[0001] Die Fettung ist ein qualitätsbestimmender Prozeß bei der Herstellung von Ledern und
insbesondere bei sehr weichen Ledersorten wichtig. Zur Steuerung der mechanischen
Eigenschaften des Leders wie Weichheit, Biegsamkeit, Geschmeidigkeit werden wäßrige
Fettemulsionen (Licker) verwendet, die i.a. auf petrochemischen Produkten und natürlichen
Ölen und Fetten basieren und durch Teilsulfierung oder mit Hilfe von Emulgatoren wasseremulgierbar
gemacht werden.
[0002] Nachteile solcher Produkte sind neben einer unvollständigen Flottenauszehrung, einer
relativ leichten Extraktion durch Lösungsmittel oder Wasser, dem Auftreten von Migrationsphänomenen
und unbefriedigenden Echtheitsprofilen, daß sie nur sehr eingeschränkt zum Fetten
von hydrophobierten Ledern geeignet sind; der hohe Anteil an polaren Gruppen bzw.
Emulgatoren bewirkt nämlich, daß die wasserabstoßenden Eigenschaften eines hydrophobierten
Leders zerstört werden und Wasser, angelagert an die polaren Gruppen, in das Leder
eindringen kann.
[0003] So werden z.B. in der DE-A 42 05 839 polymere Lederfettungsmittel auf der Basis von
veresterten oder amidierten Homo- oder Copolymerisaten monoethylenisch ungesättigter
Dicarbonsäureanhydride beschrieben, die je nach Derivatisierungsgrad der Carboxylgruppen
und der Polarität der Monomeren bei hydrophobierten Ledern zu einer gewissen Verschlechterung
der wasserabstoßenden Eigenschaften des Leders führen können. In dieser Anmeldung
ist auch weiterer Stand der Technik beschrieben.
[0004] Der Derwent Publ. Abstract AN 83-59741 ≙ JP-OS 1983/079061 offenbart Pfropfpolymerisate
von Glycidylestern ungesättigter Fettsäuren mit Copolymeren aus α,β-ethylenisch ungesättigten
Säuren wie Acryl- oder Methacrylsäure und Comonomeren wie Acrylaten, Methacrylaten,
Styrol oder α-Methylsytrol als äußerliche Beschichtungszusammensetzungen für Metall-,
Holz- und Kunststoffoberflächen; Leder als Substrat wird nicht erwähnt.
[0005] Die EP-A 024 886 beschreibt Ledergerbstoffe auf Basis von Polymerisaten aus (Meth)Acrylsäure,
gegebenenfalls (Meth)Acrylaten und teilsulfatierten ungesättigten fetten Ölen wie
Ricinusöl.
[0006] Die DE-AS 18 00 244 betrifft das Fetten und Imprägnieren von Leder mit einer Mischung
aus einem im wesentlichen hydrophoben Kunstharz und vorzugsweise sulfonierten oder
sulfatierten tierischen oder pflanzlichen Ölen. Das Kunstharz weist maximal 2 Gew.-%
carboxylatgruppenhaltige Monomere auf.
[0007] Die nachveröffentlichte DE-A 41 42 318 betrifft die Verwendung von Copolymerisaten
und/oder Addukten des Maleinsäureanhydrids mit ungesättigten Fettsäuren und/oder deren
Carboxylgruppenderivaten als Neutralölkomponente in Leder- und Pelzfettungsmitteln.
[0008] Der Erfindung lag nun die Aufgabe zugrunde, verbesserte Mittel zum Fetten und Füllen
von Ledern und Pelzfellen bereitzustellen, die die Nachteile des Standes der Technik
nicht mehr aufweisen.
[0009] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch die Verwendung von wasserlöslichen
oder wasserdispergierbaren Pfropfcopolymeren von pflanzlichen und tierischen Ölen,
erhältlich durch radikalisch initiierte Polymerisation
A) eines Monomeren oder einer Monomermischung aus
(a) 20 bis 100 Gew.-% monoethylenisch ungesättigter Carbonsäuren und/oder monoethylenisch
ungesättigter Sulfonsäuren und/oder monoethylenisch ungesättigter Phosphonsäuren oder
von deren Alkali-, Erdalkalioder Ammoniumsalzen,
(b) 0 bis 80 Gew.-% anderer monoethylenisch ungesättigter Monomere, die mit den Monomeren
(a) copolymerisierbar sind und
(c) 0 bis 5 Gew.-% mindestens doppelt ethylenisch nicht konjugiert ungesättigter Monomerer
in Gegenwart von
B) pflanzlichen und/oder tierischen Ölen
im Gewichtsverhältnis A:B von (80 bis 1) : (20 bis 99), vorzugsweise (60 bis 5) :
(40 bis 95), zum Fetten und Füllen von Leder und Pelzfellen.
