[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Verändern der Drehzahl einer Druckmaschine
gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1.
[0002] Bogenoffsetdruckmaschinen weisen in der Regel als Antrieb einen Gleichstrommotor
mit vorgeschalteter Drehzahlregeleinrichtung auf. Der Drehzahlregeleinrichtung wird
beispielsweise von einem Leitstand ein Sollwert für die Maschinendrehzahl (Druckgeschwindigkeit)
vorgegeben und dieser bestromt dementsprechend den Gleichstrommotor der Druckmaschine
derart, so daß das von einem mit dem Gleichstrommotor gekoppelten Tachogenerator gelieferte
Istwert-Signal der Maschinendrehzahl innerhalb eines vorgegebenen Toleranzbereiches
gleich dem Sollwert der Maschinendrehzahl ist. Eine derartige Drehzahlregeleinrichtung
ist beispielsweise aus der DE 4 132 766 A1 bekannt.
[0003] Wird bei einer Bogenoffsetdruckmaschine ein Kommando zum Erhöhen bzw. zum Erniedrigen
der Maschinendrehzahl eingegeben, beispielsweise Erhöhen der Druckmaschinengeschwindigkeit
von 5.000 B/h (Grunddrehzahl) auf die Fortdruckdrehzahl von 15.000 B/h, so wird durch
eine vorgegebene Parametrierung im elektrischen Hauptantrieb (Drehzahlregeleinrichtung)
der Drehzahl-Sollwert gemäß einer vorgegebenen Zeitfunktion (Zeitrampe) auf den endgültigen,
vorgesehenen Drehzahl-Sollwert hochgefahren. Die Ist-Drehzahl des Gleichstrommotors
und somit auch - bei Berücksichtigung der Untersetzung zwischen Gleichstrommotor und
der Druckmaschine - die Ist-Drehzahl der Druckmaschine (Eintourenwelle) wird nun ebenfalls
nach der vorgegebenen Zeitfunktion (Zeitrampe) auf den vorgesehenen Sollwert hoch-
bzw. heruntergefahren. Die maximale Steilheit der vorgegebenen Zeitfunktion für Drehzahlerhöhungen
bzw. Drehzahlerniedrigungen ist dabei in der Regel derart gewählt, so daß eine möglichst
geringe Antriebstorsion entsteht.
[0004] Bei Bogenoffsetdruckmaschinen wird häufig während des Erhöhens bzw. des Erniedrigens
der Maschinendrehzahl ein zeitweises Unter- bzw. Überfärben der gedruckten Bogen beobachtet.
Dies hat seine Ursache darin, daß bei einer Bogenoffsetdruckmaschine der Farbtransport
von einer Farbkastenwalze über eine Vielzahl von Farbwerkswalzen, über einen Plattenzylinder
mit aufgespannter Druckplatte sowie einen Gummituchzylinder auf den zu bedruckenden
Bogen erfolgt. Bei einer derartigen Art des Farbtransports mit vielen Spaltstellen
bedarf es daher einer bestimmten Zeitspanne während des Veränderns der Drehzahl der
Druckmaschine, bis sich ein entsprechender stationärer höherer bzw. niedrigerer Farbfluß
eingestellt hat. Dies führt zu den besagten Färbungsabweichungen bei Drehzahlveränderungen.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, ein Verfahren gemäß dem Oberbegriff
von Anspruch 1 derartig zu erweitern, so daß negative Färbungsauswirkungen während
einer Veränderung der Maschinendrehzahl vermieden werden.
[0006] Gelöst wird diese Aufgabe durch die kennzeichnenden Merkmale von Anspruch 1. Weiterbildungen
der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0007] Gemäß der Erfindung ist vorgesehen, daß die Zeitfunktion, nach welcher eine Drehzahländerung
der Druckmaschine durchgeführt wird in ihrer zeitlichen Ausdehnung auf diejenige charakteristische
Zeitdauer abgestimmt wird, welche beim Übergang von einem stationären Färbungszustand
zu einem weiteren stationären Färbungszustand auftritt. Gemäß einer Weiterbildung
der Erfindung wird dabei berücksichtigt, daß die charakteristische Zeitdauer bzw.
