[0001] Die Erfindung betrifft ein Ansteuerungsverfahren für die Pixel einer Flüssigkristallzelle
des DHF - Typs (DHF-LCD). DHF-LCDs sind im europäischen Patent EP 0 309 774 B1 beschrieben.
[0002] Flüssigkristall-zellen des DHF - Typs können in zwei verschiedenen Modi betrieben
werden:Im asymmetrischen Modus ist die Zelle so zwischen gekreuzten Polarisatoren
angeordnet, dass die Transmission für eine gewisse, z.B. negative Spannung-U₀ minimal
und für +U₀ maximal ist. Im symmetrischen Modus ist die Zelle so angeordnet, dass
die Transmission für 0 V angelegte Spannung minimal ist und für positive und negative
Spannungen zunimmt.
[0003] Im asymmetrischen Modus ist die Zelle empfindlicher, d.h. der elektrooptische Effekt
ist rund doppelt so gross, wie im symmetrischen Modus. Dafür besteht die Gefahr, dass
im Falle von nicht gleichspannungsfreien Ansteuerung elektrochemische Prozesse ausgelöst
oder Polarisationsladungen in den Orientierungsschichten der Flüssigkristallzelle
erzeugt werden. Beide Effekte können zu Phantombildern führen. Im symmetrischen Modus
kann dies vermieden werden, indem man ein Bild abwechslungsweise mit positiver Spannung
und mit negativer Spannung ansteuert.
[0004] In beiden Modi ist es wichtig, möglichst rasch von einer Graustufe zu einer anderen
schalten zu können. Im symmetrischen Modus ist dies schwieriger, weil bei gleicher
Grauwertänderung eine grössere Flüssigkristallbewegung nötig ist.
[0005] Wichtige Anwendung von DHF-LCDs benötigen eine Aktivmatrix-Ansteuerung, d.h. jedem
Pixel sind Halbleiterelemente (Transistoren oder Dioden) zugeordnet, die den Multiplexbetrieb
der Anzeige ermöglichen.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Ansteuerung anzugeben, mit der mit
möglichst niedriger Spannung in Kombination mit einer aktiven Matrix eine möglichst
kurze Schaltzeit von DHF-LCDs erreicht wird.
[0007] Dies wird erfindungsgemäss dadurch erreicht, dass jedes Pixel vor der Zuführung eines
Datenpulses auf eine vorgegebene Spannung gebracht wird.
[0008] Im folgenden werden anhand der beiliegenden Zeichnungen Ausführungsbeispiele der
Erfindung beschrieben. Es zeigen:
Fig. 1 ein Ersatzschaltbild eines DHF-Pixels
Fig. 2 ein Pulsdiagramm für eine Form des Ansteuerpulses
Fig. 3 ein Pulsdiagramm einer alternativen Form des Ansteuerpulses
Fig. 4 ein Pulsdiagramm einer weiteren alternativen Form des Ansteuerpulses.
[0009] In dem in Fig. 1 gezeigten Ersatzschaltbild eines DHF-Pixels ist die statische Kapazitat
C
s die Kapazität, bei der sich der Direktor nicht bewegt. C
hx beschreibt die Tatsache, dass das Deformieren der ferroelektrischen Helix mit einer
Aufladung (Polarisationsladung) verbunden ist. R
hx beschreibt die damit verbundenen Reibungsverluste. Für Flüssigkristallmischungen
mit hoher spontaner Polarisation ist C
hx um ein Mehrfaches grösser als C
s. Die Aufladung von C
s ist rasch und lediglich limitiert durch die Ausgangsimpedanz der verwendeten Spannungsquelle.
Die Aufladungszeit von C
hx dagegen ist durch

bestimmt.
[0010] Wird eine DHF-Zelle mit einer aktiven Matrix angesteuert, so liegt während der Zeilenadressierungszeit
t
z (typ. 64 µsec) ein niederohmiges Signal am Pixel. Dann wird das Pixel isoliert bis
zum nächsten Bild (typisch 40 ms). Während dieser Zeit verteilt sich die Ladung, die
in der Zeilenadressierungszeit auf das Pixel geflossen ist, auf die beiden Kapazitäten
so, dass sie auf dieselbe Spannung aufgeladen sind. Ist die resultierende Ladung auf
C
hx gross genug, um die gewünschte Deformation zu bewirken, bestehen keine Probleme.
Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die charakteristische Zeit τ mehrfach kürzer
ist als t
z (dann wird C
hx direkt aufgeladen und C
s hat keine Bedeutung) und/oder wenn die verwendete Spannung so hoch ist, dass nach
dem Ladungsausgleich genügend Ladung auf C
hx gespeichert ist.
[0011] Da τ vor allem bei tiefen Temperaturen länger als zulässig wird, muss also mit relativ
hohen Spannungen gearbeitet werden. Dies vor allem, weil C
s deutlich kleiner als C
hx ist. Um genügend Ladung auf C
s zu bringen (die dann beim Ladungsausgleich mehrheitlich auf C
hx fliesst), braucht es also eine entsprechend höhere Ladespannung.
