 Gew.-% Albit (angereichert im Schmelzfluß
auf ca. 30 % Na₂O im Endprodukt) +
20 Gew.-% Kaolinit + 20 Gew.-% Kalk
- 6. Gemisch:
- 60 Gew.-% Albit (angereichert auf 30 % Na₂O)
40 Gew.-% Kalk
- 7. Gemisch:
- 40 Gew.-% K-Feldspat + 10 Gew.-% Kalk +
50 Gew.-% Calciumcarbid
- 8. Gemisch:
- 70 Gew.-% Kalk + 20 Gew.-% Albit +
10 Gew.-% Bentonit
Die Versuche wurden in einer offenen Pfanne mit ca. 185 t und in Torpedopfannen mit
ca. 220 t Roheisen durchgeführt. Der Ausgangsschwefelgehalt S
A lag im Bereich von 0,042 Gew.-%. Die Roheisentemperatur lag bei den Versuchen im
Bereich von 1350 bis 1420 °C.
[0035] Die unter Verwendung der vorgenannten acht Gemische enthaltenen Entschwefelungsergebnisse
sind in Fig. 1 graphisch dargestellt.
[0036] Wie Fig. 1 zu entnehmen ist, wurden mit Hilfe der Gemische 1 bis 3 die besten Ergebnisse
erreicht, nämlich bei Einsatz von ca. 4 kg Gemisch je t Schmelze ein Entschwefelungsgrad
von > 85 % für das Gemisch 1, von > 86 % für das Gemisch 2 und von > 87 % für das
Gemisch 3.
[0037] Fig. 1 zeigt für die Gemische 4 und 7, die sich im Vergleich zu den Gemischen 1 bis
3 durch verringerte Calciumcarbid-Anteile auszeichnen, eine leicht verringerte Entschwefelungsleistung
von ca. 79 % für das Gemisch 4 und von ca. 80 % für das Gemisch 7, jeweils bei einem
Einsatz von 4 kg Entschwefelungsgemisch je t Schmelze.
[0038] Wie ferner Fig. 1 zu entnehmen ist, zeigen die mit Hilfe der Gemische 5, 6 und 8
erhaltenen Ergebnisse, daß die verwen- deten mineralischen Rohstoffe in Verbindung
mit Kalk, aber ohne Calciumcarbid-Anteile Entschwefelungsgrade in der Größenordnung
von 60 bis 70 % bei einem Mitteleinsatz von 3,5 bis 4 kg je t Schmelze erbringen.
[0039] Die anhand der erfindungsgemäßen Zusammensetzung der Gemische 1 bis 8 erhaltenen
Ergebnisse wurden mit jenen verglichen, welche mit Standard-Entschwefelungsmitteln
auf Basis des Calciumcarbids (techn.) und Calciumcarbonat oder Calciumcarbid (techn.)
und 20 Gew.-% Kalk und 20 Gew.-% Calciumcarbonat erzielt wurden.
Ergebnisse
[0040] Alle Gemische, einschließlich jener auf Kalk-Basis, ließen sich stoßfrei aus dem
Blasgerät fördern. Die Gesamtfördergasmenge je kg Entschwefelungsmittel konnte bei
den erfindungsgemäßen Gemischen 1 bis 5 auf 6-10 Nl/kg gehalten werden. Die Entschwefelungsmittel-Förderrate
(kg/min) konnte bei allen Gemischen beliebig zwischen 50 und 100 kg/min variiert werden.
[0041] Bei allen Gemischen war die Schlacke nach der Behandlung so beweglich, daß sie bereits
durch einfaches Ankippen zum Ablaufen gebracht werden konnte; die restliche Schlacke
konnte mechanisch einfach abgezogen werden. Es wurden keine Krusten beobachtet; die
günstige Schlackenkonsistenz blieb über eine für den betrieblichen Ablauf genügend
lange Zeit erhalten.
[0042] Im Vergleich dazu wurde bei den Standard-Entschwefelungsmitteln ein Fördergasbedarf
von 22 bis 70 Nl/kg beobachtet, begleitet von einer unerwünschten stoßweisen Förderung
aus dem Blasgerät mit der Folge erheblicher Auswürfe. Die resultierende Schlacke war
reich an Eisen-Granalien, steifte rasch ab und war nur mit hohem Aufwand abzuziehen.
