(19)
(11) EP 0 603 647 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
29.06.1994  Patentblatt  1994/26

(21) Anmeldenummer: 93119763.6

(22) Anmeldetag:  08.12.1993
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5B29C 67/22, B05C 5/02
(84) Benannte Vertragsstaaten:
DE FR GB IT

(30) Priorität: 21.12.1992 DE 4243277

(71) Anmelder: BAYER AG
51368 Leverkusen (DE)

(72) Erfinder:
  • Kellerhof, Ingo, Dipl.-Ing.
    D-53819 Seelscheid (DE)
  • Pfeil, Hans-Dieter
    D-42115 Wuppertal (DE)
  • Krippl, Kurt
    D-40789 Monheim (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Vorrichtung zum kontinuierlichen Herstellen von Schaumstoffbahnen, insbesondere Hartschaumstoffplatten


    (57) Bei Vorrichtungen zum kontinuierlichen Herstellen von Schaumstoffbahnen (2) werden hin- und hergehende Auftragsvorrichtungen (12) mit einem Gießrohr (21) verwendet, wobei Produktionsunterbrechungen wegen eines verunreinigten Gießrohres (21) dadurch vermeidbar sind, daß auf einer austauschbaren Magazinplatte (20) mehrere Gießrohre (21) angeordnet sind, auf welche nacheinander umgeschaltet werden kann, so daß in großen Produktionspausen die Magazinplatte (20) ausgetauscht bzw. gereinigt werden kann.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum kontinuierlichen Herstellen von Schaumstoffbahnen, insbesondere Hartschaumstoffplatten, bestehend aus einem endlosen Transportband und einem eingangsseitig darüber angeordneten Portal mit einer quer hin- und hergehenden Auftragsvorrichtung für ein schaumstoffbildendes Reaktionsgemisch, wobei diese Auftragsvorrichtung aus einem Mischkopf und einem an dessen Auslaufkanal anschließenden, in Förderrichtung des Transportbandes weisenden, an seiner Unterseite mit Auslauföffnungen versehenen Gießrohr besteht.

    [0002] Solche Gießrohre werden vorzugsweise für den Gemischauftrag bei sogenannten Doppeltranportbandanlagen eingesetzt, sie können aber auch bei Blockschäumanlagen verwendet werden Diese Gießrohre, in der Fachsprache "Gießharke" genannt, verstopfen während des Betriebes immer wieder, sei es durch langsames Zuwachsen während der Produktion oder durch Aushärten von Reaktionsgemisch in Produktionspausen. Die Reinigung bei Produktionsunterbrechungen durch Druckluft oder Lösungsmittel ist physiologisch bedenklich, weil die Umwelt belastet wird. Die damit bedingten Produktionsverzögerungen erhöhen unnötigerweise die Fertigungskosten.

    [0003] Es besteht die Aufgabe, eine Vorrichtung der eingangs genannten Art zu schaffen, bei welcher Produktionsunterbrechungen durch verschmutzte oder verstopfte Gießrohre vermieden werden.

    [0004] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, daß mehrere Gießrohre auf einer an der Auftragsvorrichtung abnehmbar angeordneten Magazinplatte vorgesehen sind, wobei der Auslaufkanal gegen diese Magazinplatte weist und die Magazinplatte für jedes Gießrohr mit einem Durchlaß versehen und derart verstellbar ist, daß die Gießrohre nacheinander über die ihnen zugeordneten Durchlässe mit dem Auslaufkanal verbindbar sind.

    [0005] Dadurch wird erreicht, daß das Bedienungspersonal, sobald es eine Verschmutzung des Gießrohres bemerkt, durch Verstellen der Magazinplatte sofort das nächste Gießrohr einsetzen kann. Auf der Magazinplatte sind vorzugsweise so viele Gießrohre angeordnet, wie der Wahrscheinlichkeit nach für eine mehrstündige Produktion benötigt werden, In einer größeren Produktionspause kann dann die gesamte Magazinplatte gegen eine andere ausgetauscht werden, und die Gießrohre der benutzten Magazinplatte lassen sich für den nächsten Einsatz reinigen.

    [0006] Gemaß einer besonderen Ausführungsform sind den Durchlässen Druckentlastungskanäle zugeordnet, welche vom benachbarten Durchlaß bzw. von dessen Druckentlastungskanal nur durch einen schmalen Abdichtsteg getrennt sind

    [0007] Auf diese Weise wird erreicht, daß beim Umschalten auf das nächste Gießrohr der Gemischstrom kaum unterbrochen wird und auch kein in die Mischkammer zurückschlagender Druckaufbau stattfindet.

    [0008] Die Magazinplatte ist entweder als drehbare Scheibe ausgebildet, auf der die Gießrohre in Form eines Kranzes angeordnet sind, oder alternativ dazu ist die Magazinplatte als Flachschieber ausgebildet, auf dem die Gießrohre nebeneinander angeordnet sind.

    [0009] Es versteht sich, daß die Abstände gleichmäßig sein müssen und daß vorzugsweise eine Raste vorhanden ist, damit jedes Gießrohr bei seinem Gebrauch in exakte Deckung mit dem Auslaufkanal der Mischkammer gebracht werden kann.

