[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Steuern und Regeln des Verstellpropellers
bei nichtstationären Betriebszuständen von aufgeladenen Dieselmotoren.
[0002] Die Entwicklung im Schiffsdieselmotorenbau ist durch die Erhöhung der Leistungskonzentration
und Leistungsdichte Sowie des Wirkungsgrades geprägt. Die Wirkungsgradsteigerung kann
zur Reduktion des Betriebsfeldes des Abgasturboladers führen, die das Laständerungsverhalten
des Motors, vor allem bei Leistungssteigerungen, beeinträchtigt und zu einer Verschlechterung
des Manövrierverhaltens, d.h. des Verhaltens im nichtstationären Betrieb führt.
[0003] Neben dem dynamischen Verhalten im Brems- und Anlassbereich ist das Verhalten von
Dieselmotoren im instationären Betrieb, bei grossen Last-, bzw. Brennstoffmengenerhöhungen
entscheidend für die Schiffssicherheit. Es wird also verlangt, dass die Manövrierfähigkeit
des Schiffs jederzeit gewährleisten bleibt, der Dieselmotor Befehlen zur Leistungserhöhung
möglichst kurzzeitig und sofort folgt und keinen Schaden aufgrund von thermischer
Überbeanspruchung kritischer Teile nimmt.
[0004] Die Drehmomentcharakteristik im instationären Betrieb ist wesentlich vom Trägheitsmoment
und der Charakteristik des Turboladers abhängig, da der Anteil der verbrannten Kraftstoffmenge
eine Funktion der Zylinderfüllung ist, die wiederum vom absoluten Ladedruck und der
Spülluftmenge, also dem zeitlichen Ansprechverhalten, Druckaufbauzeit usw. des Turboladers,
insbesondere Abgasturboladers abhängig ist.
[0005] Durch die Leistungssteigerung der Motoren wird die Grenzkurve für mechanische und
thermische Belastung in der Art verschoben, dass der Bereich für intermittierenden
Betrieb "B", d.h für Beschleunigungen, verkleinert wird und somit die auftretenden
Motorbelastungen bei instationären Betriebszuständen, d.h. im Betrieb mit wechselnder
Last, die Grenzen viel eher erreichen oder gar überschreiten. Dadurch unterschreitet
die dem Motor vom Turbolader zur Verfügung gestellte Luftmenge den Wert, welcher für
eine gute Verbrennung des eingespritzten Brennstoffes notwendig wäre. Dieses führt
zu unerwünschter Rauch- und Russentwicklung und zu erhöhten Betriebs- und Bauteiltemperaturen
von Teilen im Zylinderbereich, wie beispielsweise Ventil, Ventilsitz, Einspritzdüsenkopf,
Kolben, Kolbenring, Zylinder des Motors, was zu Schäden am Dieselmotor führen kann.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren für den Betrieb des Dieselmotors, der
einen Verstellpropeller treibt, zu schaffen, der ein verbessertes Drehzahl-Erhöhungs-Verhalten,
d.h. ein verbessertes Beschleunigungsverhalten aufweist, ohne dass sich der Wirkungsgrad
des Propellers bei konstanter Teillastfahrt verschlechtert.
[0007] Erfindungsgemäss wird diese Aufgabe mit einem Verfahren mit den Merkmalen im Kennzeichen
des unabhängigen Anspruchs 1 gelöst. Die abhängigen Verfahrensansprüche beziehen sich
auf vorteilhafte Weiterbildungen des Verfahrens. Eine erfindungsgemässe Steuerung
und Regelung arbeitet nach dem erfindungsgemässen Verfahren. Der Dieselmotor nach
der Erfindung umfasst eine erfindungsgemässe Steuer- und Regelanlage und ein erfindungsgemässes
Schiff schliesslich verfügt über einen Dieselmotor mit einer Steuerung und Regelung
des Verstellpropellers nach der Erfindung.
[0008] Bei einer Füllungs- und Laständerung mit einer entsprechenden BA-Position (Brennstoff-Anzeige),
d.h. einer bestimmten Brennstoff-Einspritzmenge pro Takt und der dazugehörigen Drehzahl
wird mit Hilfe der Verstellpropellersteuerung also zunächst einmal die Steigung des
Verstellpropellers soweit zurückgenommen, bis die zu erreichende Soll-Drehzahl erreicht
wird. Erst dann wird mehr Füllung freigegeben, d.h. pro Takt mehr Brennstoff eingespritzt,
bis die endgültige BA-Position erreicht ist. Die Steigung des Propellers muss in diesem
Vorgang jeweils so nachgeführt werden, dass die Drehzahl den gewünschten Wert beibehält.
