[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft neue Carrier für die Elektrophotographie auf der
Basis von mit Zinndioxid beschichteten magnetischen Kernen, erhältlich durch oxidative
Zersetzung von zinnorganischen Verbindungen in der Gasphase in Gegenwart bewegter
Kerne.
[0002] Weiterhin betrifft die Erfindung die Herstellung dieser Carrier sowie ihre Verwendung
zur Herstellung von elektrophotographischen Zweikomponenten-Entwicklern und elektrophotographische
Zweikomponenten-Entwickler, welche diese Carrier enthalten.
[0003] Zweikomponenten-Entwickler werden in elektrophotographischen Kopiergeräten und Laserdruckern
zur Entwicklung eines elektrophotographisch erzeugten, latenten Bildes eingesetzt
und bestehen üblicherweise aus Carrierteilchen und Tonerteilchen. Bei den Carrierteilchen
handelt es sich um magnetisierbare Teilchen mit Größen von in der Regel 20 bis 1 000
um. Die Tonerteilchen bestehen im wesentlichen aus einer farbgebenden Komponente und
Bindemittel und sind etwa 5 bis 30 um groß.
[0004] Das elektrostatische, latente Bild wird beim Kopierprozeß durch selektive Belichtung
einer elektrostatisch aufgeladenen Photoleiterwalze mit vom Original reflektiertem
Licht erzeugt. Beim Laserdrucker geschieht dies durch einen Laserstrahl.
[0005] Zur Entwicklung des elektrostatischen Bildes werden Tonerteilchen über eine "Magnetbürste",
das sind entlang der Feldlinien eines Sektormagneten ausgerichtete Carrierteilchen,
zur Photoleiterwalze tranportiert. Die Tonerteilchen haften dabei elektrostatisch
an den Carrierteilchen und erhalten beim Transport im Magnetfeld durch Reibung eine
den Carrierteilchen entgegengesetzte elektrostatische Aufladung. Die so von der Magnetbürste
auf die Photoleiterwalze übertragenen Tonerteilchen ergeben ein "Tonerbild", das anschließend
auf elektrostatisch aufgeladenes Papier übertragen und fixiert wird.
[0006] An die verwendeten Carrierteilchen sind dabei eine Reihe von Anforderungen zu stellen:
Sie sollen magnetisierbar sein und so einen schnellen Aufbau der Magnetbürste ermöglichen.
Weiterhin soll ihre Oberfläche eine geringe Leitfähigkeit aufweisen, um einen Kurzschluß
zwischen Sektormagnet und Photoleiterwalze zu verhindern. Diese Leitfähigkeit soll
über lange Betriebszeiten des Carriers konstant bleiben, um auch die triboelektrische
Aufladung des Entwicklers lange konstant zu halten. Nicht zuletzt sollen die Carrierteilchen
auch fließfähig sein und nicht im Entwicklervorratsgefäß verklumpen.
[0007] Um diesen Anforderungen zu genügen, müssen die aus magnetischem Material bestehenden
Carrierteilchen in der Regel beschichtet werden.
[0008] So sind aus der DE-A-41 40 900 unter anderem auch zinndioxidbeschichtete Carrier
bekannt, die aufgrund ihrer Fähigkeit, Toner stark positiv aufzuladen, von besonderem
Interesse sind. Sie ermöglichen sogar eine positive Aufladung von Polyesterharztonern,
die aufgrund ihrer guten Fixiereigenschaften für hohe Kopiergeschwindigkeiten besonders
geeignet sind, sich aber normalerweise nur negativ aufladen lassen.
[0009] Die in der DE-A-41 40 900 beschriebenen, durch hydrolytische Zersetzung von Zinntetrachlorid
mit Zinndioxid beschichteten Carrier zeigen jedoch die folgenden Nachteile. Insbesondere
bei Stahlcarriern ist eine geringe Lagerstabilität durch Rosten der Carrierkerne zu
beobachten, verursacht durch den bei der Herstellung anwesenden Wasserdampf sowie
den gebildeten Chlorwasserstoff. Auch bei Ferritcarriern ist durch den Angriff von
Chlorwasserstoff eine Veränderung der Carrieroberfläche unter Bildung von Eisenchloriden
festzustellen, welche die Haftfestigkeit der Metalloxidbeschichtung verringern kann.
