[0001] Die Erfindung betrifft einen Räderfalzapparat für eine Rollenrotationsdruckmaschine
entsprechend dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.
[0002] Durch die US-PS 30 38 719 ist ein Räderfalzapparat für Doppel- und Sammelproduktion
mit einer 3/2 Falztrommel sowie einem in der Falztrommel exzentrisch umlaufenden Falzmesserträger
und einem gegen die Falztrommel schneidenden 2/2 Schneidzylinder bekannt geworden.
Die auf der hohlen Falztrommel wirkenden hohen Schnittkräfte können dort zu Ermüdungsbrüchen
führen. Nachteilig hierbei ist weiterhin, daß bei hoher Drehzahl der Falztrommel auch
ein hoher Bedarf an Verschleißteilen besteht. Infolge einer großen, an der Falztrommel
wirkenden Zentrifugalkraft werden die Signaturen an die die Zylinder umgebenden Papierleiteinrichtungen
gedrückt, was zu einem Abschmieren der Signaturen führen kann. Infolge der Bremswirkung
der Signaturen an den Papierleiteinrichtungen können die Punkturen in den Signaturen
auch eine Rißbildung verursachen.
[0003] Weiterhin ist es nachteilig, daß mit diesem Räderfalzapparat keine gehefteten Tabloidprodukte
hergestellt werden können.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Räderfalzapparat für Doppel- und
Sammelproduktion zu schaffen, mittels welchem bei hoher Produktionsgeschwindigkeit
auch dicke Signaturen beschädigungsfrei geschnitten werden können.
[0005] Erfindungsgemäß geschieht dies durch die Merkmale des kennzeichnenden Teils des Patentanspruches
1.
[0006] Durch die Erfindung werden insbesondere folgende Vorteile erzielt: Dadurch, daß als
Gegenschneidzylinder ein massiver Gegenschneidleistenzylinder bzw. Sammelzylinder
eingesetzt wird, werden die hohen Schneidkräfte des Schneidzylinders ermüdungsfrei
aufgenommen. Infolge des großen Umfanges des Gegenschneidleistenzylinders werden auch
bei Sammelproduktion große Zentrifugalkräfte und somit ein Abschmieren der Signaturen
vermieden. Durch die Ausbildung der Falztrommel mit einem Falzmesserträger, dessen
Rotationsachse außerhalb des Rotationszentrums der Falztrommel liegt, ist es möglich,
an die Falztrommel ein Heftwerk anzukuppeln, womit ein Heften der Signaturen vor dem
Falzen insbesondere bei Tabloidproduktion ermöglicht wird.
[0007] Die Erfindung wird nachfolgend an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert. Die
zugehörigen Zeichnungen zeigen in der einzigen Figur
eine schematische Seitenansicht eines erfindungsgemäßen Räderfalzapparates ohne
Seitengestell.
[0008] Der Räderfalzapparat nach der Erfindung besteht aus einem im Gegenuhrzeigersinn drehenden
massiven 5/2 Gegenschneidleistenzylinder 1 bzw. Sammelzylinder mit fünf bekannten
steuerbaren Punktursätzen 2, 3, 4, 5, 6 sowie ebenfalls fünf bekannten Gegenschneidleisten
8, 9, 10, 11, 12. Dem 5/2 Gegenschneidleistenzylinder 1 ist auf der linken Seite ein
im Uhrzeigersinn drehender massiver 2/2 Schneidzylinder 14 mit zwei sich am Umfang
diametral gegenüberliegenden Schneidmessern 16, 17 zugeordnet. Unterhalb des Gegenschneidleistenzylinders
1 ist eine bekannte hohle 3/2 Falztrommel 18 mit drei bekannten steuerbaren Punktursätzen
20, 21, 22 seitengestellfest gelagert. Im Hohlkörper der Falztrommel 18 ist ein rotierender
Falzmesserträger 23 mit zwei nicht abkuppelbaren, sich am Umfang um 180° gegenüberliegenden
Falzmessern 25, 26 angeordnet. Eine Rotationsachse 27 des Falzmesserträgers 23 ist
außerhalb einer Rotationsachse 28 der Falztrommel 18 angeordnet. Der Falzmesserträger
23 wird im Verhältnis 3:2 zur Falztrommel 18 angetrieben. Bei einer Umdrehung des
Falzmesserträgers 23 wickelt sich jeweils ein Stirnzahnrad des Falzmessers 25, 26
so auf einem feststehenden Sonnenrad ab, daß jeweils ein Falzmesser 25, 26 drei Ausschläge
um jeweils 120° versetzt aufgezwungen bekommt. Dadurch finden jeweils zwei Ausschläge
des Falzmessers 25, 26 innerhalb der Falztrommel 18 statt und ein dritter Ausschlag
stößt die querzufalzenden Signaturen bei Doppelproduktion in einen Walzenspalt zwischen
zwei Falzwalzen 30, 31, die am Mantel der Falztrommel 18 unterhalb der Rotationsachse
28 angeordnet sind. Bei Sammelproduktion wird nur jedes zweite vorbeilaufende Exemplar
in die Falzwalzen 30, 31 gestoßen. Auf dem Mantel der Falztrommel 18 befinden sich
noch drei Gruppen von jeweils um 120° zueinander versetzten Heftklammerschließern
32, 33, 34, welche mit einem bekannten, sich rechts neben der Falztrommel 18 befindlichen,
abkuppelbaren Heftwerk 36 zusammenarbeiten. Damit können die Produkte im Falz mit
zwei Heftklammern bestückt werden.
