[0001] Die Erfindung betrifft einen Zünder für eine Granate, die mit Hilfe einer Treibladung
aus einem Rohr abschießbar ist, mit einer Aufschlagzündvorrichtung und mit einer Selbstzerlegevorrichtung,
die einen Aufnahmekanal für einen beim Abschuß zündenden Verzögerungssatz aufweist,
nach dessen Abbrand die Selbstzerlegung erfolgen kann.
[0002] Ein derartiger als Bodenzünder ausgebildeter Zünder ist beispielsweise der EP-A 387
675 zu entnehmen. Bei Verzögern des Aufschlagzünders wird eine Selbstzerlegung dadurch
wirksam, daß der Schlagbolzen des Aufschlagzünders durch einen Gasdruck beaufschlagt
wird, den eine an den Verzögerungssatz anschließende schnellbrennende Ladung erzeugt,
und der nach dem Durchbrechen einer Trennwand in einer dadurch definierten ausreichenden
Mindesthöhe zur Verfügung steht. Die Zündung des Verzögerungssatzes erfolgt durch
die Trägheit eines zweiten Schlagstückes, das beim Abschuß auf ein Zündhütchen trifft,
das den Verzögerungssatz anbrennt. Zwischen dem Zündhütchen und dem Verzögerungssatz
ist ein Abstand vorgesehen, durch den ein Sammelraum für die Verbrennungsgase des
Verzögerungssatzes gebildet wird. Eine ähnliche Ausbildung, jedoch als Kopfzünder,
zeigt die US-A 2,005,053. Es sind auch Zünder bekannt (WO-A 87/1192), bei denen die
Selbstzerlegung durch eine vom Verzögerungssatz gezündete Übertragungsladung direkt
in einer geschlossenen Zündkette erfolgt.
[0003] Es hat sich nun gezeigt, daß die im Sammelraum eingesperrten Gase, deren Druck sich
ständig erhöht, die Verbrennung des Verzögerungssatzes beschleunigen, sodaß es zu
einer verfrühten Zündung der schnellbrennenden Ladung und damit zu einer verfrühten
Selbstzerlegung kommen kann.
[0004] Die Erfindung hat es sich nun zur Aufgabe gestellt, hier Abhilfe zu schaffen und
schlägt hiezu vor, daß das anbrennseitige, erste Ende des Aufnahmekanals mit einer
nach außen führenden Entlastungsöffnung strömungsverbunden ist.
[0005] Durch die Entlastungsöffnung können die Verbrennungsgase der Verzögerungsladung entweichen,
sodaß die tatsächliche Brenndauer des Verzögerungssatzes der gewünschten Brenndauer
entspricht. Die anschließende schnell brennende Ladung, die beispielsweise eine Boosterladung
sein kann, führt rasch zu einem sehr hohen Gasdruck, der für die Beaufschlagung des
Schlagbolzens oder zur Zündung einer Übertragungsladung, einer Detonatorladung etc.,
in jedem Fall ausreichend ist, da der Durchmesser der Entlastungsöffnung so klein
gewählt ist, daß der sehr hohe Gasdruck nur unwesentlich verringert wird.
[0006] Eine bevorzugte Ausführung des Zünders, in der der Aufnahmekanal anbrennseitig durch
eine vom Gehäuseumfang zugängliche Verschlußschraube verschlossen ist, sieht vor,
daß eine Bohrung in der Verschlußschraube die Entlastungsöffnung bildet. Das erleichtert
die Herstellung. Es ist jedoch ebenso denkbar, die Entlastungsöffnung an einer anderen
Stelle auszubilden, wobei zwischen dem anbrennseitigen Ende des Aufnahmekanals und
der Entlastungsöffnung ein Verbindungskanal oder Verbindungsraum vorgesehen ist.
[0007] Wenn die Selbstzerlegevorrichtung ein Schlagstück und ein Zündhütchen in einer in
den Aufnahmekanal mündenden Bohrung aufweist, sieht eine weitere bevorzugte Ausführung
vor, daß der Verzögerungssatz in einem in den Aufnahmekanal eingesetzten Röhrchen
angeordnet ist, das im Bereich der Mündung der Schlagstückbohrung einen Kranz von
Umfangsöffnungen aufweist. Die Unterbringung des Verzögerungssatzes in einem Röhrchen
erleichtert die Einbringung des Verzögerungssatzes, wobei dank der rundum angeordneten
Umfangsöffnungen nicht auf eine bestimmte Einbaulage geachtet werden muß.
