[0001] Die Erfindung betrifft gegen unbefugtes Kopieren geschützte Substrate und Verfahren
zu ihrer Herstellung.
[0002] Schon lange besteht der Wunsch, einen wirksamen Schutz gegen unbefugtes Kopieren
zu bekommen. So gibt es in der Literatur eine ganze Reihe verschiedener Vorschläge.
Die meisten von ihnen beruhen darauf, den Untergrund der Vorlage einzufärben, um den
Kontrast herabzusetzen. Da das Auge und der Sensor in der Maschine verschiedene Empfindlichkeiten
für die Hellwerte der Farben haben, wurde versucht, den Hintergrund beim Kopieren
für den Sensor relativ stärker zu verdunkeln als für das Auge. Hierfür sind sowohl
remittierende Farbstoffe, insbesondere Rotnuancen, als auch fluoreszierende Farbstoffe
genannt worden. Einen anderen Weg beschreibt beispielsweise die US-Patentschrift 4
427 627. Hier wird die Vorlage mit einer photoelektrisch schaltbaren Schicht überzogen,
die beim Belichten dunkel wird. Der Nachteil hiervon ist jedoch der, daß sich die
Vorlage im hellen Licht nicht mehr lesen läßt. Alle diese Vorschläge haben sich nicht
durchsetzen können, wohl deshalb, weil alles Sehen auf der Wahrnehmung von Kontrasten
beruht, weswegen es immer schwierig sein wird, die Lesbarkeit der Vorlage und ihre
Kopiersicherheit durch die Verminderung des Kontrasts in Übereinstimmung zu bekommen.
Letztlich ist nur eine unlesbare Vorlage auch kopiersicher.
[0003] Mit der Einführung der Farbkopierer hat sich das Problem weiter verschärft. Farben
vermitteln schnell erkennbare Informationen und werden deswegen zur Kennzeichnung,
Identifikation, Sicherung von Gegenständen usw. vielfach verwendet. Ein besonderes
Problem ist die Nachahmung von Wertpapieren, Ausweisen o.ä. durch Farbkopien.
[0004] Erfindungsgemäß wird nun ein neues Verfahren zum Kopierschutz farbiger Vorlagen vorgestellt,
das den Unterschied in der Empfindlichkeit des Auges und des in der Maschine befindlichen
Sensors in einer überraschenden Weise ausnutzt. Während das Auge Remissions- und Emissionsstrahlung
nicht unterscheidet, und beide als Gesamt-Farbeindruck wahrnimmt, mißt der Sensor
nur die Absorption und ist blind gegenüber der Emissionsstrahlung. Dies führt zu einem
Unterschied in der Farbortbestimmung gegenüber dem augenoptischen Eindruck und dem
überraschenden Effekt der Farbidentität für das Auge oder den Sensor.
[0005] Da man den brillanten Farbeindruck einer Fluoreszenzfarbe nicht durch Mischen von
Remissionsfarben nachstellen kann, bleibt dieser Unterschied auch dann erhalten, wenn
man das Bild örtlich korrigiert, beispielsweise durch Korrektur der Filtereinstellungen.
Er ließe sich nur durch einen Toner ausgleichen, der einen fluoreszenzfähigen Farbstoff
enthält. Dazu bedürfte es aber eines Sensorsystemes, das zwischen emittierenden und
remittierenden Farben unterscheidet.
[0006] Die Wahrnehmbarkeit einer Farbortänderung mit dem Auge ist relativ. Gegen einen Vergleich
mit der Ausgangsnuance können sehr kleine Änderungen noch sicher erkannt werden, während
man beim Fehlen vergleichbarer Nuancen selbst relativ große Änderungen, insbesondere
in der Helligkeit, nicht mehr sicher sieht.
[0007] Die Erfindung ist nun darauf gerichtet, ein emittierendes und einen remittierendes
Farbmittel so auszuwählen, daß die Nuance beim Betrachten bei nicht wahrgenommener
Fluoreszenz ähnlich oder gleich ist.
[0008] Die Erfindung betrifft Substrate mit darauf angebrachten sichtbaren Informationen,
die gegen unbefugtes Kopieren geschützt sind, die dadurch gekennzeichnet sind, daß
man zur Anbringung der Informationen eine solche Farbmittelkombination aus mindestens
einem emittierenden und mindestens einem remittierenden Farbmittel einsetzt, deren
Farbnuance beim Betrachten bei nicht wahrgenommener Fluoreszenz ähnlich oder gleich
ist, wobei die Information so durch die Farbmittelkombination aufgebracht ist, daß
die verschiedenen Farbfelder sich berühren oder nahe beieinander liegen.
[0009] Die Erfindung betrifft weiter Verfahren zum Schutz von Substraten mit darauf angebrachten
