[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Behandlung von Restmüll, bei welchem
die Leichtfraktion durch thermische Verfahren umgesetzt und die Schwerfraktion einem
biologischen Rotte- oder Vergärungsprozeß unterworfen wird.
[0002] Restmüll stammt üblicherweise aus kommunalen, gewerblichen oder industriellen Abfällen
und entsteht nach der vorherigen Sammlung und Verwertung aller stofflichen und biologischen
Anteile im Abfall. Diese Stoffe werden mit den bekannten, untereinander verschiedenen
Methoden gesammelt und einer stofflichen oder biologischen Verwertung zugeführt. Der
verbleibende Rest sowie die Reste aus den Behandlungsanlagen der stofflichen und biologischen
Verwertung bilden den Restmüll. Der zu behandelnde Restmüll ist in seiner Zusammensetzung
ähnlich dem gemischten Hausmüll, weist jedoch einen geringeren Gehalt an organischen
Stoffen, jedoch einen erhöhten Gehalt an Kunststoffabfällen auf.
[0003] Die deutsche Verwaltungsvorschrift "Technische Anleitung Siedlungsabfall" sowie ähnliche
Vorschriften in anderen Ländern schreiben vor, daß die nach der Behandlung des Restmülls
anfallenden, zu vergrabenden Rückstände nur mehr erdkrustenähnliche Stoffe sein dürfen,
wobei der wesentliche Parameter für die zukünftige Deponierung dieser Bestandteile
der Glühverlust ist, der nicht mehr als 5 Gew.- % der Trockensubstanz betragen darf.
Um der genannten deutschen Verwaltungsvorschrift nachzukommen, muß der Restmüll entsprechend
aufgearbeitet werden. Dafür sind grundsätzlich verschiedene Verfahren bekannt, wobei
die wesentlichsten Verfahren nach der Reaktionszeit zu unterscheiden sind:
a) Thermische Verfahren, d.s. Verbrennung, Vergasung oder Pyrolyse bringen eine kurze
Umsetzdauer;
b) Biologische Verfahren, d.s. Verrottung oder Vergärung, benötigen eine lange Umsetzdauer.
[0004] Jedes der genannten Verfahren hat jedoch Nachteile, wobei die thermischen Verfahren
nur unter Zugrundelegung von langen Genehmigungs- und Bauzeiträumen zu realisieren
sind, die biologischen Verfahren hingegen nicht die zukünftig notwendigen Parameter
der Deponierung erreichen lassen.
[0005] Es ist nun ein Verfahren der eingangs genannten Art bekannt, bei welchem die Möglichkeit
der Kombination beider Verfahrenswege gegeben ist, nämlich das sogenannte "Restmüll-Splittingverfahren".
Bei diesem Verfahren wird ein Brennstoff mit hohem Anteil von Glühverlust mechanisch
abgeschieden und einer gezielten thermischen Verwertung mittels Leichtfraktionsverbrennungsanlagen
oder Leichtfraktionspyrolysenanlagen zugeführt. Die verbleibende Schwerfraktion wird,
gegebenenfalls unter Zumischung von Klärschlamm, einem biologischen Rotte- oder Vergärungsprozeß
unterzogen. Das dort anfallende Endprodukt erfüllt jedoch nicht die Anforderung der
"Technischen Anleitung Siedungsabfall" bezüglich des maximalen Glühverlustes der Trockensubstanz.
[0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten
Art zu schaffen, mit welchem die verordneten Parameter für die zu deponierenden Restbestandteile
erzielt werden.
[0007] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß das von dem biologischen Rotte-
oder Vergärungsprozeß kommende Material der Schwerfraktion einer Glühbehandlung, vorzugsweise
bei einer Temperatur von etwa 1600°C, unterworfen wird. Dadurch wird das Produkt in
einen Schmelzzustand übergeführt und hat am Ausgang des entsprechenden Ofens glasartigen
Charakter. Eine Deponierung ist nach allen derzeitigen Vorschriften problemlos möglich.
