[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Zweitakt-Hubkolbenbrennkraftmaschine mit mindestens
einem in einem Gehäuse befindlichen Zylinder, in dem ein Kolben beweglich geführt
ist, der eine Kolbenstange aufweist, die über eine Kraftübertragungsvorrichtung mit
einer im Gehäuse gelagerten Kurbelwelle in Wirkungsverbindung steht.
[0002] Bei bisherigen Brennkraftmaschinen dieser Art besteht die Kraftübertragungsvorrichtung
aus einem mit der Kolbenstange verbundenen Kreuzkopf und einer mit dem Kreuzkopf und
einem Kurbelzapfen der Kurbelwelle jeweils gelenkig verbundenen Schubstange. Diese
Konstruktion lässt aus Platzgründen nur eine bestimmte minimale Schubstangenlänge
zu, die direkt die Bauhöhe der Brennkraftmaschine bestimmt. Diese Höhe ist verhältnismässig
gross und sie ist nachteilig, da sie die Höhe des Raumes beeinflusst, in dem die Brennkraftmaschine
aufgestellt wird, sei es auf einem Schiff, wenn die Maschine als Antrieb für das Schiff
dient, oder sei es in einem Kraftwerksgebäude, wenn die Maschine zum Antreiben von
elektrischen Generatoren dient.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Brennkraftmaschine der eingangs genannten
Art dahingehend zu verbessern, dass mit konstruktiv einfachen Mitteln ihre Bauhöhe
verkleinert wird.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss dadurch gelöst, dass die Kraftübertragungsvorrichtung
aus einem mit der Kolbenstange verbundenen, balkenartigen, sich quer zur Kurbelwelle
erstreckenden sowie eine gegen die Kurbelwelle gewölbte Gleitbahn aufweisendem Bauteil
und einem auf einem Kurbelzapfen der Kurbelwelle gelagerten, an der Gleitbahn anliegenden
Gleitstein besteht und dass der balkenartige Bauteil an im Gehäuse vorhandenen Führungsflächen
abgestützt ist.
[0005] Durch diese Konstruktion der Kraftübertragungsvorrichtung entfällt die bisher notwendige
Schubstange mit ihren gelenkigen Verbindungen am Kurbelzapfen und am Kreuzkopf. Durch
den Wegfall der Schubstange wird die Bauhöhe der Brennkraftmaschine um ca. 50 % des
Kolbenhubes verringert, was sich besonders vorteilhaft auf die Raumhöhe am Aufstellungsort
der Brennkraftmaschine auswirkt. Weiter ist es möglich, durch freie Wahl des Radius
der Gleitbahn das Verhältnis von Zylinderbohrung zu der Grösse des Abstandes zwischen
dem Mittelpunkt des Radius und dem Mittelpunkt des Kurbelzapfens zu variieren, ohne
dass dadurch die Bauhöhe der Brennkraftmaschine vergrössert wird. Schliesslich kann
durch freie Wahl des Radius der Gleitbahn das Betriebsverhalten der Brennkraftmaschine
optimiert werden, und zwar indem mit kleiner werdendem Radius, d.h. Erhöhung des Nutzhubes,
der Brennstoffverbrauch reduziert werden kann und indem mit grösser werdendem Radius
die Momente zweiter Ordnung verringert werden können.
[0006] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der folgenden Beschreibung anhand der
Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- schematisch einen Vertikalschnitt durch eine Zweitakt-Hubkolbenbrennkraftmaschine,
- Fig. 2
- einen Querschnitt durch den balkenartigen Bauteil in der tiefsten Stellung des Kurbelzapfens
und
- Fig. 3
- einen Horizontalschnitt entsprechend der Linie III-III in Fig. 1.