sichtbaren Informationen gegen unbefugtes Kopieren, das dadurch gekennzeichnet ist,
daß zur Anbringung der Informationen eine solche Farbmittelkombination aus mindestens
einem emittierenden und mindestens einem remittierenden Farbmittel eingesetzt wird,
deren Farbnuance beim Betrachten bei nicht wahrgenommenen Fluoreszenz ähnlich oder
gleich ist, wobei die Information so durch die Farbmittelkombination aufgebracht ist,
daß die verschiedenen Farbfelder sich berühren oder nahe beieinander liegen.
[0010] Bei einem erfindungsgemäßen Substrat erscheint ein aus einer erfindungsgemäßen Farbmittelkombination
gefertigtes Muster, wenn im Original erkennbar, in der Kopie als monochromer Fleck.
Man kann hierzu mehrere Farbmittelkombinationen gleichzeitig verwenden, um komplexe
Farbmuster herzustellen.
[0011] Das Remissionsfarbmittel kann aus mehreren Farbmitteln zusammengesetzt sein, woraus
sich die Möglichkeit einer exakten Anpassung der Nuance an das Retroreflexionsspektrum
des emissiven Partner ergibt.
[0012] Geeignete Farbmittel für Kombinationen sind in der Regel so beschaffen, daß ihre
Absorptionsspektren in Lage und Bandenform ähnlich aussehen. Die Absorptionsmaxima
sollen nicht mehr als 30 nm, vorzugsweise nicht mehr 20 nm auseinander liegen. Die
Halbwellenbreite der Farbstoffe in Lösung, d.h. die spektrale Breite der längstwelligen
Bande bei halber Maximalextinktion (ε/2 bei λ
max.) sollte <150 nm, bevorzugt <100 nm betragen.
[0013] Auch das Fluoreszenzfarbmittel kann aus Mischungen bestehen, die allerdings so aufgebaut
sein müssen, daß innerhalb der Emissionsbande keine Absorption eintritt. Vorzugsweise
wird es sich um Farbmittel handeln, die ähnlich wie das Remissionsfarbmittel absorbieren.
[0014] Eine Anwendungsform der Erfindung besteht darin, auf Papier mit dem emittierenden
und dem remittierenden Farbmittelein Muster zu drucken, indem die mit den verschiedenen
Farbmitteln bedruckten Flächen sich berühren oder nahe beieinander liegen sollen.
Die Druckfarbe enthält die Farbmittel als Farbpigmente oder als mit Farbstoffen eingefärbte
Kunststoffpulver oder Polymerdispersionen in für Druckfarben üblichen Bindemitteln.
Die Druckfarbe kann auch die Farbstoffe in gelöster Form enthalten
[0015] Geeignete Kunststoffpulver sind beispielsweise Polyacrylnitril, Polyester, Polycarbonat,
Epoxi-Harze, Melamin-Formaldehyd-Harze; geeignete Dispersionen sind beispielsweise
Styrolacrylate, Polyurethane oder Polyharnstoffe.
[0016] Geeignete Pigmente sind alle Farbpigmente, vorzugsweise organische Farbpigmente.
Eine besondere Form sind die Salze kationischer Farbstoffe mit schwerlöslich machenden
Säuren wie Molybdatophosphat, Wolframatophosphat, Molybdatosilikat, Wolframatosilikat
oder geeigneten organischen Carbon- oder Sulfonsäuren.
[0017] Geeignete Farbstoffe zum Einfärben der Kunststoffpulvern oder Polymerdispersionen
sind alle neutralen oder kationischen Farbstoffe, die sich in diesen Medien lösen
oder sie durch Salzbildung gut anfärben oder die über reaktive Gruppen in das Polymer
eingebaut werden können.
[0018] Eine andere Form der Anwendung der Erfindung besteht darin, daß man Papier mit dem
einen Farbstoff einfärbt und mit dem anderen ein Muster aufdruckt. Vorzugsweise wird
zur Färbung des Papieres der remittierende Farbstoff verwendet. Die Druckfarbe kann
wie oben beschrieben aufgebaut sein. Ebenso kann als Druckfarbe eine Lösung des Farbstoffs
in mikroverkapselter Form eingesetzt werden.
[0019] Geeignete Farbstoffe zum Färben des Papiers sind alle kationischen oder anionischen
Farbstoffe, die eine Affinität zur Cellulosefaser haben. Geeignete Farbstoffe für
Mikrokapseln sind alle neutralen Farbstoffe, die sich in den zur Mikroverkapselung
üblichen Lösungsmitteln, wie aliphatischen, aromatischen und chlorierten Kohlenwasserstoffen,
ausreichend lösen. Neben Papier kommen alle papierähnlichen Stoffe, wie Vliese, aber
auch Kunststoffolien, in Frage. Bevorzugt ist Papier.
Beispiel 1
[0020]
a) 20 g Polyacrylnitrilpulver wurden in Wasser bei pH = 4 mit 150 mg des Farbstoffs
der Formel