[0010] Monomere (a) sind z.B. monoethylenisch ungesättigte Mono- und Dicarbonsäuren mit
vorzugsweise 3 bis 12 C-Atomen im Molekül, wie Acrylsäure, Methacrylsäure, Dimethylacrylsäure,
Ethylacrylsäure, Allylessigsäure, Vinylessigsäure, Crotonsäure, Maleinsäure, Fumarsäure,
Itakonsäure, Citrakonsäure oder Methylenmalonsäure sowie die entsprechenden Anhydride.
Als sulfogruppenhaltige Monomere kommen z.B. Vinylsulfonsäure, Allylsulfonsäure, Methallylsulfonsäure,
Acrylsäure-3-sulfopropylester, Methacrylsäure-3-sulfopropylester, Styrolsulfonsäure
oder 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure in Betracht.
[0011] Monomere mit Phosphonsäuregruppen sind beispielsweise Vinylphosphonsäure, Allylphosphonsäure,
phosphonomethyliertes Allylamin und Acrylamido-2-methylpropanphosphonsäure. Bevorzugte
Monomere der Gruppe (a) sind Acrylsäure, Methacrylsäure und Maleinsäure. Es kann auch
vorteilhaft sein, Mischungen der Monomeren (a) einzusetzen.
[0012] Die Säuren werden vorzugsweise als solche oder als Anhydride verwendet, daneben können
natürlich auch Alkali-, Erdalkali- oder Ammoniumsalze, wie die Natrium-, Kalium-,
Kalzium-, Ammonium- oder substituierten Ammoniumsalze Verwendung finden, wobei die
Säuren ganz oder teilweise als Salze vorliegen können.
[0013] Als Monomere (b), die mit den Monomeren (a) copolymerisierbar sind, können insbesondere
N-Vinylpyrrolidon, N-Vinylcaprolactam, N-Vinylimidazol, 1-Vinyl-2-methylimidazol,
N-Vinylformamid, N-Vinyl-N-methylformamid, Vinylacetat, Vinylpropionat, Styrol, Acrylsäure-
und Methacrylsäureester mit C
1- bis C
30-Alkoholen, Hydroxi-C
2- bis C
6-alkylester der Acrylsäure oder Methacrylsäure, Acrylamid, Methacrylamid oder Mono-
und Dialkylamide der Acrylsäure und Methacrylsäure mit 1 bis 20 C-Atomen in den Alkylresten
genannt werden. Bei der Verwendung von monoethylenisch ungesättigten Dicarbonsäureanhydriden
als Monomere (a) sind als Monomere (b) zudem Olefine mit 2 bis 30 C-Atomen und Vinylalkylether
mit 1 bis 30 C-Atomen im Alkylrest besonders gut geeignet. Auch hier kann es vorteilhaft
sein, Mischungen der Komponenten (b) einzusetzen.
[0014] Eine weitere Modifizierung der Pfropfcopolymerisate kann dadurch erreicht werden,
daß man die Pfropfpolymerisation in Gegenwart von Monomeren der Gruppe (c) durchführt.
