[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf Abstandstextilmaterial, dessen Herstellung
und Verwendung, insbesondere als Ersatz von Kunststoffmaterialien mit geschäumten
Anteilen oder mehrlagigen Textilien.
[0002] Kunststoffmaterial mit geschäumten Anteilen ist von grosser Bedeutung in der Technik.
Sie verfügen einmal über eine gute Isolationsfähigkeit wegen des grossen Luftanteils.
Wird ein elastischer Kunststoff geschäumt, kann das Produkt z. B. für Polsterungen
verwendet werden, für Sitze, Lehnen usw., oder auch für Fahrzeughimmelbezüge, die
im Falle eines Unfalls die Insassen vor den schlimmsten Folgen des Zusammenpralls
mit der Dachkonstruktion schützen müssen. Geschäumte Materialien können auch saugfähig
sein und dann u. a. auch im medizinischen Sektor als Verbandsstoffe oder im Inkontinenzbereich
Anwendung finden.
[0003] Problematisch ist jedoch in jüngster Zeit die Entsorgung der geschäumten Materialien
geworden. Insbesondere bei Projekten, die auf vollständige Wiederverwertbarkeit der
verwendeten Materialien ausgerichtet sind, sind oft gerade die geschäumten Kunststoffe
ein grosses Hindernis.
[0004] Ein weiteres, bekanntes Problem besteht darin, dass geschäumte Materialien oft zur
Stabilisierung oder aus ästhetischen Gründen oberflächlich verkleidet werden mussten.
Dazu war es nötig, das Oberflächenmaterial getrennt herzustellen und mit dem Schaumstoff
zu verbinden, bzw. diesen eine Hülle aus dem Oberflächenmaterial einzuführen.
[0005] Ähnlich war es auch bekannt, Textilartikel grösserer Dicke durch das nachträgliche
Verbinden mehrerer Lagen von Geweben und/oder Gestricken herzustellen. Das nachträgliche
Verbinden macht jedoch diese Technik aufwendig und teuer und in bestimmten Anwendungen,
wo exaktes, strukturparalleles Ausrichten gefordert ist, nicht anwendbar.
[0006] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Material zur Verfügung zu stellen,
das anstelle geschäumter Materialien eingesetzt werden kann.
[0007] Ein derartiges Material ist in den Ansprüchen 1 und 2 beschrieben. Weitere bevorzugte
Ausführungs- und Verwendungsformen sind in den weiteren Ansprüche beschrieben. Demgemäss
besteht das sogenannte Abstandstextilmaterial aus mindestens zwei Deckschichten, die
durch eine Polfadenstruktur verbunden sind.
- Fig. 1
- zeigt den prinzipiellen Aufbau eines erfindungsgemässen Abstandstextilmaterials im
Schnitt, und
- Fig. 2 bis 9
- zeigen die Polfadenbindungen einiger Ausführungsformen.
[0008] Das Abstandstextilmaterial besteht im Prinzip aus zwei Deckschichten 1 und 2, bevorzugt
aus Maschenware, die durch eine Polfadenstruktur 3 verbunden sind. Derartige Abstandstextilmaterialien
und ihre Herstellung auf Webmaschinen sind z. B. für die Herstellung von Teppichen
bekannt, bei denen jedoch die Polfadenstruktur durchgetrennt wird und dann die Teppichoberseite
bildet. Es wird daher im weiteren auf die Herstellung nicht im Einzelnen eingegangen.
Ueberraschend ist die Erkenntnis, dass das Abstandstextilmaterial ohne weiteres Schaumstoffe
ersetzen kann, und diese in der Einstellbarkeit der Eigenschaften sogar noch übertrifft,
wie unten erläutert werden wird. Gegenüber den bekannten mehrlagigen Textilmaterialien
zeigt das erfindungsgemässe Material einmal den Vorteil, das durch die integrale Herstellung,
wobei der zusätzliche, aufwendige Verbindungsschritt entfällt, die einzelnen Schichten
mit genau vorhersagbarem Strukturversatz, insbesondere exakt parallel, angelegt werden
können. Durch die Polfadenstruktur sind darüber hinaus auch grössere Dicken möglich,
ohne oder nur mit geringfügig erhöhtem Materialeinsatz.