[0009] Erreicht wird hiermit, dass die quasistationären Propellerpunkte im Last-Diagramm
(Load Range Diagramm) in jedem Falle unterhalb der höchstzulässigen Grenze der thermischen
Belastung des Motors bleiben. Es ist somit immer sichergestellt, dass der Turbolader
zu jedem Zeitpunkt dem Motor ausreichend Luft zur Verfügung stellt, um eine rauchfreie
Verbrennung des Treibstoffs zu gewahrleisten.
[0010] Die der Erfindung zugrunde liegende Idee einer Verstellpropeller- und Einspritzsteuerung
und -Regelung bewirkt ausserdem eine wesentliche Verbesserung des Beschleunigungsverhaltens
beim Manövrieren, ohne dass der optimale Propellerwirkungsgrad bei konstanter Teillastfahrt
in Kauf genommen werden muss oder beeinträchtigt wird. Die Erfindung ist besonders
vorteilhaft für mittel- und schnelllaufende Schiffs-Dieselmotoren, d.h. Motoren mit
Drehzahlen von 200 bis 2500 U/min, die vorwiegend nach dem 4-Takt-Verfahren arbeiten
und mit Drehzahlreduktionsgetrieben ausgerüstet sind. Aber auch bei direkt treibenden,
langsam laufenden 2-Takt-Motoren mit Verstellpropeller ist eine Steuerung und Regelung
nach der Erfindung von Vorteil.
[0011] Die Erfindung wird im folgenden anhand der Figur, welche ein Beispiel eines typischen
Lastdiagramms (Load Range Diagramm; Leistungs-Drehzahldiagramm) zeigt, näher erläutert.
[0012] In diesem Lastdiagramm haben die verschiedenen Bereiche und Punkte folgende Bedeutung:
- CMCR
- Die vertraglich vereinbarte maximale Dauerleistung (Contract Maximum Continuous Rating);
- A
- Betriebsbereich, in welchem die Dieselmotor/Propelleranlage ohne Einschränkung betrieben
werden kann;
- B
- Betriebsbereich, in welchem die Dieselmotor/Propelleranlage mit Einschränkungen vorübergehend
betrieben werden kann, sog. off-design conditions; ist abhängig von Zylinderleistung,
und bestimmt durch mechanische und thermische Belastungsgrenzen;
der gebogene Teil b der in der Figur gezeigten Begrenzungslinie des Bereichs B beispielsweise
entspricht der thermischen Lastgrenzlinie für einen Motor, von 720 kW Leistung pro
Zylinder;
- C
- Überlastbereich im Bereich von beispielsweise 100% bis 104% Drehzahl; ist nur erlaubt
bei z.B. Abnahmeversuchen um 100% Leistung nachzuweisen;
- D1
- Fixed-Pitch-Propeller-Bereich, berechnet auf der idealen Basis von maximaler Leistung,
bei sauberem Schiffsrumpf, neuem Propeller, idealen Wetter- und Wasser-Bedingungen;
- D2
- Empfohlener Betriebsbereich; verbindet Brennstoffsoptimierung im hohen Leistungsbereich
mit besserem Beschleunigungsvermögen im tiefen Leistungsbereich; D2 ist weitgehend
als Teilbereich von A zu verstehen;
Der bisher empfohlene Betriebsbereich für die Auslegung von Verstellpropelleranlagen
ist der Bereich D2. Dieser Bereich wurde so gewählt, dass genügend Spielraum für die
Veränderung der Motorleistung L beim Beschleunigen des Schiffs, d. h. für Drehzahlerhöhungen
des Motors besteht. Für diesen Bereich sollte das Zusammenspiel zwischen Verstellpropeller-Steuerung
und Motor-Regelung ausgelegt sein. Beim Verschieben der Propellerbetriebskurve nach
rechts von der fixed pitch Propeller Kurve, verschlechtert sich der Propellerwirkungsgrad,
was im Dauerbetrieb unerwünscht ist. Somit bleibt nur die Auslegung einer Verstellpropellersteuerung
derart, dass entweder genügend Leistungsreserve mit schlechterem Propellerwirkungsgrad
resultiert oder dass ein guter Wirkungsgrad mit kleiner Leistungsreserve und trägem
Verhalten bei Leistungsänderungen in Kauf genommen wird.
[0013] Mit der strichpunktierten Linie ist ein Beispiel der Leistungsänderung nach dem neuen
Betriebsverfahren ins Lastdiagramm eingezeichnet.
[0014] Ausgehend von einem Betriebszustand E niedriger Leistung L, von etwas über 20% der
Leistung beim CMCR-Leistung und einer Drehzahl von etwas über 60% der CMCR-Drehzahl
wird zuerst die Steigung des Verstellpropellers verringert, was bei gleicher Leistung
L das Erhöhen der Drehzahl des Propellers auf etwas über 70% der CMCR-Drehzahl zur
Folge hat; Punkt F.
