[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Aufspannen von biegsamen
Druckplatten auf einen Formzylinder einer Rotationsdruckmaschine entsprechend dem
Oberbegriff der Patentansprüche 1 und 2.
[0002] Entsprechend der DE-PS 11 44 294 ist eine gattungsgemäße Vorrichtung zum Befestigen
einer flexiblen Druckplatte auf einem Formzylinder einer Rotationsdruckmaschine bekannt.
Der Formzylinder weist einen achsparallelen Spannkanal auf mit zwei darin angeordneten
Spannbacken zum Erfassen der abgebogenen Druckplattenenden sowie einen zwischen den
Spannbacken befindlichen aufblasbaren Schlauch. Der Schlauch drückt in aufgeblasenem
Zustand sowonl gegen die Spannbacken als auch gegen innerhalb der Spannbacken in achsparalleler
Richtung angeordnete verschiebbare Zwischenstücke, wobei nochmals abgewinkelte Flansche
der bereits abgebogenen Druckplattenenden zwischen den Spannbacken und den Zwischenstücken
festklemmbar sind. Dabei sind die Spannbacken etwa um ihren Mittelpunkt schwenkbar
angeordnet. Der aufblasbare Schlauch drückt auf die in Richtung zur Rotationsachse
des Formzylinders gelegenen Enden der im Querschnitt etwa H-förmig ausgebildeten Spannbacken.
[0003] Nachteilig bei dieser Vorrichtung ist, daß einerseits die Spannvorrichtung nicht
betätigt werden kann, wenn die Hilfsenergie ausfällt und sich andererseits bei Druckverlust
während des Betriebszustandes die Druckplatten selbständig vom Formzylinder lösen.
Infolge des Spannens beider Plattenenden mittels der Vorrichtung ist eine genaue Einstellung
des Umfangsregisters nicht möglich. Ein Auswechseln des Luftschlauches als Verschleißteil
aus dem Spannkanal des Formzylinders ist aufgrund des Vorhandenseins der Zwischenstücke
nur an der Stirnseite des Formzylinders möglich, was ggf. nur im ausgebauten Zustand
des Formzylinders erfolgen kann.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine sowohl manuell als
auch mit Hilfsenergie betätigbare, leicht zugängige Vorrichtung zum registergenauen
Aufspannen von biegsamen Druckplatten auf einen drehrichtungsumkehrbaren Formzylinder
einer Rotationsdruckmaschine zu schaffen, welche die Hilfsenergie nur während des
Aufspannvorganges benötigt.
[0005] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch den kennzeichnenden Teil der Patentansprüche
1 und 2 gelöst.
[0006] Durch die Erfindung werden insbesondere folgende Vorteile erzielt. Durch die Verbindung
der Spannleisten sowohl mit dem druckmittelbeaufschlagbaren Schlauch als auch mit
den Spannhebeln ist eine manuelle oder auch eine automatische Bewegung der Spannvorrichtung
möglich.
[0007] Die Hilfsenergie, z. B. Druckluft wird nur während des Aufspannvorganges benötigt.
Beim Ausfall der Hilfsenergie besteht keine Gefahr des selbsttätigen Loslösens der
Platten vom Formzylinder. Der Luftschlauch kann als Verschleißteil ohne Aufwand bei
geöffneten Spannklappen in radialer Richtung aus der Einsatzleiste des Formzylinders
entnommen werden. Durch die Benutzung jeweils einer von zwei zylinderfesten Einhängekanten
zum Befestigen eines abgebogenen Endes der Platte ist ein registergenaues Spannen
möglich. Das gilt gleichermaßen bei einer Drehrichtungsumkehr des Formzylinders. Dies
ist vor allem beim Zeitungsdruck zur Erhöhung der Anzahl der Bahnführungsmöglichkeiten
von Bedeutung. Die Spannleisten der Vorrichtung entwickeln eine besonders hohe Spannkraft
bei einem geringen Bauvolumen der Federn. Durch den Schlauch, der kontinuierlich zwischen
den Spannleisten anliegt, wird eine genügend große Gegenkraft erzeugt, um den Spannkräften
der Spannleisten beim Einhängevorgang der Druckplatten entgegenzuwirken.