Die Monomermischungen enthalten in diesem Fall bis zu 5 Gew.-% eines mindestens zwei
ethylenisch ungesättigte nicht-konjugierte Doppelbindungen im Molekül aufweisenden
Monomers. Diese Verbindungen werden üblicherweise bei Copolymerisationen als Vernetzer
verwendet. Sie können den zur Copolymerisation eingesetzten Monomeren der Gruppe (a)
oder den Monomermischungen aus (a) und (b) zugesetzt werden. Im Falle ihres Einsatzes
beträgt die bevorzugt verwendete Menge an Monomeren (c) 0,05 bis 2 Gew.-%. Die Mitverwendung
der Monomeren der Gruppe (c) während der Copolymerisation bewirkt eine Erhöhung der
K-Werte der Copolymerisate. Geeignete Verbindungen dieser Art sind beispielsweise
Methylenbisacrylamid, Ester von Acrylsäure und Methacrylsaure mit mehrwertigen Alkoholen,
z.B. Glykoldiacrylat, Glycerintriacrylat, Glykoldimethacrylat, Glycerintrimethacrylat,
sowie mindestens zweifach mit Acrylsäure oder Methacrylsäure veresterte Polyole, wie
Pentaerythrit und Glucose. Geeignete Vernetzer sind außerdem Divinylbenzol, Divinyldioxan,
Pentaerythrittriallylether und Pentaallylsucrose. Vorzugsweise verwendet man aus dieser
Gruppe von Verbindungen wasserlösliche Monomere, wie Glykoldiacrylat oder Glykoldiacrylate
von Polyethylenglykolen eines Molekulargewichts bis zu 3.000.
[0015] Die Polymerisation der Monomeren (a) sowie gegebenenfalls noch (b) und (c) erfolgt
in Gegenwart der Komponente B. Als Komponente B kommen alle pflanzlichen und tierischen
Öle in Betracht. Es sind beispielsweise Olivenöl, Rapsöl, Sojaöl, Sonnenblumenöl,
Safloröl, Leinöl, Capelanöl oder Spermöl.
[0016] Zur Herstellung der Pfropfcopolymerisate werden die Monomeren (a) und gegebenenfalls
(b) und/oder (c) in Gegenwart der Komponente B radikalisch polymerisiert. Dabei kann
es für die Wirkung des entstehenden Pfropfpolymerisates günstig sein, zwei oder mehrere
der unter B angegebenen Öle einzusetzen.
[0017] Die Polymerisation kann in Gegenwart oder in Abwesenheit von inerten Löse- oder Verdünnungsmitteln
durchgeführt werden, wobei die Abwesenheit von Verdünnungsmitteln bevorzugt ist. Inerte
Lösungsmittel sind bespielsweise aromatische Kohlenwasserstoffe wie Toluol, Xylol,
o-, m-, p-Xylol und Isomerengemische des Xylols oder Ethylbenzol, aliphatische Kohlenwasserstoffe,
wie Pentan, Hexan, Heptan, Octan, Nonan, Dodecan, Cylohexan, Cyclooctan, Methylcyclohexan
oder Mischungen der genannten Kohlenwasserstoffe sowie Benzinfraktionen, die keine
polymerisierbaren Monomeren enthalten. Außerdem eignen sich Chlorkohlenwasserstoffe
wie Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff, Hexachlorethan, Dichlorethan oder Tetrachlorethan,
Alkohole wie Methanol, Ethanol, Isopropanol, n-Propanol, n-Butanol oder sek.-Butanol
sowie Tetrahydrofuran, Dioxan und Mischungen der genannten inerten Lösemittel.
[0018] Es kann auch vorteilhaft sein, pflanzliche oder tierische Öle mit einem Emulgator
in Wasser zu emulgieren und dann die Pfropfung durchzuführen.
[0019] Die Pfropfpolymerisation kann kontinuierlich oder diskontinuierlich durchgeführt
werden, wobei im allgemeinen radikalbildende Initiatoren mitverwendet werden.
[0020] Als radikalbildende Initiatoren sind vorzugsweise diejenigen geeignet, die bei der
jeweils gewählten Polymerisationstemperatur eine Halbwertszeit von weniger als 3 Stunden
aufweisen. Falls man die Polymerisation zunächst bei niedrigerer Temperatur startet
und bei höherer Temperatur zu Ende führt, ist es zweckmaßig, mit mindestens zwei bei
verschiedenen Temperaturen zerfallenden Initiatoren zu arbeiten, nämlich zunächst
einen bereits bei niedrigerer Temperatur zerfallenden Initiator für den Start der
Polymerisation einzusetzen und dann die Hauptpolymerisation mit einem Initiator zu
Ende zu führen, der bei höherer Temperatur zerfällt. Man kann beispielsweise die folgenden
Initiatoren verwenden.
[0021] Temperatur: 40 bis 60°C:
Acetylcyclohexansulfonylperoxid, Diacetylperoxidicarbonat, Dicyclohexylperoxidicarbonat,
Di-2-ethylhexylperoxidicarbonat, tert.-Butylperneodecanoat, 2,2'-Azobis-(4-methoxy-2,4-dimethylvaleronitril),
2,2'-Azobis-(2-methylN-phenylpropionamidin)dihydrochlorid, 2,2'-Azobis-(2-methylpropionamidin)dihydrochlorid.
