[0001] Heteroatomhaltige Verbindungen, wie etwa halogenierte Kohlenwasserstoffe oder Heterocyclen,
wie beispielsweise Triazinverbindungen, finden in vielen Bereichen Anwendung. So kommen
beispielsweise halogenierte Kohlenwasserstoffe als Lösungsmittel, als Treibmittel,
im Reinigungsbereich oder als Flammhemmer zum Einsatz. Andere Einsatzgebiete für heteroatomhaltige
Verbindungen sind beispielsweise die Kunststoffindustrie oder der Agrarbereich.
So werden unter anderem Triazinverbindungen, wie Melamin und dessen Folgeprodukte,
etwa Melamin-Formaldehydharze, in großem Umfang zu Kunststoffgegenständen oder bei
der Beschichtung von Holzfaserplatten verarbeitet.
Da diese Verbindungen bzw. Gegenstände oder Formulierungen, die diese Verbindungen
enthalten, eines Tages auch wieder entsorgt werden müssen, ist deren umweltgerechte
Beseitigung von großer Bedeutung.
Obwohl bekannt ist, daß bei der pyrolytischen Behandlung vieler heteroatomhaltiger
Verbindungen Giftstoffe, wie Blausäure, Dicyan, Isocyansäure entstehen, wurde bisher
kein umweltgerechtes Entsorgungsverfahren gefunden.
[0002] In EP-A-0 051 156 ist beschrieben, daß Spuren von Melamin aus Abgasen in Gegenwart
von Wasserdampf und Kupfer- und/oder Eisenoxid enthaltenden Katalysatoren bei 205
bis 280 °C bis zu etwa 90 %, in Gegenwart von Aluminiumkatalysatoren von etwa 30 bis
höchstens 70 % entfernt werden können. Eine umweltgerechte und möglichst vollständige
Entsorgung einer Vielzahl von heteroatomhaltigen Verbindunge, insbesondere von Triazinverbindungen,
ist gemäß EP-A-0 051 156 jedoch nicht möglich.
[0003] Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es ein Verfahren zu finden, das für eine Vielzahl
von unterschiedlichen Verbindungen, die Kohlenstoff-Heteroatombindungen aufweisen,
eine möglichst umweltgerechte und vollständige Entsorgung gewährleistet.
[0004] Es wurde nun unerwarteterweise gefunden, daß verschiedenste Verbindungen mit Kohlenstoff-Heteroatombindungen,
wie etwa halogenierte Kohlenwasserstoffe oder Heterocyclen, insbesondere Triazinverbindungen
umweltgerecht abgebaut werden können, wenn man sie mit Wasserdampf bei Temperaturen
von 300 bis 600°C in Gegenwart eines Aluminiumkatalysators behandelt. Durch diese
Erfindung ist es möglich, daß insbesondere Triazinabfälle vollständig und umweltgerecht
abgebaut werden können.
[0005] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist demnach ein Verfahren zum umweltgerechten
Abbau von chemischen Verbindungen, die ein oder mehrere Heteroatome X, wobei X F,
Cl, Br, J, N, O oder S bedeutet, aufweisen, durch Spaltung der C-X Kohlenstoff-Heteroatombindungen,
das dadurch gekennzeichnet ist, daß die chemischen Verbindungen oder Gegenstände,
in denen die chemischen Verbindungen enthalten sind, in Gegenwart eines Aluminiumkatalysators
bei 300 - 600 °C mit Wasserdampf behandelt werden.
[0006] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren werden C-X Kohlenstoff-Heteroatombindungen von
chemischen Verbindungen, die ein oder mehrere Heteroatome X aufweisen, gespalten.
X bedeutet dabei F, Cl, Br, J, N, O oder S.
