[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum selbsttätigen Auslösen eines Spülvorganges
für Urinale mit einem elektrisch betätigbaren Absperrventil im Wasserzulauf und einem
im Geruchverschluß angeordneten Temperatursensor, dessen Signale von einer elektronischen
Steuer- und Auswerteeinheit zur Steuerung des Absperrventils ausgewertet werden.
[0002] Aus DE 92 00 161 U1 ist ein Urinal mit einer selbsttätigen temperaturgesteuerten
Spüleinrichtung bekannt, bei der ein außerhalb des Geruchverschlusses angeordneter
Temperatursensor einen Spülvorgang auslöst, sobald dieser eine Temperaturerhöhung
durch Auftreffen von Urin feststellt. Hierdurch sollen die Nachteile vermieden werden,
die beim Anordnen von Temperatursensoren im Geruchverschluß insbesondere dadurch auftraten,
daß die Temperaturerhöhung im Geruchverschluß häufig nicht zu auswertbaren Signalen
führt. Auch die Anordnung der Temperatursensoren außerhalb des Geruchverschlusses
führt nicht in allen Fällen zur Erzeugung eindeutig auswertbarer Signale.
[0003] Der Erfindung liegt die
Aufgabe zugrunde, das eingangs beschriebene Verfahren zum selbsttätigen Auslösen eines Spülvorganges
für Urinale derart weiterzubilden, daß mit mindestens einem im Geruchverschluß angeordneten
Temperatursensor unter allen Betriebsbedingungen zuverlässig auswertbare Signale zum
Auslösen eines Spülvorganges erzeugt werden.
[0004] Die
Lösung dieser Aufgabenstellung durch die Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß durch
die Steuer- und Auswerteeinheit anhand der vom Temperatursensor gelieferten Werte
der Temperaturgradient ermittelt und bei Überschreiten eines vorgebbaren Minimalwertes
für den Temperaturgradienten ein Spülvorgang ausgelöst wird.
[0005] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren wird unabhängig von der jeweiligen absoluten
Temperatur im Geruchverschluß und auch bei langsamen Temperaturveränderungen aufgrund
der Erwärmung oder Abkühlung der Umgebungsluft immer dann ein Spülvorgang ausgelöst,
wenn die Temperaturänderungsgeschwindigkeit, d.h. die Veränderung der ermittelten
Temperatur über die Zeit einen bestimmten, einstellbaren Wert überschreitet, beispielsweise
durch Einleiten von Urin oder auch von Schmutzwasser. Da mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren nicht die absolute Temperatur, sondern der Temperaturanstieg über die Zeit
mit Hilfe der Steuer- und Auswerteeinheit erfaßt wird, vermeidet die Erfindung überflüssige
Spülvorgänge, die durch eine Erhöhung oder Absenkung der mittels des Temperatursensors
erfaßten absoluten Temperatur aufgrund einer Erwärmung oder Abkühlung der Umgebungsluft
entstehen würden. Andererseits genügt eine verhältnismäßig kleine Veränderung des
Temperaturgradienten, beispielsweise eine Temperaturänderung von 0,2° C pro Sekunde,
um den gewünschten Spülvorgang auszulösen, da eine derartige Veränderung des Temperaturgradienten
nicht durch eine Erwärmung oder Abkühlung der Umgebungsluft, sondern ausschließlich
durch Einleiten von Urin oder Schmutzwasser verursacht werden kann.
[0006] Da beim erfindungsgemäßen Verfahren der Temperatursensor im Geruchverschluß des Urinals,
d.h. unsichtbar angeordnet wird, entfällt die Installation sichtbarer Teile, wie Lichtschranken
oder Infrarotsensoren zur Auslösung der Spülvorgänge. Hierdurch verringert sich die
Gefahr von mutwilligen Zerstörungen, die insbesondere durch das Erkennen sichtbarer
Steuerungsteile ausgelöst werden.
[0007] Gemäß einem weiteren Merkmal der Erfindung wird schließlich vorgeschlagen, die Auslösung
des Spülvorganges zeitverzögert durchzuführen. Hierdurch wird sichergestellt, daß
der Spülvorgang erst nach Abschluß der Benutzung des Urinals erfolgt.