[0009] Unterhalb der Falzwalzen 30, 31 ist ein Schaufelrad 37 mit Fächern seitengestellfest
gelagert, aus welchen die gefalzten Produkte mittels einer umlaufenden endlosen Ausstreifertaktkette
38 auf einem Ausleger 39 abgelegt werden. Vor dem Einlauf des Papierstranges in den
Gegenschneidleistenzylinder 1 bzw. Sammelzylinder und den Schneidzylinder 14 ist eine
aus zwei Zugwalzen 41, 42 bestehende Zugwalzengruppe seitengestellfest angeordnet.
[0010] Die Funktion ist wie folgt: Ein durch die Zugwalzen 41, 42 einlaufender, nicht dargestellter
Papierbahnstrang wird von einem der Punktursätze 2 bis 6 durchstoßen. Dabei kann eine
zwischen den Zugwalzen 41, 42 und dem zwischen dem Gegenschneidleistenzylinder 1 und
dem Schneidzylinder 14 gebildeten Einlaufzwickel eine Walze 43 seitengestellfest gelagert
sein, die ein Ausweichen des Papierbahnstranges verhindert. Durch das Zusammenwirken
einer der im Gegenschneidleistenzylinder 1 angeordneten Gegenschneidleisten 8 bis
12 mit einem der im Schneidzylinder 14 befindlichen Schneidmessern 16, 17 wird der
einlaufende Papierbahnstrang zu Signaturen geschnitten. Diese Signaturen werden von
den Punktursätzen 2 bis 6 auf dem Gegenschneidleistenzylinder 1 gehalten. Bei Sammelproduktion
werden die Halterungen der Schneidmesser 16, 17 um einen bestimmten Betrag, z. B.
1,5 mm zur Zylindermitte versetzt eingebaut, so daß die erste Sektion der Signaturen
dabei 3 mm kürzer und die zweite Sektion der Signaturen 3 mm länger geschnitten ist.
Infolge dieser unterschiedlichen Schnittlängen wird ein Nachschneiden der ersten Sektion
der Signaturen verhindert. Der Gegenschneidleistenzylinder 1 bzw. Sammelzylinder sowie
die Falztrommel 18 sind teilweise von Papierleiteinrichtungen 44 umgeben, welche z.
B. aus Stäben bestehen können, die der Mantelfläche des Gegenschneidleistenzylinders
1 bzw. Sammelzylinder angepaßt sind. Der Anfang des einlaufenden Papierbahnstranges,
welcher nicht durch einen der Punktursätze 2 bis 6 erfaßt ist, wird mittels einer
nach dem Auslaufzwickel von Gegenschneidleistenzylinder 1 und Schneidzylinder 14 am
Umfang des Gegenschneidleistenzylinders 1 angeordneten Weiche 46 ausgeschleust. Diese
Weiche 46 schließt bei einer bestimmten Maschinendrehzahl, z. B. > 5000 U/h von einer
gestrichelt dargestellten Position in eine mit Vollinien dargestellte Position. Die
Weiche 46 kann aus einer durch einen vom Arbeitszylinder abschwenkbaren Teil einer
Papierleiteinrichtung 44 bestehen.
[0011] Bei Sammelproduktion wird die erste Sektion der Signaturen mittels der Punktursätze
2 bis 6 um den Gegenschneidleistenzylinder 1 geführt. Beim zweiten Durchlauf wird
die zweite Sektion der Signaturen von denselben Punktursätzen 2 bis 6 aufgenommen
und kurz vor dem Trennen des Papierbahnstranges durch die Punktursätze 20 bis 22 von
der Falztrommel 18 übernommen. Bei Doppelproduktion wird der einlaufende Papierbahnstrang
von den Punktursätzen 2 bis 6 des Gegenschneidleistenzylinders 1 übernommen und kurz
vor dem Trennen des Papierbahnstranges durch die auf der Falztrommel 18 angordneten
Punktursätze 20 bis 22 übernommen. Die Signaturen können in Querfalzrichtung mittels
des angekuppelten Heftwerkes 36 mit jeweils zwei Heftklammern versehen werden und
in bekannter Weise zwischen den Falzwalzen 30, 31 gefalzt und über das Schaufelrad
37 und die Ausstreifertaktkette 38 dem Ausleger 39 übergeben werden.