[0008] Besonders vorteilhaft ist dabei, wenn das Röhrchen anbrennseitig einen mit der Entlastungsöffnung
versehenen und durch die Verschlußschraube gebildeten Boden aufweist.
[0009] Bevorzugt ist der erfindungsgemäße Zünder als Bodenzünder ausgebildet, in dem der
Aufnahmekanal parallel zum Boden liegt, es sind jedoch auch in einer Ausbildung als
Kopfzünder dieselben wesentlichen Merkmale verwirklichbar.
[0010] Die am zweiten, abbrennseitigen Ende an den Verzögerungssatz anschließende, ebenfalls
vorzugsweise im Röhrchen enthaltene schnellbrennende Ladung ist bevorzugt als Boostersatz
ausgebildet. Dieser kann als Übertragungsladung in einer direkten Zündkette mit einer
Detonatorladung für die Selbstzerlegung vorgesehen sein. Bevorzugt dient jedoch der
Boostersatz zur raschen Erzeugung einer großen Gasmenge mit hohem Gasdruck, der durch
einen Verbindungskanal den Schlagbolzen der Aufschlagzündvorrichtung beaufschlagt,
falls diese versagt hat. Die Verwendung eines Boostersatzes zur Erzielung eines hohen
Gasdruckes und Beaufschlagung eines verschiebbaren Schlagbolzens ist im übrigen nicht
zwingend an die Ausbildung einer Entlastungsöffnung für die Verzögerungssatzverbrennungsgase
gebunden, sondern kann zu diesem Zweck auch bei anderen Zündern, etwa nach der angeführten
EP-A 387 675 bzw. WO-A 87/1192 als Ersatz für die berstbare Trennwand oder bei einem
Zünder nach der US-PS 2,005,053 zum Druckaufbau eingesetzt werden.
[0011] Nachstehend wird nun die Erfindung anhand der Figur der beiliegenden Zeichnung näher
beschrieben, die einen außerhalb des Durchmessers liegenden Vertikalschnitt durch
einen Bodenzünder zeigt.
[0012] Der in eine nicht gezeigte Granate, insbesondere in eine 40 mm-Granate einsetzbare
Zünder weist ein Gehäuse 1 mit einem Boden 2 auf. Im oberen Bereich des Gehäuses sind
ein Schwenkkörper 20 mit einer Detonatorladung 21 und ein nicht näher dargestelltes
Hemmwerk 22 angeordnet, über das das drallbedingte Einschwenken des Schwenkkörpers
20 in die aktive, mit dem mittig angeordneten Schlagbolzen 16 fluchtende Stellung
während einer der Verrohrsicherheit dienenden Flugzeit gebremst wird. Ist die in der
Figur gezeigte aktive Stellung erreicht, so schlägt der Schlagbolzen 16 beim Aufschlag
der Granate gegen die eingeschwenkte Detonatorladung 21. Für den Fall, daß die Aufschlagzündung
versagt, ist eine Selbstzerlegung vorgesehen, die über ein beim Abschuß ausgelöstes
zweites Schlagstück 11 über ein Zündhütchen 12 einen Verzögerungssatz 13, dessen Brenndauer
zumindest der Flugdauer während der erforderlichen Vorrohrsicherheit entspricht, und
eine schnellbrennende Ladung 14, insbesondere eine Boosterladung zündet. Von deren
Gasdruck wird dann über einen radialen Verbindungskanal 15 der mittig angeordnete
Schlagbolzen 16 beaufschlagt. Der Verbindungskanal 15 liegt außerhalb der Schnittebene
parallel zum Boden 2 und ist in der Zeichnung deshalb sichtbar, da hier Teile des
Bodens 2 aufgerissen dargestellt sind. Das Schlagstück 1 ist in einer Schlagstückbohrung
3 gegen eine Feder verschiebbar angeordnet und im gezeigten Ruhezustand durch eine
nicht gezeigte Sicherung fixiert. In der Zeichnung ist zum besseren Verständnis ein
Mischzustand dargestellt, da bei gesicherter Schlagstückstellung und nicht gezündetem
Zündhütchen 12 die Detonatorladung 21 nicht in der Verlängerung des Schlagbolzens
16, sondern in der Ruhestellung außenmittig liegt.