Unter C-X Kohlenstoff-Heteroatombindungen sind Bindungen aus der Gruppe C-F, C-Cl,
C-Br, C-J, C-NH₂, C-NHR₁, C-NR₁R₂, C-NH-C, C-NR₁-C, C=N-C, C-SH, C-S-C, C-S-S-C, C=S,
C-O-C, C-OR₃, COOR₃ oder C=O zu verstehen. R₁, R₂ können gleich oder verschieden sein
und einen Alkylrest, bevorzugt mit 1 - 10 C-Atomen bedeuten. R₃ kann H oder ein Alkylrest
mit 1 - 10 C-Atomen sein. Als chemische Verbindung kommen daher Verbindungen, die
eine oder mehrere der oben erwähnten C-X-Bindungen enthalten, in Frage. Dies sind
beispielsweise aliphatische Verbindungen, die mit einem oder mehreren Resten der Gruppe
-F, -Cl, -Br, -J, -NH₂, - NHR₁, -NR₁R₂, -SH, =S, -OR₃, =O, -OOR₃ substituiert sind.
Aliphatische Verbindungen sind dabei gesättigte, ein- oder mehrfach ungesättigte,
lineare, verzweigte oder cyclische Kohlenwasserstoffe wie Alkane, Alkene, Alkine,
Cycloalkane, -alkene, -alkine. Zu den Kohlenwasserstoffen zählen auch Kohlenwasserstoffe,
die, gegebenenfalls in Kombination mit den oben erwähnten Substituenten, in der Kohlenwasserstoffkette
C-X-Bindungen aus der Gruppe C-NH-C, C-NR₁-C, C=N-C, C-S-C, C-S-S-C, C-O-C enthalten.
Die Verbindungen können zusätzlich zu den bereits erwähnten Substituenten noch weitere
Substituenten wie etwa einen Phenylrest aufweisen.
Beispiele dafür sind Trichlormethan, Methylenchlorid, Dichlorethan, Butyljodid, Dimethylmethan,
Butylchlorid, Chlorcyclohexan, Bromundecan, Benzylchlorid, u.a.
Zu den nach dem erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbaren chemischen Verbindungen gehören
auch aromatische Verbindungen, die mit einem oder mehreren Resten aus der Gruppe F,
Cl, B, J, NH₂, NR₁, NR₁R₂, OR₃ oder SH substituiert sind. Aromatische Verbindungen
sind dabei aromatische Kohlenwasserstoffringe mit bevorzugt 5 - 14 C-Atomen, wie etwa
ein Benzol-, Naphtalin-, Inden-, Fluoren- oder Anthracenring.
Die Aromaten können zusätzlich zu den bereits erwähnten Substituenten noch weitere
Substituenten wie etwa Alkylreste aufweisen.
Weiters kommen heterocyclische Verbindungen als chemische Verbindungen in Frage. Unter
heterocyclischen Verbindungen sind dabei Ringe mit einem oder mehreren Heteroatomen
aus der Gruppe N, O oder S zu verstehen, wobei der Heterocyclus beispielsweise ein
monocyclisches, bicyclisches oder mehrfach kondensiertes System sein kann. Die heterocyclischen
Verbindungen weisen dabei C-X-Bindungen aus der Gruppe C=N-C, C-S-C, C-NH-C, C-NR₁-C,
C-O-C, im Cyclus auf. Beispiele für heterocyclische Verbindungen sind Pyrrol, Pyridin,
Thiophen, Indol, Thionaphthen, Pyrazol, Benzimidazol, Thiazol, Triazole und Triazine.
Die heterocyclischen Verbindungen können mit einem oder mehreren Heteroatomen X substituiert
sein und somit eine oder mehrere Bindungen aus der Gruppe C-F, C-Cl, C-Br, C-J, C-NH₂,
C-NHR₁, C-NR₁R₂, C-SH, C=S, COR₃, COOR₃ aufweisen. Gegebenenfalls können die heterocyclischen
Verbindungen noch durch zusätzliche Reste, wie etwa Alkylreste, substituiert sein.
Bevorzugte heterocyclische Verbindungen sind Triazinverbindungen.
