[0001] Die Erfindung betrifft eine Doppelsiebpartie zum Formen einer Faserstoffbahn aus
einer Fasersuspension, insbesondere zum Formen einer Lage einer mehrlagigen Papier-
oder Kartonbahn.
[0002] Auf die deutsche Offenlegungsschrift DE 40 31 038 A1 sei verwiesen.
[0003] In der oben genannten Offenlegungsschrift ist ein Doppelsiebformer dargestellt, dessen
Doppelsiebzone mit einer ersten Gruppe von Entwässerungsleisten beginnt, dann zu einer
Formierwalze überführt wird, wobei die Doppelsiebzone über die Formierwalze hinausläuft
und am Ende über einen besaugten Kasten läuft, nach dem sich die beiden Doppelsiebe
trennen. Diese Ausgestaltungsform strebt einen möglichst hohen Bahnfeuchtigkeitsgehalt
beim Verlassen der Formierwalze an, um eine hohe Spaltfestigkeit der mehrlagigen Bahn
zu erzielen. Es besteht hierbei die Gefahr, daß bei der in der Schrift beschriebenen
"zackigen Wasserlinie" in den Spitzen zu nasser Stoff bis zur Gautschstelle gelangt
und dort verdrückt wird.
[0004] US 4 207 144 zeigt und beschreibt die Naßpartie einer Papiermaschine mit einem Stoffauflauf,
einer sich daran anschließenden Vorentwässerungsstrecke, die aus einem einzigen Sieb
gebildet wird, und sodann eine Doppelsiebzone, gebildet aus dem genannten Sieb und
einem dieses umhüllenden äußeren Sieb. Diese Vorrichtung weist lediglich in der Vorentwässerungszone
Schaber auf. Sie enthält jedoch keine starren Entwässerungsleisten in der einen Siebschlaufe
und auch keine nachgiebigen Entwässerungsleisten in der anderen Siebschlaufe.
[0005] Es ist Aufgabe der Erfindung, eine Doppelsiebpartie darzustellen, die das Auftreten
dieser zackigen Wasserlinie vermeidet.
[0006] Die Aufgabe der Erfindung wird dadurch gelöst, daß die Spitzen an der Formierwalze
stärker entwässert werden, d.h. eine zackige Wasserlinie wird begradigt, und es gelangt
kein zu nasser Stoff zur Gautschstelle. Weiterhin werden konstruktive Ausgestaltungen
angegeben (Ansprüche 4-12), die eine beträchtliche Verringerung der Bauhöhe ergeben
und somit kostensparend wirken. Weiterhin wird im Anspruch 17 eine radikale Verkürzung
der Baulänge und bautechnisch günstige Anordnung im Gebäude, bei der das untere Sieb
im Keller und die Abnahmestelle nur knapp oberhalb des Papiermaschinenbodens liegt,
angegeben.
[0007] Vorteile der Erfindung bestehen darin, daß die Doppelsiebzone direkt auf der Formierwalze
und nicht in einem Abstand danach endet, da das äußere Sieb vor dem inneren Sieb von
der Formierwalze abläuft. Da die Formierwalze glatt und nicht offen ist, läuft die
Bahn sicher mit dem inneren Sieb weiter. Die Gefahr einer Bahnschädigung infolge einer
minimalen Geschwindigkeitsdifferenz zwischen den beiden Sieben ist damit bei dieser
Ausführung geringer, weil sich die Siebe trennen, bevor sich z.B. infolge von Spannungsunterschieden
beider Siebe, eine Verschiebung zwischen der Bahn und den Sieben ergibt.
[0008] Die Erfindung ist im einzelnen anhand der Figuren 1-6 beschrieben.
