[0001] Die Erfindung betrifft neuartige Otto-Kraftstoffe sowie die Verwendung von Hydroxycarbonsäureestern
als Oktanzahlverbesserer.
[0002] Aus der Fachliteratur, zum Beispiel aus Erdöl, Erdgas, Kohle,
102, Seite 469 (1986), ist bekannt, sauerstoffhaltige Kraftstoffextender einzusetzen,
die zum Teil auch oktanzahlverbessernde Wirkung aufweisen. Unter diesen Substanzen
finden sich auch Ester niederer Carbonsäuren, wie Ameisensäure oder Essigsäure.
[0003] US 3 015 547 offenbart, daß die Oktanzahl von verbleitem Ottokraftstoff (Benzin)
durch den Zusatz von Lactonen, beispielsweise γ-Valerolacton, erhöht werden kann.
Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß diese Oktanzahlerhöhung nur in Gegenwart
einer Organobleiverbindung im Benzin festzustellen ist.
[0004] Aus der DE-OS 27 11 218 ist bekannt, einen C₁₀ - C₄₀ Kohlenwasserstoffester einer
Hydroxycarbonsäure Mitteldestillatbrennstoffen zu Verbesserung der Filtrierbarkeit
zuzusetzen.
[0005] J.J. Thomas et al. berichten in Engergy Biomass Wastes 8, 1461, daß neben vielen
anderen aus Biomasse herstellbaren Komponenten sich möglicherweise α-Angelicalacton
als brauchbarer Extender für Kraftstoffe erweisen könnte. Bei praxisnahen Tests hat
sich jedoch gezeigt, daß die Beimischung von α-Angelicalacton zu Otto-Kraftstoffen
zu einer deutlichen Verringerung der Oktanzahl führt. Somit ist α-Angelicalacton als
Kraftstoffkomponente eher ungeeignet.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, Otto-Kraftstoffe mit gut löslichen, sauerstoffhaltigen
Komponenten bereitzustellen. Darüber hinaus sollen die Eigenschaften, insbesondere
die Oktanzahl der Kraftstoffe verbessert werden.
[0007] Die Aufgabe wurde gelöst durch Otto-Kraftstoffe gemäß den Ansprüchen 1 oder 2.
[0008] Bei den genannten Hydroxycarbonsäuren handelt es sich um Mono-Hydroxycarbonsäuren,
die keine weiteren funktionellen Gruppen aufweisen. Die Hydroxy-Gruppe kann von jedem
beliebigen C-Atom, außer dem der Carboxyl-Gruppe getragen werden. Bei den inneren
Estern, die auch Lactone genannt werden, ist es bevorzugt, wenn die die beiden funktionalen
Gruppen tragenden C-Atome durch mindestens eine CH₂-Gruppe getrennt sind. α-Lactone
sind schwierig herzustellen und wenig stabil. Sie sind deshalb weniger geeignet. Besonders
bevorzugt sind Ester von Hydroxycarbonsäuren, bei denen sich die Hydroxy-Gruppe in
γ-Stellung zur Carboxyl-Gruppe befindet. Bei den Lactonen sind entsprechend solche
mit einem Fünfring bevorzugt. Bei solchen Estern wurde ein besonders hoher, die Oktanzahl
steigender Effekt festgestellt. Bevorzugt weisen die Hydroxycarbonsäuren 4 bis 6 C-Atome
auf.
[0009] Bei den Lactonen werden sehr gute Ergebnisse mit hohen Oktanzahlen bei den erfindungsgemäß
bevorzugten Verbindungen γ-Valerolacton und γ-Butyrolacton erhalten. γ-Valerolacton
läßt sich beispielsweise relativ einfach durch selektive Hydrierung von α-Angelicalacton
oder Pseudo-Lävulinsäure, dem Tautomeren der Lävulinsäure, herstellen. Letztere kann
relativ einfach aus Mono- und/oder Polysaccharide enthaltenden Materialien hergestellt
werden.
[0010] Bei den äußeren Estern der Hydroxycarbonsäuren zeigen auch die Ester der Milchsäure
(Lactate) eine gute, die Oktanzahl steigernde Wirkung. Sie sind deshalb bevorzugt,
weil die zugrunde liegende Milchsäure relativ einfach in größeren Mengen durch Fermentation
von Glukose oder Milchprodukten zur Verfügung gestellt werden kann.
