[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Reinigung von beschichteten oder unbeschichteten
flexiblen bewegten Warenbahnen durch vier Entstaubungswalzen, die an einem Drehkreuz
drehbar befestigt und etwa 90° gegeneinander versetzt angeordnet sind, wobei die Warenbahn
über zwei Entstaubungswalzen gleichzeitig geführt wird und wobei gleichzeitig mindestens
eine nicht von der Warenbahn umschlungene Walze reinigbar ist sowie ein Verfahren
zur Reinigung von Warenbahnen mittels der erfindungsgemäßen Vorrichtung.
[0002] Bei der Beschichtung von Warenbahnen, etwa Folien- oder Papierhahnen mit fotografischen
Emulsionen oder magnetischen Beschichtungen oder anderem ist es, um Begußfehler und
Begußstörungen zu vermeiden, erforderlich, die Bahnen vor der Beschichtung zu reinigen.
Jedes Staubpartikelchen, das auf der Bahn haftet, verursacht an der Gießeinrichtung,
wenn es sich festsetzt, Streifen durch unterschiedliche und ungleichmäßige Dicken
der Auftragsschicht oder führt, wenn es mit in die Schicht eingegossen wird, zu Fehlstellen,
den sogenannten Dropouts. Dadurch können wichtige Bild- oder Toninformationen unbrauchbar
gemacht werden. Zur Reinigung der Bahnen vor der Beschichtung sind verschiedene Verfahren
möglich. Die Bahnen können abgebürstet, mit Luft abgeblasen und/oder abgesaugt werden
oder die Partikel durch statische Elektrizität abgenommen werden. Diese sogenannten
trocknen Verfahren zur Entfernung von Staubpartikeln haben aber nur einen geringen
Effekt und können leicht zur Beschädigung der Bahn durch Kratzer führen.
[0003] In einem anderen Verfahren wird die Bahn elektrostatisch aufgeladen und über Entstaubungswalzen
geleitet, die dann geerdet oder mit einer umgekehrten Ladung versehen werden. Die
Walzen sind an ihrer Oberfläche mit einer leitenden Kunststoff- oder Gummimischung
versehen, welche die Staubteilchen anzieht und auf dem Walzenumfang festlegt. Nach
einer gewissen Laufzeit müssen die Walzen gereinigt werden, um sie von den angesammelten
Staubteilchen zu befreien. In einem kontinuierlichen Betrieb werden daher mindestens
zwei Entstaubungswalzen vorgesehen, so daß stets mindestens eine Walze die Bahn entstaubt,
während die andere gereinigt wird.
[0004] Eine Vorrichtung der oben genannten gattungsmäßigen Art ist aus der DE-OS 31 05 363
bekannt. Dabei wird die Folienbahn elektrostatisch aufgeladen und mit einer Schichtseite
über zwei um 90° gegeneinander versetzt angeordnete drehbare Walzen geführt, deren
leitender Überzug entgegengesetzt aufgeladen ist, so daß der an der Folienbahn anhaftende
Schmutz von den Walzen angezogen und aufgenommen wird. Haben die Walzen genügend Staub
aufgenommen, so wird das Drehkreuz um 90° gedreht und eine der Walzen wird in einer
Sprüh- und Absaugvorrichtung von dem anhaftenden Schmutz gereinigt, während gleichzeitig
eine neue gereinigte Walze in den Verlauf der Warenbahn eingeschwenkt ist. Die Reinigungsvorrichtung
ist mit einer Traversier-Einrichtung zum Entstauben der Walzen über die Walzenbreite
versehen. Die geschilderte Vorrichtung weist den Nachteil auf, daß die Warenbahn nicht
beidseitig gereinigt werden kann. Außerdem beinhaltet die Aufladung der Warenbahn
sowie der Entstaubungswalzen entsprechende apparative und konstruktive Maßnahmen.
[0005] In der DE-OS 23 17 325 ist eine Wickelmaschine zum Aufwickeln von kontinuierlich
erzeugten Folienbahnen mit im Maschinengestell einander gegenüberliegend angeordneten
um eine Achse verstellbaren Wickelsternen beschrieben, die einander zugeordnete und
in Bezug auf die Achse diametral gegenüberliegende Aufnahmen für Wickelkerne aufweisen.
Derartige Vorrichtungen sind als sogenannte Wendewickler aus dem Stand der Technik
mannigfach bekannt.
[0006] Der Erfindung lag die Aufgabe zugrunde, eine Reinigungsvorrichtung der eingangs genannten
gattungsmäßigen Art zu finden, welche nicht die beschriebenen Nachteile des Standes
der Technik hat, bei welcher insbesondere gleichzeitig beide Seiten der Warenbahn,
ob beschichtet oder unbeschichtet, gereinigt werden können und wobei gleichzeitig
die nicht von der Warenbahn umschlungenen Walzen auf einfache Weise reinigbar und/oder
ersetzbar sind.
