[0001] Die Erfindung betrifft ein aus einem Polyolefingarn aus Polypropylenfasern und Schmelzbindefasern
hergestelltes recyclierbares Gewebe für Markisen.
[0002] Markisengewebe werden derzeit bevorzugt aus Polyacrylnitril (PAN)-Zwirnen in Leinwandbindung
1 : 1 mit größtmöglicher Schuß- und Kettendichte hergestellt. Zur Erzielung eines
für Markisen geforderten steifen Griffs und wasser- und ölabweisender Eigenschaften
bzw. einer ausreichenden Wasserdichtheit müssen die Gewebe mit einer chemischen Ausrüstung
versehen werden. Für den steifen Griff werden dazu Melamin-Formaldehydharze und für
die Öl- und Wasserabweisung Fluorkarbonharze eingesetzt.
[0003] Ein Nachteil der PAN-Gewebe ist, daß bisher kein geeigneter Weg gefunden werden konnte,
PAN-Gewebe zu recyclieren. Aus diesem Grund müssen sowohl die nicht unbeträchtlichen
Produktionsabfälle, die beim Konfektionieren der Markisentücher und beim Kantenschneiden
entstehen, als auch die gebrauchten Markisen deponiert oder verbrannt werden.
[0004] Es wurden daher Versuche unternommen, hoch-UV-stabile Gewebe, insbesonders Markisengewebe
zu finden, die recyclierbar sind. Gewebe, die aus Polypropylen-(PP)-Feinfasern ohne
chemische Ausrüstung hergestellt werden, sind zu 100 % recyclierbar und weisen eine
ausgezeichnete UV-Stabilität, gleichwertig der von PAN-Markisengeweben, auf und besitzen
darüberhinaus eine verbesserte Reiß- und Weiterreißfestigkeit und geringere bleibende
Dehnung als PAN-Gewebe. Ohne Melamin-Formaldehydharz erreichen diese PP-Gewebe aber
nicht den geforderten steifen Griff. Die Steifgriffausrüstung mit Melamin-Formaldehydharz
führt jedoch zu einem verstärkten Schreibeffekt. Außerdem entstehen beim Recyclieren,
etwa durch Aufschmelzen und Regranulieren, durch thermische Zersetzung der Melamin-Formaldehydharze
geringe Mengen an Aminen, die dem Regranulat einen fischartigen Geruch verleihen.
Trotz Schmelzfiltration verbleiben der unangenehme Geruch und, aufgrund des Melamin-Formaldehydharzes,
klebrige Harzteilchen, sogenannte Gelpartikel, im Regranulat, sodaß nur etwa bis zu
30 % des Regranulates in Mischung mit Neuware wieder eingesetzt werden können.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es demnach die beschriebenen Nachteile der
Steifgriffausrüstung zu vermeiden und ein gut recyclierbares Gewebe zu finden.
Unerwarteterweise konnte diese Aufgabe dadurch gelöst werden, daß anstelle eines reinen
PP-Garns ein Mischgarn aus PP-Fasern und einer tieferschmelzenden Schmelzbindefaser
zur Herstellung des Gewebes verwendet wird.
[0006] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist demnach ein recyclierbares Gewebe das dadurch
gekennzeichnet ist, daß es aus einem Polyolefingarn aus Polypropylenfasern und 1 -
20 Gew.% einer tieferschmelzenden Schmelzbindefaser besteht.
Die verwendeten PP-und Schmelzbindefasern werden in Form von Stapelfasern eingesetzt
und enthalten übliche Hilfsstoffe und müssen vor allem hohe UV-Stabilität und Farbechtheit,
insbesonders Wetterechtheit aufweisen. Hilfsstoffe sind beispielsweise UV-Stabilisatoren,
Thermostabilisatoren und Pigmente.
Geeignete UV-Stabilisatoren sind beispielsweise polymere HALS ("hinderd amine light
stabilizers" ) oder Mischungen verschiedener HALS-Stabilisatoren.
Als Pigmente kommen organische und anorganische Pigmente in Frage, die die erforderliche
hohe Wetterechtheit besitzen und die UV-Stabilität nicht negativ beeinflussen.
Die Schmelzbindefasern besitzen einen tieferen Schmelzpunkt als die PP-Fasern. Bevorzugt
liegt der Schmelzpunkt der Schmelzbindefasern daher zwischen 70 und 150°C. Beispiele
für Schmelzbindefasern sind Polyethylen (PE)-, Copolyamid- oder Copolyesterfasern.
Es können auch sogenannte Bikomponentenfasern eingesetzt werden. Beispiele für geeignete
Bikomponentenfasern sind solche, die aus einem PP-Kern und einem PE-Mantel bestehen.
