[0001] Die Erfindung betrifft ein Textiltuch, insbesondere für Putzzwecke.
[0002] Herkömmlich werden als solche Textiltücher Baumwolltücher oder aus einem Baumwoll-Mischgewebe
bestehende Tücher verwendet. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Tücher
mehrfach verwendet und nach einer Benutzung jeweils durch Waschen regeneriert werden
sollen. Die Baumwollfaser als wesentlicher Tuchbestandteil wird wegen ihrer hohen
Saugfähigkeit gewählt. Solche Textiltücher, die unter Verwendung von Baumwolle hergestellt
sind, haben aber den Nachteil einer Flusenbildung. Außerdem ist ihre Haltbarkeit begrenzt.
Man geht bei solchen unter Verwendung von Baumwollfasern hergestellten Tüchern für
Putzzwecke davon aus, daß sie etwa 40 Waschvorgänge überstehen müssen bzw. können.
[0003] Insbesondere im Reinraumbereich, aber auch auf dem Lebensmittelgebiet und im medizinischen
Bereich kommt der Flusenfreiheit eines solchen Tuches eine besondere Bedeutung zu.
Es gibt aber auch noch andere Bereiche, in denen die Flusenfreiheit eines Putztuches
oder eines für ähnliche Zwecke eingesetzten Tuches zumindest als vorteilhaft angesehen
wird. Wo die Forderung nach Flusenfreiheit gestellt wird, werden hauptsächlich Vliese
oder auf der Grundlage von Papier hergestellte Einweg-Tücher eingesetzt. Diese Tücher
haben den Nachteil, daß sie nach nur einmaligem Gebrauch vollständig entsorgt werden
müssen. Bei dem heute gestiegenen Umweltbewußtsein wird das nicht mehr akzeptiert.
Es besteht die Forderung nach recyclingfähigen Tüchern.
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein textiles Tuch mit dem Schwerpunkt
des Verwendungszweckes als Putztuch, aber auch als Operationsabdeckung oder dergleichen
zu schaffen, welches sich durch die folgenden Eigenschaften auszeichnet: Flusenfreiheit,
gute Aufnahmefähigkeit für Schmutzpartikel und insbesondere eine hohe Saugfähigkeit,
Reiß- und Abriebfestigkeit sowie insbesondere eine häufige Waschbarkeit zur vollständigen
Regenerierung.
[0005] Die Erfindung besteht in einem Textiltuch aus reiner Synthetik, nämlich aus Polyester
(nachstehend kurz "PE") oder Polypropylen (nachstehend kurz "PP"), welches in einem
Webprozeß, Strickprozeß, Wirkprozeß oder Raschelprozeß hergestellt ist. Seine besonderen
Merkmale äußern sich in den folgenden Parametern:
1.
a) Kettgarn und
b) Schußgarn
2.
c) Kettdichte und
d) Schußdichte bzw. Maschendichte
3.
e) Gewebebindung bzw. Maschenbildung.
[0006] Innerhalb dieser Parameter a) - e) bewegt sich die Erfindung. Die Herstellung des
Tuches insbesondere in einem Webprozeß, aber auch in einem Strick-, Wirk- oder Raschelprozeß
hat den Vorteil einer hohen Reiß- und Scheuerfestigkeit gegenüber den eingangs genannten
Einweg-Tüchern aus Vliesstoff oder auf Papierbasis.
[0007] Der Erfindungsgedanke läßt sich durch ein Gestrick oder Gewirke realisieren, bei
welchem sich ein dem nachstehend erläuterten Spinnfasergarn entsprechendes Fadensystem
im Kern befindet, während ein der nachstehend erläuterten Mikrofaser entsprechendes
Fadensystem auf beiden Seiten der Tuchoberfläche positioniert ist. Ein Gestrick oder
Gewirke mit einem derartigen Aufbau wird als "Sandwich-Struktur" bezeichnet. Sie kann
auf Klein- oder Großrundstrickmaschinen mit Plattierung erfolgen. Noch einfacher läßt
sich aber ein solcher Stoff durch Kettenwirken (Rascheln) herstellen. Dort können
mit Hilfe von Legeschienen sogar mehr als zwei Fadensysteme gleichzeitig verarbeitet
werden.
[0008] Der Gegenstand der Erfindung ist im einzelnen in den Ansprüchen beschrieben. Die
Zeichnung beinhaltet das Gewebebild einer bevorzugten Ausführungsform, deren technische
Eigenschaften in tabellarischer Form im Beiblatt aufgeführt sind.