Der Triazinring ist ein Benzolkern, in dem drei C-Atome durch Stickstoffatome ersetzt
sind. Bevorzugte Triazinverbindungen enthalten dabei das 1,3,5-Triazin. Das 1,3,5-Triazin
ist beispielsweise in Cyanursäure und dessen Derivaten enthalten, von denen insbesonders
das Cyanursäuretriamid, bekannt unter dem Namen Melamin, große industrielle Bedeutung
erlangt hat. Durch Polykondensation mit Aldehyden, insbesonders mit Formaldehyd, entstehen
die wichtigen Melaminharze, die etwa zur Herstellung elektrischer Isolatoren, Gebrauchsgegenstände,
wie Teller, Tassen oder zur Beschichtung von Materialien, insbesonders von Holzfaserplatten
in großem Umfang verwendet werden. 1,3,5-Triazine sind aber etwa auch in Agrarchemikalien,
wie in Atrazin und in Brandschutzmassen enthalten. Ein Gegenstand, der Triazinverbindungen
enthält, umschließt beispielsweise auch Feldformulierungen, in denen Atrazin enthalten
ist oder Brandschutzmassen, die vernichtet werden sollen. Bevorzugt wird das Verfahren
zur umweltgerechten Beseitigung von Melamin-Formaldeydharz, von Agrarchemikalien,
die den Triazinring enthalten oder zu Beseitigung des Melamin-Formaldehydharzes aus
einem Abfallprodukt, das ein solches Harz enthält, eingesetzt.
[0007] Gegenstände, die die chemischen Verbindungen enthalten und die nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren entsorgt werden können, sind daher beispielsweise Kunststoffe, Agrarchemikalien,
Brandschutzmassen, Spannplatten und beschichtete Gegenstände.
Die Spaltung der C-X-Bindungen der oben genannten chemischen Verbindungen erfolgt
nach dem erfindungsgemäßen Verfahren in Gegenwart eines Aluminiumkatalysators.
[0008] Unter Aluminiumkatalysator ist ein Katalysator zu verstehen, der eine Aluminiumverbindung
wie Aluminiumoxyd, AlOOH, Aluminosilikat, Spinelle als aktiven Bestandteil enthält.
Daneben kann der Katalysator noch andere Metalle, wie Silber, Kupfer, Eisen, Kobalt,
Nickel, Titan, Mangan, Chrom oder Mischungen davon, bevorzugt in Form ihrer Oxide
enthalten. Ganz bevorzugt ist dabei ein Katalysator, der aus Aluminiumoxyd besteht
oder der Aluminiumoxyd als Hauptkomponente enthält. Der Katalysator kann dabei in
üblicher Form, beispielsweise in Form von Tabletten Pellets, Partikeln, Kugeln, Ringen
als solcher, oder aufgebracht auf einem inerten Träger wie etwa Silicium, Aluminium,
Aluminiumsilikat, keramische Oxide, Tonerde bzw. Tonerdehydrate, Zinkoxid eingesetzt
werden. Ferner kann der Träger auch ein monolithischer Träger aus Keramik, Stahl,
Glas sein, auf den der Aluminiumkatalysator fixiert ist. Im Falle der Verwendung eines
inerten Trägers sollte der Katalysator etwa 0,1 bis 50 Gew.% katalytisch aktives Aluminium
enthalten. Bevorzugt wird der Aluminiumkatalysator aber als solcher eingesetzt.
Die optimale Katalysatormenge, die nicht für die Reaktion an sich, sondern nur für
die Reaktionsgeschwindigkeit maßgeblich ist, hängt im wesentlichen vom Volumenstrom
des Reaktionsgases und damit von der Reaktionsanordnung ab. Sie kann für jede Reaktionsanordnung
leicht durch Vorversuche mit verschiedenen Mengenverhältnissen ermittelt werden. In
Versuchen hat sich gezeigt, daß ein Gewichtsverhältnis von chemischer Verbindung :
Aluminium von etwa 50 : 1 bis 1 : 10, bevorzugt von 20 : 1 bis 1 : 5 gute Ergebnisse
hinsichtlich der Reaktionsgeschwindigkeit zeigt. Da der Katalysator über lange Zeiträume
hochaktiv bleibt, können aber auch geringere Katalysatormengen eingesetzt werden,
wobei unter Umständen eine längere Kontaktzeit in Kauf genommen wird.