Einschwingzeit beim Übergang von einem stationären Färbungszustand zu einem weiteren
stationären Färbungszustand eine Funktion der Flächendeckung der Druckform (Druckplatte)
ist.
[0008] Nach der Erfindung ist somit vorgesehen, daß ein Hoch- bzw. Herunterfahren der Drehzahl
der Druckmaschine bewußt nach einer sehr langsam ansteigenden bzw. abfallenden Zeitfunktion
durchgeführt wird. Durch die Abstimmung der Zeitdauer des Hoch- bzw. Herunterfahrens
der Druckmaschinendrehzahl auf die für den Übergang zwischen zwei stationären Färbungszuständen
charakteristische Zeitdauer ergibt sich bei einer Drehzahländerung ein quasi stationärer
Farbflußzustand innerhalb des Farbwerkes der Druckmaschine. Eine Drehzahlerhöhung
bzw. eine Drehzahlerniedrigung stellt somit keine Störung mehr für das relativ träge
Farbübertragungssystem des Farbwerks insbesondere einer Bogenoffsetdruckmaschine dar.
[0009] Die Erfindung macht sich die Tatsache zunutze, daß ein Farbwerk angenähert ein System
erster Ordnung darstellt (PT₁-Glied), daß also nach Beginn einer Veränderung der Farbzufuhr
(Verändern der Einstellwerte der Farbschieber gegenüber der Farbkastenwalze) die Färbung
auf den Bogen sich asymptotisch bzw. expontionell einen neuen stationären Färbungszustand
annähert. Wird z.B. die Einstellung der Farbdosierelemente gegenüber der Farbkastenwalze
derartig geändert, um beispielsweise 0.2 Farbdichteeinheiten mehr Farbdichte auf den
Bogen zu erzielen, so nähern sich die auf den während der Übergangsphase gedruckten
Bogen ermittelten Farbdichtewerte asymptotisch bzw. expontionell zu der neuen Farbdichte.
[0010] Ferner macht sich die Erfindung die Tatsache zu nutze, daß ein Übergang von einem
stationären Färbungsniveau zu einem weiteren stationären Färbungsniveau hinsichtlich
der Zeitdauer des Übergangs mit zunehmender Flächendeckung auf der Druckform (Druckplatte)
abnimmt. Dies hat seine Ursache darin, daß bei einer Druckform mit geringer Flächendeckung
pro bedruckten Bogen wesentlich weniger Farbe abgenommen wird als bei voller Flächendeckung
und somit eine bestehende Farbflußbilanz pro Bogen eine entsprechend geringere Änderung
erfährt.
[0011] Aus oben gesagtem ergibt sich somit, daß die charakteristische Zeitdauer für den
Übergang von einem stationären Färbungszustand zu einem nächsten stationären Färbungszustand
eine Funktion der Flächendeckung der Druckform ist. Diese charakteristische Zeitdauer
kann empirisch in Versuchen ermittelt werden, ist aber auch durch Modellrechnung unter
Berücksichtigung der Farbwerk- und Druckwerksgeometrie zu ermitteln.
[0012] Durch das erfindungsgemäße langsame, an das Reaktionsverhalten des Farbwerks angepaßte
Verändern der Druckmaschinendrehzahl ist es ferner möglich, während dieses Vorganges
die Farbzufuhr gezielt zu vergrößern oder zu verringern. Seine zeitweilige Erhöhung
der Farbzufuhr wird dann bei einer Erhöhung der Druckmaschinendrehzahl vorgenommen,
so daß auch sonst evtl. verbleibende Färbungsdifferenzen kompensiert werden. Analog
wird bei einer Drehzahlerniedrigung vorgegangen.