[0009] Das Prinzip der Herstellung von Abstandstextilmaterialien auf Wirkmaschinen, wie
z. B. in Kettenwirkpraxis
4 (1970) S. 19-20 beschrieben, aber auch auf Doppelgreiferwebmaschinen ist bekannt.
Die bisher unbekannte, erfindungsgemässe Herstellung von Abstandstextilmaterialien
auf Strickmaschinen erlaubt dagegen in wesentlich erweitertem Ausmass die Ausbildung
von flächigen, zweieinhalb- und/oder dreidimensionalen Strukturen, z. B. regelmässigen
oder unregelmässigen Durchbrechungen, Löchern, Schlitzen, Laschen, Noppen, Formkörpern
etc. Damit wird natürlich eine nachträgliche mechanische Formgebung nicht ausgeschlossen,
insbesondere in Verbindung mit einer das Material versteifenden Ausrüstung, die es
beispielsweise thermisch verformbar macht. Es können auch noch zusätzliche Zwischenschichten
eingefügt werden, die untereinander und mit den Deckschichten durch Polfadenstrukturen
verbunden sind.
[0010] Figg. 2 bis 6 zeigen einige bevorzugte Ausführungen der Erfindung in Schemata, in
denen der Polfadenverlauf bezüglich der Nadeln, die zur Herstellung der Deckschichten
1, 2 ganz oder anteilsweise als Maschenware verwandt werden, und/oder der Kettfäden
4 in den Deckschichten 1, 2 dargestellt ist. Aus Gründen der Übersicht sind die Deckschichten
selbst nicht dargestellt. Im weiteren wird die Erklärung der Einfachheit halber in
Begriffen der Maschenware entsprechend der bevorzugten Ausführung ausgeführt, wodurch
die Erfindung jedoch nicht eingeschränkt wird. Bei gewobenen oder Webanteile enthaltenden
Deckschichten sind die entsprechenden Äquivalente aus der Webtechnik sinngemäss einzusetzen,
wie Kettfaden für Nadel oder Stäbchen, Schuss für Reihe usw.
[0011] In Fig. 2 ist die Polfadenstruktur nur über jede zweite Nadel (oder Kettfaden) 4
geführt. Zur Verfestigung ist ein zweiter Polfaden 6 versetzt dazu geführt. Möglich
ist auch eine versetztes Verlegen des Polfaden in verschiedenen Reihen, wobei auch
beliebige andere Aufteilungen möglich sind, die auch wechseln können. Als Beispiele
seien genannt:
- Polfaden auf jeder dritten Nadel;
- Polfaden auf jeder vierten Nadel; Abfolge der verwendeten Nadeln nach Reihen 1-3-2-4-...
[0012] Möglich ist es auch, den Polfaden über zwei oder mehr benachbarte Nadeln zu führen
und erst dann wieder in die andere Deckschicht einzubinden oder den oder die Polfäden
über oder auf willkürlich gewählte Nadeln zu führen bzw. zu hängen. Insbesondere mit
einem steiferen Polfadenmaterial ergibt sich ein geschwungener Verlauf der Polfäden
in der Art einer Wellenlinie. Werden dabei zwei komplementäre Polfadenverläufe verwandt,
so ergeben sich in der Polfadenstruktur röhrenförmige Gebilde, wie sie in Fig. 2 bereits
angedeutet erkennbar sind. Insbesondere beim Führen über zwei oder mehr benachbarte
Nadeln kann auch das Umschlingen entfallen, anstatt dessen wird der Polfaden nur über
die Nadeln gelegt oder in die jeweilige Deckschicht mit einer Webbindung eingebunden.