[0009] Figur 1 zeigt einen erfindungsgemäßen Doppelsiebformer in Verbindung mit einer Langsiebmaschine
zur Herstellung einer zweilagigen Papierbahn. Es ist im unteren Bereich ein Langsieb
L gezeigt, auf dem in bekannter Weise durch einseitige Entwässerung eine erste Lage
Papier erzeugt wird. Darüber angeordnet ist ein erfindungsgemäßer Doppelsiebformer
mit einem ersten Sieb D1 und einem zweiten Sieb D2 gezeigt. Das erste Sieb D1, auf
das über einen Stoffauflauf STA Stoffsuspension aufgegeben wird, entwässert über eine
Vorentwässerungsstrecke VE die aufgegebene Stoffsuspension. Nach der Vorentwässerungsstrekke
VE wird das zweite Sieb D2 über eine schwenkbare Walze zugeführt, wobei die beiden
Siebe D1 und D2 in der Folge die vorentwässerte Stoffsuspension sandwichartig einschließen
und zu einer zweiseitigen Entwässerung ZE mit Hilfe von über die gesamte Bahnbreite
verlaufenden Entwässerungsleisten führt. Diese zweiseitige Entwässerung kann in jeder
bekannten Weise verlaufen. Im Beispielsfall sind auf der Oberseite feststehende Leisten
angebracht, in deren Lücken auf der gegenüberliegenden Seite elastisch andrückbare
Entwässerungsleisten vorgesehen sind. Im Anschluß an diese zweiseitige Entwässerung
ZE wird die zwischen den Doppelsieben geführte Papierbahn über die Formierwalze mit
glatter Oberfläche FW geführt, wobei das Sieb D2 sich von der Papierbahn löst, während
das Sieb D1 noch an der Formierwalze FW anliegt, wodurch ein sicheres Verbleiben der
Papierbahn auf dem Sieb D1 gewährleistet ist. Die auf diese Weise entwässerte Papierlage
wird mit dem Sieb D1 über eine weitere Walze an die auf dem Langsieb erzeugte Lage
aufgebracht. Im weiteren Verlauf wird dann das Doppelsieb von den beiden sich verbundenen
Papierlagen abgehoben und wieder zurückgeführt, während die beiden Papierlagen auf
dem Langsieb verbleiben und zur weiteren Verarbeitung transportiert werden.
[0010] Figur 2 zeigt skizzenhaft eine ähnliche Ausführung wie Figur 1. Es sind im weiteren
Verlauf auch die jeweils korrespondierenden Bezugszeichen angegeben. Der Unterschied
zwischen der Doppelsiebpartie aus Figur 1 und Figur 2 besteht im wesentlichen aus
der Bauart der zweiseitigen Entwässerung ZE. In Figur 2 folgt der durch gegenüberliegende
Entwässerungsleisten gebildeten zweiseitigen, ebenen Entwässerung eine Serie von festen
Entwässerungsleisten in der Schlaufe des Siebes D2 angeordneten festen Entwässerungsleisten,
die dem Doppelsieb einen nach oben gekrümmten Verlauf geben.
[0011] Figur 3 zeigt ebenfalls eine Anordnung ähnlich der Figur 1 und Figur 2, jedoch mit
dem Unterschied, daß der ebenen, zweiseitigen Entwässerung ZE in der Schlaufe des
Siebes D1 ein nach unten gekrümmter Formierschuh nachgeschaltet ist, dem dann die
Formierwalze FW folgt.
[0012] Figur 4 zeigt eine Situation einer Siebpartie, bei der ebenfalls eine zweilagige
Papierbahn erzeugt wird, indem über einen Stoffauflauf Stoffsuspension auf ein erstes
Sieb D1 aufgegeben wird. Eine Vorentwässerung VE beginnt mit der einseitigen Entwässerung
der ersten Lage. Im weiteren Verlauf des Siebes D1 wird ein zweites Sieb D2 von oben
zugeführt, das die neu entstehende erste Lage sandwichartig einschließt und zu einer
zweiseitigen Entwässerung ZE1 zuführt, wobei die Doppelsiebbahn aus D1 und D2 danach
einer Formierwalze mit glatter Oberfläche FW zugeführt wird, von dem sich das Sieb
D1 in erfindungsgemäßer Weise trennt, während das Sieb D2 noch an der Oberfläche anliegt,
so daß die Papierbahn mit dem Sieb D2 weiterverläuft. Das Sieb D2 wird dann über eine
weitere Umlenkwalze einem zweiten Stoffauflauf zugeführt, der auf die schon gebildete
Bahn eine neue Stoffsuspension aufgibt und direkt in eine zweite Doppelsiebpartie
überführt. Beide Papierlagen werden dann nach der erfolgten Entwässerung auf dem Sieb
D2 liegend einer Übergabestelle an ein weiterführendes Band B weitergeleitet.
