[0001] Die Erfindung betrifft eine halbharte, verformbare Dauermagnetlegierung, die im wesentlichen
Eisen, Zusätze von zusammen über 5 % Nickel und/oder Mangan sowie mindestens ein weiteres
Zusatzelement zur Erhöhung der Umwandlungstemperatur in Austenit (As) in solchen Mengen
enthält, daß sich eine metastabile austenitische Legierung ergibt, die durch Kaltverformung
und anschließende Wärmebehandlung ein Mischgefüge aus einer alpha-Phase (Martensit)
und einer gamma-Phase (Austenit) enthält.
[0002] Legierungen mit 68 bis 77 Gew.-% Eisen, 9 bis 20 Gew.-% Chrom und 13 bis 23 Gew.-%
Nickel sind von G. Rassmann und O. Henkel (NACHRICHTENTECHNIK, 11 (1961), S. 307 -
313) untersucht worden. Diese Legierungen sind nach der Homogenisierung austenitisch
und verformungsinstabil, d. h. durch Kaltverformung lassen sich meßbare Mengen Austenit
in Ferrit umwandeln. Anschließend kann durch eine Wärmebehandlung die durch die Kaltverformung
erzeugte alpha-Phase (Ferrit, Martensit) wieder in Austenit umgewandelt werden. Durch
diese thermomechanische Behandlung läßt sich eine Koerzitivfeldstärke im Bereich 50
bis 900 A/cm bei einer Remanenzinduktion Br zwischen 0,06 und 0,3 T einstellen.
[0003] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine halbharte verformbare Dauermagnetlegierung
zu schaffen, die eine Koerzitivfeldstärke Hc im Bereich von mehr als 40 bis 100 A/cm
und eine Remanenzinduktion Br über 0,8 T aufweist. Eine Legierung mit derartigen magnetischen
Eigenschaften wird insbesondere bei der Verwendung als Diebstahlsicherungsstreifen
benötigt. Sie dient hier zusammen mit dem eigentlichen weichmagnetischen Sicherungsstreifen
dazu, diesen an der Kasse durch Aufmagnetisierung zu entwerten, so daß dieser dann
keinen Alarm mehr auslösen kann. Die Legierung ist allerdings auch für andere Anwendungen
geeignet, bei denen die Forderungen nach Koerzitivfeldstärke und einer Mindestremanenzinduktion
von über 0,8 T zu erfüllen sind.
[0004] Neben den obengenannten bekannten Legierungen, mit denen höchstens etwa 0,3 T an
Remanenzinduktion zu erzielen sind, sind andere halbharte verformbare Dauermagnetlegierungen
bekannt. So läßt sich beispielsweise aus CONCISE ENCYCLOPEDIA OF MAGNETIC & SUPERCONDUCTING
MATERIALS von J. Evetts (1992), Seiten 197 - 200, eine Legierung mit 40 bis 78 % Fe,
2 bis 25 % Co und 20 bis 35 % Cr entnehmen, die zur Einstellung der magnetischen Eigenschaften
durch Abschrecken aus hoher Temperatur von über 1200°C als Ferrit vorliegt, die dann
bei langsamen Abkühlgeschwindigkeiten von etwa 0,1 °C/h eine spinodale Entmischung
in eine Eisen-reiche und eine Chrom-reiche Phase erfährt. Durch diese spinodale Entmischung
können die magnetischen Eigenschaften eingestellt werden. Nachteilig für die hier
beabsichtigten Eigenschaften einer Legierung ist die zur Einstellung der Koerzitivfeldstärke
schwierige Wärmebehandlung insbesondere bei großen Chargen, wobei nicht immer sichergestellt
werden kann, daß in jedem Teil einer Ofenfüllung tatsächlich die gleiche Temperatur
herrscht.
[0005] Weiterhin ist es aus CONCISE ENCYCLOPEDIA OF MAGNETIC & SUPERCONDUCTING MATERIALS
von J. Evetts (1992), Seiten 211 bis 213 bekannt, eine Fe-Co-V-Legierung mit etwa
50 % Kobalt und 6 bis 16 % Vanadium vorzusehen. Auch diese Legierung ist bei bestimmten
Zusammensetzungen austenitisch metastabil, wie die eingangs genannte bekannte Fe-Cr-Ni-Legierung
und kann durch Kaltverformung mit anschließender Wärmebehandlung magnetisch gehärtet
werden. Der Nachteil dieser Legierungen ist allerdings der hohe Kobaltgehalt, der
hier Voraussetzung für die magnetische Härtbarkeit ist und wegen des hohen Preises
für Kobalt zu einer relativ teuren Legierung führt, die beispielsweise für den Anwendungszweck
der Diebstahlsicherungen unwirtschaftlicher ist als die hier beanspruchte Legierung.