[0015] Nun wird die Leistung L des Motors bei gleichbleibender Drehzahl auf etwas über 30%
CMCR erhöht; Punkt G. Die Drehzahl wird dabei konstant gehalten, indem die Steigung
des Verstellpropellers gleichzeitig derart erhöht wird, dass die Drehzahl bei zunehmender
Leistung L des Motors wenigstens angenähert konstant bleibt.
[0016] Ist der Punkt G im Bereich D1 erreicht, wird die Leistung L nicht weiter erhöht.
In einem weiteren Zyklus, wird nun, sofern dies der Betrieb verlangt, wiederum die
Steigung des Verstellpropellers verringert, was wieder, bei gleichbleibender Leistung
L, das Erhöhen der Drehzahl des Propellers auf etwas über 95% der CMCR-Drehzahl zur
Folge hat; Punkt H.
[0017] Und jetzt wird die Leistung L des Motors, bei wiederum gleichbleibender Drehzahl,
auf etwas über 75% CMCR erhöht; Punkt K. Die Drehzahl wird dabei wieder konstant gehalten.
Indem die Steigung des Verstellpropellers gleichzeitig derart erhöht wird, bleibt
die Drehzahl bei zunehmender Leistung L des Motors wenigstens angenähert konstant.
[0018] Auf diese Art ist es mit einem optimal ausgelegen Dieselmotor mit hohem Wirkungsgrad
problemlos möglich, in einzelnen oder wenigen Schritten Leistungsänderungen vorzunehmen,
ohne dass die eingangs beschriebenen Probleme im Zusammenhang mit der ungenügenden
Verbrennung des Brennstoffs auftreten.
Insbesondere kann mit den neuen Betriebsverfahren nach der Erfindung auch die unerwünschte
Rauch- und Russentwicklung vermieden werden. Die Grösse und Zahl der Schritte wird
je nach der erforderlichen Leistungsänderung gewählt.
[0019] Das Auslegen einer Steuerung und Regelung, welche die oben beschriebenen Schritte
ganz oder wenigstens teilweise selbsttätig ausführt, kann mit den bekannten Mitteln
der Regeltechnik vom Fachmann problemlos realisiert werden und bedarf deshalb keiner
besonderen Darstellung.
[0020] Beim Verfahren zum Verbessern des dynamischen Verhaltens und Erhöhen des Wirkungsgrades
von aufgeladenen Dieselmotoren, welche einen Verstellpropeller antreiben, wird vorerst
die Steigung des Verstellpropellers so verkleinert bis der Dieselmotor und damit auch
der Verstellpropeller die erhöhte, neue Soll-Drehzahl erreicht hat, erst darnach wird
die Einspritzmenge des Kraftstoffs und damit die Leistung (L) des Dieselmotors erhöht
und beim darauf folgenden Erhöhen der Einspritzmenge die Steigung des Verstellpropellers
wieder erhöht, mit Vorteil möglichst derart, dass die vorher erreichte, neue Soll-Drehzahl
beibehalten wird.
1. Verfahren zum Verbessern des dynamischen Verhaltens bzw. Erhöhen der Leistung von
aufgeladenen Dieselmotoren welche einen Verstellpropeller antreiben und mit einer
Steuerung zum Verstellen der Steigung der Flügel des Verstellpropellers und eine Regelung
für die Kraftstoffeinspritzung des Dieselmotors aufweisen,
gekennzeichnet durch
das Verkleinern der Steigung des Verstellpropellers bis der Dieselmotor und damit
auch der Verstellpropeller eine erhöhte neue Soll-Drehzahl erreicht hat,
darnach die Einspritzmenge des Kraftstoffs und damit die Leistung (L) des Dieselmotors
erhöht wird und
beim Erhöhen der Einspritzmenge die Steigung des Verstellpropellers wieder erhöht
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei welchem mit einer Regelung und Steuerung die Steigung
des Verstellpropellers derart wieder erhöht wird, dass die Soll-Drehzahl des Verstellpropellers
beim Erhöhen der Einspritzmenge des Kraftstoffs wenigstens angenähert konstant bleibt.
3. Verfahren, bei welchem die Soll-Drehzahl des Verstellpropellers und Soll-Leistung
des Dieselmotors in aufeinanderfolgenden Schritten nach Anspruch 1 oder 2 erfolgt.
4. Steuer- und Regelanlage für das Erhöhen der Einspritzmenge eines aufgeladenen Dieselmotors
und das Verstellen der Steigung eines Verstellpropeller, welcher vom Dieselmotor angetrieben
ist, welche nach dem Verfahren von einem der Ansprüche 1 bis 3 arbeitet.
5. Analoge oder digitale Steuer- und Regelanlage nach Anspruch 4.
6. Aufgeladener Dieselmotor und Verstellpropeller der vom Dieselmotor angetrieben wird,
mit einer Steuer- und Regelanlage nach Anspruch 4 oder 5.
7. Schiff mit einem aufgeladenen Dieselmotor und Verstellpropeller nach Anspruch 6.