[0012] Zwischen dem Heftwerk 36 und der nachfolgenden Falzwalze 31 ist in der Produktleiteinrichtung
44 eine auf die Manteloberfläche der Falztrommel 18 gerichtete Produktkontrolleinrichtung
47 gestellfest angeordnet. Diese Produktkontrolleinrichtung 47 besteht aus einer Fotozelle,
welche in Abhängigkeit zur Produktionsart die Anwesenheit eines Falzproduktes feststellt
und bei Abwesenheit des Falzproduktes einen Maschinenstop herbeiführt. Es ist auch
möglich, statt des 5/2 Gegenschneidleistenzylinders 1 bzw. Sammelzylinders einen 7/2
Gegenschneidleistenzylinder oder einen 3/2 Gegenschneidleistenzylinder 1 bzw. Sammelzylinder
einzusetzen (n + 1 und ungeradzahlig). Das Heftwerk 36 kann zwei-, drei- oder halbfeldrig
ausgebildet sein.
Teileliste
[0013]
- 1
- Gegenschneidleistenzylinder
- 2
- Punktursatz (1)
- 3
- Punktursatz (1)
- 4
- Punktursatz (1)
- 5
- Punktursatz (1)
- 6
- Punktursatz (1)
- 7
- -
- 8
- Gegenschneidleiste (1)
- 9
- Gegenschneidleiste (1)
- 10
- Gegenschneidleiste (1)
- 11
- Gegenschneidleiste (1)
- 12
- Gegenschneidleiste (1)
- 13
- -
- 14
- Schneidzylinder
- 15
- -
- 16
- Schneidmesser (14)
- 17
- Schneidmesser (14)
- 18
- Falztrommel
- 19
- -
- 20
- Punktursatz, gesteuert (18)
- 21
- Punktursatz, gesteuert (18)
- 22
- Punktursatz, gesteuert (18)
- 23
- Falzmesserträger (18)
- 24
- -
- 25
- Falzmesser
- 26
- Falzmesser
- 27
- Rotationsachse (23)
- 28
- Rotationsachse (18)
- 29
- -
- 30
- Falzwalze
- 31
- Falzwalze
- 32
- Heftklammerschließer (18)
- 33
- Heftklammerschließer (18)
- 34
- Heftklammerschließer (18)
- 35
- -
- 36
- Heftwerk
- 37
- Schaufelrad
- 38
- Ausstreifertaktkette
- 39
- Ausleger
- 40
- -
- 41
- Zugwalze
- 42
- Zugwalze
- 43
- Walze
- 44
- Papierleiteinrichtung
- 45
- -
- 46
- Weiche
- 47
- Produktkontrolleinrichtung
- 48
- -
- 49
- -
- 50
- -
1. Räderfalzapparat in einer Rollenrotationsdruckmaschine für Sammel- und Doppelproduktion
mit einem zweifeldrigen Schneidzylinder (14) und einer dreifeldrigen Falztrommel (18)
mit einem darin umlaufenden zweifeldrigen Falzmesserträger (23), dessen Rotationsachse
(27) exzentrisch zur Rotationsachse (28) der Falztrommel (18) angeordnet ist, dadurch
gekennzeichnet, daß der zweifeldrige Schneidzylinder (14) gegen einen fünffeldrigen
Gegenschneidleisten- und Sammelzylinder (1) arbeitend angeordnet ist, daß dem Gegenschneidleistenzylinder
(1) die dreifeldrige Falztrommel (18) unmittelbar zugeordnet ist.
2. Räderfalzapparat nach Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß vor einem Einlaufzwickel
zwischen dem Gegenschneidleistenzylinder (1) und dem Schneidzylinder (14) eine gestellfeste
Walze (43) angeordnet ist.
3. Räderfalzapparat nach den Patentansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß nach
einem Auslaufzwickel zwischen dem Gegenschneidleistenzylinder (1) und dem Schneidzylinder
(14) am Umfang des Gegenschneidleistenzylinders (1) eine Weiche (46) zum Ausschleusen
von Papierbahnen angeordnet ist.
4. Räderfalzapparat nach den Patentansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der
dreifeldrigen Falztrommel (18) ein Heftwerk (36) zugeordnet ist.
5. Räderfalzapparat nach den Patentansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen
dem Heftwerk (36) und einer nachfolgenden Falzwalze (31) eine auf die Manteloberfläche
der Falztrommel (18) gerichtete Produktkontrolleinrichtung (47) gestellfest angeordnet
ist.