bei 90°C gefärbt und anschließend getrocknet.
b) Analog verfuhr man unter Verwendung von 110 mg des Farbstoffs der Formel

c) 1 g des unter b) gefärbten Pulvers wurden in 6 g 5 %iger wäßriger Polyvinylalkohollösung
dispergiert. Mit einem Pinsel wurde auf Papier die Zahl "10" geschrieben.
d) Mit einer wie unter c) hergestellten Dispersion des Pulvers aus a) wurde mit einem
Pinsel ein viereckiges Feld um die Zahl "10" und der Innenraum der "0" so bemalt,
daß dieses Feld unmittelbar an die Ziffern anstieß.
e) Das Auge konnte die "10" deutlich grünstichig gelb fluoreszierend in der gelben
Umgebung lesen.
f) Auf einem Farbkopierer wurde eine Farbkopie dieser Vorlage hergestellt. Das ganze
Feld inklusive der Zahl "10" wurde in einem einheitlichen Gelb wiedergegeben, sodaß
die "10" nicht mehr erkannt werden konnte
Beispiel 2
[0021] Die Zahl "10" wurde mit der Dispersion aus c) des Beispiels 1, das umgebende Feld
mit der Dispersion aus d) des Beispiels 1 gemalt. Auch hier konnte das Auge die Zahl
klar lesen, sie verschwand aber auf der Farbkopie.
Beispiele 3-7
[0022] Die Vorgehensweise entsprach den Beispielen 1 und 2. Es wurden folgende Farbstoffpaare
eingesetzt:

Beispiel 8
[0023]
a) 100 mg des Farbstoffs der Formel

wurden in 100 ml einer 5 %igen Lösung von Polyvinylacetat in Aceton gelöst. Mit einem
Pinsel wurde auf Papier die Zahl "10" gemalt.
b) Entsprechend wurde mit einer Lösung des Farbstoffs der Formel

der Innenraum der "0" und ein viereckiges Feld um die "10" so angemalt, daß kein
Zwischenraum zwischen den bemalten Flächen entstand.
c) Das Auge konnte die gelbe "10" deutlich in dem grünstichig gelb fluoreszierenden
Umfeld lesen.
d) Eine auf einem Farbkopierer hergestellte Farbkopie dieser Vorlage zeigte jedoch
nur ein einheitlich gelbes Feld, in dem die "10" nicht zu erkennen war.
[0024] Analog können die in den Beispielen 3-7 verwendeten Farbstoffe eingesetzt werden.
Beispiel 9
[0025]
a) 20 g Polyesterpulver wurden in Wasser mit 120 mg des Farbstoffs der Formel

bei 100°C gefärbt und anschließend getrocknet.
b) Analog verfuhr man mit 250 mg des Farbstoffs der Formel

c) 1 g des unter a) gefärbten Pulvers wurden in 6 g 5 %igem wäßrigem Polyvinylalkohol
dispergiert. Mit einem Pinsel wurde auf Papier eine "2" gemalt.
d) Mit einer wie unter c) hergestellten Dispersion des Pulvers aus b) wurde um die
Zahl "2" ein viereckiges Feld so gemalt, daß die beiden farbigen Flächen ohne Zwischenraum
aneinander stießen.
e) Mit dem Auge konnte eine grünstichig-gelbfluoreszierende "2" in der gelben Umgebung
deutlich erkannt werden.
f) Eine auf einem Farbkopierer hergestellte Farbkopie zeigte ein einheitlich gelbes
Feld, in dem die "2" nicht mehr zu sehen war.
1. Substrate mit darauf angebrachten sichtbaren Informationen, die gegen unbefugtes Kopieren
geschützt sind, dadurch gekennzeichnet, daß man zur Anbringung der Informationen eine
solche Farbmittelkombination aus mindestens einem emittierenden und mindestens einem
remittierenden Farbmittel einsetzt, deren Farbnuance beim Betrachten bei nicht wahrgenommener
Fluoreszenz ähnlich oder gleich ist, wobei die Information so durch die Farbmittelkombination
aufgebracht ist, daß die verschiedenen Farbfelder sich berühren oder nahe beieinander
liegen.
2. Verfahren zum Schutz von Substraten mit darauf angebrachten sichtbaren Informationen
gegen unbefugtes Kopieren, dadurch gekennzeichnet, daß zur Anbringung der Informationen
eine solche Farbmittelkombination aus mindestens einem emittierenden und mindestens
einem remittierenden Farbmittel eingesetzt wird, deren Farbnuance beim Betrachten
bei nicht wahrgenommener Fluoreszenz ähnlich oder gleich ist, wobei die Information
so durch die Farbmittelkombination aufgebracht ist, daß die verschiedenen Farbfelder
sich berühren oder nahe beieinander liegen.
3. Substrate nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß mehr als ein Remissionsfarbmittel
eingesetzt wird.
4. Substrate nach Anspruch 1, bestehend aus Papier oder papierähnlichen Stoffen.
5. Substrate nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der oder die Remissionsfarbstoff(e)
durch direkte Einfärbung und der oder die Emissionsfarbstoff(e) in mikroverkapselter
Form aufgebracht werden.
6. Substrate nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Informationen durch Beschreiben
oder Bedrucken angebracht werden.
7. Substrate nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Farbmittel als Pigmente
oder gefärbte Kunststoffpulver oder Polymerdispersionen aufgebracht werden.
8. Substrate nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Absorptionsmaxima der Farbmittel
einer Kombination nicht mehr als 30 nm auseinander liegen.
9. Substrate nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Absorptionsmaxima nicht
mehr als 20 nm auseinander liegen.