[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Beschichten von Kunststoffsubstraten, insbesondere
Polyolefin-Substraten.
[0002] Kunststofformteile werden in weitem Umfang in der Herstellung von Automobilen oder
Bauteilen davon oder als Bauteile von Maschinen verwendet. Dabei können die Kunststofformteile
aus unterschiedlichen Polymeren bestehen. Beispiele geeigneter Polymere sind Polyolefine,
wie Polypropylen, Polyethylen, Polystyrol, Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere,
Polyurethane, Polyamide, Polyester, wie Polyethyleneterephthalat und Polycarbonate.
Diese Kunststoffe können dabei auch durch Einlegen von geeigneten Fasern z.B. Glasfasern
mechanisch verstärkt werden. Diese Formteile aus Kunststoff weisen günstige mechanische
Eigenschaften auf und haben ein geringes spezifisches Gewicht; insbesondere Polyolefin-Kunststoffe
haben jedoch den Nachteil, daß sie schlecht zu lackieren sind, da die üblichen Lackbindemittel
auf den Kunststofformteilen eine ungenügende Haftung aufweisen. Diese Haftung muß
auch bei auftretenden mechanischen Belastungen, wie z.B. mechanische Stöße oder Ausdehnung
durch erhöhte Temperatur, weiterhin gegeben sein. Es dürfen dabei keine Risse, Abplatzungen
oder großflächige Delaminierungen entstehen.
[0003] Zur Verbesserung der Haftung von Lacken auf Polyolefinformteilen sind schon verschiedene
Verfahren beschrieben worden. Einerseits ist es möglich, durch Vorbehandlung dieser
Kunststofformteile, z.B. durch Beflamman, Plasmabehandlung der Oberfläche oder durch
Anlösen der Oberfläche mit speziellen organischen Lösungsmitteln oder durch eine Coronabehandlung,
die Oberfläche vor dem eigentlichen Beschichtungsvorgang besser haftend zu machen.
Diese Verfahren sind jedoch teilweise sehr aufwendig, wie z.B. die Coronabehandlung,
sie arbeiten mit physiologisch nicht unbedenklichan Lösungsmitteln oder verlieren
nach kurzer Zeit ihre haftungsverbessernde Wirkung. Aus diesem Grunde ist es notwendig,
solche Vorbehandlungsarten zu verbessern.
Weiterhin ist die Verwendung von speziellen Haftprimern schon beschrieben. Es handelt
sich dabei um wäßrige Haftprimer oder um solche auf der Basis von organischen Lösungsmitteln.
Diese enthalten im allgemeinen Polyolefine mit polaren Gruppen, insbesondere chlorierte
Polyolefine (CPO), wie beispielsweise in der WO 90/12 656 beschrieben. Diese chlorierten
Polyolefine werden mit dem Primer und gegebenenfalls Anteilen von Bindemitteln auf
das gereinigte und zu beschichtende Substrat aufgebracht und danach auch bei erhöhter
Temperatur getrocknet. Auf die so erzeugte Haftgrundierungsschicht wird dann das eigentliche
Überzugsmittel aufgetragen.
Solche wäßrigen Überzugsmittel sind beispielsweise in der DE-A-39 10 901 beschrieben.
Dabei handelt es sich um wäßrige Beschichtungszusammensetzungen, die ein filmbildendes
Harz, Pigmente, Wasser sowie eine feinteilige Dispersion chlorierter Polyolefine mit
einem Chlorierungsgrad der Polyolefine von 20 bis 35 Gew.-% enthalten. Die Dispersionen
werden durch Destillation von Lösungsmitteln enthaltende Dispersionen von CPO und
gegebenenfalls geeigneten Bindemitteln bereitet.
In der US-A-4 051 302 werden Polyestersubstrate mit hydrophilen Polymeren in wäßriger
Suspension beschichtet und mit Ultraviolettlicht bestrahlt, während noch Wasser vorhanden
ist. Hierdurch soll die Klebrigkeit für nachfolgend aufzubringende fotographische
Schichten verbessert werden. Ein wesentlicher Nachteil besteht darin, daß die wäßrigen
Suspensionen Wasserstoffperoxid enthalten müssen.
