[0001] Die Erfindung richtet sich auf ein Tür- oder Fensterprofil in Form eines Blend- und/oder
Flügelrahmens.
[0002] Derartige Fensterprofile werden als Blendrahmen fest mit der jeweiligen Maueröffnung
des Gebäudes verbunden, wohingegen in der Ausführung als Flügelrahmen das Fensterprofil
mit einem im Gebäude bereits verankerten Blendrahmen über entsprechende Beschläge
schwenk- und/oder kippbar verbunden wird. Darüber hinaus ist es bekannt, Blendrahmen
mit einer Festverglasung zu versehen, so daß ein Öffnen nicht möglich ist.
[0003] Herkömmlicherweise werden Fensterprofile aus Kunststoff, Aluminium oder Holz bzw.
aus Kombinationen der genannten Werkstoffe hergestellt.
[0004] Bei den eingesetzten Holzwerkstoffen aus heimischen oder tropischen Hölzern handelt
es sich an sich um Naturprodukte. Um so mehr ist es unerfreulich, daß zur Korservierung
fungizide, toxische Holzschutzmittel aufgebracht werden müssen. In der üblicherweise
verwendeten, anschließend aufgebrachten Lackierung sind häufig Schwermetalle enthalten.
Dementsprechend müssen gebrauchte Holzfenster als Sondermüll unter Aufwendung der
entsprechenden Kosten entsorgt werden.
[0005] Unabhängig von der problematischen Oberflächensituation bei Holzfenstern sind Fenster
aus tropischen Hölzern wegen der damit einhergehenden Abholzung von Tropenwäldern
nicht unumstritten. Fensterprofile aus heimischen Hölzern wiederum werden höheren
Anforderungen an die Haltbarkeit und Festigkeit nur unzulänglich gerecht. Bei Kunststoffenstern
wird die Problematik diskutiert, daß sie aufgrund der Verwendung von PVC-haltigen
Kunststoffen unter Umweltgesichtspunkten ebenfalls letztendlich einmal nicht mehr
akzeptabel sein könnten.
[0006] Hiervon ausgehend liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Fensterprofil zu
schaffen, welches aus einem in hinreichender Quantität problemlos verfügbaren Grundmaterial
herstellbar ist, und welches sowohl bei der Herstellung als auch bei einer späteren
Entsorgung umweltfreundliche Eigenschaften sowie vorteilhafte Gebrauchseigenschaften
aufweist. Darüber hinaus soll eine Oberflächengestaltung möglich sein, welche nicht
nur eine lange Lebensdauer, sondern auch gestalterische Freiheiten eröffnet.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß das Fensterprofil aus miteinander
verleimten Leisten aus mitteldichten Faserplatten oder dergleichen besteht, welche
wenigstens an den Sichtseiten mit einer aufkaschierten Beschichtung versehen sind.
[0008] Vorstehend und im Nachfolgenden ist von mitteldichten Faserplatten als vorzugsweise
eingesetztes Plattenmaterial die Rede. Im Rahmen der Erfindung liegt aber auch die
Verwendung ähnlicher Werkstoffe, wie z.B. die Verwendung von Spanplatten oder Schichtholzplatten.
Entscheidend kommt es lediglich darauf an, daß durch die Herstellung in Form von Plattenmaterial
eine Qualität geschaffen werden kann, die bei der Herstellung von Profilen aus Vollmaterial
mit vertretbarem wirtschaftlichen Aufwand nicht realisierbar ist.
[0009] So wurde schon versucht (s. DE 41 17 403 A1), aus Faserplatten bzw. aus verleimten
Faserplatten ein Fenster-Rohprofil zu erzeugen, welches einen Querschnitt aufweist
wie die Rohprofile von Massivholzfenstern. Hierbei ergaben sich aber gravierende Nachteile,
weil bei der Realisierung solcher Konstruktionen das fertige Profil ein sehr hohes
Gewicht aufweist, und weil der Werkzeugverschleiß bei der erforderlichen Profilierung
bzw. Zerspanung außergewöhnlich groß ist. Es müssen diamantbestückte Werkzeuge eingesetzt
werden, welche in der Anschaffung und Erneuerung sehr teuer sind. Mitteldichte Faserplatten
(MDF) sind in Form von Plattenmaterial in der Möbelindustrie seit langem bekannt,
und es gibt zahlreiche ausgefeilte und erprobte Bearbeitungstechniken. Mitteldichtes
Fasermaterial hat gegenüber gewachsenem Holz den Vorteil, teilweise günstigere Festigkeitseigenschaften
aufzuweisen und weniger zu schwinden. Darüber hinaus hat dieses Material eine homogene
Struktur ohne vorgegebene Orientierung, auf welche beim Fertigungsprozeß Rücksicht
genommen werden müßte.
