[0001] Die Erfindung betrifft eine Trag- oder Stützwalze für eine Wickelmaschine und die
Verwendung einer derartigen Trag- oder Stützwalze beim Aufwickeln von Papier- oder
Kartonbahnen.
[0002] Zur Herstellung von Wickelrollen aus durch Längsschnitt unterteilten Papier- oder
Kartonbahnen werden bekannterweise Wickelmaschinen eingesetzt, die eine oder zwei
angetriebene Walzen aufweisen, an denen die Wickelrollen beim Aufwickeln an- oder
aufliegen. Die Walzen werden als Tragwalzen bezeichnet, falls sie vollständig das
Gewicht der aufliegenden Wickelrollen tragen (DE-A 39 24 612). Wird das Gewicht ganz
oder teilweise von in die Hülsen der Wickelrollen eingefahrenen, an Tragarmen gelagerten
Führungsköpfen gehalten, bezeichnet man die Walzen als Stützwalzen (DE-C 31 02 894,
DE-C 40 12 979).
[0003] Die Wickelqualität der Wickelrollen wird entscheidend von der Linienlast (= Anpreßkraft
pro Meter Wickelrollenbreite) und den geometrischen Verhältnissen im Nip zwischen
der Wickelrolle und der Trag- oder Stützwalze beeinflußt. Dabei stellt es sich als
besonderes Problem heraus, bei hohen Produktionsgeschwindigkeiten eine vorbestimmte,
gleichmäßige Wickelhärte (= Zugspannung zwischen den äußeren Lagen einer Wickelrolle)
einzustellen, ohne daß Oberflächenbeschädigungen, z. B. Markierungen, an den Papieren
oder Wickelfehler, z. B. sogenannte Riegel, auftreten. Weiterhin muß vermieden werden,
daß Luft mit in die Wickelrolle eingewickelt wird oder die Bahn seitlich zu ihrer
Laufrichtung verläuft.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Trag- oder Stützwalze für Wickelmaschinen
zu schaffen, die bei hohen Produktionsgeschwindigkeiten ein papierschonenderes Wickeln
ermöglicht, insbesondere das Auftreten von Oberflächenbeschädigungen der Papier- oder
Kartonbahn und von Wickelfehlern in den Wickelrollen vermindert.
[0005] Diese Aufgabe wird mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst.
[0006] Die Unteransprüche enthalten bevorzugte, da besonders vorteilhafte Ausgestaltungen
der Erfindung:
Der Bereich des Reibbeiwerts nach Anspruch 2 gewährleistet eine ausreichende Fixierung
der Bahn auf der Walze für einen geradlinigen Bahnverlauf, ohne den beim Übergang
von der Walze auf die Wickelrolle erforderlichen Dehnungsausgleich der Bahn zu verhindern.
Die bessere Bahnführung ermöglicht eine erhebliche Geschwindigkeitssteigerung.
[0007] Die Oberflächenbeschaffenheit nach Anspruch 3 verhindert ein Zusetzen der Walzenoberfläche
mit Partikeln, z. B. mit Farbpartikeln bei gestrichenen Papieren und gewährt über
einen längeren Zeitraum einen konstanten Reibbeiwert.
[0008] Die Anordnung einer Tragschicht zwischen dem Tragmantel und der Beschichtung nach
Anspruch 4 verbessert die Dämpfungseigenschaften der Walze und wirkt so vibrations-
und schalldämpfend. Zugleich ermöglicht die Tragschicht bei einer nachträglichen Beschichtung
der Walze die Einstellung eines gewünschten Walzendurchmessers unabhängig von der
äußeren Beschichtungsschicht.
[0009] Die Zeichnung dient zur Erläuterung der Erfindung anhand vereinfacht dargestellter
Ausführungsbeispiele.
- Figur 1
- zeigt ausschnittsweise den Längsschnitt durch eine Walze, bei der die Beschichtung
direkt auf den Tragmantel aufgetragen ist,
- Figur 2
- zeigt eine Walze mit einer Tragschicht zwischen der äußeren Beschichtung und den Tragmantel.
[0010] Die nachfolgend beschriebene Trag- oder Stützwalze wird an Wickelmaschinen eingesetzt
mit denen durch Längsschnitt unterteilte Papier- oder Kartonbahnen von bis zu 10 m
Breite zu einzelnen Wickelrollen aufgewickelt werden. Die axiale Länge der Trag- oder
Stützwalze entspricht der maximalen Breite der zu verarbeitenden Papier- oder Kartonbahn,
ihr Durchmesser beträgt zwischen 500 mm und 1500 mm. Die Trag- oder Stützwalze besteht
aus einem hohlzylinderförmigen Tragmantel 1 aus einem festen Material, insbesondere
aus Stahl, der ausreichend stabil ausgestaltet ist, um verbiegungsfrei die durch die
auf- oder anliegenden Wickelrollen wirkenden Kräfte abstützen zu können. Der Tragmantel
1 ist im Geste der Wickelmaschine mit an seinen Stirnseiten befestigten Wellenzapfen
gelagert. Er ist mit einem Drehantrieb verbunden, mit dem die Walze in eine Drehbewegung
um ihre Längsachse versetzt werden kann, um die auf- oder anliegenden Wickelrollen
zum Aufwickeln zu drehen.
[0011] Auf die äußere Mantelfläche des Tragmantels 1 ist eine Schicht 2 aus einem Haftvermittler
aufgetragen, der eine sichere Verbindung des Tragmantels 1 mit einer außen auf den
Walzenmantel aufgebrachten Beschichtung 3 gewährleistet.