In der EP-A-0 487 323 werden Haftvermittler für Kunststoffsubstrate beschrieben. Dabei
wird so vorgegangen, daß auf spezielle Kunststoffsubstrate ein konventioneller Primer
auf der Basis organischer Lösemittel, der hochmolekulare Polyolefine mit polaren Gruppen,
insbesondere CPO, enthält, aufgetragen wird, wobei vor oder nach dem Auftrag des Primers
eine Bestrahlung mit UV-Licht einer Wellenlänge bis zu 300 nm während 60 bis 600 Sekunden
durchgeführt wird. Als Kunststoffsubstrate werden dabei besondere Polypropylencopolymere
eingesetzt, die mit ungesättigten Carboxylgruppen modifiziert sind.
[0004] Diese Verfahren haben den Nachteil, daß konventionelle Primer mit einem hohen Lösemittelanteil
eingesetzt werden müssen.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist daher die Bereitstellung eines Verfahrens
zum Beschichten von Kunststoffsubstraten, insbesondere Polyolefinsubstraten, das keine
größeren technischen Vorbehandlungen, wie z.B. Corona-Behandlung erfordert, den Einsatz
großer Mengen an organischen Lösemitteln vermeidet und eine leichte und einfache Aktivierung
von Kunststoffoberflächen ermöglicht, wobei die Folgelackierungen auch nach längerem
Zeitraum auftragbar sind, ohne dabei ihre guten Hafteigenschaften zu verlieren. Die
so erhaltenen beschichteten Substrate sollen auch in der Kälte eine gute Haftung der
Überzüge und eine hervorragende Kälteschlagzähigkeit aufweisen.
[0006] Es hat sich gezeigt, daß diese Aufgabe gelöst werden kann durch das einen Gegenstand
der Erfindung bildende Verfahren zum Beschichten von Kunststoffsubstraten durch Auftrag
eines filmbildenden Überzugsmittels und Trocknen oder Härten des erhaltenen Überzugs,
das dadurch gekennzeichnet ist, daß man
a) zunächst unmittelbar auf die Oberfläche des Kunststoffsubstrats eine 0 bis 40 Gew.-%
eines oder mehrere organische Lösemittel enthaltenden, wäßrigen Lösung oder Dispersion
einer oder mehrerer unter energiereicher Strahlung Radikale bildendar polymerer Verbindungen
aufträgt,
b) die so behandelte Oberfläche nach dem Trocknen einer Bestrahlung mit UV-Licht unterzieht,
c) gegebenenfalls eine mechanische und/oder chemische Reinigung der Oberfläche vornimmt
und
d) auf die so behandelte Oberfläche das filmbildende Überzugsmittel aufbringt und
trocknet oder härtet.
[0007] Die erfindungsgemäß eingesetzten unter energiereichar Strahlung Radikale bildenden
polymeren Verbindungen werden in wäßriger Lösung oder Dispersion mit einem Gehalt
von 0 bis 40 Gew.-% eines oder mehrerer organischer Lösemittel aufgetragen. Gegebenenfalls
kann dieses System in Form eines Überzugsmittals bereitgestellt werden, das zusätzlich
ein oder mehrere filmbildende Bindemittel sowie lackübliche Bestandteile enthält.
[0008] Als unter energiereicher Strahlung Radikale bildende polymere Verbindungen kommen
insbesondere hochmolekulare Polyolefine mit polaren Gruppen, wie Halogenatomen, Epoxidgruppen,
Carboxylgruppen, Ethergruppen, Acylgruppen, Aminogruppen und Säureanhydridgruppen
in Frage. Besonders bevorzugt sind halogenierte Polyolefine, insbesondere chlorierte
Polyolefine. Der Gehalt an polaren Gruppen beträgt bevorzugt 1 bis 60 Gew.-%, besonders
bevorzugt 10 bis 35 Gew.-%, jeweils bezogen auf das Festkörperqewicht der polymeren
Verbindung.