[0009] Nachstehend wird der Gewebeaufbau im einzelnen beschrieben:
a) Kettgran:
Als Kettgarn wird ein PE- oder PP-Spinnfasergarn verwendet. Es hat den Vorteil der
rauheren Oberfläche, gegenüber der sich die Schußfäden des Gewebes nicht so leicht
verschieben können. Das ist ein wesentlicher Faktor für die Formbeständigkeit des
Tuches. Das Spinnfasergarn soll möglichst fein sein. Besonders zweckmäßig ist die
Verwendung von Kettfäden, die aus Mehrfach-Spinnfasergarn gezwirnt sind. Die Zwirnung
erhöht die Abriebfestigkeit, die Reißfestigkeit und die Formbeständigkeit und begünstigt
erheblich auch die Saugfähigkeit. Bei einem Ausführungsbeispiel hat sich ein Spinnfasergarn
als günstig erwiesen, welches aus 2 Garnfäden von je 80 m/g (= 125 dtex) gedreht bzw.
gezwirnt ist. Das bedeutet, daß 80 Meter eines Garnfadens 1 g wiegen (oder daß ein
Garnfadengewicht von 125 g je 10000 m vorliegt). Wird das Kettgarn aus einem derartigen
gezwirnten 2-fach-Spinnfasergarn hergestellt, so liegt ein Längengewicht von 40 m/g
vor. Das hat sich als besonders vorteilhaft erwiesen. Noch vorteilhafter wäre die
Verwendung noch feinerer Spinnfasergarne, die mehr als 2-fach zu einem Kettgarn verzwirnt
sind. Das würde die Festigkeit, aber auch vor allen Dingen die Saugfähigkeit erhöhen.
b) Schußgarn:
Als Schußgarn ist ein insbesondere texturiertes PE- oder PP-Filamentgarn verwendet.
Die einzelnen Filamente sind zum Schußgarn gedreht. Je mehr Einzelfilamente in einem
Schußgarn-Faden verwendet werden, um so höher ist die Saugfähigkeit. Als Untergrenze
kommen etwa 200 Filamente des Garnes in Betracht. Als besonders vorteilhaft hat sich
die Verwendung eines Garnes mit 100 dtex × 3 erwiesen. Es sind dies drei zum Schußgarn
gedrehte Filamentgarne, deren jedes 144 Filamente enthält. Dies ist aber nur ein vorteilhaftes
Ausführungsbeispiel, welches von den marktgängigen Zuliefermöglichkeiten abhängt.
Dieses beispielhafte Schußgarn weist 144 × 3 = 432 Einzelkapillare auf und zeichnet
sich dementsprechend durch eine hohe Flüssigkeitsaufnahmefähigkeit aus.
c) Kettdichte:
Hier ist zu unterscheiden zwischen der Kettdichte im Rohzustand und der Kettdichte
in gewaschenem Zustand. Die Kettdichte beträgt im Rohzustand ca. 18 Faden/cm (100
%). In gewaschenem Zustand liegt eine Kettdichte von 26 Faden/cm (= 144 %) vor. Diese
nach dem sehr heißen Waschen bei vorzugsweise etwa 95°C erheblich erhöhte Kettdichte
begünstigt besonders die Fähigkeit zur Feuchtigkeitsaufnahme. Dadurch rücken die Kettfäden
näher aneinander und die Schußfäden werden mehr nach außen an die beidseitige Tuchoberfläche
gedrückt, wodurch besonders die Aufnahmefähigkeit nicht nur für Feuchtigkeit bzw.
Flüssigkeiten sondern auch für Schmutzpartikel oder dergleichen verbessert wird. Durch
diesen Schrumpfeffekt, nämlich durch das nähere Zusammenrücken der Kettfäden nach
dem ersten Waschvorgang wird auch ein vom PE- oder PP-Werkstoff der Schußfäden auf
bestimmten Materialien hervorgerufene Glanzeffekt (Politur!) begünstigt.
Der durch den Waschvorgang in Schußrichtung eintretende Schrumpfeffekt hat den weiteren
Vorteil bzw. die Auswirkung einer hohen Elastizität des Tuches in Schußrichtung.
d) Schußdichte:
Die Schußdichte im Rohzustand beträgt etwa 39 Faden/cm. Sie nimmt durch das Waschen
nur auf etwa 41 Faden/cm zu. Der Schrumpfvorgang in Kettrichtung ist daher relativ
gering.