[0011] Die dem Alkoholrest der Hydroxycarbonsäureester zugrunde liegenden Alkohole weisen
bevorzugt 1 bis 10 insbesondere 1 bis 4 C-Atome auf. Wenn es auch prinzipiell keine
anderen Beschränkungen bezüglich der Alkohole gibt, so sind doch aliphatische Alkohole
bevorzugt. Diese können sowohl cyclisch als auch geradkettig oder verzweigtkettig
sein. Bevorzugt sind geradkettige Alkohole. Darüber hinaus kann der Alkoholrest prinzipiell
auch weitere, im Kraftstoffgemisch nicht reaktive Substituenten tragen. So liefern
beispielsweise aromatische Substituenten bei der Verwendung in Ottokraftstoffen einen
eigenen Beitrag zur Erhöhung der Oktanzahl.
[0012] Eine bevorzugte Art von Alkoholen sind Etheralkohole, die wenigstens eine Sauerstoff(ether)-Brücke
aufweisen. Unter diesen sind die Oligoalkoxyetheralkohole, also solche mit wiederkehrenden
Alkoxyethereinheiten bevorzugt, insbesondere wenn deren Anzahl 2 bis 5 beträgt und
sie 2 bis 5 C-Atome aufweisen. Besonders geeignet sind Oligoethoxyetheralkohole.
[0013] Bei mehrwertigen Alkoholen können mehrere OH-Gruppen mit Hydroxycarbonsäuren zu den
entsprechenden Estern reagieren. Geeignete mehrwertige Alkohole sind z. B. Glykol
oder Glycerin.
[0014] Vorzugsweise sind die zur Veresterung eingesetzten Alkohole einwertig, so daß nach
erfolgter Veresterung keine weiteren freien OH-Gruppen vorhanden sind. Alkohole mit
terminaler OH-Gruppe, also primäre Alkohole, sind besonders geeignet. Aber auch sekundäre
und tertiäre Alkohole liefern gute Ergebnisse.
[0015] Überraschenderweise lassen sich die Ester über weite Mischungsbereiche in Kraftstoffen
einsetzen. So können sie z. B. bis zu 90 VA % solcher Kraftstoffe ausmachen. Sie sind
nahezu in jedem Verhältnis mit herkömmlichen Otto-Kraftstoffen mischbar bzw. löslich.
[0016] Vorzugsweise werden Ester verwendet, bei denen die zugrunde liegende Hydroxycarbonsäure
nativen Ursprungs ist oder einfach aus sogenannten nachwachsenden Rohstoffen, z. B.
Saccharide enthaltenden Materialien, hergestellt werden kann.
[0017] Herkömmliche Kraftstoffe auf organischer Basis können unterschiedliche Zusammensetzungen
aufweisen. Dies ist dem Fachmann aus der einschlägigen Literatur bekannt, z. B. aus
K. Owen, Handbook of Automotive Fuels, publ. 1990 by Soc. Autom. Eng. Meist enthalten
die Kraftstoffe eine Kohlenwasserstoffe enthaltende Grundkomponente. Diese kann z.
B. jedes bei der Raffination von Kohlenwasserstoffgemischen, wie Erdöl, anfallende
Gemisch mit geeignetem Siedeverhalten sein. Die Kraftstoffzusammensetzung ist üblicherweise
auch z. B. von der Produktionsstruktur der jeweiligen Raffinerie abhängig. Marktübliche
Ottokraftstoffe haben jedoch die Anforderungen der DIN 51607 zu erfüllen. Der Anteil
der Hauptkomponenten des Kraftstoffs kann in weiten Bereichen variieren. In der folgenden
Tabelle sind beispielhaft typische Ottokraftstoffzusammensetzungen mit typischen Variationsbreiten
ihrer Hauptkomponenten dargestellt.
| Komponente |
Normal (NK) |
Super (SK) |
Super Plus (SKP) |
| C9+-Aromaten |
5 - 25 % |
10 - 35 % |
15 - 30 % |
| Aromaten aus Raffinat |
10 - 25 % |
0 - 25 % |
10 - 55 % |
| Toluol |
0 - 20 % |
0 - 20 % |
0 - 20 % |
| FCC-Benzin schwer |
0 - 10 % |
0 - 30 % |
|
| HC-Benzin leicht |
0 - 30 % |
0 - 15 % |
|
| Pyrolyse-Benzin leicht |
0 - 15 % |
0 - 15 % |
|
| Pyrolyse-Benzin schwer |
0 - 15 % |
0 - 15 % |
|
| Reformat |
0 - 5 % |
0 - 15 % |
0 - 30 % |
| Oxygenate (z. B. TBA, MeOH, MTBE) |
0 - 5 % |
0 - 15 % |
5 - 15 % |
| Butan |
0 - 15 % |
0 - 10 % |
0 - 10 % |
| i-Pentane |
0 - 15 % |
5 - 20 % |
5 - 30 % |
| FCC: fluid catalytic cracker; HC: hydrocracker; TBA: tert. Butylalkohol; MeOH: Methanol;
MTBE: Methyl-tert.-butylether |
[0018] Die vorstehend beschriebenen Kraftstoffe können die Basis für die erfindungsgemäßen
Kraftstoffe bilden, denen die Ester zugesetzt werden. Zumindest teilweise können die
Ester die sonst üblicherweise enthaltenen Oxygenate ersetzen. Vorzugsweise sind die
Ester zu 1 bis 90 % im Kraftstoff enthalten. Ein bevorzugter Gehalt liegt zwischen
1 und 50 %, insbesondere zwischen 1 und 20 VA%. Alle vorstehenden Prozentangaben beziehen
sich auf Volumenanteile (VA).
