[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Reinigung von Abfüllanlagen, bei dem ein
Reinigungs- und/oder Sterilisationsmedium durch Produktleitungen und/oder Füllköpfe
der Abfüllanlage gepumpt wird.
[0002] Abfüllanlagen der Getränkeindustrie müssen aufgrund der im Lebensmittelbereich herrschenden
hohen Sauberkeitsanforderungen regelmäßig gereinigt werden. Dazu werden die Maschinen
mit ihren Produktleitungen und Behandlungsköpfen nach Abschluß des Füllprozesses mit
einem Reinigungs- und/oder Sterilisationsmittel gereinigt. Üblicherweise erfolgt diese
Reinigung mit Hilfe von separaten Reinigungsanlagen, die an die Produktleitungen angeschlossen
werden, ohne daß eine Demontage der Abfüllanlage notwendig wäre. Aus diesem Grund
wird der Reinigungsvorgang als CIP (clean in place)-Reinigung bezeichnet. Dabei wird
von den CIP-Anlagen Reinigungsflüssigkeit, - gas und/oder Sterilisationsmittel durch
die zu reinigenden Rohrleitungen und Behandlungsköpfe gepumpt und anschließend wieder
der CIP-Anlage zugeführt. Im Rücklauf der CIP-Anlage sind Überwachungselemente vorgesehen,
mit denen die Qualität des Reinigungsvorgangs überprüft wird. Moderne Getränke-Abfüllanlagen
weisen jedoch eine Vielzahl von Füllköpfen auf, die bei der CIP-Reinigung parallel
zueinander gereinigt werden. Wird bei einer Abfüllanlage mit bspw. 30 Füllköpfen aufgrund
einer Fehlfunktion eines Ventils ein Füllkopf nicht gereinigt, so beträgt die Abweichung
von den Normalwerten lediglich 1/30, d.h. 3

%. Eine solche Abweichung liegt aber im üblichen Schwankungsbereich der Meßwerte,
so daß der aufgetretene Fehler von der CIP-Anlage nicht festgestellt wird. Eine zuverlässige
Überprüfung der Reinigungsqualität ist somit nicht mehr möglich.
[0003] Die US-PS 4,848,381 beschreibt ein Clean-in-Place-System zur Reinigung einer Eismaschine.
Aus einem Mischtank mit Reinigungsflüssigkeit wird diese durch die Produktleitungen
gepumpt, um diese von Verunreinigungen zu befreien. Hierzu ist in jeder Fülleitung
eine Pumpe für die Förderung der Reinigungsflüssigkeit vorgesehen. Jeder Pumpe ist
ein Druckschalter zugeordnet, der anzeigt, ob der in der Fülleitung vorliegende Druck
einen festgelegten Wert überschreitet. Die Pumpe wird lediglich dann eingeschaltet,
wenn der Druckschalter ein Niedrigdrucksignal erzeugt, so daß sichergestellt ist,
daß die Pumpe nur bei geöffnetem Zapfventil eingeschaltet wird. Hierdurch soll verhindert
werden, daß die Pumpe gegen einen zu hohen Druck arbeiten muß und dadurch Schaden
nimmt. Wird bei geschlossenem Zapfventil ein zu niedriger Druck oder bei geöffnetem
Zapfventil ein zu hoher Druck festgestellt, so wird ein Fehlersignal erzeugt, da der
festgestellte Druckwert auf ein Leck in der Fülleitung bzw. eine verstopfte Fülleitung
hindeutet. Bei dem bekannten Clean-in-Place-System werden im Prinzip einzelne unabhängig
voneinander zu reinigende Systeme, nämlich die einzelnen Zapfstellen, gereinigt. Hierbei
wird das von den Druckschaltern gelieferte Signal lediglich zur Steuerung des Reinigungsvorgangs
verwendet, indem die den einzelnen Fülleitungen zugeordneten Pumpen eingeschaltet
werden oder nicht. Eine Überprüfung des Reinigungsvorgangs selbst erfolgt dagegen
nicht.
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es demgegenüber, bei der Reinigung von Abfüllanlagen
eine zuverlässige Aussage über die Qualität des Reinigungsvorgangs zu ermöglichen.