[0007] Erfindungsgemäß wurde die Aufgabe gelöst mit einer Vorrichtung gemäß den im kennzeichnenden
Teil des Anspruchs 1 genannten Merkmalen sowie mit einem Verfahren zur Reinigung von
Warenbahnen mittels der erfindungsgemäßen Vorrichtung. Weitere Einzelheiten der Erfindung
gehen aus den Unteransprüchen, der Beschreibung sowie den Zeichnungen hervor.
[0008] Nachfolgend wird die Erfindung anhand der Zeichnungen näher erläutert und zwar zeigt
- Figur 1
- eine schematische Darstellung der erfindungsgemäßen Vorrichtung
- Figur 2
- eine Kupplungseinrichtung zur An- beziehungsweise Abkupplung des Walzenantriebes von
der drehbar gelagerten Walze.
[0009] Die von einer (nicht dargestellten) Abwickelrolle über eine Umlenkwalze (6) ankommende
Warenbahn (1) wird durch die erfindungsgemäße Reinigungsvorrichtung (5) sowie ausgezogen
dargestellt in Pfeilrichtung geführt. Die Reinigungsvorrichtung besteht aus einem
Drehteller, auf welchem an seinem Umfang jeweils um etwa 90° gegeneinander versetzt
drehbar gelagerte Wickelrollen (2, 2', 3, 3') angeordnet sind. Die Bahn ist dergestalt
eingefädelt, daß sie zunächst mit einer Seite über die erste Walze (2) läuft und anschließend
durch das Zentrum der Dreheinrichtung auf die diametral (unter 180°) gegenüberliegende
Walze (3') mit ihrer anderen Seite geführt wird und nachfolgend die Reinigungseinrichtung
verläßt. Die Walzen (2, 2', 3, 3') sind, wie bereits gesagt, drehbar gelagert, wobei
jeweils zwei nebeneinander um etwa 90° gegeneinander versetzte Walzen (2, 2') beziehungsweise
(3, 3') durch einen Treibriemen (7), welcher über eine Riemenscheibe (8) läuft und
über Achsen (11, 14) und ein Kupplungsdrucklager (10) mit der Reinigungswalze (2,
2', 3, 3') über ein Rutschkupplungslager (12) verbunden ist (Figur 2). Der Antrieb
der Walzen geschieht vorzugsweise nicht motorisch, sondern durch die über Reibungskräfte
von der bewegten Warenbahn auf die Antriebswalzen übertragbare Bewegungsenergie. Die
Achsen (11, 14) laufen in Kugellagern (12, 15, 16).
[0010] In einer besonders bevorzugten Ausführung haben die Walzen einen aus Kunststoff oder
Gummi bestehenden Überzug mit Klebehaftwirkung, dabei liegt die Härte des Walzenüberzugs
im Bereich von 20 - 35 Shore-A-Härte. Sind die beiden von der Warenbahn teilweise
umschlungenen Reinigungswalzen (2, 3') durch die aufgenommenen Staubteilchen verschmutzt,
so wird die Reinigungsvorrichtung entgegengesetzt der Richtung der ankommenden Warenbahn
beispielsweise mittels eines pneumatischen Drehzylinders um 180° gedreht, so daß die
bisher unbenutzten Walzen (2', 3) zum Eingriff mit der Warenbahn kommen und der gestrichelt
dargestellte Verlauf der Warenbahn (1') eintritt.
[0011] Mittels der in Figur 2 näher dargestellten Kupplungsvorrichtung können nun die verschmutzten
Klebewalzen (2, 3') ausgekuppelt werden, so daß die Walzen angehalten, mit üblichen
Methoden gereinigt oder bei Verschleiß der Oberfläche ausgetauscht oder erneuert werden
können. Die Kupplungsvorrichtung beinhaltet eine Druckplatte (17) sowie einen Hebel
(9), welche als Schnellspannvorrichtung mit dem Drehpunkt (13) das Drucklager (10)
von der Klebewalze mit Achse (11) abkuppelt, so daß der Riementrieb (7, 8) mit der
Achse (14) von der Klebewalze getrennt ist, wenn die Druckplatte in radialer Richtung
in die gestrichelte Position versetzt wird. Anschließend können durch Betätigung eines
(nicht gezeichneten) weiteren Kniehebels die Lagerhalbschalen des Lagers (15) gelöst
und die Achse (11) mit der Walze abgenommen werden.
