TECHNISCHES GEBIET
[0001] Eisen-Aluminium-Legierungen können in thermisch hoch belasteten und oxidierenden
und/oder korrodierenden Wirkungen ausgesetzten Teilen thermischer Maschinen verwendet
werden. Sie sollen dort in zunehmendem Masse Spezialstähle sowie Nickelbasis-Superlegierungen
ersetzen.
STAND DER TECHNIK
[0002] Im Literaturaufsatz "Acceptable Aluminium Additions for Minimal Environmental Effect
in Iron-Aluminium Alloys", Mat. Res. Soc. Symp. Proc. Vol. 288, S.971-976, beschreiben
V.K.Sikka et al. eine Eisen-Aluminium-Legierung mit einem Anteil von ca. 16 At% Aluminium
und ca. 5 At% Chrom, welche gegebenenfalls ca. 0,1 At% Kohlenstoff und/oder Zirkonium
und/oder 1 at% Molybdän enthält. Die bekannte Legierung weist bei Raumtemperatur gegenüber
Eisen-Aluminium-Legierungen mit einem Aluminiumanteil von 22 bis 28 At% eine wesentlich
höhere Duktilität auf. Bei einer Temperatur von 700°C ist die Zugfestigkeit dieser
Legierung mit ca. 100 MPa relativ klein. Aus der Legierung hergestellte Bauteile sollten
daher nicht bei Temperaturen oberhalb 700°C verwendet werden.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0003] Der Erfindung, wie sie in Patentanspruch 1 angegeben ist, liegt die Aufgabe zugrunde,
eine Eisen-Aluminium-Legierung zu entwickeln, welche sich bei Temperaturen von mehr
als 700°C durch gute mechanische Eigenschaften auszeichnet. Aufgabe der Erfindung
ist auch eine geeignete Verwendung dieser Legierung.
[0004] Die erfindungsgemässe Legierung weist selbst bei Temperaturen zwischen 700 und 800°C
noch mechanische Eigenschaften auf, die deren Einsatz in mechanisch geringfügig belasten
Bauteilen ermöglichen. Zugleich zeichnet sich die erfindungsgemässe Legierung durch
eine ausgezeichnete Thermoschockbeständigkeit aus und kann daher mit besonderem Vorteil
in temperaturwechselbelasteten Teilen thermischer Anlagen, wie inbesondere als Gehäuse
oder Gehäuseteil einer Gasturbine oder eines Turboladers oder als Düsenring, insbesondere
für einen Turbolader, eingesetzt werden. Darüber hinaus lässt sich die Legierung sehr
kostengünstig durch Giessen oder durch Giessen und Walzen herstellen. Ein weiterer
Vorteil der erfindungsgemässen Legierung besteht darin, dass ihre Bestandteile ausschliesslich
Metalle aufweisen, welche vergleichsweise preiswert und unabhängig von strategischpolitischer
Beeinflussung verfügbar sind.
WEG ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
[0005] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in einer Figur näher erläuterten Ausführungsbeispiele
beschrieben.
[0006] Hierbei zeigt die einzige Figur ein Diagramm, in dem die Zugfestigkeit UTS [MPa]
einer Legierung I nach der Erfindung und einer Legierungen II nach dem Stand der Technik
in Abhängigkeit von der Temperatur T [°C ] dargestellt ist.
[0007] Die in der Figur angegebenen Legierungen I und II weisen die folgenden Zusammensetzungen
auf:
[0008] Legierung I (Legierung gemäss einem bevorzugten Ausführungsbeispiel der Erfindung):
| Bestandteil |
At.% |
| Aluminium |
16,00 |
| Chrom |
5,00 |
| Niob |
1,00 |
| Silicium |
1,00 |
| Bor |
3,53 |
| Titan |
1,51 |
| Kohlenstoff |
300ppm |
| Zirkonium |
100ppm |
| Eisen |
Rest |
[0009] Legierung II (Legierung nach dem Stand der Technik)
| Bestandteil |
At%. |
| Silicium |
4,00 |
| Kohlenstoff |
3,35 |
| Molybdän |
1,00 |
| Mangan |
0,30 |
| Phosphor |
0,01 |
| Schwefel |
0,05 |
| Eisen |
Rest |
[0010] Die Legierung I wurde in einem Lichtbogenofen unter Argon als Schutzgas erschmolzen.