[0008] Vorteilhafterweise kann das von dem biologischen Rotte- oder Vergärungsprozeß kommende
Material vor der Glühbehandlung durch Windsichtung von den verbliebenen Leichtstoffen
befreit werden. Dies hat den Vorteil, daß jene Substanzen, welche nicht unbedingt
der Glühbehandlung zu unterwerfen sind, da sind anderweitig verwendbar sind, den Glühprozeß
und damit die Energiebilanz nicht belasten. Dabei können die durch Windsichtung abgetrennten
Leichtstoffe der Leichtfraktion vor deren thermischen Verwertung zugesetzt werden,
wodurch der in den Leichtstoffen enthaltene Energieinhalt besonders gut ausgenützt
werden kann. Die bei der Glühbehandlung anfallenden Abgase können, gegebenenfalls
nach Reinigung, in den biologischen Rotte- oder Vergärungsprozeß eingeführt werden,
wodurch die anfallenden Abgase in der biologischen Behandlungsanlage entsprechend
aufgearbeitet werden, sodaß eine Belastung der Umwelt durch diese Abgase ausgeschaltet
ist. Zur Verbesserung der Energiebilanz und zur besseren Ausnützung der Gase können
die zur Kühlung des Glühgutes am Ende der Glühbehandlung eingebrachten Gase am Beginn
der Glühbehandlung zur Anwärmung des zu glühenden Gutes eingesetzt werden.
[0009] Schließlich können die nach Anwärmung des zu glühenden Gutes aus diesem austretenden
Gase entwässert werden, wobei die anfallenden Abwässer dem biologischen Rotte- oder
Vergärungsprozeß zugeführt werden. Damit wird eine weitere Reinigung der Abwässer
erreicht, da diese in den biologischen Rotte- oder Vergärungsprozeß einerseits die
benötigte Feuchtigkeit einbringen und anderseits die in ihnen enthaltenen, von den
Mikroorganismen verarbeitbaren Substanzen abgebaut werden.
[0010] Das erfindungsgemäße Verfahren wird nachstehend anhand der Zeichnungen näher erläutert.
[0011] Fig. 1 veranschaulicht anhand eines Blockdiagramms den Verfahrensablauf und den Weg
der einzelnen Fraktionen bzw. Anteile.
[0012] Fig. 2 gibt ein Mengenfließdiagramm bezüglich der Restmüllverwertung wieder.
[0013] Fig. 3 zeigt ein Prinzipschema des Glühbehandlungsschrittes.
[0014] Der anfallende Restmüll wird in einer mechanischen Aufbereitungsanlage, in welcher
gefährliche Abfälle und Wertstoffe ausgesondert werden, in eine Leichtfraktion und
eine Schwerfraktion aufgetrennt. Die Leichtfraktion, welche thermisch verwertbar ist,
wird einer speziellen Verbrennungsanlage zugeführt. Dabei wird der hohe Glühverlust
als Energieträger genützt und der Kohlenstoff zu Kohlendioxid verbrannt. Die Leichtfraktion
hat einen hohen Heizwert und weist eine im wesentlichen konstante Zusammensetzung
auf, wodurch der Betrieb von ökologisch sinnvollen und ökonomisch günstigen Verbrennungsanlagen,
z.B. nach dem Prinzip der zirkulierenden Wirbelschicht, möglich ist.