[0009] Zur Hydrolyse der chemischen Verbindung muß mindestens die theoretische Menge Wasser
eingesetzt werden, die notwendig ist, um sämtliche C-X-Bindungen zu spalten, wobei
mögliche zusätzliche Substituenten zu berücksichtigen sind. Im allgemeinen wird Wasser
aber im Überschuß von mindestens 10 % der stöchiometrisch notwendigen Menge, normalerweise
aber in noch höherem Überschuß eingesetzt. Im Falle von beispielsweise Melamin sind
pro Mol mindestens 6 Mol, im Falle von Melem mindesten 12 Mol Wasser einzusetzen.
Pro Mol chemischer Verbindung werden bevorzugt etwa 1,1 bis 10 Mol Wasser verwendet.
Die optimale Wassermenge kann dabei durch einfache Vorversuche für jeden Fall bestimmt
werden.
[0010] Die Reaktionstemperaturen betragen von 300 bis 600 °C, bevorzugt von 350 bis 500
°C, besonders bevorzugt von 380 bis 450 °C.
[0011] Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens können die chemischen Verbindungen
bzw. Gegenstände, die die chemischen Verbindungen enthalten, gegebenenfalls zerkleinert,
zusammen mit dem Aluminiumkatalysator und Wasser in einer Reaktionsapparatur vorgelegt
und auf Reaktionstemperatur erhitzt werden. Das Wasser kann aber auch erst eingebracht
werden, wenn die Reaktionstemperatur erreicht ist. Es ist aber auch möglich, den Katalysator
mit oder ohne Wasser vorzulegen und die chemischen Verbindungen ohne oder mit Wasser,
falls gewünscht, kontinuierlich zuzugeben. Diese Vorgangsweise erfolgt vorteilhaft
in einer Wirbelschichtapparatur. Wasser kann wie üblich etwa flüssig, durch Befeuchten
der chemischen Verbindungen, durch Wassersättigung des Trägergases oder durch Einsprühen
oder gasförmig als Wasserdampf in die Reaktionsapparatur eingetragen werden. Die chemische
Verbindung kann, je nach ihrer Beschaffenheit, fest, als Schmelze oder gelöst in einem
geeigneten Lösungsmittel zugegeben werden. Die chemische Verbindung kann jedoch auch
gasförmig zugegeben werden, falls die Sublimationstemperatur in einem geeigneten Temperaturbereich
liegt. Dazu werden die chemischen Verbindungen vorerhitzt, worauf die entstandenen
Sublimationsgase gebenenfalls mit Hilfe eines, unter den Reaktionsbedingungen inerten
Trägergases bei Reaktionstemperatur über den Aluminiumkatalysator geleitet werden.
Beim Kontakt der chemischen Verbindungen mit dem Wasserdampf und dem Aluminiumkatalysator
werden die Substituenten abgespalten und Ringe bzw. Ketten, die ein Heteroatom X enthalten,
aufgebrochen und abgebaut.
Dabei entstehen, je nach Art der Heteroatome bzw. der C-X-Bindungen, unterschiedliche
Abbauprodukte. C-X-Bindungen aus der Gruppe C-F, C-Cl, C-Br und C-J werden beispielsweise
in einen Alkohol, der durch Dehydratisierung weiter abgebaut werden kann, und in einen
Halogenwasserstoff gespalten. C-X-Bindungen aus der Gruppe C-NH₂, C-NHR₁, C-NR₁R₂,
C-NH-C, C-NR₁-C, C=N-C werden in CO₂ und NH₃ bzw. NHR₁ oder NR₁R₂ gespalten, wobei
die Amine durch Deaminierung weiter aufgespalten werden können.
Weiters können bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zusätzliche Abbauprodukte, wie
beispielsweise Dehydrierungsprodukte von eventuellen Seitenkettengruppen und Seitenkettenumlagerungsprodukte,
wie beispielsweise Wasserstoff und Acetonitril, auftreten. Weist eine chemische Verbindung
gleichzeitig Halogensubstituenten und C-N-Bindungen auf, kann sich beispielsweise
Ammoniumhalogenid etwa Ammoniumchlorid, das als weißes Pulver in der Kondensationszone
anfällt, bilden.
