[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Optimierung des Löschmittelverbrauchs
und/oder der Löschzeit bei einer mindestens einen Druckbehälter zur Bevorratung des
Löschmittels, ein Rohrleitungssystem und eine Anzahl Düsen aufweisenden Löschvorrichtung,
und eine Vorrichtung zur Durchführung dieses Verfahrens.
[0002] Es ist Stand der Technik, Räume und Sachwerte mit sogenannten Sprinklersystemen vor
Feuer zu schützen. Diese stationär installierten Systeme arbeiten mit Wasserdrücken
zwischen 2 und 10 bar und erzeugen im Einsatzfall Tropfen mit einem mittleren Durchmesser
um 1 mm. Die Sprinkler-Düsen sind im Schutzbereich so angeordnet, dass die Wasserstrahlen
einander überdecken und so den unteren Teil eines Schutzbereichs völlig benetzen können.
Die Richtlinien zur Installation von herkömmlichen Sprinklersystemen, wie sie in Deutschland
vom Verein der Sachversicherer (VdS) und in der Schweiz vom Brandverhütungsdienst
(BVD) festgelegt sind, verlangen die Beherrschung eines Brandes, fordern eine Löschung
des Feuers jedoch nicht. Durch die hydrodynamischen Randbedingungen von Sprinklersystemen
kann man zeigen, dass die Sprinklertropfen bei grösseren Brandleistungen (über 1 MW)
die Reaktionszone nicht mehr erreichen und nur noch die unmittelbare Umgebung des
Brandherdes zu kühlen vermögen, das Feuer aber nicht löschen.
[0003] Zusammengefasst haben Sprinkler-Systeme, die nach den anerkannten Vorschriften installiert
sind, folgende Nachteile:
- In den meisten Fällen nur Brandbeherrschung und keine Brandlöschung
- Einsatz von grossen Wassermengen und dadurch verursachter Sachschaden.
[0004] Von diesem Stand der Technik ausgehend liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde,
ein Wasser verwendendes Löschverfahren und eine Löschvorrichtung zu schaffen, die
die genannten Nachteile vermeiden. Insbesondere soll die Erfindung eine vollständige
Löschung bei optimalem Löschwasserverbrauch ermöglichen.
[0005] Die Erfindung beruht auf umfangreichen thermodynamischen und strömungsmechanischen
Berechnungen, die es ermöglichen für Brände verschiedener Art in beliebigen Räumen
die Brandleistung und Brandgasentwicklung zu ermitteln und die zur Löschung notwendigen
Löschparameter zu berechnen. Dieses Löschverfahren ist in Anspruch 1 umschrieben.
Eine Vorrichtung zur Durchführung dieses Löschverfahrens und bevorzugte Ausführungsformen
sind in den Ansprüchen 2 bis 5 festgehalten.
[0006] Für einen gegeben Brand wird zunächst die Entwicklung des Brandgasstroms anhand eines
Brandmodells ermittelt. Insbesondere werden die Aufstiegsgeschwindigkeiten und Temperatur
der Brandgase in Abhängigkeit der Abbrandrate (Brandleistung), der Brennqualität,
der Brandfläche und der Raumhöhe bestimmt.
[0007] Darauf wird das Verhalten von Wassertropfen nach ihrem Austritt aus einer Düse in
den entgegenströmenden Brandgasstrom sowie die resultierende Abkühlung des Brandgases
beschrieben. Insbesondere werden die Geschwindigkeit und Verdunstung, d.h. die Temperatur
und Massenabnahme, von Tropfen als Funktion der Raumhöhe oder Distanz zum Brandherd
ermittelt. Ausschlaggebend für die Löschfähigkeit ist die Menge und Masse der Tropfen,
die den Brandherd erreichen. Diese Tropfenparameter werden näher in Abhängigkeit vom
Wasserdurchsatz, der Tropfengrösse und -geschwindigkeit beim Austritt aus der Düse,
und der Raumhöhe beschrieben. Somit können die für eine Brandlöschung optimalen Werte
von Tropfengrösse und - geschwindigkeit, Wasserdurchsatz sowie Löschdauer und somit
der gesamte Menge versprühten Wassers bestimmt werden. Schliesslich können für einen
gewählten Typ von Wasserdüse der Wasserdruck, die Dimensionierung eines Rohrleitungssystems
und der Wasserdurchsatz pro Sekunde bestimmt werden, sodass Tropfen von der gewünschten
Art entstehen.
[0008] Das Berechnungsvorgehen für die Bestimmung der obengenannten Abhängigkeiten wird
anhand von Beispielen aus der Praxis und in den Figuren 1-4 gezeigt.