[0010] Vor allem aber gibt es aus dem Bereich der Möbeltechnik vielfältige und erprobte
Verfahren, MDF-Material zu beschichten.
[0011] Die erfindungsgemäße Lösung ermöglicht es nun, unter Ausnutzung der grundsätzlich
positiven Eigenschaften dieses Materials Fensterprofile mit günstigen Umwelteigenschaften
herzustellen, wobei durch den Aufbau aus einzelnen Leisten, der also eine Abkehr von
der herkömmlichen Herstellungstechnik bei Hobfenstern darstellt, der anfallende Zerspanungsaufwand
außerordentlich gering gehalten werden kann und andererseits durch das Aufkaschieren
einer Beschichtung gleichwohl eine von außen her für Witterungseinflüsse undurchdringliche,
kompakte Einheit geschaffen wird.
[0012] Durch die erfindungsgemäße Lösung wird ein sprunghafter Fortschritt in der Entwicklung
von Fenstern auf Holzbasis erreicht, der bisher stets daran gescheitert ist, daß die
Oberflächenbearbeitung außerordentlich problematisch war.
[0013] Die erfindungsgemäße Beschichtung kann prinzipiell durch ein Holzfurnier bzw. ein
vorbehandeltes Holzfurnier gebildet sein, besteht aber vorzugsweise jedenfalls zur
Außenseite hin aus einer Kunststoff- oder Metallfolie, die sich durch hohe Witterungsbeständigkeit
auszeichnet.
[0014] Bei einer möglichen Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, daß die einzelnen
Leisten oder Leistengruppen jeweils gesondert über ihre ganze Länge beschichtet sind.
Dementsprechend erfolgt also eine Beschichtung dieser Leisten oder Leistengruppen
mit an sich bekannten und erprobten Beschichtungstechniken und erst dann werden diese
Leistengruppen zu vollständigen Profilen verleimt.
[0015] Alternativ hierzu liegt es im Rahmen der Erfindung, die einzelnen Leisten oder Leistengruppen
zunächst zu verleimen und die Gesamtheit mit einer umlaufenden Beschichtung zu versehen.
[0016] Vorteilhafterweise kann weiterhin vorgesehen sein, daß die im Einbauzustand nach
außen weisenden Flächen mit einer anderen Beschichtung versehen sind als die im Einbauzustand
nach innen weisenden Flächen.
[0017] Hierdurch eröffnen sich völlig neuartige gestalterische Möglichkeiten, weil es z.B.
denkbar ist, die witterungsunempfindliche Innenseite mit einem an die Zimmereinrichtung
angepaßten Holzfurnier zu versehen, wohingegen die Außenseite mit einer wetterunempfindlichen
Metall- oder Kunststoffolie beschichtet wird.
[0018] Bei einer Ausgestaltung, wonach alle das Profil bildenden Leisten mit einer umlaufenden,
einheitlichen Beschichtung versehen sind, ist günstigerweise vorgesehen, daß Beschläge,
Dichtungen oder dergleichen unter weitgehender Vermeidung von Ausfräsungen auf die
Beschichtung aufgesetzt sind. Man bedient sich dementsprechend vorteilhafterweise
Lösungen, die aus dem Aluminiumfensterbau bekannt sind und vermeidet hierdurch ein
Aufbrechen der durch die Beschichtung gebildeten, an sich optimal geschlossenen Außenhaut.
[0019] Mit Vorteil sind die Profilaußenflächen auf Gehrung geschnitten und miteinander verbunden.
Hierdurch entstehen keine unbeschichteten Stirnseiten oder Sägeflächen, die frei nach
außen liegen, sondern die unbeschichteten Flächen werden durch das Verleimen aufs
Neue geschützt.
