[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Elektrolysevorrichtung mit wenigstens einer rotierenden,
monopolaren Elektrode und wenigstens einer feststehenden Gegenelektrode, sowie mit
wenigstens einer Zuleitung und einer Ableitung, durch die die Elektrolytflüssigkeit
mittels Energieeintrag gefördert wird.
[0002] Elektrolysevorrichtungen mit rotierenden Elektroden werden vorzugsweise bei strofftransportgehemmten
Elektrolysereaktionen oder beim Auftreten von Ablagerungen an den Elektrodenflächen
verwendet.
[0003] Die Stofftransporthemmung äußert sich z.B. bei der Metallabscheidung darin, daß sich
an der Kathode eine stabile, an Metallionen verarmte Grenzschicht ausbildet. Bei einer
niedrigen Metallionenkonzentration (ppm-Bereich) ist der Transport der Metallionen
durch diese Grenzschicht zur Kathode gehemmt und damit für die Metallabscheidung insgesamt
geschwindigkeitsbestimmend. Um die stabilen Grenzschichten an den Elektrodenoberflächen
zu stören, werden in an sich bekannter Weise die Elektroden z.B. in Rotation vesetzt.
[0004] Für ein einfaches Elektrodensystem geht aus der DE-PS 897 697 eine Elektrolysevorrichtung
mit einem Rührkopf hervor, die sowohl den Antrieb als auch den Stromanschluß einer
rotierenden Elektrode ermöglicht. Als gängige Elektrodenform werden Scheiben oder
Zylinder vorgeschlagen, die bei stofftransportgehemmten Elektrolyseprozessen in den
unterschiedlichsten Bauformen eingesetzt werden können. Rotierende Scheiben haben
den Vorteil, daß sie in einem Stapel auf einer Welle befestigt werden können und damit
auf kleinen Raum eine große Elektrodenfläche bereitstellen.
[0005] Bekannte Elektrolysevorrichtungen mit gestapelten, rotierbaren Elektroden weisen
in der Regel einen kleinen Elektrodenabstand auf, wodurch im Elektrolytspalt nur ein
geringer Spannungsabfall zu verzeichnen ist. Aus der DE-OS 24 29 035 ist zur Durchführung
elektrochemischer Reaktionen von organischen Stoffen eine derartige Konstruktion mit
einem Stapel rotierender, vorzugsweise bipolarer Elektroden bekannt. Der Elektrodenabstand
wird durch elektrisch nicht leitende Abstandshalter gewährleistet, deren konstruktive
Auslegung für die Einhaltung eines vorgegebenen Elektrodenabstandes sowie die Erzielung
eines charakteristischen Strömungsprofiles ausgelegt ist. In diesem Zusammenhang wird
ebenso auf die US-PS 4 203 818, DE-PS 35 30 010 sowie der GB-PS 1 226 036 hingewiesen.
[0006] Desweiteren können im Wege der elektrochemischen Elektrolytreaktion an den Elektrodenoberflächen
Gase enstehen, die aufgrund der Rotation der Elektrodenflächen und den damit verbundenen
Zentrifugalbeschleunigungen im Elektrodenspalt weniger stark in radialer Richtung
beschleunigt werden, als die zwischen den Elektrodenflächen vorhandene Elektrolytflüssigkeit.
Unterhalb einer kritischen Elektrolysestromdichte ist dies ohne Bedeutung, da die
Gasblasen im Flüssigkeitsstrom mitgerissen werden. Oberhalb einer bestimmten Stromdichte
bildet sich jedoch ein Gasblasenstau an der Rotationsachse der rotierenden Elektroden
aus, wodurch die Elektrolytflüssigkeitsförderung in diesem Bereich unterbrochen und
die wirksame Elektrodenfläche verringert wird. Die Folgen sind eine Verringerung der
aktiven Elektrodenoberfläche, ein unruhiger Lauf der Elektroden und insbesondere die
Gefahr der Enstehung explosiver Gase oder Gasgemische, wie beispielweise Wasserstoff
und Sauerstoff.