[0010] Der Erfindung lag daher die Aufgabe zugrunde, zinndioxidbeschichtete Carrier bereitzustellen,
welche die genannten Mängel nicht aufweisen.
[0011] Demgemäß wurden Carrier für die Elektrophotographie auf der Basis von mit Zinndioxid
beschichteten magnetischen Kernen gefunden, welche durch oxidative Zersetzung von
zinnorganischen Verbindungen in der Gasphase in Gegenwart bewegter Kerne erhältlich
sind.
[0012] Außerdem wurde ein Verfahren zur Herstellung dieser Carrier gefunden, welches dadurch
gekennzeichnet ist, daß man zinnorganische Verbindungen in der Gasphase durch Reaktion
mit einem sauerstoffhaltigen Gas in Gegenwart bewegter Kerne zersetzt.
[0013] Nicht zuletzt wurden die Verwendung dieser Carrier zur Herstellung von elektrophotographischen
Zweikomponenten-Entwicklern sowie elektrophotographische Zweikomponenten-Entwickler,
welche die Carrier enthalten, gefunden.
[0014] Die Kerne der erfindungsgemäßen Carrier können aus den üblichen weichmagnetischen
Materialien wie Eisen, Stahl, Magnetit, Ferriten (beispielsweise Nickel/Zink-, Mangan/Zink-
und Barium/Zinkferriten), Kobalt und Nickel oder aus hartmagnetischen Materialien
wie BaFe
l2019 oder SrFe
l2019 bestehen und als kugelförmige oder unregelmäßig geformte Teilchen oder in Schwammform
vorliegen. Weiterhin geeignet sind auch sog. Kompositcarrier, d.h., in Polymerharz
eingebettete Teilchen dieser Metalle oder Metallverbindungen.
[0015] Die neuen zinndioxidbeschichteten Carrier sind vorteilhaft nach dem erfindungsgemäßen
Herstellungsverfahren durch Zersetzung von zinnorganischen Verbindungen durch Reaktion
mit einem oxidierenden Gas in Gegenwart bewegter Carrierteilchen erhältlich.
[0016] Als zinnorganische Verbindungen sind dabei vor allem solche Verbindungen geeignet,
die unter inerten Bedingungen im wesentlichen unzersetzt verdampfbar sind und sich
oxidativ, d.h. durch Reaktion mit Sauerstoff bzw. Luft oder anderen Sauerstoff/Inertgas-Gemischen,zu
Zinndioxid zersetzen lassen.
[0017] Besonders geeignet sind vor allem Verbindungen der Formel SnR
4, in der die Reste R gleich oder verschieden sind und Alkyl, Alkenyl oder Aryl bedeuten,
also z.B. Zinntetraalkyle, Zinntetralkenyle und Zinntetraaryle sowie gemischte Zinnarylalkyle
und Zinnalkylalkenyle.
[0018] Auf die Zahl der Kohlenstoffatome in den Alkyl-, Alkenyl- und Arylresten kommt es
im Prinzip nicht an, bevorzugt sind jedoch solche Verbindungen, die bei Temperaturen
bis zu etwa 200 °C einen ausreichend hohen Dampfdruck aufweisen, um eine einfache
Verdampfung zu gewährleisten.
[0019] Dementsprechend sind bei Zinnorganylen mit 4 gleichen Resten R insbesondere C1-C6-,
vor allem C1-C
4-Alkylreste, C
2-C
6-Alkenyl-, vor allem Allylreste, und Phenylreste bevorzugt.
[0020] Schließlich können auch zwei- oder mehrkernige Zinnorganyle, die beispielsweise über
Sauerstoffatome verbrückt sein können, eingesetzt werden.
[0021] Als Beispiele für geeignete zinnorganische Verbindungen seien Zinndiallyldibutyl,
Zinntetraamyl, Zinntetra-n-propyl, Bis(tri-n-butylzinn)oxid und vor allem Zinntetra-n-butyl
und Zinntetramethyl genannt.
