[0001] Aufbau und Anordnung des Spannrahmens wird in Groß-Stickmaschinen bei allen Fabrikaten
seit langem im wesentlichem in gleicher Art ausgeführt.
[0002] Der Spannrahmen ist vertikal angeordnet und wird schrittweise vertikal / horizontal
positioniert, um so Stich für Stich das Stickmuster zu erzeugen. Die Stickstellen
mit den Stickwerkzeugen (Nadeln, Schiffchen, Bohrer,...) sind in horizontalen Reihen
in konstantem Rapport angeordnet. Ein solcher Spannrahmen wird durch einen oberen,
5 - 22 m langen Längsträger gebildet, an dem seitlich zwei vertikale Schilde befestigt
sind, die unten wieder durch einen einfacheren Längsträger verbunden sind. In den
beiden Seitenschildern sind zwei Paar parallel und über die ganze Länge des Spannrahmens
verlaufende Stoffwellen angeordnet. Auf diese Stoffwellen wird der zu bestickende
Stoff aufgewickelt und zwischen je zwei Stoffwellen gespannt. Zwischen oberem und
unterem Längsträger sind mehrere vertikale Spannrahmenstützen angeordnet, welche ihrerseits
mittels speziellen Elementen (Wellenlöffeln) die langen Stoffwellen stützen.
[0003] Um diese bis 22 m langen, 3 m hohen und über 1000 kg schweren Spannrahmen mit dem
eingespannten Stoff zu positionieren, wurde der obere Längsträger an zwei oder mehr
Stellen vertikal bewegt, in horizontaler Richtung wurden der eine oder beide der seitlichen
Schilde angetrieben. Solche Ausführungen sind ersichtlich aus CH 652 769 und DE 2155
192.
[0004] Um höhere Drehzahlen zu erreichen müßte diese Form des Spannrahmens wesentlich steifer
konstruiert werden, wodurch die zu bewegende Masse ebenfalls erhöht wird. Nur ein
grundsätzlicher anderer Aufbau kann eine Lösung bringen. In OE 64 215 ist ein solcher
Lösungsversuch aufgezeigt. Statt des oberen Längsträgers sind mehrere horizontal geführte
und bewegte Längsträger angeordnet, an denen die vertikal bewegten Spannrahmenstützen
geführt sind. Diese Lösung hat aber verschiedene Nachteile und wurde nie ausgeführt.
[0005] Die Erfindung setzt sich zum Ziel, durch einen neuartigen Aufbau die bewegten Massen
so stark zu reduzieren, daß wesentlich höhere Drehzahlen möglich werden ohne Einbuße
an Positioniergenauigkeit. Die wesentliche Idee der Erfindung besteht darin, alle
Antriebe möglichst dort anzuordnen, wo das entsprechende Teil bewegt werden muß, und
so möglichst viele Rahmenteile und Übertragungsglieder wegfallen zu lassen, die sonst
als Teil der Gesamtmasse mit bewegt werden müssen.
[0006] Für die Vertikalbewegung wäre es vorteilhaft direkt die wellenunterstützenden Elemente
(Wellenlöffel) zu bewegen. Da zwischen oberer und unterer Stoffwelle eine große Zugspannung
aufgebracht werden muß um den Stoff zu spannen, müssen die stützenden Elemente auf
konstanter Distanz gehalten werden. Wenn nun die stoffwellentragenden Elemente direkt
an horizontalen Träger angebracht werden, und die entsprechenden oberen und unteren
Horizontalführungen untereinander fest verbunden werden, so ergibt sich ein Horizontalführungselement,
das seinerseits über einen Antrieb direkt vertikal bewegt wird. Mehrere solcher parallel
und synchron vertikal bewegten Horizontalführungselemente können so beliebig lange
Stoffwellenpaare unterstützen und vertikal positionieren, ohne einen Spannrahmen zu
benötigen.
[0007] Diese Lösung ermöglicht auch, die Stofwellenenden in einem Träger zu lagern, der
in den Horizontalführungen läuft.
[0008] Werden solche Träger in den Horizontalführungen durch entsprechende Antriebe horizontal
verschoben, so wird die Horizontalbewegung in die Stoffwellen direkt eingeleitet.