Im Detail ist eine derartige Ausführung in den Figg. 8 und 9 gezeigt. Der Polfaden
5 ist um drei Nadeln (oder Kettfäden) der einen Deckschicht 1 geführt und damit mit
ihr verbunden. Über sechs Nadeln hinweg ist der Polfaden 5 dann frei zur anderen Deckschicht
6 geführt und dann wieder über drei Nadeln in diese eingebunden. Insgesamt ist der
Polfaden 5 also über einige, hier drei, Nadeln in eine Deckschicht eingebunden, wird
dann über eine gewisse, bevorzugt demgegenüber grössere, Anzahl Nadeln zur anderen
Deckschicht geführt, dort eingebunden usw. Die Einbindungsbreite sowie die Länge des
Polfaden für den Wechsel von einer zur anderen Deckschicht kann dem jeweiligen Zweck
in weiten Grenzen angepasst werden.
[0013] Eine interessante Ausführung ist die Verwendung von verschiedenen Materialien für
Deckschicht und Polfaden. Wird der Polfaden aus einem relativ steifen Material, z.
B einem Monofilament, ausgeführt, und die Deckschichten aus einem Material, das sich
bei erhöhter Temperatur verkürzt, so kann durch Erhitzen eine Kontraktion der Deckschichten
erzielt werden, wobei aber das Polfadenmaterial im wesentlichen unverändert bleibt.
Der Polfaden wird dabei ebenfalls auf eine kürzere Distanz zusammengezogen, wie es
Figg. 8 und 9 entsprechend vor bzw. nach der Wärmebehandlung zeigen. Die Verwendung
eines steifen Monofilaments wirkt einem Zusammenfalten entgegen, so dass der Polfaden
im wesentlichen seinen gestreckten Verlauf beibehält und dadurch die Deckschichten
auseinanderdrückt und im Inneren bei paralleler Führung der Polfäden röhrenförmige
Strukturen ausbildet (Fig. 9). Insgesamt kann ein solches Textilstück also durch Erhitzen
von einer relativ kompakten Form in eine aufgeblähte Form mit grossem Luftanteil,
gegebenenfalls mit röhrenförmigen Strukturen, überführt werden.
[0014] Eine weitere Möglichkeit besteht darin, nur eine Deckschicht aus thermisch kontraktiblem
Material herzustellen. Beim Erwärmen ergibt sich der obengenannte Effekt, aber, da
sich nur eine Seite des Textilstücks zussammenzieht, zugleich auch eine Krümmung oder
Wölbung, je nachdem, ob das gesamte Material oder gegebenenfalls nur die Kett- oder
Schussfäden aus dem thermisch beeinflussbaren Material bestehen. Anstatt eines thermisch
sensitiven Materials können auch Materialien verwendet werden, die auf andere chemische
und/oder physikalische Einflüsse mit einer Längenänderung reagieren.
[0015] Fig. 3 zeigt sägezahnartig geführte Polfäden, die ein besonders voluminöses Füllvolumen
ergeben. Um ein Verrutschen der beiden Deckschichten zu verhindern, werden die Polfäden
vorteilhaft in bestimmtem Rhythmus entgegengesetzt gelegt.
[0016] Fig. 4 zeigt auch eine sägezahnförmige Verlegung des Polfadens 5, und zwar hier im
Wechsel mit zwei anderen Polfädenverläufen 6, die die übrigen Nadeln 4 belegen, wahlweise
in der gleichen oder in darauffolgenden Reihen.
[0017] Fig. 5 zeigt eine Struktur, die eine mit zwei Polfadenstrukturen 9, 10 gehaltene
Mittelschicht 8 aufweist. Die Struktur kann durch die zwei verschiedenen Polstrukturen
9, 10 nach den zwei Seiten hin verschiedenes Verhalten aufweisen. Es ist auch möglich,
z. B. unterhalb der oberen Nadelreihe 1 abzuscheren, etwa längs der Scherlinie 11,
wonach sich auf dieser Seite eine Plüschoberfläche ergibt. Mit einer zusätzlichen
Behandlung wie Rauhen kann die Oberfläche weiter an den Verwendungszweck angepasst
werden.