[0006] Aus CONCISE ENCYCLOPEDIA OF MAGNETIC & SUPERCONDUCTING MATERIALS von J. Evetts, (1992)
Seiten 475 - 478 sind ebenfalls, wie Tab. 1 auf Seite 477 zeigt, Legierungen bekannt,
die Nickel und/oder Mangan mit weiteren Zusätzen zur Erhöhung der Umwandlungstemperatur
in Austenit enthalten. Diese Legierungen sind aber ebenfalls unwirtschaftlich wegen
des hohen Kobaltgehaltes und erfüllen auch nicht die Voraussetzung einer Koerzitivfeldstärke
im Bereich von 50 bis 100 A/cm, wie sie für die hier beabsichtigten Anwendungszwecke
erforderlich ist.
[0007] Die Wirkungen der Zusatzelemente zur Erhöhung der Umwandlungstemperatur in Austenit
sind aus TRANSACTIONS OF THE METALLURGICAL SOCIETY OF AIME, Vol. 227 (1963), Seiten
884 - 890 bekannt, so daß der Fachmann die Menge und die Zusammensetzung dieser Zusätze
wählen kann, um einerseits eine metastabile austenitische Phase zu erhalten, bei der
die Umwandlungstemperatur von Austenit in Martensit (Ms) unterhalb der Raumtemperatur
liegt und gleichzeitig eine genügend hohe Temperatur für die Umwandlung des Martensits
(alpha-Phase) in Austenit (gamma-Phase) eingestellt werden kann (As).
[0008] Als Ausführungsbeispiel wurde eine Legierung mit 67Fe-14Cr-7Ni-5Mo-10Co bei 1100
°C auf 5 mm warmgewalzt, dann 1 h bei 1100 °C geglüht und in Wasser abgeschreckt.
In diesem Zustand ist die Legierung paramagnetisch und austenitisch. Anschließend
wurde diese Legierung auf 0,5 mm gewalzt, entsprechend 90 % Kaltverformung. In diesem
Zustand ist die Legierung durch Umwandlung der gamma- in die alpha-Phase ferromagnetisch.
Die Magnetwerte betragen für die Remanenzinduktion Br = 0,4 T und für die Koerzitivfeldstärke
Hc = 25 A/cm. Durch Anlassen im Temperaturbereich von 400 bis 600 °C während 1 min
bis 24 h können Br und Hc beträchtlich gesteigert werden. Nach einer Wärmebehandlung
von 3 h bei 500 °C ergab sich eine Koerzitivfeldstärke Hc = 70 A/cm und eine Remanenzinduktion
Br = 1,1 T. Weitere Zusammensetzungen mit einer Kaltverformung von 86 % bzw. 90 %
und einer Glühung bei unterschiedlichen Temperaturen sind in den Tabellen 1, 2 und
3 dargestellt.
[0009] Tabelle 1 zeigt Legierungen, die neben Eisen Ni, Cr, Mo, Mn und teilweise Co und
Ti enthalten. Man sieht, daß die Magnetwerte Br für die Remanenzinduktion und Hc für
die Koerzitivfeldstärke in dem geforderten Bereich liegen, soweit der Co-Gehalt über
4,5 % liegt und die anderen Zusätze so gewählt werden, daß sich eine metastabile austenitische
Legierung nach der Homogenisierungsglühung ergibt. Außerdem ist zu erkennen, daß sich
besonders vorteilhafte Magnetwerte ergeben, wenn der Kaltverformungsgrad mindestens
90 % beträgt.
[0010] Das Gleiche zeigt Tabelle 2, bei der die Temperatur der Schlußglühung auf 520 °C
erhöht wurde, während Tabelle 3 die gleichen Legierungen wie in Tabelle 2 zum Untersuchungsgegenstand
hat und dort der Einfluß der Temperatur der Wärmebehandlung gezeigt wird.
[0011] Die Beispiele lassen weiter erkennen, daß eine besonders vorteilhafte Zusammensetzung
dann gegeben ist, wenn der Kobaltgehalt größer als 4,5 und höchstens 12 % ist und
wenn eine Kaltverformung von über 80 % vorgenommen wird.
[0012] Da sich metastabile austenitische Legierungen dadurch auszeichnen, daß eine Umwandlung
des Austenits in Martensit entweder durch Kaltverformung oder durch Abkühlung unter
die Umwandlungstemperatur des Austenits in Martensit mit der alpha-Phase vorgenommen
werden kann, läßt sich die Umwandlung in Martensit weder durch Kaltverformung noch
durch Abkühlung erreichen, wenn die Anteile an Ni und Mn sowie die Anteile der weiteren
Zusätze zu groß werden. Man hat es dann mit stabilen austenitischen Legierungen zu
tun.