[0005] Diese Aufgabe wird mit der Erfindung im wesentlichen dadurch gelöst, daß die Menge
des während des Reinigungs- und/oder Sterilisationsvorgangs durch jeden einzelnen
Füllkopf fließenden Reinigungs-und/oder Sterilisationsmediums gemessen wird. Durch
die separate Erfassung der durch jeden Füllkopf fließenden Durchflußmenge wird die
fehlerverschleiernde Wirkung des beim Zusammenfließen des Reinigungsmittels im Rücklauf
der CIP-Anlage gebildeten Durchschnittswertes vermieden. Ein an einem einzelnen Füllkopf
auftretender Fehler ist selbständig erfaßbar und führt zu einer Fehlermeldung.
[0006] Erfindungsgemäß ist außerdem vorgesehen, daß die Geschwindigkeit des durch jeden
Füllkopf und die zugeordnete Zuleitung fließenden Reinigungs- und/oder Sterilisationsmediums
ermittelt wird. Bei der Beurteilung der Qualität des Reinigungsvorgangs ist nicht
nur die durchfließende Menge des Reinigungsmediums entscheidend, sondern auch die
Strömungsgeschwindigkeit, da erst ab einer bestimmten Mindestgeschwindigkeit eine
ausreichende Strömungsmechanik zur Reinigung der Oberflächen erreicht wird. Da die
Leitungen einen konstanten Querschnitt aufweisen, hängt die Durchflußmenge ausschließlich
von der Strömungsgeschwindigkeit ab. Die Analyse der Durchflußmengen erlaubt damit
nicht nur eine Aussage über die durchgeflossene Menge, sondern auch darüber, ob die
notwendige Strömungsgeschwindigkeit für eine ausreichende Reinigung erreicht wurde.
[0007] Bei einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung werden die an den einzelnen Füllköpfen
gemessenen Mengen und/oder die ermittelten Strömungsgeschwindigkeiten des durchgeflossenen
Reinigungs- und/oder Sterilisationsmediums miteinander verglichen. Dadurch können
Abweichungen im Durchflußverhalten der einzelnen Kanäle festgestellt werden, die Rückschlüsse
auf eine sich abzeichnende Reparaturbedürftigkeit erlauben. Fehler wie verzögerte
oder nur teilweise öffnende Ventile oder sich zusetzende Rohrleitungen können rechtzeitig
erkannt und behoben werden, bevor die Fehler zu Störungen der Anlage führen.
[0008] In Weiterbildung dieses Erfindungsgedankens ist vorgesehen, daß die während eines
Reinigungs- und/oder Sterilisationsvorganges gemessenen Daten jedes Füllkopfes und/oder
der zugeordneten Zuleitung gespeichert und mit Daten früherer Reinigungs- und/oder
Sterilisationsvorgänge verglichen werden. Dadurch wird auch für den einzelnen Füllkopf
und dem zugeordneten Leitungsabschnitt eine Trendanalyse ermöglicht, die eine Beurteilung
seines Durchflußverhaltens im Hinblick auf sich ggf. entwickelnde Fehler erlaubt.
[0009] Eine besonders einfache Umsetzung des oben beschriebenen Verfahrens wird erfindungsgemäß
dadurch erreicht, daß in Produktzuleitungen der einzelnen Füllköpfe angeordnete Durchflußmeßeinrichtungen
zur Messung der Durchflußmenge des Reinigungs- und/oder Sterilisationsmediums verwendet
werden. In automatisierten Reinigungs- und Füllmaschinen für Gebinde, insbesondere
für Fässer wie Kegs, sind regelmäßig volumetrische Zähler zur Erfassung der in das
Gebinde einzufüllenden Produktmenge vorgesehen. Diese volumetrischen Zähler sind in
die Produktzuleitung zu den jeweiligen Füllköpfen eingebaut. Während des Reinigungsvorgangs
können diese Durchflußzähler zur Messung der Durchflußmenge des Reinigungs- und/oder
Sterilisationsmediums verwendet werden, so daß die Installation zusätzlicher Meßeinrichtungen
erspart wird.
[0010] Weiterbildungen, Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten der Erfindung ergeben sich
aus der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispieles und der Zeichnung.
Dabei bilden alle beschriebenen und/oder bildlich dargestellten Merkmale für sich
oder in beliebiger Kombination den Gegenstand der Erfindung, unabhängig von ihrer
Zusammenfassung in den Ansprüchen oder deren Rückbeziehung.