[0015] Die aus der mechanischen Aufbereitungsanlage kommende Schwerfraktion wird einer biologischen
Behandlung zugeführt, wobei gegebenenfalls Klärschlamm zugemischt werden kann. Die
biologische Behandlung ist dabei ein Rotte- oder ein Vergärungsprozeß. An diese biologische
Aufbereitungsanlage schließt nun als weiterer, neuer Verfahrensschritt an, daß das
von dieser biologischen Rotte kommende Material, nachdem es durch Absiebung und Windsichtung
in eine leichte und schwere Fraktion getrennt wird, weiter aufbereitet wird. Die gewonnene
leichte Fraktion wird der Leichtfraktion, welche direkt aus der mechanischen Aufbereitungsanlage
des Restmülls kommt, zugemischt und dort verbrannt. Die durch das Sieb hindurchfallende
Fraktion bzw. die vom Windsichter kommende schwere Fraktion wird einem Nachglühschritt
unterzogen. Die Absiebung des Produktes erfolgt dabei über ein Sieb mit einer bevorzugten
Maschenweite von 15 mm. Das Nachglühen wird in einem speziellen Tunnelofen vorgenommen,
wobei jedoch Voraussetzung ist, daß der Wassergehalt des in der biologischen Behandlungsstufe
austretenden Materials auf ca. 20 Gew.-% herabgesetzt ist und die maximal mögliche
Entfernung aller Leichtstoffe durch den Windsichter erzielt ist.
[0016] Der Tunnelbrennofen wird bevorzugt mittels elektrischer Widerstandsheizelemente beheizt,
um eine offene Flamme im Ofen zu vermeiden und dadurch die Brandgefahr herabzusetzen.
In diesem Tunnelofen wird das zu behandelnde Gut auf eine Temperatur von etwa 1600°C
aufgeheizt. Es entsteht dann ein glasartiges Produkt, welches nach entsprechender
Abkühlung ohneweiters deponiert werden kann.
[0017] Der Tunnelofen ist in Fig. 3 mit 1 bezeichnet und weist ein Widerstandsheizelement
2zum Glühen des Gutes auf. Die Beschickung des Tunnelofens 1 erfolgt über ein Förderband
3, welches das Gut über einen Einfülltrichter 4 auf das durch den Ofen führende Förderband
5 auflegt. Von diesem Förderband 5 wird dann das Produkt bei 6 abgeworfen und einer
Deponie zugeführt. Der Brennofen 1 weist eine Aufheizzone 7 und eine Kühlzone 8 auf,
welche durch eine gezielte Luftführung erreicht wird. Zwischen diesen Zonen erfolgt
das Ausglühen des Gutes. Zur Kühlung des geglühten Produktes wird über eine Pumpe
9 die Kühlluft am Ende der Kühlzone 8 am Boden des Brennofens eingeführt, tritt durch
die zu kühlenden Materialien hindurch und wird am oberen Ende bei 10 aus dem Ofen
herausgeführt. Die Leitung 10 führt dann in den mittleren Bereich der Aufheizzone
7 ein, wodurch das den Brennofen 1 eingebrachte Gut aufgewärmt wird. Das über die
Leitung 11 aus dem Brennofen herausgeführte Aufwärmgas wird über einen Wärmetauscher
12 geführt, welcher über eine Frischwasserleitung 13 gekühlt ist. Das aus dem Wärmetauscher
12 austretende gekühlte Gas, welches mit Kondensat vermischt wird, wird über eine
Leitung 14 einem Abscheider 15 zugeführt, wobei die abgekühlte Luft über die Leitung
16 in die Kühlzone des Brennofens 1 eingeführt ist, u.zw. in Richtung des Produktflusses
vor der von der Pumpe 9 kommenden Leitung. Die Kühlluft wird von dem geglühten Gut
aufgeheizt und tritt über die Leitung 17 aus der Kühlzone des Brennofens aus und wird
nach der Einmündung der Leitung 10 wieder in den Brennofen 1, u.zw. in die Aufheizzone,
eingeführt, wonach dann das abgekühlte Gas über die Leitung 18 aus dem Brennofen heraus
und einem weiteren Wärmetauscher 19 zugeführt wird. Durch diesen Wärmeaustauscher
wird über eine Frischluftpumpe 20 Frischluft eingeleitet, welche im Wärmetauscher
19 aufgewärmt und über eine Leitung 21 zu Beginn der Aufwärmzone 7 des Brennofens
1 eingebracht wird. Die so aufgewärmte Luft, welche auch mit flüchtigen Bestandteilen
und Wasserdampf angereichert ist, tritt über die Leitung 22 aus dem Brennofen aus,
wird über einen Abscheider 23 geführt und von dort über eine Leitung 24 einer Reinigungsstation
25 zugeleitet. Die Reinigungsstation 25 besteht aus zwei Waschstufen 26, 27, in welchen
die im Abgas mitgenommenen Schadstoffe ausgewaschen bzw. neutralisiert werden. Es
arbeitet nämlich die erste Waschstufe im sauren Bereich und die zweite Waschstufe
im basischen Bereich. Die im Abgas mitkommenden Schadstoffe werden dadurch neutralisiert
und in der Waschwasserbehandlungsanlage 25 als Feststoffe (REA-Produkte) ausgeschieden.