Besonders bevorzugte Beispiele für erfindungsgemäß verwendbare Radikale bildende polymere
Verbindungen sind Polyolefine mit einem Zahlenmittel dar Molmasse (Mn) von bis zu
50000. Es können aber auch niedermolekulare chlorierte Polyolefinverbindungen eingesetzt
werden, z.B. mit einem Zahlenmittel der Molmasse bis zu 10000. Die untere Grenze für
das Zahlenmittel der Molmasse liegt beispielsweise bei 2000. Insbesondere handelt
es sich um chlorierte Polyethylen- oder Polypropylenpolymere mit einem Chlorgehalt
von 10 bis 40 Gew.-%. Weitere Beispiele für polychlorierte Verbindungen sind solche
mit einem Zahlenmittel der Molmasse (Mn) bis zu 50000, beispielsweise auf der Basis
von Polyvinylchlorid. Das erfindungsgemäße Verfahren kann ohne Zusatz von Radikalinitiatoren,
insbesondere ohne Zusatz von Peroxiden, wie Wasserstoffperoxid durchgeführt werden.
Die erfindungsgemäß eingesetzten Radikale bildenden polymeren Verbindungen können
ohne, oder zusammen mit einem oder mehreren Sensibilisatoren eingesetzt werden. Hierdurch
können die Bestrahlungszeiten stark verkürzt werden. Die Sensibilisatoren werden beispielsweise
in Mengen bis zu 5 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtsystem in das System eingearbeitet.
Dabei handelt es sich bevorzugt um organische aromatische Verbindungen mit oder ohne
Heteroatome. Beispiele dafür sind Anthracen, Benzophenone, Thioxanthone, sowie Derivate,
z.B. C₁-₇-Alkyl- oder C₁-₇-alkoxysubstituierte Verbindungen.
[0009] Die erfindungsgemäß als Radikalbildner eingesetzten polymeren Verbindungen werden
als Lösungen oder Dispersionen eingesetzt, die Wasser als Hauptlösungsmittel enthalten.
Diese wäßrigen Systeme weisen beispielsweise einen Gehalt an radikalbildender polymerer
Substanz bis zu 25 Gew.-% und einen Gehalt an einem oder mehreren organischen Lösemitteln
von 0 bis 40 Gew.-% auf.
[0010] Die erfindungsgemäßen wäßrigen Systeme können auch in der Form von Überzugsmitteln
vorliegen, die neben dem vorstehenden Gehalt an radikalbildender polymerer Verbindung
und Lösemittel 1 bis 30 Gew.-%, bezogen auf das gesamte Überzugsmittel, eines oder
mehrerer filmbildender Bindemittel enthalten.
[0011] Zur Herstellung der wäßrigen Systeme können gegebenenfalls Emulgatoren mitverwendet
werden, die die organischen Bestandteile dispergieren. Beispielsweise können handelsübliche
anionische und/oder nicht-ionische Emulgatoren eingesetzt werden.
[0012] Als organische Lösemittel, die den erfindungsgemäß eingesetzten wäßrigen Systemen
zugesetzt werden, sind beispielsweise geeignet: aromatische Kohlenwasserstoffe, wie
Toluol, Xylol, Mesitylen, Ester, wie Ethylacetat oder Butylacetat, Ketone, wie Aceton
oder Methylethylketon, Alkohole, wie Ethanol, Butanol oder Isopropanol, aliphatische
Kohlenwasserstoffe, cycloaliphatische Kohlenwasserstoffe, Ether, wie Methoxypropanol,
Butoxypropanol, Glykole wie Ethylenglykol oder N-Methylpyrrolidon geeignet. Die Lösemittel
können einzeln oder im Gemisch angewandt werden. Es können bei Raumtemperatur anwendbare
Systeme erhalten werden oder Systeme, die bei erhöhter Temperatur getrocknet werden
müssen. Bevorzugte Lösemittel sind aromatische Kohlenwasserstoffe und insbesondere
Glykole und deren Derivate. Ebenfalls bevorzugt sind Lösemittel mit einem niedrigen
Siedepunkt unter 150°C.