[0007] Werden die vorgenannten Elektrolysevorrichtungen mit rotierenden Elektroden für Metallabscheidungsprozesse
verwendet, so sind die bekannten Konstruktionen mit nur kleinen Elektrodenabständen
bedingt einsetzbar, da es im Laufe der Metallabscheidung an den Elektrodenflächen
zu einer Elektrodenannäherung kommt, die bei Berührung der Elektrodenflächen einen
Elektrodenkurzschluß bewirken. Insbesondere bei rotierenden Elektroden würden Kurzschlüsse,
aufgrund von Materialabscheidung an den Elektrodenoberflächen zu wiederholten Funkenbildungen
führen, die nicht zuletzt die vorstehend beschriebene Gasansammlung infolge des Gasblasenstaus,
der sich vorzugsweise an der Rotationsachse der Elektroden bildet, entzündet, sofern
es sich um entzündbare bzw. explosive Gase handelt. Weitere Folgen sind die Zerstörung
der Elektroden selbst durch den erosiven Funkenabtrag und die Gefahr unkontrollierbarer
Reaktionen im Lichtbogen.
[0008] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Elektrolysevorrichtung mit wenigstens
einer rotierenden, monopolaren Elektrode und wenigstens einer feststehenden Gegenelektrode
sowie mit wenigstens einer Zuleitung und einer Ableitung, durch die die Elektrolytflüssigkeit
mittels Energieeintrag gefördert wird, derart weiterzubilden, so daß die Gefährdungen,
die mit dem Gasblasenstau zusammenhängen, vollständig vermieden werden und ferner
einer Elektrodenannäherung, infolge der Materialabscheidung an den Elektrodenoberflächen,
entgegengewirkt werden soll. Darüber hinaus soll der Ionenübergang innerhalb der Elektrodenspalte
gefördert und für eine verbesserte Versorgung der Elektrodenvorrichtung mit Elektrolytflüssigkeit
gesorgt werden.
[0009] Der Erfindung liegt die Idee zugrunde, den Gasblasenstau im Bereich der Rotationsachse
der Elektroden dadurch zu vermeiden, indem im Zentrum des rotierenden Elektrodenstapels
eine Unterdruckleitung angeschlossen ist, durch die die Gase, die nicht mit dem Elektrolytstrom
ausgetragen werden, abgezogen werden können.
[0010] Zur Vermeidung eines Trockenlaufens der Elektrolysevorrichtung, d.h. einer großflächigen
Gasblasenausbildung zwischen den Elektroden, ist der Unterdruck derart zu wählen,
so daß die in der Elektrolysevorrichtung erzeugten Gase weitgehend vollständig abgesogen
werden können.
[0011] Vorzugsweise wird als Unterdruckquelle eine Flüssigkeitsstrahlpumpe verwendet. Die
Absaugung der Gase erfolgt über eine Leitung, die den Düsenraum der Strahlpumpe mit
dem Zentrum des rotierenden Elektrodenstapels verbindet.
[0012] Eine Steuereinheit gewährleistet, daß der Elektrolysestrom nur dann zugeschaltet
wird, wenn sichergestellt ist, daß die Elektrodenanordnung von einer genügenden Menge
Elektrolytflüssigkeit durchspült wird. Dies kann z.B. dadurch realisiert werden, daß
mittels eines Sensors, der ein durchflußabhängiges Signal liefert, der Elektrolysestrom
gesteuert wird. Der Sensor kann z.B. entweder ein Drucksensor und im einfachsten Fall
ein Druckschalter sein, der am Düsenraum der Strahlpumpe oder an der Verbindungsleitung
zwischen dem Düsenraum der Strahlpumpe und dem Zentrum des rotierenden Elektrodenstapels
angeschlossen ist, oder ein Druchflußwächter sein, der sich in der Elektrolytleitung
befindet.
[0013] Eine Verringerung bzw. Unterbrechung des Elektrolytstromes wird vom Durchflußwächter
unmittelbar und vom Drucksensor über den Abfall des Unterdruckes im Düsenraum der
Strahlpumpe mittelbar erkannt und führt über die Steuereinheit zur Reduzierung bzw.