[0009] Die Antriebe zum Drehen der Stoffwellen, beziehungsweise zum Aufwickeln und Spannen
des Stoffes, können direkt an die in den Horizontalführungen laufenden Träger angebaut
werden, somit kann auch hier auf weitere Übertragungsglieder verzichtet werden.
[0010] Mit dieser Lösung wird von den Möglichkeiten moderner leichter Servoantriebe, die
dezentral und trotzdem genau synchronisiert eingesetzt werden können, voller Gebrauch
gemacht. Sowohl der übliche obere und untere Längsträger wie auch die seitlichen vertikalen
Schilde fallen weg. Statt eines schweren, steifen Spannrahmens werden die Spannrahmenstützen
und die Stoffwellen direkt bewegt, so daß die gesamte zu bewegende Masse auf einen
Bruchteil dar bisher üblichen Masse reduziert wird. Zusammen mit den verteilten, hochdynamischen
Servoantrieben ist es somit möglich, große gespannte Stoff Flächen in wesentlich schnellerem
Rhythmus zu positionieren.
[0011] Im nachfolgenden wird eine mögliche technische Ausführung anhand der Fig.1 und 2
beschrieben.
- Fig.1 :
- Perspektivische Darstellung zweier Horizontalführungselemente mit horizontalen Verbindungselementen
und Stoffwellen;
- Fig.2 :
- Perspektivische Darstellung der oberen und unteren Stoffwellenlagerung mit Antrieben
und vertikaler Stütze.
[0012] Die Erfindung geht davon aus, die Möglichkeiten der modernen Antriebstechnik in dem
Sinne auszunutzen, daß die entsprechenden Motoren möglichst direkt an den Elementen
angreifen, die zu bewegen sind. Die Technik der hochdynamischen Servomotoren mit elektronischer
Regelung/Steuerung ermöglicht es, diese Antriebe beliebig dezentral und parallel anzuordnen.
Die Antriebe für das Aufwickeln und Spannen des Stoffes werden deshalb direkt an den
Stoffwellen angebracht. Die Antriebe für die horizontale Positionierung bewegen direkt
die Stoffwellen-Lagerungen bzw. deren Träger. Die horizontalen Führungen dieser Träger
werden wiederum direkt von den entsprechenden Antrieben vertikal positioniert.
[0013] In der vorliegenden Ausführung sind obere Horizontalführungen (1) und untere Horizontalführungen
(2) parallel und in sich fluchtend im Maschinengestell angeordnet. In jeder Horizontalführung
(1,2) ist ein horizontal verschiebbarer Träger (7) angeordnet, der Stoffwellenhalterungen
(10) oder Flansche (14) für die Stoffwellenlagerung (17) trägt. Da durch das Spannen
des Stoffes Zugkräfte zwischen den Stoffwellenlagerungen (17) bzw. - halterungen (10)
auftreten, werden zwischen den oberen und unteren Horizontalführungen (1,2) feste
Verbindungen (3) angeordnet, die die Horizontalführungen (1,2) und damit die Stoffwellen
(11,12) in festgelegter Distanz halten.
[0014] Durch die Verbindung einer oberen Horizontalführung (1) und einer unteren Horizontalführung
(2) mittels der festen Verbindung (3) entsteht ein in sich steifes Horizontalführungselement,
das als Ganzes vertikal positioniert wird. Am Maschinengestell (19) sind dazu feste
vertikale Führungen (6) angebracht sowie vertikale Spindeln (5). Ein Positionierantrieb
(4) treibt direkt die Spindel (5) an. In kurzen Stickmaschinen genügen zwei solcher
Horizontalführungselemente, um obere und untere Stoffwelle (11,12) zu tragen, den
Stoff dazwischen zu spannen und die gespannte Stoffläche vertikal zu positionieren.
Bei längeren Maschinen können mehrere solche Horizontalführungselemente parallel angeordnet
und über ihre Antriebe synchron vertikal positioniert werden.