[0020] Mit besonderem Vorteil ist ein erfindungsgemäßes Fensterprofil so hergestellt, daß
in eine beschichtete Span- bzw. Faserplatte auf der der Sichtseite abgewandten Seite
keilförmige Einfräsungen von ca. 90 eingebracht sind, welche allerdings die Beschichtung
nicht durchsetzen, wobei die so mit zueinander parallelen Einfräsungen versehene Platte
unter Ausbildung eines Hohlprofils gefaltet und verleimt ist. Diese Herstellungstechnik
ist aus dem Möbelbau für beschichtete Faserplatten als sogenannte Folding-Technik
an sich bekannt. Durch den Einsatz dieser Technik für die Herstellung von Fensterprofilen,
d.h. an sich für Halbfertigprodukte, die ihrerseits wieder zu Fertigprodukten zusammengesetzt
werden, ergeben sich für den Fensterbau völlig neuartige Möglichkeiten.
[0021] Ein sehr wichtiger Aspekt der Erfindung liegt also in der Kombination der Materialauswahl,
nämlich der Verwendung mitteldichter Faserplatten mit der vorstehend beschriebenen
Fräs- bzw. Falttechnik. Insoweit ist zu berücksichtigen, daß mitteldichte Faserplatten
durch Pressen hergestellt werden. Dementsprechend weisen solche Platten anisotrope
Eigenschaften auf einerseits senkrecht zur Richtung des ausgeübten Preßdruckes und
parallel hierzu und andererseits in Abhängigkeit vom Abstand eines innenliegenden
Punktes von der Oberfläche. Durch das Pressen wird ein sehr hohes Maß an Verfestigung
und damit auch Dichtheit und Wasserbeständigkeit an den gepreßten Oberflächen erreicht,
wohingegen die Dichte nach innen hin abnimmt. Weiterhin sind dementsprechend derartige
Platten in Richtung senkrecht zu ihrer Oberfläche, d.h. also in Richtung des ausgeübten
Preßdruckes mechanisch sehr widerstandsfähig, wohingegen die Stirnseiten unter der
Einwirkung mechanischer Kräfte zum Aufspalten neigen und dort auch Feuchtigkeit eindringen
kann. Bei einer Anordnung, wie sie beispielsweise aus der eingangs bereits genannten
DE 41 17 403 A1 bekannt ist, wird das Fensterprofil aber über einen großen Teil seines
Umfanges durch derartige empfindliche Stirnflächen gebildet. Dementsprechend weist
die vorbekannte Konstruktion ganz erhebliche Haltbarkeitsprobleme auf. Demgegenüber
wird aufgrund der erfindungsgemäßen Einbringung von Gehrungsschnitten und eines Verleimens
der Schnittflächen in Verbindung mit der aufkaschierten Folie dafür gesorgt, daß die
empfindlichen Stirnseiten gegeneinander verleimt sind und zudem noch durch die Folie
geschützt werden, so daß bei einfacher Herstellbarkeit optimale Oberflächeneigenschaften
realisierbar sind. Es wird also eine Spaltung im Stirnbereich vermieden, eingebrachte
Verschraubungen müssen nicht mehr von der Stirnseite her befestigt werden und halten
dementsprechend besser, es besteht keine Gefahr von Feuchtigkeitseintritt, die Statik
wird erheblich verbessert, die Oberflächenbeschichtung ist äußerst wirtschaftlich,
die Herstellung kann mit minimalem Werkzeugaufwand bei geringfügiger Zerspanung erfolgen
und aufgrund der Hohlkonstruktion wird eine Gewichtsreduzierung und gleichzeitig eine
entsprechende Materialeinsparung erreicht.
[0022] Nachfolgend wird die Erfindung anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispieles in
Verbindung mit der Zeichnung näher erläutert. Dabei zeigen
Fig. 1 eine schematische Schnittdarstellung eines Blendrahmenprofils,
Fig. 2 eine Schnittdarstellung des in Fig. 1 dargestellten Profils im aufgefalteten
Zustand und
Fig. 3 eine schematische Schnittdarstellung eines erfindungsgemäßen Flügelrahmenprofils.
[0023] Das in Fig. 1 dargestellte Fensterprofil besteht aus einzelnen Abschnitten mit der
Konfiguration von Leisten 1, 2, 3, 4. In den Eckbereichen 5, 6, 7, 8 sind diese Abschnitte
auf Gehrung miteinander verleimt.