Als Ausgangsmaterialien dienten die einzelnen Elemente mit einem Reinheitsgrad von
mehr als 99 %. Die Schmelze wurde zu einem Gusskörper von ca. 100 mm Durchmesser und
ca. 100 mm Höhe abgegossen. Der Gusskörper wurde unter Vakuum wieder aufgeschmolzen
und ebenfalls unter Vakuum in Form von Rundstäben mit ca. 12 mm Durchmesser und ca.
70 mm Länge, in Form von Karotten mit einem minimalen Durchmesser von ca. 10 mm, einem
maximalen Durchmesser von ca. 16 mm und einer Länge von ca. 65 mm oder in Form von
diskusförmigen Scheiben mit einem Scheibendurchmesser von 80 mm, einer Scheibendicke
bis zu 14 mm und einem Radius am Scheibenrand von ca.1 mm vergossen. In einem weiteren
Schritt wurde in die diskusförmigen Scheiben entlang der Scheibenachse jeweils eine
Bohrung mit einem Durchmesser von 19,5 mm eingebracht. Aus den Rundstäben und Karotten
wurden Probekörper für Zugversuche hergestellt. Die Scheiben dienten der Bestimmung
der Thermoschockbeständigkeit. Entsprechend bemessene Probekörper zur Bestimmung der
mechanischen Festigkeit und der Thermoschockbeständigkeit wurden aus der kommerziell
erhältlichen und in grossem Umfang als Werkstoff für Gasturbinengehäuse eingesetzten
Legierung II und einer verwandten Legierung mit einem um ca. 25% geringeren Anteil
an Silicium und einem um ca. 40% geringeren Anteil an Molybdän hergestellt.
[0011] Die Zugversuche wurden in Abhängigkeit von der Temperatur durchgeführt. Hieraus ergab
sich für die erfindungsgemässe Legierung I eine Zugfestigkeit, welche bei einer Temperatur
von 800°C mit ca. 100 MPa erheblich höher ist als diejenige der Legierung II nach
dem Stand der Technik. Entsprechendes gilt auch für die in der Figur nicht dargestellte
Legierung nach dem Stand der Technik mit reduzierten Silicium- und Molybdänanteilen.
[0012] Mit Hilfe der diskusförmigen Scheiben wurde die Thermoschockbeständigkeit nach Glenny
ermittelt. Je zwei Scheiben pro Legierung wurden zyklisch jeweils in einem Fliessbett
auf 650°C aufgeheizt und danach mit Pressluft auf 200 C abgekühlt. Nach einer bestimmten
Anzahl solcher Aufheiz- und Abkühlzyklen wurde sodann die Anzahl von sich möglicherweise
am Rand der Scheiben bildenden Rissen mit einer Risslänge grösser 2 mm gezählt. Die
aufsummierte Anzahl der an beiden Scheiben auftretenden Risse in Abhängigkeit von
der Zyklenzahl ist nachfolgend für die erfindungsgemässe Legierung I sowie die beiden
Legierungen nach dem Stand der Technik angegeben.
| Zyklenzahl |
Anzahl Risse grösser 2 mm |
| |
Legierung I (Erfindung) |
Legierung II |
weitere Legierung |
| |
|
(Stand der Technik) |
| 140 |
0 |
0 |
0 |
| 240 |
0 |
2 |
1 |
| 340 |
0 |
2 |
4 |
| 540 |
0 |
4 |
4 |
| 740 |
0 |
4 |
8 |
[0013] Hieraus ist ersichtlich, dass bei den üblicherweise als Werkstoff für Gasturbinengehäuse
verwendeten Legierungen nach dem Stand der Technik bereits nach 240 Zyklen unerwünschte
Risse auftraten, wohingegen die Legierung nach der Erfindung selbst nach 740 Zyklen
noch rissfrei blieb.
