[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein elektrolytisches Verfahren zur Gewinnung von
Platin hoher Reinheit aus konzentrierten salzsauren Lösungen vom verunreinigten Platin.
[0002] In der Praxis wird z. B. in Geräten, Thermoelementen und Katalysatoren eingesetztes
Platin bedingt durch den jeweiligen Produktionsprozeß nach einem gewissen Zeitablauf
mit Unedel- und Edelmetallen verunreinigt. Dadurch fallen ständig Platinschrotte mit
Gesamtverunreinigungen von bis zu 5000 ppm an.
[0003] Für den weiteren Einsatz müssen diese anfallenden Platinschrotte nun raffiniert werden,
um zum Beispiel Reinheiten von 99,95 % Platin für Geräteplatin oder 99,99 % Platin
für Thermoelemente, wie gefordert, bereitzustellen. Darüber hinaus müssen in Abhängigkeit
vom Einsatzzweck bestimmte Größenordnungen von bestimmten Verunreinigungen eingehalten
werden.
[0004] Die Raffination von verunreinigtem Platin kann über eine Mehrfachfällung des Platins
als Ammoniumplatinchlorid erfolgen.
Pt→H₂[PtCl₆]→(NH₄)₂[PtCl₆]→Pt
Dieses Verfahren hat aber den Nachteil, daß es sehr arbeitsintensiv und zeitaufwendig
ist und eine Vielzahl von Verlustquellen aufweist. Darüber hinaus kommt es beim Bearbeitungspersonal
zur Allergiegefährdung durch das Ammoniumplatinchlorid.
[0005] Durch die Anwendung des Ionenaustauscherverfahrens nach WP 147 688 konnte eine Reduzierung
der angeführten Nachteile erreicht werden. Maximalverunreinigungen an Unedel- und
Edelmetallen bis zu 1000 ppm im Platin können nach diesem Verfahren abgereichert werden,
wobei als weiterer Raffinationsschritt eine Einfach- bzw. Mehrfachfällung von Ammoniumplatinchlorid
erforderlich ist. Durch eine Kombination von Solventextraktion und Fällung als Ammoniumplatinchlorid
kann das Verfahren verkürzt werden. Beide Verfahren besitzen jedoch den Nachteil eines
hohen apparativen und steuerungstechnischen Aufwandes.
[0006] Elektrolytische Verfahren zum Raffinieren von Gold sind seit langem bekannt (Gmelin
Au, Syst. Nr. 62, 1949) und ständig weiterentwickelt worden (EP 0253783).
[0007] Aus der GB-PS 157785 und der deutschen Patentschrift 594408 sind elektrolytische
Platinraffinationsverfahren bekannt, die teilweise mit Kombinationen von chemischen
und elektrolytischen Verfahren arbeiten (US-PS 3 891,741).
[0008] Diese Verfahren sind alle äußerst zeitaufwendig und lassen sich nicht in allen Punkten
technisch einwandfrei nachvollziehen.
[0009] Die US-PS 4,382,845 beschreibt eine teilweise elektrolytische Abtrennung von Palladium
aus Lösungen, die im Überschuß Palladium enthalten. Eine Trennung ist nach diesem
Verfahren aber nur bis zu der Grenze möglich, bei der Platin und Palladium im gleichen
Verhältnis vorliegen. Die Abtrennung von weiteren Unedel- und Edelmetallen wird dabei
nicht erwähnt.
[0010] Zur Trennung von Platin und Palladium ist die Elektrolysezelle mit einer Kationenaustauschermembran
ausgestattet, deren Vorteile allerdings nicht ersichtlich sind, da sich Platin und
Palladium in dem angegebenen Konzentrationsverhältnis und dem beschriebenen Spannungsbereich
auch ohne Kationenaustauschermembran trennen lassen. Darüber hinaus weist dieses Verfahren
den gleichen Nachteil wie auch alle anderen Verfahren auf, daß nur mit einer Maximalkonzentration
von ≦ 100 g/l gearbeitet werden kann.
[0011] Der Erfindung lag daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Gewinnung von Platin
hoher Reinheit zur Verfügung zu stellen, bei dem mit geringen apparativen Mitteln
innerhalb kurzer Zeit mit minimalen Verlusten und geringem Arbeitsaufwand aus verunreinigtem
Platin die Edel- und Unedelmetalle abgetrennt werden.
[0012] Überraschenderweise wurde gefunden, daß man auf elektrolytischem Wege aus mit Unedel-
und Edelmetallen verunreinigten Platinmetallösungen Platin hoher Reinheit gewinnen
kann.
[0013] Gegenstand der Erfindung ist daher ein elektrolytisches Verfahren zur Gewinnung von
Platin hoher Reinheit aus konzentrierten salzsauren Lösungen von verunreinigtem Platin.