[0013] Figur 5 zeigt eine Situation ähnlich der Figur 3, jedoch ist der gekrümmte Formierschuh
FS aus der Figur 3 in diesem Falle durch eine einseitige Entwässerung über starre
Leisten am Entwässerungskasten E, welcher einen geradlinigen Verlauf des Siebes erzeugt,
ersetzt. Weiterhin ist auf eine geradlinige Vorentwässerung VE verzichtet, und die
Stoffsuspension wird entsprechend einem Gap-Former direkt zwischen die Siebe D1 und
D2, die über eine Brustwalze verlaufen, eingeleitet.
[0014] Figur 6 zeigt eine erfindungsgemäße Doppelsiebpartie zur Herstellung eines zweilagigen
Papieres, wobei auf ein erstes Sieb D1 Stoffsuspension aufgegeben wird und über eine
Vorentwässerungsstrecke VE vorentwässert wird. Dem Sieb D1 wird von oben her ein zweites
Sieb D2 im Anschluß an die Vorentwässerungsstrecke VE von oben zugeführt, so daß die
beiden Siebe D1 und D2 die entstehende Papierbahn sandwichartig einschließen. Direkt
an die Zusammenführung der beiden Siebe D1 und D2 schließt sich eine zweiseitige Entwässerung
ZE1 an, nach der die sandwichartig verlaufenden Siebe über eine Formierwalze FW umgeleitet
werden. Das Sieb D1 löst sich von der Papierbahn und dem Sieb D2, während das Sieb
D2 noch auf der Formierwalze FW anliegt, so daß die Papierbahn auf dem Sieb D2 verbleibt.
Das Sieb D2 wird zusammen mit der darauf liegenden ersten Lage der Papierbahn einer
zweiten Doppelsiebpartie zugeführt, wobei neuer Stoff über einen Stoffauflauf in einen
Spalt eingeführt wird, der durch das Sieb D2 und ein von oben kommendes Sieb D3 gebildet
wird. Zu Beginn des Spaltes, der eine erste Entwässerung der neu zugeführten Stoffsuspension
bewirkt, ist eine Brustwalze BW in der Schlaufe des Siebes D2 vorgesehen. Die Brustwalze
BW kann auch besaugt ausgebildet sein. Nach der Brustwalze wird das neu gebildete
Doppelsieb aus D2 und D3 einer zweiseitigen Entwässerung ZE2 zugeführt, wobei die
Entwässerungsleisten in der Siebschlaufe D2 beispielhaft elastisch an das Sieb D2
angedrückt werden, während die im Sieb D3 angeordneten Entwässerungsleisten feststehend
vorgesehen sind. Nach der zweiseitigen Entwässerung ZE2 wird das Doppelsieb über einen
Entwässerungskasten E mit feststehenden Entwässerungsleisten innerhalb der Siebschlaufe
D2 geführt und danach über einen Trennsauger geleitet, der ein problemloses Abtrennen
des Siebes D3 vom Sieb D2 und der darauf liegenden Papierbahn ermöglicht. Das Sieb
D2 führt die Papierbahn dann weiter zu einer Übergabestelle, von der die Papierbahn
mit Hilfe eines Bandes B zur weiteren Verarbeitung geleitet wird.
1. Doppelsiebpartie mit einem ersten und einem zweiten endlosen Sieb, zum Formen einer
Faserstoffbahn aus einer Fasersuspension, insbesondere zum Formen einer Lage einer
mehrlagigen oder mehrschichtigen Papier- oder Kartonbahn, wobei die Lage an einem
dritten Sieb mit einer weiteren Lage zusammengeführt wird, mit den folgenden Merkmalen:
1.1 in der vom ersten und zweiten Sieb gebildeten Doppelsiebzone befinden sich in
der Schlaufe des einen Siebes ein Entwässerungskasten, der (das eine Sieb berührende)
starre Leisten aufweist, und in der Schlaufe des anderen Siebes einige nachgiebig
an das andere Sieb andrückbare Stützleisten sowie in der Schlaufe eines der beiden
Siebe eine Formierwalze, die mit diesem Sieb eine Umschlingszone bildet; gekennzeichnet
durch die folgenden Merkmale:
1.2 die Formierwalze hat einen glatten, geschlossenen Walzenmantel;
1.3 das in der Umschlingungszone äußere Sieb trennt sich in einem Abstand vor dem
Ende der Umschlingungszone von der Bahn und dem inneren Sieb.