[0018] Fig. 6 zeigt eine Ausführung mit verschieden hohen Polfadenstrukturen, einer dünneren
9 und einer dickeren 10, die auch in verschiedener Nadelteilung ausgeführt sind. Die
dünnere Polfadenstruktur 9 ist dabei auf einer engeren Nadelteilung 1, 8 ausgeführt,
wobei auch alle Nadeln vom Polfaden 5 umschlungen werden. Damit ist diese Struktur
trotz der geringen Dicke relativ fest und dicht. Die zweite Polfadenstruktur 10 verbindet
die engere Teilung der Mittelschicht 8 mit der weiteren Teilung der unteren Deckschicht
2. Dabei wird von der unteren Deckschicht 2 jede zweite Nadel vom Polfaden belegt
und von der Nadelreihe der Mittelschicht 8 jede vierte bei einem angenommenen Teilungsverhältnis
1:2. Fig. 7 zeigt noch eine Erweiterung, bei der eine weitere Polfadenstruktur 12
vorhanden ist, so dass zwei verdeckte Mittelschichten 14, 15 vorhanden sind. Ausserdem
ist hier nur die Nadelreihe 7 der oberen Deckschicht mit einer engeren Teilung ausgeführt,
die Nadelreihen der anderen Deckschichten 14, 15 und 2 haben gleiche Teilung.
[0019] Die genannten Beispiele zeigen die sich ergebende Vielfalt an Ausführungsformen und
sind im Rahmen der Erfindung miteinander kombinierbar. Die nicht dargestellten Deck-
und Mittelschichten können Maschenware, Webware oder Mischformen davon in allen bekannten
Varianten sein. Bei Webschichten kann mit modernen Maschinen auch eine für Maschenware
typische Umschlingung der Kettfäden zur Einbindung der Polfäden durchgeführt werden,
oder die Polfäden werden mit einer der bekannten Webbindungen eingebunden.
[0020] Als Ausgangsmaterialien eignen sich alle heute bekannten und auf den genannten Maschinen
verarbeitbaren Fadenmaterialien, wie Mono-, Multifilamente sowie Mehrkomponentenfilamente.
Als Basismaterial eignen sich natürliche und synthetische Fasern, aber auch z. B.
Drähte oder mineralisches Material wie Glas oder Steinfasern. Das Fadenmaterial kann
noch umsponnen, ummandelt, umwunden und/oder oberflächlich beschichtet sein. Kettfäden
werden dabei, insbesondere bei natürlichen Fasern, bevorzugt vor der Verarbeitung
geschlichtet und das Abstandstextilmaterial wieder entschlichtet.
[0021] Die Polfadenstruktur trägt die für geschäumte Materialien charakteristischen Merkmale
bei, um die wichtigsten zu nennen: grosser Luftanteil, elastisches Verhalten, Saugfähigkeit.
Je nach dem für die Polfadenstruktur verwendeten Material oder der Nachbehandlung
kann eine der Eigenschaften auch in den Vordergrund gerückt werden. Durch die Verwendung
von insbesondere natürlichen Fasern lässt sich auch ein hautfreundliches Textilmaterial
hoher Saugfähigkeit realisieren, wodurch es beispielsweise im Inkonsistenzbereich
oder als Unterlage gegen Wundliegen in Krankenhäusern verwendbar ist. Das Polfadenmaterial
kann auch durch chemische oder physikalische Methoden nachträglich reversibel oder
irreversibel veränderbar sein. Als Beispiel sei die Verwendung eines temperaturempfindlichen
Material in der Polfadenstruktur anggeeben, das z. B. bei Temperaturerhöhung seine
Länge ändert. Damit ergibt sich ein Abstandsmaterial, dessen Dicke temperaturabhängig
ist, wodurch z. B. eine Isolationswirkung automatisch der Temperatur angepasst werden
kann. Das Material kann auch nicht oder nur teilweise umkehrbar reagieren.
