(19)
(11) EP 0 603 114 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
22.06.1994  Patentblatt  1994/25

(21) Anmeldenummer: 93810761.2

(22) Anmeldetag:  01.11.1993
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5F16B 7/04, F16B 2/00
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE DK ES FR GB IT LI LU NL PT SE

(30) Priorität: 15.12.1992 CH 3828/92

(71) Anmelder: USM U. SCHAERER SOEHNE AG
CH-3110 Münsingen (CH)

(72) Erfinder:
  • Schärer, Paul
    CH-3110 Münsingen (CH)
  • Stöckli, Kaspar
    CH-3117 Kiesen (CH)

(74) Vertreter: Roshardt, Werner Alfred, Dipl.-Phys. et al
Keller & Partner Patentanwälte AG Marktgasse 31 Postfach
3000 Bern 7
3000 Bern 7 (CH)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Klemmvorrichtung


    (57) Eine Klemmvorrichtung, die in einem Hohlprofil (2) durch Spreizen kraftschlüssig verankerbar ist, umfasst zwei keilartige Keilhülsenhälften (5.1, 5.2). Eine für den Kraftschluss verantwortliche Oberfläche ist zumindest teilweise durch eine Hartmaterialgranulat-Beschichtung (8.1, 8.2) gebildet.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft eine Klemmvorrichtung, die in einem Hohlprofil durch Spreizen kraftschlüssig verankerbar ist. Ferner betrifft die Erfindung eine lösbare Verbindungsanordnung zwischen einem rohrförmigen Hohlprofil und einem weiteren Konstruktionselement, sowie ein Einrichtungssystem.

    Stand der Technik



    [0002] Aus hohlprofilförmigen Konstruktionselementen zusammensetzbare Einrichtungssysteme (Gestell-, Möbelsysteme etc.) sind allgemein bekannt und wegen den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten beliebt. Wichtig bei solchen Einrichtungssystemen ist, dass die Verbindungen zwischen den einzelnen Elementen (z. B. zwischen Säulen und Streben) belastungsfähig und ästhetisch vorteilhaft sind.

    [0003] Aus der CH-PS 429 317, der CH-PS 488 120 oder der EP 0 455 945 A1 sind Klemmverbindungen der eingangs genannten Art bekannt. Sie weisen jeweils zwei Keile auf, die durch eine die Keile in Längsrichtung durchsetzende Schraube gegeneinander gezogen und infolgedessen an die Rohrinnenwand der Strebe gepresst werden.

    [0004] Es hat sich gezeigt, dass die Zugbelastbarkeit der bekannten Klemmvorrichtungen oft nicht das gewünschte Mass erreicht.

    Darstellung der Erfindung



    [0005] Aufgabe der Erfindung ist es daher, eine Klemmvorrichtung der eingangs genannten Art anzugeben, die sich durch eine verbesserte Zugbelastbarkeit auszeichnet.

    [0006] Gemäss der Erfindung besteht die Lösung darin, dass eine für den Kraftschluss verantwortliche Oberfläche zumindest teilweise durch eine Hartmaterialgranulat-Beschichtung gebildet ist.

    [0007] Das Hartgranulatmaterial erzeugt eine Rauhigkeit, die dem Kraftschluss dienlich ist. Die Spitzen der in der Beschichtung eingebetteten Hartmaterialkörner dringen bei dem für den Kraftschluss erforderlichen hohen Pressdruck in das kontaktierende Material ein, was zu einer feinen Verzahnung führt.

    [0008] Gemäss einer bevorzugten Ausführungsform ist das Hartmaterialgranulat ein Quarzgranulat. Die Beschichtung wird z. B. durch ein Kunstharz mit untergemischtem Quarzgranulat gebildet.

    [0009] Typischerweise wird die erwähnte Klemmvorrichtung in einem Hohlprofil aus Stahl eingesetzt. Die Quarzgranulat-Beschichtung wird somit auf eine Stahloberfläche gepresst. Es hat sich gezeigt, dass dadurch ein sehr guter Reibschluss realisiert werden kann.

    [0010] Gemäss einer besonders bevorzugten Ausführungsform umfasst die Klemmvorrichtung zwei Keilhülsenhälften aus Stahlblech. Diese lassen sich mit verhältnismässig geringem Aufwand herstellen.