Abschaltung des Elektrolysestromes.
[0014] Zur Vermeidung von Kurzschlußbildungen zwischen den Elektroden, die hauptsächlich
durch die Abscheidung von Metallionen auf der Kathodenoberfläche bedingt sind, werden
erfindungsgemäß auf den rotierenden oder den feststehenden Elektroden sogenannte Abstreifelemente
vorgesehen, die bei Unterschreiten eines Mindestabstandes ganzflächig mit der gegenüberliegenden
Elektrodenfläche in Eingriff treten. Durch mechanisches Abtragen bzw. Abschleifen
der sich ablagernden Materialien, z.B. von festem Metall, wird ein möglicher Kurzschluß
zwischen zwei sich gegenüberliegenden Elektrodenflächen vermieden. Die so abgetragenen
Partikeln können im folgenden mit bekannten Verfahren aus der Elektrolytflüssigkeit
abgetrennt werden.
[0015] Die Abstreifelemente sind in vorteilhafter Weise aus einem verschleißfesten, elektrisch
isolierenden Material oder mit einem elektrisch isolierenden Überzug versehen. Dadurch
wird das Entstehen von Kurzschlüssen verhindert, die zum einen zum Elektrodenabbrand,
zu unkontrollierbaren chemischen Reaktionen und zur Zündung des Produktes oder der
Elektrolysegase führen können.
[0016] Die Erfindung wird nachstehend anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme
auf die Zeichnung exemplarisch beschrieben.
- Fig. 1
- zeigt eine schematische Zeichnung zur Anordnung der erfindungsgemäßen Vorrichtung
und der Leitungsanschlüsse.
[0017] Die erfindungsgemäße Elektrolysevorrichtung gemäß Fig. 1 besteht aus rotierenden
Elektroden 1 und feststehenden Gegenelektroden 3. Die Gegenelektroden 3 sind derart
ausgebildet, daß sie zugleich das Elektrolysevolumen umschließen. Vorzugsweise sind
auf den Anoden 1 Abstreifelemente 2 angebracht, die abgeschiedenes Metall von den
Gegenelektroden bzw. Kathoden entfernen. Die rotierenden Elektroden 1 sind über ihre
Drehachse A mit dem Stromanschluß verbunden.
[0018] Gefördert durch eine Förderpumpe P oder durch ein in der Zuleitung Zu vorhandenes
Gefälle gelangt die Elektrolytflüssigkeit über die Zuleitungen Zu in das Innere der
Elektrolysevorrichtung in den Bereich nahe der Rotationsachse A. Am peripheren Bereich
der Elektrolysevorrichtung sind Ableitungen Ab angebracht, die in die Treibdüse einer
Flüssigkeitsstrahlvakuumpumpe 4 münden. Vom Düsenraum dieser Flüssigkeitsstrahlvakuumpumpe
4 führt ein Kanal 5 in den Innenraum des Elektrodenstapels, über den die Elektrolysegase,
die während der Elektrolyse entstehen, abgesaugt werden. Der Kanal 5 mündet nahe der
Rotationsachse A in den Innenraum des Elektrodenstapels ein. Vorzugsweise ist ein
Unterdruckschalter am Düsenraum der Strahlpumpe angebracht, der in Abhängigkeit der
Druckverhältnisse den Elektrolysestrom steuert.
[0019] Es ist vorteilhaft, eine zentralsymmetrische, vorzugsweise kreisförmige oder vieleckige
Elektrodenform zu wählen und vorzugsweise die rotierenden Elektroden mit Durchgangskanälen
senkrecht zur Eklektrodenoberfläche zu versehen. Das Elektrodenmaterial kann mit herkömmlichen
Techniken gelocht, geschlitzt oder mit andersartigen Durchbrüchen versehen sein.
[0020] Die an den rotierenden Elektroden vorgesehenen Abstreifelemente weisen vorzugsweise
eine geradlinige oder gekrümmte Form auf und verlaufen von der Rotationsachse bis
wenigstens zum Umfang der rotierenden Elektroden.