[0008] Die Erfindung wird nachfolgend an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert. Die
dazugehörigen Zeichnungen zeigen in
- Fig. 1
- eine perspektivische Darstellung der Vorrichtung;
- Fig. 2
- die stirnseitige Ansicht A nach Fig. 1 mit einem Werkzeug für manuelle Betätigung;
- Fig. 3
- einen Längsschnitt III - III nach Fig. 2;
- Fig. 4
- einen Querschnitt entlang der Linien IV - IV nach Fig. 1 im Ruhezustand mit drucklosem
Schlauch;
- Fig. 5
- eine Darstellung analog Fig. 4, jedoch mit druckbelastetem Schlauch und einer zum
Spannen vorgesehenen Druckplatte.
[0009] In einer achsparallelen Nut der Manteloberfläche eines Formzylinders 1 ist kraft-
und formschlüssig eine Einsatzleiste 2 mit einem etwa U-förmigen Profil angeordnet.
Die Einsatzleiste 2 weist an ihren oberen freien, der Manteloberfläche des Formzylinders
1 zugewandten Enden im Querschnitt gesehen, vorsprungartige Einhängekanten 3, 4 für
Druckplatten 6, 7 auf.
[0010] Jeweils stirnseitig an der Einsatzleiste 2 sind Lagerböcke 8, 9 vorgesehen, in welchen
zwei parallel zueinander verlaufende, drehbewegliche Spannleisten 11, 12 angeordnet
sind. Die Lagerböcke 8, 9 sind mittels Zylinderschrauben 10 an der jeweiligen Stirnseite
der Einsatzleiste 2 befestigt. Die Spannleisten 11, 12 werden gegenüber dem Lagerbock
8 in Drehrichtung zur Symmetrieachse 13 (Schnittlinie III - III in Fig. 2) an ihren,
im Querschnitt gesehen, zylindernahen ersten Enden 17, 18 über Drehstabfedern 14,
16 vorgespannt (Fig. 4). Die Spannleisten 11, 12 weisen klauenartig ausgebildete zweite
Enden 19, 21 auf. Diese Enden 19, 21 befinden sich in der Darstellung nach Fig. 4
in Ruheposition. Mit der Drehstabfeder 14, 16 ist im stirnseitig angeordneten Lagerbock
8 jeweils ein in radialer Richtung verlaufender Spannhebel 22, 23 zur manuellen Betätigung
der Spannleiste 11, 12 formschlüssig verbunden. Mittels eines Werkzeuges 24 kann die
Spannleiste 11, 12 entgegen ihrem Vorspannmoment geöffnet werden. (Fig. 2).
[0011] Zwischen den Spannleisten 11, 12 ist ein z. B. durch Druckluft druckmittelbeaufschlagbarer
Schlauch 26, der sich parallel zu den Spannleisten 11, 12 erstreckt, angeordnet. Der
Schlauch 26 ist beidseitig an seinem jeweiligen Ende in der Nähe der Lagerböcke 8,
9 durch längsgeschlitzte, die Schlauchenden aufnehmende rohrförmige Führungen 27,
28 gehalten, die jeweils in einer Bohrung der Einsatzleiste 2 gehalten sind (Fig.