[0043] Zusätze von techn. Calciumcarbid, z.B. von 10 bis 90 Gew.-%, zu den erfindungsgemäß
verwendeten mineralischen Rohstoffen, verbesserten die Wirkung so erheblich, daß die
Verbrauchszahlen bei ansonsten gleichbleibenden Bedingungen um 10 bis 30 Gew.-% geringer
waren als beim herkömmlichen Einsatz von techn. Calciumcarbid, Kalkstein und Kohlenstoff,
wobei es keinen nennenswerten Unterschied ausmachte, ob Calciumcarbid (mit ca. 80
Gew.-% CaC₂) oder eutektisches Calciumcarbid (mit ca. 67 Gew.-% CaC₂) benutzt wurde.
Die Blasrate konnte in der Torpedopfanne zwischen 50 und 100 kg/min variiert werden,
ohne daß ein unkontrollierbarer Auswurf auftrat. Die resultierende Schlacke war sehr
gut beweglich und enthielt erheblich weniger Eisen-Granalien als bei den im Stand
der Technik üblichen Entschwefelungsmitteln.
[0044] Bei den in Fig. 1 dargestellten Versuchen wurde im Arbeitsbereich von 1.350 bis 1.420
°C kein wesentlicher Einfluß der Temperatur festgestellt. Die Streuung der Entschwefelungsergebnisse
war jedoch geringer als bei üblichen Entschwefelungsmitteln.
[0045] Versuche in Torpedopfannen mit einem Roheiseninhalt von ca. 220 t ergaben analoge
metallurgische Ergebnisse.
[0046] Überraschend wurde festgestellt, daß das erfindungsgemäße Mittel eine merkliche Entphosphorung,
Entstickung sowie Entsilicierung der Eisenschmelze parallel zur Entschwefelung auslöste.
Besonders natrium- oder kaliumreiche Mineralien, wie Albit oder Kali-Feldspat, aber
auch gesteigerte Anteile an Natrium-Bentoniten in Mischung mit Kalk bzw. Kalk und
Zunder zeigten eine wirksame Entphosphorung und einen wirksamen Silicium-Abbau.
[0047] Besonders günstig und völlig überraschend war die ruhige Reaktion von Feldspaten,
die im Sinter oder Schmelzfluß im Na₂O- oder K₂O-Gehalt auf 30 bis 50 Gew.% erhöht
wurden.
[0048] Der Anteil an Albit bzw. Na₂O-angereichertem Albit in Gemischen für eine gezielte
Entphosphorung/Entsilicierung/Entstickung wurde auf ca. 15 bis 50 Gew.-% begrenzt.
Die Ergänzung auf 100 % erfolgte mit Hilfe von Zunder bzw. von Eisenerz und Kalk.
Es wurde festgestellt, daß der Stickstoffabbau im wesentlichen linear mit dem Albit-Gehalt
im verwendeten Gemisch zusammenhängt, wobei bei höheren Albit-Gehalten eine eher progressive
Wirkung zu beobachten ist. Anhand dieser Ergebnisse ist es möglich, auch den Stickstoffgehalt
von Roheisen mit Hilfe von Albit-Zusätzen zum Entphosphorungs- bzw. Entschwefelungsmittel
um 10 bis 40 Gew.-% zu verringern.
[0049] Für den Abbau von 0,1 Gew.-% Silicium durch Einblasen waren 6 bis 8,5 kg/t eines
Gemisches aus 40 bis 60 Gew.-% Zunder, ca. 30 Gew.-% Na-Feldspat (Albit), Rest Kalk
erforderlich. Bei diesem Gemisch war eine Aufmahlung auf kleiner 0,1 mm vorteilhaft.