[0015] An den Trägern (7) in den Horizontalführungen (1,2) sind Stoffwellenhalterungen (10)
befestigt, in denen die Stoffwellen (11,12) drehbar gehalten sind. In einem oder in
den beiden endseitigen Horizontalführungselementen sind Flansche (14) an den Trägern
(7) befestigt. Diese Flansche (14) tragen die Stoffwellen-Lagerungen (17). Über Stoffwellenmotoren
(15) und Stoffwellengetriebe (16) werden diese Stoffwellenlager (17) so angetrieben,
daß Stoff auf die Stoffwellen auf- oder abgewickelt wird, oder daß durch gegensinniges
Drehen der Stoffwellen der Stoff gespannt wird. Die dadurch entstehenden Spannkräfte
werden von den Stützen (18) aufgenommen. Ein gleichsinniges Drehen der Stoffwellen
wickelt den Stoff von der unteren auf die obere Welle oder umgekehrt.
[0016] Werden die beiden Stoffwellen gegensinnig gedreht, so kann durch bekannte Mittel
das Drehmoment gemessen und damit direkt die Stoffspannung ermittelt werden. Diese
Stoffspannung kann beim Spannvorgang laufend angezeigt werden, oder sie kann in der
Antriebssteuerung als Sollwert eingegeben und so automatisch erreicht werden.
[0017] Analog zu den Vertikalantrieben werden in einem oder in den beiden endseitigen Horizontalführungselementen
Spindeln (9) in den Horizontalführungen (1,2) angeordnet. Mit den Positionierantrieben
(8) werden über die Spindeln (9) die Träger (7) horizontal verschoben. So wird die
horizontale Positionierbewegung über die Flansche (14) und die Stoffwellenlagerungen
(17) auf die Stoffwellen (11,12) übertragen. Die Synchronisation der oberen und unteren
Antriebe (8) ist mit elektronischen Regelungen/Steuerungen gut erreichbar.
[0018] Durch die Stoffspannung werden die Stoffwellen (11,12) auf die Stoffwellenhalterungen
(10) gedrückt. Der ent-stehende Reibungsschluss verschiebt bei horizontaler Bewegung
der Stoffwellen die entsprechenden Halterungen (10) und damit die Träger (7) synchron.
Sollte bei leichter Stoffspannung dieser Reibungsschluss nicht zur Mitnahme genügen,
so könnte jede Horizontalführung mit einem Positionierantrieb (8) ausgerüstet werden.
Kostengünstiger ist aber eine horizontale Verbindung aller Träger (7) bzw. Halterungen
(10) und Lager (17), so daß eine synchrone Bewegung aller Stoffwellen-tragenden Elemente
gesichert ist.
[0019] In einer weiteren Ausgestaltung kann die Stickhöhe bzw. der Abstand zwischen den
oberen und unteren Horizontalführungen verstellbar gestaltet werden. Zu diesem Zweck
müssen die festen Verbindungen (3) und Stützen (8) in ihrer Länge einstellbar bzw.
auf bestimmte Längen fixierbar sein. Dies kann von Hand oder mit Hilfe von motorisch
angetriebenen Verstellungen und Fixierungen geschehen. Damit können die Stoffwellen
(11,12) oder sie ersetzende Elemente in bestimmten Abständen fixiert werden. Von Vorteil
ist diese Ausführung vor allem, wenn der zu bestickende Stoff sozusagen "endlos" schrittweise
horizontal durch die Maschine läuft. Die Stoffwellen werden dabei durch horizontale
Spann- und Führungselemente ersetzt. Durch diese Methode der "einstellbaren Stickhöhe"
kann die Stickmaschine leicht an verschiedene Stoffbahnbreiten angepaßt werden. Mit
den gleichen Mitteln kann auch das vertikale Spannen des Stoffes erreicht werden.