[0014] Die Legierung nach der Erfindung übertrifft vergleichbar verwendbare Legierungen
nach dem Stand der Technik nicht nur hinsichtlich der mechanischen Festigkeit bei
Temperaturen höher 700°C, sondern auch hinsichtlich der Thermoschockbeständigkeit.
Die erfindungsgemässe Legierung kann daher mit besonderem Vorteil als Werkstoff für
Bauteile von thermischen Anlagen verwendet werden, welche bei Temperaturen zwischen
700°C und 800°C noch eine relativ hohe mechanische Festigkeit aufweisen, und welche
wie Gasturbinengehäuse starken Temperaturwechselbelastungen unterliegen.
[0015] Gute Festigkeitseigenschaften bei Temperaturen zwischen 700 und 800°C und eine hohe
Thermoschockbeständigkeit weisen erfindungsgemäss ausgeführte Legierung dann auf,
wenn der Aluminiumgehalt mindestens 12 und höchstens 18 At% beträgt. Sinkt der Aluminiumgehalt
unter 12 At%, so verschlechtern sich die Oxidations-, die Korrosions- und die Thermoschockbeständigkeit
der erfindungsgemässen Legierung. Ist der Aluminiumgehalt grösser 18 At%, so versprödet
die Legierung zunehmend.
[0016] Durch Zulegieren von 0,1 bis 10 At% Chrom wird die Thermoschock-, die Oxidations-
und die Korrosionsbeständigkeit weiter erhöht. Zudem wird durch Chrom die Duktilität
verbessert. Zugaben von mehr als 10 At.-% Cr verschlechtern jedoch im allgemeinen
die mechanischen Eigenschaften wieder.
[0017] Durch Zulegieren von 0,1 bis 2 At% Niob wird die Härte und die Festigkeit der erfindungsgemässen
Legierung erhöht. Neben oder anstelle von Niob können auch Wolfram und/oder Tantal
mit einem Anteil von 0,1 bis 2 At% zulegiert werden.
[0018] Ein Anteil an 0,1 bis 2 At% Silicium verbessert die Giessbarkeit der erfindungsgemässen
Legierung und wirkt sich günstig auf deren Oxidations- und Korrosionsbeständigkeit
aus. Zudem wirkt Silicium härtesteigernd.
[0019] Durch Zulegieren von 0,1 bis 5 At% Bor und 0,01 bis 2 At% Titan wird die Thermoschock-,
die Oxidations- und Korrosionsbeständigkeit der erfindungsgemässen Legierung ganz
erheblich verbessert. Dies ist vor allem dadurch bedingt, dass sich dann in der Legierung
fein verteiltes Titandiborid TiB
2 bildet. Bei hohen Temperaturen und unter oxidierenden und/oder korrodierenden Bedingungen
bildet sich auf der Oberfläche der erfindungsgemässen Legierung eine überwiegend Aluminiumoxide
enthaltende Schutzschicht aus. Die Titandiborid-Phase trägt zu einer wesentlichen
Stabilisierung dieser Schutzschicht bei, indem die Titandiborid-Phase etwa in Form
nadelförmiger Kristallite aus der Legierung in die Schutzschicht eingreift und dadurch
eine besonders gute Haftung der Schutzschicht auf der darunterliegenden Legierung
bewirkt. Der Anteil an Bor sollte nicht mehr als 5 At% und derjenige von Titan nicht
mehr als 2 At% betragen, da sich andernfalls zuviel Titandiborid bildet und die Legierung
versprödet. Liegt der Boranteil unter 0,1 At% und derjenige von Titan unter 0,01 At%,
so verschlechtern sich die Thermoschock-, die Oxidations- und die Korrosionsbeständigkeit
der erfindungsgemässen Legierung ganz erheblich.