[0009] Es wird von einem Referenzfall mit erfolgreicher Löschung ausgegangen, bei dem in
einem 8 m hohen Raum ein Stapel von Papier und Kunststoff auf einer Fläche von 4 m²
Grösse als Brandmaterial vorliegt. An der Decke des Raumes sind Sprinkler angebracht
mit folgenden Sprinkerdüsenbedingungen: 5 kg/s Wasserdurchsatz, -15 m/s Austrittsgeschwindigkeit
und 2 mm Tropfengrösse. Der Abbrand des Brennstoffs mit 20 MJ/kg Heizwert wurde mit
folgenden Ergebnissen simuliert: Maximale Gastemperatur von 950°C, Abbrandrate von
0.51 kg/s und maximaler Gasgeschwindigkeit von 7.7 m/s. Figur 1a) zeigt für diesen
Referenzfall das Absinken der Tropfengeschwindigkeit als Funktion der Raumhöhe von
-15 m/s auf -3 m/s. Figur 1b) zeigt den Verlauf der Tropfentemperatur von 20°C auf
74°C, wo keine Verdampfung aber eine Verdunstung mit starker Abkühlwirkung der Gase
stattfindet. Figur 1c) zeigt den Verlauf der Brandgastemperatur auf 556°C.
[0010] Die Figur 2 zeigt das simulierte Verhalten von kleineren Tropfen von 1.5 mm mittlerem
Durchmesser. Hier zeigt die Simulation, dass die Geschwindigkeit von Tropfen von dieser
Grösse bei einer Höhe von 3 m auf Null absinkt und somit die Tropfen weggetragen werden
und keine Löschung stattfinden kann.
[0011] In Figur 3 ist die Wirkung von einer tieferen Austrittsgeschwindigkeit von -5 m/s
gezeigt. Hier geht von der Simulation hervor, dass die Austrittsgeschwindigkeit eine
starke Auswirkung auf die Löschfähigkeit hat. Die Tropfengeschwindigkeit fällt wiederum
bereits bei 3 m oberhalb des Brandherdes auf Null.
[0012] Anders ist die Situation in Figur 4, die das Verhalten von Tropfen zeigt, die von
einer niedrigeren Raumhöhe von 4 m ausgeprüht werden. Die Tropfen bewegen sich noch
bei einer Geschwindigkeit von -1 m/s beim Auftreffen auf den Brandherd und bewirken
eine Löschung.
[0013] Diese Berechnungen lassen erkennen, dass für eine gegebene Brandleistung durch eine
optimale Kombination zwischen Tropfengrösse, Tropfengeschwindigkeit und Abstand der
Sprinklerdüse vom Brandherd eine Brandlöschung innerhalb von Sekunden mit optimiertem
Wasserverbrauch möglich ist. Umfangreiche Testreihen haben diesen Sachverhalt bestätigt.
Figur 5 zeigt experimentell bestimmte Werte der Löschparameter Wirkdruck an der Düse
und Wasserdurchsatz für eine Anzahl verschiedener eingesetzter Düsentypen und Brände,
nämlich Holz-, Benzin-, Aethanol-, PET- und Heptanbrände. Die eingesetzten Düsentypen
waren zum Beispiel Vollkegel-, Hohlkegel-(Drallkammer-), Mehrloch- und Einlochdüsen.
Die Werte innerhalb des eingezeichneten Rahmens haben innerhalb einer Zeitspanne von
5-15 Sekunden nach Beginn der Löschung zu einer erfolgreichen Löschung geführt und
entsprechen den Werten, die durch die Berechnungen für den gegebenen Raum und Brand
errechnet worden sind. Die Werte ausserhalb des Rahmens haben zu keiner vollständigen
Löschung.
[0014] Es ist bekannt, dass bei sogenannten trockenen Sprinklersystemen, bei denen die Rohrleitungen
von der Wasserbevorratung bis zu den Düsen wasserfrei gehalten werden, das Anfahren
brandfördernd sein kann. Während der Anfahrzeit wird die Luft aus den Leitungen über
die Düsen in diesen Brandbereich geblasen, was den Brand anfachen oder bei Flüssigkeiten
den Brand vergrössern kann. Im Patentanspruch 3 ist ein Verfahren zur Dämpfung diese
Luftstosses beschrieben, indem in der Rohrleitung ein sich langsam öffnendes Ventil
integriert wird. Ein weiteres Verfahren zur Dämpfung des Luftstosses durch Druckpolstergefässe
ist im Patentanspruch 4 beschrieben.
[0015] In Figur 6 ist eine zur Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens geeignete
Vorrichtung als Ausführungsbeispiel der erfindungsgemässen Vorrichtung näher erläutert.
[0016] Bei der Installation eines solchen Systems ist darauf zu achten, dass mittels der
oben erwähnten thermodynamischen und strömungsmechanischen Methoden folgende Anlagegrössen
auf das potentielle Brandgut abgestimmt werden:
- Abstand zwischen Düse und Brandquelle
- Düsenöffnungen und Sprühwinkel
- Anzahl Düsen
- Wasserdurchsatz
- Rohrleitungsdurchmesser
- Vorratsdruck
- Vorratsmenge
- Öffnungszeit des Ventils nach dem Sammelrohr
Der Wasservorrat wird in einer oder mehreren Druckflaschen gelagert. Die Druckflaschen
1 sind nur zu etwa 60% mit Wasser gefüllt. Darüber wird mit einem inerten Gas wie
zum Beispiel Stickstoff oder Kohlendioxid ein Gaspolster aufgebracht. Der Vorratsdruck
in den Flaschen ist vom nachfolgenden Rohrleitungssystem und den Düsen abhängig und
liegt in der Regel zwischen 20 und 100 bar. Jede Flasche kann über ein Behälterventil
2 geöffnet werden. Die Auswertung erfolgt, gemäss dem Stand der Technik, über eine
elektrische oder pneumatische Kraft, die über eine Löschzentrale 3 freigegeben wird.