[0008] Auf der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel einer Einrichtung zum selbsttätigen
Auslösen eines Spülvorganges zur Spülung eines Urinals schematisch dargestellt, und
zwar zeigen:
- Fig. 1
- schematisch einen senkrechten Schnitt durch ein Urinal mit einem am Geruchverschluß
angeordneten Temperatursensor,
- Fig. 2
- ein Diagramm mit dem Temperaturverlauf über der Zeit und
- Fig. 3
- ein Ausführungsbeispiel einer elektronischen Schaltung zur Erzeugung eines Schaltsignals
für das Auslösen der Spülvorgänge.
[0009] In dem schematischen senkrechten Schnitt gemäß Fig. 1 ist ein an einer Wand 1 befestigtes
Urinal 2 zu erkennen, dessen Wasserauslauf 3 an eine Wasserzuleitung 4 angeschlossen
ist. In dieser Wasserzuleitung 4 ist hinter einem Absperrventil 5 eine Wasserturbine
6 angeordnet, die einen elektrischen Generator 7 antreibt. Die Betätigung des Absperrventils
5 erfolgt durch einen Elektromagneten 8.
[0010] Am tiefsten Punkt des im Urinal 2 ausgebildeten Beckens ist ein Geruchverschluß 9
angeschlossen, der in einer Abflußleitung 10 endet. An dem durch eine Abdeckung 11
vor Zugriff geschützten Geruchverschluß 9 ist ein Temperatursensor 12 angebracht,
der durch eine Signalleitung 13 mit einer elektronischen Steuer- und Auswerteeinheit
14 verbunden ist. Die Energieversorgung dieser elektronischen Steuer- und Auswerteeinheit
14 erfolgt durch einen Kondensator 15, dessen Ladespannung durch die im Generator
7 erzeugte elektrische Energie erzeugt wird, die dem Kondensator 15 durch eine Ladeleitung
16 zugeführt wird. Über eine Steuerleitung 17 ist die elektronische Steuer- und Auswerteeinheit
14 mit dem Elektromagneten 8 verbunden.
[0011] Um bei Benutzung des Urinals 2 einen vorzugsweise zeitverzögerten Spülvorgang auszulösen,
wird durch die Steuer- und Auswerteeinheit 14 anhand der vom Temperatursensor 12 gelieferten
Werte der Temperaturgradient im Geruchverschluß 9 ermittelt. Das Diagramm gemäß Fig.
2 zeigt mit ausgezogenen Linien den Temperaturverlauf über der Zeit t. Es ist zu erkennen,
daß nach einem vorangegangenen Spülvorgang die Wassertemperatur von beispielsweise
12 ° Celsius aufgrund der wärmeren Umgebungsluft langsam auf die Raumtemperatur T₁
von beispielsweise 20° Celsius ansteigt. Wenn nunmehr zum Zeitpunkt t₁ Urin mit einer
Temperatur von ca. 36° Celsius in das Urinal 2 und damit in den Geruchverschluß 9
eingeleitet wird, steigt die Temperatur T vom Wert T₁ deutlich schneller als durch
die Erwärmung der Umgebungsluft auf einen Wert T₂ an. Der von der Steuer- und Auswerteeinheit
14 ermittelte Temperaturgradient, d.h. die Veränderung der ermittelten Temperatur
T über der Zeit t übersteigt hierbei einen vorgebbaren Minimalwert für den Temperaturgradienten,
der im Diagramm als gepunktete Parallele zum Verlauf der Temperatur T eingezeichnet
ist. Zum Zeitpunkt t₂ wird somit durch die Steuer- und Auswerteeinheit 14 ein Spülvorgang
ausgelöst.
[0012] Durch diesen Spülvorgang gelangt wiederum kaltes Wasser in den Geruchverschluß 9,
so daß die durch den Temperatursensor 12 ermittelte Temperatur im Geruchverschluß
9 entsprechend dem Diagramm gemäß Fig. 2 absinkt. Anschließend ergibt sich wiederum
ein durch die wärmere Umgebungsluft langsames Ansteigen der Temperatur.