[0013] Des weiteren erfolgt ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der Erfindung. Das erfindungsgemäße
Verfahren wird dabei in Verbindung mit einer Bogenoffsetdruckmaschine mit drehzahlgeregelten
Gleichstromantrieb beschrieben.
[0014] Nach dem Rüsten der Bogenoffsetdruckmaschine wurde die Farb- und Feuchtmittelzufuhr
beispielsweise bei einer Grunddrehzahl von 5.000 B/h eingestellt, d.h. es erfolgt
das Abstimmen der Färbung und Feuchtung gemäß einem vorgegebenen OK-Bogen. Nun soll
von dieser Grunddrehzahl auf die vorgesehene Produktionsdrehzahl von beispielsweise
15.000 B/h hochgefahren werden. Es sei an dieser Stelle angenommen, daß in sämtlichen
Druckwerken der Maschine Druckformen mit mittlerer bzw. hoher Flächendeckung gedruckt
werden.
[0015] Empirisch oder durch Modellrechnung wurde die charakteristische Zeitdauer für den
Übergang zwischen zwei stationären Färbungszuständen mit Tf bestimmt. Nachdem nun
über den Leitstand das Kommando zum Hochfahren der Druckgeschwindigkeit eingegeben
wurde, wird nun im Hauptantrieb der Druckmaschine der Sollwert für die Drehzahlregeleinrichtung
des Gleichstrommotors gemäß einer Zeitfunktion (Zeitrampe) allmählich auf den vorgesehenen
Endwert der Drehzahl hochgefahren, welcher einer Druckgeschwindigkeit von 15.000 B/h
entspricht. Im Hauptantrieb ist dazu eine Zeitfunktion (Kennlinie) abgespeichert,
welche die entsprechende Erhöhung von 5.000 B/h auf 15.000 B/h bewirkt. Diese Zeitfunktion
bzw. Zeitrampe ist dabei derartig gewählt, daß der Drehzahlanstieg von 5.000 B/h auf
15.000 B/h in einer Zeit Td durchgeführt wird, wobei vorzugsweise Td ein mehrfaches
von Tf beträgt, zumindest aber größer als Tf ist. Die hier angegebenen Zeiten Td bzw.
Tf haben entweder die physikalische Einheit Sekunde oder sind dimensionslos im Sinne
der Bogenzahl bzw. der Umdrehungszahl einer Eintourenwelle der Maschine.
[0016] Wie vorstehend beschrieben erfolgt somit das Hochfahren der Drehzahl der Druckmaschine
von 5.000 B/h auf 15.000 B/h nach einer Zeitfunktion bzw. Zeitrampe, deren zeitliche
Ausdehnung größer ist, als die charakteristische Zeitdauer für den Übergang zwischen
stationären Färbungszuständen. Entsprechend ist eine derartige Zeitfunktion bzw. Zeitrampe
im Hauptantrieb der Druckmaschine abgespeichert. In entsprechender Weise sind ebenfalls
Zeitfunktion bzw. Zeitrampen für das Hochfahren der Druckmaschinendrehzahl von anderen
Anfangsauf andere Endwerte sowie auch für entsprechende Drehzahlerniedrigungen abgespeichert.
[0017] Bevorzugt gestaltet sich das erfindungsgemäße Verfahren, wenn im Hauptantrieb der
Druckmaschine mehrere Zeitfunktionen bzw. Zeitrampen zum Erhöhen bzw. zum Erniedrigen
der Druckmaschinendrehzahl abgespeichert sind, wobei jeweils ein Satz von Zeitfunktionen
bzw. Zeitrampen für eine hohe Flächendeckung der Druckform, ein weiterer Satz an Funktionen
für eine mittlere Flächendeckung der Druckform und ein dritter Satz für sehr niedrige
Flächendeckung der Druckform vorgesehen ist. Es erfolgt dann das Hochfahren der Druckmaschinendrehzahl
von Grund- auf Produktionsdrehzahl beim Drucken mit Druckformen hohen Flächenanteils
mit einer steileren Zeitfunktion bzw. Zeitrampe als wenn mit Druckformen sehr geringen
Flächenanteils gedruckt wird.