[0022] Ein wesentlicher Vorteil des Abstandstextilmaterial besteht darin, dass eine grosse
Zahl von Anpassungen an den vorgesehenen Einsatzzweck bereits simultan mit der Herstellung
durchgeführt werden kann. Die einfachste Möglichkeit besteht in der Wahl des Fadenmaterials
oder anderer klassischer Prozessparameter der Herstellung. Die mechanischen und physiologischen
Eigenschaften können damit bereits in weiten Grenzen variiert werden. Z. B. erhöht
ein steiferes Fadenmaterial für die Polfadenstruktur die Schlagabsorptionsfähigkeit,
et vice versa. Alternativ kann auch die Polfadendichte, d. h. die Anzahl der Fäden
pro m² erhöht bzw. verringert werden. Eine Anwendung ergibt sich allgemein als Füll-,
Polster- oder Isoliermaterial beispielsweise in der Auto- oder Bekleidungsindustrie.
Da während der Herstellung ohne Probleme auch die Länge der Polfäden und damit die
Dicke des Abstandstextilmaterials verändert werden kann, ist es möglich, einer Körperform
angepasste oder diese ausgleichende Polster herzustellen.
[0023] Während der Herstellung kann bereits ein Füllmaterial, insbesondere ein festes, z.
B. granular oder pulverförmig vorliegendes, in die Polfadenstruktur eingeführt werden,
wodurch sich auch bei grossen, am Stück hergestellten Längen eine gleichmässige Verteilung
des Füllstoffs ergibt. Denkbar ist auch, den Füllstoff auf geeignete Art und Weise
nach der Herstellung des Abstandstextilmaterials durch Wärme, Strahlung etc. zu aktivieren,
entweder um ihn in eine andere, eine bestimmte Funktion erfüllende Form zu überführen,
oder mit seiner Hilfe die Eigenschaften der Polfadenstruktur oder der Deckschichten
von innen her zu verändern. Das Abstandstextilmaterial kann auch nachträglich beschichtet
werden und/oder die Polfäden können oberflächlich modifiziert durchzuführen. Weitere
Beinflussungsmöglichkeiten sind dem Fachmann aus dem oben gesagten zugänglich und
werden vom Erfindungsgedanken eingeschlossen.
[0024] Das Abstandstextilmaterial kann auch als Filtermaterial dienen, wobei durch entsprechende
Vorbehandlung des Fadenmaterials für die Polfadenstruktur und/oder Nachbehandlung
des Abstandstextilmaterials noch besondere Eigenschaften ausgebildet werden können.
Z. B. kann in die Polfadenstruktur Aktivkohle eingeblasen oder auch bereits bei der
Herstellung der Polfadenstruktur eingebracht werden. Auch das Einbringen eines Katalysators
auf eine der genannten Methoden ist möglich. Anwendungen ergeben sich z. B. im Bereich
der Luft-, Gas- und Staubfilter und der chemischen Prozesstechnik.
[0025] Eine weitere Möglichkeit besteht im Tränken der Polfadenstruktur oder auch des gesamten
Abstandstextilmaterials, wodurch sich, je nach Art und Menge des Tränkungsmaterials,
mehr eine Ummantelung der Fäden oder ein Ausfüllen der Hohlräume ergibt. Damit können
alle Materialien zwischen einem grossvolumigen Material mit hohem Luftanteil und beschichteten
Fäden bis zu einem vollständig gefüllten Körper, z. B. in der Art eines Faserverbundartikels,
hergestellt werden. Die Verwendung eines aushärtenden Tränkungsmittels, etwa eines
Harzes, Kunstharzes, Thermoplasts usw. erlaubt die Herstellung eines gemäss der Aushärtung
versteiften Textilmaterials mit durch die übrigen Herstellungsparameter einstellbaren
Luftanteil. Mit dem Abstandstextilmaterial kann dabei die Dicke und das Material gemäss
dem Anforderungsprofil in weiten Grenzen frei, aber wohldefiniert eingestellt werden.