3). Somit nimmt der Schlauch 26 eine definierte Lage zwischen den Spannleisten 11,
12 ein. Der Schlauch 26 ist etwa mittig an seiner Unterseite mit einem Anschlußrohr
29, z. B. einem Gewindestift mit Bohrung, versehen, welches durch eine Befestigungsleiste
31 für den Schlauch 26 geführt und nachfolgend kraftschlüssig mit einer Muffe 32 verbunden
ist, welche an ihrem Umfang voneinander beabstandete Dichtringe 33 aufweist. Diese
Muffe 32 ist mit einem im unteren Teil der Einsatzleiste 2 angeordneten Flansch 34
verbunden, welcher mit einem sich an der Unterseite der Einsatzleiste 2 in einer Nut
erstreckenden Pneumatikschlauch 36 in Verbindung steht. Die Muffe 32 mit den Dichtringen
33 dient dabei als luftdichte Schnellverbindung gegenüber dem Flansch 34. Der Pneumatikschlauch
36 (Fig. 2) steht über den Formzylinder 1 über bekannte Lufzufuhrsysteme, z. B. eine
bekannte Dreheinführung nach DE 39 43 119 C1 über einen Achszapfen des Formzylinders
1, sowie über ein nicht dargestelltes Ventil in Verbindung. Die Befestigungsleiste
31 ist mittels Schrauben 37 im Unterteil der Einsatzleiste 2 befestigt. Das Anschlußrohr
29 kann mittels einer Mutter 38 im Schlauch 26 befestigt sein. Der Flansch 34 kann
mittels einer Schraube 39 im Unterteil der Einsatzleiste 2 befestigt sein. Im Ruhezustand
nehmen die Spannleisten 11, 12 die in Fig. 4 dargestellte Position ein. In dieser
Position wird die Druckplatte 6 mit ihrem abgewinkelten Ende an der Einhängekante
3 eingehängt (Fig. 5). Zum Spannen bzw. zum Abnehmen der Druckplatte wird der Schlauch
26 (Pfeilrichtung B in Fig. 5) mit Druckluft gefüllt, etwa 6 bis 8 bar. Bedingt durch
die Druckkraft werden die Spannleisten 11, 12 entgegen dem Vorspannmoment der Drehstabfedern
14, 16 geschwenkt, so daß das abgewinkelte Ende der Druckplatte 7, wie in Fig. 5 dargestellt,
frei auf dem zweiten Ende 21 der Spannleiste 12 aufliegt. In dieser Position der Spannleisten
11, 12 kann entweder die Druckplatte abgenommen oder durch Entlüftung des Schlauches
26 über ein Ventil gespannt werden. Die Luft entweicht entgegen der Pfeilrichtung
B in Fig. 5.
[0012] Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung kann sowohl eine einzige Druckplatte 6, 7 auf
den Umfang des Formzylinders 1 aufgebracht werden als auch wie in der Praxis üblich,
in Umfangsrichtung zwei Platten 6, 7. Für diesen Fall sind zwei Einsatzleisten 2 vorzusehen.
Üblicherweise sind in axialer Richtung des Formzylinders 1 vier Druckplatten 6, 7
nebeneinander aufgebracht. Dies läßt sich mit der entsprechenden Anordnung der Einsatzleisten
2 auf dem Formzylinder 1 ausführen. Ein weiterer, in einer Nut an der Unterseite der
Einsatzleiste 2 angeordneter Pneumatikschlauch 41 ist zur Herstellung der Luftzufuhr
mit einer weiteren in axialer Richtung in einer Nut auf dem Formzylinder 1 angeordneten
Einsatzleiste 2 vorgesehen. Mit 42 sind Löcher zur Befestigung der Einsatzleiste 2
in einer Nut des Formzylinders 1 bezeichnet.
[0013] Bei einer möglichen Drehrichtungsumkehr des Formzylinders 1 wird in Abwandlung der
Darstellung nach Fig. 5 die Abkantung der Druckplatte 7 auf die Einhängekante 4 gehängt
und die Abkantung der Druckplatte 6 wird von dem zweiten Ende 19 der Spannleiste 11
hintergriffen.
[0014] Als Hilfsenergie zur Betätigung des Schlauches 26 wird vorzugsweise Druckluft mit
einem Druck von 6 bis 8 bar verwendet, die aus einer Druckluftanlage zugeführt wird.
Der Schlauch 26 könnte auch über eine Hydraulikanlage mit Hydraulikflüssigkeit beaufschlagt
werden.
