[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von nahtlos gezogenen halbharten/harten
Installationsrohren aus Kupfer, bei welchem die Innenoberflächen der Rohre aufgerauht
werden.
[0002] Zum Transport von kalten oder erwärmten Trinkwässern ist es bekannt, korrosionsgeschützte
nahtlose Installationsrohre aus phosphordesoxidiertem Kupfer (SF-Cu) einzusetzen.
Derartige Installationsrohre weisen bei bestimmten Wasserqualitäten die Eigenschaft
auf, daß Kupferionen in fließendes oder stehendes Wasser abgegeben werden.
[0003] Gemäß der im offiziellen Journal der EG-Kommission vom 30.08. 1980 veröffentlichten
Richtlinie des EG-Rates vom 15.07.1980 über die Qualitätsansprüche an zum menschlichen
Verbrauch bestimmten Wässern beträgt der geforderte Maximalgrenzwert der Kupferionenabgabe
an das Wasser 3 mg/l nach zwölf Stunden Stagnation in einer Rohrleitung. Ferner haben
Untersuchungen ergeben (Zeitschrift "Tribune de l'eau" Vol. 41, Dezember 1988 (Nr.
4) Seiten 29 bis 35), daß korrosionsgeschützte innen oxidierte Kupferrohre für Normalwässer
bei etwa 2 mg/l liegende Maximalwerte aufweisen. Das bedeutet, daß die für Hausinstallationen
bislang verwendeten Qualitäts-Kupferrohre die Anforderungen der EG-Richtlinie in der
Regel erfüllen.
[0004] Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, daß die in der Praxis unvermeidlichen Schwankungen
in der Qualität der Trinkwässer in dem einen oder anderen Fall diese Maximalwerte
überschreiten. Der sich hieraus ergebende Unsicherheitsfaktor wird indessen in der
Praxis zwangsläufig in Kauf genommen.
[0005] Durch die EP 0 306 810 A2 ist ein Verfahren zur Herstellung lochfraßbeständiger hartgezogener
Rohre aus Kupfer oder Kupferlegierungen bekannt, bei welchem die Rohre zunächst entfettet
und dann die Innenoberflächen der Rohre zusätzlich mit einem Strahlmittel behandelt
werden. Hierdurch wird eine Aufrauhung der inneren Oberflächen erzielt, durch das
es gelingt, die Bildung von schädlichen Filmen, z.B. kohlenstoffhaltigen Filmen, auf
den Innenoberflächen von hartgezogenen Kupferrohren zu vermeiden. In diesem Zusammenhang
ist es außerdem bekannt, daß Lochfraßkorrosionsprozesse zwar eine Kupferionenwanderung
beinhalten, diese jedoch nach anderen Gesetzmäßigkeiten ablaufen. So zählt es allgemein
zum Stand der Technik, daß eine hohe Korrosionsfestigkeit von Kupferwerkstoffen, insbesondere
eine solche gegen Lochfraßkorrosion Typ 1, nicht zugleich eine geringere Kupferionenabgabe
an Wasser zur Folge hat.
[0006] Ausgehend von dem im Oberbegriff des Patentanspruchs 1 beschriebenen Verfahren liegt
der Erfindung die Aufgabe zugrunde, dieses Verfahren dahingehend zu verbessern, daß
eine verminderte Kupferionenabgabe an Trinkwasser mit einem normalen pH-Wert im Bereich
von 6,5 bis 9,0 gewährleistet werden kann.
[0007] Die Lösung dieser Aufgabe besteht nach der Erfindung in den im kennzeichnenden Teil
des Patentanspruchs 1 aufgeführten Merkmalen.
[0008] Unter Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens können nunmehr halbharte oder harte
Installationsrohre aus Kupfer zur Verfügung gestellt werden, bei denen die Kupferionenabgabe
an das Trinkwasser auch über einen langen Zeitraum entscheidend unter den geforderten
Grenzwerten gehalten werden kann. Derartige Installationsrohre sind überdies widerstandsfähig
gegen Lochfraßkorrosion und können mit den bekannten Verbindungs- und Biegetechniken
installiert werden. Das Verfahren erlaubt außerdem eine wirtschaftliche Herstellung
in Stangenform mit den üblicherweise verfügbaren Fertigungsanlagen für nahtlose Kupferrohre.
Darüberhinaus kann das erfindungsgemäße Verfahren in vorteilhafter Weise bei der Herstellung
von Fittings mit verminderter Kupferionenabgabe angewendet werden.