[0012] Hohe Ladungsspannungen sind aber schlecht vereinbar mit der Aktivmatrix - Technologie.
Ansteuerungsmethoden, die die notwendige Spannung reduzieren können, sind also vorzuziehen.
[0013] Steht eine Spannungsquelle mit der Maximalspannung U₀ zur Verfügung, so wird auf
dem Pixel bei sehr kurzzeitiger Ansteuerungszeit τ₀ (C
hx wird nicht wesentlich geladen) die Ladung

auf dem Pixel gespeichert. Wartet man einige Male τ, so hat sich Q₀ auf die beiden
Kapazitäten verteilt. Dieser Zyklus lässt sich mehrmals (n mal) wiederholen, wobei
C
hx immer weiter aufgeladen wird. Die Gesamtzeit während der ein Pixel adressiert ist,
ist nτ₀. Da τ₀ sehr kurz, d.h. nτ₀ < t
z gewählt werden kann, wird die für das Multiplexieren zulässige Gesamtzeit t
z nicht überschritten, sie wird nur auf mehrere, voneinander getrennte kürzere Zeiten
verteilt.
[0014] Um einen gleichspannungsfreien Betrieb einer DHF-Zelle zu gewährleisten, muss die
Polarität der Ansteuerung von Bild zu Bild wechseln. Das Pixel muss also zuerst entladen
werden, bevor die neue Information eingeschrieben werden kann. Dies geschieht mit
Pulsen, die vor dem Einschreiben der Daten (Grauwerte) an eine ganze Zeile angelegt
werden. Im wesentlichen sind drei Varianten solcher Pulse geeignet die in den Figuren
2 bis 4 skizziert sind. In diesen Figuren ist jeweils die angelegte Spannung U und
die Ladung Q auf dem Pixel sowie vier Zeitabschnitte 1-4 dargestellt. Während der
Zeiten vor (Zeitabschnitt 1) und nach (Zeitabschnitt 4) der Ansteuerung ist das Pixel
isoliert, d.h. die angelegte Spannung nicht definiert.
[0015] Die in Fig. 2 unten gezeigten Vorpulse während des Zeitabschnitts 2 entladen das
Pixel, so dass die Datenpulse während des Zeitabschnitts 3 nur noch die Aufladung
auf den neuen Graustufenwert bewirken müssen.
[0016] Die in Fig. 3 unten gezeigten Vorpulse während des Zeitabschnitts 2 laden das Pixel
schon auf einen geeigneten Wert vor. Die Datenpulse während des Zeitabschnitts 3 müssen
dann weniger Ladung zu- oder abführen. Die Datenpulse haben dieselbe Polarität wie
die Vorladepulse.
[0017] Die in Fig. 4 Mitte und unten gezeigten Vorpulse während des Zeitabschnitts 2 laden
das Pixel auf die maximale Spannung auf. Die Datenpulse während des Zeitabschnitts
3 entladen dann das Pixel auf den gewünschten Grauwert. Dies kann auf zwei Arten geschehen:
entweder (1) durch Amplitudenmodulation wie in Fig. 2 und 3, d.h. durch Pulse verschiedener
Amplitude (Figur 4 Mitte), wobei der volle Spannungshub von -U₀...U₀ ausgenutzt werden
kann, oder (2) durch Pulsbreitenmodulation, d.h. durch Pulse maximaler Spannung U₀,
aber verschiedener Pulslänge (Fig. 4 unten). Bei dieser Ansteuerungsart muss die Polarität
nicht in Abhängigkeit der Graustufe wechseln wie bei der Amplitudenmodulation.
[0018] Vorpulse mit maximaler Spannung sättigen das Pixel, was die Gefahr des Uebersprechens
von Dateninformation anderer Zeilen, die während des Vorladepulses adressiert werden,
vermindert.
1. Ansteuerverfahren für eine Flüssigkristallzelle des DHF - Typs, dadurch gekennzeichnet,
dass jedes Pixel vor der Zuführung eines Datenpulses auf eine vorgegebene Spannung
gebracht wird.
2. Ansteuerverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Pixel zeilenweise
auf die Spannung 0 V gebracht werden.
3. Ansteuerverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Pixel zeilenweise
auf eine Spannung von gleicher Polarität wie der Datenpuls gebracht werden.
4. Ansteuerverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Pixel zeilenweise
auf die Maximalspannung aufgeladen werden und die Datenpulse als amplitudenmodulierte
Signale den vollen Spannungshub zwischen maximal positiver und maximal negativer Spannung
ausnutzen.
5. Ansteuerverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Pixel zeilenweise
auf die Maximalspannung aufgeladen werden und die Datenpulse aus pulsbreitenmodulierten
Pulsen maximaler Amplitude, aber entgegengesetzter Polarität bestehen.
6. Ansteuerverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Datenpuls aus
mehreren in zeitlichem Abstand aufeinanderfolgenden Pulsen besteht, wobei der Abstand
gleich oder grösser als die charakteristischen Aufladezeit der DHF-Helix ist.