Dieses Gemisch zeigte einen parallelen Verlauf der Entphosphorung/Entsilicierung und
ein praktisch gleichzeitiges Einsetzen der Entschwefelung. Es konnte gezeigt werden,
daß die unerwünschte, weil heftig reagierende Soda (Na₂CO₃) durch die erfindungsgemäß
zu verwendenden mineralischen Rohstoffe ersetzt werden kann, wobei sich das erfindungsgemäße
Mittel zudem dadurch auszeichnet, daß es kontinuierlich eingeblasen werden kann, wohingegen
Soda wegen seiner heftigen Reaktionen meist intermittierend der Schmelze zugeführt
werden muß. Bei Verwendung von mit Sauerstof angereichertem Trägergas wurden die Verbrauchszahlen
um bis zu 20 % gesenkt, gleichzeitig konnte der Kalk-Anteil bis auf 40 % gesteigert
werden.
[0050] Die langsame Freisetzung der Alkalibestandteile führt nicht zu eruptiv auftretenden
Gasblasen, wie bei der Verwendung von Soda. Diese allmähliche Freisetzung der Alkalibestandteile
beim erfindungsgemäßen Mittel verhindert, daß die übrigen Komponenten, sofern vorhanden,
nicht aus der Schmelze herausgeschleudert werden, so daß insgesamt ein längerer Wirkungszeitraum
erreicht wird.
1. Mittel zur Entschwefelung, Entphosphorung, Entsilicierung und Entstickung von Roheisen-,
Gußeisen-, Ferrochrom- und Ferromanganschmelzen, enthaltend wenigstens eines der folgenden
mineralischen Rohstoffe:
- alkalihaltige Plagioklase, z.B. Na-Feldspat (Albit),
- alkalihaltige Orthoklase, z.B. Kali-Feldspate, Nepheline, Nephelin-Syenit,
- Montmorillonite, z.B. Perlit,
- Bentonit,
- Vermiculit,
- Muskovit,
- Zeolith
sowie 10 bis 90 Gew.-% Calciumcarbid und/oder Caliumoxid.
2. Mittel nach Anspruch 1 zur Entphosphorung, Entsilicierung und Entstickung, dadurch gekennzeichnet, daß es außer den mineralischen Komponenten noch Eisenoxide in Form von Eisenerzen
oder Zunder, Chrom- oder Manganerz in einer Menge von 5 bis 40 Gew.-% enthält.
3. Mittel nach den Ansprüchen 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Mittel einen Tonerdeträger in einer Menge von 5 bis 20 Gew.-% enthält.
4. Mittel nach einem der Ansprüche 1 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß es zu 5 bis 50 Gew.-% aus wenigstens einem der mineralischen Rohstoffe Zeolith,
Bentonit, Vermiculit, Muskovit, Rest Calciumcarbid und/oder Calciumoxid, besteht.
5. Mittel nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß es zu 10 bis 30 Gew.-% aus wenigstens einem der mineralischen Rohstoffe Zeolith,
Bentonit, Vermiculit, Muskovit, Rest Calciumcarbid und/oder Calciumoxid, besteht.
6. Mittel nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die einzelnen Komponenten eine im wesentlichen gleiche Körnungsgröße ≦ 9 mm
besitzen und zwar für das Einblas-Verfahren sowie für die Zugabe zur Abstichrinne
bzw. Abstichpfanne ≦ 5 mm und für das Rühr-Verfahren ≦ 2 mm.
7. Mittel nach den Ansprüchen 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß sein Gehalt an Alkalioxid durch Sintern oder Schmelzen der mineralischen Rohstoffe
mit alkalireichen Verbindungen auf einen Gehalt von bis zu 50 Gew.-% Alkalioxid angehoben
wird.
8. Mittel nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß sein Gehalt an Natriumoxid durch Schmelzen mit Soda auf einen Gehalt von 30
Gew.-% Natriumoxid angehoben wird.
9. Verfahren zur Behandlung von Eisen-, Ferrochrom- und Ferromanganschmelzen mit einem
Mittel gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Mittel durch Einblasen über eine Tauchlanze in die Schlacke eingebracht
wird.
10. Verfahren zur Behandlung von Eisen-, Ferrochrom- und Ferromanganschmelzen mit einem
Mittel gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Bestandteile des Mittels getrennt dosiert und in die Schmelze gefördert
werden.