[0022] Temperatur: 60 bis 80°C:
tert.-Butylperpivalat, Dioctanoylperoxid, Dilauroylperoxid, 2,2'-Azobis-(2,4-dimethylvaleronitril).
[0023] Temperatur: 80 bis 100°C:
Dibenzoylperoxid, tert.-Butylpermaleinat, 2,2'-Azobis-(isobutyronitril), Dimethyl-2,2'-azobisisobutyrat,
Natriumpersulfat, Kaliumpersulfat, Ammoniumpersulfat.
[0024] Temperatur: 100 bis 120°C:
Bis-(tert.-butylperoxy)-cyclohexan, tert.-Butylperoxiisopropylcarbonat, tert.-Butylperacetat,
Wasserstoffperoxid.
[0025] Temperatur: > 120°C:
2,2-Bis-(tert.-butylperoxi)-butan, Dicumylperoxid, Di-tert.-amylperoxid, Di-tert.-butylperoxid,
p-Menthanhydroperoxid, Pinanhydroperoxid, Cumolhydroperoxid und tert.-Butylhydroperoxid
oder tert.Butylperethylhexanoat.
[0026] Verwendet man zusätzlich zu den genannten Initiatoren noch ein Redoxsystem wie Salze
oder Komplexe von Schwermetallen, z.B. Kupfer-, Kobalt-, Mangan-, Eisen-, Vanadium-,
Cer-, Nickel- und Chromsalze oder organische Verbindungen, wie Benzoin, Dimethylanilin
oder Ascorbinsaure, so können die Halbwertszeiten der angegebenen radikalbildenden
Initiatoren verringert werden. So kann man beispielsweise tert.-Butylhydroperoxid
unter Zusatz von 5 ppm Kupfer-II-acetylacetonat so aktivieren, daß bereits bei 100°C
polymerisiert werden kann. Die reduzierende Komponente von Redoxkatalysatoren kann
auch beispielsweise von Verbindungen wie Natriumsulfit, Natriumbisulfit, Natriumformaldehydsulfoxylat
und Hydrazin gebildet werden. Bezogen auf die bei der Polymerisation eingesetzten
Monomeren verwendet man 0,01 bis 20, vorzugsweise 0,05 bis 10 Gew.-% eines Polymerisationsinitiators
oder einer Mischung mehrerer Polymerisationsinitiatoren. Als Redoxkomponenten setzt
man 0,01 bis 5 % der reduzierend wirkenden Verbindungen zu. Schwermetalle werden im
Bereich von 0,1 bis 100 ppm, vorzugsweise 0,5 bis 10 ppm eingesetzt. Oft ist es von
Vorteil, eine Kombination aus Peroxid, und Reduktionsmittel und Schwermetall als Redoxkatalysator
einzusetzen.
[0027] Die Polymerisation der Monomeren (a) und der gegebenenfalls mitzuverwendenden Monomeren
(b) und/oder (c) kann auch durch Einwirkung von ultravioletter Strahlung, gegebenenfalls
in Gegenwart von UV-Initiatoren, durchgeführt werden. Für das Polymerisieren unter
Einwirkung von UV-Strahlen setzt man die dafür üblicherweise in Betracht kommenden
Fotoinitiatoren bzw. Sensibilisatoren ein. Hierbei handelt es sich beispielsweise
um Verbindungen wie Benzoin und Benzoinether, α-Methylbenzoin oder α-Phenylbenzoin.
Auch sogenannte Triplett-Sensibilisatoren, wie Benzildiketale, können verwendet werden.
Als UV-Strahlungsquellen dienen beispielsweise neben energiereichen UV-Lampen, wie
Kohlenbogenlampen, Quecksilberdampflampen oder Xenonlampen auch UV-arme Lichtquellen,
wie Leuchtstoffröhren mit hohem Blauanteil.