[0007] Gemäss Fig. 1 weist die langsamlaufende ZweitaktHubkolbenbrennkraftmaschine der Dieselbauart
eine Grundplatte 1 auf, in der eine Kurbelwelle 2 drehbar gelagert ist. Auf der Grundplatte
1 ruht ein Maschinengehäuse 3, das in üblicher Weise aus in Richtung der Kurbelwelle
hintereinander angeordneten Ständern zusammengesetzt ist. Auf das Maschinengehäuse
3 ist ein Zylinderblock 4 aufgesetzt, in dem ein Zylindereinsatz 5 angeordnet ist,
der mit seinem oberen Abschnitt aus dem Zylinderblock 4 herausragt. Der Zylindereinsatz
5 wird in Fig. 1 nach oben durch einen Zylinderdeckel 6 abgeschlossen, der über mehrere
Dehnbolzen 7 mit dem Zylinderblock 4 verbunden ist. Im Zylindereinsatz 5 ist ein Arbeitskolben
8 auf und ab beweglich geführt, wobei zwischen der Oberseite des Kolbens 8 und dem
Zylinderdeckel 6 ein Brennraum 8' gebildet ist. Innerhalb des Zylinderblocks 4 ist
ein Spülraum 9 gebildet, dem aus einem Spülluft-Receiver 10, der ebenfalls auf dem
Maschinengehäuse 3 aufgesetzt ist, Spülluft zuströmt. Im Bereich des Spülraums 9 weist
der Zylindereinsatz 5 über seinen Umfang verteilte Schlitze 11 auf, über die Spülluft
aus dem Raum 9 in den Zylindereinsatz 5 strömt, wenn der Arbeitskolben 8 sich im Bereich
des unteren Totpunktes bewegt, d.h. die Kolbenoberseite befindet sich unterhalb der
Schlitze 11. Im Zentrum des Zylinderdeckels 6 ist ein nicht näher dargestelltes Auslassventil
angeordnet; die Brennkraftmaschine arbeitet also mit Längsspülung. Ausserdem sind
im Zylinderdeckel 6 mehrere Einspritzventile vorgesehen, über die Brennstoff unter
hohem Druck in den Brennraum 8' gelangt, wenn sich der Arbeitskolben 8 im Bereich
des oberen Totpunktes bewegt. Je nach der Anzahl der Zylinder, die die Maschine aufweist,
sind mehrere Zylinderblöcke 4 hintereinander auf dem Gehäuse 3 angeordnet.
[0008] Der Arbeitskolben 8 ist mit einer Kolbenstange 12 verbunden, die sich in Fig. 1 nach
unten in das Maschinengehäuse 3 hinein erstreckt. Am Uebergang vom Zylinderblock 4
zum Maschinengehäuse 3 ist die Kolbenstange 12 von einer Stopfbuchse 13 umgeben, die
einen Uebertritt von Spülluft aus dem Spülraum 9 in den vom Maschinengehäuse umschlossenen
Raum verhindert. Das untere Ende der Kolbenstange 12 ist in nicht näher dargestellter
Weise mit einem balkenartigen Bauteil 14 verschraubt, der sich quer zur Kurbelwelle
2 erstreckt. Auf seiner der Kurbelwelle zugewendeten Unterseite bildet der Bauteil
14 einen Flansch 14' (Fig. 2), der auf seiner Aussenseite eine gegen die Kurbelwelle
gewölbte Gleitbahn 15 in Kreisbogenform bildet. An dieser Gleitbahn 15 liegt ein Gleitstein
16 an, der auf einem Kurbelzapfen 20 der Kurbelwelle 2 gelagert und etwa auf der Höhe
der Mittelachse dieses Zapfens geteilt ausgebildet ist.
[0009] Wie Fig. 2 zeigt, umklammert der Gleitstein 16 den Flansch 14' auf dessen beiden
Seiten. Die Breite des Bauteils 14 ist so dimensioniert, dass er während seiner Bewegung
zwischen den Kurbelwangen 17 und 18 der Kurbelwelle 2 eintauchen kann. Der balkenartige
Bauteil 14 ist mit vier Gleitschuhen 22 versehen, die im oberen Bereich des Bauteils
an diesem angelenkt sind und die sich an Führungsflächen 23 im Maschinengehäuse 3
abstützen (Fig. 3). Die Gleitschuhe 22 führen den Bauteil 14 während seiner Bewegung
im Gehäuse 3 und übertragen Seitenkräfte des beweglichen Systems "Arbeitskolben 8,
Kolbenstange 12, balkenartiger Bauteil 14" auf die Führungsflächen 23 des Maschinengehäuses.
[0010] Der Mittelpunkt M des Kreisbogens 15 liegt - wie sich aus Fig. 1 durch den eingezeichneten
Radius R ergibt - auf der vertikalen Achse 12' der Kolbenstange 12. Ausserdem sind
in Fig. 1 der Abstand L zwischen dem Mittelpunkt M und der Achse des Kurbelzapfens
20 sowie der Bohrungsdurchmesser B des Zylindereinsatzes 5 eingezeichnet. Durch Variation
des Radius R und damit der Krümmung der Gleitbahn 15 kann das Verhältnis von B/L verändert
werden, ohne dass sich deswegen die Bauhöhe der Brennkraftmaschine ändert. Wie schon
erwähnt kann durch Verkleinern des Radius R der Brennstoffverbrauch der Brennkraftmaschine
verringert werden. Eine Vergrösserung des Radius R verringert die Momente zweiter
Ordnung, die bei sehr grossem Radius auch zu Null werden können.