[0013] Die Schlagstückbohrung 3 schneidet axial versetzt einen Aufnahmekanal 4, der außermittig
in einer Kreissehne liegt und in dem ein Röhrchen angeordnet ist, das durch eine umfangsseitige
öffnung des Aufnahmekanals 4 eingeschoben ist. Das Röhrchen 7 weist einen Boden und
im Bereich des Bodens ein Außengewinde auf, sodaß dieser Bereich des Röhrchens 7 eine
Verschlußschraube 8 des Aufnahmekanals 4 darstellt. Durch die Verschlußschraube 8
bzw. den Boden des Röhrchens 7 führt eine Entlastungsöffnung 9 von außen zum anbrennseitigen
Ende 5 des Aufnahmekanals 4. Wie in der Zeichnung strichliert dargestellt, kann die
Entlastungsöffnung 9 nach außen auch an jeder anderen geeigneten Stelle des Zündergehäuses
1 vorgesehen sein.
[0014] Vom abbrennseitigen, zweiten Ende 6 des Aufnahmekanals 4 führt der erwähnte Verbindungskanal
15 aus, wobei der Übergang zwischen dem zweiten Ende 6 und dem Verbindungskanal 15
über einen eine Ausnehmung 18 aufweisenden Einsatzstift 17 gewährleistet ist. Am anbrennseitigen
Ende des Röhrchens 7 sind ein Kranz von Umfangsöffnungen 10 vorgesehen, durch die
der Zündstrahl des Zündhütchens 12 auf die Anbrennseite des im Röhrchen 7 angeordneten
Verzögerungssatzes 13 trifft. Die Verbrennungsgase des Verzögerungssatzes 13 werden
über die Entlastungsöffnung 9 nach außen geleitet, sodaß die Abbrandgeschwindigkeit
des Verzögerungssatzes 13 nicht von einem entstehenden Gasdruck der Verbrennungsgase
der Verzögerungssatzes 13 beeinflußt wird.
1. Zünder für eine Granate, die mit Hilfe einer Treibladung aus einem Rohr abschießbar
ist, mit einer Aufschlagzündvorrichtung und mit einer Selbstzerlegevorrichtung, die
einen Aufnahmekanal (4) für einen beim Abschuß zündenden Verzögerungssatz (13) aufweist,
nach dessen Abbrand die Selbstzerlegung erfolgen kann, dadurch gekennzeichnet, daß
das anbrennseitige, erste Ende (5) des Aufnahmekanals (4) mit einer nach außen führenden
Entlastungsöffnung (9) verbunden ist.
2. Zünder nach Anspruch 1, dessen Aufnahmekanal (4) anbrennseitig durch eine vom Gehäuseumfang
zugängliche Verschlußschraube (8) verschlossen ist, dadurch gekennzeichnet, daß eine
Bohrung in der Verschlußschraube (8) die Entlastungsöffnung (9) bildet.
3. Zünder nach Anspruch 2, bei dem die Selbstzerlegevorrichtung ein Schlagstück (11)
und ein Zündhütchen (12) in einer in den Aufnahmekanal (4) mündenden Bohrung (3) aufweist,
dadurch gekennzeichnet, daß der Verzögerungssatz (13) in einem in den Aufnahmekanal
(4) eingesetzten Röhrchen (7) angeordnet ist, das im Bereich der Mündung der Schlagstückbohrung
(3) einen Kranz von Umfangsöffnungen (10) aufweist.
4. Zünder nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Röhrchen (7) anbrennseitig
einen mit der Entlastungsöffnung (9) versehenen und durch die Verschlußschraube (8)
gebildeten Boden aufweist.
5. Zünder, bei dem am zweiten abbrennseitigen Ende (6) des Aufnahmekanales (4) an den
Verzögerungssatz (13) anschließend eine schnellbrennende Ladung (14) vorgesehen ist,
und bei dem vorzugsweise vom abbrennseitigen Kanalende (6) ein Verbindungskanal (15)
zum Schlagbolzen (16) der Aufschlagzündvorrichtung führt, der für die Selbstzerlegung
vom Gasdruck der schnellbrennenden Ladung (14) beaufschlagt wird, insbesondere nach
einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die schnell brennende Ladung
(14) als Boostersatz ausgebildet ist.