    [0011] Es hat sich gezeigt, dass dem zwischen den Keilhülsen gebildeten Keilwinkel eine grosse Bedeutung zukommt. Ist er zu gross, so gleiten die Keilhülsenhälften zu wenig gut aufeinander. Ist er dagegen zu klein, so ist die Spreizwirkung zu gering. Es wurde nun gefunden, dass ein Keilwinkel von ca. 17° zu einem optimalen Kraftschluss führt.

    [0012] Gemäss einer vorteilhaften Ausführungsform sind die Keilhülsenhälften einstückig aus einem Stahlblech geformt. Jede Keilhülsenhälfte ist im Achsenquerschnitt U-förmig und hat eine die Keilhülsenhälfte (resp. deren U-förmigen Profilteil) am einen Ende axial abdeckende Lasche. Die Lasche weist eine Bohrung für eine Schraube auf und ist auf der Stirnseite des U-förmigem Profilteils abgestützt. Die Schraube dient zum Spreizen der Klemmvorrichtung.

    [0013] In der Regel sind die Keilhülsenhälften als zwei selbständige Teile ausgebildet. Zwecks Erleichterung der Montage sind sie bei der Auslieferung vorzugsweise durch eine zerreissbare Klebefolie zusammengehalten. Die Klebefolie wird bei der Montage durch das Spreizen der Klemmvorrichtung getrennt.

    [0014] Die Erfindung eignet sich für Möbel- und Gestellsysteme aller Art. Die Klemmverbindung wird z. B. in einer Strebe eingesetzt und an einer Säule festgeschraubt. Für die Befestigungsart an der Säule gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bevorzugt ist eine Halteringanordnung, wie sie aus der eingangs zitierten EP 0 455 945 A1 bekannt ist. Selbstverständlich eignet sich auch die Kugelkopfanordnung gemäss CH-PS 429 317 oder CH-PS 488 120.

    [0015] Aus der Detailbeschreibung und der Gesamtheit der Patentansprüche ergeben sich weitere bevorzugte Ausführungsformen und Merkmalskombinationen der Erfindung.

    Kurze Beschreibung der Zeichnungen



    [0016] Nachfolgend soll die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen und im Zusammenhang mit den Zeichnungen näher erläutert werden. Es zeigen:
    Fig. 1
    Eine Schnittdarstellung einer erfindungsgemässen Verbindungsanordnung zwischen einer Säule und einer Strebe;
    Fig. 2
    eine perspektivische Darstellung einer erfindungsgemässen Keilhülsenhälfte von zwei verschiedenen Seiten;
    Fig. 3
    eine Seitenansicht von zwei zusammengeklebten Keilhülsenhälften.


    [0017] Grundsätzlich sind in den Figuren gleiche Teile mit gleichen Bezugszeichen versehen.

    Wege zur Ausführung der Erfindung



    [0018] Fig. 1 zeigt eine erfindungsgemässe Verbindungsanordnung im Schnitt. An einer z. B. hohlzylindrischen Säule 1 ist eine hohlprofilförmige Strebe 2 mittels einer im folgenden zu beschreibenden erfindungsgemässen Klemmvorrichtung, einem Haltering 4 und einem Uebergangsstück 3 befestigt. Der Haltering 4 umschliesst die Säule 1 und weist vorzugsweise mehrere, entlang des Umfangs verteilte Gewindebohrungen (in Fig. 1 mit Bezugszeichen 7 gekennzeichnet) auf. Das Uebergangselement 3 umgreift den Haltering 4 zangenartig. Es überträgt Drehmomente der Strebe 2 auf den Haltering 4. Ferner schafft es einen ästhetisch sauberen Uebergang zwischen der Strebe 2 und der Säule 1.

    [0019] Das Prinzip der Halteringbefestigung ist in der EP 0 455 945 A1 detailliert beschrieben. An dieser Stelle braucht deshalb nicht näher auf sie eingegangen zu werden.

    [0020] Die erfindungsgemässe Klemmvorrichtung umfasst zwei Keilhülsenhälften 5.1, 5.2. Sie werden durch eine in Achsenlängsrichtung der Strebe 2 verlaufende Schraube 6 in Achsenrichtung gegeneinander gezogen. Aufgrund ihrer keilartigen Beschaffenheit werden sie dabei gleichzeitig in radialer Richtung nach aussen an die Innenwand der Strebe 2 gepresst. Der resultierende Kraftschluss (zwischen Keilhülse und Strebe) stellt das Grundprinzip der vorliegenden Verbindungsanordnung dar.