So wurden beim erfindungsgemäßen Abbau von Atrazin, einem Trianzinring, der durch
ein Chloratom, eine Ethylamingruppe und eine iso-Propylamingruppe substituiert ist,
in den Reaktionsgasen Seitenkettengruppen wie Ethylamin, Deaminierungsprodukte der
Seitenkettengruppen wie Ethylen, iso-Propylen, Dehydrierungsprodukte der Seitenkettengruppen
und Seitenkettenumlagerungsprodukte wie Wasserstoff und Acetonitril festgestellt.
Weiters bildete sich Ammoniumchlorid, das als weißes Pulver in der Kondensationszone
aufgefunden wurde.
[0012] Die entstandenen Reaktionsgase werden, gegebenenfalls mit Hilfe eines Trägergases
abgeführt und das darin enthaltende Ammoniak und CO₂ wie üblich, beispielsweise gemäß
AT 360.447 aufgetrennt und einer Wiederverwertung zugeführt.
Andere Gase, Flüssigkeiten, wie beispielsweise Alkohole, oder Feststoffe, die bei
dem erfindungsgemäßen Verfahren als Abbauprodukte auftreten können, werden wie üblich
nach dem Stand der Technik isoliert.
Als Trägergas kommt etwa Helium, Argon, Stickstoff oder Luft in Frage.
Das Verfahren kann kontinuierlich oder diskontinuierlich ausgeführt werden und wird
bevorzugt kontinuierlich ausgeführt.
[0013] In einer bevorzugten Ausführungsform werden die chemischen Verbindungen oder Gegenstände,
die solche Verbindungen enthalten, gegebenfalls nach Zerkleinerung oder Aufschmelzen
mit einem Aluminiumkatalysator vermischt und bei Temperaturen von 380 bis 500 °C mit
Wasserdampf behandelt. Die Reaktionsgase werden mit Hilfe von Helium als Trägergas
abgeführt und auf übliche Art und Weise aufgetrennt, weitere Abbauprodukte werden
ebenfalls auf übliche Art und Weise aufgetrennt und isoliert.
[0014] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform wird Aluminiumoxyd in einem Wirbelschichtreaktor
zusammen mit den chemischen Verbindungen vorgelegt und durch Einströmen eines inerten
Trägergases eine Wirbelschicht aufgebaut in die bei Temperaturen von 300 bis 600 °C
Wasserdampf eingebracht wird. Es kann aber auch eine Wirbelschicht in der sich nur
Aluminiumoxyd befindet, aufgebaut werden, in die, bevorzugt kontinuierlich, die chemische
Verbindung in fester Form oder in Form von Sublimationsgasen und Wasserdampf, gegebenenfalls
zusammen mit einem unter den Reaktionsbedingungen inerten Trägergas, eingebracht werden.
Die Reaktionsgase werden wie üblich aus dem Reaktor entfernt und wie üblich aufgetrennt.
[0015] Auf die beschriebenen Art und Weise werden chemische Verbindungen, die ein oder mehrere
Heteroatome X aufweisen, umweltgerecht entsorgt. Das Verfahren stellt daher eine Bereicherung
der Technik dar.
Beispiel 1:
[0016] 40 ml (0,49 mol) CHCl₃ (ρ = 1,47) und 40 ml (2,22 mol) H₂O wurden mit 15 ml/h Dosiergeschwindigkeit
über 160 min in einen Verdampfer mit 200°C dosiert. Die verdampften Einsatzstoffe
wurden anschließend mit einem auf 200°C vorgewärmten N₂-Strom (220 l/h) in einen Al₂O₃-Wirbelschichtkontaktofen
mit 370°C gefahren. Das aus dem Kontaktofen erhaltene Gasgemisch wurde zuerst durch
einen Wasserkühler, dann durch eine mit flüssigem Stickstoff gekühlte Kühlfalle und
abschließend durch 700 ml einer NaOH-Vorlage geleitet. Der Gehalt an konz. NaOH wurde
dabei vor und nach der Reaktion genau bestimmt und der Verbrauch auf HCl-Gehalt umgerechnet.