Das erfindungsgemäße Verfahren zeichnet sich dadurch aus, daß der Reinigungsprozeß
in einer Elektrolysezelle, die durch eine Kationenaustauschermembran unterteilt ist,
unter potentiostatischen oder spannungskontrollierten Bedingungen von 2,5 V bis 8
V und einer Stromdichte von 0,3 bis 12,5 A/dm² erfolgt und die abgeschiedenen Platinlegierungsmetalle
aufgearbeitet werden.
[0014] Erfindungsgemäß weisen die Platinmetallösungen einen Gehalt von 50 bis 700 g/l und
Gesamtverunreinigungen von ≦ 5000 ppm auf.
[0015] Bevorzugt werden bei dem erfindungsgemäßen Verfahren Platinmetallösungen mit einem
Gehalt von 500 bis 700 g/l verunreinigtem Platin eingesetzt.
[0016] Die für das erfindungsgemäße Verfahren eingesetzten konzentrierten Platinmetallösungen
weisen Verunreinigungen der Elemente Rh und/oder Pd, Ir, Au, Ag, Cu, Fe, Co, Ni, Sb,
As, Pb, Cd, Al, Mn, Mo, Si, Zn, Sn, Zr, W, Ti, Cr auf.
[0017] Als Anodenflüssigkeit werden salzsaure Platinmetallösungen, bevorzugt Hexachlorplatinsäure,
und als Katodenflüssigkeit 6 bis 8 N Salzsäure, bevorzugt 6 N Salzsäure, eingesetzt.
[0018] Die Anode besteht aus Platinmetall, während die Katode aus Platinmetall, Titan oder
Graphit beschaffen ist.
[0019] Als bevorzugte mit Sulfonsäuregruppen beladene Kationenaustauschermembran wird eine
Teflonmembran (Nafion®-Membran) eingesetzt.
[0020] Das erfindungsgemäße Verfahren arbeitet bevorzugt unter potentiostatischen oder spannungskontrollierten
Bedingungen von 4,5 V bis 5 V und einer Stromdichte von 9 bis 10 A/dm².
[0021] Aus Platinmetallösungen mit einem Gehalt ≧ 300 g/l verunreinigtem Platin und Gesamtverunreinigungen
von ≦ 5000 ppm können in einer Stufe Platinreinheiten von 99,95 % erreicht werden.
Beim Wechsel der Anode und der Anodenflüssigkeit ist eine Raffination bis zu einer
Platinreinheit von 99,99 % möglich.
[0022] Das erfindungsgemäße Verfahren kann somit je nach geforderter Reinheit des Platins
mehrstufig durchgeführt werden.
[0023] Beim Einsatz einer Hexachlorplatinsäure mit einem Gehalt von 300 g/l Platinmetall
im Anodenraum und dem Einsatz einer 6 N Salzsäure im Katodenraum werden beim erfindungsgemäßen
Verfahren zunächst Ir, Rh sowie Anteile der Unedelmetalle und des Goldes abgetrennt.
[0024] Im Verlauf der erfindungsgemäßen Elektrolyse sinkt, bedingt durch die Chlorentwicklung
und den Wassertransport in den Katodenraum, bei Aufrechterhaltung des Volumens der
Anoden- und Katodenflüssigkeit durch den Entzug von verdünnter Salzsäure aus dem Katodenraum
und Zusatz von Wasser in den Anodenraum, die Säurekonzentration.
[0025] Die komplex gebundenen Ionen dissoziieren, wandern durch die Kationenaustauschermembran
und werden an der Katode abgeschieden. Der abgeschiedene Niederschlag enthält neben
den abgetrennten Edel- und Unedelmetallverunreinigungen noch geringe Anteile an Pt.
Dieser Niederschlag wird mechanisch von der Katode entfernt und gesondert aufgearbeitet.
[0026] Das sich beim erfindungsgemäßen Verfahren entwickelnde Chlorgas wird nach bekannten
Methoden abgeführt.
[0027] In einer Apparatur, die ein Fassungsvermögen von je 3 l Lösung im Anoden- und Katodenraum
besitzt, kann nach dem erfindungsgemäßen Verfahren innerhalb von 48 h 1 kg Platin
raffiniert werden.
[0028] Dabei findet innerhalb von 20 h z. B. folgende Abreicherung von Verunreinigungen
statt:

Aus den durch das erfindungsgemäße Verfahren gereinigten Lösungen der Platinmetalle
kann nach bekannten Methoden das metallische Platin elektrolytisch oder chemisch zurückgewonnen
werden.
[0029] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren sind folgende Vorteile verbunden:
- es erfodert einen minimalen apparativen und sicherheitstechnischen Aufwand
- es arbeitet mit minimaler ökologischer Belastung
- es ist gegenüber den herkömmlichen Verfahren wesentlich zeit- und kostensparender.
[0030] Die Erfindung wird nachstehend an einigen Beispielen näher erläutert.