[0028] Um Polymerisate mit niedrigem K-Wert herzustellen, wird die Pfropfpolymerisation
zweckmäßigerweise in Gegenwart von Reglern durchgeführt. Geeignete Regler sind beispielsweise
Mercaptoverbindungen, wie Mercaptoethanol, Mercaptopropanol, Mercaptobutanol, Mercaptoessigsäure,
Mercaptopropionsäure, Butylmercaptan und Dodecylmercaptan. Als Regler eignen sich
außerdem Allylverbindungen, wie Allylalkohol, Aldehyde, wie Formaldehyd, Acetaldehyd,
Propionaldehyd, n-Butyraldehyd und Isobutyraldehyd, Ameisensäure, Ammoniumformiat,
Propionsäure, Hydrazinsulfat und Butenole. Falls die Polymerisation in Gegenwart von
Reglern durchgeführt wird, benötigt man davon 0,05 bis 20 Gew.-%, bezogen auf die
bei der Polymerisation eingesetzten Monomeren.
[0029] Um farblose oder nur wenig gefärbte Pfropfpolymerisate aus den Komponenten (A) und
(B) herzustellen, wird die Polymerisation in Gegenwart von wasserlöslichen Phosphorverbindungen
durchgeführt, in denen der Phosphor eine Oxidationszahl von 1 bis 4 hat, deren wasserlöslichen
Alkali- oder Ammoniumsalzen, wasserlöslichen -PO(OH)"-Gruppen enthaltenden Verbindungen
und/oder deren wasserlöslichen Salzen. Vorzugsweise verwendet man phosphorige Säure.
Die in Betracht kommenden Phosphorverbindungen werden zur Verringerung der Verfärbung
der Propfcopolymerisate in Mengen von 0,01 bis 5 Gew.-%, bezogen auf die eingesetzten
Monomeren (A) angewendet. Die in Betracht kommenden Phosphorverbindungen sind in der
EP-A-0 175 317 beschrieben.
[0030] Die Copolymerisation der Komponenten (A) und (B) erfolgt üblicherweise in einer Inertgasatmosphäre
unter Ausschluß von Luftsauerstoff. Während der Polymerisation wird im allgemeinen
für eine gute Durchmischung der Reaktionsteilnehmer gesorgt. Bei kleineren Ansätzen,
bei denen eine sichere Abführung der Polymerisationswärme gewährleistet ist, kann
man die Reaktionsteilnehmer, die vorzugsweise in einem inerten Verdünnungsmittel vorliegen,
diskontinuierlich copolymerisieren, indem man das Reaktionsgemisch auf die Polymerisationstemperatur
erhitzt. Diese Temperaturen liegen in dem Bereich von 40 bis 150°C. Um den Verlauf
der Polymerisationsreaktion besser kontrollieren zu können, gibt man daher die Monomeren
(A) dem polymerisierenden Gemisch kontinuierlich oder absatzweise in dem Maße zu,
daß die Propfpolymerisation in dem gewünschten Temperaturbereich gut kontrollierbar
ist. Bevorzugt ist eine Art der Zugabe der Monomeren der Komponente (A) bei der man
im Polymerisationsreaktor zunächst die Verbindungen der Komponente (B) oder zumindest
einen Teil der Verbindungen der Komponente (B) zusammen mit mindestens einem Monomer
der Gruppe (a) im Reaktor vorlegt und darin unter Rühren auf die gewünschte Polymerisationstemperatur
erhitzt. Sobald diese Temperatur erreicht ist, fügt man dazu über einen Zeitraum von
etwa 1 bis 10, vorzugsweise 2 bis 8 Stunden, gegebenenfalls die restlichen Monomeren
der Gruppe (a) sowie gegebenenfalls die Monomeren (b) und gegebenenfalls (c) sowie
den Initiator und gegebenenfalls einen Regler zu.
[0031] Oftmals ist es vorteilhaft, daß pflanzliche und tierische Öle zunächst mit einem
Radikalspender in Mengen von 0,1 bis 10 % vorzubehandeln und dann erst die Monomeren
A) zuzusetzen. So kann beispielsweise Capelanöl mit 1 % Ditertiärbutylperoxid 2 h
im schwachen N
2-Strom auf 150°C erhitzt werden und anschließend wird Acrylsäure innerhalb von 3 h
bei 150°C zudosiert.