[0017] Das kondensierte Gasgemisch aus dem Rückflußkühler und der Kühlfalle wurden vereint
und eine Phasentrennung durchgeführt. Der HCl-Gehalt der wäßrigen Phase wurde durch
Titration mit 1N NaOH-Lösung bestimmt.
Mit dem HCl-Gehalt der NaOH-Vorlage und dem HCl-Gehalt der wäßrigen Phase wurde ein
Umsatz von 30,6 % berechnet.
[0018] Analog zu Beispiel 1 wurden weitere Versuche bei gleicher Temperatur durchgeführt,
die Parameter und Ergebnisse sind in Tabelle 1 zusammengefaßt.
[0019] Es wurden folgende Abkürzungen verwendet.
Einsatzstoff: EZ
Molverhältnis: EZ: H₂O
Gesamt-Reaktionszeit: RZ
Tabelle 1
| Bsp. |
EZ |
EZ: H₂O |
EZ/H₂O (ml) |
RZ (min) |
N₂ (l/h) |
%Umsatz |
| 2 |
CHCl₃ ρ=1,47 |
0,61 : 2,8 |
50/50 |
203 |
225 |
34,8/Cl |
| 3 |
12-Dichlorethan ρ=1,25 |
0,63 : 2,8 |
50/50 |
200 |
225 |
33,1/Cl |
| 4 |
Benzylchlorid ρ=1,10 |
0,395 : 2,77 |
50/50 |
205 |
235 |
69,1/Cl |
| 5 |
Butyljodid ρ=1,61 |
0,44 : 2,8 |
50/50 |
200 |
235 |
53,1/J |
| 6 |
Butyljodid ρ=1,61 |
0,44 : 2,8 |
50/50 |
215 |
230 |
57,1/J |
| 7 |
1-Br-undecan ρ=1,05 |
0,22 : 2,77 |
50/50 |
215 |
235 |
51,5/Br |
| 8 |
n-Br-undecan ρ=1,05 |
0,205 : 2,55 |
46/46 |
185 |
230 |
59,6/Br |
| 9 |
Chlorcyclohexan ρ=1,00 |
0,396 : 2,61 |
47/47 |
200 |
226 |
78,7/Cl |
| 10 |
Chlorcyclohexan ρ=1,00 |
0,42 : 2,77 |
50/50 |
205 |
226 |
86,1/Cl |
| 11 |
Di-Br-ethan ρ=2,18 |
0,534 : 2,55 |
46/46 |
188 |
226 |
42,0/Br |
| 12 |
Di-Br-ethan ρ=2,18 |
0,39 : 1,88 |
34/34 |
140 |
226 |
33,6/Br |
| 13 |
Butylchlorid ρ=0,88 |
0,475 : 2,77 |
50/50 |
210 |
240 |
63,7/Cl |
| 14 |
Chlorbenzol ρ=1,104 |
0,49 : 2,77 |
50/50 |
220 |
235* |
20,0/Cl |
| *anstelle von N₂ wurde Luft verwendet |
[0020] Als Vergleichsversuch wurden ein Versuch mit 47 ml (0,58 mol) CHCl₃ ohne Verwendung
von Wasserdampf analog Beispiel 1 durchgeführt, wobei ein Umsatz von nur 6,48 % erzielt
wurde.
Beispiel 15:
[0021] 100 g Melamin (0,8 Mol) wurden in einem Wirbelschichtreaktor vorgelegt. Mit Hilfe
von Stickstoff wurde eine Wirbelschicht aufgebaut und auf 380°C erhitzt. Dabei sublimierte
das Melamin. Die Sublimationsgase wurden innerhalb von 2 Stunden mit 22 g Wasser (1,2
Mol) bei 320°C mit Hilfe eines Stickstoffgasstromes über eine Katalysatorschicht aus
Aluminiumoxyd geleitet.
Die Zusammensetzung der Reaktionsgase wurde massenspektrometrisch bestimmt, wobei
nur Ammoniak, CO₂ und Stickstoff gefunden wurde.