    [0010] Vorzugsweise sind die Stirnseiten der Gießrohre mit einer entfernbaren Kappe versehen.

    [0011] Diese Kappe muß einerseits leicht lösbar sein, aber andererseits so fest sitzen, daß sie sich während des Betriebes nicht von selbst löst. Wenn sie einen in das Gießrohr greifenden Ansatz besitzt, ist dies von Vorteil, weil man dann nach dem Abnehmen der Kappe einen passenden Bolzen in den von dem Ansatz von Material freigehaltenen Raum des Gießrohres zum Reinigen einführen und das ausgehärtete Material herausklopfen kann.

    [0012] Vorzugsweise ist die Magazinplatte mit einem Stellantrieb versehen.

    [0013] Dies hat den Vorteil, daß die Umstellung auf das nächste Gießrohr ohne Unterbrechung der Produktion erfolgen kann, wenn dieser Stellmotor von einem feststehenden Anlagenteil, beispielsweise dem Schaltpult, betätigbar ist.

    [0014] In der Zeichnung ist die neue Vorrichtung in zwei Ausführungsbeispielen rein schematisch dargestellt und nachstehend näher erläutert. Es zeigen:
    Fig. 1
    die Vorrichtung in der Seitenansicht,
    Fig. 2
    die Vorrichtung in der Draufsicht,
    Fig. 3
    die Einzelheit A in vergrößertem Maßstab im Schnitt,
    Fig. 4
    die Einzelheit A in der Stirnansicht,
    Fig. 5
    die Magazinplatte in der Rückansicht,
    Fig. 6
    einen Schnitt gemäß Linie B-C in Fig. 5,
    Fig. 7
    eine zweite Ausführungsform der Einzelheit A,
    Fig. 8
    die Ausführungsform gemäß Fig. 7 in der Stirnansicht und
    Fig. 9
    die Magazinplatte in der Rückansicht.


    [0015] In Fig. 1, 2 besteht die Vorrichtung aus einem sogenannten Doppeltransportband 1 zum Herstellen von mit Deckschichten kaschierten Hartschaumstoffplatten 2. Es besteht aus einem Unterband 3, auf welchem eine von einer Rolle 4 abgezogene Papierbahn 5 transportiert wird, und einem Oberhand 6, unter welchem ebenfalls eine von einer Rolle 7 abgezogene Papierbahn 8 in einen zwischen Unterband 3 und Oberhand 6 gebildeten Schäumraum 9 einlauft. Eingangsseitig ist über dem Unterband 3 ein Portal mit einer Querschiene 11 angeordnet, an welcher eine Auftragsvorrichtung 12 über die vorgesehene Schäumbreite hin- und hergeführt wird. Der Antrieb der Auftragsvorrichtung 12 ist der besseren Übersichtlichkeit halber nicht dargestellt.

    [0016] Die in den Fig. 3 bis 6 detailliert dargestellte Auftragsvorrichtung 12 besteht aus einem an der Querschiene 11 laufenden Wagen 13. Darin ist eine Mischkammer 14 mit Rührwerk 15 angeordnet. Zuleitungen 16 und 17 für die Reaktionskomponenten sind angedeutet. Von der Mischkammer 14 führt ein Auslaßkanal 18 ab und mündet gegen eine um eine am Wagen 13 befestigte Achse 19 drehbare, austauschbare und als Scheibe ausgebildete Magazinplatte 20. Diese ist mit acht angeschweißten, kranzartig angeordneten Gießrohren 21 bestückt, welche, bezogen auf die Magazinplatte 20, radial nach außen gerichtete Auslauföffnungen 22 aufweisen. In der Magazinplatte 20 ist für jedes Gießrohr 21 ein Durchlaß 23 vorgesehen. Rückseitig weist die Magazinplatte 20 eingefräste Druckentlastungskanäle 24 auf, welche zum nächsten Durchlaß 23 weisen und von diesem nur durch einen schmalen Dichtungssteg 25 getrennt sind Eine federbelastete Kugel dient als Raste 26 und sorgt dafür, daß jeder Durchlaß 23 mit dem Auslaufkanal 18 exakt zur Deckung gebracht werden kann. Stirnseitig weist die Magazinplatte 20 einen Zahnkranz 27 auf, in welchen ein Ritzel 28 mit Antrieb 29 eingreift. Die Stirnseiten der Gießrohre 21 sind mit einer entfernbaren Kappe 30 verschlossen.