[0032] Nach dem Ende der Pfropfpolymerisation wird das gepfropfte pflanzliche oder tierische
Öl in eine wäßrige Dispersion übergeführt. Die Dispergierung kann unter Verwendung
üblicher Emulgatoren wie Fettalkoholethoxylaten, Dodecylbenzolsulfonaten, Dioctylsulfosuccinat
oder Alkylsulfonaten in geeigneten Apparaten vorgenommen werden. Besonders bevorzugt
ist die emulgatorfreie Dispergierung, indem man die Carboxylgruppen des Pfropfpolymeren
teilweise oder vollständig mit Alkalien, Erdalkalien, Ammoniak oder Aminen neutralisiert
und somit zu stabilen wäßrigen Dispersionen gelangt. Diese Dispersionen haben einen
Feststoffgehalt von 5 bis 80 % und vorzugsweise 20 bis 70 % und können so direkt zur
Behandlung der Leder und Pelzfelle Verwendung finden. Die Bestimmung des Trocknungsrückstands
kann z.B. im Trockenschrank (2 h bei 120°C) erfolgen.
[0033] Mit den erfindungsgemäß zu verwendenden Pfropfpolymeren ist es möglich, sehr weiche
Leder ohne Zusatz herkömmlicher Likker herzustellen. Die wasserabstoßenden Eigenschaften
hydrophobierter Leder werden bei Anwendung dieser Produkte nicht negativ beeinflußt.
[0034] Die mechanischen Eigenschaften, wie Reißfestigkeit, sowie die Lichtechtheit und Wärmevergilbungsresistenz
solcher Leder werden durch die Anwendung dieser Pfropfpolymeren sehr positiv beeinflußt.
Neben der praktisch quantitativen Flottenauszehrung bewirkt die gute Fixierung im
Leder eine große Resistenz gegenüber der Extrahierbarkeit mit Lösungsmitteln oder
Wasser. Dies führt zu sogenannten waschbaren Ledern, d.h. Ledern, die nach dem Waschen
ihre Eigenschaften wie Weicheit, Festigkeit und Geschmeidigkeit nicht verlieren; im
Gegensatz dazu ist diese Eigenschaft bei Ledern, die mit konventionellen Lickern gefettet
werden, nicht zu erwarten.
[0035] Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemäß zu verwendenden wäßrigen Dispersion besteht
darin, daß sie vorzugsweise keine zusätzlichen Emulgatoren enthalten. So müssen Leder
und Pelze, die hydrophobiert werden sollen und mit emulgatorhaltigen Produkten behandelt
werden, bekanntlich nach der Behandlung mit diesen Mitteln aufwendigen Prozessen,
z.B. Nachbehandlung mit mehrwertigen Metallsalzen, unterworfen werden, um die Emulgatoren
im Leder oder in den Pelzfellen unwirksam zu machen, d.h. zu fixieren.
[0036] Die oben beschriebenen Pfropfpolymerdispersionen eignen sich zur Behandlung von allen
üblichen gegerbten Häuten. Die gegerbten Häute werden üblicherweise vor der Behandlung
entsäuert. Sie können bereits vor der Behandlung gefärbt worden sein. Eine Färbung
kann jedoch auch erst nach der erfindungsgemäß erfolgenden Fettung vorgenommen werden.
[0037] Die gegerbten Häute werden mit den wäßrigen Dispersionen zweckmäßigerweise in wäßriger
Flotte, die durch Verdünnen der Pfropfpolymerdispersionen mit Wasser erhältlich sind,
bei pH-Werten von 4 bis 10, vorzugsweise von 5 bis 8 und Temperaturen von 20 bis 60,
vorzugsweise 30 bis 50°C während eines Zeitraumes von 0,1 bis 5, insbesondere 0,5
bis 2 h, behandelt. Diese Behandlung erfolgt beispielsweise durch Walken in einem
Faß. Die benötigte Menge an Pfropfpolymerdispersion beträgt, bezogen auf das Falzgewicht
des Leders oder das Naßgewicht der Pelzfelle, 0,1 bis 30, vorzugsweise 1 bis 20 Gew.-%.
Die Flottenlänge, d.h. das prozentuale Gewichtsverhältnis der Behandlungsflotte zur
Ware, bezogen auf das Falzgewicht des Leders oder das Naßgewicht der Pelzfelle, beträgt
üblicherweise 10 bis 1000, vorzugsweise 30 bis 150 %, bei Pelzfellen 50 bis 500 %.