[0013] Wenn nunmehr durch Einleiten von kaltem Schmutzwasser zum Zeitpunkt t₃ die Temperatur
T vom Wert T₃ sehr schnell auf die Temperatur T₄ absinkt, ergibt sich eine diesmal
negative Änderung des Temperaturgradienten unter gleichzeitiger Überschreitung des
vorgegebenen Minimalwertes. Demzufolge wird zum Zeitpunkt t₄ wiederum ein Spülvorgang
ausgelöst. Da dieser mit noch kälterem Wasser durchgeführt wird, fällt die Temperatur
im Geruchverschluß 9 auch nach dem Spülvorgang ab, wie dies das Ende des Temperaturverlaufs
im Diagramm nach Fig. 2 zeigt. Durch die Anordnung des Temperatursensors 12 in der
Nähe des oberen Wasserspiegels im Geruchverschluß 9 ergibt sich einerseits ein inniger
Wärmekontakt; andererseits werden sichtbare Installationen zur Auslösung der Spülvorgänge
vermieden. Durch die Heranziehung einer über einen vorgebbaren Minimalwert liegenden
Veränderung des Temperaturgradienten führen langsame Änderungen der durch den Temperatursensor
12 festgestellten Temperaturen im Geruchverschluß 9 aufgrund von Veränderungen der
Umgebungstemperatur nicht zur Auslösung von Spülvorgängen. Durch Einleiten von Urin
oder Schmutzwasser verursachte Temperatursprünge werden jedoch sofort erfaßt und führen
zu einem vorzugsweise verzögerten Auslösen eines Spülvorganges.
[0014] Mit der in Fig. 3 dargestellten Schaltung 6.1 wird ein temperatur-proportionales
Signal erzeugt, das im RC-Glied 6.2 integriert wird. Durch Weiterleitung an Komparatoren
6.3 und 6.4 wird immer dann ein Schaltsignal ausgelöst, wenn das aktuelle Sensorsignal
die Schaltschwelle überschreitet, die sich aus dem Integrationssignal und durch elektrische
Mitkopplung des Komparators ergibt. Mit Hilfe eines Mikroprozessors werden die für
die Auslösung des Spülvorganges erforderlichen Mittelwertbildungen, Vergleiche und
Operationen unter Verwendung eines geeigneten Rechenprogramms erstellt. Hierbei gilt
einerseits die Regel, daß dann ein Spülvorgang ausgelöst wird, wenn die aktuelle Temperatur
T um einen geringen Betrag größer ist als der Durchschnittswert der letzten Minuten.
Auch wenn die Temperatur in einer bestimmten Zeit um einen bestimmten Betrag absinkt,
wird ein Spülvorgang ausgelöst.
Bezugszeichenliste:
[0015]
- 1
- Wand
- 2
- Urinal
- 3
- Wasserauslauf
- 4
- Wasserzuleitung
- 5
- Absperrventil
- 6
- Wasserturbine
- 7
- Generator
- 8
- Elektromagnet
- 9
- Geruchverschluß
- 10
- Abflußleitung
- 11
- Abdeckung
- 12
- Temperatursensor
- 13
- Signalleitung
- 14
- Steuer- und Auswerteeinheit
- 15
- Kondensator
- 16
- Ladeleitung
- 17
- Steuerleitung
- 6.1
- Schaltung
- 6.2
- RC-Glied
- 6.3
- Komparator
- 6.4
- Komparator
- t
- Zeit
- t₁
- Urineinleitung
- t₂
- Spülvorgangauslösung
- t₃
- Schmutzwassereinleitung
- t₄
- Spülvorgangsauslösung
- T
- Temperatur
- T₁
- Raumtemperatur
- T₂
- Auslösetemperatur
- T₃
- Raumtemperatur
- T₄
- Auslösetemperatur
1. Verfahren zum selbsttätigen Auslösen eines Spülvorganges für Urinale (2) mit einem
elektrisch betätigbaren Absperrventil (5) im Wasserzulauf (4) und einem im Geruchverschluß
(9) angeordneten Temperatursensor (12), dessen Signale von einer elektronischen Steuer-
und Auswerteeinheit (14) zur Steuerung des Absperrventils (5) ausgewertet werden,
dadurch gekennzeichnet,
daß durch die Steuer- und Auswerteeinheit (14) anhand der vom Temperatursensor (12)
gelieferten Werte der Temperaturgradient ermittelt und bei Überschreiten eines vorgebbaren
Minimalwertes für den Temperaturgradienten ein Spülvorgang ausgelöst wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Auslösung des Spülvorganges
zeitverzögert erfolgt.