Die Lösemittel sollen eine gute Benetzung der Oberfläche ergeben. Sie kann gegebenenfalls
durch oberflächenaktive Substanzen unterstützt werden. Die Lösemittel bewirken zusätzlich
eine Stabilisierung der entstehenden Radikale.
[0013] Werden die erfindungsgemäß verwendeten Radikale erzeugenden polymeren Verbindungen
in der Form von Überzugsmitteln eingesetzt, so können in derartigen Überzugsmitteln
als Bindemittel übliche filmbildende Harze eingesetzt werden. Dabei handelt es sich
beispielsweise um Harze auf Basis von Polyestern, Polyacrylaten, Epoxidharzen, Polyurethanharzen
oder Alkydharzen. Diese Bindemittel sind in der Literatur bekannt und schon beschrieben.
Sie können vernetzen, das heißt entweder selbstvernetzen oder mit Fremdvernetzern
oder sie können nur physikalisch trocknend sein.
[0014] Über die Auswahl der Bindemittel kann z.B. die Benetzungseigenschaft auf dem Kunststoff
beeinflußt werden. Es werden bevorzugt gut benetzende Bindemittel eingesetzt. Die
Bindemittel sind entweder in den organischen Lösungsmittel löslich oder es handelt
sich bevorzugt um Bindemittel die in Wasser dispergiert oder gelöst sind. Dabei ist
es möglich, daß diese filmbildenden Harze hydrophile Gruppen tragen. Beispiel für
solche Gruppen sind Polyethergruppen, insbesondere auf Basis von Polyethylenoxid,
OH-Gruppen oder ionischen Gruppen bzw. in ionische Gruppen überführbare Substituenten.
Beispiele für solche Substituenten sind primäre, sekundäre oder tertiäre Amine, Sulfonsäuren,
Carbonsäuren oder Phosphorsäurederivate.
[0015] Geeignete Bindemittel dieser Art sind beispielsweise Polyurethanharze wie in DE-A-40
00 889 oder DE-A-36 28 124, Epoxidharze, wie in DE-A-36 43 751 oder Polyester, Alkydharze,
Acrylatharze.
[0016] Das Überzugsmittel enthält im allgemeinen keine anorganischen oder organischen Pigmente
oder Füllstoffe, es kann jedoch für besondere Zwecke sinnvoll sein, Füllstoffe und/oder
Pigmente zuzusetzen.
[0017] Im Überzugsmittel können übliche lacktechnische Additive enthalten sein. Sie können
beispielsweise applikationstechnische Eigenschaften beeinflussen, wie Verlaufsmittel,
oder herstellungstechnische Eigenschaften, z.B. Antischaummittel, Emulgatoren, Benetzungsmittel.
Gegebenenfalls ist es auch möglich Katalysatoren, Sensibilisatoren, Beschleuniger
oder Farbstoffe einzusetzen. Die Menge der Additive beträgt bezogen auf das Überzugsmittel
beispielsweise bis zu 20 Gew.-%, bevorzugt unter 10 %.
[0018] Verfahren zur Herstellung der Überzugsmittel sind bekannt. Organische Überzugsmittel
werden z.B. dadurch hergestellt, daß die einzelnen Substanzen unter gutem Rühren in
der organischen Lösung gelöst bzw. dispergiert werden. Danach kann gegebenenfalls,
z.B. bei festen Zusätzen, ein Vermahlungsschritt zwischengeschaltet werden. Über den
Gehalt an Lösungsmitteln bzw. den Zusatz von Additiven, z.B. Verdickern, ist es möglich,
die Viskosität des Überzugsmittels einzustellen. Es entsteht ein lagerstabiles dünnviskoses
Überzugsmittel. Ebenso sind Verfahren bekannt, Gase in Flüssigkeiten zu lösen. Das
kann direkt vor der Applikation geschehen oder es werden die gashaltigen Lösungen
in einer stabilen Form, z.B. unter Druck, zum Anwender transportiert.
