[0001] Die Erfindung ist auf einen Drehrohrofen zur Wärmebehandlung fließfähiger Materialien,
insbesondere von Schüttgütern, mit einem Drehrohrofenmantel, der an seinem auslaufseitigen
Ende als Doppelmantel ausgebildet ist, und mit Auslaufschutzsegmenten, die den Abschluß
dieses Doppelmantels und die Auslaufkante des Drehrohrofens bilden, gerichtet.
[0002] Das Auslaufende eines Drehrohrofens zur Wärmebehandlung fließfähiger Materialien,
insbesondere von Schüttgütern, z. B. ein Drehrohrofen zur Produktion von Zementklinker,
unterliegt im wesentlichen Beanspruchungen, die gleichzeitig und in unterschiedlichen
Anteilen auftreten:
□ thermische Beanspruchungen
- durch Kontakt mit dem hießen Produkt
- durch Kontakt mit der aus dem Kühler in den Ofen einströmenden Sekundärluft
- durch die Strahlung der Brennerflamme
□ chemische Beanspruchungen
- durch Kontakt mit Produktbestandteilen
- durch Kontakt mit den im Gasstrom enthaltenden festen und gasförmigen Bestandteilen
□ mechanische Beanspruchungen
- durch Oberflächenverschleiß infolge des über die Auslaufkante überlaufenden Produkts
und durch vorbeiströmende feste Bestandteile des Gasstromes
- durch Verformungen des Drehrohrofenmantels
Von der Gestaltung und Ausrüstung dieses extrem hoch beanspruchten Teils des Drehrohrofens
hängt deshalb ganz entscheidend dessen Haltbarkeit und somit die Verfügbarkeit der
gesamten Produktionsanlage ab.
[0003] Aus der Praxis sind daher verschiedene Ausführungsformen des Auslaufendes von Drehrohröfen
bekannt, wobei sich insbesondere bewährt hat, das Auslaufende in Form eines Doppelmantels
auszubilden, dessen Stirnende durch Auslaufchutzsegmente abgeschlossen ist, während
das entgegengesetzte Ende dieses Doppelmantels offen ist, so daß Kühlluft in den Hohlraum
des Doppelmantels eingeblasen werden kann.
[0004] So wird in der DE-A-31 46 320 ein Drehrohrofen beschrieben, dessen Auslaufende als
Doppelmantel ausgebildet ist, dessen stirnseitige Abschlußsegmente durch in Trommelachsrichtung
verlaufende Befestigungsschrauben gegen die Stirnseiten des Doppelmantels gezogen
werden.
[0005] Um den Außenring des Doppelmantels im wesentlichen konzentrisch um den Außenumfang
des Ofenmantels zu halten, wird in der DE-A-30 11 012 vorgeschlagen, in den Zwischenraum
zwischen dem Außenumfang des Ofenmantels und der Innenfläche des Außenrings eine Vielzahl
flexibler Abstandsleisten anzuordnen. Die Abstandsleisten sind aus Stahl gefertigt
und haben federähnliche Eigenschaften, so daß sie sich zur Aufnahme von unterschiedlichen
Ausdehnungen infolge von unterschiedlichen Temperaturen des Drehrohrofenmantels und
des Außenrings beim Betrieb des Drehrohrofens bewegen können.
[0006] In den letzten Jahren sind erhebliche Anstrengungen unternommen worden, die Wärmerückgewinnung
in den den Drehrohröfen nachgeschalteten Kühlern zu steigern. Dies hat zu höheren
Temperaturen der von den Kühlern in die Drehrohröfen strömende Sekundärluft geführt
und damit zu einer höheren thermischen Beanspruchung des Auslaufbereichs, wodurch
die Standzeiten der den Auslauf bildenden Materialien reduziert werden:
- Hitzebeständige Stahlgußwerkstoffe geraten an die Grenze ihrer Beanspruchbarkeit.
Das Ausweichen auf höher zu beanspruchende metallische Werkstoffe erhöht drastisch
die Anschaffungskosten.
- Die Luftkühlung läßt sich nicht in beliebiger Weise und den Erfordernissen entsprechend
steigern.