[0009] In einem ersten Verfahrensschritt erfolgt ein sogenannter Vorzug, bei welchem aus
gegossenen Stangen warm umgeformte Vorrohre durch Ziehen auf eine Zwischenabmessung
kalt umgeformt werden. Im Anschluß daran werden die Innenoberflächen dieser Zwischenrohre
aufgerauht. Hiermit soll nicht nur die oxidische Reaktion mit den Innenoberflächen
begünstigt werden, sondern es soll auch verhindert werden, daß bei dem späteren Härtezug,
bei dem eine Streckung der Innenoberflächen erfolgt, die Oxidschicht nicht mehr gleichmäßig
deckt. Die Rauhtiefe Ra kann sich hierbei zwischen 0,3 µm und 1,0 µm bewegen. In dem
sich anschließenden Glühvorgang bei 350 °C bis 650 °C mit einer Einleitung einer Gasmischung
in das Rohrinnere, welche aus einem Schutzgas und Sauerstoff besteht, soll eine dünne
haftende Oxidschicht hergestellt werden. Nunmehr wird durch einen Härtezug auf halbhart/hart
die Endabmessung der Installationsrohre erzeugt. Im Anschluß an den Härtezug erfolgt
nochmals eine thermische Behandlung bei 175 °C bis 275 °C unter Einleitung eines sauerstoffhaltigen
Gasgemisches in das Rohrinnere, um eine Oxidschicht in einer Zusammensetzung von etwa
12 % bis 21 % Sauerstoff mit dem Restgehalt Kupfer zu erzielen.
[0010] Durch das erfindungsgemäße Fertigungsverfahren wird die Kupferionenabgabe im Vergleich
zu den bisher für die zentrale Trinkwasserversorgung eingesetzten halbharten/harten
Installationsrohren in Stangenform aus Kupfer wesentlich reduziert bei gleichbleibendem
Widerstand gegen Lochfraßkorrosion. Wie interne Langzeituntersuchungen mit Trinkwässern
mit einem pH-Wert im Bereich von 6,5 bis 9,0 ergeben haben, erreicht die maximale
Kupferionenlöslichkeit bei so gefertigten Installationsrohren überraschenderweise
nur einen bei 1 mg/l liegenden Wert.
[0011] Dieses in der Fachwelt bislang nicht bekannte Ergebnis dürfte auf den erhöhten Sauerstoffanteil
der Kupferoxidschicht im Rohrinnern beruhen. Hierbei ist die eigentliche Bremse für
die Kupferionenabgabe eine dichte grüne Malachitdeckschicht, die sich bei Kontakt
mit dem Trinkwasser üblicher Qualität auf der Rohrinnenoberfläche ausbildet. Malachit
hat die chemische Formel Cu₂[CO₃,(OH)₂]. Zur Bildung von Malachit besteht also ein
hoher Bedarf an Sauerstoff, der teils aus dem Trinkwasser und teils aus der Oxidschicht
der Rohroberfläche gedeckt wird. Da nun die Rohrinnenoberfläche aufgrund der Erfindung
einen höheren Sauerstoffgehalt aufweist, bildet sich erwiesenermaßen die Malachitschicht
in kürzester Zeit aus und reduziert damit stark die Kupferionenabgabe.
[0012] Das Aufrauhen der Innenoberflächen der Zwischenrohre kann gemäß den Merkmalen des
Patentanspruchs 2 durch Verwendung von Strahlmitteln oder durch Beizen durchgeführt
werden. Als Strahlmittel kann z.B. Siliziumoxid zum Einsatz gelangen.
[0013] Das Glühen der Zwischenrohre erfolgt entsprechend den Merkmalen des Patentanspruchs
3 bevorzugt mit einem Schutzgas, das einen Sauerstoffanteil von 1 % bis 7 % aufweist.
[0014] Nach Patentanspruch 4 wird der Glühvorgang vorzugsweise bei einer Temperatur von
etwa 650 °C durchgeführt. Dadurch kann eine dünne haftende Oxidschicht mit einer Dicke
von etwa 0,05 µm bis 0,2 µm erzeugt werden.
[0015] Die thermische Behandlung nach dem Härtezug erfolgt entsprechend Patentanspruch 5
zweckmäßig bei einer Temperatur von etwa 250 °C. Der Härtezug wird insbesondere mit
einem Innendorn durchgeführt. Der Umformgrad beträgt hierbei im Mittel 20 %.
[0016] Es kann zweckmäßig sein, die Innenoberfläche der Rohre nach dem Härtezug zu entfetten
(Patentanspruch 6). Zum Entfetten kann ein handelsübliches Entfettungsmittel verwendet
werden.
[0017] Desweiteren ist es gemäß Patentanspruch 7 sinnvoll, im Zuge der thermischen Behandlung
nach dem Härtezug ein Gasgemisch mit mindestens 20 % Sauerstoff in das Rohrinnere
zur Bildung einer Oxidschicht einzuleiten.