[0019] Vorteilhafterweise können auch Mischungen von inneren und äußeren Estern eingesetzt
werden. Das Mischungsverhältnis kann beliebig sein. Auch können vorteilhafterweise
Alkohole vorzugsweise Methanol enthalten sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn diese
Alkohole identisch sind mit denen, die den Alkoholkomponenten der äußeren Ester zugrunde
liegen. Nach erfolgter Veresterung braucht also vorteilhafterweise keine Trennung
von Lactonen, Estern und Alkoholen zu erfolgen, sondern diese Komponenten können als
Gemisch mit gutem Ergebnis eingesetzt werden.
[0020] Desweiteren betrifft die Erfindung die Verwendung der beschriebenen inneren und äußeren
Ester von Hydroxycarbonsäuren als Oktanzahlverbesserer in Otto-Kraftstoffen.
Beispiele
[0021] Die mit ausgewählten Zusammensetzungen der erfindungsgemäßen Otto-Kraftstoffe gemessenen
Werte der Research-Oktanzahl (ROZ) und der Motor-Oktanzahl (MOZ) sowie die zugehörigen
Blendwerte der jeweiligen Ester sind in der nachstehenden Tabelle als Beispiele 1
bis 7 zusammengefaßt. Als Vergleichsbeispiele 1 und 2 wurden Kraftstoffe mit der aus
dem Stand der Technik bekannten Komponente α-Angelicalacton aufgeführt.
| Beispiel |
Kraftstoffgemische |
Meßwerte |
Blendwerte |
| |
|
ROZ |
MOZ |
ROZ |
MOZ |
| |
SK 1 |
98,0 |
85,3 |
|
|
| |
SK 2 |
97,3 |
85,8 |
|
|
| 1 |
SK 1 + 10 % γ-Valerolacton |
99,1 |
86,3 |
109 |
92 |
| 2 |
SK 1 + 20 % γ-Valerolacton |
99,8 |
86,8 |
108 |
93 |
| 3 |
SK 2 + 10 % γ-Butyrolacton |
98,5 |
86,2 |
109 |
90 |
| 4 |
SK 2 + 10 % β-Butyrolacton |
97,6 |
85,7 |
101 |
85 |
| 5 |
SK 2 + 10 % ε-Caprolacton |
97,2 |
85,6 |
96 |
86 |
| 6 |
SK 2 + 10 % Methyllactat |
98,2 |
86,5 |
107 |
98 |
| 7 |
SK 2 + 10 % Ethyllactat |
97,8 |
86,5 |
102 |
98 |
| Vergleichsbeispiele |
|
|
|
|
| 1 |
SK 1 + 10 % α-Angelicalacton |
96,9 |
84,3 |
87 |
75 |
| 2 |
SK 1 + 20 % α-Angelicalacton |
96,5 |
83,9 |
91 |
78 |
[0022] Die Verhältnis- und %-Angaben beziehen sich auf Volumenanteile (VA).
[0023] Die Kraftstoffe SK 1 und SK 2 (sog. Eurosuper) erfüllen jeweils die DIN 51 607 und
sind marktübliche, unverbleite Ottokraftstoffe.
[0024] Die Werte der Research-Oktanzahl (ROZ) und der Motor-Oktanzahl (MOZ) wurden bestimmt
nach DIN 51 756 T1 - T4 und T6.
[0025] Anhand der Blendwerte ist unschwer zu erkennen, daß bei den erfindungsgemäßen Beispielen
die Ester eine oktanzahlverbessernde Wirkung aufweisen, die teilweise mit bekannten
Oktanzahlverbesserern vergleichbar ist oder diese z. T. übertrifft. Dagegen zeigt
α-Angelicalacton eine deutliche Absenkung der Oktanzahlen.