[0007] Es ist Aufgabe der Erfindung, die bekannten Ausführungsformen des Auslaufendes von
Drehrohröfen weiterzubilden, und eine konstruktive und werkstofftechnische Lösung
für die Gestaltung des Drehrohrofenauslaufs zu schaffen, die den gesteigerten Anforderungen
gerecht wird und zu einer Standzeitverlängerung des Drehrohrofenauslaufs führt.
[0008] Diese Aufgabe wird mit den Maßnahmen des Kennzeichnungsteils des Anspruchs 1 gelöst.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0009] Gemäß der Erfindung wird der Drehrohrofenmantel durch Auslaufschutzsegmente an seinem
auslaufseitigen Ende bis zu seiner Ablaufkante verlängert. Die Auslaufschutzsegmente
sind hierzu auf Tragarme angeordnet, die gleichmäßig über den Umfang außen am Drehrohrofenmantel
verteilt befestigt sind und über das Ende des Drehrohrofenmantels hinauskragen. Der
Effekt dieser Konstruktion ist, daß bei Überhitzung im Bereich des Auslaufendes kein
geschlossener Drehrohrofenmantel in diesem Bereich vorhanden ist, der trompetenförmig
austrichtern kann, sondern ein aus Auslaufschutzsegmente gebildetes Drehrohrofenende,
das weitgehend seine zylindrische Form beibehält.
[0010] Durch das Merkmal der Erfindung, die Auslaufschutzsegmente mehrteilig auszuführen
und die einzelnen Teile spannungsfrei miteinander und mit den Tragarmen lösbar in
Form von Steckverbindungen zu verbinden, ergeben sich folgende weitere Vorteile:
[0011] Zunächst ist es in einfacher Weise möglich, einzelne Segmentteile, die verschlissen
oder sonstwie zerstört sind und deshalb durch neue Segmentteile ersetzt werden müssen,
aus dem Auslaufschutzsegmenten herauszulösen, ohne das gesamte Segment ausbauen zu
müssen. Weiterhin gestattet die spannungsfreie Verbindung der Segmentteile untereinander
und mit den Tragarmen die Maßnahme, die Segmentteile aus besonders hitzebeständigen
und abriebfesten Materialien zu fertigen, beispielsweise aus Materialien wie Korund
oder keramische Materialien aus der Gruppe der Hartstoffe, also Werkstoffe, die normalerweise
sprödes Verhalten zeigen und insbesondere gegenüber Zugspannungen empfindlich sind,
wodurch die Standzeit gegenüber normale metallische Werkstoffe erheblich gesteigert
werden kann.
[0012] Der spannungsfreie Zusammenbau der Segmentteile zu Auslaufschutzsegmenten gestattet
es auch, die Segmentteile je nach der zu erwartenden Beanspruchung aus unterschiedlichen
Werkstoffen zu fertigen, da Unterschiede im Werkstoffverhalten, z. B. des thermischen
Ausdehnungskoeffizienten, sich nicht nachteilig, z. B. in Form von Verspannungen,
auswirken kann. Die Segmentteile sind gemäß der Erfindung so gestaltet, daß trotz
des spannungsfreien Zusammenbaus ein hoher mechanischer Zusammenhalt gegeben ist mit
weitgehend gas- und staubdichten Trennfugen.
[0013] Weitere Vorteile, Einzelheiten und Merkmale der Erfindung werden für zwei Ausführungsbeispiele
von möglichen Auslaufschutzsegmentteilen anhand von schematischen Zeichnungsfiguren
näher erläutert.
[0014] Es zeigen:
- Fig. 1 :
- Seitenansicht des Drehrohrofenauslaufbereichs mit Doppelmantel eines Drehrohrofens;
- Fig. 2:
- ein Längsschnitt durch den aus Auslaufschutzsegmenten gebildeten Abschluß des Doppelmantels;
- Fig. 3:
- eine Ansicht entsprechend III-III der Fig. 2;
- Fig. 4:
- eine Draufsicht (geschnitten) entsprechen IV-IV der Fig. 2;
- Fig. 5:
- eine perspektivische Explosionszeichnung der Auslaufschutzsegmente entsprechend der
Fig. 2;
- Fig. 6:
- eine perspektivische Explosionszeichnung der ineinandergeschobenen Auslaufschutzsegmente
entsprechend Fig. 2;
- Fig. 7:
- einen Längsschnitt durch den aus Auslaufschutzsegmenten gebildeten Abschluß des Doppelmantels
in einem weiteren möglichen Ausführungsbeispiel.