Zeichnunqs-Legende
[0020]
- 1
- Obere Horizontalführungen
- 2
- Untere Horizontalführungen
- 3
- Feste Verbindung zwischen oberer und unterer Horizontalführung
- 4
- Positionierantrieb vertikal
- 5
- Spindel vertikal
- 6
- Führung vertikal
- 7
- Träger, horizontal verschiebbar
- 8
- Positionierantrieb horizontal
- 9
- Spindel horizontal
- 10
- Stoffwellenhalterung
- 11
- Obere Stoffwelle
- 12
- Untere Stoffwelle
- 13
- Horizontale Verbindungselemente
- 14
- Flansch für Stoffwellenlagerung
- 15
- Stoffwellen-Motor
- 16
- Stoffwellen-Getriebe
- 17
- Stoffwellenlagerung
- 18
- Stütze
- 19
- Maschinengestell
1. Stickmaschine mit vorzugsweise vertikal angeordneter Stoffebene und horizontal parallel
angeordneten Befestigungselementen (Stoffwellen 11,12) für den Stickstoff, dadurch
gekennzeichnet, daß über die Länge der Stickmaschine verteilt mehrere obere und untere
Horizontalführungen (1,2) angeordnet sind, wobei jeweils eine obere und untere Horizontalführung
durch vertikale Verbindungen (3) zu einem Horizontalführungselement verbunden sind
und solche HF-Elemente von je einem Positionierantrieb (4) in maschinenfest angeordneten
Führungen vertikal verstellt werden.
2. Stickmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Vertikal-Positionierantriebe
aller HF-Elemente mechanisch, hydraulisch oder elektrisch / elektronisch synchronisiert
sind.
3. Stickmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß jeweils in den oberen und
unteren Horizontalführungen horizontal verschiebbare Träger (7) angeordnet sind, an
denen Lager (17) oder Halterungen (10) für die Stoffwellen befestigt werden.
4. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 1 - 3, dadurch gekennzeichnet, daß vorzugsweise
die an einem oder an beiden Enden der Maschine angeordneten Horizontalführungen (1,2)
so mit einem Positionierantrieb (8) ausgerüstet sind, daß damit die in der oberen
beziehungsweise unteren Horizontalführung gelagerten Träger (7) und damit die Stoffwellen
(11,12) mit dem aufgespannten Stoff horizontal verschobenen werden können.
5. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 1 - 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Horizontalantriebe
(8) in den oberen und unteren Horizontalführungen (1,2) mechanisch, hydraulisch oder
elektronisch synchronisiert sind.
6. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 1 - 3, dadurch gekennzeichnet, daß bei Horizontalführungen
(1,2) ohne Horizontalantrieb (8) an den Trägern nur Stoffwellenhalterungen (10) befestigt
sind, wobei diese Stoffwellenhalterungen und damit die Träger (7) bei Horizontalverschiebungen
der Stoffwellen durch Reibschluss zwischen dem Stoff auf der Stoffwelle und der Stoffwellenstütze
entlang der Horizontalführung mitgenommen werden.
7. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 1 - 6, dadurch gekennzeichnet, daß die je unteren
und die je oberen Träger (7) beziehungsweise Stoffwellenhalterungen (10) und -lager
durch leichte Verbindungselemente (13) derart horizontal verbunden sind, daß die Stoffwellenlager
beziehungsweise - stützen auch ohne Reibschluss den Horizontalbewegungen folgen.
8. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 1 - 7, dadurch gekennzeichnet, daß an einem
oder an beiden Enden der Maschine an den oberen und unteren Trägern (7) in den entsprechenden
Horizontalführungen Stoffwellenlagerungen (17) vorgesehen sind, die mit Antrieben
(15,16) gekuppelt sind, durch die zum Auf und Abwickeln des Stoffes und zum Spannen
desselben die Stoffwellen gleichsinnig oder entgegengesetzt gedreht werden können.
9. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 1 - 8, dadurch gekennzeichnet, daß durch Messen
des Drehmomentes in den Stoffwellen-Antrieben (15, 16) die Stoffspannung gemessen
und angezeigt, bzw. eine gewünschte voreingestellte Stoffspannung erzeugt werden kann.
10. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 1-9, dadurch gekennzeichnet, daß diese oberen
und unteren Stoffwellenlager (17), Stoffwellenhalterungen (10) oder deren Träger (7)
durch eine vertikale Stütze (18) fest verbunden sind, um die Stoffspannung aufzunehmen.
11. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 1 - 10, dadurch gekennzeichnet, daß die vertikalen
Verbindungen (3) zwischen den oberen und unteren Horizontalführungen (1, 2) sowie
die Stützen (18) zwischen den oberen und unteren Stoffwellenlagern (17) in ihrer Länge
veränderbar und fixierbar sind, so daß ein beliebiger Abstand zwischen unterer und
oberer Stoffwelle eingestellt werden kann und/oder der Stickstoff so gespannt wird.