[0019] Werden wäßrige Überzugsmittel hergestellt, so werden beispielsweise in der Wasserphase,
gegebenenfalls unter Verwendung von Emulgatoren, die organischen Bestandteile dispergiert.
Weiterhin werden unlösliche Bestandteile, z.B. höhermolekulare Verbindungen, die unter
UV-Bestrahlung Radikale abspalten, in der Wasserphase dispergiert. Zu der Dispersion
der Additive in Wasser können gegebenenfalls die filmbildenden organischen Harze zugesetzt
werden. Diese werden entweder als wasserlösliches Harz eingesetzt oder es wird eine
wäßrige Bindemitteldispersion zugesetzt. Die Überzugsmittel werden nach dem Mischen
gründlich homogenisiert. Es bilden sich stabile Emulsionen und Dispersionen.
[0020] Die die Radikalbildner enthaltenden flüssigen Systeme können durch Streichen, Tauchen,
Fluten, Rollen oder bevorzugt Spritzen appliziert werden. Es ist ausreichend, wenn
nur eine dünne Schicht auf dem Substrat aufgetragen wird. Beispielsweise können Trockenschichtstärken
bis zu 20 µm, bevorzugt bis zu 10 µm, insbesondere zwischen 0,5 und 5 µm ausgebildet
werden. Wichtig ist, daß eine gleichmäßige Benetzung der Kunststoffoberfläche eintritt.
[0021] Erfindungsgemäß wird der aufgetragene Überzug nach der Trocknung einer Bestrahlung
mit UV-Licht unterzogen.
[0022] Werden filmbildende Überzugsmittel aufgetragen, werden die Überzüge bei Raumtemperatur
oder bei erhöhter Temperatur getrocknet oder gehärtet. Dabei bildet sich auf dem Substrat
ein homogener durchgehender Film des Überzugsmittels.
[0023] Die Bestrahlung erfolgt erfindungsgemäß mit UV-Licht. Hierzu ist UV-Licht, insbesondere
bei einer Wellenlänge zwischen 200 und 400 nm oder sichtbares Licht, z.B. von 400
bis 800 nm, geeignet. Erfindungsgemäß kann somit durch Bestrahlung mit UV-Licht bei
Wellenlängen über 300 nm gearbeitet werden. Die Strahlung kann der eingesetzten radikalbildenden
Substanz so angepaßt werden, daß ein Zerfall in Radikale eintritt. Durch die Bestrahlung
bilden sich Radikale, die eine gute Haftung auf der Kunststoffoberfläche erzeugen.
Die Bestrahlungsdauer liegt unter 60 Sekunden, bevorzugt unter 30 Sekunden und insbesondere
zwischen 0,1 und 10 Sekunden.
Die so vorbehandelten Substrate können gegebenenfalls einer mechanischen oder chemischen
Reinigung der Oberfläche unterzogen werden. Bei der chemischen Reinigung kann beispielsweise
mit einem oder mehreren organischen Lösemitteln oder mit wäßrigen Reinigern gearbeitet
werden. So erhaltene Substrate werden möglichst rasch der weiteren Verarbeitung unterzogen.