2. Doppelsiebpartie nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sie einen Gap-Former
enthält.
3. Doppelsiebpartie nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sie ein Hybrid-Former
ist (mit langem Untersieb und kurzem Obersieb).
4. Doppelsiebpartie nach Anspruch 3, gekennzeichnet durch die folgenden Merkmale:
4.1 das eine Sieb (hier: Obersieb) läuft über eine in Schwenkhebeln gelagerte Siebwalze
in die Doppelsiebzone;
4.2 der Entwässerungskasten ist an den Schwenkhebeln befestigt (und somit zusammen
mit der Siebwalze schwenkbar).
5. Doppelsiebpartie nach Anspruch 4, gekennzeichnet durch die folgenden Merkmale:
5.1 die zur Lagerung der Schwenkhebel dienenden Schwenklager sind in nur kleinem Abstand
von der "Formier-Ebene" des Untersiebes und "stromabwärts" vom Entwässerungskasten
angeordnet;
5.2 die äußeren die Lager der die Siebwalze tragenden Enden der Schwenkhebel sind
auf dem Gestell des Untersiebes bzw. auf einem übergreifenden Portal abgestützt.
6. Doppelsiebpartie nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die äußeren Enden
der Schwenkhebel auf einer in der Höhe variablen Stützeinrichtung ruhen.
7. Doppelsiebpartie nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Schwenkhebel
ungefähr die Form eines liegenden L aufweisen.
8. Doppelsiebpartie nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Schwenkachse
am Ende des kurzen Schenkels liegt und das Siebwalzenlager am Ende des langen Schenkels.
9. Doppelsiebpartie nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, daß eine im wesentlichen
in horizontaler Richtung wirkende Hubeinrichtung etwa in der Mitte des langen Schenkels
angreift.
10. Doppelsiebpartie nach einem der Ansprüche 1-9, dadurch gekennzeichnet, daß eine
Obersieb-Regulierwalze unterhalb der "Formier-Ebene" des Untersiebes angeordnet ist.
11. Doppelsiebpartie nach einem der Ansprüche 1-9, dadurch gekennzeichnet, daß eine
Obersieb-Spannwalze unterhalb der "Formier-Ebene" des Untersiebes angeordnet ist.
12. Doppelsiebpartie nach einem der Ansprüche 1-9, dadurch gekennzeichnet, daß der
höchste "Punkt" (P) des Obersieb-Laufweges nur um das 1- bis 2-fache des Durchmessers
(D) der (auf den Schwenkhebeln gelagerten) Siebwalze oberhalb der "Formier-Ebene"
(F) des Untersiebes liegt.
13. Doppelsiebpartie nach einem der Ansprüche 1-12, dadurch gekennzeichnet, daß die
Siebe auf wenigstens angenähert geraden Strecken vom Bereich der genannten Stützleisten
zur Formierwalze laufen.
14. Doppelsiebpartie nach einem der Ansprüche 1-12, dadurch gekennzeichnet, daß die
Siebe über einen nach unten gewölbten und im Obersieb befindlichen zusätzlichen Entwässerungskasten
zur Formierwalze laufen.
15. Doppelsiebpartie nach einem der Ansprüche 1-12, dadurch gekennzeichnet, daß die
Siebe über einen nach oben gewölbten und im Untersieb befindlichen zusätzlichen Entwässerungskasten
zur Formierwalze laufen.
16. Doppelsiebpartie nach einem der Ansprüche 1-12, dadurch gekennzeichnet, daß die
Siebe in Richtung nach unten von der Formierwalze ablaufen.
17. Doppelsiebpartie nach einem der Ansprüche 1-12, dadurch gekennzeichnet, daß die
Siebe in Richtung nach oben von der Formierwalze ablaufen.
18. Doppelsiebpartie nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß das (in der Umschlingszone
der Formierwalze) innere Sieb oberhalb der Formierwalze mit dem dritten Sieb eine
zweite Doppelsiebzone bildet, daß deren Einlaufzwickel ein zusätzlicher Stoffauflauf
zugeordnet ist, und daß das genannte innere Sieb die Bahn zu einer Abnahmestelle führt.