Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Konditionierung des
Kühlwassers in Kraftwerken.
Stand der Technik
[0002] Zur Abführung schädlicher Verlustwärme und zur Kondensation des Arbeitsdampfes werden
in Wärmekraftanlagen grosse Mengen an Wasser und Luft als Kühlmittel benötigt. Die
Luft dient der Kühlung des im Kondensator aufgeheizten Kühlwassers, indem sie dessen
Verdampfungswärme aufnimmt und ausserdem zur Verdunstung beiträgt. Aufgrund der Verdunstung
steigt jedoch der Salzgehalt des Kühlwassers, was zu Abscheidungen von Kalziumkarbonat
im Kühlwasserkreislauf führt. Um solche Kalkablagerungen zu vermeiden, wird das Kühlwasser
unter Zudosierung von Chemikalien gereinigt.
Bekannt sind derartige Verfahren zur Konditionierung des Kühlwassers in Kraftwerken
unter Verwendung von Schwefelsäure, wobei die Karbonathärte in Kalziumsulfat umgesetzt
wird. Dabei hat die Schwefelsäure mehrere Funktionen zu erfüllen. Durch die Senkung
des pH-Wertes der Lösung wird das vorhandene schwerlösliche, suspendierte Kalziumkarbonat
in der Kondensatorberohrung in Hydrogenkalziumkarbonat (Bikarbonat) nach:

überführt und ein Teil der Bikarbonat-Anionen

werden in gelöstes Kohlendioxyd umgewandelt. Im Kühlturm geht das gelöste Kohlendioxyd
nach der Gleichung

in den gasförmigen Zustand über, so dass sich ein Bikarbonat-Niederschlag bildet.
Infolge der Dosierung von Schwefelsäure wird ein Teil der Bikarbonat-Anionen in der
Lösung durch Sulfat-Anionen ersetzt. Kalziumsulfat, in seiner gewöhnlichen Kristallform
mit zwei Wassermolekülen, d.h. Gips, besitzt ein viel höheres Löslichkeitsprodukt
als Kalziumkarbonat (siehe folgende Gleichung).

Damit lassen sich die Kalziumkonzentrationen in der gelösten, solvatierten Form im
Wasserbecken des Kühlturmes um etwa zwei Grössenordnungen erhöhen. Auf diese Weise
kann die Bildung von Kalkinkrustationen im Kühlwasserkreislauf verhindert werden und
man erreicht zudem einen hohen Eindickungsgrad bei konsequenter Verringerung der Abschlämmung.
[0003] Der Einsatz von Schwefelsäure zur Konditionierung des Kühlwassers ist allerdings
mit einer Reihe von Nachteilen verbunden. So entstehen wegen deren ätzenden und korresiven
Eigenschaften relativ hohe Kosten und Risiken bei der Lagerung und Manipulation. Ausserdem
werden sowohl das zumeist aus Buntmetall bestehende Material der Kondensatorberohrung
als auch das Betonmaterial des Kühlturmes durch die Schwefelsäure angegriffen.
Darstellung der Erfindung
[0004] Die Erfindung versucht, all diese Nachteile zu vermeiden. Ihr liegt die Aufgabe zugrunde,
ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Konditionierung des Kühlwassers in Kraftwerken
zu schaffen, welche ohne die Zugabe von Schwefelsäure auskommen.
[0005] Erfindungsgemäss wird dies dadurch erreicht, dass als Mittel zur Konditionierung
des Kühlwassers Kohlendioxyd eingesetzt wird. Dazu ist der Kühlwasserkreislauf direkt
oder über eine Zuführleitung mit einem Kohlendioxyd-Behälter verbunden und zwischen
beiden eine Mess- und Regelvorrichtung angeordnet.
[0006] Durch das Einspeisen des Kohlendioxyds in den Kühlwasserkreislauf wird der pH-Wert,
ähnlich wie beim Einsatz von Schwefelsäure, gesenkt und damit das vorhandene schwerlösliche,
suspendierte Kalziumkarbonat in Hydrogenkalziumkarbonat (Bikarbonat) nach:

überführt. Ein Teil der Bikarbonat-Anionen werden entsprechend Gleichung (2) wieder
in gelöstes Kohlendioxyd umgewandelt. Dadurch sinkt die Konzentration der Karbonat-Ionen
in der Lösung drastisch und das Löslichkeitsprodukt der beiden beteiligten Ionen (CO₃⁻²
und Ca⁺²) wird unterschritten, so dass ein Niederschlag von Kalziumkarbonat nicht
möglich ist. Das Kohlendioxyd bewirkt im geschlossenen Kühlwasserkreislauf die Auflösung
der Kalziumkarbonat-Niederschläge nach Gleichung (3).
[0007] In fossilbefeuerten Kraftwerken ist es besonders zweckmässig, das ohnehin anfallende
Kohlendioxyd der Kaminabgase als Mittel zur Konditionierung zu verwenden. Dazu ist
der Kühlwasserkreislauf über eine hinter der Rauchgasentschwefelungsanlage angreifende
Zuführleitung mit der Abgasleitung des Kessels verbunden. In der Zuführleitung sind
ein Kompressor und eine Begasungseinrichtung mit einer Düse angeordnet. Zwischen der
Zuführleitung und dem Kühlwasserkreislauf ist eine Mess- und Regelvorrichtung angeordnet.
Der erfindungsgemässe Ersatz der Schwefelsäure durch das hinter der Rauchgasentschwefelungsanlage
aus der Abgasleitung entnommene Kohlendioxyd führt zur völligen Freihaltung des Kühlwassekreislaufes
von Schwefelverbindungen. Auf diese Weise können weder das Buntmetall der Kondensatorberohrung
noch der Beton des Kühlturmes durch Schwefelsäure angegriffen werden.
[0008] Wird dagegen die Zuführleitung vor der Rauchgasentschwefelungsanlage mit der Abgasleitung
verbunden und sind in der Begasungseinrichtung zwei Düsen angeordnet, kann auch der
Schwefeldioxyd-Anteil der Kaminabgase als Mittel zur Konditionierung des Kühlwassers
eingesetzt werden.
Ausser den bereits beschriebenen Reaktionen kommt es dabei durch die Zufuhr von Schwefeldioxyd
und in Anwesenheit von gelöstem Sauerstoff nach:

zur Bildung von Sulfat-Anionen. Damit wird eine weitere Funktion der Schwefelsäurezugabe
ersetzt, ohne dafür Schwefelsäure zu dosieren.
[0009] Ein zusätzlicher Vorteil dieser Lösungen zur Konditionierung des Kühlwassers bei
fossilbefeuerten Kraftwerken ist der Wegfall der Notwendigkeit, von aussen chemische
Verbindungen in das System einführen zu müssen.
[0010] Wird in der Zuführleitung ein Kohlendioxyd-Behälter mit integriertem Wechselventil
angeordnet, kann bei höherem Bedarf zusätzlich Kohlendioxyd von aussen zugeführt werden.
Dagegen wird das Kohlendioxyd bei einem Überschuss aus dem Verbrennungsprozess im
Kohlendioxyd-Behälter gespeichert.
[0011] In der Zuführleitung ist zwischen dem Kompressor und der Begasungseinrichtung eine
Rückschlagklappe angeordnet welche das Eindringen von Kühlwasser in den Kamin bei
einer eventuellen Havarie verhindert.
Kurze Beschreibung der Zeichnung
[0012] In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand eines fossilbefeuerten
Kraftwerkes mit in den geschlossenen Kühlwasserkreislauf integriertem Kühlturm dargestellt.
Die Figur zeigt die schematische Darstellung eines Kühlwasserkreislaufes mit Rauchgaseinspeisung
hinter der Rauchgasentschwefelungsanlage.
[0013] Es sind nur die für das Verständnis der Erfindung wesentlichen Elemente gezeigt.
Die Strömungsrichtung der Arbeitsmittel ist mit Pfeilen bezeichnet.
Weg zur Ausführung der Erfindung
[0014] Im geschlossenen Kühlwasserkreislauf 1 eines fossilbefeuerten Kraftwerkes sind neben
dem Kühlturm 2 und dem Kondensator 3, eine Kühlwasserpumpe 4 sowie eine Zusatzwasserleitung
5 angeordnet. Die Abgasleitung 6 verläuft vom Kessel 7 über einen Elektrofilter 8,
die Rauchgasentschwefelungsanlage (REA) 9 und eine Entstickungsanlage (DENOX) 10 zum
Kamin 11. Hinter der Rauchgasentschwefelungsanlage 9 zweigt von der Abgasleitung 6
eine Zuführleitung 12 ab, welche in den Kühlwasserkreislauf 1 mündet. Sie weist einen
Kompressor 13, eine Rückschlagklappe 14 und eine Begasungseinrichtung 15 mit einer
Düse 16 auf. Zwischen der Abgasleitung 6 und dem Kühlwasserkreislauf 1 ist eine Mess-
und Regelvorrichtung 17 und am Kühlturm eine Messvorrichtung 18 für den pH-Wert angeordnet.
Ausserdem ist die Zuführleitung 12 mit einem Kohlendioxyd-Behälter 19 über ein Wechselventil
20 verbunden.
[0015] Beim Betrieb des Kraftwerkes kommt es im Kühlturm 2 und im Kondensator 3 aufgrund
der teilweisen Verdunstung des Kühlwassers zu Kalkablagerungen. Um das zu verhindern,
bzw. die Ablagerungen aufzulösen, werden zunächst die pH-Werte im Kühlwasserkreislauf
1 mittels der Messvorrichtungen 17, 18 ermittelt. Die Regelvorrichtung 17 dosiert
anschliessend die benötigten Mengen Rauchgas, d.h. Kohlendioxyd an die Begasungseinrichtung
15. Nach dessen Einspeisen über die Düse 16 in den Kühlwasserkreislauf 1 werden die
Kalkablagerungen aufgelöst und in einer wässrigen Suspension ausgefällt, welche sich
relativ einfach abschlämmen lässt.
Die in der Zuführleitung 12 angeordnete Rückschlagklappe 14 verhindert das Eindringen
von Kühlwasser in den Kamin 11 bei einer eventuellen Havarie.
Benötigt man mehr Kohlendioxyd, als die fossile Verbrennung freisetzt, lässt sich
das System durch zusätzliche Einspeisung von reinem CO₂ aus dem Kohlendioxyd-Behälter
19 weiter betreiben. Wird dagegen durch die Verbrennung mehr als das benötigte Kohlendioxyd
erzeugt, kann dieses im Kohlendioxyd-Behälter 19 gespeichert werden. Mittels des Wechselventils
20 wird die Freigabe bzw. die Speicherung des Kohlendioxyds realisiert.
Bezugszeichenliste
[0016]
- 1
- Kühlwasserkreislauf
- 2
- Kühlturm
- 3
- Kondensator
- 4
- Kühlwasserpumpe
- 5
- Zusatzwasserleitung
- 6
- Abgasleitung
- 7
- Kessel
- 8
- Filter
- 9
- Rauchgasentschwefelungsanlage (REA)
- 10
- Entstickungsanlage (DENOX)
- 11
- Kamin
- 12
- Zuführleitung
- 13
- Kompressor
- 14
- Rückschlagklappe
- 15
- Begasungseinrichtung
- 16
- Düse
- 17
- Mess- und Regelvorrichtung
- 18
- Messvorrichtung
- 19
- Kohlendioxyd-Behälter
- 20
- Wechselventil
1. Verfahren zur Konditionierung des Kühlwassers in Kraftwerken, dadurch gekennzeichnet,
dass als Mittel zur Konditionierung Kohlendioxyd verwendet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als Mittel zur Konditionierung
des Kühlwassers fossilbefeuerter Kraftwerke der dort anfallende Kohlendioxyd-Anteil
der Kaminabgase eingesetzt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich Kohlendioxyd von
aussen zugeführt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2 und 3, dadurch gekennzeichnet, dass auch der Schwefeldioxyd-Anteil
der Kaminabgase als Mittel zur Konditionierung des Kühlwassers eingesetzt wird.
5. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, bei welcher im Kühlwasserkreislauf
ein Kühlturm mit Zusatzwasserleitung sowie eine Messvorrichtung für den pH-Wert, eine
Kühlwasserpumpe und ein Kondensator angeordnet sind, dadurch gekennzeichnet, dass
der Kühlwasserkreislauf (1) direkt oder über eine Zuführleitung (12) mit einem Kohlendioxyd-Behälter
(19) verbunden und zwischen beiden eine Mess- und Regelvorrichtung (17) angeordnet
ist.
6. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 2, bei welcher im Kühlwasserkreislauf
ein Kühlturm mit Zusatzwasserleitung und einer Messvorrichtung für den pH-Wert, eine
Kühlwasserpumpe sowie ein Kondensator und in der Abgasleitung des Kessels, eine Rauchgasentschwefelungsanlage
und der Kamin angeordnet sind, dadurch gekennzeichnet, dass der Kühlwasserkreislauf
(1) über eine hinter der Rauchgasentschwefelungsanlage (9) angreifende Zuführleitung
(12) mit der Abgasleitung (6) des Kessels (7) verbunden ist, in der Zuführleitung
(12) ein Kompressor (13) eine Begasungseinrichtung (15) mit einer Düse (16) und zwischen
Zuführleitung (12) und Kühlwasserkreislauf (1) eine Mess- und Regelvorrichtung (17)
angeordnet sind.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Zuführleitung (12) vor
der Rauchgasentschwefelungsanlage (9) an der Abgasleitung (6) angreift und in der
Begasungseinrichtung (15) zwei Düsen (16) angeordnet sind.
8. Vorrichtung nach Anspruch 6 und 7, dadurch gekennzeichnet, dass in der Zuführleitung
(12), ein Kohlendioxyd-Behälter (19) mit integriertem Wechselventil (20) angeordnet
ist.
9. Vorrichtung nach den Ansprüchen 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass in der Zuführleitung
(12), zwischen dem Kompressor (13) und der Begasungseinrichtung (15), eine Rückschlagklappe
(14) angeordnet ist.