[0024] Wie Fig. 2 zeigt, werden die einzelnen Leisten 1 bis 4 gebildet durch ein Brett 9
aus einer mitteldichten Faserplatte, wobei wenigstens eine Seite durchgehend mit einer
Folie 10 kaschiert ist. Von der der Folie 10 abgewandten Seite her sind vier Einfräsungen
11, 12, 13, 14 mit je einem Winkel von 90
° eingebracht, wobei diese Einfräsungen 11, 12, 13, 14 so tief gesetzt sind, daß ein
Umfalten zur Ausbildung eines Gehrungsschnitt-Bereichesmöglich ist, daß aber die äußere
Folie 10 nicht beschädigt oder unterbrochen wird. Eine zusätzliche Einfräsung 15 nimmt
in dem in Fig. 1 umgefalteten Zustand das abgeschrägte stirnseitige Ende 16 des Leistenabschnitts
1 auf. Aus dem Vergleich von Fig. 2 und Fig. 1 wird deutlich, daß im eingefalteten
Zustand die außen aufkaschierte Folie 10 das so gebildete Blendrahmenprofil 17 zur
Außenseite hin vollständig umschließt.
[0025] Das in Fig. 3 dargestellte Flügelrahmenprofil 18 weist in an sich bekannter Weise
einen Glasfalz 19 und eine Glasleiste 20 zum Festlegen einer Verglasung 21 auf.
[0026] Das eigentliche Fensterprofil 18 ist gebildet durch zwei jeweils L-förmige Teilprofile
22 und 23, wobei das Teilprofil 22 eine Profilleiste 24 und eine Profilleiste 25 und
das Teilprofil 23 eine Profilleiste 26 und eine Profilleiste 27 umfaßt.
[0027] Die L-förmigen Teilprofile 22 und 23 können jeweils mit einer in Verbindung mit Fig.
2 beschriebenen Falttechnik hergestellt werden, wobei an der Außenseite wieder jeweils
eine aufkaschierte Folie 28 bzw. 29 vorgesehen ist. Die in Gebrauch innenliegende
Folie 29 kann beispielsweise ein Holzdekor in Anpassung an die Innenausstattung aufweisen,
während die außenliegende Folie 28 durch eine wetterbeständige Aluminiumfolie gebildet
sein kann.
[0028] Dichtungselemente wie z.B. das Dichtungsprofil 30 werden nach Möglichkeit so ausgesetzt,
daß die durchgehenden Außenfolien 28, 29 nicht durch Fräsen oder Bohren unterbrochen
werden müssen.
1. Tür- oder Fensterprofil in Form eines Blend-und/oder Flügelrahmens, dadurch gekennzeichnet,
daß das Fensterprofil aus miteinander verleimten Leisten (1, 2, 3, 4) aus mitteldichten
Faserplatten (9) oder dergleichen besteht, welche wenigstens an den Sichtseiten mit
einer aufkaschierten Beschichtung (10) versehen sind.
2. Tür- oder Fensterprofil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Beschichtung
(10) aus einer Kunststoff- oder Metallfolie besteht.
3. Tür- oder Fensterprofil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die einzelnen
Leisten (1, 2, 3, 4) oder einzelnen Leistengruppen jeweils gesondert über ihre ganze
Länge beschichtet sind.
4. Tür- oder Fensterprofil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die im Einbauzustand
nach außen weisenden Flächen mit einer anderen Beschichtung (10) versehen sind als
die im Einbauzustand nach innen weisenden Flächen.
5. Tür- oder Fensterprofil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß alle das Profil
bildenden Leisten (1, 2, 3, 4) mit einer umlaufenden, einheitlichen Beschichtung (10)
versehen sind und Beschläge, Dichtungen (30) o.dgl. unter weitgehender Vermeidung
von Ausfräsungen auf die Beschichtung (10) aufgesetzt sind.
6. Tür- oder Fensterprofil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Profilaußenflächen
auf Gehrung geschnitten und miteinander verbunden sind.
7. Tür- oder Fensterprofil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß in eine beschichtete
Span- bzw. Faserplatte (9) auf der der Sichtseite abgewandten Seite keilförmige Einfräsungen
(11 bis 14) von ca. 90 eingebracht sind, welche allerdings die Beschichtung (10) nicht
durchsetzen, wobei die so mit zueinander parallelen Einfräsungen (11 bis 14) versehene
Platte (9) unter Ausbildung eines Hohlprofils (31) gefaltet und verleimt ist.