[0001] Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zum Beschichten von Bedruckstoffen in Mehrfarben-Offsetdruckmaschinen
mit mehreren Lackierwerken.
[0002] In der Zeitschrift FlexoDruck, 2-93, Seite 42-43, ist im Artikel "Goldlackdruck löst
Metall-Bronzierung ab" angegeben, daß in einer Mehrfarben-Offsetdruckmaschine mit
zwei sogenannten Lacktürmen eine Goldlackfarbe verarbeitet wurde. Dazu wurde ein Lackturm
als Flexodruckwerk umgerüstet, wobei mit konventioneller Lackiertechnik eine Flexodruckplatte
zum Beschichten eingesetzt wurde. Gegenüber der konventionellen Lackdosierung wurde
auf die Option zur Verwendung eines Kammerrakels hingewiesen.
[0003] Ein Auftragswerk für hochviskose, ölhaltige oder niedrigviskose wasserlösliche Schichten
ist aus der DE 3 906 648 A1 bekannt. Dieses Auftragswerk ist als Lackiereinrichtung,
wahlweise als Offset-, Hochdruck- oder Tiefdruckwerk ausgebildet. Die Ausführungen
gehen von einer strukturierten Schöpfwalze aus, die mit einem Rakelblatt korrespondierend
bzw. von einer Auftragwalze und einem strukturierten Formzylinder, der mit einem Rakelblatt
korrespondiert. Das Hochdruckwerk besteht dabei aus einer mit Näpfchen profilierten
Schöpfwalze, der ein Rakelblatt zugeordnet ist, einer Übertragwalze, der Glättwalzen
zugeordnet sind und einem Formzylinder mit Hochdruckform.
[0004] Aus der DE 4 122 990 A1 sind eine Bronze- und Effektdruckfarbe und ein Verfahren
zur Herstellung eines Bronze- und Effektdruckes bekannt. Dort wird eine wasserverdünnbare
Druckfarbe mit hoher Viskosität und hohem Pigmentanteil beschrieben. Diese soll aus
dem Lackwerk einer Offsetmaschine oder einem Flexodruckwerk verarbeitet werden. Als
Vorteil wird der kurze Verarbeitungsweg mit wenigen Farbspaltungen angegeben.
[0005] Beispielsweise aus der DE 3 614 582 A1 ist ein sogenanntes Kammerrakel zum Auftragen
einer Beschichtungsmasse auf eine Beschichtungswalze bekannt. Mindestens zwei, an
einer Walze anliegende, Rakelblätter bilden eine Kammer zur Aufnahme einer Masse,
die unter Druck zugeführt wird.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Beschichtungseinrichtung nach dem Oberbegriff
des Anspruchs 1 weiterzuentwickeln, um auf einfache Weise eine problemlose Inline-Verarbeitung
von schnellverdunstenden Druckfarben mit hohem Pigmentanteil bzw. groben Pigmenten
kombiniert mit weiterbehandelnden Druck- oder Beschichtungsvorgängen zu ermöglichen.
[0007] Gelöst wird die Aufgabe durch den kennzeichnenden Teil des Hauptanspruches. Weiterbildungen
ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0008] Die erfindungsgemäße Lösung gestattet es, das Inline-Beschichten mit höherviskosen
Flüssigkeiten in einer Offsetdruckmaschine vorzunehmen unter besonderer Berücksichtigung
von Lacken bzw. pigmentierten Farben auf Wasserbasis (Metallglanzdrucke). Einsatzgebiete
bestehen für ausgespartes Lackieren (Spotlackierung) oder vollflächiges Lackieren.
Aufgrund der geschlossenen Kammer beim Kammerrakel wird die Verdunstung der verwendeten
Flüssigkeit reduziert. Dadurch wird die Verarbeitung von schnell verdunstenden, z.B.
wasserlöslichen Flüssigkeiten verbessert. Die Kombination von mehreren Offsetdruckwerken
und mindestens einem Flexodruckwerk kann in unterschiedlichen Anordnungen erfolgen,
wobei diesen Einrichtungen in der Regel eine weitere Lackiereinrichtung, z.B. zum
vollflächigen Lackieren, nachgeordnet ist.
[0009] Die Erfindung wird im Folgenden beispielhaft erläutert. Dabei zeigt
- Fig. 1
- eine erste Einrichtung zum Beschichten und
- Fig. 2
- eine Variante der Einrichtung zum Beschichten.
[0010] In Figur 1 ist eine Mehrfarben-Offsetdruckmaschine mit zwei Lackiereinrichtungen
gezeigt. Die Offsetdruckmaschine (hier ohne An- und Ausleger) besteht aus fünf Druckwerken
1 bis 5, daran in Bogenlaufrichtung angeschlossen einer als Flexodruckwerk 6 ausgerüsteten
Beschichtungseinrichtung und einer dieser nachgeordneten herkömmlichen Lackiereinheit
7. Dabei kann das Flexodruckwerk 6 als Spotlackiereinrichtung (für ausgespartes Lackieren)
und die nachgeordnete Lackiereinheit 7 zum vollflächigen Oberflächenfinishing eingesetzt
werden.
[0011] Die Flexodruckwerk 6 wie auch die Lackiereinheit 7 bestehen aus je einem Druckzylinder
8.1, 8.2, einer Transfertrommel 9.1, 9.2 und einem Formzylinder 10.1, 10.2.