Die Hauptmenge der Reaktionsgase wurde in Wasser eingeleitet, wobei in der Lösung
kein Melamin gefunden wurde.
Beispiel 16:
[0022] Wurde wie Beispiel 15, aber unter Verwendung von 130 g Wasser (7,2 Mol) und einer
Reaktionstemperatur von 380°C durchgeführt, wobei die selben Ergebnisse wie in Beispiel
1 beschrieben, erhalten wurden.
Beispiel 17
[0023] 10 mg Melamin-Formaldehydharz mit einem Gewichtsverhältnis von Melamin : Formaldehyd
gleich 1 : 1,7 wurden mit 100 mg Al₂O₃ vermischt und in einem wassergesättigten Heliumgasstrom
auf 400°C erhitzt. Die Reaktionsgase wurden massenspektrometrisch untersucht, wobei
nur Ammoniak CO₂ und Wasser gefunden wurden.
Beispiel 18
[0024] In einem beheizbaren Reaktionsrohr, das mit Hilfe von Glaswolle in zwei Kammern unterteilt
war, wurden in Kammer 1 1 mg Melem und in Kammer 2 20 mg Aluminiumoxyd vorgelegt.
Das Rohr wurde auf 400°C erhitzt, wobei ein wassergesättigter Heliumgasstrom durchgeleitet
wurde. Die Untersuchung der Reaktionsgase zeigte, daß nur Ammoniak und CO₂ als Reaktionsprodukte
auftraten.
Beispiel 19
[0025] In ein beheizbares Reaktionsrohr mit einem Durchmesser von 4 mm wurden 50 mg Atrazin
und in einem Abstand von 80 bis 100 mm 50 mg Aluminiumoxyd eingebracht. Das Rohr wurde
auf 450°C aufgeheizt und mit einem Strom von Helium und Wasserdampf (30 ml pro Minute,
Wasserdampfpartialdruck = 32 mbar) beschickt. Dabei sublimierte das Atrazin und die
Sublimationsgase wurden mit Hilfe des Gasstromes in die Katalysatorzone geleitet.
Nach einer Stunde war die Hydrolyse beendet.
Das Reaktionsgas wurde massenspektrometrisch analysiert. Dabei wurden Ammoniak, CO₂,
Ethylamin, Ethylen, Isopropylen und kleine Anteile Wasserstoff gefunden. In der kälteren
Zone des Reaktionsrohres wurden 12 mg eines weißen Pulvers gefunden, das als Ammoniumchlorid
identifiziert wurde.
Beispiel 20
[0026] wurde wie Beispiel 19 ausgeführt, wobei die Reaktionstemperatur anstatt 450°C aber
500°C betrug. Im Reaktionsgas wurden Ammoniak, CO₂, Ethylen, Isopropylen, Acetonitril
und höhere Anteile Wasserstoff, als gemäß Beispiel 5 festgestellt. In der kälteren
Zone des Reaktionsrohres wurden 12 mg eines weißen Pulvers gefunden, das als Ammoniumchlorid
identifiziert wurde.
Beispiel 21
[0027] In ein beheizbares Reaktionsrohr mit 4 mm Durchmesser wurden 100 mg Al₂O₃ eingebracht.
Das Rohr wurde auf 400 °C aufgeheizt und mit einem mit Wasser und Diethylamin gesättigten
Heliumstrom (30 ml/min) beschickt.
Nach beendeter Hydrolyse wurde das Reaktionsgas massenspektrometrisch analysiert,
wobei Ammoniak, Acetonitril und Spuren HCN gefunden wurden.
Beispiel 22
[0028] Wurde analog Beispiel 21 durchgeführt, die Reaktionstemperatur betrug 480 °C. Es
wurden Ammoniak, Wasserstoff, Ethylen und Spuren HCN im Reaktionsgas festgestellt.
Beispiel 23
[0029] Als Vergleichsversuch wurde analog Beispiel 21 und 22 Diethylamin ohne Wasser zersetzt,
wobei bei 400 °C keine Reaktion eintrat und bei 480 °C die Anteile an Acetonitril,
HCN und Wasserstoff sehr groß waren und nur ein geringer Anteil an Ammoniak festgestellt
wurde.