    [0017] Die Ausführungsform gemäß Fig. 7 bis 9 weicht von jener gemäß Fig. 1 bis 6 nur dadurch ab, daß die Auftragsvorrichtung 61 anstelle einer als Scheibe ausgebildeten Magazinplatte eine als Flachschieber ausgebildete Magazinplatte 62 besitzt. Die Auftragsvorrichtung 61 besteht aus einem auf einer Querschiene 63 des Portals geführten Wagen 64. Besagte Magazinplatte 62 ist ihrerseits in einer Führungsschiene 65 am Wagen 64 verschiebbar geführt. Im Wagen 64 ist eine Mischkammer 66 mit Rührwerk 67 angeordnet. Zuleitungen 68 und 69 für die Reaktionskomponenten sind angedeutet. Von der Mischkammer 66 führt ein Auslaufkanal 70 ab und mündet gegen die auf der Führungsschiene 65 abdichtend geführte Magazinplatte 62. Diese ist mit mehreren, in gleichen Abständen in Reihe angeordneten Gießrohren 71 bestückt, welche mit nach unten weisenden Auslauföffnungen 72 versehen sind. In der Magazinplatte 62 ist jedem Gießrohr 71 ein Durchlaß 73 zugeordnet. Auf der Rückseite dieser Magazinplatte 62 ist jedem Durchlaß 73 ein eingefräster Druckentlastungskanal 74 zugeordnet, welcher vom benachbarten Durchlaß 73 bzw. von dessen Druckentlastungskanal 74 nur durch einen schmalen Dichtungssteg 75 getrennt ist. Eine nicht dargestellte Raste sorgt dafür, daS die einzelnen Durchlässe 73 jeweils exakt mit dem Auslaufkanal 70 zur Deckung gebracht werden können.

    [0018] Am oberen Rand weist die Magazinplatte 62 eine Zahnleiste 76 auf, in welche ein Ritzel 77 des Antriebes 78 eingreift. Die Stirnseiten der Gießrohre 69 sind mit einer entfernbaren Kappe 79 verschlossen.

    Arbeitsbeispiel



    [0019] Man beginnt die Produktion auf der genannten Vorrichtung mit einer Magazinplatte, deren Gießrohre alle gesäubert sind. Bemerkt das Bedienungspersonal während der Produktion das Ausfallen eines austretenden Strahles, so ist das ein Zeichen dafür, daß die zugehörige Auslaßöffnung verstopft ist. Es schaltet durch Betätigen des Antriebs der Magazinplatte auf das nächste Gießrohr um, so daß die Produktion nicht unterbrochen wird. Auch bei kurzen Produktionsunterbrechungen, beispielsweise während Pausen, in denen das Reaktionsgemisch im Gießrohr aushärtet, stellt das Bedienungspersonal ebenfalls auf das nächste Gießrohr um, usw. In einer großen Produktionspause tauscht man die Magazinplatte aus, löst die Kappen der benutzten Gießrohre, steckt jeweils einen passenden Bolzen in das Gießrohr und treibt mit Hammerschlägen das im Gießrohr und im Druckentlastungskanal ausgehärtete Material aus, wobei die in den Auslaßsöffnungen verbleibenden Reste abplatzen. In gleicher Weise reinigt man mit einem Bolzen kleineren Durchmessers diese Auslaßöffnungen. Oft reicht es auch aus, die Magazinplatte für einige Zeit in ein Lösungsmittelbad zu legen, um sie zu reinigen.


    Ansprüche

    1. Vorrichtung zum kontinuierlichen Herstellen von Schaumstoffbahnen, insbesondere Hartschaumstoffplatten, bestehend aus einem endlosen Transportband (1) und einem eingangsseitig darüber angeordneten Portal (10) mit einer quer hin- und hergehenden Auftragsvorrichtung (12, 61) für ein schaumstoffbildendes Reaktionsgemisch, wobei diese Auftragsvorrichtung (12, 61) aus einem Mischkopf (14, 66) und einem an dessen Auslaufkanal (18, 70) anschließenden, in Förderrichtung des Transportbandes (1) weisenden, an seiner Unterseite mit Auslauföffnungen (22, 72) versehenen Gießrohr (21, 71) besteht, dadurch gekennzeichnet, daß mehrere Gießrohre (21, 72) auf einer an der Auftragsvorrichtung (12, 61) abnehmbar angeordneten Magazinplatte (20, 62) vorgesehen sind, wobei der Auslaufkanal (18, 70) gegen diese Magazinplatte (20, 62) weist und die Magazinplatte (20, 62) für jedes Gießrohr (21, 72) mit einem Durchlaß (23, 73) versehen und derart verstellbar ist, daß die Gießrohre (21, 72) nacheinander über die ihnen zugeordneten Durchlässe (23, 73) mit dem Auslaufkanal (70) verbindbar sind.
     
    2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß den Durchlässen (23, 73) Druckentlastungskanäle (24, 74) zugeordnet sind, welche vom benachbarten Durchlaß (23, 73) bzw. von dessen Druckentlastungskanal (24, 74) nur durch einen schmalen Abdichtungssteg (25, 75) getrennt sind.
     
    3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Magazinplatte (20) als drehbare Scheibe ausgebildet ist, auf der die Gießrohre (21) in Form eines Kranzes angeordnet sind.
     
    4. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Magazinplatte (62) als Flachschieber ausgebildet ist, auf dem die Gießrohre (71) nebeneinander angeordnet sind.
     
    5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Stirnseiten der Gießrohre (21, 71) mit einer entfernbaren Kappe (30, 79) versehen sind.
     
    6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Magazinplatte (20, 62) ein Stellantrieb (29, 78) zugeordnet ist.
     




    Zeichnung













    Recherchenbericht