[0011] In der in Fig. 1 gezeichneten Stellung des Arbeitskolbens 8 befindet sich dieser
kurz unterhalb des oberen Totpunktes und nach der Zündung des in den Brennraum 8'
eingespritzten Brennstoffs. Die dabei im Brennraum entstehende Druckkraft wird vom
Kolben 8 über die Kolbenstange 12 und den Bauteil 14 auf den Gleitstein 16 übertragen,
wobei sich die Kurbelwelle 2 im Uhrzeigersinn dreht. Bei dieser Bewegung wandert der
Gleitstein 16 auf der Gleitbahn 15 in Fig. 1 nach rechts, bis der Mittelpunkt des
Kurbelzapfens 20 des äussersten rechten Punktes des mit dem Durchmesser H bezeichneten
Kreises erreicht hat. Der Durchmesser H ist gleich dem Hub des Kolbens 12. Beim anschliessenden
Weiterdrehen der Kurbelwelle 2 verschiebt sich der Gleitstein 16 auf der Gleitbahn
15 nach links, bis zum äussersten linken Punkt des Kreises H, wobei er den unteren
Totpunkt durchlaufen hat. Vom äussersten linken Punkt des Kreises H aus verschiebt
sich der Gleitstein 16 dann nach rechts und durchläuft dabei den oberen Totpunkt.
[0012] In Fig. 1 unterhalb der Gleitschuhe 22 sind am balkenartigen Bauteil 14 noch Hilfsführungslager
25 angebracht, die ebenfalls an den Führungsflächen 23 des Gehäuses 3 anliegen. Die
Hilfsführungslager 25 kommen zur Wirkung, wenn der Kolben 8 mit der Kolbenstange 12
ausgebaut worden ist und die Brennkraftmaschine mit den übrigen Kolben weiter betrieben
werden soll. Sie stützen dann den balkenartigen Bauteil 14.
[0013] Abweichend von der beschriebenen Ausführungsform können die Hilfsführungslager 25
auch oberhalb der Gleitschuhe 22 am Bauteil 14 angeordnet sein. Ferner ist es möglich,
die Gleitschuhe 22 tiefer als in Fig. 1 gezeichnet am Bauteil 14 anzulenken.
[0014] Eine weitere Abweichung von der beschriebenen Ausführungsform kann darin bestehen,
dass anstelle der seitlichen Umklammerung des Flansches 14' durch den Gleitstein 16
eine zur Gleitbahn 15 parallele Gleitbahn vorgesehen wird, die unterhalb des Kurbelzapfens
20 verläuft und auf der der Gleitstein 16 mit seiner Unterseite anliegt. Die zusätzliche
Gleitbahn ist dann über an den Enden des balkenartigen Bauteils angebrachte Stege
mit diesem Bauteil fest verbunden.
1. Zweitakt-Hubkolbenbrennkraftmaschine mit mindestens einem in einem Gehäuse befindlichen
Zylinder, in dem ein Kolben beweglich geführt ist, der eine Kolbenstange aufweist,
die über eine Kraftübertragungsvorrichtung mit einer im Gehäuse gelagerten Kurbelwelle
in Wirkungsverbindung steht, dadurch gekennzeichnet, dass die Kraftübertragungsvorrichtung
aus einem mit der Kolbenstange verbundenen, balkenartigen, sich quer zur Kurbelwelle
erstreckenden sowie eine gegen die Kurbelwelle gewölbte Gleitbahn aufweisenden Bauteil
und einem auf einem Kurbelzapfen der Kurbelwelle gelagerten, an der Gleitbahn anliegenden
Gleitstein besteht und dass der balkenartige Bauteil an im Gehäuse vorhandenen Führungsflächen
abgestützt ist.
2. Maschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass am balkenartigen Bauteil Gleitschuhe
angelenkt sind, die sich an den Führungsflächen abstützen.
3. Maschine nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der balkenartige Bauteil
so dimensioniert ist, dass er während seiner Bewegung zwischen den Wangen des Kurbelzapfens
eintauchen kann.
4. Maschine nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der balkenartige
Bauteil im Bereich der Gleitbahn einen Flansch bildet, den der Gleitstein seitlich
umklammert.
5. Maschine nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass am balkenartigen
Bauteil Hilfsführungslager angeordnet sind, die sich an den Führungsflächen abstützen.