[0011] Die einzige Figur zeigt schematisch einen Teil einer Abfüllanlage zur Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0012] Bei der in der Zeichnung schematisch dargestellten Abfüllanlage wird während des
Füllprozesses das einzufüllende Produkt über eine Hauptproduktleitung 1 und eine Sammelleitung
2, von der Zuleitungen 3 zu Füllköpfen 4 abzweigen, einem nicht dargestellten Gebinde,
insbesondere Keg, zugeführt. Zur Messung der eingefüllten Produktmenge ist in der
Zuleitung 3 jedes Füllkopfes 4 eine Durchflußmeßeinrichtung 5 vorgesehen.
[0013] Nach Abschluß des Füllprozesses wird die Hauptproduktleitung 1, die bspw. über eine
schwenkbare Verbindung 6 mit der Sammelleitung 2 verbunden ist, von der Sammelleitung
2 abgekoppelt. Statt dessen wird die Sammelleitung 2 bspw. über die schwenkbare Verbindung
6 mit dem Rücklauf einer CIP-Anlage 7 verbunden. Anstelle der schwenkbaren Verbindung
6 kann die Umschaltung zwischen Füll- und Reinigungsprozeß bspw. auch über Mehrwegventile
oder dgl. erfolgen.
[0014] Die CIP-Anlage 7 ist über eine Reinigungshauptleitung 8 mit den Füllköpfen 4 verbunden.
Dazu zweigen von der Reinigungshauptleitung 8 über Ventile 9 verschließbare Reinigungsleitungen
10 ab, die jeweils zu einem Füllkopf 4 führen. Die Reinigungshauptleitung 8 kann über
eine schwenkbare Verbindung 17 oder Ventile unterbrechbar sein.
[0015] Von den Füllköpfen 4 zweigen außerdem weitere Leitungen 11 ab, die über Ventile 12
verschließbar sind und zurück zu der Reinigungshauptleitung 8 oder einer Abflußleitung
13 führen.
[0016] Bei der Reinigung der Abfüllanlage wird aus der CIP-Anlage 7 über eine Pumpe 14 ein
Reinigungs- und/oder Sterilisationsmedium in die Reinigungshauptleitung 8 und über
diese und die Reinigungsleitungen 10 in die Füllköpfe 4 gepumpt. Zur Klarspülung kann
über eine Zufuhrleitung 15 Wasser zugeführt werden.
[0017] Aus den Füllköpfen 4 fließt die Reinigungsflüssigkeit über die Zuleitungen 3 in die
Sammelleitung 2 ab, über welche sie in den Rücklauf der CIP-Anlage 7 zurückgeführt
wird. In der CIP-Anlage 7 sind nicht dargestellte Meßeinrichtungen zur Überprüfung
der Qualität des Reinigungsvorgangs vorgesehen. So kann die CIP-Anlage Durchflußzähler
zur Bestimmung der während des Reinigungsvorgangs durch die gesamte Anlage geflossenen
Reinigungsmittelmenge sowie Temperatur-, Druck- und Leitwertmeßeinrichtungen oder
dgl. aufweisen. Aus der CIP-Anlage 7 wird die zurückfließende Reinigungsflüssigkeit
entweder über eine Abflußleitung 16 einem Abwasser- oder Aufbereitungssystem zugeführt
oder für einen erneuten Reinigungsvorgang wiederverwendet.
[0018] Mit den Durchflußmeßeinrichtungen 5 in den Zuleitungen 3 jedes Füllkopfes 4 wird
die Menge des während des Reinigungs- und/oder Sterilisationsvorgangs durch den Füllkopf
4 geflossenen Reinigungs- und/oder Sterilisationsmediums gemessen. Stellt sich heraus,
daß keine oder zuwenig Reinigungsflüssigkeit durch den Füllkopf 4 geflossen ist, so
wird von der Durchflußmeßeinrichtung 5 eine Fehlermeldung ausgegeben, so daß der Füllkopf
4 vor dem nächsten Füllprozeß repariert werden kann.
[0019] Zusätzlich werden die von den einzelnen Durchflußmeßeinrichtungen 5 der Füllköpfe
4 gemessenen Werte gesammelt und miteinander verglichen, so daß Unterschiede im Durchflußverhalten
der einzelnen Füllköpfe 4 oder der Zuleitungen 3 ermittelt werden können.