[0026] Eine partielle Tränkung kann zur Modifikation des Verhaltens gegenüber dem durch
die Polfadenstruktur streichenden Medium, insbesondere Flüssigkeiten oder Gase, benutzt
werden, z. B. bei Filtern, um bestimmte Stoffe abzutrennen, oder für katalytische
Wirkungen, oder es können die mechanischen Eigenschaften des Abstandstextilmaterials
verändert werden. Eine auf diese Art stabilisiertes Abstandstextilmaterial, das trotzdem
noch eine recht lockere Polfadenstruktur aufweist, kann z. B. für Hinterlüftungszwecke
Anwendung finden, oder in Anwendungen mit erhöhten mechanischen Anforderungen, insbesondere
bezüglich Reissfestigkeit und Schlagabsorption, eingesetzt werden. Auch eine Mehrfachbehandlung
ist denkbar. Weiter kann das Abstandstextilmaterial durch eine derartige Behandlung
zusätzlich zur Wahl des geeigneten Materials gegen Umwelteinflüsse resistent gemacht
werden, wie Hitze (Feuer) oder agressive chemische Stoffe, und wegen seiner Isolationswirkung
und Saugfähigkeit in Schutzbekleidung und anderen technischen Verkleidungen, wie z.
B. Maschinenenabdeckungen, Verwendung finden.
[0027] Eine dreidimensionale Formgebung ist in beschränktem Umfang durch Variation der Polfadenlänge,
-dichte und/oder des Polfadenmaterials möglich. Weitgehende Freiheit der Formgebung
ist durch die bekannten Techniken der Formgebung auf Strick- und Wirkmaschinen gegeben,
wie z. B. Zunehmen und Abnehmen von Maschen. Offensichtlich benötigt die Formgebung
hierbei keinen zusätzlichen Prozessschritt. Es ist auch möglich, einen der späteren
Formung angepassten Vorformling herzustellen. Dieser kann später mechanisch in die
gewünschte Form gebracht und fixiert werden. Eine gesteuerte Verformung ist auch durch
die Wahl geeigneter, an sich bekannter Fadenmaterialien möglich, die auf chemische
oder physikalische Einflüsse reagieren, wie z. B. Temperatur oder Azidität. Zur Formfixierung
kann, wenn die Eigenstabilität des Materials nicht genügt, einmal das Tränken mit
einem aushärtenden Material oder eine der anderen üblichen Techniken angewandt werden,
wie z. B. Thermofixierung.
[0028] Da die Deckschichten ein Gewebe oder Maschenware sind, können die von daher bekannten
Techniken zur Farbgebung, Musterung und Strukturierung angewandt werden. Es ist damit
z. B. möglich, ästhetisch ansprechende Verkleidungen aus dem Abstandstextilmaterial
direkt von der Maschine herzustellen. Anwendungen ergeben sich z. B. für Innenbezüge
von Autodächern, Polsterungen und andere Verkleidungen. Das Abstandstextilmaterial
kann auch beschichtet oder laminiert werden. Die Deckschichten können z. B. mit Plüsch
ausgestattet sein. Beflocken, Bedrucken usw. sind ebenfalls möglich.
[0029] Durch die Wahl des geeigneten Materials für die Deckschichten und die verbindende
Polfadenstruktur lässt sich das Abstandstextilmaterial an die verschiedensten Anwendungen
anpassen, die bisher eine Domäne der geschäumten Materialien waren. Zusätzliche Vorteile
ergeben sich daraus, dass für das Fadenmaterial eine breitere Palette von Ausgangsstoffen
zur Verfügung steht als für schäumungsfähiges Material. Insbesondere natürliche Materialien
bieten sich für wiederverwertungsfähiges Abstandstextilmaterial an. Anwendungen ergeben
sich für alle Anwendungsgebiete geschäumter Materialien bzw. Mehrlagentextilien, wie
besonders Filter; Schalldämmung; Schaumsubstitute, besonders für Laminate oder Kachierungen;
Hinterlüftungen; Verkleidungen; klinische und medizinische Anwendungen wie Inkontinenz,
Vermeiden von Wundliegen, Verbandsstoffe; Matratzen und Decken, Heizdecken; Schuhsohlen
und Einlagen; Polsterungen; Abstandshalter; Klimazonen: Abdeckungen und Bezüge im
Fahrzeugsektor, wie Cabrioverdecke, Fahrzeughimmel, Sitzbezüge; zweieinhalbdimensionale
Produkte, beispielsweise Mehrwegwindelhöschen.