    [0021] Gemäss der Erfindung wird er massgeblich dadurch verbessert, dass die relevanten Oberflächen der Keilhülsenhälften 5.1, 5.2 zumindest bereichsweise mit einer Quarzgranulat-Beschichtung 8.1, 8.2 versehen sind. Die Zugbelastbarkeit der Verbindungsanordnung wird dadurch beträchtlich erhöht.

    [0022] Fig. 2 zeigt die Keilhülsenhälfte 5.2 in perspektivischer Darstellung aus zwei verschiedenen Blickrichtungen. Sie ist gewissermassen zu sich selbst komplementär. D. h. die Klemmvorrichtung weist zwei identische, komplementäre Hälften auf.

    [0023] Da im vorliegenden Beispiel die Strebe 2 in der Art eines Flachrohrs ausgebildet ist, weist die Keilhülsenhälfte 5.2 zwei mehr oder weniger ebene Seitenflächen 9.1, 9.2 und einen diese verbindenden runden Rücken 9.3 auf. Dadurch wird ein U-förmiger Profilteil gebildet. Auf den Stirnseiten 11.1, 11.2 der Seitenflächen 9.1, 9.2 liegt eine flache Lasche 10 auf. Sie ist flächenmässig etwas kleiner als der Innenquerschnitt der Strebe 2. Wie aus der Fig. 2 zu entnehmen ist, liegt die Lasche 10 beinahe entlang ihres gesamten Umfangs auf dem Profilteil auf.

    [0024] Bei der Keilhülsenhälfte 5.2 der Fig. 2 ist zu erkennen, dass die erwähnte stirnseitig angebrachte Lasche 10 über einen Hals 12 mit dem U-förmigen Profilteil, insbesondere mit dessen rundem Rücken 9.3 in Verbindung steht. Die Keilhülsenhälfte 5.2 ist somit aus einem zusammenhängenden Stahlblechstück einer Dicke von z. B. 3 bis 4 mm geformt.

    [0025] Gemäss einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist die Keilhülsenhälfte 5.2 an ihrem Rücken 9.3, welcher formmässig an die entsprechende Innenfläche der Strebe 2 angepasst ist, mit einer Hartstoffgranulat-Beschichtung 8.2 bedeckt. Da die Seitenflächen 9.1, 9.2 zum Kraftschluss im wesentlichen nichts beitragen, sind sie unbeschichtet belassen.

    [0026] Bei der Quarzgranulat-Beschichtung handelt es sich z. B. um ein Kunstharz mit untergemischten Quarzkörnern.

    [0027] Die Lasche 10 weist ein zentral angeordnetes Loch 13 auf. Durch dieses ist die Schraube 6 hindurchzuführen.

    [0028] Die Keilhülsenhälften 5.1 und 5.2 liegen mit den längsseitigen Schmalseiten der Seitenflächen 9.1, 9.2 aufeinander auf. Die dadurch gebildeten Gleitflächen 14.1, 14.2 verlaufen unter einem Winkel von vorzugsweise etwa 17° zur Längsachse der Keilhülsenhälfte 5.2 (vgl. Fig. 3).

    [0029] Jede Seitenfläche 9.1 resp. 9.2 weist vorzugsweise zwei Gleitflächen 14.1, 14.2 resp. 14.3, 14.4 auf. Die Gleitflächen 14.1 und 14.3 resp. 14.2 und 14.4 einer Seitenfläche 9.1 resp. 9.2 sind durch eine Stufe voneinander abgetrennt. Dadurch wird vermieden, dass die Keilhülsenhälfte 5.2 allzu spitz zuläuft.

    [0030] Wie in Fig. 3 gezeigt ist, sind die Keilhülsenhälften 5.1 und 5.2 durch auf den Seitenflächen aufgebrachte Klebefolien zwecks Erleichterung der Montage verbunden. In Fig. 3 ist eine Klebefolie 15 auf die Seitenflächen 9.1 und 16 aufgebracht. (Die in der Fig. nicht gezeigten rückseitigen Seitenflächen sind natürlich ebenfalls mit einer entsprechenden Klebefolie verbunden.) Die Klebefolie 15 ist vorzugsweise durchsichtig.