[0022] Verfahrenstechnisch geht man bei der erfindungsgemäßen Herstellung der zinndioxidbeschichteten
Carrier zweckmäßigerweise wie folgt vor:
Die Zinnorganyle werden aus einem bei einer Temperatur von 20 °C bis zum Siedepunkt
des jeweiligen Zinnorganyls gehaltenen Verdampfergefäß mit Hilfe eines inerten Trägergases
wie Stickstoff oder Argon über eine Düse in den beheizten Reaktor überführt, in dem
sich eine Wirbelschicht oder ein bewegtes Festbett der Carrierkerne befindet. Über
eine getrennte Zuleitung wird das sauerstoffhaltige Gas zugeführt, das die zinnorganische
Verbindung zu sich direkt auf der Oberfläche der Carrierteilchen abscheidendem Zinndioxid
zersetzt.
[0023] Als Reaktoren eignen sich dabei feststehende oder sich drehende Rohre oder bewegte
Mischaggregate. Die Bewegung der Carrierkerne kann durch Fluidisierung mit einem Gasstrom,
durch Freifallmischung, durch Schwerkrafteinwirkung oder mit Hilfe von Rührorganen
im Reaktor erfolgen.
[0024] Die Zersetzungstemperaturen betragen in der Regel 200 bis 1 000
° C, bevorzugt 300 bis 500
° C.
[0025] Die Temperatur und auch die Sauerstoffmenge werden zweckmäßigerweise so gewählt,
daß die Oxidation der organischen Reste zu Kohlendioxid und Wasser vollständig ist
und kein Kohlenstoff in die Zinndioxidschicht eingebaut wird. Wird nämlich weniger
Sauerstoff eingeleitet als stöchiometrisch erforderlich ist, so wird in Abhängigkeit
von der gewählten Temperatur entweder das Zinnorganyl nur teilweise zersetzt und kondensiert
dann im Abgasbereich, oder es kommt zur Bildung von Ruß und anderen Zersetzungsprodukten.
[0026] Weiterhin sollte der das Zinnorganyl enthaltende Verdampfergasstrom zweckmäßigerweise
so eingestellt werden, daß das gasförmige Zinnorganyl nicht mehr als etwa 10 Vol.-%
der Gesamtgasmenge im Reaktor ausmacht, um die Bildung von feinteiligem, partikulärem
Zinndioxid zu vermeiden. Günstige Zinnorganylkonzentrationen im Trägergasstrom selbst
betragen üblicherweise 5 5 Vol.-%.
[0027] Mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens können gezielt sowohl sehr dünne als auch
sehr dicke Zinndioxidschichten auf die Carrierkerne aufgebracht werden. Normalerweise
liegen die für übliche Anwendungen typischen Schichtdicken bei 1 bis 500 nm.
[0028] Die erfindungsgemäßen Carrier weisen homogene, abrasionsfeste Zinndioxidschichten
und die gewünschte geringe Oberflächenleitfähigkeit auf. Außerdem sind die Carrier
und die mit ihnen hergestellten Developer praktisch unbegrenzt lagerfähig.
Beispiele
A. Herstellung von erfindungsgemäßen zinndioxidbeschichteten Carriern
Beispiel 1
[0029] Die Beschichtung von 1 800 g eines kugelförmigen Stahlcarriers der mittleren Teilchengröße
75 bis 180 um (Typ TC 100 der Fa. Pometon S.p.A., Maerne, Italien) mit Zinndioxid
wurde in einem 500 ml Quarzkolben, der an die Welle eines Rotavaporantriebs angeschlossen
war, zur Durchmischung des Carriers gedreht wurde und sich zur Beheizung in einem
aufklappbaren elektrischen Ofen befand, durchgeführt. Durch die Welle und den Kolbenhals
tauchte eine temperierbare Metalldüse, die zwei getrennte Gaszuführungen für Luft
und zinnorganylbeladenen Stickstoff enthielt, in die Carrierschüttung ein.
[0030] 8,7 g (5,9 ml) Zinntetrabutyl wurden mit Hilfe eines Stickstoffstroms von 50 I/h
aus dem auf 180°C erhitzten, vorgeschalteten Verdampfergefäß in 2 h über eine auf
185°C temperierte Zuleitung und die ebenfalls beheizte Metalldüse in den auf 400 °C
erhitzten Reaktor überführt.
[0031] Die Aufheizung der Carrierschüttung wurde dabei unter Einleiten von Stickstoff vorgenommen.