TABELLE 1
| Glühung bei 520 °C, 3 h mit unterschiedlicher Kaltverformung |
| |
Legierungszusammensetzung |
Magnetwerte |
| |
|
KV 86 % |
KV 90 % |
| |
Co |
Ni |
Cr |
Mo |
Mn |
Ti |
Br |
Hc |
Br |
Hc |
| |
% |
% |
% |
% |
% |
% |
T |
A/cm |
T |
A/cm |
| 9298 |
11,5 |
6,1 |
14,0 |
4,5 |
0,7 |
|
1,15 |
66 |
1,22 |
64 |
| 9353 |
9,8 |
7,0 |
12,8 |
4,8 |
0,6 |
0,3 |
0,99 |
56 |
1,22 |
75 |
| 9270 |
9,7 |
7,0 |
12,9 |
5,0 |
0,6 |
|
1,13 |
62 |
1,23 |
67 |
| 9349 |
9,1 |
7,0 |
12,8 |
4,5 |
0,5 |
|
1,05 |
46 |
1,24 |
60 |
| 9303 |
9,0 |
7,0 |
13,5 |
4,5 |
0,7 |
|
0,98 |
64 |
1,10 |
57 |
| 9302 |
8,0 |
8,0 |
11,5 |
3,8 |
0,6 |
|
0,99 |
40 |
1,14 |
37 |
| 9299 |
8,0 |
8,0 |
13,5 |
4,5 |
0,7 |
|
0,86 |
74 |
1,10 |
64 |
| 9350 |
4,5 |
6,9 |
13,1 |
4,5 |
0,5 |
|
0,90 |
33 |
1,12 |
38 |
| 9351 |
4,5 |
7,9 |
12,1 |
4,5 |
0,5 |
|
0,94 |
36 |
1,16 |
39 |
| 9300 |
4,5 |
10,0 |
13,0 |
4,5 |
0,7 |
|
0,38 |
95 |
0,69 |
88 |
| 9301 |
|
11,8 |
12,5 |
4,5 |
0,6 |
|
0,14 |
153 |
0,28 |
139 |
TABELLE 2
| Schlußglühung bei 520 °C, 3 h, Kaltverformung ca. 90% |
| |
Legierungszusammensetzung |
Magnetwerte |
|
| |
Co |
Ni |
Cr |
Mo |
Mn |
Ti |
Br |
Hc |
HV |
| |
% |
% |
% |
% |
% |
% |
T |
A/cm |
0,5 |
| 9353 |
9,8 |
7,0 |
12,8 |
4,8 |
0,6 |
0,3 |
1,22 |
75 |
736 |
| 9349 |
9,1 |
7,0 |
12,8 |
4,5 |
0,5 |
|
1,24 |
60 |
613 |
| 9350 |
4,5 |
6,9 |
13,1 |
4,5 |
0,5 |
|
1,12 |
38 |
552 |
| 9351 |
4,5 |
7,9 |
12,1 |
4,5 |
0,5 |
|
1,16 |
39 |
560 |
TABELLE 3
| Schlußglühung 3 h bei verschiedenen Temperaturen, Kaltverformung 90 % |
| |
Br (T) |
Hc (A/cm) |
| |
480 °C |
500 °C |
520 °C |
540 °C |
480 °C |
500 °C |
520 °C |
540 °C |
| 9349 |
1,21 |
1,23 |
1,24 |
1,07 |
44 |
51 |
60 |
72 |
| 9350 |
1,03 |
1,05 |
1,12 |
1,09 |
35 |
37 |
38 |
40 |
| 9351 |
1,10 |
1,12 |
1,16 |
1,14 |
34 |
38 |
39 |
44 |
| 9353 |
1,13 |
1,17 |
1,22 |
1,14 |
52 |
62 |
75 |
81 |
1. Halbharte, verformbare Dauermagnetlegierung, die im wesentlichen Eisen, Zusätze von
zusammen über 5 % Nickel und/oder Mangan sowie mindestens ein weiteres Zusatzelement
zur Erhöhung der Umwandlungstemperatur in Austenit (As) in solchen Mengen enthält,
daß sich eine metastabile austenitische Legierung ergibt, die durch Kaltverformung
und anschließende Wärmebehandlung ein Mischgefüge aus einer alpha-Phase (Austenit)
und einer gamma-Phase (Martensit) enthält, dadurch gekennzeichnet, daß sie zur Einstellung einer Koerzitivfeldstärke (Hc) im Bereich von mehr als 40
bis 100 A/cm und einer Remanenzinduktion (Br) über 0,8 T zusätzlich über 4,5 bis weniger
als 25 Gew.-% Kobalt sowie mindestens eines der Zusatzelemente Cr, Cu, Mo, W, Si,
V, Nb, Al, Ti, Ta, Zr, (C+N) enthält.
2. Halbharte verformbare Dauermagnetlegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Kobaltgehalt über 4,5 bis maximal 12 Gew.-% beträgt.
3. Halbharte verformbare Dauermagnetlegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die aus dem austenitischen Bereich (gamma-Phase) abgekühlte metastabile austenitische
Legierung vor der nachfolgenden Wärmebehandlung zur magnetischen Aushärtung einer
Kaltverformung von über 80 % unterzogen wird.
4. Halbharte verformbare Dauermagnetlegierung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Legierung einer Kaltverformung von mindestens 90 % unterzogen wird.