[0012] In der Flexodruckwerk 6 ist auf den Formzylinder 10.1 eine flexible Hochdruckplatte
aufgespannt, zB. eine Flexodruckplatte. In Kontakt mit dem Formzylinder 10.1 ist eine
Auftragwalze 11 mit strukturierter Oberfläche mit Rasternäpfchen, eine sogenannte
Rasterwalze, angeordnet. An die Auftragwalze 11 anstellbar ist dieser ein Kammerrakel
12 zugeordnet. Das Kammerrakel 12 kann zB. an seiner Oberseite mittig mit einem Flüssigkeitszulauf
und zwei austretende Flüssigkeitsabläufen im Bereich der Seitenteile versehen sein.
Der Flüssigkeitszulauf ist mit einer Förderpumpe, die Flüssigkeitsabläufe 11 hingegen
mit einer Saugpumpe verbunden. Die Pumpen sind erforderlich, um speziell durch die
Pigmentierung höherviskose Flüssigkeit z.B. auf Wasserbasis, wie z.B. Gold- und Silberdruckfarbe,
Deckweiß oder Lack, verarbeiten zu können.
[0013] Über die Rasternäpfchen der Auftragwalze 11 wird die Beschichtungsmasse zum Einfärben
der Hochdruckform auf den Formzylinder 10.1 transportiert und auf den vom Druckzylinder
8.1 zugeführten Bedruckstoff aufgebracht. Während des von der Auftragwalze 11 bewirkten
Flüssigkeitstransports sorgt die Kammerrakel 12 dafür, daß die Flüssigkeit ausschließlich
in den Rasternäpfchen verbleibt.
[0014] Die Lackiereinheit 7 weist demgegenüber eine Walzenpaar zur Bildung eines Dosierspalts
auf. Dabei ist eine Dosierwalze 13 an eine Auftragwalze 14 angestellt. Die Beschichtungsmasse
wird direkt in den Spalt zwischen beiden Walzen eingeführt und über die Auftragwalze
14 dem Formzylinder 10.2 zugeführt. Dieser trägt sie dann am Druckzylinder 8.2 auf
den zugeführten Bedruckstoff auf.
[0015] Durch die Staffelung Offsetdruck, Flexodruck und Lackieren ist speziell für Metallglanz-Beschichtungen
ein besonders gutes Arbeitsergebnis erzielbar. Dabei ist die Kombination von schneller
Verarbeitung der leicht verdunstenden Metalldruckfarbe bzw. des Drucklacks mit einer
nachträglichen, den Glanz erhöhenden Lackbeschichtung hervorzuheben.
[0016] Ein vergleichbares System ist in Figur 2 dargestellt. Hier ist das Flexodruckwerk
6 vor dem ersten Druckwerk 1 der Offsetdruckmaschine eingesetzt. Mit einer derartigen
Konfiguration lassen sich Basisbeschichtungen vor dem Drucken aufbringen, z.B. Deckweiß-Beschichtungen
auf Blechmaterial, Kunststoffolie oder Karton. Die abschließende Lackierung kann weiterhin
dadurch ermöglich werden, daß ein Lackierwerk 7 nach dem letzten Druckwerk 5 oder
auch ein intergriertes Lackierwerk an einem konventionellen Druckwerk angeordnet ist.
[0017] Vergleich ist auch eine Anordnung des Flexodruckwerkes 6 innerhalb der Offsetdruckmaschine
zum Aufbringen von Zwischenbeschichtungen etwa mit Trocknungsfunktion.
1. Einrichtung vorzugsweise in Bogenrotationsdruckmaschinen für mehrfarbigen Offsetdruck
zum Beschichten von Bedruckstoffen mit wenigstens zwei Lackiereinheiten,
dadurch gekennzeichnet,
daß jede Lackiereinheit einen Druckzylinder (8), einen Formzylinder (10) und eine
Auftragwalze (11,14) enthält und die entsprechend Bogenlaufrichtung vorgeordnete Lackiereinheit
als Flexodruckwerk (6) ausgebildet ist.
2. Einrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß im Flexodruckwerk (6) eine Auftragwalze (11) vorgesehen ist, an die ein Kammerrakel
(12) anstellbar angeordnet ist, wobei die Auftragwalze (11) als Rasterwalze ausgebildet
ist.
3. Einrichtung nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß dem Flexodruckwerk (6) eine konventionelle Lackiereinheit (7) direkt oder indirekt
nachgeordnet ist und in der Lackiereinheit (7) eine Auftragwalze (14) vorgesehen ist,
der eine Dosierwalze (13) zur Bildung eines gemeinsamen Dosierspaltes anstellbar zugeordnet
ist.
4. Einrichtung nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Flexodruckwerk (6) aus folgenden Elementen besteht: dem, eine Hochdruckform
tragenden Formzylinder (10.1), der mit dem Druckzylinder (8.1) in Kontakt steht, der
Auftragwalze (11) mit Rasterstruktur, die mit dem Formzylinder (10.1) in Kontakt steht
und dem Kammerrakel (12) besteht, das mit einer Förderpumpe zur Flüssigkeitszufuhr
und einer Saugpumpe zur Flüssigkeitsrückführung verbunden ist.
5. Einrichtung nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Flexodruckwerk (6) in einer Offsetdruckmaschine zwischen den Druckwerken (1-5)
angeordnet ist.
6. Einrichtung nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Flexodruckwerk (6) in einer Offsetdruckmaschine den Druckwerken (1-5) vorgeordnet
ist.
7. Einrichtung nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Flexodruckwerk (6) in einer Offsetdruckmaschine den Druckwerken (1-5) nachgeordnet
ist.