    [0031] Die Montage geht wie folgt vor sich: In die zusammengefügten Keilhülsenhälften 5.1 und 5.2 wird die Schraube 6 eingeführt. Ferner wird die Schraube durch das Uebergangselement 3 hindurch in die Gewindebohrung 7 des Halterings 4 geschraubt. Nun wird die Strebe 2 über die Keilhülsenhälften 5.1, 5.2 geschoben. Beim darauffolgenden Anziehen der Schraube 6 werden die Keilhülsenhälften 5.1, 5.2 entlang der Gleitflächen gegeneinander verschoben; die Klebefolien reissen durch. Durch weiteres Anziehen der Schraube 6 spreizt sich die erfindungsgemässe Klemmvorrichtung, was zur Verankerung derselben im Ende der Strebe 2 führt.

    [0032] Es leuchtet ein, dass die Klebefolie das Hantieren mit den Keilhülsen beträchtliche erleichtert.

    [0033] Die erfindungsgemässen Keilhülsenhälften lassen sich wie folgt herstellen: Aus einem geeigneten Stahlblech wird ein Formstück der gewünschten Abmessung gestanzt. Vorzugsweise geschieht dies durch Feinstanzen. Diese an sich bekannte Technik ergibt eine saubere Ausführung der Gleitflächen. Eine aufwendige Nachbearbeitung der Stanz-Kanten entfällt weitgehend.

    [0034] Danach wird der Formteil geprägt. D. h. der Rücken 9.3 wird gekrümmt, so dass die Seitenflächen 9.1, 9.2 parallel zueinander zu liegen kommen. Die Lasche 10 wird gegen die Stirnseiten der Seitenflächen 9.1, 9.2 abgekantet.

    [0035] Nun wird der Rücken 9.3 mit der Quarzgranulat-Beschichtung versehen. Für die Auslieferung werden zwei Keilhülsenhälften 5.1, 5.2 mit Klebefolien zusammengehängt.

    [0036] Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass durch die Erfindung eine optimierte Klemmvorrichtung für Einrichtungssysteme aller Art geschaffen worden ist.


    Ansprüche

    1. Klemmvorrichtung, die in einem Hohlprofil (2) durch Spreizen kraftschlüssig verankerbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass eine für den Kraftschluss verantwortliche Oberfläche (9.3) zumindest teilweise durch eine Hartmaterialgranulat-Beschichtung (8.2) gebildet ist.
     
    2. Klemmvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Hartmaterialgranulat-Beschichtung eine Quarzgranulat-Beschichtung ist.
     
    3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass sie zwei Keilhülsenhälften (5.1, 5.2) aus Stahlblech umfasst.
     
    4. Klemmvorrichtung insbesondere nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Keilhülsenhälften einen Keilwinkel von etwa 17° bilden.
     
    5. Klemmvorrichtung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Keilhülsenhälften (5.1, 5.2) einstückig aus einem Stahlblech geformt sind, wobei jede Keilhülsenhälfte (5.1, 5.2) einen U-förmigen Profilteil und eine den U-förmigen Profilteil an einem Ende axial abdeckende Lasche (10) aufweist.
     
    6. Klemmvorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Lasche (10) ein Loch (13) für eine Schraube (6) aufweist und auf der Stirnseite (11.1, 11.2) des U-förmigen Profilteils der Keilhülsenhälfte (5.2) entlang des grössten Teils ihres Umfangs abgestützt ist.
     
    7. Klemmvorrichtung nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Keilhülsenhälften (5.1, 5.2) als zwei getrennte Teile ausgebildet sind, die zwecks Erleichterung der Montage durch mindestens eine zerreissbare Klebefolie (15) zusammengehalten sind.
     
    8. Lösbare Verbindungsanordnung zwischen einem rohrförmigen Hohlprofil (2) und einem weiteren Konstruktionselement (1), gekennzeichnet durch eine im Hohlprofil (2) kraftschlüssig abgestützte Klemmvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, welche mit dem weiteren Konstruktionselement (1) mittels einer Schraubverbindung lösbar verbunden ist.
     
    9. Aus Konstruktionselementen bestehendes Einrichtungssystem, insbesondere Gestellsystem, umfassend hohlprofilförmige Streben (2) und Säulen (1) aus Stahl, gekennzeichnet durch mindestens eine Verbindungsanordnung nach Anspruch 8.
     




    Zeichnung










    Recherchenbericht