[0012] Sobald die Reinigung beziehungsweise der Austausch bewerkstelligt ist, wird wieder
die Kupplungsverbindung mittels geeigneter Betätigung des Kniehebels (9) hergestellt,
und es ist möglich, wiederum die Reinigungseinrichtung (5) entgegen dem Bahnverlauf
der Warenbahn (1') um 180° zurückzudrehen, wie vorstehend bereits beschrieben.
[0013] Für ein ruckfreies, weiches Einkuppeln und Beschleunigen der gereinigten Klebewalzen
sowie zum Ausgleich unterschiedlicher Geschwindigkeiten zwischen Warenbahn und Klebewalzen
ist eine Rutschkupplung in Gestalt des Kugellagers (12) mit geeigneter Fettfüllung
erforderlich, so daß während des Betriebes sowie beim Einschwenken des Drehkreuzes
mit gereinigten beziehungsweise neuen Klebewalzen keinerlei Beschädigungen beispielsweise
durch Verkratzen der Warenbahn zu befürchten ist.
[0014] Die beschriebene Reinigungsvorrichtung eignet sich insbesondere auch bei hohen Bahn-
und Förderungsgeschwindigkeiten, so daß die eingangs gestellte Aufgabe vollständig
gelöst ist. Da beide Bahnseiten während des gesamten Betriebes gleichzeitig gereinigt
werden, ist auch die Rückseite stets frei von anhaftenden Staubpartikeln, so daß beim
Aufwickeln der beschichteten Warenbahn verhindert wird, daß etwaige an der Rückseite
anhaftende Staubteilchen unter Druck aufgewickelt und durch sogenanntes überkaschieren
zu Schichtbeschädigungen führen können.
[0015] Selbstverständlich ist es auch möglich, falls erforderlich, beschichtete Warenbahnen
mit der erfindungsgemäßen Reinigungsvorrichtung beidseitig zu reinigen, so daß die
erfindungsgemäße Vorrichtung sowohl vor der Beschichtungseinrichtung wie auch nach
dieser nach vorhergehender Trocknung der Warenbahn und vor oder nach eventuellen Nachbearbeitungsvorgängen,
wie Glätten, Kalandrieren oder Schleifen, einsetzbar ist.
1. Vorrichtung zur Reinigung von flexiblen bewegten Warenbahnen mit vier Entstaubungswalzen,
die an einem Drehkreuz drehbar gelagert befestigt und jeweils um etwa 90° gegeneinander
versetzt angeordnet sind, wobei die Warenbahn über zwei Entstaubungswalzen gleichzeitig
geführt wird und wobei gleichzeitig mindestens eine nicht von der Warenbahn umschlungene
Walze reinigbar ist, dadurch gekennzeichnet, daß alle vier Walzen (2, 2', 3, 3') jeweils
mit einer Achse (11) verbunden sind, welche mittels eines Kniehebels (9) von einer
koaxialen Antriebswelle (14) an- und abkuppelbar (10) sind, wobei jeweils die Antriebswellen
zweier benachbarter Entstaubungswalzen (2, 2') beziehungsweise (3, 3'), von denen
jeweils eine (2) von der Warenbahn (1) umschlungen und die andere (2') nicht von der
Warenbahn umschlungen ist, über eine Riemenscheibe (8) und einen angetriebenen Treibriemen
(7) miteinander verbunden sind.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Entstaubungswalzen einen
Kunststoffüberzug mit klebhaftender Wirkung aufweisen.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß der klebhaftende Überzug
eine Shore-Härte im Bereich von 20 - 35 Shore A besitzt.
4. Verfahren zur Reinigung von Warenbahnen mittels einer Vorrichtung gemäß den Ansprüchen
1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Warenbahn (1) mit ihrer einen Seite über
eine erste Entstaubungswalze (2) und mit ihrer anderen Seite über die diametral gegenüberliegende
Entstaubungswalze (3') geführt wird, daß die Warenbahn (1) die von ihr umschlungenen
Reinigungswalzen (2, 3') antreibt und daß nach Verschmutzung der beiden von der Warenbahn
beaufschlagten Entstaubungswalzen (2, 3') das Drehkreuz (5) entgegen der Richtung
der ankommenden Warenbahn (1) um 180° gewendet wird, so daß die Warenbahn (1') mit
zwei zwischenzeitlich gereinigten oder erneuerten Walzen (3, 2'), welche über den
Treibriemen (7) vorbeschleunigt worden sind, in Eingriff kommt und wobei anschließend
die vorher im Eingriff befindlichen Reinigungswalzen (2, 3') zum Stillstand gebracht
werden und anschließend gereinigt, abgenommen oder erneuert werden.