Bevorzugt werden jedoch PE-Fasern eingesetzt.
Die PP-Fasern werden mit 1 - 20 Gew.%, bevorzugt mit 5 - 15 Gew.% Schmelzbindefasern
wie üblich zu einem Garn versponnen, etwa auf einer Dreizylinder-Ringspinn-Maschine
oder auf jeder anderen geeigneten Spinnmaschine. Entsprechend der gewünschten Garnfeinheit
können PP-Fasern und Schmelzbindefasern mit unterschiedlichen Faser-Feinheiten (Titern)
verwendet werden. Bevorzugt werden PP-Fasern mit einem Titer zwischen 1,5 - 5 dtex,
besonders bevorzugt zwischen 1,7 - 3 dtex, und Schmelzbindefasern mit einem Titer
von ≦5 dtex eingesetzt. Dabei ist es von Vorteil, Schmelzbindefasern mit einem möglichst
geringen Titer zu verwenden, da dadurch der Gehalt an Schmelzbindefasern reduziert
werden kann. Es können somit Garnfeinheiten erzielt werden, die ebenfalls in einem
großen Bereich variieren können. Bevorzugt werden Garne mit einer Garnfeinheit von
Nm 20 - 60, besonders bevorzugt von Nm 30 - 40, hergestellt. Das so erhaltene Polyolefingarn
wird dann gegebenenfalls wie üblich, etwa nach dem Doppel-Draht-Verfahren oder einem
anderen geeigneten Verfahren, gezwirnt und anschließend wie üblich zu Gewebe verarbeitet.
[0007] Nach dem üblichen Waschen des Gewebes zur Entfernung der Spinn- und Zwirnpräparation
wird das Gewebe nur noch mit einer Ausrüstung zur Öl- und Wasserabweisung versehen.
Bevorzugt werden dafür Fluorkarbonharze eingesetzt. Beim zum Kondensieren des Fluorkarbonharzes
notwendigen Erhitzen schmilzt die Bindefaser und führt nach dem Abkühlen und Wiedererstarren
zu dem gewünschten Steifgriff. Die bisher aufgetretenen Nachteile der herkömmlichen
Steifgriffausrüstung, wie Schreibeffekt, unangenehmer Geruch und erhöhter Gelanteil
des Regranulates treten nicht mehr auf.
Die so erhaltenen Gewebe können bevorzugt zur Herstellung von textilen Sonnenschutzartikeln,
insbesondere von Markisen, aber auch für Bootsabdeckungen, Zeltplanen, Campingmöbelabdeckungen
und ähnliches verwendet werden.
[0008] Ein Vergleich der Recyclierbarkeit des erfindungsgemäßen Gewebes (Beispiel 1) mit
der Recyclierbarkeit eines PP-Gewebes (Beispiel 2), das wie bisher üblich mit einem
Melamin-Formaldehydharz (Cassurit MT, Fa. Hoechst), einem Katalysator zum Vernetzen
des Harzes (NKN, Fa. Hoechst) und einem Fluorkarbonharz (NUVA FH , Fa. Hoechst) ausgerüstet
wurde, zeigt, daß das erfindungsgemäße Gewebe nach Regranulierung zu 100 %, etwa zur
Herstellung für Spritzgußartikel oder einer 17 dtex Stapelfaser für Teppiche, wiedereingesetzt
werden kann. Das Regranulat eines Gewebe gemäß Beispiel 2 kann jedoch bei der Faserproduktion
nur bis zu max. 30 % neuem Granulat zugesetzt werden.
[0009] Ein weiterer Vorteil der Erfindung besteht darin, daß außer dem Mischen der PP- und
der Schmelzbindefasern keine zusätzlichen Verfahrensschritte notwendig sind und keine
speziellen Anlagen benötigt werden.
Beispiel 1:
[0010] Eine Mischung von PP-Stapelfasern der Type ASOTA V8803 2,5 dtex, 60 mm Schnittlänge
(hoch-UV-stabil, spinngefärbt, Höchstzugkraft 4.1 cN/dtex, Höchstzugkraft-Dehnung
30 %) und 13 % einer PE-Bindefaser der Type ASOTA V4603 3,3 dtex, 40 mm Stapellänge
(hoch-UV-stabil, Schmelzpunkt 128°C) wurde in bekannter Weise auf einer Dreizylinder-Ringspinn-Maschine
zu einem Garn der Nm 34 ausgesponnen. Dieses Garn wurde gefacht und nach dem Doppel-Draht-Verfahren
zu einem Zwirn Nm 34/2-fach verzwirnt (Höchstzugkraft 33,4 cN/tex, Höchstzugkraft-Dehnung
20,1 %).
