[0001] Die Erfindung betrifft eine gaserzeugende Mischung aus einem Brennstoff, einem Oxidator,
einem Katalysator und einem Kühlmittel.
[0002] Gaserzeugende Mischungen der vorgenannten Art - auch Gasgeneratorsätze genannt -
zeichnen sich dadurch aus, daß sie bei Verbrennung eine hohe Gasausbeute (> 14 mol/kg)
ermöglichen. Sie werden für Raketen- und Rohrwaffenantriebe sowie für aufblasbare
Rückhalte- (Airbag) und Rettungssysteme verwendet. Besonders im zivilen Bereich werden
thermisch-mechanische Unempfindlichkeit und Ungiftigkeit der Ausgangsmischungen, aber
auch fehlende Toxizität bei den entstehenden Gasen gefordert. Viele im Einsatz befindlichen
Systeme erfüllen diese Forderungen nicht oder nur sehr unzulänglich.
[0003] Die Reaktion dieser Brennstoffe mit den bisher eingesetzten Katalysatoren und Oxidatoren
zeigen eine unbefriedigende Gaszusammensetzung und/oder ein ungenügendes Abbrandverhalten.
Hinzu kommt, daß viele Reaktionsmischungen eine so hohe Verbrennungstemperatur besitzen,
daß - bei Airbag-Anwendungen - die thermisch empfindlichen Sackmaterialien geschädigt
werden.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, bei einer Mischung des eingangs genannten
Aufbaus, die Verbrennungstemperatur abzusenken und die Abbrandgeschwindigkeit zu erhöhen.
[0005] Diese an sich konträren Anforderungen werden erfindungsgemäß dadurch erfüllt, daß
der Oxidator Cu(NO₃)₂*3Cu(OH)₂ ist und der Katalysator aus einem Metall oder einer
Metallegierung auf einem Träger besteht .
[0006] Durch den erfindungsgemäß vorgesehenen Oxidator ergibt sich eine halte und schnelle
Verbrennung. Der Maximaldruck wird innerhalb Millisekunden erreicht, wobei die Gastemperatur
unterhalb schädlicher Grenzen bleibt. Bisher notwendige Schlackenbildner, die bei
bekannten Systemen zur Bindung von Schadstoffen, z.B. Alkalioxiden, benötigt werden,
können bei der erfindungsgemäßen Mischung entfallen, so daß eine höhere Gasausbeute
erzielbar ist.
[0007] Der weiterhin erfindungsgemäß eingesetzte Katalysator dient vornehmlich der Schadgasreduzierung
(CO und NO), wobei hier der Begriff "Katalysator" im erweiterten Sinn einen aktiven
Reaktionsbestandteil bezeichnet, der selbst umgesetzt werden kann und reaktionslenkend
und/oder reaktionsbeschleunigend wirkt. Der Träger dient dazu, die Hauptkomponente
mit einer großen spezifischen Oberfläche und einer definierten Korngrößenverteilung
vorzulegen. Eine weitere Eigenschaft des Trägers besteht darin, durch physikalische
und/oder chemische Prozesse - in einer speziellen Phase der Reaktion - eine Kühlwirkung
zu entfalten, die über eine reine kapazitive Kühlwirkung hinausgeht. Der Träger kann
ferner als Promotor der Hauptkomponente wirken. Nicht nur der Metallkatalysator, sondern
auch der Oxidator sind thermisch und mechanisch stabil und insbesondere auch nicht
hygroskopisch.
[0008] Der Katalysator ist vorzugsweise ein pyrophores Metall oder eine solche Metallegierung
auf einem Träger, der nach dem Abbrand als Feststoff verbleibt. Es kann sich hierbei
um ein Silikat, vorzugsweise ein Schicht- oder Gerüstsilikat, handeln.
[0009] Als Metall hat sich insbesondere Ag hervorragend bewährt. Bei insbesondere zivilen
Anwendungen werden ungiftige Ausgangsverbindungen und ungiftige Reaktionsprodukte
gefordert. Diese Forderungen werden von N-reichen und C-armen Brennstoffen erfüllt.