[0012] Die radial zum Tragmantel 1 gemessene Schichtdicke der Beschichtung 3 beträgt 5 mm
bis 12 mm, vorzugsweise 6 mm bis 8 mm. Sie besteht aus einem verschleißarmen Elastomer,
insbesondere aus Nitril- oder Polyurethan-Kautschuk. Ihre Härte beträgt 65 bis 80
Shore A, bevorzugt 70 bis 74 Shore A. Diese Härte entspricht einem Wertebereich von
80 bis 45 PJ (Pussey Jones), bevorzugt 60 bis 70 PJ.
[0013] Der Reibbeiwert µ der Beschichtung 3 zu Papier beträgt 0,35 bis 0,7, vorzugsweise
0,45 bis 0,6. Die äußere Oberfläche der Beschichtung 3 ist so geschliffen, daß der
arithmetische Mittenrauwert R
a ermittelt nach DIN 4768 0,5 µm bis 1,5 µm beträgt. Bei dieser Oberflächenrauheit
wird die Papier- oder Kartonbahn ausreichend auf der Walze fixiert, so daß sie geradlinig
ohne zu verlaufen auf die Wickelrolle aufläuft, zugleich ist ein Dehnungsausgleich
zwischen der auf der Walze aufliegenden Bahn und der Wickelrolle möglich, der für
die Herstellung Wickelrollen hoher Qualität erforderlich ist. Zusätzlich wird durch
den Rauwert R
a von 0,5 µm bis 1,5 µm erreicht, daß der Reibbeiwert µ Papier/Beschichtung 3 über
einen längeren Zeitraum während des Aufwickelns konstant bleibt.
[0014] Die Ausführungsform nach Figur 2 entspricht in ihrem Aufbau der von Figur 1, wobei
zusätzlich zwischen dem Tragmantel 1 und der äußeren Beschichtung 3 eine Tragschicht
4 angeordnet ist, deren Dicke 8 bis 15 mm, vorzugsweise 12 bis 14 mm beträgt. Die
Tragschicht 4 besteht ebenfalls aus einem Elastomer, sie ist mit einer Härte von mehr
als 95 Shore A (dies entspricht einer Härte von weniger als 15 nach PJ) bedeutend
härter als die Beschichtung 3. Durch die zusätzliche Tragschicht 4 verbessern sich
die Dämpfungseigenschaften der Trag- oder Stützwalze, so daß Lärmemissionen und Vibrationen
vermindert werden.
[0015] Um die Abführung der Luft zu verbessern und damit das Einwickeln von Luft in die
Wickelrolle zu verhindern, ist die Oberfläche der Beschichtung 3 bevorzugt auf bekannte
Weise mit umlaufenden Nuten versehen. Die Luftabführung kann auch durch eine Vielzahl
von Löchern verbessert werden, die durch den Tragmantel 1, die Schicht 2, ggf. die
Tragschicht 4 und die Beschichtung 3 in das Innere der Trag- oder Stützwalze führen
und über deren gesamte Mantelfläche angeordnet sein. Die Löcher können auch dazu dienen,
die Papier- oder Kartonbahn bei einem Wickelrollenwechsel auf der Trag- oder Stützwalze
durch Unterdruck zu halten. Dann ist das Innere der Trag- oder Druckwalze zur Erzeugung
des Unterdrucks an eine Unterdruckquelle angeschlossen.
[0016] Der Einsatz einer erfindungsgemäßen Trag- oder Stützwalze bei der Herstellung von
Wickelrollen aus Papier- oder Karton hat eine Vielzahl von Vorteilen:
- es werden Oberflächenbeschädigungen (Markierungen) an der Papier- oder Kartonbahn
vermieden,
- das Einwickeln von Luft in die Wickelrolle wird vermindert,
- es findet ein Ausgleich von Profilschwankungen im Querprofil der Papier- oder Kartonbahn
statt, so daß Wickelfehler in der Wickelrolle vermieden werden,
- die Wickelgeschwindigkeit läßt sich anheben,
- es findet kein Verlaufen der Bahn quer zur Laufrichtung statt, d.h. die Wickelrollen
werden an ihren Stirnseiten plangewickelt, und
- es läßt sich vibrations- und sehr geräuscharm aufwickeln.
1. Trag- oder Stützwalze für eine Wickelmaschine zum Aufwickeln von Papier- oder Kartonbahnen
mit einem hohlzylinderförmigen Tragmantel (1) aus einem festen Material, insbesondere
aus Stahl, auf dessen äußere Mantelfläche eine Beschichtung (3) mit folgenden Merkmale
aufgebracht ist:
- Die Dicke der Beschichtung (3) beträgt 5 mm bis 12 mm, vorzugsweise 6 mm bis 8 mm,
- sie besteht aus einem verschleißarmen Elastomer, insbesondere aus Nitril- oder Polyurethan-Kautschuk,
und
- ihre nach Shore A gemessene Härte beträgt 65 bis 80, bevorzugt 70 bis 74.
2. Trag- oder Stützwalze nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Reibbeiwert µ der Beschichtung zu Papier 0,35 bis 0,7, vorzugsweise 0,45
bis 0,6, beträgt.
3. Trag- oder Stützwalze nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der arithmetische Mittenrauwert Ra (ermittelt nach DIN 4768) der äußeren Oberfläche
der Beschichtung (3) 0,5 µm bis 1,5 µm beträgt.
4. Trag- oder Stützwalze nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen der äußeren Beschichtung (3) und dem Tragmantel (1) eine Tragschicht
(4) angeordnet ist, deren Dicke 8 mm bis 15 mm, vorzugsweise 12 mm bis 14 mm, beträgt
und die eine nach Shore A gemessene Härte von mehr als 95 aufweist.
5. Verwendung einer Trag- oder Stützwalze nach den Ansprüchen 1 bis 4 in Wickelmaschinen
zum Aufwickeln von Papier- oder Kartonbahnen.