[0021] Die erfindungsgemäße Elektrolysevorrichtung ist zur Durchführung verschiedener elektrochemischer
Reaktionen geeignet. In einer speziellen Anwendung können insbesondere Schwermetallentfernungen
an einem wasserhaltigen Produkt mit komplizierter Zusammensetzung durchgeführt werden.
Die Vorrichtung ist sowohl für Metallabscheidungen mit kontinuierlichem Metallaustrag
als auch für Reaktionen mit starker Gasentwicklung geeignet. Durch den hohen Stoffübergang
an den Elektroden sind niedrige Depolarisatorkonzentrationen bei hohen Stromausbeuten
möglich und es kommt durch die intensive Elektrodenbewegung besonders in Elektrodennähe
nur zu geringen Konzentrations-, Temperatur- und pH-Wert-Änderungen.
1. Elektrolysevorrichtung mit wenigstens einer rotierenden, monopolaren Elektrode (1)
und wenigstens einer feststehenden Gegenelektrode (3) sowie mit wenigstens einer Zuleitung
und einer Ableitung, durch die die Elektrolytflüssigeit mittels Energieeintrag gefördert
wird,
gekennzeichnet durch folgende Merkmale:
- eine Unterdruckquelle ist durch einen Kanal 5 mit dem Innenraum der rotierenden
Elektrodenanordnung verbunden, und
- eine Steuereinrichtung steuert in Abhängigkeit der Förderung der Elektrolytflüssigkeit
durch die Elektrodenanordnung den Elektrolysestrom.
2. Elektrolysevorrichtung nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1,
dadurch gekennzeichnet, daß auf den rotierenden oder den feststehenden Elektroden Abstreifelemente (2) angeordnet
sind, die bei Unterschreiten eines Mindestelektrodenabstandes ganzflächig mit der
gegenüberliegenden Elektrodenfläche in Eingriff treten.
3. Elektrolysevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß in der Ableitung (Ab) eine Flüssigkeitsstrahlvakuumpumpe (4) vorgesehen ist,
die als Unterdruckquelle dient und daß der Düsenraum der Flüssigkeitsstrahlvakuumpumpe
(4) mit dem Innenraum der Elektrodenanordnung durch einen Kanal (5) verbunden ist.
4. Elektrolysevorrichtung nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, daß die Steuereinrichtung einen Sensor vorsieht, dessen Aussgangssignale den Elektrolyse
strom steuern.
5. Elektrolysevorrichtung nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, daß der Sensor ein Drucksensor ist, der sich im Düsenraum der Flüssigkeitsstrahlpumpe
(4) oder im Verbindungskanal (5) zwischen Flüssigkeitsstrahlpumpe und Innenraum der
Elektrodenanordnung befindet, oder ein Durchflußsensor ist, der sich in der Zu- oder
Ableitung der Elektrolytflüssigkeit befindet.
6. Elektrolysevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß die rotierenden Elektroden eine zentralsymmetrische, vorzugsweise kreisförmige
oder vieleckige Form aufweisen.
7. Elektrolysevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß die rotierenden Elektroden scheibenartig sind und Durchgangskanäle senkrecht
zur Elektrodenoberfläche aufweisen.
8. Elektrolysevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, daß die Zuleitung (Zu) für die Elektrolytflüssigkeit am inneren Bereich der rotierenden
Elektroden mündet und die Ableitung (Ab) am peripheren Bereich der rotierenden Elektroden
angeordnet ist.
9. Elektrolysevorrichtung nach einem der Ansprüche 2 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, daß die Abstreifelemente (2) aus elektrisch nichtleitendem Material bestehen oder
mit einem nichtleitenden Überzug versehen sind.
10. Elektrolysevorrichtung nach einem der Ansprüche 2 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, daß die Abstreifelemente geradlinig oder gekrümmt von nahe der Rotationsachse bis
mindestens zum Umfangsrand der Elektroden verlaufen.