Diese Feststoffe sind einer Deponie für gefährliche Abfälle zuzuführen. Die aus der
Waschanlage 25 kommenden Abgase werden über einen Aktivkohlefilter 28 nochmals gereinigt,
um eventuell noch mitkommende spezielle organische Schadstoffe abzuscheiden. Mittels
einer Pumpe 29 werden diese Abgase über eine Leitung 30 einer Rotteanlage 31 zugeführt,
u.zw. der biologischen Aufbereitungsanlage der schweren Fraktion der von der mechanischen
Aufbereitungsanlage kommenden Restmüllfraktion. Von dieser Rotteanlage 31 austretende
Abgase werden über eine Pumpe 32 einer Biowaschanlage 33 zugeführt und dann über die
Leitung 34 in die Atmosphäre abgelassen.
[0018] Das von den Abscheidern 15 und 23 kommende Kondensat, sowie das aus dem Wärmeaustauscher
12 austretende Frischwasser wird über Leitungen 35 bzw. 36 in die Rotteanlage 31 zugeführt,
um dort den Feuchtigkeitshaushalt zu steuern und auch um dort gegebenenfalls mitgenommene
Schadstoffpartikel abzubauen.
[0019] Das in Fig. 2 wiedergegebene Mengenfließdiagramm zeigt in anderer Form das Fließdiagramm
gemäß Fig. 1, jedoch unter Hinzufügung der in den einzelnen Abzweigungen geführten
Substratmengen.
1. Verfahren zur Behandlung von Restmüll, bei welchem die Leichtfraktion durch thermische
Verfahren umgesetzt und die Schwerfraktion einem biologischen Rotte- oder Vergärungsprozeß
unterworfen wird, dadurch gekennzeichnet, daß das von dem biologischen Rotte- oder
Vergärungsprozeß kommende Material der Schwerfraktion einer Glühbehandlung, vorzugsweise
bei einer Temperatur von etwa 1600°C, unterworfen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das von dem biologischen Rotte-
oder Vergärungsprozeß kommende Material vor der Glühbehandlung durch Windsichtung
von den verbliebenen Leichtstoffen befreit wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die durch Windsichtung abgetrennten
Leichtstoffe der Leichtfraktion vor deren thermischen Verwertung zugesetzt werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die bei der
Glühbehandlung anfallenden Abgase, gegebenenfalls nach Reinigung, in den biologischen
Rotte- oder Vergärungsprozeß eingeführt werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die zur Kühlung
des Glühgutes am Ende der Glühbehandlung eingebrachten Gase am Beginn der Glühbehandlung
zur Anwärmung des zu glühenden Gutes eingesetzt werden.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die nach Anwärmung des zu glühenden
Gutes aus diesem austretenden Gase entwässert werden, wobei die anfallenden Abwässer
dem biologischen Rotte- oder Vergärungsprozeß zugeführt werden.