[0015] In der Fig. 1 ist schematisch der Ofenauslaufbereich (9) eines Drehrohrofens (8)
dargestellt, der mit seiner Abschlußkante (20) in den Ofenkopf (7) eines dem Drehrohrofen
(8) nachgeschalteten Kühlers (6) hineinragt. Mit II ist in Fig. 1 der Bereich des
Ofenauslaufs eingezeichnet, der in den nachfolgenden Figuren dargestellt ist.
[0016] Wie die Fig. 2 bis 6 zeigen, ist der Ofenauslaufbereich (9) als Doppelmantel ausgebildet,
dessen innere Wandung vom Drehrohrofenmantel (16) und dessen äußere Wandung von einem
Rohr (18) gebildet wird. Zum Auslaufende des Drehrohrofens hin wird dieser Doppelmantel
von Auslaufschutzsegmenten abgeschlossen, die aus den Auslaufschutzsegmentteilen (11,
11', 12, 12') gebildet werden und die den Drehrohrofen (8) um den Betrag ihrer Länge
nach verlängern.
[0017] Wie insbesondere die Fig. 3 bis 6 zeigen, sind die Auslaufschutzsegmentteile (11,
11', 12, 12') so gestaltet und so ineinandergesteckt, daß nur durch Sicherung mittels
eines bolzenförmigen Körpers, in den Zeichnungsfiguren ist dieser bolzenförmige Körper
als Schraube (21) dargestellt, eine kraftschlüssige und in ihren Trennfugen weitgehende
staub- und gasdichte Verbindung untereinander hergestellt ist.
[0018] Wie in den Fig. 3 und 4 dargestellt ist, sind auch in Umfangsrichtung die Auslaufschutzsegmentteile
(11, 11', 12, 12') miteinander verzahnt angeordnet, um gas- und staubdichte Trennfugen
zwischen den Auslaufschutzsegmentteilen (11, 11' bzw. 12, 12') zu gewährleisten.
[0019] Die Verbindung der Auslaufschutzsegmente mit dem Drehrohrofenmantel (16) ist über
Tragarme (15) hergestellt.
[0020] Unterhalb des Drehrohrofenmantels (16), der mit Abstand von der Abschlußkante (20)
des Drehrohrofens (8) endet, sind die Tragarme (15), die in diesem Ausführungsbeispiel
hohlkastenförmig ausgebildet sind, so befestigt (beispielsweise angeschweißt), daß
sie über das Ende des Drehrohrofenmantels (16) hinauskragen.
[0021] Auf diesem überstehenden Teil der Tragarme (15) sind die Auslaufschutzsegmente mit
Hilfe eines Formkörpers (19) aufgeschoben, wobei ein Ende des Formkörpers (19) in
die entsprechend gestaltete Ausnehmung (23) des Auslaufschutzsegmentteils (12 bzw.
12') und das andere Ende des Formkörpers (19) in den Hohlraum des hohlkastenförmig
ausgebildeten Tragarms (15) hineingesteckt ist.
[0022] Die Arretierung der Auslaufschutzsegmente auf den Tragarmen (15) geschieht im dargestellten
Ausführungsbeispiel mit Hilfe einer Schraube (21), die von oben durch die Ausnehmung
(28) im Auslaufschutzsegmentteil (11 bzw. 11') und weiter durch die Ausnehmung (27)
der Tragarme (15) geführt ist. Die Schraube (21) wird von einer Schraubenmutter (25)
gehalten, die in einer entsprechend gestalteten Nut der Auslaufschutzsegmentteile
(12 bzw. 12') angeordnet ist und auf diese Weise bei Drehung der Schraube an einer
Drehung gehindert ist.
[0023] Oben auf die Auslaufschutzsegmentteile (11 bzw. 11') sind die Auslaufschutzsegmentteile
(10) bündig aufgesetzt, so daß mit den Auslaufschutzsegmentteilen (11 bzw. 11') eine
gemeinsame Abschlußkante (20) gebildet wird. Gehalten wird dieses Auslaufschutzsegmentteil
(10) durch die feuerfeste Stampfmasse (17), die sich den Konturen des vertikalen Teils
dieses Auslaufschutzsegmentteils (10) anpaßt sowie durch Anker (22), die auf den Schrauben
(21) angeschweißt sind und die durch die von den schwalbenschwanzförmigen horizontalen
Teilen der Auslaufschutzsegmentteilen (10) gebildeten Ausnehmungen, die mit feuerfester
Stampfmasse (17) gefüllt sind, hineinragen.