Teileliste
[0015]
- 1
- Formzylinder
- 2
- Einsatzleiste
- 3
- Einhängekante (2)
- 4
- Einhängekante (2)
- 5
- -
- 6
- Druckplatte
- 7
- Druckplatte
- 8
- Lagerbock (2)
- 9
- Lagerbock (2)
- 10
- Zylinderschraube
- 11
- Spannleiste (2)
- 12
- Spannleiste (2)
- 13
- Symmetrieachse (2)
- 14
- Drehstabfeder
- 15
- -
- 16
- Drehstabfeder
- 17
- Ende, erstes (11)
- 18
- Ende, erstes (12)
- 19
- Ende, zweites (11)
- 20
- -
- 21
- Ende, zweites (12)
- 22
- Spannhebel (11)
- 23
- Spannhebel (12)
- 24
- Werkzeug
- 25
- -
- 26
- Schlauch
- 27
- Führung (26)
- 28
- Führung (26)
- 29
- Abschlußrohr
- 30
- -
- 31
- Befestigungsleiste (26)
- 32
- Muffe (29)
- 33
- Dichtring
- 34
- Flansch (2)
- 35
- -
- 36
- Pneumatikschlauch
- 37
- Schraube
- 38
- Mutter
- 39
- Schraube
- 40
- -
- 41
- Pneumatikschlauch
- 42
- Loch
- B
- Luftzuführung
1. Verfahren zum Aufspannen von biegsamen Druckplatten auf einen Formzylinder einer Rotationsdruckmaschine
mit in der Manteloberfläche des Formzylinders achsparallel verlaufenden Nuten, in
welchen Spannleisten angeordnet sind, dadurch gekennzeichnet, daß die Druckplatte
(6, 7) mit ihrem ersten abgebogenen Ende wahlweise an einer von zwei zylinderfesten
Einhängekanten (3, 4) eingehangen, anschließend am Umfang des Formzylinders (1) angelegt
und nachfolgend mit ihrem zweiten abgebogenen Ende wahlweise in eine von zwei gegeneinander
vorgespannten Spannleisten (11, 12) eingelegt und nachfolgend durch Abschalten einer
Hilfsenergie gespannt wird.
2. Vorrichtung zum Aufspannen von biegsamen Druckplatten auf einen Formzylinder einer
Rotationsdruckmaschine mit in der Manteloberfläche des Formzylinders achsparallel
verlaufenden Nuten, in welchen Spannleisten angeordnet sind, dadurch gekennzeichnet,
daß die Spannleisten (11, 12) in einer aus etwa U-förmigem Profil bestehenden, an
ihren freien Enden mit Einhängekanten (3, 4) versehenen Einsatzleiste (2) schwenkbar
gelagert angeordnet sind, daß die Spannleisten (11, 12) durch Federkraft gegeneinander
vorspannbar sind, daß die Spannleisten (11, 12) durch einen zwischen den Spannleisten
(11, 12) angeordneten druckmittelbeaufschlagbaren Schlauch (26) oder durch mechanisch
betätigbare Spannhebel (22, 23) voneinander weg bewegbar sind.
3. Vorrichtung nach Patentanspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Spannleiste (11,
12) im Profil gesehen, jeweils aus einem einarmigen Hebel besteht, der mit seinem
ersten Ende (17, 18) auf einem Lagerbock (8, 9) schwenkbar gelagert ist, daß die Spannleiste
(11, 12) an ihrem zweiten Ende (19, 21) klauenförmig ausgebildet ist zum Hintergreifen
einer abgebogenen Kante der Druckplatte (6, 7).
4. Vorrichtung nach Patentansprüchen 2 und 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Spannleiste
(11, 12) mittels einer in den Lagerböcken (8, 9) kraft- und formschlüssig eingespannten
Drehstabfeder (14, 16) vorgespannt ist.
5. Vorrichtung nach Patentansprüchen 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Spannleiste
(11, 12) form- und kraftschlüssig mit dem Spannhebel (22, 23) verbunden ist.
6. Verfahren nach Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Hilfsenergie Druckluft
verwendet wird, mittels welcher ein aufblasbarer Schlauch (26) zwischen den Spannleisten
(11, 12) betätigt wird.