[0038] Nach der Behandlung mit der wäßrigen Flotte wird der pH-Wert der Behandlungsflotte
durch Zusatz von Säuren, vorzugsweise einer organischen Säure wie Ameisensäure, auf
einen Wert von 3 bis 5, vorzugsweise 3,5 bis 4, eingestellt.
[0039] Bei der Mitverwendung von üblichen Nachgerbstoffen beim Veredlungsprozeß des Leders
und der Pelzfelle kann die Behandlung mit den erfindungsgemäß zu verwendenden wäßrigen
Dispersionen vor oder nach dem Nachgerbschritt eingesetzt werden.
[0040] Die Prozentangaben in den Beispielen sind, falls nicht anders angegeben, in Gewichtsprozent.
Beispiele zur Herstellung
Beispiel 1
[0041] In einem Rührkolben werden 100 g Capelanöl und 0,5 g tert.Butylperethylhexanoat im
schwachen N2-Strom auf 150°C erhitzt und 1,5 h bei 150°C gerührt. Dann werden 5 g
Maleinsäureanhydrid und 0,5 g tert.Butylperethylhexanoat zugesetzt und es wird weitere
6 h auf 150°C erhitzt. Anschließend kühlt man ab, gibt 300 g Wasser und 3,8 g 50 %ige
Natronlauge zu und dispergiert die Mischung mit einem Ultra-Turrax 10 Minuten lang.
Die erhaltene Dispersion hat einen pH-Wert von 10,0, einen Trocknungsrückstand von
25 % und eine Brookfieldviskosität von 22 mPa·s bei 23°C. Sie kann direkt zur Lederbehandlung
Verwendung finden.
Beispiel 2
[0042] Ähnlich wie bei Beispiel 1 werden 100 g Capelanöl und 1 g tert.Butylperethylhexanoat
auf 150° erhitzt und 1 h gerührt. Dann werden 10 g Maleinsäureanhydrid und 1 g tert.Butylperethylhexanoat
zugesetzt und es wird 6 h bei 150°C erhitzt. Nach dem Abkühlen wird mit 310 g Wasser
und 7,2 g 50 %iger Natronlauge verdünnt und mit dem Ultra-Turrax die Mischung 10 Minuten
intensiv dispergiert. Die erhaltene Dispersion hat einen pH-Wert von 8,9, einen Trocknungsrückstand
von 25 % und eine Brookfieldviskosität von 16 mPa·s bei 23°C.
Beispiel 4
[0043] Ähnlich Beispiel 1 werden 108 g Rapsöl unter schwachem N2-Strom auf 150°C erhitzt.
Dann werden bei 150°C innerhalb von 1 h 20 g Acrylsäure (100 %ig) und die Lösung von
1 g tert.Butylperethylhexanoat in 10 g Rapsöl gleichmäßig zudosiert. Danach wird 2
h bei 150° gerührt, nochmals 1 g tert.Butylperethylhexanoat zugesetzt und nochmals
2 h bei 150°C erhitzt.
[0044] 100 g des so erhaltenen Pfropfpolymeren werden mit 76 g Wasser verdünnt und 10 Minuten
lang intensiv dispergiert. Die weiße viskose Dispersion hat einen pH-Wert von 3,5
und einen Trocknungsrückstand von 55,9 %.
Beispiel 4
[0045] Verwendet man anstelle von Acrylsäure Methacrylsäure, so wird eine Dispersion mit
vergleichbaren Eigenschaften erhalten.
Beispiel 5
[0046] Entsprechend Beispiel 1 werden 100 g Rapsöl und 1 g tert.Butylperethylhexanoat 1
h bei 150°C unter einem schwachen N
2-Strom erhitzt. Anschließend werden 18 g Maleinsäureanhydrid und 1 g tert.Butylperethylhexanoat
zugesetzt und 6 h bei 150°C erhitzt. Dann wird abgekühlt und 105 g des Produkts werden
mit 90 g Wasser und 8 g 50 %iger Natronlauge gemischt und 10 Minuten mit dem Ultra-Turrax
intensiv dispergiert. Es entsteht eine homogene viskose Dispersion mit einem Trocknungsrückstand
von 52,7 % und einem pH-Wert von 5,5.