[0024] Eine weitere, besonders für die Verwendung von feuerfesten Steinen (anstelle von
feuerfester Stampfmasse) geeignete Ausführungsform von Auslaufschutzsegmenten ist
in der Fig. 7 dargestellt. In diesem Ausführungsbeispiel sind die in den Ausführungsbeispielen
der Fig. 2 bis 6 beschriebenen Auslaufschutzsegmentteile (10 und 11 bzw. 11') zu einem
Auslaufschutzsegmentteil (13) zusammengefaßt bei sonst gleicher Ausbildung der übrigen
Konstruktionsteile. Die Zusammenfassung der Auslaufschutzsegmentteile (10 und 11 bzw.
11') zu einer Einheit ist bei Verwendung feuerfester Steine erforderlich, da die bei
feuerfesten Stampfmassen möglichen Verankerungen, beispielsweise die Verankerung der
feuerfesten Ausmauerung mittels eines Ankers (22), bei Steinen in dieser Form nicht
möglich oder nur mit erheblichem Aufwand durchführbar sind.
[0025] Die dargestellten Anwendungsbeispiele stellen hinsichtlich der Gestaltung der Auslaufschutzsegmente
bezüglich der Anzahl und der Form der Verzahnungen nur mögliche Beispiele dar, die
entsprechend der Erfindung durch andere Verzahnungsformen ersetzt oder ergänzt werden
können. Auch die Anzahl der Auslaufschutzsegmentteile, aus die die Auslaufschutzsegmente
gebildet sind, können von der in den Ausführungsbeispielen gezeigten Anzahl entsprechend
der Erfindung abweichen.
1. Drehrohrofen zur Wärmebehandlung fließfähiger Materialien, insbesondere von Schüttgütern,
mit einem Drehrohrofenmantel, der an seinem auslaufseitigen Ende als Doppelmantel
ausgebildet ist, und mit Auslaufschutzsegmenten, die den Abschlaß dieses Doppelmantels
und die Auslaufkante des Drehrohrofens bilden,
gekennzeichnet durch die Kombination folgender Merkmale:
a) der Drehrohrofenmantel (16) endet mit Abstand vor der Auslaufkante (20) des Drehrohrofens;
b) über den Umfang des Drehrohrofenmantels (16) sind gleichmäßig außen am auslaufseitigen
Ende des Drehrohrofenmantels (16) auskragende Tragarme (15) befestigt, auf die Auslaufschutzsegmente,
die aus Auslaufschutzsegmentteilen (10, 11, 11', 12, 12', 13) gebildet sind, so angeordnet
sind, daß sie den Drehrohrofenmantel (16) bis zur Auslaufkante (20) verlängern;
c) die Auslaufschutzsegmentteile (10, 11, 11', 12, 12', 13) sind verspannungsfrei
in Form von Steckverbindungen in axialer und in Umfangsrichtung des Drehrohrofenmantels
(16) miteinander und mit den Tragarmen (15) lösbar verbunden und bilden einen weitgehend
gas- und staubdichten Abschluß des Doppelmantels.
2. Drehrohrofen nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Auslaufschutzsegmentteile (10, 11, 11', 12, 12', 13) aus hitzebeständigen,
gegenüber chemische Einflüsse und Verschleiß beständigen Werkstoffen, vorzugsweise
aus keramischen Werkstoffen, gefertigt sind.
3. Drehrohrofen nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß Auslaufschutzsegmentteile (10, 11, 11', 12, 12', 13) aus unterschiedlichen Materialien
zu Auslaufschutzsegmenten miteinander kombiniert sind.
4. Drehrohrofen nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Auslaufschutzsegmentteil (13), an dem die feuerfeste Ausmauerung (14) des
Drehrohrofens endet und das somit die Auslaufkante (20) des Drehrohrofens bildet,
auch einen Teil des Abschlusses des Doppelmantels bildet.