Auf dem Substrat entstehen durch die Strahlung haftfähige Reaktionspunkte. Die erfindungsgemäß
behandelten Substrate können leicht mit Folgebeschichtungen, z.B. Grundierungen, Basislacken
oder Decklacken überbeschichtet werden. Dabei ist das Überzugsmittel der Folgeschicht
keinen besonderen Einschränkungen unterworfen. Diese Beschichtung kann direkt nach
der erfindungsgemäßen Behandlung geschehen oder die Werkstücke werden vor der Weiterverarbeitung
gelagert. Im bevorzugten Fall der direkten Verarbeitung ist es gegebenenfalls möglich,
Vorbehandlung und Folgeschicht gemeinsam zu trocknen. Die Überzugsmittel für die Folgeschichten
können flüssig oder pulverförmig sein. Pulverlacke können beispielsweise günstig für
Kunststoffsubstrate, z.B. Polypropylensubstrate, verwendet werden, die eine gute Temperaturbeständigkeit
aufweisen, z.B. solche, die durch Glasfasern verstärkt sind.
Erfindungsgemäß können beliebige Kunststoffsubstrate behandelt werden. Beispiele hierfür
sind Polystyrol, Acrylnitril-Butadien, Styrol-Copolymere, Polyurethane, Polyamide,
Polyester, Polycarbonate sowie Polyolefine. Besonders bevorzugt sind Polyolefine,
beispielsweise Polypropylen oder Polypropylen-Copolymere. Besonders bevorzugt sind
Substrate, deren Oberfläche ganz oder teilweise aus Polypropylen, z.B. aus Polypropylen
oder Polypropylen-Copolymeren besteht. Aus solchen Substraten können beispielsweise
Formteile hergestellt werden, die eine hervorragende mechanische Stabilität und Flexibilität
auch bei tiefen Temperaturen aufweisen. Durch die erfindungsgemäße Behandlung würden
derartige Substrate in einfacher Verfahrensweise mit gut haftenden Überzügen beschichtet,
die auch in der Kälte eine gute Haftung und eine hervorragende Schlagzähigkeit aufweisen.
[0024] Die folgenden Beispiele dienen zur Erläuterung der Erfindung:
Beispiel 1
[0025] Es wird eine Voremulsion - bestehend aus 12,5 g eines handelsüblichen CPO (Eastman
CP 343 - 1), 37,5 g Xylol, 3,4 g eines anionischen Emulgators (Hostapur
R SAS 30) und 47 g Wasser - durch Vermischen hergestellt. Diese wird mit Hilfe eines
Hochdruckhomogenisators emulgiert und anschließend mit 1 g eines 50 %ig in Xylol gelösten
Sensibilisators versetzt (Benzophenon).
Beispiel 2
[0026] Dem in Beispiel 1 beschriebenen Überzugsmittel werden statt der Sensibilisatorlösung
3,45 g einer handelsüblichen feinteiligen Talkum-Type eingerührt.
Beispiel 3
[0027] Handelsübliches in Xylol gelöstes chloriertes Polypropylen mit einem Chlorgehalt
zwischen 26 und 32 %, wird durch Zugabe von weiterem chlorierten Polypropylen auf
einen Feststoffgehalt von etwa 70 - 80 % erhöht. Durch Erwärmen auf etwa 80 - 100°C
und gegebenenfalls Anlegen eines Vakuums werden die Restlösemittel entfernt. Die resultierende
hochviskose Polymerschmelze (500 g) wird mit 2-Amino-2-Methyl-1-Propanol neutralisiert
und mit 5 % eines handelsüblichen nicht-ionischen Emulgators unter Mitverwendung von
5 % Ethylenglykol versetzt und gleichmäßig verteilt. Danach werden unter intensivem
Rühren etwa 2000 g entionisiertes Wasser zugemischt, so daß eine lagerstabile, feinteilige
wäßrige Dispersion mit einem Festkörpergehalt von ca. 25 % entsteht.
[0028] 115 g der so hergestellten Dispersion werden mit 348 g entionisiertem Wasser verdünnt
und mit 2 g einer 50 %ig xylolischen Benzophenonlösung versetzt.
[0029] Eine vorgereinigte PP-EPDM-Kunststoffplatte (Hostalen
R-PPN 8018 B) der Hoechst AG wird jeweils mit einem der erfindungsgemäßen Überzugsmittel
der Beispiele 1 bis 3 beschichtet und ca. 5 - 10 min. abgelüftet. Man erhält eine
Trockenfilmschichtstärke von 1 - 5 µm. Dann wird das beschichtete Substrat bei einem
Abstand von 15 cm mit einer Geschwindigkeit von 2 m/min. an zwei UV-Strahlern (100
Watt/cm) vorbeigeführt.