Wenn vorstehend zu den Parametern c) und d) ein sehr bestimmter Größenbereich angegeben
ist, so bedeutet dies nur ein besonders vorteilhaftes Ausführungsbeispiel. Hier sind
erhebliche Variationsbereiche nach beiden Seiten möglich, nämlich jeweils im Rohzustand
bei der Kettdichte etwa zwischen 12-24 Faden/cm und bei der Schußdichte 30-48 Faden/cm.
Die Kett- und die Schußdichte haben einen wesentlichen Einfluß auf die Formbeständigkeit
und die Festigkeit des Tuches, die mit zunehmender Dichte größer werden. Die Feuchtigkeitsaufnahme
wird weitgehend durch die Schußfäden bestimmt. Eine höhere Schußdichte bedeutet daher
eine erhöhte Fähigkeit zur Feuchtigkeitsaufnahme.
e) Gewebebindung:
Die Gewebebindung ist ganz allgemein als "versetzter Rips" zu bezeichnen. Beim endgültigen
Gewebe befinden sich die Gewebefäden zu etwa 70 % in Ripsbindung und zu etwa 30 %,
mindestens aber 10 % in Leinwandbindung. Die etwa 70 % Ripsbindung verteilen sich
jeweils etwa zur Hälfte auf Längsripsbindung und auf Querripsbindung. Wo nicht mit
Leinwandbindung gearbeitet wird, liegt Ripsbindung vor.
Ein nach den vorstehenden Parametern hergestelltes Tuch übersteht weitgehend problemlos
etwa 200 Waschzyklen.
Das nach den vorstehenden Parametern hergestellte Tuch zeichnet sich auch durch ein
gutes elektrostatisches Verhalten aus. Die elektrostatische Aufladung ist vergleichsweise
gering.
[0010] Soweit dieses Textiltuch nicht als Gewebe, sondern als Strick-, Wirk- oder Raschelware
hergestellt wird, bleiben die zur Herstellung des Tuches grundsätzlichen Voraussetzungen
wie Rohstoffe, Garnfeinheiten, Garneigenschaften, Dichten, Bindungen, Größe, Naht,
Farbe vergleichbar zum Gewebe.
[0011] Die technologischen Eigenschaften wie Wasseraufnahme, Ölaufnahme, Scheuerfestigkeit,
Reißfestigkeit sind bei Strick-, Wirk- oder Raschelware ebenfalls gleich dem Gewebe.
[0012] Die in der Beschreibung genannten besonderen Merkmale können für Webware, Strickware,
Wirkware und Raschelware gleichermaßen zutreffen.
[0013] Die hohe Saugkraft des erfindungsgemäßen Textiltuches beruht in erster Linie auf
der durch den konstruktiven Aufbau voll zur Entfaltung gelangenden Kapillarwirkung
des Schußgarnes. Das sehr heiße Waschen bei einer weit über der normalen Waschtemperatur
liegenden Temperatur von über 90°C, insbesondere 95°C, bewirkt eine in Richtung der
Schußfäden wirksame Schrumpfung des Tuches bei dieser ersten Wäsche, die vor der Auslieferung
erfolgt. Dabei legen sich die Schußfäden um die Kettfäden herum und bauschen sich
auf. Die Tuchoberfläche wird ausschließlich durch die als Schußfäden bzw. Schußfadenbestandteile
verwendeten Endlosfilamente gebildet, die flusenfrei sind. Sie enthalten nämlich keine
Faserenden, die abbrechen können. Durch das Aufbauschen der Schußfäden wird die Voluminösität
des Textiltuches stark erhöht. Die Abstände zwischen den einzelnen Filamenten werden
vergrößert. Flüssigkeiten werden bei einem Kontakt in den Räumen zwischen den Filamenten
angelagert. Die Flüssigkeit verteilt sich auf die Filamentoberfläche, so daß die aufgenommene
Menge überall etwa gleich ist.
[0014] Die hohe Kapillarwirkung führt zu weiteren positiven Tucheigenschaften, nämlich zu
einem weichen, voluminösen Griff. Im Gebrauch werden Reinigungs- und Poliermittel
eingespart, da diese nicht ins Faserinnere aufgenommen werden. Die Mittel haften an
der Faseroberfläche und können auf diese Weise schnell auf die zu polierende Fläche
gelangen. Aufgenommene Verunreinigungen haften an den Fasern und gelangen nicht wieder
auf den zu reinigenden Gegenstand. Dies alles wird durch den vorstehend unter "c)
Kettdichte" beschriebenen Schrumpfeffekt infolge eines ersten Heißwaschvorganges begünstigt.