[0020] Eine geringfügige Erhöhung der mechanischen Festigkeit und zugleich eine erhebliche
Verbesserung der Schweissbarkeit wird durch Zulegieren von 100 bis 500 ppm Kohlenstoff
und 50 bis 200 ppm Zirkonium erreicht.
[0021] Besonders gute Werte der mechanischen Festigkeit und der Thermoschockbeständigkeit
weisen Legierungen der folgenden Zusammensetzung auf:
14 - 16 Aluminium
0,5 - 1,5 Niob
4 - 6 Chrom
0,5 - 1,5 Silicium
3 - 4 Bor
1 - 2 Titan
ca. 300 ppm Kohlenstoff
ca. 100 ppm Zirkonium
Rest Eisen.
1. Legierung auf der Basis von Eisen und Aluminium, dadurch gekennzeichnet, dass sie
folgende Bestandteile in Atomprozent enthält:
12 - 18 Aluminium
0,1 - 10 Chrom
0,1 - 2 Niob
0,1 - 2 Silicium
0,1 - 5 Bor
0,01 - 2 Titan
100 - 500 ppm Kohlenstoff
50 - 200 ppm Zirkonium
Rest Eisen.
2. Legierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sie folgende Bestandteile
enthält:
14 - 16 Aluminium
0,5 - 1,5 Niob
4 - 6 Chrom
0,5 - 1,5 Silicium
3 - 4 Bor
1 - 2 Titan
ca. 300 ppm Kohlenstoff
ca. 100 ppm Zirkonium
Rest Eisen.
3. Verwendung der Legierung nach Anspruch 1 als thermoschockbeständiger Werkstoff.
4. Verwendung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkstoff der Bildung
eines heissgasführenden Bauteils, insbesondere des Gehäuses einer Gasturbine dient.
1. Alloy on the basis of iron and aluminium, characterized in that it comprises the following
constituents in atom per cent:
12 - 18 aluminium
0.1 - 10 chromium
0.1 - 2 niobium
0.1 - 2 silicon
0.1 - 5 boron
0.01 - 2 titanium
100 - 500 ppm carbon
50 - 200 ppm zirconium
remainder iron.
2. Alloy according to Claim 1, characterized in that it comprises the following constituents:
14 - 16 aluminium
0.5 - 1.5 niobium
4 - 6 chromium
0.5 - 1.5 silicon
3 - 4 boron
1 - 2 titanium
approximately 300 ppm carbon
approximately 100 ppm zirconium
remainder iron.
3. Use of the alloy according to Claim 1 as a thermal-shock resistant material.
4. Use according to Claim 3, characterized in that the material serves to form a component
carrying hot gas, in particular the casing of a gas turbine.
1. Alliage à base de fer et d'aluminium, caractérisé en ce qu'il contient les constituants
suivants en pourcentages atomiques:
12 - 18 aluminium
0,1 - 10 chrome
0,1 - 2 niobium
0,1 - 2 silicium
0,1 - 5 bore
0,01 - 2 titane
100 - 500 ppm carbone
50 - 200 ppm zirconium
solde fer
2. Alliage suivant la revendication 1, caractérisé en ce qu'il contient les constituants
suivants:
14 - 16 aluminium
0,5 - 1,5 niobium
4 - 6 chrome
0,5 - 1,5 silicium
3 - 4 bore
1 - 2 titane
env. 300 ppm carbone
env. 100 ppm zirconium
solde fer.
3. Utilisation de l'alliage suivant la revendication 1 comme matériau résistant au choc
thermique.
4. Utilisation suivant la revendication 3, caractérisée en ce que le matériau sert à
la formation d'un composant conduisant des gaz chauds, en particulier de l'enveloppe
d'une turbine à gaz.