[0030] Auf das so vorbehandelte Substrat wird ein handelsüblicher Metallic-Wasserbasislack
aufgetragen, dieser kurz abgelüftet und danach naß-in-naß mit einem handelsüblichen
2K-Klarlack überlackiert. Das Substrat wird dann 45 min. bei 80°C getrocknet und vor
der Prüfung der Mehrschichtaufbau 16 h/60°C gealtert. Die mit dem erfindungsgemäßen
Überzugsmittel der Beispiele 1 bis 3 beschichteten Substrate zeigen jeweils eine sehr
gute Haftung zu den Lackschichten.
[0031] Auch nach 10 Tagen Schwitzkastentest (DIN 50 017 KK) und anschließendem 1 mm Gitterschnitt
(DIN 53 151) sind weder optische Veränderungen noch Ablösungen zu beobachten.
Beispiel 4
[0032] 490 g einer kommerziell erhältlichen Epoxidfestharzdispersion (Beckopox
R EP 384 der Hoechst AG) sowie 60 g einer 10 %igen wäßrigen Lösung eines handelsüblichen
nicht-ionischen Emulgators werden mit 300 g einer 25 %igen xylolischen Lösung eines
handelsüblichen chlorierten Polypropylens mit einem Chlorgehalt von ca. 20 % bei etwa
45 - 55°C eine halbe Stunde lang dispergiert. Nach einem Tag werden weitere 50 g Epoxidharzdispersion
sowie etwa 90 g entionisiertes Wasser zugefügt.
[0033] Es wird wie bei den vorherigen Beispielen getestet. Die Schichtdicke des Überzugs
beträgt jedoch 10 - 15 µm. Es werden sehr gute Haftungswerte erzielt.
1. Verfahren zum Beschichten von Kunststoffsubstraten durch Auftrag eines filmbildenden
Überzugsmittels und Trocknen des erhaltenen Überzugs, dadurch gekennzeichnet, daß
man
a) zunächst unmittelbar auf die Oberfläche des Kunststoffsubstrats eine 0 bis 40 Gew.-%
ein oder mehrere organische Lösemittel enthaltende, wäßrige Lösung oder Dispersion
einer oder mehrerer unter energiereicher Strahlung Radikale bildender polymerer Verbindungen
aufträgt,
b) die so behandelte Oberfläche nach dem Trocknen einer Bestrahlung mit UV-Licht unterzieht,
c) gegebenenfalls eine mechanische und/oder chemische Reinigung der Oberfläche vornimmt
und
d) auf die so behandelte Oberfläche das filmbildende Überzugsmittel aufbringt und
trocknet.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Radikale bildende polymere
Verbindung in einem wäßrigen Überzugsmittel einsetzt, das ein oder mehrere filmbildende
Bindemittel enthält und daß man die Bestrahlung nach dem Trocknen oder Härten des
Überzugsmittels vornimmt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man als polymere Verbindung
eine oder mehrere Verbindungen mit polaren Gruppen einsetzt.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß man als polymere Verbindung
mit polaren Gruppen ein oder mehrere chlorierte Polyolefine mit einem Zahlenmittel
der Molmasse (Mn) von bis zu 50000 und einem Chlorgehalt von 10 bis 40 Gew.-% einsetzt.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die
Radikale bildende polymere Verbindung zusammen mit einem oder mehreren Sensibilisatoren
verwendet wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die
Bestrahlung mit UV-Licht einer Wellenlänge über 300 nm erfolgt.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die
Bestrahlung während einer Zeit unter 60 Sekunden durchgeführt wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es
zur Beschichtung von Substraten durchgeführt wird, deren Oberfläche ganz oder teilweise
aus Polyolefinen besteht.