[0018] Die Information bzw. die Auswahl der entsprechenden Hoch- bzw. Abfahrrampe für den
Hauptantrieb kann dabei entweder manuell durch den Drucker über einen Leitstand eingegeben
werden, nachdem der Drucker die Druckform hinsichtlich ihrer Flächenanteils geschätzt
hat. Ferner kann auch bevorzugt vorgesehen sein, daß die Information über den Anteil
druckender Fläche der Druckformen und somit die entsprechende Auswahl der Zeitfunktion
bzw. Zeitrampen aus der Druckvorstufe bzw. durch eine Druckplattenabstastung mit automatischer
Weiterleitung der Daten erfolgt.
[0019] Da in der Regel bei einer Bogenoffsetdruckmaschine mit mehreren Druckwerken sowohl
Druckformen mit hohem als auch mit sehr niedrigem Flächenanteil zur Verwendung kommen
können ist insbesondere vorgesehen, daß sowohl für das Erhöhen als auch das Vermindern
der Druckmaschinendrehzahl diejenige Zeitfunktion bzw. Zeitrampe gewählt wird, die
auf die charakteristische Zeitdauer für den Färbungsübergang bei Druckformen mit dem
geringsten Flächenanteil abgestimmt ist. Es wird somit bei einem derartigen Druckauftrag
zum Ändern der Druckmaschinendrehzahl die Zeitrampe gewählt, welche den langsamsten
Anstieg aufweist.
[0020] Neben der beschriebenen Maßnahme des langsamen Herauf- bzw. Herunterfahrens der Maschinendrehzahl
erfolgt bevorzugt zusätzlich eine Veränderung der Farbzufuhr während der Zeitdauer
der Drehzahländerung. Beim Erhöhen der Maschinendrehzahl wird somit die Farbzufuhr
zeitweilig erhöht, was durch entsprechende Einstellungen der mit einer Farbkastenwalze
zusammenwirkenden Farbdosierelemente oder durch einen höheren Heberstreifen bewirkt
werden kann. Entsprechend wird beim langsamen Herunterfahren der Maschinendrehzahl
die Farbzufuhr vermindert.
1. Verfahren zum Verändern der Drehzahl einer Druckmaschine, insbesondere einer Bogenoffsetdruckmaschine,
bei dem eine Drehzahländerung gemäß einer vorgegebenen Zeitfunktion erfolgt,
dadurch gekennzeichnet,
daß die zeitliche Ausdehnung der Zeitfunktion für die durchzuführende Drehzahländerung
auf diejenige charakteristische Zeitdauer abgestimmt wird, welche beim Übergang zwischen
zwei stationären Färbungszuständen auftritt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß für die Drehzahlveränderung Zeitfunktionen mit unterschiedlicher zeitlicher Ausdehnung
vorgesehen sind, die an diejenigen charakteristischen Zeitdauern abgestimmt sind,
welche beim Übergang zwischen stationären Färbungszuständen bei Druckformen unterschiedlicher
Flächendeckungen auftreten.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die zeitliche Ausdehnung Td der Zeitfunktion für die vorgesehene Drehzahländerung
ein mehrfaches als diejenige charakteristische Zeitdauer Tf beträgt, welche beim Übergang
zwischen zwei stationären Färbungszuständen auftritt.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß während einer Erhöhung der Drehzahl der Druckmaschine zeitweilig die Farbzufuhr
erhöht wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß während einer Erniedrigung der Drehzahl der Druckmaschine zeitweilig die Farbzufuhr
vermindert wird.