[0011] Aus dem Zwirn wurde auf einer Sulzer Projektilwebmaschine in Leinwandbindung 1:1
ein Gewebe hergestellt (30 Kettfäden/cm, 14,5 Schußfäden/cm).
[0012] Das Gewebe wurde zur Entfernung der Spinn- und Zwirn-Präparation unter Zusatz eines
anionischen Tensids (Arkomon A konz. 2 g/l) gewaschen, getrocknet und mit der wässrigen
Flotte eines Fluorkarbonharzes (NUVA FH 25 g/l, Isopronanol 30 g/l) foulardiert (Naßaufnahme
55 %). Nach dem Trocknen bei 110°C wurde auf einem Spannrahmen bei 145°C kondensiert.
[0013] Das fertig ausgerüstete Gewebe wies den gewünschten steifen Griff ohne Schreibeffekt
auf. Die Höchstzugkraft nach DIN 53 857 betrug 294 daN in Kett- und 167 daN in Schußrichtung.
Die Höchstkraft-Dehnung 58 bzw 29 %. Die Wasserdichtheit nach DIN 53 886 ergab 33
mbar.
[0014] Das Gewebe wurde auf einer Recyclinganlage der Fa. EREMA regranuliert. Das Regranulat
konnte zu 100 % zur Herstellung einer 17 dtex Stapelfaser auf einer Fleissner-Kompaktspinnanlage
eingesetzt werden. Die mechanischen Eigenschaften der erhaltenen Fasern waren praktisch
identisch mit den aus neuem Granulat hergestellten.
Beispiel 2:(Vergleichsbeispiel)
[0015] Aus PP-Stapelfasern der Type ASOTA V8803 (2,5 dtex, 60 mm Stapellänge) wurde auf
einer Dreizylinder-Ringspinnmaschine ein Garn der Nm 34 ausgesponnen. Das Garn wurde
gefacht und nach dem Doppel-Draht-Verfahren zu einem Zwirn Nm 34/2-fach verzwirnt
(Höchstzugkraft 34,2 cN/tex, Höchstzugkraft-Dehnung 19,8 %).
[0016] Aus dem Zwirn wurde auf einer Sulzer Projektilwebmaschine in Leinwandbindung 1:1
ein Gewebe hergestellt (30 Kettfäden/cm, 14,5 Schußfäden/cm).
[0017] Das Gewebe wurde unter Zusatz eines anionischen Tensids (Arkomon A konz. 2 g/l) gewaschen,
getrocknet und mit der wässrigen Flotte eines Fluorkarbonharzes und eines Steifgriffharzes
(NUVA FH 25 g/l, Cassurit MT 100 g/l, Katalysator NKN 12 g/l, Isopropanol 30 g/l)
fouladiert (Naßaufnahme 55 %). Nach dem Trocknen bei 110°C wurde auf einem Spannrahmen
bei 145°C kondensiert.
[0018] Das fertig ausgerüstete Gewebe zeigte einen unerwünschten Schreibeffekt. Die Höchstzugkraft
nach DIN 53 857 betrug 289 daN in Kett- und 166 daN in Schußrichtung, die Höchstzugkraft-Dehnung
59 % bzw. 29 %. Die Wasserdichtheit nach DIN 53 886 war 34 mbar.
[0019] Das Gewebe wurde auf einer Recyclinganlage der Fa. EREMA regranuliert. Das Regranulat
wies einen fischartigen Geruch auf und konnte bei der Faserherstellung einer 17 dtex-Faser
auf einer Fleissner-Kompaktspinnanlage zu max. 30 % mit neuem Granulat vermischt,
eingesetzt werden. Bei höherem Regranulat-Anteil traten zu viele Filamentbrüche auf.
1. Recyclierbares Gewebe, dadurch gekennzeichnet, daß es aus einem Polyolefingarn aus
Polypropylenfasern und 1 - 20 Gew. % einer tieferschmelzenden Schmelzbindefaser besteht.
2. Recyclierbares Gewebe nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Schmelzbindefaser
Polyethylenfasern verwendet werden.
3. Verwendung eines Gewebes nach Anspruch 1, zur Herstellung von textilen Sonnenschutz-Artikeln,
insbesondere von Markisen.
4. Sonnschutzgewebe, insbesondere Markisengewebe, dadurch gekennzeichnet, daß es aus
einem Polyolefingarn nach Anspruch 1 und einer Ausrüstung zur Öl- und Wasserabweisung
besteht.
5. Sonnenschutzgewebe, insbesondere Markisengewebe nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet,
daß es ein Fluorkarbonharz zur Öl- und Wasserabweisung enthält.