[0030] Eine interessante Anwendung des Materials ist die Auskleidung von Radkästen. Dafür
wird es einmal dreidimensional entsprechend der Radkastenform geformt oder auch in
einer gesteuerten Stricktechnik durch Maschenzunahme und -abnahme in diese Form gebracht.
Durch Verfestigen, z. B Tränken mit einem Thermoplast oder auch die Verwendung thermisch
härtbaren Polfadenmaterials wird es durch Erwärmen in dieser Form fixiert. Vorteilhaft
kann dieses Erwärmen auch erst geschehen, nachdem das Material im Radkasten angebracht
worden ist. Denkbar wäre u. a. auch eine photochemische Härtung, z. B. durch ultraviolette
Strahlung. Bevorzugt weist das Material eine rauhe Oberfläche auf und erlaubt das
Eindringen von Spritzwasser in die Polfadenstruktur, in dem es dann wieder ablaufen
kann. Dadurch wird die Verwirbelung des Spritzwassers wesentlich reduziert. Die dem
Rad abgewandte Seite wird bevorzugt wasserundurchdringlich ausgeführt.
[0031] Weitere Anwendungen gegenüber den bekannten Materialien ergeben sich zwanglos aus
dem oben gesagten. Beispiel sei die Herstellung eines Formkörpers mit grossem Luftanteil
aus einem harzgetränkten Abstandstextilmaterial.
1. Abstandstextilmaterial mit einer oberen und einer unteren Deckschicht (1,2), die durch
mindestens eine Polfadenstruktur (3) verbunden sind, dadurch gekennzeichnet, dass
die Deckschichten (1, 2) und die Polfadenstruktur (3) aus Strickware oder aus Strick-
und Webanteile aufweisendem Material bestehen, und dass es aus natürlichen, mineralischen,
metallischen oder synthetischen Fadenmaterialien wie auch Mono- oder Multifilamenten
oder Mehrkomponentenfadenmaterialien aus mindestens einem der vorgenannten Materialien
besteht, die gegebenenfalls umzwirnt, ummantelt oder sonstwie oberflächlich beschichtet
sind.
2. Abstandstextilmaterial für technische und sanitäre Artikel, dadurch gekennzeichnet,
dass es eine obere und eine untere Deckschicht (1,2) , die durch mindestens eine Polfadenstruktur
(3) verbunden sind, aufweist, dass die Deckschichten (1, 2) und die Polfadenstruktur
(3) Web- oder Maschenware oder Mischformen davon sind, und dass es aus natürlichen,
mineralischen, metallischen oder synthetischen Fadenmaterialien wie auch Mono- oder
Multifilamenten oder Mehrkomponentenfadenmaterialien aus mindestens einem der vorgenannten
Materialien besteht, die gegebenenfalls umzwirnt, ummantelt oder sonstwie oberflächlich
beschichtet sind.
3. Abstandstextilmaterial gemäss Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens
eine textile Zwischenschicht (8) zwischen den Deckschichten (1, 2) vorhanden ist,
die mit den Deckschichten und/oder weiteren Zwischenschichten über Polfadenstrukturen
(9, 10) verbunden ist.
4. Abstandstextilmaterial gemäss einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
dass die Deckschichten (1, 2) flächige Strukturen, insbesondere Musterungen, Strukturvariationen
und/oder Farbvariationen aufweisen, und/oder das Abstandstextilmaterial zweieinhalb
oder dreidimensional geformt ist, insbesondere Dickenschwankungen aufweist oder als
dreidimensional ausgeformter Formling vorliegt.
5. Abstandstextilmaterial gemäss einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
dass ein Material eines Polfadens derart gewählt ist, dass es auf chemische oder physikalische
Einflüsse reversibel, teilreversibel oder irreversibel reagiert.
6. Abstandstextilmaterial gemäss einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
dass die Polfadenverläufe mindestens einer Deckschicht regelmässig oder unregelmässig
variierend ausgeführt sind.