Beispiel 24
[0030] Analog Beispiel 21 wurde Dimethylamin hydrolysiert. Nach erfolgter Hydrolyse bei
einer Reaktionstemperatur von 400 °C wurden im Reaktionsgas Methylamin, Trimethylamin,
CO und Spuren HCN und Acetonitril gefunden. Der Umsatz betrug 14 %. Bei einer Reaktionstemperatur
von 460 °C wurden im Reaktionsgas nach erfolgter Hydrolyse Ammoniak, Methylamin, Trimethylamin,
CO und Spuren Ethylendiamin und Acetonitril festgestellt. Der Umsatz betrug 42 %.
Bei einer Reaktionstemperatur von 520 °C stieg der Ammoniakanteil im Reaktionsgas
stark an, der Umsatz betrug 84 %.
1. Verfahren zum umweltgerechten Abbau von chemischen Verbindungen, die ein oder mehrere
Heteroatome X, wobei X F, Cl, Br, J, N, O oder S bedeutet, aufweisen durch Spaltung
der C-X Kohlenstoff-Heteroatombindungen, dadurch gekennzeichnet, daß die chemischen
Verbindungen oder Gegenstände, in denen die chemischen Verbindungen enthalten sind,
in Gegenwart eines Aluminiumkatalysators bei 300 - 600 °C mit Wasserdampf behandelt
werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die chemischen Verbindungen
eine oder mehrere Kohlenstoff-Heteroatombindungen aus der Gruppe C-F, C-Cl, C-Br,
C-J, C-NH₂, C-NHR₁, C-NR₁R₂, C-NH-C, C-NR₁-C, C=N-C, C-SH, C-S-C, C-S-S-C, C=S, C-O-C,
C-OR₃, COOR₃ oder C=O aufweisen, wobei R₁ und R₂ gleich oder verschieden sein können
und einen Alkylrest bedeuten und R₃ H oder ein Alkylrest sein kann.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die chemischen Verbindungen
aliphatische Kohlenwasserstoffe sind, die mit einem oder mehreren Resten aus der Gruppe
-F, -Cl, -Br, -J, -NH₂, -NHR₁, -NR₁R₂, -OR₃, -OOR₃, =O oder -SH substituiert sind,
oder daß sie Kohlenwasserstoffe sind, die gegebenenfalls in Kombination mit den angeführten
Resten, in der Kohlenwasserstoffkette C-X-Bindungen aus der Gruppe C-NH-C, C-NR₁-C,
C=N-C, C-S-C, C-S-S-C, C-O-C enthalten.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die chemischen Verbindungen
aromatische Kohlenwasserstoffe sind, die mit einem oder mehreren Resten aus der Gruppe
-F, -Cl, -Br, -J, -NH₂, -NHR₁, -NR₁R₂, -OR₃ oder -SH substituiert sind.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die chemischen Verbindungen
Heterocyclen sind, die eine oder mehrere C-X-Bindungen aus der Gruppe C=N-C, C-S-C,
C-NH-C, C-NR₁-C, C-O-C im Cyclus aufweisen und gegebenenfalls mit einem oder mehreren
Resten aus der Gruppe -F, -Cl, -Br, -J, -NH₂, -OR₃, -NHR₁, -NR₁R₂ oder -SH substituiert
sind.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die chemische Verbindungen
Triazinverbindungen sind.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Triazinverbindungen Melamin
oder davon abgeleitete Verbindungen sind.
8. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Triazinverbindungen Melamin-Formaldehydharze
sind.
9. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Katalysator Aluminiumoxid
eingesetzt wird.
10. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Aluminiumkatalysator in
einen Wirbelschichtapparatur vorgelegt und mit Hilfe eines, unter den Reaktionsbedingungen
inerten Trägergases eine Wirbelschicht aufgebaut wird, in die Wasserdampf und die
chemische Verbindung eingebracht werden, worauf die Reaktionsgase und andere Abbauprodukte
auf übliche Art und Weise abgeführt und aufgetrennt werden.