Beispiel 1
[0031] Eine salzsaure Platinlösung mit folgenden Verunreinigungen (Konzentrationsangaben
bezogen auf Platin)
Ir |
1020 ppm |
Rh |
630 ppm |
Pd |
440 ppm |
Au |
120 ppm |
Cu |
250 ppm |
Fe |
280 ppm |
Ni |
230 ppm |
Sb |
100 ppm |
Pb |
80 ppm |
Al |
80 ppm |
und einem Platingehalt von 250 g/l (pH-Wert ≦ 1) wird in einer Elektrolysezelle, deren
Katoden- und Anodenraum durch eine Kationenaustauschermembran unterteilt sind, bei
einer Spannung von 4,5 V und einer Stromdichte von 9 A/dm² elektrolysiert.
[0032] Nach 15 Stunden wird eine Abreicherung der Unedelmetalle auf Werte ≦ 20 ppm erreicht,
der Iridium-, Rhodium- und Goldgehalt verringert sich um 50 %, der Palladiumgehalt
um 20 %.
[0033] Nach einer Elektrolysezeit von weiteren 15 Stunden wird eine Abreicherung der Edelmetallverunreinigungen
auf folgende Werte erreicht
Ir |
< |
200 ppm |
Rh |
< |
50 ppm |
Pd |
< |
200 ppm |
Au |
< |
20 ppm |
Beispiel 2
[0034] Die vorraffinierte Lösung vom Beispiel 1 wird auf einen Platingehalt von 120 g/l
(PH-Wert 0,1) verdünnt in eine andere Elektrolysezelle, die ebenfalls mit einer Kationenaustauschermembran
versehen ist, überführt und bei einer Spannung von 5 V und 10 A/dm² elektrolysiert.
Die Analyse, nach einer Elektrolysezeit von 10 Stunden, ergab, daß die Unedelmetallverunreinigungen
und Gold auf Werte ≦ 10 ppm, die Platinmetalle
Ir |
< |
20 ppm |
Rh |
< |
5 ppm |
Pd |
< |
10 ppm |
abgereichert wurden.
Beispiel 3
[0035] Die Platinlösung, die nach dem Beispiel 1 raffiniert wurde, wird in der Elektrolysezelle
belassen, die Katodenflüssigkeit durch frischangesetzte 6 N Salzsäure ersetzt. Die
Anodenflüssigkeit wird auf einen Platingehalt von 120 g/l verdünnt
[0036] Nach einer Elektrolysezeit von 12 Stunden wird der im Beispiel 2 beschriebene Reinheitsgrad
erreicht.
1. Elektrolytisches Verfahren zur Gewinnung von Platin hoher Reinheit aus konzentrierten
salzsauren Lösungen von verunreinigtem Platin, dadurch gekennzeichnet, daß der Reinigungsprozeß
in einer Elektrolysezelle, die durch eine Kationenaustauschermembran unterteilt ist,
unter potentiostatischen oder spannungskontrollierten Bedingungen von 2,5 V bis 8
V und einer Stromdichte von 0,3 bis 12,5 A/dm² erfolgt und die abgeschiedenen Platinlegierungsmetalle
aufgearbeitet werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die konzentrierten Platinmetallösungen
einen Gehalt von 50 bis 700 g/l und Gesamtverunreinigungen von ≦ 5000 ppm aufweisen.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die konzentrierten Platinmetallösungen
einen Gehalt von 500 bis 700 g/l verunreinigtem Platin aufweisen.
4. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß
die konzentrierten Platinmetallösungen Verunreinigungen der Elemente Rh und/oder Pd,
Ir, Au, Ag, Cu, Fe, Co, Ni, Sb, As, Pb, Cd, Al, Mn, Mo, Si, Zn, Sn, Zr, W, Ti, Cr
aufweisen.
5. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß
man als Anodenflüssigkeit salzsaure Platinmetallösungen und als Katodenflüssigkeit
6 bis 8 N Salzsäure einsetzt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß man als Anodenflüssigkeit Hexachlorplatinsäure
einsetzt.
7. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß man als Katodenflüssigkeit
6 N Salzsäure einsetzt.
8. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß
der Reinigungsprozeß unter potentiostatischen oder spannungskontrollierten Bedingungen
von 4,5 V bis 5 V und einer Stromdichte von 9 bis 10 A/dm² erfolgt.
9. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß
das bei der Elektrolyse erzeugte Chlorgas nach bekannten Methoden abgeführt wird.
10. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß
man als Anode Platinmetall und als Katode Platinmetall, Titan oder Graphit einsetzt.
11. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß
man als Kationenaustauschermembran eine Teflonmembran einsetzt.
12. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß
sich an der Katode der Niederschlag der abgetrennten Edel- und Unedelmetallverunreinigungen
abscheidet.
13. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß man den Niederschlag mechanisch
von der Katode entfernt und gesondert aufarbeitet.
14. Verfahren nach den Ansprüchen 12 und 13, dadurch gekennzeichnet, daß je nach geforderter
Reinheit des Platins das Verfahren mehrstufig erfolgt.
15. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß
man aus den gereinigten Lösungen der Platinmetalle nach bekannten Methoden das metallische
Platin elektrolytisch oder chemisch zurückgewinnt.