Durch die Wasserbevorratung in Flaschen ist die Löschwassermenge vorgegeben. Eine
zu grosse Löschwassermenge, die die zu schützenden Sachwerte mehr schädigt als schützt,
ist daher ausgeschlossen.
[0017] Im Falle eines Brandes löst der Brandmelder 4 über die Löschzentrale 3 die Ansteuerkraft
für alle Behälterventile 2 aus. Das Wasser wird von den Gaspolstern in den Flaschen
durch die Tauchrohre 5 in das Sammelrohr 6 gepresst. Das Sammelrohr wird durch ein
Ventil 7 vom Leitungssystem 8 getrennt. Die Löschzentrale öffnet das Ventil 7 innerhalb
5 bis 30 Sekunden vollständig. Mit diesem verzögerten Öffnen wird ein gefährlicher
Luftstoss aus den Düsen 9 in die Brandzone verhindert. Das sich langsam Öffnende Ventil
7 kann ein marktübliches Motorventil sein, vorzugsweise wird jedoch ein sich langsam
öffnender Kugelhahn eingesetzt.
[0018] Das Rohrleitungssystem 8 kann vom Sammelrohr 6 bis zu den Düsen 9 bis zu 100 m lang
sein. Die Rohrdurchmesser sind auf die hydraulischen Anforderungen des Löschsystems
(Durchsatz und Druckabfall) abzustimmen, wobei zu beachten ist, dass in den Rohren
ein Gas-Flüssigkeitsgemisch strömen kann.
[0019] Um bei stark asymmetrischen Leitungssystemen mögliche Anfahrluftstösse zu verhindern,
sind vor der Düse 9 sogenannte Druckpolster-Gefässe 10 vorzusehen. Diese leeren Behälter
(auch Windkessel genannt) können Druckstösse ähnlich einer Gasfeder abdämpfen. Diese
Zusatzvorrichtung ergänzt das sich langsam öffnende Ventil 7 zur Beherrschung des
Anfahr-Luftstosses.
[0020] Die Düsen 9 können von unterschiedlicher Konstruktion sein. Die hydraulischen Eigenschaften
sind jedoch für jeden Düsentyp auszumessen und in den Auslegungsberechnungen zu berücksichtigen.
Versuche haben gezeigt, dass sogenannte Drallkammerdüsen besonders geeignet sind,
da die Austrittsöffnungen dieser Düsen gross sind und dadurch keine Verstopfungsgefahr
besteht.
1. Verfahren zur Optimierung des Löschmittelverbrauchs und/oder der Löschzeit bei einer
mindestens einen Druckbehälter zur Bevorratung des Löschmittels, ein Rohrleitungssystem
und einer Anzahl Düsen aufweisenden Löschvorrichtung, dadurch gekennzeichnet, dass
die Brandgasentwicklung für beliebige Brände berechnet und für eine gegebene Düsenkonstruktion
der Zusammenhang zwischen Tropfengrösse, Tropfengeschwindigkeit, Wasserdurchsatz und
Druck mittels thermodynamischen und strömungsmechanischen Methoden ermittelt wird
und dass einer oder mehrere der Löschparameter Druck, Wasserdurchsatz, Tropfengrösse
und -geschwindigkeit auf das potentielle Brandgut abgestimmt werden.
2. Vorrichtung zum Löschen von Fest- und Flüssigkeitsbränden mit optimalem Löschwasserverbrauch
in optimaler Löschzeit mit mindestens einem Druckbehälter mit entsprechenden Behälterventilen
zur Bevorratung des Wassers, einer Einrichtung, um das Löschmittel mit Gas auf einen
Druck zwischen 20 und 100 bar zu bringen, einem Rohrleitungssystem und einer Anzahl
Düsen, dadurch gekennzeichnet, dass zur Löschung innerhalb von wenigen Sekunden einer
oder mehrere der Löschanlagenparameter Druck, Wasserdurchsatz, Vorratsmenge, Abstand
zwischen Düse und Brandquelle, Düsenöffnungen und Sprühwinkel, Anzahl Düsen und Rohrleitungsdimensionen
mit Hilfe von thermodynamischen und strömungsmechanischen Methoden auf das potentielle
Brandgut abgestimmt werden.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass zur Dämpfung eines Druckstosses
in der Zuleitung zur Düse die Rohrleitung zusätzlich zu den Behälterventilen ein sich
langsam öffnendes Ventil zwischen den Behälterventilen und den Düsen aufweist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass zur Dämpfung eines Druckstosses
in der Zuleitung zur Düse vor den einzelnen Düsen ein Druckpolstergefäss angebracht
ist, wodurch ein natürliches Gaspolster entsteht.
5. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung als Düse
eine Drallkammerdüse aufweist.