Hierzu zählen die bekannten Brennstoffe TAGN (Triaminoguanidinnitrat), NIGU (Nitroguanidin),
NTO (3-Nitro-1,2,3-triazol-5-on) und das sich durch einen besonders hohen Stickstoffgehalt
auszeichnende GZT (Diguanidinium-5,5'-azotetrazolat) (DE 4 108 225). Es werden deshalb
im Rahmen der erfindungsgemäßen Mischung bei Verwendung für Rettungs- und Rückhaltsysteme
vorzugsweise TAGN, NIGU, NTO, insbesondere aber GZT eingesetzt.
[0010] Eine bevorzugte Mischung besteht aus GZT und Cu(NO₃)₂*3Cu(OH)₂ mit ausgeglichener
Sauerstoffbilanz und bis zu 30 Mass.-% des Katalysators.
[0011] Das Kühlmittel kann ganz oder teilweise aus Fe₂O₃ bestehen, dessen oxidative Eigenschaften
in der Reaktionsmischung zusätzlich genutzt werden können (DE 41 33 655, EP 0 536
525).
Beispiel
[0012] Es wird eine Mischung bestehend aus GZT, pyrophorem Ag auf einem Schicht- oder Gerüstsilikatträger
als Katalysator und Cu(NO₃)₂*3Cu(OH)₂ als Oxidator im Verhältnis 22,05 : 20,0 : 57,95
Mass.-% hergestellt. Diese Formulierung wird bezüglich ihres Anzünd- und Verbrennungsverhaltens
experimentell in der ballistischen Bombe untersucht. Dabei wird ein Druckverlaufsdiagramm
gemäß Anlage erhalten. Das Diagramm zeigt, daß die Mischung gute Anzünd- und Verbrennungseigenschaften
besitzt. Bei einer Ladedichte von 0,1 g/cm³ liegt der maximale Druck im Bereich von
250 bar (25MPa), der nach etwa 21 ms erreicht wird (t(pmax) = 21 ms). Die Druckanstiegszeit
zwischen 30 bis 80 % des Maximaldrucks beträgt t₃₀₋₈₀ = 4,35 ms.
[0013] Die Verbrennungstemperatur läßt sich sehr exakt durch thermodynamische Berechnung
ermitteln. Sie liegt bei 2345 K. Bei gleichem Brennstoff GZT und ausgeglichener Sauerstoffbilanz
liefern andere Oxidatoren höhere Verbrennungstemperaturen. Beispielsweise liegen sie
bei KNO₃ bei 2501 K, bei N H₄ NO₃ bei 2850 K und bei K Cl O₃ bei 3248 K.
1. Gaserzeugende Mischung aus einem Brennstoff, einem Oxidator, einem Katalysator und
einem Kühlmittel, dadurch gekennzeichnet, daß der Oxidator Cu(NO₃)₂*3Cu(OH)₂ ist und
der Katalysator aus einem Metall oder einer Metallegierung auf einem Träger besteht.
2. Mischung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Katalysator ein pyrophores
Metall oder eine pyrophore Metallegierung auf einem Träger ist.
3. Mischung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Träger für den metallischen
Katalysator ein Silikat, insbesondere ein Schicht- oder Gerüstsilikat, dient.
4. Mischung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß als Katalysator pyrophores Ag
auf einem Schicht- oder Gerüstsilikatträger dient.
5. Mischung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß als Brennstoff
TAGN (Triaminoguanidinnitrat), NIGU (Nitroguanidin), NTO (3-Nitro-1,2,3-triazol-5-on)
oder GZT (Diguanidinium-5,5'- azotetrazolat) dient.
6. Mischung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bestehend aus einem Gemisch von GZT und
Cu(NO₃)₂*3Cu(OH)₂ mit ausgeglichener Sauerstoffbilanz und bis zu 30 Mass.-% des Katalysators.
7. Mischung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Katalysator
eine mittlere Korngröße < 10 µm aufweist.
8. Mischung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Kühlmittel
ganz oder teilweise aus Fe₂ O₃ besteht.