[0015] Das Textiltuch weist sehr hohe Festigkeiten auf und ist wesentlich länger haltbar
als Baumwollqualitäten. Der Einsatz hochwertiger Mikro-Faser gewährleistet schonende
Reinigung empfindlichster Flächen ohne Kratzer. Besonders geeignet ist das Tuch für
eine Anwendung in der Elektroindustrie, weil es sich nur wenig elektrostatisch auflädt.
Durch den Erfindungsgegenstand können erstmals Industriezweige mit Mehrwegtüchern
versorgt werden, in denen dies bisher nicht möglich war, z.B. solche der Mikroelektronik,
Elektroindustrie und der Optik.
1. Textiltuch für Putzzwecke aus reinem Synthetikgarn,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Synthetikgarne aus Polyester (PE) und/oder Polypropylen (PP) bestehen sowie
teils Spinnfasergarne und teils Filamentgarne sind.
2. Tuch nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Garne aus mehreren, insbesondere aus zwei oder drei Garnfäden gedreht bzw.
gezwirnt sind.
3. Tuch nach Anspruch 2,
gekennzeichnet durch
Garnfadengewichte von etwa 95-130 dtex.
4. Tuch nach Anspruch 2,
gekennzeichnet durch
einen Fadendrall der Garne von etwa 200-400 Drehungen/m.
5. Tuch nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Filamentgarn texturiert ist.
6. Tuch nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß es aus Wirk-, Strick- oder Raschelware besteht.
7. Tuch nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß es aus einem Webstoff besteht.
8. Tuch nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Kette des Gewebes aus Spinnfasergarn besteht.
9. Tuch nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Spinnfasergarn aus mehreren, insbesondere aus zwei Garnfäden gezwirnt ist.
10. Tuch nach Anspruch 8 oder 9,
gekennzeichnet durch
einen Garnfadendrall von ca. 400 Drehungen/m.
11. Tuch nach Anpruch 10,
gekennzeichnet durch
eine S-Drehrichtung der Zwirnung.
12. Tuch nach einem der Ansprüche 8 bis 11,
gekennzeichnet durch
das Längengewicht eines im Spinnfasergarn enthaltenen Garnfadens von etwa 125 dtex.
13. Tuch nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Schußgarn des Gewebes ein Filamentgarn aus Endlosfilamenten ist.
14. Tuch nach Anspruch 13,
gekennzeichnet durch
mindestens 200 Filamente.
15. Tuch nach Anspruch 13 oder 14,
dadurch gekennzeichnet,
daß mehrere, insbesondere drei Garnfäden zum Schußgarn gedreht sind.
16. Tuch nach Anspruch 15,
gekennzeichnet durch
einen Fadendrall von etwa 200 Drehungen/m.
17. Tuch nach Anspruch 16,
gekennzeichnet durch
eine S-Drehrichtung des Fadendralls.
18. Tuch nach einem der Ansprüche 13 bis 17,
gekennzeichnet durch
eine Texturierung des Filamentgarnes und/oder seiner Garnfäden.
19. Tuch nach einem der Ansprüche 13 bis 18,
gekennzeichnet durch
das Längengewicht eines der zum Filamentgarn gedrallten Garnfäden von ca. 100 dtex.
20. Tuch nach einem der Ansprüche 15 bis 19
gekennzeichnet durch
etwa 144 Filamente eines der gedrallten Garnfäden.
21. Tuch nach einem der Ansprüche 17 bis 20,
gekennzeichnet durch
eine Fadenzahl seines Rohgewebes von etwa 12-24, insbesondere von 18 Kettfäden und
von etwa 30-48, insbesondere von 39 Schußfäden pro cm.
22. Tuch nach einem der Ansprüche 17 bis 19,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Rohgewebe durch Heißwaschen bei mindestens 90°C, insbesondere bei etwa 95°C
geschrumpft ist auf eine Fadenzahl von insbesondere etwa 26 Kettfäden und insbesondere
etwa 41 Schußfäden pro cm.
23. Tuch nach einem der Ansprüche 7 bis 22,
gekennzeichnet durch
im wesentlichen einen versetzten Rips als Gewebebindung.
24. Tuch nach Anspruch 23,
gekennzeichnet durch
zu etwa 70% eine Ripsbindung und zu etwa 30%, mindestens aber zu 10% eine Leinwandbindung
der Gewebefäden.
25. Tuch nach Anspruch 23 oder 24,
dadurch gekennzeichnet,
daß sich die Ripsbindung jeweils etwa hälftig auf eine Längs- und auf eine Querripsbindung
verteilt.
26. Tuch nach einem der Ansprüche 23 bis 25,
gekennzeichnet durch
ausschließlich eine Leinwandbindung außerhalb der Ripsbindung.