7. Abstandstextilmaterial gemäss einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet,
dass mindestens eine Deckschicht und/oder Mittelschicht und/oder Polfadenstruktur
aus mindestens zwei verschiedenen Materialien besteht.
8. Abstandstextilmaterial gemäss einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet,
dass in der Polfadenstruktur Füllstoffe, chemische Reagentien und/oder eine physikalische
Wirksamkeit besitzende Stoffe eingelagert sind.
9. Verfahren zur Herstellung des Abstandstextilmaterials gemäss einem der Ansprüche 1
bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Fadenmaterial vor der Herstellung des Textilmaterials
geschlichtet und nach der Verarbeitung wieder entschlichtet wird.
10. Verfahren zur Herstellung des Abstandstextilmaterials gemäss einem der Ansprüche 1
bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Polfadenstruktur und/oder mindestens eine
der Deckschichten mit mindestens einem flüssigen, gasförmigen, schüttbaren oder staubförmigen
Stoff durchsetzt wird, der die Oberfläche des Materials der Polfadenstruktur oder
der Deckschicht in ihren chemischen und/oder physikalischen Eigenschaften modifiziert
und/oder im Abstandstextilmaterial entweder in der ursprünglichen oder in einer chemisch
veränderten Form verbleibt.
11. Verfahren zur Herstellung des Abstandstextilmaterials gemäss Anspruch 10, dadurch
gekennzeichnet, dass es schwerentflammbar, wasseranziehend oder -abstossend und/oder
resistent gegen Chemikalien ausgerüstet wird.
12. Verfahren zur Herstellung des Abstandstextilmaterials gemäss einem der Ansprüche 1
bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass für mindestens eine Polfadenstruktur ein erstes
Material und für mindestens eine Deckschicht ein zweites Material verwendet wird,
wobei erstes und zweites Material sich in ihrer Reaktion auf eine physikalische und/oder
chemische Einwirkung unterscheiden, und dass nach der mechanischen Erstellung des
Textils diese physikalische oder chemische Einwirkung erfolgt, wodurch sich die Geometrie
und/oder Struktur des Textilmaterials ändert.
13. Verfahren zur Herstellung des Abstandstextilmaterials gemäss Anspruhe 12, dadurch
gekennzeichnet, dass das Textilmaterial erhöhter Temperatur ausgesetzt wird, bei der
sich das zweite Material im wesentlichen kontrahiert.
14. Verwendung des Abstandstextilmaterials gemäss einem der Ansprüche 1 bis 8 als Ersatz
für geschäumte Materialien oder geschäumte Materialien enthaltende Produkte sowie
für grossvolumige Faserverbundartikel.
15. Verwendung des Abstandstextilmaterials gemäss einem der Ansprüche 1 bis 8 für technische
Anwendungen, medizinische Anwendungen oder als Material für dekorative Zwecke.
16. Verwendung des Abstandstextilmaterials gemäss Anspruch 14 oder 15 für schockabsorbierende
Verkleidungen, Filter, Schalldämmung, Wärmedämmung, Hinterlüftung, Isolierung, Verkleidungen,
Polsterungen, elastische und unelastische Stossenergieabsorber, stoffabsorbierende,
-freigebende oder -austauschende Artikel oder chemisch aktive Artikel wie Katalysatoren
oder Ionenaustauscher.
17. Verwendung des Abstandstextilmaterials gemäss Anspruch 15 für Inkontinenzartikel,
Verbandsmaterialien, Schuhsohlen, Einlagen, Schutzkleidung, insbesondere mit isolierender
oder mechanische Einwirkungen abfangender Wirkung, und/oder Polsterungen.
18. Verwendung des Abstandstextilmaterials gemäss einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch
gekennzeichnet, dass es zum Ausgleich, zur Betonung und/oder zur Abpolsterung von
Oberflächenkonturen angewandt wird.
19. Verwendung des Abstandstextilmaterials gemäss einem der Ansprüche 1 bis 8 für die
Auskleidung von Radkästen.