Nach Erreichen der gewünschten Carrier- und Verdampfertemperatur wurde das Zinntetrabutyl
in den Verdampfer eingefüllt und der zweite Gasstrom auf 50 I/h Luft umgestellt.
[0032] Der beschichtete Carrier wurde anschließend unter Einleiten von Stickstoff abgekühlt
und ausgetragen.
[0033] Mittels Atomabsorptionsspektroskopie wurde ein Zinngehalt des Carriers von 0,12 Gew.-%
ermittelt.
Beispiel 2
[0034] Die Beschichtung von 3,5 kg eines schwammförmigen Carriers mit einer Teilchengröße
von 40 bis 120 um (Typ XCS 40-120 NOD der Fa. Höganäs, Schweden) wurde in einem elektrisch
beheizten, senkrecht stehenden Rohrreaktor aus Quarzglas (60 mm Innendurchmesser,
80 cm Länge) mit sich konisch auf 10 mm Innendurchmesser verjüngendem, durch einen
Kugelhahn verschließbarem unteren Ende durchgeführt. Der Carrier rieselte durch die
untere Öffnung aus dem Reaktor heraus und wurde pneumatisch mit einem Stickstoffstrom
von 900 I/h durch ein temperierbares Glasrohr (15 mm Innendurchmesser) wieder oben
in den Reaktor zurückbefördert.
[0035] In der Mitte des Reaktors wurde eine temperierbare Metalldüse mit zwei getrennten
Gaszuleitungen für Luft und zinnorganylbeladenen Stickstoff aus dem Verdampfer in
die Carrierschüttung eingetaucht.
[0036] Nach Aufheizen des Carriers unter Einleiten von Stickstoff auf 350
° C und des Verdampfers sowie der Gaszuleitung und der Düse auf 150
°C wurden 59,2 g (40 ml) Zinntetrabutyl in das Verdampfergefäß eingefüllt und mit einem
Stickstoffstrom von 100 I/h in 5 h in den Reaktor überführt. Gleichzeitig wurden 100
I/h Luft in den Reaktor eingeleitet.
[0037] Nach anschließendem Abkühlen unter Stickstoff wurde ein beschichteter Carrier mit
einem Zinngehalt von 0,31 Gew.-% (AAS) erhalten.
B. Herstellung von Entwicklern und Prüfung
[0038] Zur Herstellung der Entwickler wurden die so beschichteten Carrier mit einem für
kommerzielle Laserdrucker geeigneten Polyesterharztoner (vernetztes Furmarsäure/propoxyliertes
Bisphenol A-Harz mit einer mittleren Teilchengröße von 11 um und einer Teilchengrößeverteilung
von 6 bis 17 um) jeweils im Gewichtsverhältnis 97:3 gemischt und zur Aktivierung in
einem 30 ml-Glasgefäß 10 min in einem Taumelmischer bei 200 U/min durchmischt.
[0039] Zur Bestimmung der elektrostatischen Aufladbarkeit Q/m [µC/g] wurden jeweils 2,5
g des Developers in eine mit einem Elektrometer gekoppelte Hard-blow-off-Zelle (Q/M-Meter
von PES-Laboratorium, Dr. R. Epping, Neufahrn), in die Siebe der Maschenweite 32 um
eingesetzt waren, eingewogen. Durch Ausblasen mit einem kräftigen Luftstrom (ca. 3000
cm
3/min) und gleichzeitiges Absaugen wurde das Tonerpulver nahezu vollständig entfernt,
während die Carrierteilchen durch die Siebe in der Meßzelle zurückgehalten wurden.
[0040] Dann wurde die durch die Ladungstrennung entstandene Spannung am Elektrometer abgelesen
und daraus die Aufladung des Carriers ermittelt (Q=C·U, C=1nF), die der Aufladung
des Toners mit umgekehrtem Vorzeichen entspricht, und durch Zurückwägung der Meßzelle
auf das Gewicht des ausgeblasenen Toners bezogen und so dessen elektrostatische Aufladung
Q/m [µC/g] bestimmt.
[0041] Die erhaltenen Meßergebnisse sind in der folgenden Tabelle zusammengefaßt, wobei
zum Vergleich auch die jeweils unter Verwendung unbeschichteter Carrier erhaltenen
Meßwerte (V1 bzw. V2) angegeben sind.