Valerolacton (VL) und Methyllactat (ML) als Oktanzahlverbesserer in Ottokraftstoffen
[0026]
| SK 3 [V.A.-%] |
VL [V.A.-%] |
ROZ |
MOZ |
Blend-ROZ |
Blend-MOZ |
| 100 |
0 |
97,0 |
85,3 |
|
|
| 90 |
10 |
98,2 |
86,3 |
109 |
95 |
| 80 |
20 |
99,3 |
87,5 |
109 |
96 |
| 60 |
40 |
101,8 |
89,3 |
109 |
95 |
| 40 |
60 |
105,0 |
91,4 |
110 |
95 |
| 10 |
90 |
113,1 |
95,1 |
115 |
96 |
| SK 4 [V.A.-%] |
|
|
|
|
|
| 100 |
0 |
95,7 |
87,7 |
|
|
| 90 |
10 |
97,1 |
88,6 |
110 |
97 |
| SK 3 [V.A.-%] |
ML [V.A.-%] |
ROZ |
MOZ |
Blend-ROZ |
Blend-MOZ |
| 100 |
0 |
97,0 |
85,4 |
|
|
| 90 |
10 |
98,2 |
86,6 |
109 |
97 |
| 80 |
20 |
99,4 |
88,1 |
109 |
99 |
| 60 |
40 |
102,5 |
91,6 |
111 |
101 |
| 40 |
60 |
106,0 |
96,4 |
112 |
104 |
| 10 |
90 |
115,6 |
105,3 |
118 |
108 |
| SK 4 [V.A.-%] |
|
|
|
|
|
| 100 |
0 |
95,7 |
87,7 |
|
|
| 90 |
10 |
97,1 |
89,2 |
110 |
103 |
[0027] Die Versuchsergebnisse zeigen deutlich, daß jeweils mit steigendem Gehalt von Valerolacton
und Methyllactat ein Anstieg der Blendwerte für ROZ und MOZ verbunden ist und daß
Mischungen mit bis zu 90 V.A.-% Ester-Anteil möglich sind.
[0028] Die Ergebnisse zeigen desweiteren, daß auch bei aromatenarmen Kraftstoffen eine Oktanzahlverbesserung
mit Hydroxycarbonsäureestern bewirkt wird. SK 3 ist ein marktüblicher, unverbleiter
Superkraftstoff nach DIN und entspricht mit einem Aromatenanteil von 49 V.A.-% in
etwa dem marktüblichem Durchschnitt von 50 V.A.-%. SK 4 ist ein extrem aromatenarmer,
unverbleiter Superkraftstoff nach DIN mit einem Aromatengehalt von 23 V.A.-%. Der
Aromatengehalt wurde mittels Fluoreszenz-Indikator-Analyse nach ASTM ermittelt.
1. Otto-Kraftstoffe enthaltend äußere Ester von Hydroxycarbonsäuren, die 3 bis 6 C-Atome
aufweisen, geradkettig, gesättigt und aliphatisch sind.
2. Bleifreie Otto-Kraftstoffe gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die äußeren
Ester der Hydroxycarbonsäuren zumindest teilweise durch innere Ester der Hydroxycarbonsäuren
ersetzt sind.
3. Otto-Kraftstoffe nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß Ester von γ-Hydroxycarbonsäuren
enthalten sind.
4. Otto-Kraftstoffe nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die Ester zu 1 bis 90 VA-%, vorzugsweise 1 bis 50 VA-%, insbesondere 1 bis 20
VA-% enthalten sind.
5. Otto-Kraftstoffe nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß die dem Alkoholrest der äußeren Ester zugrunde liegenden Alkohole 1 bis 10 C-Atome,
bevorzugt 1 bis 4 C-Atome aufweisen und vorzugsweise aliphatisch sind.
6. Otto-Kraftstoffe nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß die Alkohole Etheralkohole, insbesondere Oligoalkoxyetheralkohole, vorzugsweise
Oligoethoxyetheralkohole sind.
7. Otto-Kraftstoffe nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die Alkohole eine - vorzugsweise terminale - OH-Gruppe aufweisen.
8. Verwendung von inneren und/oder äußeren Estern von Hydroxycarbonsäuren, letztere nicht
zusammen mit bleiorganischen Verbindungen, bei denen die Hydroxycarbonsäure 3 bis
6 C-Atome enthält, geradkettig, gesättigt und aliphatisch ist und die den äußeren
Estern zugrundeliegenden Alkohole 1 bis 10 C-Atome aufweisen, als Oktanzahlverbesserer
in Otto-Kraftstoffen.