[0020] Die gemessenen Daten jedes Füllkopfes 4 werden bspw. in einer nicht dargestellten
Datenverarbeitungseinrichtung gespeichert und mit Daten früherer Reinigungs- und/oder
Sterilisationsvorgänge verglichen. Dadurch kann in einer Trendanalyse festgestellt
werden, ob sich das Durchflußverhalten des untersuchten Füllkopfes 4 und der zugeordneten
Zuleitungen 3 mit der Zeit ändert, so daß Fehler rechtzeitig erkannt und Reparaturmaßnahmen
ergriffen werden können, bevor die Fehler zu schwerwiegenderen Störungen der Abfüllanlage
führen.
[0021] Da die Durchflußmeßeinrichtungen 5 in den Zuleitungen 3 zu den Füllköpfen 4 in automatischen
Abfüllanlagen üblicherweise bereits vorhanden sind, um während des Füllprozesses die
Menge des zugeführten Produktes zu bestimmen, kann das erfindungsgemäße Verfahren
unter Ausnutzung der bestehenden Strukturen angewandt werden, ohne daß zusätzliche
Durchflußmeßeinrichtungen notwendig wären.
[0022] Die Durchflußmeßeinrichtungen 5 können Turbinendurchflußzähler oder magnetisch induktive
Durchflußmesser sein, die eine bestimmt Anzahl Impulse pro durchgeflossener Flüssigkeitsmenge
abgeben.
[0023] Für die Qualität des Reinigungsprozesses ist nicht nur die Menge des durch die Leitungen
und Füllköpfe geflossenen Reinigungs- und/oder Sterilisationsmittels entscheidend,
sondern auch die Durchflußgeschwindigkeit. Eine ausreichende Strömungsmechanik zur
Reinigung der Oberflächen wird nämlich erst ab einer bestimmten Strömungsgeschwindigkeit
erreicht. Da der Querschnitt der Rohrleitungen konstant ist, ist die Durchflußmenge
ausschließlich von der Strömungsgeschwindigkeit abhängig. Somit kann durch Analyse
der von den Durchflußmeßeinrichtungen 5 übermittelten Daten auch festgestellt werden,
ob das Reinigungs- und/oder Sterilisationsmedium mit einer für eine zufriedenstellende
Reinigung ausreichenden Geschwindig keit durch die Zuleitungen 3 und die Füllköpfe
4 geflossen ist.
Bezugszeichenliste:
[0024]
- 1
- Hauptproduktleitung
- 2
- Sammelleitung
- 3
- Zuleitung
- 4
- Füllkopf
- 5
- Durchflußmeßeinrichtung
- 6
- schwenkbare Verbindung
- 7
- CIP-Anlage
- 8
- Reinigungshauptleitung
- 9
- Ventil
- 10
- Reinigungsleitung
- 11
- Leitung
- 12
- Ventil
- 13
- Abflußleitung
- 14
- Pumpe
- 15
- Zufuhrleitung
- 16
- Abflußleitung
- 17
- schwenkbare Verbindung
1. Verfahren zur Reinigung von Abfüllanlagen, bei dem Reinigungs-und/oder Sterilisationsmedium
durch Produktleitungen (2, 3) und/oder Füllköpfe (4) der Abfüllanlage gepumpt wird,
dadurch gekennzeichnet, daß zur Überprüfung des Reinigungs- oder Sterilisationsvorganges die Menge des während
des Reinigungs- und/oder Sterilisationsvorgangs durch jeden einzelnen Füllkopf (4)
fließenden Reinigungs- und/oder Sterilisationsmediums gemessen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Geschwindigkeit des durch jeden Füllkopf (4) und die zugeordnete Zuleitung
(3) fließenden Reinigungs- und/oder Sterilisationsmediums ermittelt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die an den einzelnen Füllköpfen (4) gemessenen Mengen und/oder die ermittelten
Strömungsgeschwindigkeiten des durchgeflossenen Reinigungs- und/oder Sterilisationsmediums
miteinander verglichen werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die während eines Reinigungs- und/oder Sterilisationsvorgangs gemessenen Daten
jedes Füllkopfs (4) und/oder der zugeordneten Zuleitung (3) gespeichert und mit Daten
früherer Reinigungs- und/oder Sterilisationsvorgänge verglichen werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß in Zuleitungen (3) der einzelnen Füllköpfe (4) angeordnete Durchflußmeßeinrichtungen
(5) zur Messung der Durchflußmenge des Reinigungs- und/oder Sterilisationsmediums
verwendet werden.