Beispiel 6
[0047] Entsprechend Beispiel 1 werden 100 g Capelanöl im schwachen N2-Strom auf 150° erhitzt
und anschließend innerhalb von 1 h bei 150°C mit 20 g Acrylsäure und einer Lösung
von 1 g tert.Butylperethylhexanoat in 10 g Capelanöl gleichmäßig versetzt. Anschließend
wird noch 1 h nacherhitzt, nochmals 1 g tert.Butylperethylhexanoat zugegeben und 1
h weitererhitzt. Danach wird abgekühlt und 103 g des Produkts werden nach Zugabe von
90 g Wasser und 9 g 50 %iger Natronlauge mittels Ultra-Turrax 10 Minuten intensiv
dispergiert. Die viskose homogene Dispersion hat einen pH-Wert von 7,0 und der Trocknungsrückstand
beträgt 49,1 %.
Beispiel 7
[0048] Entsprechend Beispiel 6 verwendet man anstelle von Acrylsäure 20 g Methacrylsäure.
115 g des erhaltenen Pfropfpolymeren, 95 g Wasser und 14 g 50 %ige Natronlauge werden
10 Minuten mit dem Ultra-Turrax intensiv dispergiert. Die viskose Dispersion hat einen
pH-Wert von 7,1 und einen Trocknungsrückstand von 51,2 %.
Anwendungsbeispiele
Beispiel 1
[0049] Chromgegerbtes Rindleder mit einer Falzstärke von 1,8 mm, das auf einen pH-Wert von
5,0 entsäuert worden war, wurde mit 15 % des Produktes aus Beispiel 1, bezogen auf
das Falzgewicht, 2 h bei 40°C im Gerbfaß gewalkt. Die Gesamtflottenlänge betrug 150
%. Das Leder wurde anschließend mit 1 % eines üblichen anionischen Anilinfarbstoffes
gefärbt. Danach wurde es mit Ameisensäure auf einen pH-Wert von 3,8 eingestellt. Es
wurde abschließend gewaschen, mechanisch ausgereckt und getrocknet. Das erhaltene
Leder war sehr weich, geschmeidig, gut gefüllt und gleichmäßig gefärbt.
Beispiel 2
[0050] Chromgegerbtes Rindleder mit einer Falzstärke von 1,8 mm, das auf einen pH-Wert von
5,0 entsäuert und mit 0,7 % eines üblichen anionischen Anilinfarbstoffes gefärbt worden
war, wurde mit 20 % des Produktes aus Beispiel 2, bezogen auf das Falzgewicht, 1,5
h bei 40°C im Gerbfaß gewalkt. Im Anschluß an diese Behandlung wurde das Leder mit
Ameisensäure auf einen pH-Wert von 3,6 gebracht und wie üblich fertiggestellt. Das
so erhaltene Leder war sehr weich und griffig.
Beispiel 3
[0051] Chromgegerbtes Rindleder mit einer Falzstärke von 1,8 mm, das auf einen pH-Wert von
5,0 entsäuert und mit 0,7 % eines üblichen anionischen Anilinfarbstoffes gefärbt worden
war, wurde mit 15 % des Produktes aus Beispiel 3, bezogen auf das Falzgewicht, 30
Minuten bei 40°C im Gerbfaß gewalkt und anschließend mit 3 % eines üblichen synthetischen
Gerbstoffes 1 h weiterbehandelt. Dann wurde das Leder mit Ameisensäure auf einen pH-Wert
von 3,6 gebracht und wie üblich fertiggestellt. Das so erhaltene Leder fühlte sich
angenehm weich und griffig an.
Beispiel 4
[0052] Das Produkt aus Beispiel 4 wurde analog zu der im Beispiel 3 angegebenen Arbeitsweise
eingesetzt. Das so erhaltene Leder zeigte weiche und runde Griffeigenschaften.
Beispiel 5
[0053] Das Produkt aus Beispiel 5 wurde analog zu der im Beispiel 1 angegebenen Arbeitsweise
eingesetzt. Das so erhaltene Leder zeichnete sich durch einen runden, weichen Griff
aus.
Beispiel 6
[0054] Das Produkt aus Beispiel 6 wurde analog zu der im Beispiel 1 angegebenen Arbeitsweise
eingesetzt. Das Ergebnis war ähnlich vorteilhaft wie bei den vorhergehenden Beispielen.
Beispiel 7
[0055] Das Produkt aus Beispiel 7 wurde analog zu der im Beispiel 3 angegebenen Arbeitsweise
eingesetzt. Das Ergebnis war ein weiches Leder mit angenehmem Griff.