[0018] Die Erwärmung kann nach Patentanspruch 8 konvektiv, elektrisch induktiv oder konduktiv
durchgeführt werden.
[0019] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist nachfolgend näher erläutert.
[0020] Zunächst wurde phosphordesoxidiertes Kupfer (SF-Cu) geschmolzen und zu Stangen gegossen.
Mittels Warmumformung wurden die Stangen dann zu Rohren weiterverarbeitet und anschließend
bis auf eine Zwischenabmessung kaltumgeformt.
[0021] Sodann wurde die Innenoberfläche der Zwischenrohre mit Siliziumoxid als Strahlmittel
behandelt. Als Ergebnis wurde eine Rauhigkeit Ra = 0,52 µm gemessen.
[0022] Die Zwischenrohre wurden dann bei einer Temperatur von 650 °C unter Einleitung eines
Gasgemisches in das Rohrinnere kontinuierlich wärmebehandelt. Das Gasgemisch setzte
sich aus einem Schutzgas mit einem sauerstoffanteil von 3 % zusammen. Es bildete sich
auf der Innenoberfläche eine fest haftende dünne Kupferoxidschicht mit einer Schichtdicke
von 0,15 µm aus, deren Sauerstoffgehalt mittels Röntgendiffraktometrie auf 11,2 %
bestimmt wurde.
[0023] Im nächsten Arbeitsschritt wurden die Zwischenrohre unter Verwendung eines Standardziehöls
auf die Endabmessung mit einem Umformgrad von 20 % hartgezogen und anschließend innenseitig
dadurch entfettet, daß ein handelsübliches Entfettungsmittel durch die Rohre geleitet
wurde.
[0024] Auf 300 mm abgelängte und entgratete Rohrabschnitte wurden dann in einem Laborofen
mit umgewälzter Luft als Ofenatmosphäre bei 250 °C über eine Dauer von 30 min oxidierend
wärmebehandelt. Der Sauerstoffgehalt (O₂-Gehalt) der jetzt ausgebildeten Kupferoxidschicht
an der Innenoberfläche der Rohre wurde mittels energiedispersiver Analyse (EDX) auf
13,8 % bestimmt.
[0025] Nunmehr wurden diese Rohrabschnitte (Testrohrabschnitte) senkrecht angeordnet und
mit Trinkwasser gefüllt. In einer mehrmonatigen Untersuchungsreihe wurde die Kupferionenabgabe
bestimmt. Hierzu wurde jeweils im 24-Stunden-Takt die abgegebene Kupfermenge in mg/l
mit einem Absorptionsspektrometer gemessen. Der pH-Wert des verwendeten Trinkwassers
betrug 7,6.
[0026] Die obere Grenze der Meßwerte für den Kupfergehalt im Trinkwasser lag bei 1 mg/l.
1. Verfahren zur Herstellung von nahtlos gezogenen halbharten/harten Installationsrohren
aus Kupfer, bei welchem die Innenoberflächen der Rohre aufgerauht werden, dadurch gekennzeichnet, daß zunächst aus gegossenen Stangen warmumgeformte Vorrohre durch Ziehen auf eine
Zwischenabmessung kaltumgeformt werden, worauf die Innenoberflächen dieser Zwischenrohre
aufgerauht und dann diese aufgerauhten Zwischenrohre bei einer Temperatur von 350
°C bis 650 °C sowie bei in das Rohrinnere eingeleitetem, Sauerstoff enthaltendem Schutzgas
geglüht werden, und daß danach die Zwischenrohre einem halbharten/harten Härtezug
unterworfen werden, an den sich eine thermische Behandlung mit einer Temperatur von
175 °C bis 275 °C unter Einleitung eines sauerstoffhaltigen Gasgemisches in das Rohrinnere
anschließt.
2. Verfahren nach Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Innenoberflächen der Zwischenrohre durch Strahlen oder Beizen aufgerauht
werden.
3. Verfahren nach Patentanspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Glühvorgang bei einer Schutzgasatmosphäre im Rohrinneren mit einem Sauerstoffanteil
von 1 % bis 7 % durchgeführt wird.
4. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Glühvorgang bei einer Temperatur von etwa 650 °C durchgeführt wird.
5. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die nach dem Härtezug erfolgende thermische Behandlung bei einer Temperatur
von etwa 250 °C durchgeführt wird.
6. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß nach dem Härtezug die Innenoberfläche der Rohre entfettet wird.
7. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß bei der thermischen Behandlung der Rohre nach dem Härtezug ein Gasgemisch mit
mindestens 20 % Sauerstoff verwendet wird.
8. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Erwärmung bei der thermischen Behandlung konvektiv, elektrisch induktiv
oder konduktiv durchgeführt wird.